13. Februar 2017

Nachklapp zum Talk im Hangar-7

von Martin Lichtmesz / 50 Kommentare

Am Donnerstag, den 9.2., lud mich der österreichische Privatsender Servus-TV zu einer Diskussionsrunde mit dem Thema "Politiker wie Trump: Ist das unsere Zukunft?".

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Letzten Oktober hatte es einen kleinen Skandal gegeben, als sich der Sender weigerte, Martin Sellner trotz linken Protesten und Absagen anderer Gäste wieder auszuladen. Die Diskussion fand schließlich statt, wurde jedoch auf eine Meta-Ebene verlegt: Nun debattierten Sellner, Andreas Unterberger, Efgani Dönmez und der Altgrüne Andreas Voggenhuber, ob man denn mit einem "Rechtsextremisten" überhaupt debattieren darf.  Bereits im September fragte "Talk im Hangar-7", ob das übliche Schema "Böse Rechte, Gute Linke"  nicht allzu einfach sei, auch diesmal mit einer ausgewogenen Besetzung und einem gerechten Moderator, Michael Fleischhacker. Damit ist Servus-TV dem notorisch einseitigen ORF und erst recht dem bundesdeutschen Staats- und Privatfernsehen um einige Längen voraus, was echten Meinungspluralismus angeht. Die Redakteure haben wohl auch erkannt, daß eine Diskussionssendung spannender ist, wenn tatsächlich zwei Seiten anwesend sind.

Diesmal blieb der "Shitstorm" aus, abgesehen von ein bißchen Gejammer aus der linksextremen Ecke. Eine ursprünglich eingeladene Vertreterin der "Sozialistischen Jugend Österreichs" löste sich schon bei der Nennung meines Namens in Luft auf. Auch eine Sprecherin der Grünen Jugend lehnte die Einladung ab, weil man einem "Neofaschisten" (Yours truly) "keine Bühne geben dürfe". Diese Boykottversuche gingen kläglich ins Leere. Ich war jedenfalls nicht sonderlich traurig, daß mir die Damen kampflos die Bühne überlassen haben. Ich hatte schon vor ihren fundierten Argumenten gezittert.

Schließlich sprang kurzfristig Herbert Lackner ein, der ehemalige Chefredakteur meines Lieblingsmagazins profil.  Bevor es losging, spielte sich im Aufwärmraum eine kurze, vielsagende Szene ab. Fleischhacker zitierte eine Umfrage, die zeigte, in welchen Ländern derzeit ein Einreise- oder Einwanderungsverbot für Muslime besonders stark befürwortet wird: Polen lag an erster Stelle, an zweiter Österreich. "Na klar", sagte Lackner, "In beiden Ländern sind ja auch die Rechtspopulisten sehr stark." - "Das hat natürlich immer nur etwas mit Rechtspopulisten zu tun", sagte ich. "Nie etwas mit Muslimen." Dann grinste ich ihn ironisch an. Lackners Augen blitzten auf, in einer Mischung aus Überraschung, Amüsement und Kampfeslust, die mir nicht unsympathisch war. Wir hielten zwei Sekunden Augenkontakt, ohne ein Wort zu sagen. Fleischhacker wandte ein: "Aber gerade in Polen leben doch nur sehr wenige Muslime." - "Polen ist ja nicht vom Rest der Welt abgeschnitten. Die sehen ja, was in Ländern mit muslimischer Masseneinwanderung passiert." 

Damit war die Debatte bereits im Kern vorgezeichnet: wie immer laufen alle Argumente und Positionen auf ein zähes "Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst"-Spielchen hinaus. Für meinen Kontrahenten Wolfram Eilenberger, der mich von Anfang an ins Herz geschlossen hatte und darum im Laufe der Sendung für besonderen Spaß sorgte, läuft alles auf eine gigantische, von grundlos boshaften Menschen geschürte Angstpsychose raus. "Ängste schüren, die Katastrophe herbeireden, Feinde erfinden", das ist für ihn das Rezept der AfD, wobei er sich offenbar als mahnende Figur in einem Film wähnt, in dem die zwanziger oder dreißiger Jahre wiederkehren. Er ging auch ziemlich rasch zu Ad-hominem-Angriffen über, von der dräuenden Erwähnung des Verfassungsschutzes bis hin zum Versuch, mich und meinen Mitstreiter Harald Vilimsky (FPÖ) ins pathologische Eck zu rücken. Wie Lutz Meyer unlängst bemerkte:

Wer dem politischen Gegner eine psychiatrische Erkrankung zuschreibt, will meist mehr, als ihn bloß zu beschimpfen. Er will Menschen und Denkrichtungen durch Zuschreibung eines Defekts als diskussionsunwürdig abstempeln.

Dabei war Eilenberger ein klassisches Beispiel für die Faustregel von Vox Day: "Social Justice Warriors always project". Sein Typus ist von Angst getrieben und argumentiert auch mit nichts anderem als Angst. Die "Rechtspopulisten" spielen in seinem Weltbild die Rolle des apokalyptischen Feindes, der grundlos die heile Welt der liberalen Euro- und Demokratie verderben will, wie auch des Sündenbocks, dem alle Schuld am Versagen der multikulturellen Gesellschaft zugeschoben wird. Eilenberger ist übrigens von der Sorte Linker, die es bereits für "rassistisch" und übel problematisch hält, wenn eine deutsche Sportmannschaft ausschließlich aus Weißen besteht (mehr muß man eigentlich nicht über ihn wissen). Am Ende der Diskussion versuchte er eine Art "derailing", indem er mich ohne irgendeine Begründung als "Verfassungsfeind" bezeichnete, und frecherweise verlangte, ich solle mich zu seiner Geistesverfassung (oder so ähnlich) bekennen.

Jedenfalls war mir schnell klar, daß das Format der Sendung es allenfalls erlauben würde, an der Oberfläche des Themas zu kratzen. Darum war es auch von vornherein sinnlos, sich auf Detaildiskussionen einzulassen. Lackner und Eilesberger traten mit der üblichen Arroganz ihrer Kaste auf, und redeten ununterbrochen von "Fakten", über die sie angeblich so gut Bescheid wußten. Dabei würden sie ihre Haltung wohl kaum ändern, würde man sie mit Fakten konfrontieren, die nicht in ihr Weltbild passen, etwa mit den Antifa-Ausschreitungen in Berkeley und anderswo. 

In der Show von Markus Lanz kam neulich die Rede auf die im Vergleich zu Obama angeblich spärlich besuchte Angelobung Trumps, eine Behauptung, die von den Medien mithilfe einer Gegenüberstellung von zwei Fotos aus den Jahren 2009 und 2017 illustriert wurde. In Wahrheit sah es auf der Trump-Inauguration so aus - die verbreiteten Bilder wurden einfach zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommen. Als Lanz nun diese Bilder zeigte, wurde er von Ranga Yogeshwar, selbst kein Freund Trumps, entsprechend korrigiert. Der für das Narrativ peinliche Moment der Wahrheit dauerte allerdings nicht lange, denn schon bald wurde Max Otte, der allseits gescholtene Trump-Verteidiger in der Runde, mit einem ähnlichen "Derailing"-Manöver wie in meinem Fall auf vertrautere Geleise geführt: „Was war denn eigentlich, Herr Professor, waren Sie glücklich, daß Sie bis auf 60 Meter an diesen Frauenverächter und Rassisten herankamen?“ Als Otte diese Aussage über Trump relativierte (der Vorwurf des "Rassismus" hat keinerlei faktische Basis, und Trumps Machosprüche wurden durch entstellende politisch korrekte Filter getrieben) wurde er von Lanz zurechtgewiesen: "Herr Otte, jetzt sind wir aber wieder postfaktisch unterwegs. Donald Trump ist nicht rassistisch?“ Das ist doch eine ausgemachte Sache! Jedermann muß hier zustimmen! (26 min 40 - 30 Min.)

In der gleichen Situation wie Otte befanden sich auch Vilimsky und ich. Das negative Trump-Narrativ, das Lackner und Eilenberger vertraten, ist das zur Zeit am weitesten verbreitete: Trump als irrer, unfähiger, unberechenbarer, rassistischer, gefährlicher Psychopath, der die amerikanische Demokratie aushebeln will. Alles, was ich tun konnte, war, die Allgemeingültigkeit dieses Narrativs in Frage zu stellen und eine alternative Version der Geschichte zu skizzieren. Meine wesentlichen Punkte waren diese:

