Das war’s. Diesmal mit: linkem Pöbel und dem Asylantendrama Bibi & Tina

15.2.2017 -- Mit den Kindern im Kino, Timm Thaler. Das Buch von James Krüss (1962) diente in den letzten 13 Jahren dreimal als familiäre Vorleselektüre, wir mögen es sehr.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Beru­hi­gend war die Kennt­nis dar­über, daß der neue Film die Geschich­te nicht in die Coo­le-Kids-Welt anno 2017 ver­setz­te – also gut, schau­en wir uns das an. Am Ende waren die Kin­der höchst zufrie­den, ich selbst eini­ger­ma­ßen. Spek­ta­ku­lär die fol­gen­de Sze­ne: Der Böse­wicht Baron Lefu­et (man lese rück­wärts) lädt sei­ne treu­es­te Anhän­ger­schaft zum Gela­ge in ein Luxus­ho­tel ein.

Es sind die Co-Draht­zie­her sei­nes finanz­star­ken Kon­sor­ti­ums, die sich hier ein Stell­dich­ein geben, eine gefrä­ßi­ge, höchst mul­ti­kul­tu­rel­le Trup­pe. Man weiß ja, wie der teuf­li­sche Baron ver­fährt: Er treibt Länder/Staaten durch sei­ne Machen­schaf­ten in die schlimms­ten exis­ten­ti­el­len Kri­sen, um sich hin­ter­her selbst als Phil­an­throp und huma­ner Ret­ter auf­zu­spie­len und fei­ern zu las­sen. Lefu­et auf dem Höhe­punkt sei­ner anfeu­ern­den Kampf­re­de: „Wir! Schaf­fen! Das!“ Wen­den sich ruck­ar­tig etli­che Kin­der­köp­fe von links und rechts im Kino­dun­kel mir zu: „Mama! Im Ernst!“

18.2.2017 – Win­ter­aka­de­mie. Tagungs­be­richt folgt. Von der Lin­ken-Demo, die aber­mals unter dem Mot­to „IfS dicht­ma­chen“ statt­fand, nur die­se paar Ein­drü­cke: Die wacke­ren Ver­an­stal­ter rund um Wan­ja Sei­fert und den „Rechtsextremismus“-Experten Jero­me Tre­bing hat­ten im Vor­feld ein Dut­zend je mehr­stün­di­ge „Mobi­li­sa­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen“ vor allem an Uni­ver­si­täts­stand­or­ten (Jena, Hal­le, Dres­den, Leip­zig), aber auch in klei­ne­ren Städ­ten organisiert.

Resul­tat die­ser flei­ßi­gen Umtrie­be: Ein lin­kes Häuf­chen Elend aus Schnell­ro­da (4 Per­so­nen), 1 DJ Sil­van, 15 Welt­of­fe­ne aus Quer­furt und Mer­se­burg und (trotz allen Mobi-Auf­wands) knap­pe 80 hybri­de Groß­stadt-Demo­teil­neh­mer, frus­triert, tap­fer, und natür­lich zum größ­ten Teil ver­mummt: Schal bis zur Nase gezo­gen, Müt­zen in die Stirn, auf den Nasen schwar­ze Son­nen­bril­len, wie man‘s halt aus die­sem Lager kennt. Mit­tel­fin­ger wur­den schier zwang­haft in die Höhe gereckt, geru­fen wur­de vor allem: „Fascho­fres­se, Kin­der­schreck: Haut Kubit­schek die Zäh­ne weg“, außer­dem waren Anspie­lun­gen auf unse­re Zie­gen („Kubit­schek, Zie­gen­fi­cker“) äußerst beliebt.

Gut, ordent­li­che Kin­der­stu­be kann man nicht erwar­ten: Ralf Steg­ners (in Hal­le stu­die­ren­der) Sohn ist wohl in vor­ders­ter Front & laut­stark mit­ge­lau­fen. Mehr Wor­te muß man über die­sen Auf­marsch nicht ver­lie­ren. Wer sich die Twit­ter­bei­trä­ge unter #sr1702 oder die hilf­lo­sen Anti­fa-Berich­te durch­liest, wird ganz gut ins Bild gesetzt.

Unse­re Aka­de­mie begann jeden­falls pünkt­lich um 14.30 Uhr und lief von Anfang bis Ende wie am Schnür­chen ab. Ihrem Ziel, “IfS dicht machen”, kamen die Ange­ber kei­nen Fuß­breit näher.

20.2.2017 – Ein Nach­ge­schmack zur vor­gest­ri­gen (schö­ner Dop­pel­sinn eigent­lich…) Anti­de­mo wird ver­stärkt durch Lek­tü­re gest­ri­ger Pres­se­or­ga­ne; Spie­gel und ZEIT. Der Punkt ist: Auf wel­chem Niveau kom­men die uns eigent­lich mitt­ler­wei­le? Irgend­wie hät­te man doch gern einen satis­fak­ti­ons­fä­hi­gen Geg­ner! Heißt das „die haben fertig“?

