Sezession
21. Februar 2017

René Girard: Das Heilige, die Gewalt und der Sündenbock

Martin Lichtmesz / 27 Kommentare

Etwa Rudolf Ottos Definition des Heiligen als „Mysterium tremendum et fascinans“ oder Mircea Eliades Diktum, das Heilige sei „Macht, Wirksamkeit, Quelle des Lebens und der Fruchtbarkeit“, eine „objektive Realität“, die der profanen „endlosen Relativität rein subjektiver Erfahrungen“ gegenüberstehe. Auch Jan Assmanns These, daß der Monotheismus die Gläubigen zum Eifern verpflichte und darum die Entfesselung von Gewalt begünstige, ja fordere, hat kaum Berührungspunkte mit René Girard.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

 

Der 1923 in Avignon geborene und 2015 in Stanford, Kalifornien gestorbene französisch-amerikanische Literaturwissenschaftler und Religionsphilosoph bestand unbeirrbar darauf, einen anthropologischen Universalschlüssel entdeckt zu haben, der sich noch dazu mit der biblischen, insbesondere der neutestamentlichen Offenbarung decke und die darin verkündete Wahrheit auch und gerade in der modernen Welt sichtbar machen könne. Girards Kernthesen sind zum Teil unverhohlen reduktionistisch und lassen wenig Raum für alternative Sichtweisen. Wer sich jedoch auf sie einläßt und sein einzigartiges Gedankengebäude betritt, wird viele Dinge mit neuen Augen sehen. Ausgangspunkt von Girards Denken ist seine Auffassung von der mimetischen Natur des Begehrens, die er 1961 erstmals in seiner literaturwissenschaftlichen Studie Figuren des Begehrens (Mensonge romantique et vérité romanesque, dt. 1999) ausarbeitete.

 

Nach Girard sind die menschlichen Gesellschaften zutiefst von der „Mimesis“ geprägt, einem rivalisierenden Nachahmungsverhalten, das Konflikt, Haß, Neid, Eifersucht und Ressentiment hervorruft und im schlimmsten Fall zum Bürgerkrieg oder einem Hobbesschen „Krieg aller gegen alle“ eskalieren kann. Dabei stellt Girard die oft spiegelbildliche Ähnlichkeit der Konfliktparteien fest – es gebe nichts, „was einer wütenden Katze oder einem zornigen Menschen mehr gliche als eine andere wütende Katze oder ein anderer zorniger Mensch.“ Auf dieser Ebene seien sich die Menschen überall gleich, während der Abbau von konkreten Ungleichheiten den mimetischen Furor noch verstärkt. Wie Tocqueville vor ihm erkannte er, daß wer alle Menschen zu vaterlosen, gleichen Brüdern macht, die Rivalitätskämpfe nur ausweitet und generalisiert.

 

Dabei entzünde sich das menschliche Begehren, der Gegenstand des zehnten Gebotes, stets am Begehren der anderen. Der Mensch begehrt nicht nur, was ihm fehlt oder was ein anderer Mensch besitzt, sondern auch weil es ein anderer Mensch oder andere Menschen begehren, die dadurch zu Rivalen um den Besitz des begehrten Objekts werden. Dabei geht Girard so weit, dem Begehren jeglichen autonomen Charakter abzusprechen; demnach weiß der Mensch nur dann, was er begehrt oder begehren soll, wenn andere Menschen es auch begehren. An dieser Stelle erhebt sich bereits der erste Einwand gegen Girards Theorie. Wenn das Begehren tatsächlich nur rein mimetisch zustande kommt, wer hat dann eigentlich zu begehren begonnen und aus welchen Gründen? Ist das Begehren eine Art Perpetuum mobile aus einander aufstachelnden subjektiven Begierden, die nicht einmal dem Subjekt selbst gehören, sondern lediglich durch Nachahmung anderer Begehrender zustande gekommen sind? Hat das konkrete Objekt des Begehrens keine Wirklichkeit und keine Eigenschaften, die es objektiv begehrenswert machen, auch ohne die Anwesenheit eines Dritten?

 

Schon an seinem Ausgangspunkt, dem Begehren, sieht Girard den Menschen von Antrieben bestimmt, die ihm selbst weitgehend unbewußt sind. Dies gilt erst recht für die Gewalt, die Folge der mimetischen Rivalität ist. Mit seinem Hauptwerk Das Heilige und die Gewalt (La violence et le sacré, 1972, dt. 1987) wechselte Girard von der psychologisch-individuellen auf die soziologisch-kollektive Ebene. Er präsentierte die Frage nach den Grundlagen der Kultur als eine Art Kriminalfall, dessen Spuren jahrtausendelang verwischt wurden. Pate standen dabei Freuds Thesen aus Totem und Tabu (1913): In der Darwinschen Urhorde herrsche ein „gewalttätiger, eifersüchtiger Vater, der alle Weibchen für sich behält und die heranwachsenden Söhne vertreibt, nichts weiter“, aber der Akt der Tötung dieses archaischen Patriarchen durch die sich zusammenrottende Brüderschar, sein ritueller kannibalistischer Verzehr und seine spätere, das Schuldgefühl der Täter kompensierende kultische Verehrung habe den Totemismus und das Inzesttabu der primitiven Völker begründet. Girard bedient sich analytischer Werkzeuge aus Freuds Arsenal wie Ambivalenz, Verdrängung, Projektion, Verschiebung, Verleugnung, Symbolbildung, um die Mythen und religiösen Riten der Menschheit zu entschlüsseln. Als ihren Ursprung entdeckt er – wie Freud – einen später vertuschten und umgedeuteten Mord, dessen Opfer allerdings nicht der mythische Urvater und dessen Motiv auch nicht der Neid ist.

 

Der kulturstiftende Ur-Mord wurde nach Girards Vorstellung kollektiv und einmütig von der Gemeinschaft begangen, um die von der mimetischen Rivalität erzeugte Spannung und Gewalt, die zu eskalieren und sie zu zerstören drohte, auf ein stellvertretendes, entlastendes Ziel abzuleiten. Dieses Ziel ist der berühmte „Sündenbock“, dem die Schuld an der Misere und Zwietracht der Gruppe aufgehalst wird und dessen Opferung einen kathartischen Effekt haben soll. Erst durch diesen gemeinschaftlich begangenen Mord wird aus den rivalisierenden Individuen eine Gemeinschaft. Nicht nur werden sie durch die gemeinsame und später verdrängte Schuld geeinigt, das Opfer, das zunächst ein Menschenopfer ist, hat ihre Aggressionen, Rachegelüste und wechselseitigen Anschuldigungen gleichsam absorbiert, und ihnen damit eine Möglichkeit geboten, aus der Spirale der Gewalt zu entrinnen: „Es gehört zur Funktion des Opfers, interne Gewalttätigkeiten zu besänftigen und das Ausbrechen von Konflikten zu verhindern.“

 

Stefan George hat diesen Mechanismus großartig in seinem Gedicht "Der Gehenkte" dargestellt: 

Den ich vom galgen schnitt · wirst du mir reden?

Der Gehenkte:

Als unter der verwünschung und dem schrei / Der ganzen stadt man mich zum tore schleppte / Sah ich in jedem der mit steinen warf / Der voll verachtung breit die arme stemmte / Der seinen finger reckte auf der achsel / Des vordermanns das aug weit aufgerissen · Dass in ihm einer meiner frevel stak

Nur schmäler oder eingezäumt durch furcht. / Als ich zum richtplatz kam und strenger miene / Die Herrn vom Rat mir beides: ekel zeigten / Und mitleid musst ich lachen: ›ahnt ihr nicht / Wie sehr des armen sünders ihr bedürft?‹ / Tugend – die ich verbrach – auf ihrem antlitz / Und sittiger frau und maid · sei sie auch wahr · So strahlen kann sie nur wenn ich so fehle!