  • Trump und seine Handlungen werden von den Mainstream-Medien maßlos dämonisiert und verzerrt dargestellt. Als Beispiel nannte ich die Berichterstattung über den angeblichen "Muslim Ban" (insbesondere das Cover des Spiegels, das Trump als IS-Kämpfer zeigt, der die Freiheitsstatue geköpft hat). Dieselben Medien, die nun mit aller Macht sein Scheitern herbeischreiben wollen, haben mit denselben Methoden versucht, seine Wahl zu verhindern. Das Gruselige ist nicht nur die Maßlosigkeit dieser Panikmache, sondern daß es kaum eine alternative Berichterstattung gibt (die Schweizer Weltwoche ist im deutschsprachigen Raum eine rühmliche Ausnahme). Wer eine andere Meinung zu Trump hat, wird sie fast nirgends repräsentiert finden.
  • Besonders billig wurde es, als ein Filmchen gezeigt wurde, das Trump originellerweise neben den Antichristen aus Braunau stellte, und die populistische Welle als "Sehnsucht nach starken Männern" deutete, die "die Demokratie" abschaffen wollen. Das ist ein unglaublicher Quatsch - wahr ist vielmehr, daß die Wähler der populistischen Parteien mehr und nicht weniger Demokratie fordern. Wir haben es hier mit einer Krise der Repräsentation zu tun - große Schichten des Volkes fühlen sich und ihre Anliegen nicht mehr repräsentiert oder vertreten, weder politisch noch medial.
  • Die populistische Frage spitzt sich überall dort besonders deutlich zu, wo sichere Grenzen, die ethnokulturelle Identität und die nationale Souveränität der Völker wieder zu drängenden Themen werden.
  • Der Anstieg des Populismus hängt direkt mit der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik des Westens zusammen, die sich immer weniger um die Interessen der westlichen Völker kümmert.
  • Hier hätte ich vielleicht stärker betonen sollen, daß man auf die Dauer nicht beides haben kann: Demokratie, liberale Verfassungen, Rechtsstaat und Aufklärung auf der einen und muslimische Masseneinwanderung auf Austauschlevel bis zum Kippen der Mehrheitsverhältnisse auf der anderen Seite.
  • Der wichtigste Punkt: wer vom Globalismus nicht reden will, muß vom Populismus schweigen.  Mehr hier. (Noch ausführlicher habe ich mich zum Thema Populismus hier und hier geäußert - ein dritter Teil kommt noch).

Am Ende der Sendung war die Frage nach der "ethnischen Homogenität" aufgekommen. Ich betonte, daß es sehr verständlich sei, wenn sich noch relativ "homogene" Länder wie Ungarn, Tschechien oder Polen den Segnungen der multikulturellen Fragmentierung versagen, die Westeuropa zunehmend in soziales Chaos, ethnische Spannungen, Terror und Kriminalität stürzt. Multikulturalismus gehört ebenso wie "Kulturmarxismus" zu den Stützpfeilern der globalistischen Ideologie.

Nachher kam Lackner zu mir und fragte: "Na, wenn Sie schon von der ethnischen Homogenität reden, was für einer Ethnie gehören eigentlich Sie an?" Ich ahnte, worauf diese Frage hinauslaufen würde (auf eine endlose Dekonstruktionshaarspalterei und Zerreden von Dingen, die einfach sind wie eine Watschen), und sagte: "Ein Grönland-Indianer." - "Sagen Sie schon, sehen Sie sich etwa als Germanen?"  - "Nein, als Grönland-Indianer, sagte ich doch! Diese Diskussion führen wir ein andermal."

Später meinte er zu mir, er habe einmal mit Thilo Sarrazin ähnliche Thesen wie meine diskutiert, er verstehe das alles nicht, was soll das Problem sein, es sei doch unvermeidlich und gut, wie sich nun alles mit allem mische. "Mir kommt wirklich vor, als würden wir in Paralleluniversen leben", sagte ich zu ihm. "Haha", lachte er, "das stimmt, ich komme wirklich aus einem gaaanz anderen Eck als Sie."- "So meine ich das nicht. Ich meine, daß in unseren Welten völlig verschiedene Dinge passieren." - "Ja, vielleicht, aber mir scheint, daß meine Welt ein bißchen größer ist als Ihre." - "Im Gegenteil, was Sie sagen, kommt mir unglaublich naiv vor." Wir lachten nun beide laut auf, unerschütterlich in unserer Sicht der Dinge.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (50)

Hartwig aus LG8
13. Februar 2017 09:18

Bei Talkshows geht es wohl nie um die Überzeugung durch Argumentation, sondern um das Plazieren der eigenen These in der Öffentlichkeit. Im Idealfall lässt man den Gegner als Person dumm aussehen.

Ich habe die Sendung im Stream gesehen. Hier meine Eindrücke:

Auf Grund der Anwesenheit des FPÖ-Mannes Vilimsky (V.) an der Seite von  Martin Lichtmesz (L.) war die Runde weitgehend ausgeglichen. Zwischen L. und V. schien es eine Art Arbeitsteilung gegeben zu haben; V. für die reale Politik, L. für den politischen Überbau. V. konnte sich sowohl inhaltlich als auch formal durchaus gut in Szene setzen und punktete ein ums andere Mal. L.'s  Hauptgegner schien von Anfang an Eilenberger zu sein, der im ersten Drittel der Sendung glatt und formal einigermaßen gekonnt seine Floskeln plazieren konnte. Im Laufe der Sendung verlor er zunehmend den Boden unter den Füßen, was vor allem an L. lag; L.  ließ sich auf kaum eines der üblichen Spielchen ein, was die Gegenseite wohl nicht gewohnt zu sein schien. Beispielhaft L.'s "Fragenkorrektur" gegenüber allen Anwesenden, als er Fragen als falsch zurückwies und die richtigen Fragen in den Raum stellte und auch gleich beantwortete.  Der Angriff auf die heilige Kuh Globalisierung kam von L. Richtig! Am Ende dann Klartext von L., als er unumwunden die Fragmentierungen der Gesellschaft als schädlich ablehnte. Ich würde die Fraktion V. und L. als knappe Sieger der Debatte bezeichnen (im Sinne meines ersten Satzes.)

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

arbeiten Sie an ihrer Form. Vielleicht werden Sie künftig öfters in Talkshows sitzen!?  Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr aufreizendes Herumlümmeln im Sessel zur Performance gehören sollte. Über die etwas verwehte Frisur und die Hemdsärmeligkeit sei hinweggesehen. Sie machten zu Beginn der Sendung einen gewöhnungsbedürftigen Eindruck. Aufgedreht, aggressiv.  Zuweilen sprachen Sie sogar in die Rede von Vilimsky rein. Suboptimal. All das ebbte mit Fortgang der Diskussion ab, aber der erste Eindruck bleibt für Außenstehende am ehesten haften.

M.L.: It's a feature, not a bug!

Der Gehenkte
13. Februar 2017 09:51

Argumentativ alles richtig gemacht.

Daß man die Argumentation nicht wird vertiefen können, das verhindert bereits das Format und wenn man Leute wie Eilenberger dabei hat, die penibel darauf achten, daß "der Böse" nicht mehr als notwendig Redezeit bekommt, wird es schwer, überhaupt zu Wort zu kommen. Die längeren Passagen zum Schluß zeigen, wie überrascht man war, hier jemanden vor sich zu haben, der wirklich was zu sagen hat und zwar etwas, das man so (im Inhalt und der Art) noch nicht gehört hatte. Ihre Backstageinformationen bestätigen ja, wie weit die Welten auseinander liegen - mit einem wesentlichen Unterschied: Wir nehmen die linken Erzählungen zumindest wahr und konfrontieren uns mit ihnen.

Diskutabel ist die "Form". Hier könnte man abwägen zwischen a) Idiosynkrasie oder b) Kompatibilität.

Lichtmesz als Typ ist ja schon eine Bereicherung und eine Attraktion - für die, die ihn lesen können. Aber seine "Kauzigkeit" mag auf Unvorbereitete befremdlich wirken. Wer etwas anderes zu sagen hat, der sollte es auch anders sagen. Mit ein bißchen Telegenitätstraining kann man das eine vielleicht haben ohne das andere - die eigene Persönlichkeit - aufzugeben. Ich sehe das nicht als Kritik - mir wäre ML sofort positiv aufgefallen, hätte ich ihn nicht gekannt - aber ich sehe auch mit fremden noch blinden oder sogar bewußt geschlossenen Augen.

Dazu gehört auch, die Waffe der Interruption wohltemperiert einzusetzen, weil sie allzuschnell stumpf wird.

Aber das ist alles peanuts gemessen am Gesamtfeiertag!

Maiordomus
13. Februar 2017 09:51

Wiederholte Vorhaltungen wie "Wird vom Verfassungsschutz beobachtet" sind reine Feinderklärungen, ev. kontern, "Ich würde Sie nicht beobachten lassen, bloss die Sache auf den analytischen Punkt bringen". Natürlich ist klar, dass noch nie gegen einen Politiker des Westens vergleichsweise gehetzt wurde wie gegen Trump. Das Freund-Feind-Verhältnis nüchtern analysieren.

Gustav Grambauer
13. Februar 2017 10:31

"Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten.

Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott.

Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,

dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott!" ― Körner

Der reichianische Sozio-Psycho-Sermon hat `68 wohl ziemlich Eindruck gemacht, von den heutigen Apgitpropniks wie Eilenberger hört er sich nur noch an wie eine Schallplatte mit Sprung. Und der arme Lackner hat sich wohl auferlegt, die Sado-Maso-Taktik von Horst Sindermann zu übernehmen: den Untergang mit eingefrorenem Dauergrinsen zu überstehen und dabei noch unentwegt zu betonen, wie amüsant er alles findet.

- G. G.

Valjean72
13. Februar 2017 10:36

Vielen Dank für diesen Einblick, gerade auch für das erhellende Gespräch nach der Sendung zwischen Ihnen und Herrn Lackner.

Monika L.
13. Februar 2017 10:49

"Wir lachten nun beide laut auf, unerschütterlich in unserer Sicht der Dinge."

ML

Ich hoffe, das Lachen wird so laut, daß die ein' oder andere Sicht der Dinge etwas erschüttert wird. 

