20. Februar 2017

Das war’s. Diesmal mit: linkem Pöbel und dem Asylantendrama Bibi & Tina

von Ellen Kositza / 18 Kommentare

15.2.2017 -- Mit den Kindern im Kino, Timm Thaler. Das Buch von James Krüss (1962) diente in den letzten 13 Jahren dreimal als familiäre Vorleselektüre, wir mögen es sehr.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Beruhigend war die Kenntnis darüber, daß der neue Film die Geschichte nicht in die Coole-Kids-Welt anno 2017 versetzte – also gut, schauen wir uns das an. Am Ende waren die Kinder höchst zufrieden, ich selbst einigermaßen. Spektakulär die folgende Szene: Der Bösewicht Baron Lefuet (man lese rückwärts) lädt seine treueste Anhängerschaft zum Gelage in ein Luxushotel ein.

Es sind die Co-Drahtzieher seines finanzstarken Konsortiums, die sich hier ein Stelldichein geben, eine gefräßige, höchst multikulturelle Truppe. Man weiß ja, wie der teuflische Baron verfährt: Er treibt Länder/Staaten durch seine Machenschaften in die schlimmsten existentiellen Krisen, um sich hinterher selbst als Philanthrop und humaner Retter aufzuspielen und feiern zu lassen. Lefuet auf dem Höhepunkt seiner anfeuernden Kampfrede: „Wir! Schaffen! Das!“ Wenden sich ruckartig etliche Kinderköpfe von links und rechts im Kinodunkel mir zu: „Mama! Im Ernst!“

18.2.2017 -- Winterakademie. Tagungsbericht folgt. Von der Linken-Demo, die abermals unter dem Motto „IfS dichtmachen“ stattfand, nur diese paar Eindrücke: Die wackeren Veranstalter rund um Wanja Seifert und den „Rechtsextremismus“-Experten Jerome Trebing hatten im Vorfeld ein Dutzend je mehrstündige „Mobilisationsveranstaltungen“ vor allem an Universitätsstandorten (Jena, Halle, Dresden, Leipzig), aber auch in kleineren Städten organisiert.

Resultat dieser fleißigen Umtriebe: Ein linkes Häufchen Elend aus Schnellroda (4 Personen), 1 DJ Silvan, 15 Weltoffene aus Querfurt und Merseburg und (trotz allen Mobi-Aufwands) knappe 80 hybride Großstadt-Demoteilnehmer, frustriert, tapfer, und natürlich zum größten Teil vermummt: Schal bis zur Nase gezogen, Mützen in die Stirn, auf den Nasen schwarze Sonnenbrillen, wie man‘s halt aus diesem Lager kennt. Mittelfinger wurden schier zwanghaft in die Höhe gereckt, gerufen wurde vor allem: „Faschofresse, Kinderschreck: Haut Kubitschek die Zähne weg“, außerdem waren Anspielungen auf unsere Ziegen („Kubitschek, Ziegenficker“) äußerst beliebt.

Gut, ordentliche Kinderstube kann man nicht erwarten: Ralf Stegners (in Halle studierender) Sohn ist wohl in vorderster Front & lautstark mitgelaufen. Mehr Worte muß man über diesen Aufmarsch nicht verlieren. Wer sich die Twitterbeiträge unter #sr1702 oder die hilflosen Antifa-Berichte durchliest, wird ganz gut ins Bild gesetzt.

Unsere Akademie begann jedenfalls pünktlich um 14.30 Uhr und lief von Anfang bis Ende wie am Schnürchen ab. Ihrem Ziel, "IfS dicht machen", kamen die Angeber keinen Fußbreit näher.

20.2.2017 -- Ein Nachgeschmack zur vorgestrigen (schöner Doppelsinn eigentlich…) Antidemo wird verstärkt durch Lektüre gestriger Presseorgane; Spiegel und ZEIT. Der Punkt ist: Auf welchem Niveau kommen die uns eigentlich mittlerweile? Irgendwie hätte man doch gern einen satisfaktionsfähigen Gegner! Heißt das „die haben fertig“?