Als man den hals mir in die schlinge steckte / Sah schadenfroh ich den triumf voraus: / Als sieger dring ich einst in euer hirn / Ich der verscharrte .. und in eurem samen / Wirk ich als held auf den man lieder singt / Als gott ..und eh ihrs euch versahet · biege

Ich diesen starren balken um zum rad.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (27)

Maiordomus
21. Februar 2017 17:33

Was die oben genannten Kriterien für das Heilige betrifft, wohl eher Quatsch, mögen es auch prominente Geister sein. Vielleicht müsste man sich damit befassen, was Max Scheler unter dem Heiligen als einen der vier Grundwerte zusammen mit dem Wahren, Schönen und Guten verstanden hat. Im übrigen ist das Heilige dasejenige, worüber man letztlich keinen Spass versteht.

deutscheridentitärer
21. Februar 2017 23:18

ein verstörender Artikel

tOm~!
22. Februar 2017 00:37

Was mir bei Girard besonders gefährlich erscheint, ist die These mit dem Sündenbock. Stellen Sie dies doch mal bitte in ein Verhältnis zum Verlauf des 20. Jahrhunderts. Welches Volk leidet denn bis heute unter seinem Sündenbock? 

Und nicht nur wir Deutschen leiden darunter. Im Grunde leiden alle sogenannten "Rechten", Konservativen bis hin zu Donald Trump, noch heute unter einem Mann, Adolf Hitler. Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte gab es einen solchen Sündenbock.

Wer aber kennt Genrikh Yagoda?

*We cannot know with certainty the number of deaths Cheka was responsible for in its various manifestations, but the number is surely at least 20 million, including victims of the forced collectivization, the hunger, large purges, expulsions, banishments, executions, and mass death at Gulags.

And us, the Jews? An Israeli student finishes high school without ever hearing the name "Genrikh Yagoda," the greatest Jewish murderer of the 20th Century, the GPU's deputy commander and the founder and commander of the NKVD. Yagoda diligently implemented Stalin's collectivization orders and is responsible for the deaths of at least 10 million people. His Jewish deputies established and managed the Gulag system. After Stalin no longer viewed him favorably, Yagoda was demoted and executed, and was replaced as chief hangman in 1936 by Yezhov, the "bloodthirsty dwarf."*

"http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3342999,00.html"

Der Gehenkte
22. Februar 2017 00:51

Faszinierende Materie, keine Frage. Ohne die späte Wende wäre mir freilich nicht recht klar gewesen, was der Artikel – über Rezensionzwecke hinaus – bewirken will. Die gesamte Herleitung wirkt doch sehr spekulativ, auch wenn sie spannende Perspektiven eröffnet. Bewegen wir uns im Bereich des Realen? Es tut sicher gut, eine Position des Als-Ob einzunehmen. Dann werden die subtilen Denkbahnen, das um-die-Ecke-denken möglicherweise sinnvoll, wenngleich ich mitunter an Lacan oder Althusser denken mußte, also zwei der größten „Charlatene“ der Philosophie. Überhaupt klingt der Begriff des Begehrens doch sehr nach Postmoderne. Gibt es da Verbindungen?

Die Empirie sagt uns jedenfalls etwas anderes. Den von Girard konstatierten „Gewaltzuwachs“ hat es, wenn man Steven Pinker folgt, nicht gegeben. Im Gegenteil, Pinker versucht auf über 1000 Seiten seines Buches „Gewalt“, „Eine neue Geschichte der Menschheit“ zu schreiben, die am historischen Dokument, vor allem aber an der Statistik zu beweisen versucht, daß der Zivilisationsprozeß zu einer stetigen – wenn auch von Katastrophen unterbrochenen – Verminderung von Gewalt und zwar jeglicher Form, aktueller und symbolischer, geführt hat. Wenn Gewalt aber an Religiosität gebunden ist und diese domestiziert, „religiös Institutionalisiert“, dann müssten wir in Zeiten der Säkularisation wahren und akzelerierenden Gewaltorgien ausgesetzt sein.

Girards Gedanken mögen interessanter sein, aber sind sie auch richtiger? Es scheinen faszinierende psychohistorische Hypothesen, aber können sie verifiziert werden?

Ist der Islam eine „ausgesprochene Täterreligion“ (wer sagt das? ML oder RG?)?

M.L.: Ich sage das, und Girard auch. Mohammed ist ein Täter, Christus ein Opfer (im zweifachen Sinn). Schon Pascal hat diesen Unterschied betont.

Daran stört das „ausgesprochen“, weil es ihn auf eine Eindimensionalität zurückstuft, die wohl so nicht besteht. Der Islamismus läßt sich ebenso als verzweifelte Reaktion auf den Verlust des Religiösen auch im Islam beschreiben – das hat, wenn ich nicht irre, Sloterdijk in „Gottes Eifer“ darzulegen versucht.

Darf man in der „Hierarchie der Opfer“ Vertiefungen zur These des Zusammenhalts des multikulturellen Teppichs durch kollektive Verstoßung des „Rechtsradikalen“ erwarten?

M.L.: Ja.

Ist der Sündenbockgedanke auf den casus Höcke anwendbar? Oder den Holocaust? …

Mehr Fragen als Antworten. Auch des Verständnisses ...

Der Gehenkte
22. Februar 2017 01:20

Mohammed ist ein Täter, Christus ein Opfer“

Dem ist wohl so – aber die islamische Erzählung sieht das ganz anders. Mohammed wurde erst zum Täter nachdem er zum Opfer wurde. Die Quraish haben ihn nicht akzeptiert, er wurde aus Mekka vertrieben, das Tötungsgebot gilt nur, wenn man angegriffen wird oder bei Ungläubigen (Angreifern Gottes – womit der Verteidiger Opfer ist) etc.

M.L.: Na, diese krasse Selbstgerechtigkeit und Täter-Opfer-Umkehr ist bis heute so geblieben in der islamischen Mentalität. Gerade bei der Koran-Lektüre fällt das krass auf. Jeder islamische Terrorist und Massenmörder sieht sich als Opfer, das seine unterdrückten Glaubensbrüder und -schwestern rächt. Im Islam wird von Opfern nur geredet, um die Rache anzuheizen. Im NT gibt es dagegen die Forderung nach dem expliziten Verzicht auf Rache. Da empfiehlt es sich, die "islamische Erzählung" textkritisch zu lesen, wie man es seit 250 Jahren mit dem NT macht, sie ist ja schließlich eine ausgesprochene Rechtfertigungs- und Propagandaschrift.

Und Mohammed ist auch nicht die Religion. Der Koran ist, wie alle Heiligen Bücher, voller intrinsischer Widersprüche und ich glaube sogar, daß die Widersprüchlichkeit Bedingung dafür ist, daß ein Buch ein Heiliges werden kann: es braucht die ambigue Aussage um als Projektionsfläche herhalten zu können. Die Vielfalt der Interpreationen, wenn auch im engen Rahmen, kennt ganz unterschiedliche Zugänge zu diesen Themen - es gibt eine islamische Scholastik.

M.L: Der Islam kümmert sich fast gar nicht um die Opfer oder Verfolgten, es sei denn, sie seien seine Glaubensbrüder und -schwestern, um dann seinen gerechten Zorn zu entlassen. Mit anderen Worten ist der Islam eine extreme Sündenbock-Religion, darum hat er auch das selbstreflektierte Denken, den Selbstzweifel und Selbstverdacht, die Gewissensprüfung usw. kaum entwickelt.

Umgekehrt ist Jesus auch Täter gewesen: Vertreibung der Händler aus dem Tempel, Ich bringe das Schwert usw.

