Sezession
10. Februar 2017

Auroville und das globale Dorf

Felix Menzel / 23 Kommentare

Die kleine Stadt mit 2500 Bewohnern aus fast 50 Nationen gilt als eine „gelebte Utopie“. Die Aurovillaner haben ein Meditationszentrum errichtet, um die unterschiedlichen Religionen und damit einhergehende Konflikte zu überwinden. „Spirituelles Wachstum“ und die Einheit aller Menschen werden besonders hervorgehoben. Im Alltag erprobt Auroville derweil eine alternative Wirtschaft: 2004 gewann damit ein Unternehmen der Stadt sogar den „grünen Oscar“. Im Umgang mit erneuerbaren Energien, bei der Wasseraufbereitung und in der Forschung um nachhaltiges Wohnen konnten zweifellos in den letzten 25 Jahren herausragende Erfolge erzielt werden.

Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Der deutsche Indologe Steffen Graefe lobt Auroville deshalb als „ein sehr konstruktives gelebtes Modell eines globalen Dorfes, das sich zur Stadt entwickeln will, bewohnt von Menschen wie du und ich, ob schwarz oder weiß, ob Hindu oder Christ“. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß Auroville weit weniger ein Experiment ist als Deutschland. Warum?

Seitdem die ersten Gastarbeiter in die alte Bundesrepublik kamen, hat unsere Politik im Großzügigkeitswahn Bedingungen geschaffen, die unkontrollierte Masseneinwanderung ermöglichten und dazu beitrugen, daß Ausländer Deutschland bis heute sozial ausnutzen können. Ein Beispiel aus der Anfangszeit ist das Sozialversicherungsabkommen mit der Türkei von 1964. Jene Türken, die einen Verwandten in Deutschland haben, können seitdem auf Kosten unserer Krankenkassen in ihrer Heimat zum Arzt gehen. Zehn Millionen Euro dürfte uns das jährlich kosten.

In Auroville, dem Multikulti-Paradies, gibt es dagegen sehr strikte Regelungen für Einwanderung und soziale Versorgung. Zunächst einmal muß man die ideologischen Prämissen des Projekts teilen. Das heißt: Einwandern können nur diejenigen, die felsenfest von der absoluten Gleichheit aller Menschen überzeugt sind. Diese Beschränkung ist auch richtig und führt dazu, daß nur überzeugte Multikulturalisten aufgenommen werden.

Merke: Multikulti funktioniert nur, wenn ausschließlich Gleichgesinnte in dieser Gemeinschaft leben.

Darüber hinaus wird von allen Bewohnern verlangt, daß sie in der kleinen Stadt arbeiten. Dennoch gibt es keine soziale Absicherung. Auf der Internetseite von Auroville International Deutschland heißt es:

Die Gemeinschaft verfügt aktuell noch nicht über die erforderlichen Strukturen und Einrichtungen, um chronisch Kranken, Pflegebedürftigen, Invaliden oder geistig behinderten Menschen auf Dauer eine adäquate Versorgung zu bieten.

Hauptsächlich leben derzeit in Auroville Inder (42 %), Franzosen (15 %) und Deutsche (11 %). Bei den Zuwanderern von anderen Kontinenten handelt es sich also um Menschen, die erstens ideologisch davon überzeugt sind, zweitens das nötige Kleingeld für dieses Experiment besitzen und drittens jede Menge Engagement und vermutlich auch Fachwissen mitbringen.

Merke also: Multikulti funktioniert nur, wenn kluge Menschen einwandern, die das Risiko ihrer Migration selbst tragen können, sich jeden Tag in die neue Gemeinschaft einbringen und die keine soziale Absicherung brauchen.

Nach einer dreimonatigen Kennenlernzeit kann man einen Antrag stellen, Aurovillaner zu werden. Bei Genehmigung dieses Antrags folgt dann noch eine einjährige Probezeit, in der man seinen Aufenthalt selbst finanzieren muß. Zudem wird jeder potentielle Einwanderer dazu verpflichtet, eine „Rückreiseversicherung“ abzuschließen. Ein solches Modell schlägt übrigens die Juristin Anu Bradford vor, um die weltweiten Migrationsbewegungen unter Kontrolle zu bekommen. Ich habe das in einem früheren Beitrag schon einmal skizziert.