Klei­ne Aus­wahl aus dem Fun­dus der rezen­ten salon­lin­ken Rhe­to­rik. Was für ein wil­der Wust an „Argu­men­ta­ti­on“! An Schreib- und Denk­stil! Jens Jes­sen in der ZEIT lang­at­mig und unaus­ge­go­ren zum Begriff der „Eli­te“ als angeb­lich neu­em Feind­bild der „Popu­lis­ten“:

Zum Volk gehört für die AfD und Ver­wand­te nur, wer dumm und unge­bil­det geblie­ben ist. […] Damit sind wir bei Glau­bens­sät­zen des klas­si­schen Faschis­mus ange­kom­men. Gebil­det zu sein heißt, ver­bil­det zu sein. Unver­bil­det ist nur der Unge­bil­de­te. Dumm­heit und Roheit wer­den zur Quel­le eines unver­stell­ten Welt­zu­gangs erklärt, und selbst Gewalt­ak­te kön­nen zum Aus­fluss einer natür­li­chen Her­zens­rein­heit ver­klärt wer­den, wenn der mor­den­de Mob sich nur hin­rei­chend bil­dungs­fern präsentiert.

Dann Bernd Ulrich, Lei­ter des ZEIT-Poli­tik­res­sorts, leit­ar­ti­kelnd über „das Elend deut­scher Natio­na­lis­ten“ (selt­sa­me Her­vor­he­bung aus Ori­gi­nal übernommen):

War­um kommt die AfD nicht weg von die­sem blö­den Natio­nal­so­zia­lis­mus, dem Anti­se­mi­tis­mus und all die­sem Kram? Ratio­nal gese­hen ist die Lage für eine rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei doch son­nen­klar: Es ist für die­se Leu­te zum Bei­spiel viel loh­nen­der für die Juden zu sein und gegen die Mus­li­me.

Susan­ne May­er, eben­falls ZEIT-Urge­stein und wie Ihre Kol­le­gen hier im Früh­ren­ten­al­ter, freut sich hin­ge­gen dar­über, daß immer mehr Läden den Ver­trieb von Klei­dern der Pro­dukt­li­nie „Ivan­ka Trump“ boy­kot­tie­ren. War­um eigent­lich? Die­se Freu­de dar­über, daß „net­ten klei­nen Fum­meln für net­te klei­ne Frau­en“ nun der Gar­aus gemacht wird? Weil, O‑Ton Mayer:

Die Pro­dukt­li­nie gehört Ivan­ka Trump, der jun­gen blon­den Frau an der Sei­te von Donald Trump, die sei­ner qua­si­blon­den Frau Mela­nia Trump […] ähn­lich sieht, wenn sie auch jün­ger ist – so wie Mela­nia der blon­den Mut­ter von Ivan­ka ähn­lich sieht, also Ivan­ka Trump, aber jün­ger ist, und Ivan­ka ihrer Schwes­ter Tif­fa­ny ähn­lich sieht, die jün­ger ist als Ivan­ka, aber auch blond. Okay?

(Wie, „okay?“? Ver­klei­det sich das poli­ti­sche Argu­ment jetzt als Blon­di­nen­witz? Frau May­er ist jeden­falls grau­haa­rig. Schen­kel­klopf­hu­mor und Frau­en­haß – so tief sind die Lin­ken schon gesunken.)

Zuletzt, im Rah­men eines lan­gen Inter­views, eini­ge Spie­gel-Fra­gen an Björn Höcke: „Glau­ben Sie an die Über­le­gen­heit der wei­ßen Ras­se?“ „Wech­seln Sie jetzt end­lich zur NPD?“ „Sol­len die Deut­schen die Nazi­dik­ta­tur […] als posi­ti­ven Teil unse­rer Geschich­te betrach­ten?“ „Wür­den Sie, wenn Sie könn­ten, das Holo­caust­mahn­mal abrei­ßen oder umset­zen?“ (Höcke ant­wor­tet übri­gens pas­send: Nicht er, son­dern sei­ne jour­na­lis­ti­schen Gesprächs­part­ner sei­en von der NS-Zeit beses­sen: „Es tut mir leid, dass Sie nur in natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Asso­zia­ti­ons­ket­ten denken.“)

20.2.2017 – Noch­mal Kino. Hier in Form einer hin­rei­ßen­den Leser­zu­schrift, die ich gern in Gän­ze wiedergebe:

Heu­te besuch­te ich mit Frau & Töch­tern den neu­en Kin­der­film Bibi & Tina 4, der ers­te Teil kam 2012 in die Kinos. Das wird Sie nicht im Ansatz inter­es­sie­ren, aber was es in die­sem Film – der sich an Kin­der im frü­hen Jugend­al­ter rich­tet – zu sehen gibt, hat selbst mei­ne poli­tisch wenig inter­es­sier­te Frau empört.