M.L.: Das ist kaum mit Mohammed vergleichbar. Ein stärkerer Kontrast zwischen der Passion Christi und dem Leben Mohammeds als siegreicher Feldherr ist schwer vorstellbar. Ebenso gibt es im Koran nicht die Ethik der Gewaltlosigkeit, die im NT so bedeutend ist.

Jakobus 1.22: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrügt.“ usw.

Damit soll die Wesensdifferenz nicht in Frage gestellt, aber ein bißchen verflüssigt werden.

tOm~!
22. Februar 2017 01:49

Man könnte sich sogar die Frage stellen, ob es denkbar wäre, daß Girard auch ohne einen Holocaust zu einem Erklärungsmuster gekommen wäre, das darauf abzielt, alle Menschen hinsichtlich der Gewalttätigkeit unter Generalverdacht zu stellen. 

In seiner Geschichte hat das britische Empire gut 200 Länder erobert, die Liste der Landstriche die man nie erobert hat, umfasst nur 22 geoplitisch mehr oder weniger unbedeutende Staaten.

Dies geht aus dem Buch "All the Countries We've Ever Invaded: And the Few We Never Got Round to" von Stuart Laycock hervor.

"https://www.amazon.de/All-Countries-Weve-Ever-Invaded/dp/0752479695"

Bis heute muss sich kein britischer Staatsbürger für diese Vergangeheit schämen, war man doch immer für höhrere Ziele und Ideale, für Gott und die Krone am Werk.

Wenn ich das richtig verstanden habe, spielte eine solche Petitesse bei einem Mann wie Girard gar keine Rolle, da eben alle Menschen und Völker zu Rivalität, und in Folge dessen zu Gewalt neigen.

Ist es aber bei einer solchen Historie wirklich recht zu behaupten, die Bolivianer seien genauso gewalttätig veranlagt wie die Angelsachsen?

M.L.: Ich weiß nicht so recht, was Ihr Problem ist (bzw doch). Der Holocaust spielt bei Girard keine zentrale Rolle. Die anthropologische Gewalt der ganzen Menschheit ist sein Thema.

Raskolnikow
22. Februar 2017 09:31

Beim Lesen,

des Artikels verfiel ich in ein leises Summen und wiegte den Kopf hin und her, untrügliches Zeichen einer innerlichen Berührung. Manchmal bewege ich auf idiotische Weise die Lippen beim Lesen. Diesmal summte ich. Schon das obangestellte Bild bringt eine Saite in meinem Schädel zum Klingen, ein Schädel der glücklicherweise recht hohl ist, ja glücklicherweise, denn volle Gehirnkästen klingen nicht, und das Sujet verbietet sich für Intellektuelle, Professoren oder Berufsphilosophen. (Zuletzt summte ich übrigens, wie passend, bei Albert Caraco...)

Nun denn: Mir gelingt es beim Lesen nicht, ganz eindeutig zwischen Girards und Lichtmesz´ Ansicht zu unterscheiden, aber die angebliche Klarheit der christlichen Gewaltlosigkeit will mir durchaus nicht einleuchten.

Das Konzept der Erbsünde erkennt zweifellos die barbarische Natur des Menschen vollumfänglich an. Christus ist illusionslos, was unsere Begierden und unsere Verdorbenheit anbelangt. Auch wenn Frau Sommerfeld alternative Ansichten auf die Bühne ruft, über die Friedlichkeit der menschlichen Seele macht sich nur der Frevelhafte Illusionen, der den Krieg oder das Verbrechen abschaffen will. Im übrigen halte ich Holocaust-Gasmorde, Drohnenmassaker und Bombenteppiche für im Grunde gewaltlose Formen des Tötens. Es ergiebt sich aus diesen technisierten Verfahren keine Erfahrung!

Selbstverständlich ist der Sündenbock das naheliegende Mittel, die verhinderte Gottesunmittelbarkeit bzw. Götterunmittelbarkeit wieder herzustellen. Aber jetzt trennen sich unsere Ansichten: der Gottmensch nimmt das Opfer eben nicht hinweg, sondern setzt es erst ein. Das ungeheuerlichste aller Opfer! Das Christentum ist die Feier der menschlichen Gewalttätigkeit! Christus sagt nicht: "Hört auf zu töten!", sondern er sagt: "Tötet richtig! Tötet endgültig! Tötet Euren Gott!" Die islamischen Terroristen sind gegen uns nur erbärmliche Amateure des Tötens!

Verzeih´ mir, werter Meister Lichtmesz, ich muß dieses Steckenpferd reiten, denn es ist mein Sujet. Unzählige Tagebuchseiten sind bedeckt mit diesem Lebenselexier und das Schönste daran: kein Philosoph, kein Professor könnte je profund darüber schreiben. Nur wer sich vor einer Golfausrüstung, einem Rollkoffer, hochgestellten Polohemdkragen und slimFit-Textilien mehr ekelt, als vor der Kotze eines Sterbenden, dem Monatsblut der Frau oder den Innereien eines geschlachteten Ziegenbocks ist hier befugt. Also laß mir, in Gottes Namen, ein wenig Raum!

Man schaue einmal auf die Mariendarstellungen der Alten oder Flämischen Meister! Diese Männer waren gläubige Christen mit Furcht vor Gott, dem Teufel und der Hölle. Einige dieser Darstellungen sind geradezu wollüstig. Rubens´ Maria mit dem Kinde, Frans Franckens Hexen, Jan van Eyck, Bosch etc... Wer spürt die Fleischlichkeit der christlichen Marien- und Märtyrerverehrung nicht?

Der Gewaltkult in unseren Kirchen ist unübersehbar. Allein die Darstellungen des Hl. Sebastian... Das Opfer ist in seiner blutigen Klarheit überall greifbar.

Und wo Opfer ist, wo sich die Märtyrer ein Stelldichein geben, da ist die Idee des Selbstopfers, der Selbstzerstörung nicht weit. Denn der Selbstmord ist vllt. die einzige wirkliche Freiheit, die uns auf Erden bleibt. Alles andere ist nur Gequatsche! Und gewinnt der Selbstmörder nicht auf jene fatale Weise Macht über sich? Nimmt er sich nicht durch seine Tat endgültig in Besitz?

(Natürlich steht hier und im folgenden nicht die windschiefe Frömmigkeit der Kirche des Neuen Advent oder jener protestantischen Fantasiekulte zur Rede. Ich bin offensichtlicherweis auf dem katholischen Trip und gebe nichts auf das Gerede der zeitgenössischen Pfaffia! Old School Latin-Meth!)

Nein, die Barbarei in ihrer Fleischlichkeit hat uns nie verlassen. Was ist denn die Transsubstantiation des Brotes anderes als die sublimierte Inbesitznahme des Fleisches? Das Eindringen in die Unversehrtheit des Körpers, das Hineinschlüpfen und letztlich das Verschlingen bedeuten Macht über das Fleisch. Verschmelzung als Besitz und Selbstauflösung. Dahin führt unser tiefstes Verlangen...

Was ist die Wesensverwandlung des Weines anderes als das Stillen unseres Blutdurstes? Welcher gesunde Junge hat sich nicht mit einem Freunde den Arm geritzt und Blutsbruderschaft geschworen? Wer gäbe insgeheim nicht zu, daß das Verletzen oder Töten eines Anderen neben dem Schrecken auch Hochstimmung verursachte?

Letztlich, ja man muss es sagen, ist der Drang zur Übernahme und zum Tohde die eigentliche Essenz unseres Lebens unter welcher Gestaltniß auch immer - ob nun die erotische Assistenz der Nachtschwester im Unfallkrankenhaus zu Calw, die Treue des Todesangstgefährten im Schützengraben vor S. oder die lebenslange Kameradschaft des Blutsbruders, begründet im Wald bei Werneuchen; das alles birgt den Willen zum totalen Besitz, oder zu vollkommener Hingabe und gleichzeitiger Beherrschung, und wo wäre die Macht am vollkommensten, denn im Akt des Verschlingens?