Bei den Einwanderungsbeschränkungen gehen die Aurovillaner aber noch weiter, was fast vermuten läßt, hier handle es sich in Wirklichkeit um ein verkapptes rechtes Projekt. In der Stadt gibt es nämlich einen Mangel an Unterkünften. Auf dem Höhepunkt der Asylkrise 2015/16 erlebten wir das in Deutschland auch. Gerade Großbritannien kämpft ebenfalls mit diesem Problem. MigrationWatchUK hat die Überbevölkerung der Insel und insbesondere der Städte deshalb zu einem seiner Hauptargumente gemacht.

Das gemeinschaftlich regierte Auroville fand dafür nun die einfache Lösung, daß sich die Einwanderer auf eigene Kosten ein Haus bauen müssen. 10 000 Euro sollten sie dafür einrechnen. Wenn sie mit dem Bau fertig sind, gehört ihnen aber noch nicht einmal ihr Anwesen. Vielmehr geht es in den Besitz der Stadtgemeinschaft über. Man erwirbt einzig das Recht, dort zu wohnen, solange man Aurovillaner ist.

Merke: Multikulti funktioniert nur, wenn die Einwanderungsbeschränkungen so hoch sind, daß nur die obersten zehn, maximal fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung sie überhaupt erst einmal erfüllen können. Trotzdem darf es keine Investitionsmöglichkeiten geben. Sonst kämen schließlich die „Heuschrecken“.

Halten wir also fest: In Auroville wohnen hauptsächlich strebsame Kosmopoliten, die mit viel Idealismus, einem lobenswerten ökologischen Bewußtsein und viel Können ihre Utopie vom „globalen Dorf“ real verwirklichen wollen und dabei schon sehr weit gekommen sind. Dennoch konnte das Projekt seine ersten 50 Jahre nur mit Hilfe von Subventionen und Spenden überstehen. Unterstützung hat es bereits von der indischen Regierung, der EU, OECD, Unternehmen sowie vielen nicht-staatlichen Institutionen erhalten. Auch deutsche Entwicklungshilfe floß bereits nach Auroville.

Wir merken uns deshalb abschließend: Multikulti funktioniert nur, wenn dieses Gemeinschaftsmodell großzügig von außen subventioniert wird.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es ist völlig legitim, eine solche multikulturelle Gemeinschaft irgendwo auf der Welt zu gründen. Wenn die ökologischen Projekte, die in Auroville gestartet wurden, in einigen Entwicklungsländern angewandt werden können, ist dies schon viel wert.

Von mir aus dürfen sich auch alle Multikulturalisten Deutschlands in einem Dorf nach dem Vorbild von Auroville zusammenschließen. Nicht hinnehmbar ist allerdings der Versuch, dieses Experiment auf die gesamte Gesellschaft auszuweiten, alle Menschen zu zwingen, hier mitzumachen, und die ökonomischen und sozialen Grundbedingungen dieses Projekts auszuhebeln.


Felix Menzel

Felix Menzel ist Chefredakteur des Schülerblogs blauenarzisse.de.

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Kommentare (23)

sophia_
10. Februar 2017 18:14

Sehr interessante und bestechende Betrachtungsweise. Klar und unaufgeregt. Macht den erforderlichen Rahmen für Multikulti deutlich, nützlich für Gespräche und Diskussionen.

jack
10. Februar 2017 18:52

Keiner der "guten Menschen" aus der BRD wäre bereit, die geschilderten Bedingungen selbst zu erfüllen.

Sven Jacobsen
10. Februar 2017 19:12

In Ruhe zusammengetragen und dargelegt. Im Grunde wissen es die Verantwortlichen ja auch. Zur Erinnerung: "Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!" (Angela Merkel, Deutschlandtag der JU in Potsdam 2010, sicherheitshalber zitiert nach: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/integration-merkel-erklaert-multikulti-fuer-gescheitert-a-723532.html)

 

Gustav Grambauer
10. Februar 2017 20:04

Die Aussagen von Sri Aurobindo, dem Spiritus Rector von Auroville, zu Deutschland:

https://www.aurobindo.de/Aurobindo/deutschland.html

- G. G.

quarz
10. Februar 2017 20:08

Tja, auch Alkohol am Steuer funktioniert, wenn man die Höchstgeschwindigkeit auf 5 km/h beschränkt, die Leitplanken mit Schaumstoffmatten polstert und den Gegenverkehr abschafft.

Unter realistischen Bedingungen ist es trotzdem keine gute Idee, das Alkoholisierungsverbot im Straßenverkehr aufzuheben.