Oriana Fallaci ( Die Wut und der Stolz) führte 1979 ein Gespräch mit Ajatollah Khomeini. Sie provozierte den Geistlichen: "Wie schwimmt man eigentlich mit einem Tschador?" Khomeini schnappte zurück:"Unsere Sitten gehen Sie gar nichts an. Wenn sie islamische Kleidung nicht mögen, müssen Sie sie nicht tragen." Fallaci konterte:" Das ist sehr freundlich, Imam. Und weil Sie das gesagt haben, werde ich jetzt diesen dummen, mittelalterlichen Fetzen ausziehen."Und auf der Stelle warf sie den Tschador ab und saß dem Alten mit offenen Haaren gegenüber, eine Todsünde im Gottesstaat. Khomeini sprang schockiert - "wie eine Katze, eine solche Beweglichkeit hätte ich dem Alten nicht zugetraut" - auf und stürmte aus dem Raum. Die Italienerin musste 24 Stunden warten, bis er sich zur Fortsetzung bequemte. Vorher wurde sie von seinem Sohn Achmed ermahnt, keinesfalls wieder das Thema Tschador anzusprechen.

Doch Fallaci tat genau das Gegenteil, schon in der ersten Frage. Die Reaktion des Imams war verblüffend:" Zuerst schaute er mich erstaunt an, total erstaunt. Dann war der Schatten eines Lächelns auf seinen Lippen. Dann wurde aus dem Schatten ein wirkliches Löcheln. Und dann lachte er !" Später flüsterte Achmed ihr zu:" Glaube mir, ich habe meinen Vater nie lachen sehen. Sie sind die einzige Person auf der Welt, die ihn zum Lachen brachte." ( Wiedergefunden in Compact 2/17)

Ich habe die Talkshow sehr genossen. Herr Lichtmesz hat sich super geschlagen. Und verteidigt. Das aufreizende Herumlümmeln gefällt mir besonders gut. Bringt die aalglatten Talker aus der Fassung. Daß die Frisur immer wilder  wurde...ein Markenzeichen !

Ich erinnerte mich an einen Sketch von Loriot. Ein Maskenbildner verwuschelt die Haare des Politikers kurz vor Sendebeginn. Und  sagt:

 "Sehen Sie wild aus, es geht um alles." 

Junge wilde Rechte in Talkshows ? Ich liebe es !

Biggeo
13. Februar 2017 10:52

Ausnahmsweise habe ich mir diese Sendung mal wieder angetan, obwohl ich Talkshows überhaupt nicht mehr sehe. Ich habe es dieses Mal trotzdem gemacht wegen M. L.  und dem Vertreter der FPÖ. Meinem Vorkommentator muss ich in einigen Punkten Recht geben, z.B. das Gelümmel im Sessel von Herrn L.  Auch wenn bei den linken Talkshowdauergästen dies zum Teil als besonders toll angesehen wird, halte ich es für einen Vertreter der sog. Konservativen für nicht angebracht. In der Sache selbst, wurde mir mal wieder deutlich, dass es wenig Sinn macht so etwas anzusehen. Das ist genauso wie wenn man vor einem Fluss steht und sagt, das Wasser läuft bergab und ein anderer steht daneben und sagt, nein das Wasser läuft bergauf. Selbst wenn wir 30 Jahre weiter sind und sich  aufgrund der bis dahin schmerzhaften und zum Teil blutigen Ereignisse ein anderes gesellschaftliches Denken ergeben haben sollte, dann wird ein Herr Eilenberger immer noch behaupten, dass die schmerzlichen Einschnitte der letzten Jahre ausschließlich auf die Rechtspoulisten zurück zu führen sind. Jedenfalls kennt die Faktenresistenz der derzeitigen Gesellschaft weitestgehend keine Grenzen.

Lutz Meyer
13. Februar 2017 11:29

@Gustav Grambauer:

Es mag nebensächlich sein oder gar nach Korinthenkackerei klingen, doch dieses von Ihnen gebrachte, Carl Theodor Körner zugeschriebene Zitat, das man auch sonst öfter in Kommentarspalten meist rechter Publikationen liest – ist das wirklich von Körner oder nur eine späte Zuschreibung? Ich habe mal einen verregneten Sonntagnachmittag damit verbracht, meine zweibändige Körner-Ausgabe von 1900 von vorne bis hinten danach zu durchstöbern – ergebnislos . Ich werde auch den Verdacht nicht los, dass es nicht von Körner ist – der Stil ist zu ruppig. Das Zitat wird auch nirgendwo näher belegt. Können Sie (oder kann jemand anders hier) weiterhelfen?

Braunschweiger
13. Februar 2017 11:59

Meine Empfehlung an Martin Lichtmesz:

Beim nächsten Mal nicht beim "sich gegenseitig ins Wort fallen" mitmachen, sondern abrupt abbrechen, den "ins Wort Faller" ausreden lassen und dann ohne weiter darauf einzugehen die eigene Rede unbeirrt noch einmal von vorn beginnen.

Im Übrigen: Es freut mich sehr, das die Einheitsfront bröckelt und nach Martin Sellner ein weiteres Mal ein Rechter im TV zu Wort gekommen ist. Fehlt noch Kubitschek im deutschen Fernsehen.

Der_Jürgen
13. Februar 2017 12:10

Ich pflege mir Talkshows gemeinhin nicht anzusehen, doch diesmal machte ich wegen der Teilnahme des Grossen Denkers eine Ausnahme, und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auch Vilimsky hinterliess einen sehr guten Eindruck. 

Die Faktenresistenz von Typen wie Eilenberger ist wahrlich atemberaubend. Man kennt die dümmlichen linken Phrasen ja in- und auswendig und meint immer, schon in die tiefsten Abgründe geleuchtet zu haben, begreift aber dann zu seiner Ernüchterung: Dümmer geht immer.

Martin Himstedt
13. Februar 2017 12:17

Bei 6:11 trifft Eilenberger die sexistische Aussage, von einer „sehr weiblichen Haltung, dass man unglaublich ungerecht behandelt wird.“ Nicht auszudenken, wie groß der #Aufschrei gewesen wäre, wenn Martin, oder gar Trump, das gesagt hätten …

M.L.: Ja, das war kurios. Ein "cuck" par excellence versuchte uns hier gewissermaßen als Pussies hinzustellen, und dachte wohl, dass uns das als bekanntlich stramm phallokratische Rechte à la Theweleit besonders provoziert. Dabei ging es in dem Vorhergesagten nicht einmal um uns selbst, sondern um die extrem unausgewogene Berichterstattung über Trump. Etwas später spielte er "sehr weiblich" das Opfer und jammerte herum, wie schlimm unterdrückt sich seine linken Freunde in den USA gerade fühlen...

Und beginnend bei 1:04:22 für Martin etwas aus, was für mich des Pudels Kern in der ganzen Diskussion darstellt: "Der Mulitkulturalismus, die Ideologie der Diversity, ist eine extrem aggressive Ideologie. Und es ist auch eine rassistische Ideologie." Für mich sind Artikel wie "Die Alternative für Deutschland" von Wolfram Eilenberger nämlich in der Tat rassistisch – nur eben in die andere Richtung. Ein Phänomen, welches bei den Twitter-Feministinnen genauso existiert (Sexismus).  (In diesem Zusammenhang sei auch der Klonovsky vom 10. Februar 2017 empfohlen: „Tja, besorgter Bürger, was nun? Der Rassismus hat die Seiten gewechselt …“) Genau so haben die Mikro-Aggressionen im Alltag (Camus) einen rassistischen Kern. Und auf Welt-Online gibt es einen Artikel darüber, dass letztlich auch die Übergriffe von Köln einen rassistischen Kern besitzen – leider finde ich ihn nicht mehr. Ebenso wird ein Land zwangsweise nationaler, sexistischer und so weiter, wenn man massenweise Menschen importiert, die in der Tendenz sexistischer und nationaler eingestellt sind. Das ist nun eigentlich nicht schwer zu verstehen, sollte man meinen.

Ich glaube, dass ist der Punkt, an welchem unsereins weiterarbeiten muss: Die Umkehrung des Narrativs.  

quarz
13. Februar 2017 12:50

Ich hab die Sendung gesehen. Erfreulich war, dass Lichtmesz dem polemischen Gezeter seines Hauptkontrahenten selbstbewusst die Stirn geboten hat ohne im Überschwang des Gegenangriffs die Souveränität einzubüßen. Allzu oft ist in solchen Diskussionsrunden der Vorführ-Rechte ja die ganze Zeit über damit beschäftgt, defensiv zu beteuern, dass er eh alles verurteilt, was ihm an Positionen unterstellt wird, so dass er am Ende wie einer dasteht, der unter Stirnrunzeln aus Mangel an Beweisen und aufgrund reuiger Einstellung gerade noch mal gnadenhalber laufen gelassen wird.

Ein Punkt, der bei mir hängen geblieben ist:

Als darauf hingewiesen wurde, dass Multikulti negative Auswirkungen auf das Funktionieren einer Solidargemeinschaft habe, hat Lackner gefragt: "Welche?" Er schien ehrlich unwissend, ansonsten hätte er nicht seine ungeschützte Flanke mit dieser Frage so entblößt, lädt diese Frage doch geradezu ein, ihn mit einer Wagenladung voller empirischer Forschungsergebnisse zu überschütten, die das belegen.