Ich halte es, um all der dampfenden Wirrniß wieder etwas Form zu verleihen, für ein Mißverständnis, zu glauben, Jesum hätte das Opfer abgeschafft. Nein, er hat es auf eine Höhe gehoben, die unfaßbar ist. Eine Höhe, die das säkularisierte Europa verloren hat bzw. gerade verliert. Wie gerne behielte ich unsere kultivierte Form des Barbarentums, mit Bach, Frapin XO und Ilja Repin. Aber entfällt die Transsubstantiation (hier liegt tatsächlich der Hase im Pfeffer!), folgt die niedrige Barbarei, denn der Mensch ist der Mensch ist der Mensch... Das Faß der Parusie in Duckmäuserzeitaltern lasse ich für heute ungeöffnet, es ginge sonst jede Contenance zuschanden.

Aber selbst das ist ja schon etwas: Medea tötet am Ende alle.

Wir gehen unzweifelhaft in ein Zeitalter des Blutes. Immerhin besser als das öde Übergangszeitalter der Heiligen Dreifaltigkeit aus Menschenrechten, BGB und Pressefreiheit...

Kennt Ihr das Bild "Sündenbock" von Norbert Bisky? Es schmückt meinen Herrgottswinkel und passt so fabelhaft zu Lichtmesz´ Beitrag... ER schlingt!

In Liebe,

R.

 

 

RMH
22. Februar 2017 12:07

Interessanter Artikel, mit Girad habe ich mich noch nie befasst und kann daher jetzt nur den obigen Beitrag und das, was ich bei wikiblödia dazu gelesen habe, meine Ausführungen zu Grunde legen. Girad scheint mir ein bisschen zu unterschlagen, dass es in den alten, integralen Weltanschauungen, wo Natur, Götter etc. alle immanent und damit alles untrennbar verbunden war und nichts ohne das andere Gedacht werden konnte und alles seine Bedeutung hatte, im Kleinen wie im Großen (Mikrokosmos/Makrokosmos), durchaus die magische Vorstellung gab, durch Opfer, Zauber, Riten und Kulte Dinge zielgerichtet bewegen, beeinflussen und verändern zu können. Und dies nicht nur als Kollektiv sondern auch ganz individuell. Man ging mit der besten Ziege zum Schamen oder Priester, opferte diese und hoffte, dadurch und den anderen dabei erfolgenden, kultischen Handlungen, etwas Konkretes zu bekommen. Heilung, Rache, Liebe, Wohlstand, Gelingen einer Unternehmung etc. Mit Katharsis hat das auf den ersten Blick erst einmal wenig zu tun.

Die magische Komponente von Opferungshandlungen erscheint mir folglich nicht besonders berücksichtigt zu sein und das alte "ich gebe etwas, um etwas zu bekommen", ganz individuell, geht in den kollektiven Vorstellungen vom Sündenbock etwas unter.

Grundsätzlich ist die Gruppendynamik und die Sinnstiftung von Gewalt unbestreitbar. Es gibt bis heute Gruppierungen (Mafia bspw.), Vereinigungen, Bruderschaften, Orden, Logen etc., die als Eintrittsgeld für uns "Laien" Unfassbares bis im geringeren Fall schlicht schwer Nachvollziehbares verlangen.

So kann eine gemeinschaftlich begangene Tat eine enge Verbindung schaffen, aus der sich zu lösen schwer bis unmöglich wird. Hier wird die Tat, das Opfer, das Ritual also auch fast magisch, als eine Art "Zauber", "Bann" oder "Fluch" zur Bindung verwendet.

Das weite Feld der "Initiation" in eine Gemeinschaft ist auch eine Thematik, die mit den von Girad beschriebenen Phänomenen nicht hundertprozentig erklärbar ist. 

Girad bringt einen auf jeden Fall zum Nachdenken und auch aktuelle Bezüge sind herstellbar.

PS: Kann bitte mal jemand den Missionar tOm~! ein wenig einbremsen. Ich bin ja selber Freund des Off-Topic und der Seitendiskussionen, aber er schafft es jetzt auch hier fast (zum Glück nur fast), den ganzen Debattenstrang mit seiner Weltweisheit und seinem Geraune - bei dem klar erkennbar ist, auf was es abzielt - zu zerlegen.

Gustav Grambauer
22. Februar 2017 14:27

Girard habe ich noch nicht gelesen, aber zur Islam-Diskussion:

Ich habe es hier noch nie preisgegeben, aber heute muß es raus: ich bin Sunnit. Ich hänge der SUNNA an. Bin gerade in meinen reinigungszeremoniellen Vorbereitungen auf meine Haddsch, der jährliche Höhepunkt unserer Religion steht wieder bevor:

https://www.youtube.com/watch?v=JZ2fu7_3DmA

Und, klar, Gewalt ist bei uns impliziert, möglichst brutal, BRING IHN UM, DEN KUFR!:

https://www.youtube.com/watch?v=L78RNzDh0Ac

- G. G.

Heinrich Brück
22. Februar 2017 17:00

Die Perspektive definiert den Sündenbock, der eine Lüge ist? Die Vergöttlichung des Sündenbocks heiligt das Profane nicht, schafft auch keine echte Gemeinschaft durch ihn.

In einer multikulturellen Welt gibt es keine SUNNA (Grambauers Germania) mehr, nur noch den NWO-Einheitsmenschen.

Diese drei Busse vor der Frauenkirche in Dresden, ein häßliches Schrottdenkmal, sind ein Symbol des Häßlichen vor dem Schönen. Wie unfrei muß ein Volk leben, wie sehr die Rolle des Sündenbocks angenommen worden sein, um sich eines solchen Angriffs des Niederen nicht mehr erwehren zu können!?

Henrik Linkerhand
22. Februar 2017 17:37

Das Heilige oder das Sakrale ist im ästethischen Sinn immer das Erhabene oder Sublime. Alles, was auf irgendeine Art und Weise geeignet ist, uns eine Idee von Schmerz und Gefahr zu vermitteln, erregt uns. Es ist das Schreckliche, welches unvermittelt über uns hereinbricht, und uns erschaudern läßt. Und genau dieses Erschaudern ist die vollendete Form des Erhabenen oder Sakralen und Heiligen. Die Idee von Schmerzen ergo Gewalt ist weit mächtiger als die der Vergnügungen. Ohne jeden Zweifel ist das Martyrium, die man uns antun könnte, in ihren Wirkungen auf den Körper und auf das Gemüt weit größer als alle Vergnügungen in all ihrer raffiniertesten Wollust. Nur muss das Opfer immer der andere sein, es muss Idee bleiben. Warum das so ist? Keine Ahnung.

Eine Stifterfigur ist kein Wohltäter und ein Wohltäter keine göttliche Gestalt. Das Opfer kann sehr wohl göttliche Gestalt sein.

Monika L.
22. Februar 2017 20:22

"Ich halte es, um all der dampfenden Wirrniß wieder etwas Form zu verleihen, für ein Mißverständnis, zu glauben, Jesum hätte das Opfer abgeschafft. Nein, er hat es auf eine Höhe gehoben, die unfaßbar ist. Eine Höhe, die das säkularisierte Europa verloren hat bzw. gerade verliert. "

Das Sujet verbietet sich für Intellektuelle, Professoren, Berufsphilosophen...dampfende Wirrniss- was soll das ? Man muß sich weder vor einer Golfausrüstung ekeln noch vor der Kotze eines Sterbenden..

"Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm ". 1 Joh 1,5

"Die Gewalt Gottes wird nunmehr eindeutig lichthaft gesehen. Die entscheidende Wende von einem Menschen, der Gewalt ausübt, zu einem, dem Gewalt angetan wird und ihr freiwillig zustimmt, ist eine christliche Wende. Sie wird im Christentum sogar zur kultischen Mitte, zur memoria passionis des Messopfers. Dabei wird streng genommen der Opfergedanke verändert, nämlich als " ein für allemal" vollzogen gedacht. Seit das Uropfer, das eine "Lamm", starb, wird seine Tötung nicht wiederholt, sondern täglich in der Eucharistie unblutig gegenwärtig gefeiert. Hier opfert nicht der Mensch, sondern Gott selbst.Auch verbietet das Christentum religiös begründeten Selbstmord, ja, und aus guten Gründen sogar das Drängen zum Märtyrium - es leitet vielmehr grundsätzlich zur seelischen Hingabe an, verstanden als gewaltfreie imitatio Christ."

Das hat allerdings eine Professorin, Hanna -Barbara Gerl -Falkowitz, geschrieben. Man muß auch keine sakrale Kunst bemühen, um die Barbarei in ihrer Fleischlichkeit zu zeigen. Welches im alten katholischen Sinne erzogene Kind kennt nicht den Grusel und wollüstigen Schauer beim Betrachten entsprechender Bilder. Die gequälten Leiber gibt es auch in " schwuler" Ausführung. Siehe den Hl. Sebastian auf Pirinccis entsprechendem Buch.

Die Leiche am Kreuz schreckt ja nicht nur Moslems, diese aber besonders. Da meinte Navid Kermani bei der Betrachtung der barocken Kreuzigungsdarstellung von Guido Reni." Ich könnte an ein Kreuz glauben".. Wenn ein lieblicher Leib daranhängt. Ich stelle mir vor, man würde über das Altarkreuz in einem Dom (etwa in Köln) eine Fotografie einer echten heutigen  Kreuzigung einblenden. Oder eine Videoinstallation.

Wer Fotos  von gekreuzigten Christen im Irak sieht, der sieht die Wirklichkeit der Kreuzigung. Oder die Bilder vom Kindermassaker von Beslan. Wo Mütter ihre toten Kinder im Arm halten wie eine lebende Pieta. 

Das säkularisierte Europa hat die Höhe nicht verloren. Aber: es sieht das Naheliegende nicht. 

Und das Licht leuchtet in der Finsternis,und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Johannesprolog

Der Feinsinnige
22. Februar 2017 21:11

 

Ein hochspannender Artikel, gerade für einen interessierten Laien auf dem Gebiet der Theologie und der Philosophie.

Mir ging - wie @ deutschidentitärer - am Ende der Lektüre das Wort „verstörend“ durch den Kopf.

Martin Lichtmesz schreibt:

In seinen letzten Lebensjahren sah Girard die biblischen Prophezeiungen vom Ende der Welt in greifbare Nähe rücken: „Ein Ende Europas, der abendländischen, ja der ganzen Welt ist möglich“, sagte er 2007 im Gespräch mit Benoît Chantre. Diese Sätze wurden in den Jahren des „Kriegs gegen den Terror“ und des globalen Aufstiegs des Dschihadismus ausgesprochen. Girard sah in dem neu erwachten Islamismus ein „Symptom eines Gewaltanstiegs globalen Ausmaßes“.“

An anderer Stelle in diesem Block (bei christlicher Glaube und Flüchtlingsfrage von Michael Wiesberg) habe ich kürzlich die Frage formuliert, ob der christliche Gott wirklich den Willen haben könne, daß das heutige immer noch vom christlich-abendländischen Erbe geprägte Europa durch Völkerschaften mit anderer religiöser Prägung (insbesondere mit islamischer Prägung) übernommen bzw. erobert werde. Ich meinte, diese Frage (natürlich nicht mit letzter Sicherheit) verneinen zu können (besser gesagt: ich wünschte, diese Frage verneinen zu können). Für Antworten wäre ich dankbar!

Girard hätte wohl – wenn ich die soeben zitierte Passage aus dem Artikel richtig verstehe – ein „Ja“ auf meine Frage ernstlich in Betracht gezogen.

Nimmt man nun den im Artikel zitierten (offenbar gegen Girard gerichteten) Satz von Manent hinzu:

Wenn die menschliche Kultur essentiell auf Gewalt gründet, dann kann das Christentum nichts anderes bringen als die Zerstörung der Menschheit unter dem trügerischen Schein der Gewaltlosigkeit.“,

dann stellt sich ja fast die Frage, ob unsere christlichen Amtskirchen nicht in diesem Sinne sogar (ungewollt?) richtig liegen könnten in ihrer Auslegung des Christentums, die darauf hinausläuft, die endgültige Preisgabe unseres Kontinents zu betreiben (diesen zu opfern).

Dies hat wesentlich zu meinem Gefühl der Verstörung beigetragen. Wir wären verloren. ---

Verloren jedenfalls im weltlichen Sinne. Ob der Glaube an die Offenbarung des Johannes demgegenüber einen Trost geben kann, muß jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

 

 

 

Sven Jacobsen
22. Februar 2017 21:15

Nach der Lektüre dieses wie üblich anregenden Artikels von Martin Lichtmesz (sowie der Kommentare und der druckfrischen Ausgabe der Sezession) schwirren mir vornehmlich zwei Gedanken im Kopf herum. 1. Was hätte Girard wohl zur Fronleichnams-Predigt von Kardinal Woelki im Jahr 2016 zu sagen, als ein Original-Schlepperboot eigens vor dem Kölner Dom (!) als Altar aufgebaut wurde und anschließend (als hätte das alles nicht gereicht) noch in den Dom selbst gebracht wurde? 2. Wozu dient die in letzter Zeit hier im Forum wahrnehmbare Verschärfung der Tonlage?

Gustav Grambauer
22. Februar 2017 22:30

Ein unausgesprochenes Wort zieht sich für mich durch die Diskussion und wartet darauf, ausgesprochen zu werden: Nähe.

Die Masche, Gott hintenrum durch Kindergarten-Dramatik nahe zu kommen, ist pfiffig von jenen ausgedacht, die dies nicht auf selbstverständliche, frei fließende Art können. Anders als ihr Gegenpol in der mystischen Praxis, die Minne, schafft die Gewalt sogar zweimal Nähe, erst unmittelbar und dann noch einmal beim Auskosten der Vergebung, ein Bonus-Modell für ganz Clevere! So wie es ja auch Ehen geben soll, die nur durch das Spiel von Streit und Versöhnung zusammengehalten werden, so wie manche erst in den Schützengraben müssen, um überhaupt einmal echte Freundschaft kennenzulernen (weil sie dazu im Alltag unfähig sind), bauen manche Leute ihre Beziehung zu Gott auf neurotisch-psychotischer Ambivalenz auf.

Was sagt Gott zu dieser Diskussion? Er sagt nur vier Worte: "Lebt einfach mit mir."

Damit das auch noch gesagt sei: Christus hat Weltenkräfte bewegt. Das Mysterium von Golgatha erschöpft oder auch nur fokussiert sich nicht in einer trivialen Täter-Opfer-Schablone; jene, die den Schwerpunkt dort glauben, sind, selbst wenn sie das Neue schon zu erahnen vermögen, noch gefangen in der alttestamentarischen Eschatologie oder einfach in ihrer eigenen Trivialität.