Giasinger Löwe
10. Februar 2017 20:10

Cool, Ich zieh nach Auroville, da gibt es noch mehr Deutsche wie in München :-). 

Ludovicus
10. Februar 2017 20:19

Lieber Herr Menzel, Sie schreiben: "Jene Türken, die einen Verwandten in Deutschland haben, können seitdem auf Kosten unserer Krankenkassen in ihrer Heimat zum Arzt gehen. Zehn Millionen Euro dürfte uns das jährlich kosten."

Das ist die offizielle Version. Das Bundesministerium wollte zunächst keine Auskunft geben, wieviel das koste. Ich habe einen Artikel der WELT gespeichert, in dem Beschäftigte des Gesundheitswesens mitteilen, daß - wenn zufällig Türken in Hamburg zu Besuch sind,  die dort angefangene Behandlung schon mal 100 000 Euro kosten kann. Denn das Entscheidende ist ja, am deutschen Gesundheitswesen teilhaben zu können. Das scheinen Sie nicht zu wissen!

Eisriesen am Horizont
10. Februar 2017 22:15

Es gibt im Westen vermutlich ausreichend zahlungsbereite Stifter für derart skurrile Vorhaben. Wobei ich noch nicht klar erkennen kann, ob es eher einer privat geführten Ferienhausanlage ähnelt, einem Landgut einer Sekte oder doch etwas ganz anderes darstellt. Schau ich mir später mal genauer an.

Vielen Dank für den Hinweis auf dieses ausgefallene Projekt und die Aufbereitung im Zusammenhang mit Multikulti und Einwanderung.

Marc_Aurel
11. Februar 2017 00:39

Die Frage ob Multikulturalismus in der Praxis funktioniert oder nicht und unter welche Vorrausetzungen, ist zwar eine interessante Frage, aber die Frage die dem vorausgehen sollte ist die, ob er, wohlgemerkt als Leitbild einer ganzen Gesellschaft, überhaupt angestrebt werden sollte, damit auch eng verknüpft: wer will das und aus welchen Gründen. Für mich stellt es eine Anmaßung sonders gleichen dar, das einem Volk ein solches Experiment von oben einfach ungefragt aufgezwungen wird. Dass sich die Motivation unserer sogenannten Eliten, dabei (hinter den Kulissen) ganz sicher nicht aus irgendwelchen idealistischen Motiven speist, sondern wohl eher aus handfesten machtpolitischen, muss ich auf einer Seite wie dieser wohl nicht näher ausführen.

BORIQUA
11. Februar 2017 04:53

Zitat:

"Jene Türken, die einen Verwandten in Deutschland haben, können seitdem auf Kosten unserer Krankenkassen in ihrer Heimat zum Arzt gehen. Zehn Millionen Euro dürfte uns das jährlich kosten."

Frage:

10 Millionen Euro sehen mir etwas mickrig aus für Gesundheitsleistungen. Meinen Sie eher 10 Milliarden?

Lutz Meyer
11. Februar 2017 06:15

 Die Lektüre von Joseph Conrad und Hermann Melville sowie eigene (freilich lang zurückliegende und beschränkte) seemännische Erfahrung lehrten mich: Schiffsbesatzungen sind – außer auf Schiffen der Kriegsmarine – selten ethnisch oder national homogen. Trotzdem funktioniert es.

 Was auf alten Walfängern, Handelsseglern, Expeditions- und erst recht Piratenschiffen gang und gäbe war, ist im Zeitalter des Preisdumpings zur See geradezu Gesetz: Auf Schiffen europäischer Reedereien sind allenfalls die Schiffsführungen noch europäisch, die Mannschaften setzen sich je nach Schiffsart zu 60 bis 100 % aus Asiaten und Afrikanern zusammen. Ethnische Konflikte an Bord, wie sie bei gleicher Mixtur an Land kaum vermeidbar wären, sind meines Wissen auf See rar. Meutereien gingen immer quer durch die Besatzung und richteten sich ausschließlich gegen die Person des Schiffsführers, nicht primär gegen andersgläubige oder -sprachige Mannschaftskameraden.

 Die Seefahrt folgt ihren eigenen Gesetzen. Diese Gesetze sind elementarer Natur. An Bord zählen das seemännische Können und die Verläßlichkeit. Gerät ein Schiff in schwere See oder sonstige Notlagen, sind Muttersprache, Nationalität und selbst die Religion zweitrangig. Man darf daraus jedoch nicht folgern, daß Multikulti zur See funktionieren würde.