Kleine Auswahl aus dem Fundus der rezenten salonlinken Rhetorik. Was für ein wilder Wust an „Argumentation“! An Schreib- und Denkstil! Jens Jessen in der ZEIT langatmig und unausgegoren zum Begriff der „Elite“ als angeblich neuem Feindbild der „Populisten“:

Zum Volk gehört für die AfD und Verwandte nur, wer dumm und ungebildet geblieben ist. [...] Damit sind wir bei Glaubenssätzen des klassischen Faschismus angekommen. Gebildet zu sein heißt, verbildet zu sein. Unverbildet ist nur der Ungebildete. Dummheit und Roheit werden zur Quelle eines unverstellten Weltzugangs erklärt, und selbst Gewaltakte können zum Ausfluss einer natürlichen Herzensreinheit verklärt werden, wenn der mordende Mob sich nur hinreichend bildungsfern präsentiert.

Dann Bernd Ulrich, Leiter des ZEIT-Politikressorts, leitartikelnd über „das Elend deutscher Nationalisten“ (seltsame Hervorhebung aus Original übernommen):

Warum kommt die AfD nicht weg von diesem blöden Nationalsozialismus, dem Antisemitismus und all diesem Kram? Rational gesehen ist die Lage für eine rechtspopulistische Partei doch sonnenklar: Es ist für diese Leute zum Beispiel viel lohnender für die Juden zu sein und gegen die Muslime.

Susanne Mayer, ebenfalls ZEIT-Urgestein und wie Ihre Kollegen hier im Frührentenalter, freut sich hingegen darüber, daß immer mehr Läden den Vertrieb von Kleidern der Produktlinie „Ivanka Trump“ boykottieren. Warum eigentlich? Diese Freude darüber, daß „netten kleinen Fummeln für nette kleine Frauen“ nun der Garaus gemacht wird? Weil, O-Ton Mayer:

Die Produktlinie gehört Ivanka Trump, der jungen blonden Frau an der Seite von Donald Trump, die seiner quasiblonden Frau Melania Trump [...] ähnlich sieht, wenn sie auch jünger ist – so wie Melania der blonden Mutter von Ivanka ähnlich sieht, also Ivanka Trump, aber jünger ist, und Ivanka ihrer Schwester Tiffany ähnlich sieht, die jünger ist als Ivanka, aber auch blond. Okay?

(Wie, „okay?“? Verkleidet sich das politische Argument jetzt als Blondinenwitz? Frau Mayer ist jedenfalls grauhaarig. Schenkelklopfhumor und Frauenhaß – so tief sind die Linken schon gesunken.)

Zuletzt, im Rahmen eines langen Interviews, einige Spiegel-Fragen an Björn Höcke: „Glauben Sie an die Überlegenheit der weißen Rasse?“ „Wechseln Sie jetzt endlich zur NPD?“ „Sollen die Deutschen die Nazidiktatur [...] als positiven Teil unserer Geschichte betrachten?“ „Würden Sie, wenn Sie könnten, das Holocaustmahnmal abreißen oder umsetzen?“ (Höcke antwortet übrigens passend: Nicht er, sondern seine journalistischen Gesprächspartner seien von der NS-Zeit besessen: „Es tut mir leid, dass Sie nur in nationalsozialistischen Assoziationsketten denken.“)

20.2.2017 -- Nochmal Kino. Hier in Form einer hinreißenden Leserzuschrift, die ich gern in Gänze wiedergebe:

Heute besuchte ich mit Frau & Töchtern den neuen Kinderfilm Bibi & Tina 4, der erste Teil kam 2012 in die Kinos. Das wird Sie nicht im Ansatz interessieren, aber was es in diesem Film – der sich an Kinder im frühen Jugendalter richtet – zu sehen gibt, hat selbst meine politisch wenig interessierte Frau empört.
Gleich zu Beginn des Films treffen die beiden Heldinnen auf einen Flüchtling, der sich als Junge verkleidet hat. Gejagt wird das Mädchen von drei zurückgebliebenen albanischen Verwandten, die sie zwangsverheiraten wollen. Das Mädchen klaut Bibi & Tina die Suppe vom Lagerfeuer.
Danach treffen sie in einem Stall auf zwei syrische Flüchtlinge, die selbstverständlich hochgebildet sind. Weshalb die eine Essen stiehlt und die anderen in einem Stall nächtigen, bleibt unklar. Vermutlich soll damit suggeriert werden, daß Flüchtlinge hierzulande sowohl Hunger leiden, als auch unter unmenschlichen Bedingungen hausen müssen.
An einem Strand treffen nun alle Fünfe auf ihren Freund Alexander, der dort eine Gruppe schwarzer Musiker getroffen hat, die in Deutschland Konzerte geben wollen und natürlich obercool sind. Alle zusammen wollen nun zum Schloß Falkenstein, daß dem Vater Alexanders gehört. Dann folgt Trump-Bashing in Form eines – natürlich geistesgestörten – Herrn Trumpf mit blondgefärbten Haaren, der eine Mauer um Schloß Falkenstein bauen will und den vielen Fremden den Zugang verwehren, obwohl es doch ausschließlich gute Menschen sind.
Damit noch nicht genug: Die drei albanischen Menschenjäger haben einen Verwandten in Deutschland, der ganz offensichtlich homosexuell ist. Diese Botschaft ist der einzige Zweck seines Auftritts.
Endlich darf die blonde Lolita Bibi auch offen die Liebe zu ihrem Freund Tarek ausleben, dem sie bereits in Teil 3 verfallen ist. Auch Alexander darf endlich ran. An eine schwarze Musikerin, was sonst.