Das bestärkt mich in der Ansicht, dass das Wissen um diese Forschungsresultate noch viel zu wenig verbreitet ist und dass bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen werden sollte.

Tweed
13. Februar 2017 13:03

Ich glaube nicht, dass es richtig ist, sich an solchen öffentlichen Liturgien der Gesinnungspastoren zu beteiligen, die hier ihre Göttin anbeten, die Unfreiheit (der Meinung), und der sie ein Opfer darbringen:  Ist es nicht vielmehr ein nutzloses (vielleicht sogar kontraproduktives) Eintauchen in das endlose Dauergeplapper der politischen Romantiker? Die entscheidenden Ideen verbreiten sich außerhalb (metapolitisch?) dieser geistbefreiten Orte. Erst wer von solchen umstürzlerischen Ideen schon infiziert ist, kann den geheimen Sinn solcher Talk-Ritale entschlüsseln. Wer von ihnen noch unbeleckt ist, wird gläubig der Predigt folgen und zu Hause vom Sofa aus an der communio teilnehmen. Eine Nichtteilnahme hätte sogar den Effekt der Trockenlegung diese Sumpfs. Das immergleiche Dauergeschwätz ohne reale Menschenopfer wird auch dem abgestumpftesten GEZ-Zahler irgendwann zu langweilig, so dass er mit dem ersten Schritt in die Mündigkeit beginnt, der Entscheidung den Fernseher abzuschalten.

Harald
13. Februar 2017 13:25

Die Argumentation von Herrn Lichtmesz hat mir sehr gut gefallen,er war den Linken intellektuell überlegen . Ich habe von Ihm das Bändchen " Die Verteidigung des Eigenen " gelesen,sehr treffend geschrieben .Nur Hans-Dietrich Sander war besser.

Tweed
13. Februar 2017 13:26

P.S. Damit, dass sich die Ideen außerhalb solcher Orte verbreiten, meinte ich z.B. mündlich. Das tun sie nämlich immer schon. Die mündliche Übertragung scheint mir das wichtigste und sogar genuin konservative (mindestens traditionsschaffende und -bewahrende) Medium. Das geht dann bis zu symbolischen aber sinnlich erfahrbaren Zurückeroberungen von Orten der Repräsentation, die hier und jetzt wahrgenommen werden können, von einem physisch anwesenden Publikum: Also Präsenz statt nur scheinbar präsentes TV-Trugbild. Das machen die Identitären so toll. Ich freue mich auf weitere phantasiereiche Erfindungen von neuen politischen Ausdrucksformen, die jene der Herrschenden einfach schulterzuckend links liegen lassen. Ich glaube, da ist noch viel Luft nach oben.

Der_Jürgen
13. Februar 2017 13:32

@Tweed

Ich kann Ihre Argumentation sehr gut nachvollziehen, finde aber, dass Lichtmesz gut daran tat, diese Einladung anzunehmen, zumal er ja nicht allein gegen die Mafia antreten musste, sondern  mit Vilimsky einen Bundesgenossen hatte. Natürlich kann man mit den relativ wenigen Aussagen, den man im Rahmen einer solchen Diskussion tätigen kann, einen eingefleischten Linken oder Liberalen nicht von seiner Position abbringen, aber man kann zumindest zeigen, dass "die Rechten" keine primitiven Barbaren und gemeingefährlichen Brandstifter sind, sondern normale Menschen, und dass sie nüchtern Argumente ins Feld führen können, gegen die die Gegenseite nicht ankommt. Damit kann man Skeptiker und Gegner, die nicht böswillig sind und kein Brett vor dem Kopf haben, zumindest nachdenklich stimmen und ihr Vertrauen in die Berichterstattung der Medien erschüttern.

In diesem Sinne darf man hoffen, dass dieser Fernsehauftritt sowie der vorherige von Sellner keine Eintagsfliegen waren. Den Krieg gewinnen wir damit nicht, aber vielleicht doch das eine oder andere Scharmützel.

Dietrich Stahl
13. Februar 2017 13:34

Lieber Martin Lichtmesz, ich hatte mir die Diskussion in der Mediathek des Senders angeschaut und wollte da nicht mit Ihnen tauschen. Nicht einfach, gegen diese Typen fokussiert zu bleiben. Mein Respekt, wie Sie das gemeistert haben. Am besten lief es so ab 40:00 min. Da hatten Sie zeitweise „die Lufthoheit“ erkämpft und konnten einige prinzipielle Themen und Sachverhalte darstellen.

Zu Wolfram Eilenberger: Der war mit Abstand der unsympathischste Typ. Ein verschlagener Trickster, der mit allen Mitteln arbeitet.

„Sein Typus ist von Angst getrieben und argumentiert auch mit nichts anderem als Angst.“

Bis vor einem Jahr hatten diese Typen überhaupt keine Angst. Sie fühlten sich total sicher im Kokon [oder der Blase] ihrer Macht. Diese Sicherheit machte sie übermütig. Doch wenn es dem Esel zu wohl geht … dann kommt Trump. Jetzt schlottern ihnen weltweit die Knie.

Ja, die arbeiten mit der Erzeugung von Angst und Schuldbewusstsein. Doch ihre grundlegende Motivation ist die Agenda, der sie folgen.

Man kann alles besser machen – auch TV Auftritte. Die eigene Haltung ist in mehrfacher Hinsicht wichtig. Aufrecht und gleichzeitig entspannt. Kann ich jetzt so einfach aus der Zuschauerperspektive sagen, Sie sitzen ja da im TV Studio.

Gerade läuft die Alpinski WM. Für einen Österreicher vielleicht interessant. Die Rennläufer gehen bis zum Start den Verlauf des Rennens mehrfach innerlich mit dem geistigen Auge durch. Solche Visualisierungstechniken sind hilfreich und wirksam. Es gibt da noch andere geistige Techniken zur Vorbereitung. So kann man sich imaginativ in Licht hüllen. - Ich weiß nicht, ob das etwas für Sie ist. Viele nutzen solche Techniken jedenfalls mit Erfolg.

siegfried
13. Februar 2017 13:46

Sehr schmunzeln musste ich, als ML die Trinkpause einlegte, während die anderen Diskutanten samt Moderator beinahe andächtig warteten.

Gustav Grambauer
13. Februar 2017 14:09

Lutz Meyer

Allerbesten Dank für den Hinweis. Habe die Zeilen so oft auch in hochseriösen Portalen gelesen und bei so vielen Kundgebungen gesehen, so daß ich nicht darauf gekommen wäre, die angebliche Urheberschaft anzuzweifeln. Mußte Ihren Hinweis aber nicht lange auf mich wirken lassen: Sie haben recht. Wenn ich jetzt noch einmal über Körner nachdenke, dann finde auch ich bei ihm keinen stilistischen Anknüpfungspunkt für das Zitat. Werd`s nicht mehr verwenden.

- G. G. 

Perikles
13. Februar 2017 15:36

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

dass Sie am Ende nicht über den Reifen Eilenbergers springen wollten, leuchtet ein, aber warum haben Sie nicht auf die folgende Frage des Moderators geantwortet? Es war aus dem Kontext ersichtlich, dass es Fleischhacker um die Position zur österreichischen Bundesverfassung ging.

M.L.: "In dem Kontext" war das doch nichts weiter als eine Übernahme von Eilenbergers Frage. Sie war so oder so deplaziert.

Gerade für eine Fernsehdiskussion sollte man die Eitelkeit zurückstecken können. Wenn Sie den Vorwurf im Raum stehen lassen, bleibt ein bitterer Nachgeschmack, denn die meisten Zuseher sahen Sie wohl zum ersten Mal und machen sich ein Bild.

M.L.: Ehrlich, das ist mir sowas von piepegal. Und es hat nichts mit "Eitelkeit" zu tun, sondern mit einer nachdrücklichen Zurückweisung der Strategien des Gegners. Ich spiele sein Spiel nicht mit.

Noch ein Verbesserungsvorschlag: Ein etwas stoischeres Auftreten täte Ihnen gut!

- P.

Hartwig aus LG8
13. Februar 2017 16:23

Obwohl ich im Kommentar 1 damit angefangen habe, sollte es mit der Stil-Kritik nicht übertrieben werden. Man ist so, wie man ist. Ich selbst hätte zwingend ein weisses Hemd mit einer schwarzen oder dunkelgrauen Krawatte empfohlen, selbstverständlich ein Sakko ... Aber wen spreche ich damit an??

Mal angenommen, ich hätte die Sendung mit meiner Großen (16) geschaut; die hätte das Duell Lichtmesz/Eilenberger bestimmt mehr interessiert als Vilimsky/Lackner. Junge Männer, die sich fetzen, anstatt zwei Krawattenheinis mit Doppelkinn und dünnem Haar. Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser kommt Lichtmesz weg. 