 Richtig ist vielmehr, daß Multikulti – also die Koexistenz mehrerer Kulturen in einer Gesellschaft – wie jede andere soziale Ordnung im Einflußbereich elementarer Gewalten und elementarer Gefahren schlichtweg aufgelöst wird. Die Karten werden dann neu gemischt. Die Menschen an Bord – gleich, ob weiß-, schwarz-, gelb- oder braunhäutig, ob christlich, muslimisch, buddhistisch oder atheistisch – werden auf Grundlegenderes reduziert. Kulturelle Unterschiede werden hier zu Akzidenzien, was im Überlebenskampf mit den Elementen bleibt, ist die reine Substanz. Auf deren Basis allein funktioniert die Verständigung. Funktionierte sie nicht, wäre ein Schiff mit Mann und Maus verloren. Was auf See möglich und sogar notwendig ist, funktioniert an Land freilich noch lange nicht bzw. wie das Beispiel Auroville zeigt, nur unter sehr konkreten Bedingungen. An Land gelten andere Gesetze – zu diesem elementaren Unterschied immer wieder lesenswert ist „Land und Meer“ von Carl Schmitt.

 Nun von der Nautik zur Astronautik – schließlich sind wir mit „Raumschiff Enterprise“ und ähnlichen Formaten aufgewachsen. In der Tat sind Ausflüge in die Tiefen des Universums mit dem Ziel, fremde Planeten zu besiedeln Gegenstand nicht nur utopischer Träumereien, sondern konkreter technologischer und wissenschaftlicher Erforschung und Erprobung. Auch hier ist zu erwarten, daß ethnische Homogenität nicht vorgesehen ist und dass das Miteinander trotzdem gut funktionieren wird. Denn auch hier findet eine unmittelbare Konfrontation mit elementaren Gewalten und Gefahren statt. Bei Raumschiffen wird man darüber hinaus höhere Ansprüche an die Intelligenz der Mitreisenden stellen. Wenn es trotzdem scheitert, wird es eher an allgemeinen menschlichen Unzulänglichkeiten liegen – hierzu eine Leseempfehlung: T.C. Boyle „Die Terranauten“.

Wilmot
11. Februar 2017 06:27

Ich finde, man sollte doch schon erwähnen, daß hier nicht bloß jeder an eine "Gleichheit" glaubt, sondern daß es sich hier um Anhänger einer Sekte handelt. Es heißt ja nicht umsonst "Auroville": nach Sri Aurobindo. Das sind also "New Ager", oder wie man die nennt.

Übrigens ist vor allem die Demografie Aurovilles interessant:

https://en.wikipedia.org/wiki/Auroville#Demographics

Die Problemländer aus Nord- und Schwarzafrika sowie Südwestasien/Nahost sind kaum vertreten. Abgesehen von Indern sehr viele Europäer.  Das erklärt dann eigentlich schon den Rest.

rübennase
11. Februar 2017 08:56

deutsches Pendant zu Auroville : Ökodorf Siebenlinden in der Altmark/Sachsen-Anhalt. Siehe auch Artikel in der "Jungen Freiheit" und siebenlinden.de.

Gustav Grambauer
11. Februar 2017 10:09

In Abwandlung: "Wenn Auroville das Klappfahrrad ist, wenn Hare Krishna der Käfer ist, ist ANANDA MARGA der Porsche."

https://www.salmoxisbote.de/Bote20/Jordan.htm

Habe in den Wirren der 90er Jahre einen Freund an diese Sekte verloren und mich infolge mit dieser auseinanderzusetzen gehabt, somit auch mit dem Gegensatz von vorchristlicher und christlicher Spiritualität.

Ananda Marga will nicht nur im therapeutisch-geschützten Raum Multikulti simulieren sondern das Open-Society-Netzwerk von Soros an Unverschämtheit, Fanatismus, Verschlagenheit, Kulturbarbarei und größenwahnsinniger Anmaßung der One-World-Machination noch um Dimensionen übertreffen.