Ich erkenne an, daß manche in ihrem Leben möglichst starke Kontraste zu Nietzsches Letztmenschen setzen wollen, aber wer das auf militärische Art tut, der sollte es bitte ohne viel Theater auf Buddelkasten-Niveau tun. Vorvorige Woche ist Oberst Givi ermordet worden, vom Ukrop-Abschaum wie Russophilus sich ausdrückt. Hier die Bilder von der Beisetzung, die jedem nahe gehen, der ein Herz für die Volksrepubliken hat:

https://www.youtube.com/watch?v=C1CwBMvuTFo

Hat sich Givi jemals mit zwischen Selbstüberhöhung und Selbsterniedrigung oszillierendem Drama-Schwulst hervorgetan, hat er jemals mit der angeblichen (!) eigenen Niedrigkeit und Sünderhaftigkeit kokettiert und diese auch noch ins Mystische hinein zu übersteigern versucht, der Peinlichkeit zum Fremdschämen nicht genug noch einen Schuß sartreschen Existentialismus beimischend?! War Givis Christentum nur Verbrämung für schwarzmagische Motive ("sich durch Schneiden in lebendiges Fleisch abhärten und zugleich die Lust an dessen Schmerz kultivieren", bitte googeln)?! Ich denke, nein, obwohl auch Givi getötet hat.

"Wer gäbe insgeheim nicht zu, daß das Verletzen oder Töten eines Anderen neben dem Schrecken auch Hochstimmung verursachte?"

Bei mir nicht. Definitiv nicht. Ich bin kein Perversling und kein Fall für die geschlossene Psychiatrie. Ich verbitte mir auch verallgemeinernde Unterstellungen, bei denen jemand nur von sich auf andere schließt. Wundere mich, daß alle anderen hier das so hinnehmen.

- G. G.

Raskolnikow
23. Februar 2017 07:54

Werter Professor Grambauer,

Sie sind doch bestimmt Professor oder zumindest Lehrer, jedenfalls Intellektueller, nicht wahr? Leider gefallen Sie sich in Andeutungen und vermeiden die konkrete Ansprache, aber da Sie mich schließlich zitieren, darf ich mich wohl zumindest teilweise angesprochen fühlen? (Ich habe Ihr Fleisch-Zitat leider erfolglos gegoogelt!)

Ihre Beiträge fallen mir immer auf, wegen des intellektuellen Formats und einer stets vorhandenen, oft nur erahnten, Tiefe. Beides erschließt sich mir nicht immer, bin ich doch nur ein Gefangener meiner eigenen Trivialität. Aber ich lese Sie gern! Diesmal machen Sie sich allerdings keine Ehre. Die Eitelkeit hat Sie in Gefilde vordringen lassen, die Ihnen fremd sind; das merkt ein zum Schwulst neigender Hobbymystiker ohne Scheu vor Peinlichkeiten sofort... Unsereins ist sensibel wie die Hexen!

Warum Sie mir (oder uns) den "Drama-Schwulst" nicht gönnen, in dem Sie diesen mit einer nüchtern-intellektuellen Quieszenz einfach vorüberziehen lassen, ist eine Frage, die Sie sicher nicht beantworten müssen. Aber warum unterstellen Sie eine erschöpfende oder auf den Opfermythos fokussierende Beschäftigung mit dem Mysterium Christi? Das Thema des Artikels, zur werten Erinnerung, war gerade die Gewalt, das Opfer, daher die vollkommen berechtigte Hervorhebung dieser einen (hobby-scholastischen?) Deutungsebene!

Und nun, mit den letzten drei Absätzen, betreten Sie das Ihnen offensichtlich unbekannte Land. Wer ernsthaft glaubt, das Militärische trete vor allem in Beisetzungsparaden, Marschformationen, Orden, Uniformen und youtube-Filmen zutage, wer darob in verzücktes Herzspringen verfällt, ohne die rätselhaft-grauslige Dimension in Rechnung zu stellen, dem sei seine Walter-Flex-Romantik gegönnt, aber die Männer neben der Lafette hatten andere Gedanken und Bilder im Kopf... Es ist sicher unpassend, diese Bilder hier lebhaft werden zu lassen, sie sind offenbar nur im Erleben oder vor dem, der sie kennt, nicht peinlich. Auf Papier und Bildschirm sind sie scheinbar nur Zielscheibe für Häme. So soll es denn in Zukunft sein! Sie jedoch, lieber Grambauer, kannten weder Givi noch kennen Sie seine Somalis oder die Anderen!

Heute ist in den Volksrepubliken (und natürlich in Rußland) großer Feiertag. In ein paar Stunden sitzen Männer zusammen die andere Empfindungen haben, als die Hinterlandnationalisten und die schnittigen Redenhalter. Die nicht von Orden und Paraden beeindruckt sind, sondern von ...(ich erspar´s Ihnen!).

Glauben Sie mir, geschätzter Grambauer, sie alle die da heute abend beisammen sitzen, sind sentimentale Drama-Königinnen, die unglaublich hart, nüchtern und kühl tun können, aber Weihnachten fern von zu Haus die Tränen verbergen müssen. Und auch sonst ist keiner je dem emotionalen Buddelkasten entkommen, zwischen Machogerede vom Schlage eines Jack Donovan und feuchtäugigen Umarmungen liegen manchmal nur Augenblicke... Alles "Perverslinge", die Sie in die "geschlossene Psychiatrie" stecken würden.

Ihre letzten drei Zeilen, nun ja, die lassen viele Rückschlüsse auf Ihre Lebensumstände zu, aber wer bin ich... In der Bibel gibt es dafür einen Begriff: Pharisäertum!

Ich glaube, Grambauer, wir gehören eigentlich zusammen! Aber im jeweils unbekannten Teil des Waldes sollten wir leiser sprechen und lieber dem Kundigen zuhören...

Trinken Sie doch heute einen Schnaps auf die Verteidiger des Vaterlands und seien Sie allen Irren wohlgesonnen, bitte!

Herzlichen Gruß aus dem Buddelkasten,

R.

[Ich möchte Ihnen noch aus ganzen Herzen von einem einseitigen! Informationsbezug aus dem von Ihnen angesprochenen Blog abraten! Ohne Frage lesens- und bedenkenswert, aber m.M.n. oft mehr als fragwürdig und schlecht informiert... R.]

Monika L.
23. Februar 2017 10:19

"Wer gäbe insgeheim nicht zu, daß das Verletzen oder Töten eines Anderen neben dem Schrecken auch Hochstimmung verursachte ?" R.

@Herr Grambauer

Ich bin natürlich an dieser Stelle auch hängengeblieben, Herr Grambauer. Und wollte das intellektuell mal so nicht hinnehmen. Brauchte etwas Zeit, um meinen Intellekt auszuhebeln. Da hilft manchmal etwas War-Entertainment. An der Stelle 0.53 kam sogar bei mir etwas Hochstimmung auf:

https://m.youtube.com/watch?v=fuPX8mjeb-E

Und mehr Nähe als in der Szene danach gibt es im fleischlichen Leben kaum. Völlig unausgesprochen. 

Gustav Grambauer
23. Februar 2017 10:50

Raskolnikow

"Sie sind doch bestimmt Professor oder zumindest Lehrer, jedenfalls Intellektueller, nicht wahr?"

"Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehen." Bin ein ganz einfacher Mann mit einem ganz einfachen Beruf, völliger Autodidakt.

Keiner von den Männern neben der Lafette würde wohl ein solches auf Männlichkeit getrimmtes Poesiealbum-Mädchen-Zeugs schreiben wie Sie. "... Kühler Kopf ..." hat sogar der erzperverse polnische Graf, Sie wissen, wen ich meine, seinen Männern mit auf den Weg gegeben. Und Weihnachten als Soldat heulen, feuchtäugige Umarmungen von Männern - das ist etwas völlig anderes, das hat Ihrem Abfeiern der Barbarei in Ihrem verquasten Selbsterniedrigungs-Modus überhaupt nichts zu tun.