Leland
13. Februar 2017 16:40

Die Sendung „Talk im Hangar“ war das erste Mal seit Langem, dass ich mir ein derartiges Format angesehen habe – und ich war positiv überrascht. Was den Auftritt von Lichtmesz so interessant (aber vor allem unterhaltsam) gemacht hat, war die Verweigerungshaltung in jeder Hinsicht. Neben den inhaltlichen Ausführungen, dem Lümmeln, der zerzausten Frisur war es jedoch insbesondere die „Demaskierung“ der rhetorischen Kniffe und Taschenspielertricks solcher Büttel à la Eilenberger. Das war es auch, was Herrn Eilenberger fuchsteufelswild gemacht hat.  Lichtmesz ist es gelungen, die kommunikativen Machtstrukturen offenzulegen, die man aus jeder Diskussion (die sich ja meist durch ihren Tribunalcharakter auszeichnen), aus jedem Streitgespräch mit diesen liberalen Fanatikern und Inquisitoren kennt. Wer Lichtmesz nun vorwirft, nicht durch gewisse Ringe gesprungen oder nicht schön gerade gesessen zu sein, hat auch rein gar nichts von den Unterdrückungsmechanismen verstanden, die unser Denken und Handeln tagtäglich bestimmen. Lichtmesz hat den Inhalten eine begriffliche und rhetorische Fassung gegeben, die sich jenseits der herrschenden Diskurse bewegt hat – das war die große Leistung und zeigt zugleich, wie man in Zukunft zu diskutieren hat. Bravo!

Bran
13. Februar 2017 17:28

Gruselig, dieser Eilensberger. Als er im Gespräch irgendwas darüber sagt, dass sie Herr Lichtmesz sich selber diskreditieren würden, erwartet man schon, dass er jetzt noch keck die Zunge rausstreckt und das Gesicht dazu verzieht, vielleicht noch ein niederschmetterndes "Ätschbätsch!" hinterherwirft, um Ihnen endgültig den argumentativen Rest zu geben

Im Gegensatz zu vielen meiner Vorkommentatoren finde ich die legère Haltung eigentlich ganz gut. M.E. konnte man an einigen Punkten des Gesprächs sehen, dass es gerade diese Haltung war, die v.a. einen Lackner aus dem Konzept brachten. Darf ich jetzt einen, der so rumlümmelt, wirklich böse finden?

Es ist nämlich so, dass gerade Schnoddrigkeit viele Linke ganz eigentlich mindestens zeitweise wehrlos macht und lähmt, da das doch ihr Lieblingsspielzeug und ihr Arbeitsinstrument wäre. Das darf sich doch so ein Nahtsie nicht aneignen, da fehlen einem kurz vor der Ohnmacht die Worte. Und dann, im nächsten Augenblick, fällt da jedem Linken ein, dass er das übergehen von Konventionen oder das rumlümmeln gar nicht kritisieren kann oder darf, da sonst sicher jemand "Hat jemand Joschka Fischer gesagt?" in den Raum stellen würde.

Haltunspunkte auch dafür, sich erstens nicht eilfertig irgendwo vom Gottseibeiuns distanziert zu haben (der meines Wissens letztlich verstorben sein soll...) und zweitens auch für die Verweigerung des "Mitspielens" und des Dressurzirkusses. An einigen Stellen konnte ich gut lachen, vor allem über die leberwurstig-albernen Volten Eilensbergers und die suchend-verdatterten Mienen Lackners.

Einzig die Mimik könnte teilweise noch kontrollierter sein und auch die Zornaufwallungen. In diesen zwei Punkten ist Vilimsky deutlich souveräner, aber vermutlich auch geübter. Insgesamt aber ein sehr guter und provokativer Auftritt.

deutscheridentitärer
13. Februar 2017 17:47

Lichtmesz hat sich in meinen Augen sehr gut geschlagen. Keinesfalls sollte er seinen Stil, weder kleidungs- noch haltungstechnisch, ändern. Insbesondere, da der "seriöse" Teil vom FPÖ Mann sehr gut gehandhabt wurde. Das Format der Talkshow bietet natürlich keine ungebrenzten Möglichkeiten, ganz im Gegenteil. So ist es schwer, sich gegen das permanente Hereinreden zu wehren. Auch ist es in jeder dieser Diskussionen so, dass es erst zu einem ritualisiertem Abtausch bereits allseits bekannter, sich gegenseitig widerlegender Argumente kommt, bevor es ans "Eingemachte" geht. Richtig, deshalb Lichtmesz Strategie sich nicht in Detailkriegen zu verzetteln.

Was ich allerdings auch sagen muss ist, dass dieser Eilenberger mich hat körperlich unwohl fühlen lassen. Das war wirklich ein 100%iger Cuck, der seinen Fetisch wenn nicht sexuell, dann in geistiger Form auslebt. Dieser teigigen Figur und ihrem perversen Handballartikel würde ich mich nicht nähern wollen. Das ist wirklich ein bösartiger und rassistischer Mensch, ein ganz ähnlich diesem Fischer Richter.

Diese Gestalt hat mich tatsächlich um meinen ruhigen Schlaf gebracht,ich verstehe das Innenleben solcher Menschen nicht. Der andere Dicke von der Gegenseite war zwar nicht so krass unsympathisch, aber im Angesicht auch des hier wiedergegebenen Gespräch erfüllt er mich mit fast noch mehr Unverständnis. Der Eilenberger ist halt ein perverser, böser Charakter, kommt vor, aber wie schafft man es sich als normal erscheinender Mensch über die negativen Auswirkungen von Multikulti zu täuschen?

Meinetwegen kann man sagen, ja die gibt  es, aber das und das ist es wert trotzdem daran festzuhalten, aber ernsthaft zu fragen, welche das denn seien? Geht der Mensch nicht auf die Straße?

EJuLpz
13. Februar 2017 18:05

Die mediale Darstellung betreffende Stilfragen sollten beiseite gelassen werden, egal, ob es sich nun um einen bug oder um ein feature handelt. -- Lieber Herr Lichtmesz, eher der bug als das feature macht die Differenz aus, mit der Sie vibrierend und energisch die Diskussion befeuerten. So geht Authentizität. „Souverän“ wünsche ich Sie mir aus verschiedenen Gründen nicht; im Schmittschen Sinne zur Konsequenz hin gefolgert büßten Sie dann auch ein, was Sie ausmacht: den Stachel.

RMH
13. Februar 2017 18:09

Entschuldigung für diese OT-Anmerkung:

Die Frage zur Herkunft des Körner zugeschriebenen Zitats finde ich spannend. Wenn man googlet wird - ohne echte Quellenangabe! - immer Körner als Urheber dieses Zitats genannt, aber im Gegensatz zum berühmten, "Sturm bricht los", findet sich kein Gedicht, kein Kontext, woraus dieses Zitat stammen könnte.  Lutz Meyers Verdacht klingt also plausibel.

Ob es wohl jemals Aufklärung dazu gibt?

marodeur
13. Februar 2017 18:14

Hatte mir erst den Beitrag und die (kritischen) Kommentare durchgelesen, um mich dann vom Stream positiv überraschen zu lassen. Lichtmesz fällt mit seiner Art insgesamt nur geringfügig aus dem Schema: In Österreich laufen diese Shows anscheinend mit einer etwas härteren schnodrigen Gangart - sehr amüsant. Leider läßt sich feststellen, dass die Platitüden des Gegners offensichtlich internationalen Standards folgen.  Umso erfrischender fand ich Lichtmesz Taktik. Er springt nie über die vielen Stöckchen des Gegners und das im Großen (Verfassungsfeind, Pathologie) wie im Kleinen (Kampfbegriffe ala Populisten).  Stattdessen entlarvt er schonungslos dieses öde Ritual aus Pseudofakten, Behauptung und Deffensive. Tief beeindruckt hat mich, dass er es schafft, in diesem eingefahrenen hin und her ein paar unserer Ideen und Denkansätze einzubringen. Die Angstrethorik der Linken nutzt sich dabei erstaunlich stark ab. Außer Gezeter kommt nichts mehr.

Fazit - Ich empfehle Lichtemsz Taktik ausdrücklich für ähnliche Situationen, wenn es darum geht, passive Dritte zu überzeugen (Zuschauer oder die ruhigen Zuhörer am Tisch): Benenne die Winkelzüge des Gegners und versuche dann Deine Inhalte und Deine Sicht der Dinge zu platzieren. Die Überzeugung des verbitterten politischen Gegners kann man getrost überspringen, denn er wird Dich fortwährend auf sein absurdes Schlachtfeld zwingen.

Benno
13. Februar 2017 18:38

Ich habe mir die Sendung nur unter Magenkrämpfen fertig anschauen können. Zum Glück hat sich das bald danach wieder gelegt. Ich frage mich, ob diese Eilenbergers nicht verstehen wollen, oder nicht verstehen können. Ich meine damit jetzt nicht, dass er MLs Gedanken hätte gutheissen sollen. Nein, der Typ war doch gar nicht in der Lage, inhaltlich halbwegs adäquat auf MLs Argumentation einzugehen. Mehr als "der wird vom Verfassungsschutz beobachtet" und "ein Demokratiefeind erklärt uns die Demokratie" kam doch da nicht! Man hätte fast genauso gut einen Automaten hinstellen können, der per Stimmerkennungssoftware nach jeder Wortmeldung von ML irgend ein paar vorgefertigte Satzbausteine fallen lässt. Ist das wirklich die geistige Elite, oder womit hat der Typ es sich verdient, dass er mit "Philosoph" vorgestellt wird?