Selbst in den Slums der Dritten Welt urständend und damit "glaubhaft" für den Armutskult sowie auf eine hinduistisch-naxalitische

https://de.wikipedia.org/wiki/Naxaliten

Version des Dschihad mit Zügen von Maos Kulturrevolution getrimmt, arbeiten sie offen für eine totalitäre Weltdiktatur der "Moralisten", was in westliche Sprache mit "Social Justice Warriors" übersetzt werden könnte. Dazu gehen sie mit aggressivem, in Drückerkolonnen organisierten Missionierungszügen auf Basis der "Non-Identification" (Meyer: "Reduzierung auf Grundlegendes", aber hier als Heilsversprechen!) vor, um die ohnehin Entwurzelten zielgerichtet noch weiter in die Entwurzelung (und damit Abhängigkeit ergo totale Infantilisierung, Entmündigung und Bevormundung) zu treiben. Diese zementieren sie dann mit ihrer "Revolutionären Ehe", d. h. mit Ehen,

- die ihrem Guru geweiht sind, so  wie die daraus hervorgehenden Kinder

- bei denen die Ehepartner von der Sekte  "arrangiert" werden, was mit der   Erwartung der ewigen Dankbarkeit und des Sich-würdig-Erweisens verknüpft wird

- die ausschließlich gemischt-rassig sind, was zugleich als Ausdruck der "Love to One Universal Society" und  auf dieser Basis zum allgemeinen "moralischen" Maßstab erhoben wird.

Man könnte meinem, Raspail hätte sich diese Sekte für die "Armada der letzten Hoffnung" zum Vorbild genommen - und es bleibt auch nur abzuwarten, bis die Soros-Achse in ihrer zunehmenden Verzweiflung auf die Flirt-Signale und auf den vorauseilenden Gehorsam anspringt. Diese derzeit noch höchst unterfinanzierte "Gesellschaft zur Missionierung der Höchsten Glückseligkeit" wartet nur sehnsüchtig darauf, als Massenvernichtungswaffe der Horden aus der Dritten Welt für die "Globalisierung von unten her" ("Grassroot Approach") und als Rammbock gegen das Christentum sowie die westlichen Ethnien und Kulturen von einem "philanthropischen" Mäzen entdeckt, finanziert und eingesetzt zu werden.

- G. G.

Tweed
11. Februar 2017 13:09

Sehr gute Betrachtung. Es fehlt nur noch die letzte Extrapolation hin zum Globalen. Sie handelt nicht von einem globalen Dorf, das in eine noch nicht vollständig globalisierte Welt eingebettet ist, sondern diese Welt ist dann selbst das globale Dorf. Wenn wir die Schlüsselerkenntnisse dieses Artikels zu Grunde legen, wird sofort klar, warum das nicht funktionieren kann – oder besser: es wird sofort deutlich, welche tiefgreifenden Transformationen notwendig sind, um diese Idee zum Funktionieren zu bringen. Es sind Veränderungen, die wir nicht wollen können! In dem globalen Dorf, das die ONE World sein wird, gibt es keine Grenze, deren Überschreitung wie in Auroville penibel genau reglementiert ist. Dann müssen aber die Zustände von Auroville zwangsrealisiert werden: An erster Stelle die homogene Gesinnung. Die Vielfalt der Überzeugungen und Traditionen muss gleichschaltet werden. Diese Politik läuft bereits auf Hochtouren. In einer solchen ONE World gibt es keine Außenräume jenseits der Grenze (also keine Innenräume des Eigenen und der Vielfalt). Die besagte Einfügung in die Gemeinschaft muss sich dann auch auf das Fremde erstrecken, d.h. sie muss durch eine totalitäre Konditionierung erzwungen werden. Auch dieser Prozess ist durch die Zerstörung traditioneller Lebensformen und die Egalität der modernen Lebensorm bereits in vollem Gange. Da die soziale Absicherung zunächst nicht von jedem selbst geleistet werden kann, ist in der Übergangszeit eine umfassende Betreuung notwendig. Schelsky hatte dazu geschrieben. Ausgedehnt auf die ganze Welt wird diese Spezies Heuschreckenqualität annehmen. Sie wird zum reinen Konsumenten. Die ONE World kann nicht von außen subventioniert werden. Die globale Alimente  muss innerhalb der Welt erwirtschaftet werden: von der Spezies der Leistungsträger. Für H.G. Wells waren die Eloi und die Morlocks tatsächlich zwei neue biologische Menschenrassen.