Gleich zu Beginn des Films tref­fen die bei­den Hel­din­nen auf einen Flücht­ling, der sich als Jun­ge ver­klei­det hat. Gejagt wird das Mäd­chen von drei zurück­ge­blie­be­nen alba­ni­schen Ver­wand­ten, die sie zwangs­ver­hei­ra­ten wol­len. Das Mäd­chen klaut Bibi & Tina die Sup­pe vom Lagerfeuer.

Danach tref­fen sie in einem Stall auf zwei syri­sche Flücht­lin­ge, die selbst­ver­ständ­lich hoch­ge­bil­det sind. Wes­halb die eine Essen stiehlt und die ande­ren in einem Stall näch­ti­gen, bleibt unklar. Ver­mut­lich soll damit sug­ge­riert wer­den, daß Flücht­lin­ge hier­zu­lan­de sowohl Hun­ger lei­den, als auch unter unmensch­li­chen Bedin­gun­gen hau­sen müssen.

An einem Strand tref­fen nun alle Fün­fe auf ihren Freund Alex­an­der, der dort eine Grup­pe schwar­zer Musi­ker getrof­fen hat, die in Deutsch­land Kon­zer­te geben wol­len und natür­lich ober­cool sind. Alle zusam­men wol­len nun zum Schloß Fal­ken­stein, daß dem Vater Alex­an­ders gehört. Dann folgt Trump-Bashing in Form eines – natür­lich geis­tes­ge­stör­ten – Herrn Trumpf mit blond­ge­färb­ten Haa­ren, der eine Mau­er um Schloß Fal­ken­stein bau­en will und den vie­len Frem­den den Zugang ver­weh­ren, obwohl es doch aus­schließ­lich gute Men­schen sind.

Damit noch nicht genug: Die drei alba­ni­schen Men­schen­jä­ger haben einen Ver­wand­ten in Deutsch­land, der ganz offen­sicht­lich homo­se­xu­ell ist. Die­se Bot­schaft ist der ein­zi­ge Zweck sei­nes Auftritts.

End­lich darf die blon­de Loli­ta Bibi auch offen die Lie­be zu ihrem Freund Tarek aus­le­ben, dem sie bereits in Teil 3 ver­fal­len ist. Auch Alex­an­der darf end­lich ran. An eine schwar­ze Musi­ke­rin, was sonst.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (18)

Sarotti-Mohr

20. Februar 2017 19:38

Dann zeitigten zumindestens dieses Mal die wundertätigen Marienmedaillien Wirkung. - Gut so!

Bedauerlich freilich, daß sich tatsächlich auch im wahrlich kleinen Schnellroda noch ein paar gehirngewaschene Buntbürger finden, die sich willig als Demonstranten gegen das IfS rekrutieren lassen.

Schade, daß Jack Donovan dem jungen Publikum vorbehalten blieb - aber möglicherweise reist er ja irgendwann nochmals nach Schnellroda?

tho.

21. Februar 2017 01:15

Die Neuverfilmung gucke ich mir nicht an. Ich will den Baron so in Erinnerung behalten, wie ich ihn als Kind kennengelernt habe: Mit 2-Schachteln-Marlboro-am-Tag-Stimme, Hugh Hefners schwarzem Satin-Morgenmantel und einem absurd dicken Stein an der Halskette.

tho.

21. Februar 2017 01:24

@ Sarotti-Mohr: Dafür können Sie den Wolf of Vinland auf Facebook sehen, wie er sich beim Zwischenstopp in Röcken mal eben an der Nietzsche-Skulptur nackig macht... Mindestens eine 10 auf der nach oben offenen Fremdschäm-Skala.

deutscheridentitärer

21. Februar 2017 10:46

" Dafür können Sie den Wolf of Vinland auf Facebook sehen, wie er sich beim Zwischenstopp in Röcken mal eben an der Nietzsche-Skulptur nackig macht... Mindestens eine 10 auf der nach oben offenen Fremdschäm-Skala."

Naja, ich bin kein allzu großer Donovanfan, aber die Pose hatte doch was.

Katzbach

21. Februar 2017 13:57

Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich!

Wat nich alles gibt?

Milo

21. Februar 2017 16:27

Vielen Dank für den Filmtip! Bin mal gespannt, wie meine Jungs auf  „Wir! Schaffen! Das!“ reagieren.