Ich habe kürzlich in einem Kommentar geschrieben, die Vermengung der Begriffe Demokratie und Liberalismus sei unzulässig. Eilenberger ist ein Paradebeispiel dafür. Wer nicht liberal ist, der kann kein Demokrat sein. Dabei sind wahrscheinlich die Mehrheit der Demokratien weltweit, zumindest was die gesellschaftlichen Aspekte anbelangt, nicht liberal gewesen. Gerade auch in Bezug auf Amerika ist es absolute Geschichtsklitterung, zu behaupten, die USA seien als Staat für jedermann gegründet worden, unabhängig seiner religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit.

Niedlich ist auch, wenn diese Linken davon zu schwafeln beginnen, die Rechte stelle sich als Opfer dar und habe nur Angst zu bieten oder schüre nur Angst. Dabei waren es ja gerade jene Linke, die eine regelrechte Opfergesellschaft geschaffen haben. Ein jeder will sich heute als Underdog, als Vergessener, als Übervorteilter, als Betrogener oder was weiss ich was darstellen - seien es ethnische, soziale oder sexuelle Gruppen - um dann für sich mehr Rechte oder mehr Macht abzuleiten. Am lachhaftesten aber ist die Argumentation mit der Angst, in welcher Form sie auch immer ins Gespräch gebracht wird: Man kann nämlich die Angst all der linksliberalen Philosophen förmlich durch den Bildschirm hindurch riechen! Die Angst davor nämlich, die Meinungs- oder Deutungshoheit im öffentlichen Diskurs zu verlieren.

Und dem Journalisten, der ihnen gesagt hat, Herr Lichtmesz, sie würden sich natürlich ob der relativen ethnischen Homogenität osteuropäischer Völker freuen, den hätten sie gleich fragen sollen, was er denn gegen das polnische oder ungarische Volk und seine Lebensweise habe, dass er es diesen Völkern nicht gönnen mag, auf ihrem Territorium unter ihresgleichen nach ihrer Fasson glücklich zu sein und warum unbedingt auch Budapest und Warschau in absehbarer Zeit arabisch/afrikanische Mehrheiten brauchen. Zudem kommt noch die falsche Erzählung hinzu, dass es doch gut sei, wenn sich nun alles zu mischen beginne. Erstens beginnt sich nicht alles zu mischen, sondern fast ausschliesslich europäische Gesellschaften und zweitens hoffe ich, die Leute führen niemals das Wort "Vielfalt" in ihrem Munde.

PS: Die Unterstellung, sie wollten mit ihren politischen Ansichten den Bürgerkrieg, habe ich eher schon als eine Drohung aufgefasst. Es sind doch genau jene Leute, die alles gegen eine Regierung der nationalen Regeneration aufhetzen würden, was irgendwie einen Knüppel halten und einen Pflasterstein werfen kann. Die Argumentation würde natürlich irgendwo dahin gehen, es sei legitim, gegen eine menschenverachtende Regierung alle Formen des zivilen Ungehorsams in Gang zu setzen. Gewalt dürfe man selbstverständlich nicht anwenden, aber davor distanzieren würden sie sich wohl auch kaum.

Nemo Obligatur
13. Februar 2017 19:13

Dank der Ankündigung auf dieser Seite hatte ich die Sendung im TV gesehen. Ich schaue inzwischen nur noch selten Talkshows, aber auf diese hatte ich mich gefreut. Ich hatte sogar meinen Laptop beiseite gelassen und mich ganz auf die Sendung konzentriert. Ich wurde nicht enttäuscht.

Ich will jetzt nicht jeden verbalen Schlagabtausch nachbepriestern. Das meiste wurde ja schon von meinen Vorrednern aufgegriffen. Ich fand es gut und richtig, dass Sie, Herr Lichtmesz, sich dieser Runde gestellt haben. Der Herr Eilenberger war ganz furchtbar. Der hat bestimmt schon in der Schule gepetzt und wurde immer als Letzter in die Fußballmannschaft gewählt (noch nach den Mädchen). Die anderen Kontrahenten waren gut. Und der Herr Vilimsky hätte sofort meine Stimme, wenn er in Deutschland zur Wahl stünde. Man sollte auch Herrn Lackner Gerechtigkeit widerfahren lassen - er war ein fairer Gegner. Dass er auf der anderen Seite des politischen Spektrums steht, kann man ihm ja ernstlich nicht vorwerfen.

Zusammen mit dem Portrait der neuen Ausgabe von "Tichys Einblick" und den Spiegel-Artikeln bzw. dem Interview über und mit Kubitschek hat die neue Rechte in Deutschland und Österreich (was sind solche Grenzen schon im Internetzeitalter?) in letzter Zeit eine mehr als ordentliche Resonanz erhalten. Die Gutwilligen unter den mündigen Wählern dürfte das hier und da angesprochen haben. Auf mehr sollte man einstweilen nicht hoffen.

Henrik Linkerhand
13. Februar 2017 19:49

Eine Fernsehauftritt von M.L. würde ich mir nie entgehen lassen. Und ich wurde nicht enttäuscht, genauso streitlustig wie in seinen Schriften wurde von Anfang an mutig gekämpft. Den Moderator, mit seinen spektakulären Strümpfen, empfand ich als - unter den derzeitigen Umständen und im Verhältnis zu deutschen Talk Show Master - eher moderat. Zu dem Dicken zu seiner Linken fällt mir nicht viel ein; so durchschnittlicher inkompetenter Klatschkolumnist. Auch die anderen „Experten“ blieben merkwürdig blaß.

Es war ein Duell zwischen M. L. und einen gewissen Eilenberger, der mir zunächst überhaupt kein Begriff war. An den herablassenden arroganten Ton der selbsternannten Eliten hat man sich ja fast schon gewöhnt. Aber dieser Typus ging noch viel weiter. Angst und Erregung wechselten ständig mit Pöbeleien, Unterstellungen, Diffamierung und Kriminalisierung des Gegners. Jeder Straf-oder Kriegsgefangene würde instinktiv solche Aufseher meiden. Die anderen Kombattanten überließen freiwillig und wohl auch erleichtert Eilensberger die Drecksarbeit. Lichtmesz lümmelte etwas, so wie ein gelangweilter Student im Seminar, um dann langsam - ohne den Gegner aus den Augen zu verlieren - Körperspannung aufzubauen. Gerade diese Authentizität mag ich, ganz im Gegenteil zu diesem aalglatten FPÖ-Funktionär, der ständig darum bemüht war sichtbaren Abstand zu demonstrieren. Auch dieser total abgezockte Politikerjargon mit Paraphrasen und Unverbindlichkeiten ödeten mich dermaßen an. So etwa nach 10min kam etwas Angst auf, diese Sache schien aus dem Ruder zu laufen. (Sollte man in Ruhe analysieren)

Aber ab dem Monolog, die Kunstpause mit dem Wasserglas war wirklich spektakulär! -lief es richtig gut. Am Schluß den Löwenreifen cool verweigert, - runde Sache.

Perikles
13. Februar 2017 20:11

Zum angeblichen Körner Zitat: Ist eine Fälschung aus den 90er Jahren, allerdings eine geschickte, seinem Stil nicht unähnliche.

Das angebliche Zitat ist unplausibel, weil Körner sich nicht gegen die damalige Obrigkeit aufgelehnt hat. Es ging ihm um die von den Franzosen besetzten Gebiete, nicht um einen Volksaufstand. Zudem gibt es keinerlei Belege, lediglich falsche Zuschreibungen auf diversen Internetseiten.

Dem frei erfundenen Zitat stilistisch am nächsten kommt das wirklich von Körner stammende Gedicht Aufruf aus Leier und Schwert: http://gutenberg.spiegel.de/buch/leier-und-schwert-1909/16

0001
13. Februar 2017 20:26

Ich fand Martin beeindruckend gut. Er hat metapolitische Argumente gebracht, die sonst so nicht in „Talkshows“ zu hören sind. Er hat Angriffe auch gut gekontert. Das war schon außergewöhnlich. Wer von uns (von Anderen ganz zu schweigen) wäre argumentativ und rhetorisch stärker gewesen in dieser exponierten Situation ?

 

 

Jürg_Jenatsch
13. Februar 2017 21:06

Ich schaue mir diese Formate schon seit Jahren nicht mehr, zum einen weil sie mich anöden und zum anderen da sie auf fast beängstigende Weise gleichförmig verlaufen. Ein Delinquent wird von einer Übermacht quasi verhört und wenn er sich doch aus den Fallstricken entwindet, so greift der meist parteiische Moderator ein, um ein rhetorisches und sachliches Übergewicht des Rechten zu verhindern. Insofern vorhersehbar. Da die Sendung auf der Sezession angekündigt war, habe ich für diesen Fall eine Ausnahme gemacht und es hat sich gelohnt. Das Verhältnis war mit 2:3 halbwegs ausgewogen und auch der Moderator hat sich meist zurückgehalten. Im Grunde ist es auf einen Zweikampf zwischen M.L. und Eilensberger hinausgelaufen, der in der üblichen Weise untergriffig geworden ist. Sein Rufen nach dem Verfassungsschutz war armselig. Im großen und ganzen hat sich M.L. sehr gut geschlagen. Nur am Schluß konnte Eilensberger noch einmal punkten, als er das mit Reichen besetzte Kabinett Trumps ansprach und keine adäquate Erwiderung kam.

M.L.: Da war noch tonnenweise Quatsch, der unerwidert blieb.