Hatte Ihnen schon mal indirekt geschrieben, daß Sie eine Gewaltnatur sind. Das können Sie ja sein, aber stellen Sie das bitte hier nicht als christliches Ideal hin, schmieren Sie das bitte nicht mit Ihren pseudo-christlichen Ergüssen zusammen.

"Das Christentum ist die Feier der menschlichen Gewalttätigkeit!" ... "Was ist denn die Transsubstantiation des Brotes anderes als die sublimierte Inbesitznahme des Fleisches? Das Eindringen in die Unversehrtheit des Körpers, das Hineinschlüpfen und letztlich das Verschlingen bedeuten Macht über das Fleisch. Verschmelzung als Besitz und Selbstauflösung."

Bin ja auch Querdenker, aber, sagen Sie mal, geht`s noch?!

Kann Ihnen sagen, daß ich für Operetten-Momente beim Militär keine Ader habe (es waren für mich die langweiligsten ...), übrigens auch nicht für Operetten-Katholiken, die, wenn der Herr Pastor gerade kurz wegschaut, den Selbstmord als das Ultimo preisen. Die Bilder von der Trauerfeier sollten Ihnen nur andeuten (!), wie sehr man als Soldat mit seiner ganzen Integrität als Vorbild wahrgenommen wird.

Daß wir zusammengehören, bei Ihrem Nachwort zu Donovan hatte ich daran schon zu zweifeln begonnen gehabt, hatte ich bis gestern immerhin noch gedacht. Abenteuer, Bewährung, Risiko, Wildheit, Sucht nach ergreifenden Szenen, Zusammenschweißung, Manneszucht, Mannesehre und selbstverständlich Einsatz für Ideale - alles und auch sonst alles lasse ich gelten. Aber gestern haben Sie unmißverständlich zum Ausdruck gebracht, daß Sie eigentlich aus Mordlust in den Donbas bzw. wohin auch immer in den Krieg ziehen. Selbst wenn das nur 30 % Ihrer Motivation ausmachte, da hört`s bei mir auf.

Ich erkläre Ihnen die schwarze Magie: es wird Energie zum persönlichen Vorteil aus dem Leid anderer gesaugt. Genau das, was Sie tun, was Sie in Ihre "Hochstimmung" bringt und woher sich z. B. hier ein gewisses Charisma von Ihnen speist. Aber ist die Energiequelle eines Charisma durchschaut, welches  nicht von innen her aufgebaut sondern sogar unredlich woanders abgesaugt wurde, dann fällt es in sich zusammen.

- G. G.

M.L.: Na, na, GG, brems Dich ein bissl ein. Raskolnikow immer mit einem literarischen grano salis lesen.

Monika L.
23. Februar 2017 11:43

If  you don't make up a reason to live for, you will get killed.

Battle for Sevastopol, Youtube 1.08

War is not just death. It's also life.

ebd.

Schlagzeile focus:Focus, Februar 2017 Wien: 

Neun Männer sollen deutsche Lehrerin vergewaltigt haben.( Mag jeder selbst googlen) 

Herr Grambauer, es ist ja nun leider so, dass ein "Fräulein heute nicht mehr ungeleitet nach Hause gehen kann" . Und die Momente, wo sich " meine flache Hand in eine  Faust verwandelt" ( Wiktor Zoi, Kukuschka) nehmen zu. Und diese Erfahrung wird für viele Mädchen und Frauen zunehmen. Das ist intellektuell nicht mehr wegzudiskutieren. Aus Opfern wollte eine Tussi in der taz "Erlebende" machen. Den Mist kann man auch googlen. Bin es leid, den Schwachsinn zu verlinken. Meine " Gewaltnatur" kommt auch immer mehr zum Vorschein. Gewalt aus Liebe. Grüße an die jungen Mädchen, die sich hoffentlich bald gewaltig wehren:

https://m.youtube.com/watch?v=SdWr3bWjYdM

Bran
23. Februar 2017 12:38

Ich empfinde die Auseinandersetzung zwischen G.G. und Raskolnikov gerade als stilistischen wie auch inhaltlichen Genuss. Ich muss aber gestehen, dass ich hier wohl auch eher zur "Gewaltnatur" neige. Hinter der schönen Sprache, den blühenden Metaphern und der Romantik von Raskolnikovs Texten lauert stets die unleugbare und grausame letzte Wahrheit des Lebens, die immer lauten wird, dass der Mensch im Kern ein wildes Tier ist und dass wir dereinst alle wieder zu Erde werden.

Gewalt verbirgt sich hinter jeder Beziehung, jedem Verhältnis, jeder Hierarchie und schliesslich auch hinter jeder Nahrungsaufnahme. Wir sind geboren, uns unser Leben zu erkämpfen und immer wieder zu verteidigen, wenn wir mehr wollen als nur existieren. Die Wohlgesittetheit und die hohen Ideale, die G.G. hier kunstreich (das soll kein Spott sein) verteidigt und die ihm zur Ehre gereichen, können nur in den seltensten Fällen bestehen, wenn die Feuer erstmal brennen. In der Dunkelheit des Lebens, die uns jederzeit befallen kann, zerbröckeln diese Bilder und legen offen, was wir sind und immer waren: Lebende oder Sterbende und wir können nur noch wählen, zu welchen wir uns stellen oder legen wollen, wobei unsere Wahl noch viel zu oft vom Leben selbst ignoriert werden wird.

Der_Jürgen
23. Februar 2017 13:26

@Gustav Grambauer und @Raskolnikow gehören zu den brillantesten und kenntnisreichsten Foristen, die sich hier zu Wort melden; ich möchte den einen so wenig missen wie den anderen.

Theoretisch muss ich bei diesem Disput G. G. recht geben. Raskolikow gibt sich in seiner Wortmeldung arg viele Blössen (auch wenn seine Formulierungen nur literarisch gemeint waren, riskiert er, dass man sie wortwörtlich nimmt). In der Praxis muss ich freilich @Bran sowie @Monika recht geben, die von "Gewalt aus Liebe" spricht.

Wenn Raskolnikow im Donbass sein Leben aufs Spiel setzt, dann gewiss nicht aus Mordlust oder aus Hass auf den ukrainischen Soldaten, der ihm gegenüberliegt, sei es, weil er von einem kriminellen Regime als Kanonenfutter in die Schlacht geschickt wurde, sei es, weil er sich freiwillig gemeldet hat, im ehrlichen Glauben, für seine Heimat zu kämpfen, obwohl er seine Knochen doch nur für eine Verbrecherbande hinhält, deren Häuptlinge übrigens auffallend oft gar keine ethnischen Ukrainer sind. Raskolnikow kämpft als Idealist für eine Sache, die er als gerecht ansieht.

Dass den Soldaten freudige Erregung überkommt, wenn seine Kugel einen Feind niedergestreckt hat, darüber mögen Moralapostel ja angewidert die Nase rümpfen, aber die menschliche Natur ist eben so. Den neuen Menschen zu schaffen, haben schon viele versucht. Der Erfolg ihrer Bemühungen hält sich augenscheinlich im Rahmen.

Raskolnikow
23. Februar 2017 14:19

Liebe Monika,

da haben Sie ja einen der schlimmsten Schinken des zeitgenössischen russischen Patriotenkinos ausgekramt. Da gibt es noch so eine Serie über ein Frauenbataillon, als blutige Soap Opera im Vorabend-Programm... - ich kann mir sowas nicht anschauen.