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (18)

Sarotti-Mohr
20. Februar 2017 18:38

Dann zeitigten zumindestens dieses Mal die wundertätigen Marienmedaillien Wirkung. - Gut so!

Bedauerlich freilich, daß sich tatsächlich auch im wahrlich kleinen Schnellroda noch ein paar gehirngewaschene Buntbürger finden, die sich willig als Demonstranten gegen das IfS rekrutieren lassen.

Schade, daß Jack Donovan dem jungen Publikum vorbehalten blieb - aber möglicherweise reist er ja irgendwann nochmals nach Schnellroda?

tho.
21. Februar 2017 00:15

Die Neuverfilmung gucke ich mir nicht an. Ich will den Baron so in Erinnerung behalten, wie ich ihn als Kind kennengelernt habe: Mit 2-Schachteln-Marlboro-am-Tag-Stimme, Hugh Hefners schwarzem Satin-Morgenmantel und einem absurd dicken Stein an der Halskette.

tho.
21. Februar 2017 00:24

@ Sarotti-Mohr: Dafür können Sie den Wolf of Vinland auf Facebook sehen, wie er sich beim Zwischenstopp in Röcken mal eben an der Nietzsche-Skulptur nackig macht... Mindestens eine 10 auf der nach oben offenen Fremdschäm-Skala.

deutscheridentitärer
21. Februar 2017 09:46

" Dafür können Sie den Wolf of Vinland auf Facebook sehen, wie er sich beim Zwischenstopp in Röcken mal eben an der Nietzsche-Skulptur nackig macht... Mindestens eine 10 auf der nach oben offenen Fremdschäm-Skala."

Naja, ich bin kein allzu großer Donovanfan, aber die Pose hatte doch was.

Katzbach
21. Februar 2017 12:57

Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich!

Wat nich alles gibt?

Milo
21. Februar 2017 15:27

Vielen Dank für den Filmtip! Bin mal gespannt, wie meine Jungs auf  „Wir! Schaffen! Das!“ reagieren.

Eisriesen am Horizont
21. Februar 2017 19:45

Zum Thema Kinderfilme und Kinounterhaltung: Wir sind ja wieder in einer Zeit angekommen, wo die Unterhaltungsindustrie schon dem jüngsten Publikum Ideologische Injektionen verabreicht. Zahlt die deutsche Filmförderung dafür wohl einen guten Preis?

Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Borstelspatz
21. Februar 2017 21:16

Ich habe gerade meiner Frau die “Boni & Tina-Rezession“ vorgelesen. Sie belehrte mich, dass nicht Alex bei der Schwarzen ran durfte, sondern Holger. Alex ist schließlich schon immer mit Bibi liiert. Aber furchtbar polemisiert empfand sie den Film ebenfalls!

Der Feinsinnige
21. Februar 2017 22:05

@ Eisriesen am Horizont

„Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Eine sehr interessante Frage. Eigentlich die Wahl zwischen Skylla und Charybdis.

Ich gebe zwei Antworten:

Antwort 1:

Für mich persönlich sage ich: „Verblödungsfernsehen“. Mit ideologischer Beeinflussung kann ich umgehen und diese durch Mitdenken und die richtige anderweitige Lektüre abwehren. „Verblödungsfernsehen“ ( oder „Unterschichtenfernsehen“) wäre dagegen für mich persönlich völlig verlorene Zeit.