Dies ist natürlich historisch Quatsch, da auch die Sozialdemokratie früher ihr Führungspersonal nicht aus dem Lumenprolatriat rekrutiert hat. Erwartet er denn, daß das Kabinett eine Ansammlung von Famern aus dem Mittelwesten ist? Darüber hinaus setzte sich auch die Führung der Popularen in Rom aus den selben Schichten zusammen, wie die Optimaten. Die Gracchen waren, ebenso wie ihre Kontrahenten, Angehörige der römischen Nobilität. Der Unterschied war nur, daß sie die abschüssige Bahn erkannten, auf der sich die römische Republik bereits befand, da ihre soziologische Grundlage sukezssive verschand. Alles in allem trotzdem gelungen. Danke M.L.

Ralf H.
13. Februar 2017 21:09

Tja, dann spiel´ ich mal den Advocatus Diaboli. Herr Lichmesz, ich muss gestehen, ich fand Sie nicht gut. Das flegelhafte Reinsprechen und Ihre Körperhaltung drückten Missachtung der anderen Gesprächsteilnehmer aus, was Sie nicht nötig hätten. Das Anpflaumen des Moderators, bereits bei der Antwort auf die erste Frage, deplaziert. Es ist doch erstaunlich, dass sich SERVUS TV überhaupt traut, Martin Sellner und Sie einzuladen. Bei andernen Talkshows kämen sie beide doch nie zum Zuge. Hinter dem TV-Sender steht ein internationaler Megakonzern, der im Endeffekt seine Proukte verkaufen möchte und sich den Sender als "Hobby" hält. Von daher wäre gegenüber dem Moderator ein wenig Zurückhaltung angebracht gewesen, da dieser auch eine nicht gerade feindselige Haltung Ihnen gegenüber einnahm. Durch einfach sachliche Darlegung ihrer Standpunkte hätten Sie bei den Zusehern wohl mehr Punkte gesammelt als die häufigen Angriffe auf diesen Eilenberger, der diese relativ souverän parieren konnte. 

M.L.: Ich war derjenige, der E.'s häufige Angriffe parieren mußte, mit denen er ständig versuchte, meine Darlegungen zu unterbrechen. Ich habe ihn niemals von mir aus angegriffen, sondern nur auf ihn reagiert.


Herr V. war Ihnen, zumindest anfangs, nicht abgeneigt (sah man an einigen Körpersignalen) und kam bei mir sehr gut an. Dass der ein ausgefuchster Politiker mit Enttäuschungsgarantie ist, ist mir schon klar. Aber er blieb gelassen und trotzdem meiningsfest, von daher hat er auf Aussenstehende mit Sicherheit gut gewirkt. Es ist nur so, dass einige hier offenbar schon ein wenig "Echokammer"-geschädigt sind. Einem Nicht-Identitären wie mich (wobei ich wahrscheinlich "rechter" bin als Sie) konnten Sie mit Ihrem Auftritt aber wohl keine Lust machen, sich mehr über diese Bewegung zu informieren.

Ich rede mich leicht, da ich nie  den Mut hätte, mich in ein Fernsehstudio bzw. eine Talkshow zu setzen. Und meine Kritik ist eigentlich ungehörig, weil ich es nicht besser könnte. Daher seien Sie nicht böse, ich ziehe meinen Hut vor Ihrer Courage. Und Ihre Bücher finde ich grandios. 

0001
13. Februar 2017 21:14

... die verbreiteten Bilder wurden einfach zu verschiedenen Tageszeiten aufgenommen.

 

Zum Zeitpunkt der Vereidigung sah es aber offenbar nur unwesentlich anders aus. Die Bilder, mit denen das widerlegt werden soll, sind aus einer ganz anderen Perspektive aufgenommen. Die Bereiche ohne Zuschauer auf den Fotos der einen Perspektive sind auch auf den Fotos der anderen Perspektive leer. Man sieht es nur nicht so deutlich.

 

 

 

Der_Jürgen
13. Februar 2017 21:32

@0001

Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Es ist furchtbar leicht, Lichtmesz vom sicheren Port, von dem sich gemächlich raten lässt, allerlei Rüffel zu erteilen, weil er dieses und jenes noch besser hätte machen können.  Doch auch für jemanden, der schon Hunderte von Artikeln plus etliche Bücher geschrieben und zweifellos schon oft vor Gleichgesinnten, wo das Publikum auf seiner Seite stand, Vorträge gehalten hat, ist es eine völlig neue Erfahrung, bei einer Fernsehdebatte mitzuwirken, bei der er einer feindlichen Mehrheit gegenübersteht. (Mit dem relativ fairen Moderator hatte Lichtmesz noch Glück.)

Solche Debatten bieten keine Gelegenheit, ein Argument an das andere zu reihen, bis ein rationales Gedankengebäude entsteht. Bei ihnen muss man versuchen, einen winzigen Teil all dessen, was man zu sagen hätte, "rüberzubringen" und angesichts eines impertinenten Lümmels wie Eilenberger, dessen IQ irgendwo in der Grauzone zwischen Null und Eins angesiedelt sein dürfte, nicht die Nerven zu verlieren. Das hat Lichtmesz meines Erachtens mit Bravour geschafft. Er hatte nicht die Abgeklärtheit des (ihm intellektuell natürlich unterlegenen) Vilimksy, der wohl schon hundertmal vor der Fernsehkamera gesprochen hat und dank dieser Erfahrung cool blieb, wirkte aber für einen halbwegs objektiven Beobachter überzeugend.

Kann man wirklich mehr verlangen? Nein. 

Veronika
13. Februar 2017 22:35

 

Habe die Sendung sehr interessiert verfolgt.

 

Herr Lackner, der vor durch den Zug „marschierenden“ Soldaten Angst hat und der Philosoph, Herr Eilenberger, der sich – ich fasse es nicht – vor Vogelscheuchen ängstigt (diese beiden Typen frage ich hier an dieser Stelle, wovor wohl z. B. Maria Ladenburger in ihrer letzten Nacht Angst hatte oder die 22jährige, die kürzlich in Ahaus erstochen wurde?), machen auf mich einen unsicheren, furchtsamen und unmännlichen Eindruck. Herr Eilenberger blickt während seiner Angriffe gegen Herrn Lichtmesz öfter zum Talkmaster, als ob er dort Bestätigung sucht. Und zu allem noch diese Stimme, die in erregten Sopran abdriftet.

 

Herzlichen Dank für Ihren mutigen Einsatz an der Front, Herr Lichtmesz!!! Große Achtung, Sie haben sich hervorragend geschlagen. Ihre etwas aus der Fasson geratene Frisur steht Ihnen gut.

 

0001
13. Februar 2017 22:46

Hinter dem TV-Sender steht ein internationaler Megakonzern, der im Endeffekt seine Produkte verkaufen möchte und sich den Sender als "Hobby" hält.

 

Gerade deswegen fand ich Martin gut. Wenn wir uns deren Spielregeln unterwerfen, brauchen wir inzwischen kaum noch anzutreten. Da gibt es inzischen schon einige Andere. Das hat auch mit einer „Echokammer“ wenig zu tun. Ich habe es jedenfalls in einer solchen „Talkshow“ noch nie in erlebt, daß jemand versucht unsere Spielregeln so prinzipiell zur Geltung zu bringen. Martin hat zumindest diese Spielregeln einmal vorgezeigt. Das war schon ein Stück Pionierarbeit.

silberzunge
13. Februar 2017 23:08

Habe mir das natürlich live gegeben und in der Zwischenzeit noch einmal angesehen.

Mutig, wirklich mutig von Servus TV. So mutig wie notwendig, betrachtet man die Aussage von Ingrid Thurnher, bekanntlich ehemals "Im Zentrum"-Moderator (und jetzt ORF3-Chefin), die im "Standard" unlängst gesagt hat:

"Es gibt eben in Österreich einen sehr begrenzten Kreis an Leuten, die man zu Sendungen einladen kann, die das auch machen möchten und gut machen. Aber das ist in Deutschland nicht anders."

Tja, das ist eben so eine Sache, das mit dem Können und Mögen und gut Machen. Die mediale Elite befüllt diese Begriffe; sie entscheidet, selbstgefällig und systemstabilisierend. Einer wie ML ist hier natürlich fraglos ungeeignet, aber was soll man machen, der Kreis ist eben begrenzt.

ML hat sich wacker geschlagen. Absolut genial schon der Einstieg: analytisch (sinngemäß: schon der erste Strohmann im Weg, was den Zusehern signalisiert, dass hier etwas nicht ganz stimmt) und zugleich erhaben: ich sage euch stattdessen, was ich will (und justament nicht, was ihr hören wollt). Und so endete auch die Diskussion: Sie, ML, springen und sprangen nicht durch die Reifen des Gegners.

Unkonventionalität ist eine Waffe. Sich zu behaupten und über die bürgerlichen Stränge zu schlagen, das ist wichtig. Es gilt, dem System mit Härte entgegenzutreten. Richtig so. Für Bescheidenheit ist es ohnehin zu spät.

 

ede
14. Februar 2017 00:01

TV vor Mitternacht ist Zeitverschwendung und besteht bei mir eigentlich nur aus zappen. Gelegentlich aber doch mal Talkshow, das ist dann bestenfalls wie Kaffeehaus, die gibts ja in Deutschland nicht mehr. Zum Wissen was angesagt ist reichen mir die Überschriften von Spon.

Deswegen kann ich die bedächtigen Kommentare hier nicht recht nachvollziehen. Das war doch eine fantastische Show!