Aber warum Sie dessen bedürfen, um die Abgründigkeit der menschlichen Seele zu akzeptieren, erscheint mir unverständlich. Ist die Vorstellung, wir wären ohne Finsternis, nicht kindisch? Auch wenn man selbst vollkommen erfahrungslos und eingebildet wäre, müßte einem doch intellektuell einleuchten, woher all das Böse kommt. Was ist denn die Sünde, etwa isolierte actio peccati? Ist uns der Abgrund nicht sogar verheißen?

Man denke doch einmal die Abendmahlszene in all ihrer Ungeheuerlichkeit zu Ende! Man hört geradezu, wie sich die Ur-Spießer (man hat natürlich sofort Petrus und Thomas in Verdacht) einander zuflüstern: "Geht´s noch?" Frau Sommerfeld hat den Kreuzweg angesprochen, hier könnte man ein ganz eigenes Kapitel eröffnen.

Wenn man den ehrlichen Blick in den Spiegel nicht scheut, erkennt man doch wohl ganz genau, wie es um uns Menschlein bestellt ist. Daß item die ewig-schlauen Kleinbürger anfangen, in ihrem Käfig zu piepen ("Mordlust, Mordlust, Pervers...!") und bedrohlich mit den sündenfrei weißen Flügelchen flattern, sei geschenkt. War es je anders?

Ist die Fähigkeit zur eigenhändig vollzogenen Schreckenstat nicht jedem klar, der Kinder hat und über etwas Fantasie verfügt? "Sollte meiner Frau oder einem meiner Kinder etwas zustoßen, werde ich das nicht für einen Zufall halten, sondern auf die Suche gehen." (GK) Das ist nicht pervers oder abwegig sondern menschlich, das ist die Finsternis in jedem von uns, auch im hysterisch piepsenden Pharisäer...

Ohne den Verlust der Integritätsgaben wäre das Opfer bei Heiden und Christen völlig sinnlos! Christus nahm zwar das Tier- und Menschenopfer hinweg, aber er setzte das ultimative Opfer ein. Das ist astreine Lehre! De fide!

Bran,

der schalkhafte Prof. Max Thürkauf hat einmal gesagt, "Wenn Sie auf einer zeitgenössischen Party in Ruhe gelassen werden wollen, beginnen Sie Gespräche über Gott oder den Tod!" Da auch hier einige diesen Poesiealbumsthemen abhold sind, sei es itzund dabei belassen. Vielleicht haben wir Mädchen dieser Welt ja nur die Wahl, unser Sterben halbwegs anständig hinzubekommen...

Ahoi!

R.

Monika L.
23. Februar 2017 16:26

Lieber Raskolnikow,

Ich brauche diesen Schinken nicht, um die Abgründe der menschlichen Seele zu akzeptieren und zu verstehen. Die waren mir als Kind recht schnell klar. Auf diesen Schinken bin ich gestoßen durch einen privaten Hinweis Ihrerseits.,Stichwort: War-Entertainment. Musik gefiel mir.

Man kann auch " Gran Torino" oder " Ein Mann sieht rot" nehmen. Dann kommen die Männer und Frauen breitbeinig aus dem Kino. Das war's schon.

Wenn dann allerdings ein junger, hoffnungsvoller Mann von einem viel jüngeren Mann ins Koma getreten wird und stirbt, wie an Heiligabend in unserer Westdeutschen Stadt geschehen, dann herrscht Funkstille. 

Dann fragt man sich durch. Wie ? Warum ? Wer ? Großes Schweigen. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Leider. Pech gehabt. Da geht niemand auf die Suche. Da ist keine Finsternis. In Niemandem. Kein Abgrund. Niegendwo.

 Manchmal beneide ich Sie um Ihre Kriegserfahrungen. Pervers oder komisch ?

Und von  Jesus brauchen Sie schon  gar nichts zu erzählen. Von seinem ultimativen Opfer. Das interessiert hier keinen.

Wissen Sie was ! Es ist schlimm, wenn man nichts tun kann. Was noch schlimmer ist. Gran Torino gibt es nur im Film. In echt wäre er nur eine armselige Lachnummer. Um auf einer zeitgenössischen Party in Ruhe gelassen zu werden, müssen Sie nicht Gott, Tod und Teufel bemühen. Es genügt, wenn Sie über begrapschte oder vergewaltigte Frauen oder totgetretene Junge Männer reden wollen, über ganz alltägliche Dinge eben....

Empört. 

Monika

deutscheridentitärer
23. Februar 2017 16:51

"Aber gestern haben Sie unmißverständlich zum Ausdruck gebracht, daß Sie eigentlich aus Mordlust in den Donbas bzw. wohin auch immer in den Krieg ziehen. Selbst wenn das nur 30 % Ihrer Motivation ausmachte, da hört`s bei mir auf."

Selbst wenn es so wäre, wo ist das Problem? Dass der Mensch nun mal Freude an Gewalt haben kann, der eine mehr, der andere weniger, ist doch wohl unbestritten? Was für eine bessere Möglichkeit gibt, als dieser Freude im Dienst an eine gute Sache nachzugehen?

" Raskolnikow kämpft als Idealist für eine Sache, die er als gerecht ansieht."

Das mag sein oder auch nicht, dass dem zwangsläufig so sein müsste halte ich aber für eine naive Annahme. Von meinen Kameraden, die in der QRF in Afghanistan gedient haben, hat das keiner getan, weil sie das für die gerechte Sache hielten (wäre ja auch ziemlich dumm). Neben denen, die ohne großes eigenes Zutun dort gelandet sind, war Abenteuerlust das bestimmende Motiv, zu der ich auch den Wunsch nach dem realen Gefecht zählen würde.

Crouchback
23. Februar 2017 17:45

@ Grambauer: 1.) Krieg, auch schon eine Schlägerei, ist Ernstfall. Damit ist's wie mit dem Kindererziehen - vorher hat man tausend Theorien, wenn's dann soweit ist, ist's dann doch ganz anders. 2.) In der Eucharistie verzehren die Christen den Leib Christi und trinken sein Blut. Die Transsubstantiationslehre ist im Girardschen Sinn der Gipfel einer zivilisatorischen Leistung - der Keim bleibt aber doch Menschenopfer und Menschenfresserei.

Dietrich Stahl
23. Februar 2017 22:16

@ Caroline Sommerfeld

Ich halte es für produktiv […], sich auf alle theoretischen Strömungen und seltsamen Einzeldenker und feindliche Monster und widerlegte Provokateure beziehen zu dürfen. Das richtig Gute am Rechtssein ist doch wohl: man darf endlich alles!

Die letzten vier Worte klingen genau wie das postmoderne, links-liberale anything goes. Selbstverständlich kann [im Unterschied zu dürfen] man alles tun. Nur alles hat eben auch Konsequenzen. Was ist einem wichtig? Will man die Antwort[en] auf diese Frage wirklich leben? Dann ist es notwendig, sich entsprechend auszurichten, seine Aufmerksamkeit auf das dafür Dienliche zu fokussieren. Diligence ist das schöne Wort, für das es keine rechte deutsche Entsprechung gibt. Ein Beispiel. Freud ist für mich ein Scharlatan und Filou mit der bekannten Agenda. Übrigens genau wie Einstein. Die Sex-Fixierung der Freudschen Lehre war der Beginn dessen, was sich über viele Entwicklungsstufen [nur zwei Stichworte: Frankfurter Schule, McKinsey] bis hin zu dem entwickelte, was heute alltäglicher Wahnsinn ist: Pervertierung der Sexualität, Frühsexualisierung, Auflösung der Familie, Genderterror etc. Freuds Arbeiten mögen interessante Aspekte und Perspektiven enthalten. Meine Aufmerksamkeit schenke ich aber lieber anderen Autoren, die mir echte Anregungen geben können, die mir weiterhelfen. Das ist mein persönlicher Ansatz.

Martin Lichtmesz
24. Februar 2017 02:09

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