„Fernsehen bildet. Immer wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese“

soll Groucho Marx gesagt haben (zitiert nach „zitate.net“, Stichwort „Fernsehen“).

So habe ich es über lange Zeit immer wieder gehalten, wenn meine mehr oder weniger jugendlichen Kinder „Verblödungsfernsehen“ schauten (der Gruppenzwang der Mitschüler übte insoweit seine Wirkung aus).

Antwort 2:

Was die Wirkung für unser Land betrifft, dürfte wohl "ideologisches Belehrungsfernsehen" noch schlimmer sein.

Das Problem ist doch folgendes:

Ohne „Verblödungsfernsehen“ erreicht man die breite Masse heute gar nicht mehr. Daher gehört zu einer wirklichen politischen Wende vermutlich auch endlich ein „eigener“ großer Fernsehkanal (Berlusconi und Fox-News lassen grüßen; Jürgen Elsässer macht mit seinen Live-Übertragungen ja wohl erste Versuche in diese Richtung im Internet, wenn ich dessen Arbeit richtig auslege, aber vielleicht überbewerte ich das auch). Ein solcher Fernsehkanal wird wohl kaum um das herumkommen, was man zu Recht als „Verblödungsfernsehen“ bezeichnet, wenn er Breitenwirkung erzielen will.

Fazit:

„Verblödungsfernsehen“ kann durchaus ein Mittel zum Zweck sein (nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum politschen). Das machen uns im übrigen die meisten derzeitigen Fernsehsender in unterschiedlicher Intensität vor. Dabei lege ich Wert auf die Feststellung, daß es derzeit in Deutschland durchaus Ausnahmesender gibt, was das Niveau betrifft, aber wohl keinen, der nicht mehr oder weniger, offen oder versteckt, ideologisch in dieselbe Richtung beeinflußt.

Cacatum non est pictum
21. Februar 2017 23:38

@Eisriesen am Horizont

Zum Thema Kinderfilme und Kinounterhaltung: Wir sind ja wieder in einer Zeit angekommen, wo die Unterhaltungsindustrie schon dem jüngsten Publikum Ideologische Injektionen verabreicht. Zahlt die deutsche Filmförderung dafür wohl einen guten Preis?

Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Schwer zu sagen. Was ist schon schlimmer - Pest oder Cholera?

Aber ich habe auch noch eine Frage; sie geht an diejenigen Sezessionisten, die den Kulturmarxismus der DDR persönlich miterlebt haben. Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal? Ich bitte um eine ehrliche Einschätzung!

Fräulein von Trense
22. Februar 2017 08:09

Mir persönlich erscheint das Treiben in der brd um einiges schlimmer zu sein als in der DDR, schon von Anfang an. Der große Chef aus dem Osten ist den Unterworfenen nicht in die Seele gekrochen, sondern hat in geradzu rührend alteuropäischer Manier nur auf der Verstandesebene propagiert, Losungen verbreitet und Schlagworte herumposaunt. Daher war der nichtriehedjukäjtete DDR-Untertan lediglich einer groben Holzhammerpropaganda ausgesetzt an die ein zurechnungsfähiger Mensch nur mit voller Absicht und unter Vorsatz glauben konnte.

Das ist im goldenenwesten freilich anders ("sie", die Herren, sind ja nicht doof), hier hat man das Projekt "Neuerschaffung des Menschen" anders angefaßt, indem man den hebel bzw. das Skalpell eine oder gar mehrere Ebenen unter dem Bewußtsein, dem logischen Denken usw. angesetzt hat. Deshalb ist dieser teil der Kolonie voller Umprogrammierter, die allesamt zuverlässig auf jeden Knopfdruck der Propaganda reagieren und sich dabei auch noch irre mündig, aufgeklärt, modern, kritisch und wat -nich-noch-allet vorkommen.

Jemand hat einmal gesagt: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können. Fürchtet vielmehr den, der die Seele und den Leib in der Hölle zu verderben vermag. Allein schon deswegen scheint mir das westsystem viel bösartiger und schlimmer zu sein als es jeder Budenzauber der SED sein konnte (aber erklären Sie das einmal einem brdling; der faucht, spuckt Gift und Galle und wird in irgendeiner Form aggressiv, wenn ihm bedeutet wird, daß die Untermenschen im Osten ihm etwas voraus haben könnten ... wo er doch so reich, vielgereist und überhaupt immer auf der richtigen Seite steht, von Geburt an und wissenschaftlich erwiesen).