Sven Jacobsen
11. Februar 2017 13:17

@Lutz Meyer

Ihren Beitrag habe ich gerne gelesen und sehe ihn als Ergänzung zum Artikel von Felix Menzel. Sie sagen es ja selbst: Das kleine Modell (ob nun Auroville oder ein Schiff) ist kaum verallgemeinerbar. Die Motivation der Teilnehmer, die Umstände innerhalb der Lebenswelt des Modells sowie die Funktionen, die die Teilnehmer im kleinen Modell letztlich ausfüllen, sind einfach nicht identisch mit denen einer großen Staatsgesellschaft. Mir fällt hierzu ein interessantes Interview mit Viktor Orbán ein, das aus der Erinnerung heraus im September 2015 von der WELT geführt wurde. Migration wurde da von ihm - realistischerweise – als ein historisch betrachtet normales Phänomen begriffen. Es ginge, so Orbán, auch nicht um eine ethnische Reinheit; fast wörtlich sagte er, wohl kaum ein Volk sei in der Geschichte durchmischter worden als das Ungarns. Ihm ginge es um den Erhalt einer allgemein akzeptierten Kultur und Lebensweise, die in Ungarn vorherrsche.

Der letzte Satz ist der entscheidende. Während in Ungarn trotz der genannten Umstände eine ungarische Leitkultur vorherrscht, ist es in Deutschland anders. Es fängt damit an, dass der Begriff Leitkultur in öffentlichen Diskussionen schnell angefeindet und ein Zuwanderungsrisiko aus Gründen der politischen Korrektheit nicht frei diskutiert wird und hört damit auf, dass hier lebende Menschen aus anderen Ecken der Welt auch offen ablehnen können, ihre kulturellen Gepflogenheiten aufzugeben. Sie bilden folglich ausgeprägte Parallelgesellschaften mit eigenen Infrastrukturen. Die Probleme sind bekannt. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, warum Orbán in diesem Interview den multikulturellen Ansatz wörtlich ablehnt, zumal mit Zustimmung einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung. 

Siddharta
11. Februar 2017 13:32

Auroville wird vom Idealismus seiner Kolonisatoren getragen und auf deren Kosten realisiert. Der Multikulturalismus Westeuropas basiert auf dem Idealismus einer eher kleinen Elite und die Kosten tragen die Authochthonen. Das scheint mir der entscheidende Unterschied zu sein.

Langsax
11. Februar 2017 13:55

Möchte im Zusammenhang mit "Multikulti" an das Streitgespräch zwischen Eibl-Eibesfeldt und Cohn-Bendit erinnern (leider im Internet nicht auffindbar). 

Wenn wir begreifen wollen, wie der Mensch bzw. Menschengruppen "ticken", so kommt man nicht umhin die humanethologischen Erkenntnisse zu berücksichtigen. Ich weiß, Soziologen negieren sie hartnäckig, aber wir wissen, was mit Denkrichtungen passiert, die die Realitäten ignorieren. 

Wir sollten zur Kenntnis nehmen ,dass Verwandtengruppen (Familien, Sippen, Stämme, Nationen) zusammen stehen, um Ressourcen zu kämpfen (Eroberung bzw. Verteidigung). 

Wer sich ein wenig in die Thematik einlesen möchte:

https://www.estelmann.com/private/eibl1.htm

Ich weiß, vor Biologie hat man gewaltige Angst und deshalb ignoriert man sie. Trotzdem wirken Naturgesetze, egal ob wir sie verdammen oder ignorieren. Die letzten, die deshalb grandios gescheitert sind, waren die Kommunisten, deren Menschenbild war so falsch, wie das offizielle heutige unsrige...... 

Solution
11. Februar 2017 17:21

Multikulturelle Gesellschaften sind immer auch temporäre Übergangsgesellschaften, d.h., daß sie endlich sind und am Schluß immer eine Gruppe dominiert und letzlich übrigbleibt. Das kann man an Südafrika gut sehen. Dort hat sich das Verhältnis weiß zu nichtweiß von 1:3 auf bald 1:9 in etwas mehr als 100 Jahren verschoben. In weiteren 100 Jahren gibt es dort keine multikulturelle Gesellschaft mehr, weil die Schwarzen dann fast 100% stellen werden. Jede multikulturelle Gesellschaft teilt dieses Schicksal, es sein denn, daß man darauf seitens der Minderheiten reagiert und sich z.B. territorial aufspaltet. Wer uns hier in Europa eine multilkulturelle Gesellschaft aufzwingen will, wird das langfristige Verschwinden der europäischen Ureinwohner bewirken. Es sieht ganz danach aus, als ob dies schon bald unumkehrbar sein wird.