 

Und ein Dokument der Zeitenwende. Wenn ich die Sendung konzipiert hätte, hätte ich auch sowas wie den Eilenwängler ausgesucht. Der ist doch ein Archetypus des Opportunisten. Diesem mangelnde Streitkultur, Bildung, Verstand, oder was auch immer vorzuwerfen, ist ein liebenswürdiges romantisches Missverständnis.

Lichtmesz hat alles richtig gemacht. Alles.

lilibellt
14. Februar 2017 01:23

Avantgarde sollte Allgemeintauglichkeit auch in ästhetischer Hinsicht vermeiden, daher, lieber Herr Lichtmesz, haben Sie sich die höchsten Haltungsnoten für den an diesem Abend weitesten, gestandenen Flug aus dem Plattitudensumpf verdient.

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Nach der TV-Diskussion, fernmündliches Gespräch mit einer Nichtwählerin bei der BP-Wahl in Ö („Grün geht gar nicht, aber FPÖ ist nicht wählbar!“):
Ich: „Wie hast Du denn den Lichtmesz empfunden?“ – Sie: „Als unangenehm.“ – Ich: „Ja, er war ein bisserl unhöflich und aggressiv, ge? Und der Vilimsky von der FPÖ?“ – Sie: „Der war der Vernünftigste.“

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Moderator der Sendung, Michael Fleischhacker, schrieb am selben Tag in der NZZ:

Vor fünfzig Jahren konnte es einem noch passieren, dass man als Hochverräter gebrandmarkt wurde, wenn man erklärte, der Nationalstaat gehöre abgeschafft. Heute gilt man als Rechtspopulist, wenn man der Meinung ist, dass der Nationalstaat die beste Möglichkeit ist, unsere Vorstellungen von liberaler Demokratie in die Tat umzusetzen.
Ja, es stimmt, die bisher stumme Mehrheit der Gesellschaft, die durch die digitalen Medien mit äußerst kostengünstigen Verstärkeranlagen versorgt wurde, ist dabei, einen Konsens aufzukündigen, der ein halbes Jahrhundert gehalten hat. Der Deal lautete ungefähr so: Wir, die «progressive» Linke, sagen in Zukunft, wo es gesellschaftlich und kulturell langgeht, was gedacht und geschrieben werden soll und was nicht. Die anderen halten den Mund, dafür dürfen sie sich wirtschaftlich verwirklichen. Die Klügeren lassen wir reich werden und subversive Kunst kaufen, die weniger Klugen füttern wir durch und lassen sie fernsehen und Spaß haben.

Trotzdem, eigenartiger Sockengeschmack ...

Henrik Linkerhand
14. Februar 2017 12:59

Kleiner Nachtrag

Das Verhalten Lichtmesz` ist am besten mit dem Neologismus "carlsenesk"zu beschreiben. Es bezieht sich auf Schachweltmeister Magnus Carlsen: betont lässig, gelangweilt bis desinteressiert, dem anderen den eigenen Stil aufzwingen, bewußt die eigene Überlegenheit demonstrieren etc. Na ja, ich mag das, ist halt Ansichtssache.

Die Strümpfe vom Moderator suggerieren ähnliches: bin extravagant, kann`s mir leisten, etc. Das Modelabel ist bei älteren englischen Aristokraten beliebt. Ist der Typus: weiß, alt, überlegen und hab`s geschafft. Mag ich auch.

Zu Eilenberger möchte ich bemerken, daß diese Leute nicht mit "dumm" zu bezeichnen sind. Es ist schwer erklärbar, aber ich empfinde sowas als diffus gefährlich. Klingt blöd, ist auch eher so ein eidetisches Gefühl.

Leute, wie den FPÖler kenne ich genau. Vor der Sendung sind sie jovial, klopfen dir väterlich auf die Schulter. Ist die Kamera an, beginnt die Abgrenzung. Nach der Sendung machen sie wieder auf Kumpel. Wenn Sie (M.L. oder andere) irgendwann fallen, werden Sie von dem noch gestoßen. Wenn Sie aufsteigen haben Sie den ewig im Fahrtwasser.

M.L.: So hat sich Vilimsky aber nicht verhalten. Ich halte ihn für integer, ein sehr guter Mann für die FPÖ.

Meinungen, wie die: "Ja ich weiß schon, eigentlich haben wir von dem nichts zu erwarten, aber er war so ruhig und soverän, der gefällt mir" verstehe ich nicht.

Debatten müssen inhaltlich geführt werden, ganz egal ob die Masse der Talk Show Konsumenten lieber gemütlichen Schwachsinn hören will.

silberzunge
14. Februar 2017 13:55

 Ich möchte nicht mehr dazu sagen, aber bei Vilimsky ist durchaus Vorsicht geboten. Seine Standhaftigkeit zum eigenen Lager stelle ich infrage.

Benno
14. Februar 2017 17:56

@ Der_Jürgen

Sie haben durchaus recht, mit dem was sie sagen. Natürlich kann man immer etwas besser machen. Ich fand den Einstieg von ML auch etwas schnoddrig und gar aggressiv, aber die Analyse die er nachgeschoben hat, war absolut korrekt und ich denke, wenn jemand so eine Sendung halbwegs unvoreingenommen schaut, konnte man dem wohl auch zustimmen. Alles in allem hat sich der ML gut geschlagen. Immerhin hat er im Gegensatz zum Philosophen mit Fakten argumentiert und nicht nur vom Verfassungsschutz schwadroniert.

Noch ein Wort zum reinreden. Ich finde es mühsam. Wenn man es aber schon macht, dann muss man den Satz den man angefangen hat auch durchziehen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bei dem Sermon von Eilenberger wohl auch meine liebe Mühe gehabt hätte, ruhig zu bleiben.

Leser (das Original)
14. Februar 2017 17:58

Ich mag Servus TV und auch die Zeitschriften des Senders. Der harmlose Fokus auf Wintersport, alpinen Lifestyle, Bergsteigen, etc. ist subversiv diskriminierend und identitär im wahrsten Wortsinn. All die schönen Bilder und Natureindrücke ganz ohne Bereicherung nur sich selbst genug.

Tweed
14. Februar 2017 21:01

Ich schrieb, dass ich mich auf weitere phantasiereiche Erfindungen von neuen politischen Ausdrucksformen freue und dass ich die Ideen der Identitären richtungsweisend finde, und schon kommts: https://patriot-peer.com

0001
14. Februar 2017 21:17

Natürlich kann man immer etwas besser machen.“

Deswegen ist die konstruktive Kritik natürlich auch sinnvoll: Optimieren könnte man schon noch.

sophia_
14. Februar 2017 21:39

Das Wesentlichste an dem Eteignis aber ist, dass es nun schon zum zweiten Mal zu einer Ausweitung des üblichen Meinungsspektrums durch "neue Rechte" in dem TV-Format gekommen ist.

Dass der Zuseher überhaupt die Möglichkeit erhält sich einen direkten Eindruck von einer Person und ihren Positionen zu verschaffen, so flüchtig dieser auch im ersten Moment sein mag, ist der Hauptpunkt.

Bei der Sendung mit Martin Sellner im Herbst hatte ich diesen erstmals persönlich wahrgenommen, vorher nur der Name mit den üblichen Medien-Zuschreibungen, die vom Normalbürger mangels Wissen übernommen werden.

Ohne ins Detail hat der Eindruck gereicht um mich weiter zu informieren, über seinen Twitter-Auftritt zu seinen grossartigen Vlogs zu kommen, neue Denkräume zu betreten. .. mich durch die sezession zu lesen, schwere Bücherkartons von antaios zu bekommen ..

Ich denke den gleichen Effekt wird Martin Lichtmesz erzeugen, Interesse, Neugier, Weiterbeschäftigung. Das Dasein und die Möglichkeit des Erscheinens waren der Treffen und noch dazu hat er es grossartig gemacht. Ein spannendes Match! 

Gleich am nächsten Tag habe ich an servustv gemailt und ihre Haltung, dass mündige Bürger sich selbst ihre Meinung bilden können und nicht vor Vielfalt beschützt werden, gelobt. 

Je mehr Leute positives, differenziertes Feedback abgeben desto mutiger kann servustv sein.

In diesem Sinne: kontakt@servustv.at

Danke Herr Lichtmesz!

quarz
15. Februar 2017 10:24

Ein wenig fake news gab es übrigens auch in der Sendung. Das Ergebnis der Umfrage in Bezug auf den Einwanderungsstop aus muslimisch dominierten Ländern (Zustimmung zur Aussage: "All further migration from mainly Muslim countries should be stopped") berichtete der Sender (für Österreich) so:

Ja: 65%

Nein: 35%

Tatsächlich aber weist die Umfrage folgende Verteilung aus:

Ja: 65%

Nein: 18%

Stimmenthaltung: 17%

Lars Waldgaenger
20. Februar 2017 08:35

Das Herumkritisieren mancher Kommentatoren an Sitzposition und Attitüde von M.L. ist amüsant. Wachen Sie auf, hochverehrtes Publikum, Ihnen wird der doppelte Spaß geboten: Argumentativ unerwartet agierend und jedes Vorurteil in Frage stellend, nicht darauf achtend, ob man in eine Schublade passt, sondern frech auf dem Schrank "lümmelnd". Genau so muss das sein.

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