Vom Konsumieren moderner Filme halte ich ohnehin nicht viel, selbst wenn es unverfängliche Werke sein sollten wie diese James Krüssverfilmung. Man (oder auch nur ich allein) sieht es den Darstellern immer an, daß sie nur verkleidet sind und bloß etwas darstellen und als offenkundige und waschechte Wohlstandsgeschöpfe spielen sie immer nur sich selbst (gewiß, da bin ich unfair, aber Filme müssen bei mir Primitivling das Kaliber von "Hundeherz" von W. Bortko haben. Diesen Film habe ich seinerzeit nur zu Sprachlernzwecken und so nebenher anschauen wollen und mir ist schon bei der Eingangsszene alles aus der Hand gefallen, womit ich gerade rumhantieren wollte).

Man erspart seinen  Kindern und sich viel Müll und Deformation, wenn man einfach keinen Fernseher hat und keine Kinos besucht (Gutes oder eben passables gibt's auf DVDs), das Setzen von subkutanen Propagandaspritzen ist da schon schwerer und man muß dann nicht mehr mühsam hinterhererziehen.

Stil-Blüte
22. Februar 2017 11:58

@ Cocatum non est pictum

'Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal?' 

Abgesehen davon, daß man diesen Wandel kaum jemals wird zu beziffern vermag, ist jene 'mediale Indoktrination', die sich verhohlen, weich, light, allmählich einschleicht,  der gefährlichere Angriff auf gemeinschaftliche gesunde/normale Identität eines Menschen oder ganzen Volkes, weil die natürliche Substanz angegangen wird. Das Politische ist ein Konstrukt und die Einseitigkeit eines 'Schwarzen Kanals' ist rasch anzueignen oder abzulehnen, bleibt aber immer an der Oberfläche. Der 'Schwarze Kanal' wirkte, je nach poliutischer Disposition lediglich verstärkend oder abschwächend. Ständiger Konsum von freien Sexszenen, 'Tatort',  Talkrunden, Interviews mit Prominenten, Gender... vernebeln nicht nur das Gehirn (Gehirnwäsche), sondern verwandeln uns zu Indiffernz, so daß es uns vorkommt, als wüßten wir nicht mehr, was gehaun und gestochen ist. Dieses ständige pseudodemokratische In-Frage-Stellen irgendwelcher Ereignisse, Fakten, Daten usw. (das häufigste Satzzeichen bei BILD, besonders deutlich bei Talk mit Lanz) ist das rhetorische Fragezeichen, das häufigste Satzzeichen in der DDR war das Ausrufezeichen) stiftet in uns eine unglaubliche Verwirrung.

Genau diese Verwirrung gab es in der DDR nicht. Klar, eindeutig, funktional waren die Ansagen und Aufträge. Daher haben sie m. E. auch viel weniger Schaden angerichtet. Um es auf romantische Art und Weise auszudrücken: Sie erreichten unser Herz, unsere Seele bei grandiosen Aufmärschen, aber sie ver/zerstörten sie nicht.  Daher heute auch die Widerstandkraft der Sachsen, Thüringer, Preußen... 

Wenn Sie mich zu 'Pest oder Colera' fragen: Die Pest ist mit Recht zu einem übergeordneten symbolischen Wert (Stichworte: Nosferatu, Camus 'Die Pest', Ingmar Bergman) mutiert, die Colera nicht. Nun werden Sie auch wissen, wem ich Pest, wem ich (nur) Colera zuordne.   E i n   Rettungsanker gegen die Pestilenz: Boccacios 'Decamerone': Sich auf's Land begeben, sich im Ländlichen besinnen und in Zwischenzeiten in gesammelter Gemeinschaft Geschichten hören, schreiben, erzählen; Stärkung in natürlichen Zonen mit natürlichen Menschen beiderlei Geschlechts und Kindern suchen.      

marodeur
22. Februar 2017 16:13

Cacatum non est pictum:

"Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal? Ich bitte um eine ehrliche Einschätzung!"