Maiordomus
12. Februar 2017 09:16

In  meinem Bekanntenkreis gibt es einen reichen deutschen Erben aus München, die Vorfahren sind Adlige aus Dessau, eine der bekanntesten deutschen Familien, u.a. mit einem Reichskanzler, der seinen Lebensabend in Auroville verbringt. In der Tat mit unseren "Flüchtlingen" nicht vergleichbar. Herr B. äusserte sich mir gegenüber begeistert über die Philosophie von Auroville. Also mit Multikulti in keiner Weise vergleichbar.

Monika L.
12. Februar 2017 09:49

Der Traum von Auroville ist ein harmloser Hippietraum, der Traum vom "Einwanderungs-Disneyland" ( Eva C. Schweitzer in Tumult Winter 16/17) wird immer mehr zum Alptraum.  Die Amerikanistin schreibt über Multikulti:

Warum Deutschland überhaupt Einwanderung möchte, ist schon einmal unklar. Es gibt ja bereits eine Bevölkerung, und auch Amerika siedelt Neuankömmlinge nur dort an, wo die Ureinwohner zuvor in Reservate verfrachtet wurden.

..........

Meine Theorie dazu: Es geht darum, dieses Multikulti-Disneyland zu verwirklichen, das nur in der Phantasie existiert und in dem sich alle - Deutsche und Ausländer, Christen, Moslems und Juden, Heteros und Schwule - an den Hönden fassen und liebhaben. Und mehr als das: Die Einwanderer sollen Deutschland bunter machen und weniger deutsch. In Amerika ist es, natürlich, genau umgekehrt. Je mehr Einwanderer  aus verschiedenen Löndern assimiliert werden, desto größer wird der Druck, sich anzupassen, den Namen zu anglisieren und sich in einem aggressiven " Amerika ist das Größte" -Nationalismus zu ergehen, der eine gemeinsame Klammer bildet. .......

Die Deutschen müssten also als ersten Schritt zu einem erfolgreichen Einwanderungsland einen entschiedenen "Deutschland über alles " Nationalismus salonfähig machen und dann darauf hoffen, dass das Leute anlockt , die etwas aus ihrem Leben machen wollen. Aber natürlich geht Deutschland auch hier wieder einen Sonderweg: Es möchte Einwanderer in ein Land integrieren, das eigentlich abgeschafft werden soll, weil die Leute, welche die Einwanderer einladen, es selber doof finden.....

Und deshalb hat, so die Amerikanistin , Merkel Mitschuld an Trump:

https://cicero.de/index.php/weltbuehne/deutschland-und-die-usa-trumps-werk-und-merkels-beitrag

Katzbach
12. Februar 2017 13:02

Es geht noch weiter. Den Bewohnern wird empfohlen sich nach Landessitte zu kleiden (von Aurovill Deutschland).

Am Wochenende empfiehlt man Frauen zu Haus zu bleiben, weil die Dorfjugend Rabatz macht und am Strand soll man nicht unbekleidet sein. 

Ich weiss nicht ob Multikulti nicht funktioniert, der Deutsche arbeitet, Mohamed sitzt im Knast, der Afrikaner steht an der Ecke und der Rotationeuropäer macht Dreck, der Pole macht ihn wieder weg.

Gebt den Deutschen 5 mal 5 km wo sie machen können was sie wollen. Angst?

Welches Unheil können sie noch anrichten? Was kann man ausser  Auto, Computer, Rakete, Fernsehen, Radio, Nukleartechnik, Blitzkrieg, Chemie(Gummi, Farben), Propaganda, MP3  und Gutmenschentum noch erfinden?

Felix Menzel
12. Februar 2017 17:44

An Ludovicus und BORIQUA:

Zunächst: 10 Millionen Euro stimmt schon. 

Das Phänomen des Gesundheitstourismus ist mehreren europäischen Staaten ein Dorn im Auge. Laut der offiziellen Begründung für Sozialversicherungsabkommen zielen sie gerade darauf ab, diesen Gesundheitstourismus und drohende Einwanderung einzudämmen. Die Logik: Wenn wir den Türken in der Türkei den Arzt bezahlen, kommen sie wenigstens nicht nach Deutschland.

Wie sich das Problem lösen ließe, muß ich wahrscheinlich gar nicht betonen: Wir könnten natürlich auch die Einwanderung sowie die soziale Versorgung für Fremde ablehnen.

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