Die Kommentatoren haben zuvor das Wesentliche benannt. Der Aspekt der Verwirrung der Seele wurde von Stil-Blüte sehr schön herausgearbeitet. Dazu gehört auch der zerstörerische Schuldkult. In der DDR wurde das Thema Holocaust mindestens ebenso intensiv behandelt wie in der BRD. Der Wesentliche Unterschied lag im Umgang mit der Schuldfrage. Geschichte wurde als natürliche Evolution zum utopischen Sozialismus dargestellt. Der Faschismus galt als evolutionäre Vorstufe oder Fehlentwicklung, die mit der Gründung der DDR als überwunden galt. Die BRD unterschied sich im DDR-Verständnis nicht wesentlich vom Faschismus. Der Gedanke der Erbschuld oder gar einer möglichen plötzlichen Rückentwicklung zum Nationalsozialismus stellte sich überhaupt nicht, so lange der "Antifaschistische Schutzwall" nur energisch genug verteidigt wurde. Insofern hatte man in der DDR eine Chance, an die historischen Wurzeln Deutschlands anzuknüpfen. Es gab beispielsweise eine ausgesprochene Affinität zur preußischen Geschichte - natürlich im Hinblick auf den Beitrag zur Entwicklung Deutschlands zum Arbeiter- und Bauernstaat. Trotz all der inhaltlichen Widersprüche trug das zur seelischen Gesundheit des DDR-Bürgers bei. Andere Aspekte dieser Dikatatur sollten wir bitte nicht vernachlässigen. Das Einsperren der eigenen Bürger bleibt eine unerreichte Schurkerei.

Klaus D.
22. Februar 2017 18:07

@Cacatum non est pictum

"Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination ..."

Antwort: (gefühlt) mindestens 99 Prozent!

Die mediale Beeinflussung in der BRD dieser Tage erfolgt umfassend, einheitlich und vor allem meist unterschwellig. Dies empfinde ich als wesentlich schlimmer als in der DDR. 

In der DDR war die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit offizielles Programm, jeder wusse das und konnte sich darauf einstellen. Westfernsehen und Radio waren genauso zu empfangen wie DDR-Sender (die darin enthaltene Propaganda wurde billigend in Kauf genommen). Immerhin kannten wir dadurch die Argumente beider Seiten.

Jetzt heißt es offiziell Informations- und Meinungsfreiheit, aber weit gefehlt! In (fast) jedem Medium Erziehung zum political correctness - und das europaweit, selbst im neuesten Islandkrimi - ekelhaft! Und die Meinungsfreiheit wandelt sich zur Meinungsdiktatur.

Was ist heutzutage die Alternative? Wir schauen schon seit Jahren grundsätzlich keine Amiproduktionen, seit ca. 2 Jahren nur noch unpolitische Dokumentationen und nehmen ausgewählte Spielfilme auf. Aber auch hier zeigt sich, daß die politische Beeinflussung (z.B. Russen immer böse, Flüchtlinge immer gut) bereits in den 90-er Jahren an Fahrt aufnahm. Aber auch im Theater wird man zunehmend politisch korrekt belästigt. Was bleibt ist die Recherche im Internet.

Doch warum regt mich das heute mehr auf als früher? Ich denke es ist die dahinter zu erkennende krakenhafte Machtpolitik des Establishments zum Nachteil der Völker Europas.

Der_Jürgen
22. Februar 2017 20:23

Zu der von mehreren Foristen aufgeworfenen Frage, inwiefern sich die Indoktrinierung in der DDR von derjenigen in der BRD unterschieden habe, möchte ich einen - entscheidend wichtigen - Einzelaspekt herausgreifen, die "Vergangenheitsbewältigung", und in diesem Zusammenhang noch den dritten aus der Konkursmasse des Dritten Reichs hervorgegangen deutschen Staat erwähnen, Österreich. In allen drei Staaten wurde - und in der BRD und Österreich wird bis heute - grobe Geschichtsfälschung betrieben, doch in verschiedener Form.

In der DDR wurde dem Volk eingebleut - mit welchem Erfolg, können Menschen, die dort gelebt haben, besser beurteilen als ich -, Deutschland sei 1933 von den "Faschisten" usurpiert und geknechtet worden, als seien diese "Faschisten" Invasoren vom Mars gewesen. Wie @Marodeur richtig festhält, wurde die Behauptung einer deutschen Kollektivschuld dort niemals aufgestellt. Als ich 1991 mit dem Lehrerseminar in Dresden war, sagte mir übrigens ein Geschichtslehrer, auf das Thema Judenverfolgung werde nach Lehrprogramm eine (!) Unterrichtsstunde aufgewendet, was mich sehr überraschte.

Eine andere Form der Geschichtsfälschung wurde, und wird, in Österreich propagiert, wo bis heute behauptet wird, Österreich sei ein "Opfer" des Dritten Reichs gewesen. Wer sich den grenzenlosen Jubel der Bevölkerung Wiens beim EInzug der deutschen Truppen in Dokumentarfilmen ansieht, kann über diese Mär nur den Kopf schütteln.

Die heimtückischste Form der Geschichtsfälschung wurde und wird in der BRD praktiziert. Legte man sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten zwangsläufig noch ein Minimum an Zurückhaltung auf - immerhin waren damals noch allzu viele Zeitzeugen am Leben -, so wurde die Lügenpropaganda mit dem Hinwegsterben der Kriegsgeneration immer dreister. Die Deutschen, heisst es jetzt, hätten sich durch ihre Unterstützung des "verbrecherischen NS-Regimes" kollektiv schuldig gemacht und müssten diese Schuld nun permanent büssen.

Die logische Konsequenz hieraus zieht u. a. die sozialdemokratische Rechtsprofessorin Ute Sacksofsky, die meint, da es nach der NS-Gewaltherrschaft nicht mehr um eine Weitergabe deutscher Gene gehen könne, sei nichts Schlimmes daran, wenn Deutschland entweder der Natur zurückgegeben, oder - und dies sei wahrscheinlicher - anderen Völkern zur Besiedlung freigegeben werde, siehe: Bevölkerungsaustausch in Europa (I) auf diesem Blog.

Noch Fragen? Wohl kaum.

Cacatum non est pictum
22. Februar 2017 22:00

@Fräulein von Trense, Stil-Blüte, marodeur, Klaus D., Der_Jürgen

Herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten! Mir ist direkt klargeworden, dass meiner Frage eine Fehleinschätzung zugrunde lag. Ich wollte wissen, wie stark der Propagandadruck in DDR-Hochzeiten war im Vergleich zur jetzigen Situation bei uns. Aber wie ich von Ihnen gelernt habe, bestand der Unterschied vor allem im Wesen der Propaganda: "holzhammerartig" versus "subkutan". Und Sie alle bewerten die subtile Beeinflussung als eindeutig wirkmächtiger und schädlicher. Diese interessante Erkenntnis muss ich erst einmal sacken lassen.

Fräulein von Trense
23. Februar 2017 09:20

@C.n.e. pictum

Die Intensität von Propaganda ist in jedem System, das moderne Ideologien zu etablieren bemüht sind, im Grunde gleich, denn dem modernen Ideologen ist sehr daran gelegen, die Wirklichkeit durch eine Scheinrealität zu ersetzen. Er (vor allem aber sie, weil sich die holde Weiblichkeit bekanntlich zu gern für wildromatische Bauprojekte vor den Karren spannen läßt) gibt das ganz schamlos zu, denn er redet ja ständig vom "Bau einer besseren Welt", "Umbau der Gesellschaft", "Verwirklichung der Utopie" usw. und meint damit das Errichten einer Illusionsblase (wie diese Kulissenwelt dann im einzelnen eingerichtet ist, liegt an den persönlichen Schwerpunkten der Ideologen selbst - Kommunisten setzen andere "Dekoelemente" als MuKulisten, diese wiederum tapeieren die Gute Stube anders als Kapitalisten).

 

Das alles bedeutet, daß der Propagandaaufwand in all diesen Systemen stets ziemlich hoch sein muß um die Blasenwelt überhaupt aufrechtzuerhalten (denn der ideologische Illusionszauber ist ja etwas, was nicht von Natur vorhanden ist, also "einfach so" existiert, sondern künstlich ist) und sogar gesteigert werden muß, je stärker die unberechenbare und nie vollkommen verdrängte Realität gegen die Trennwände der Illusionsblase drückt (um beim Bild zu bleiben).

Dies erklärt die wachsende Hysterie der Propaganda in untergehenden Systemen; wenn der Putz an den Wänden rieselt und es im Gebälk ächzt und knirscht, werden die Bauleute besonders hektisch - in der alten DDR wie in der brd von heute.

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