Eisriesen am Horizont

21. Februar 2017 20:45

Zum Thema Kinderfilme und Kinounterhaltung: Wir sind ja wieder in einer Zeit angekommen, wo die Unterhaltungsindustrie schon dem jüngsten Publikum Ideologische Injektionen verabreicht. Zahlt die deutsche Filmförderung dafür wohl einen guten Preis?

Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Borstelspatz

21. Februar 2017 22:16

Ich habe gerade meiner Frau die “Boni & Tina-Rezession“ vorgelesen. Sie belehrte mich, dass nicht Alex bei der Schwarzen ran durfte, sondern Holger. Alex ist schließlich schon immer mit Bibi liiert. Aber furchtbar polemisiert empfand sie den Film ebenfalls!

Der Feinsinnige

21. Februar 2017 23:05

@ Eisriesen am Horizont

„Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Eine sehr interessante Frage. Eigentlich die Wahl zwischen Skylla und Charybdis.

Ich gebe zwei Antworten:

Antwort 1:

Für mich persönlich sage ich: „Verblödungsfernsehen“. Mit ideologischer Beeinflussung kann ich umgehen und diese durch Mitdenken und die richtige anderweitige Lektüre abwehren. „Verblödungsfernsehen“ ( oder „Unterschichtenfernsehen“) wäre dagegen für mich persönlich völlig verlorene Zeit.

„Fernsehen bildet. Immer wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese“

soll Groucho Marx gesagt haben (zitiert nach „zitate.net“, Stichwort „Fernsehen“).

So habe ich es über lange Zeit immer wieder gehalten, wenn meine mehr oder weniger jugendlichen Kinder „Verblödungsfernsehen“ schauten (der Gruppenzwang der Mitschüler übte insoweit seine Wirkung aus).

Antwort 2:

Was die Wirkung für unser Land betrifft, dürfte wohl "ideologisches Belehrungsfernsehen" noch schlimmer sein.

Das Problem ist doch folgendes:

Ohne „Verblödungsfernsehen“ erreicht man die breite Masse heute gar nicht mehr. Daher gehört zu einer wirklichen politischen Wende vermutlich auch endlich ein „eigener“ großer Fernsehkanal (Berlusconi und Fox-News lassen grüßen; Jürgen Elsässer macht mit seinen Live-Übertragungen ja wohl erste Versuche in diese Richtung im Internet, wenn ich dessen Arbeit richtig auslege, aber vielleicht überbewerte ich das auch). Ein solcher Fernsehkanal wird wohl kaum um das herumkommen, was man zu Recht als „Verblödungsfernsehen“ bezeichnet, wenn er Breitenwirkung erzielen will.

Fazit:

„Verblödungsfernsehen“ kann durchaus ein Mittel zum Zweck sein (nicht nur zum wirtschaftlichen, sondern auch zum politschen). Das machen uns im übrigen die meisten derzeitigen Fernsehsender in unterschiedlicher Intensität vor. Dabei lege ich Wert auf die Feststellung, daß es derzeit in Deutschland durchaus Ausnahmesender gibt, was das Niveau betrifft, aber wohl keinen, der nicht mehr oder weniger, offen oder versteckt, ideologisch in dieselbe Richtung beeinflußt.

Cacatum non est pictum

22. Februar 2017 00:38

@Eisriesen am Horizont

Zum Thema Kinderfilme und Kinounterhaltung: Wir sind ja wieder in einer Zeit angekommen, wo die Unterhaltungsindustrie schon dem jüngsten Publikum Ideologische Injektionen verabreicht. Zahlt die deutsche Filmförderung dafür wohl einen guten Preis?

Ans Publikum: Was ist eigentlich unerträglicher, reines Verblödungsfernsehen oder ideologisches Belehrungsfernsehen?

Schwer zu sagen. Was ist schon schlimmer - Pest oder Cholera?

Aber ich habe auch noch eine Frage; sie geht an diejenigen Sezessionisten, die den Kulturmarxismus der DDR persönlich miterlebt haben. Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal? Ich bitte um eine ehrliche Einschätzung!

Fräulein von Trense

22. Februar 2017 09:09

Mir persönlich erscheint das Treiben in der brd um einiges schlimmer zu sein als in der DDR, schon von Anfang an. Der große Chef aus dem Osten ist den Unterworfenen nicht in die Seele gekrochen, sondern hat in geradzu rührend alteuropäischer Manier nur auf der Verstandesebene propagiert, Losungen verbreitet und Schlagworte herumposaunt. Daher war der nichtriehedjukäjtete DDR-Untertan lediglich einer groben Holzhammerpropaganda ausgesetzt an die ein zurechnungsfähiger Mensch nur mit voller Absicht und unter Vorsatz glauben konnte.

Das ist im goldenenwesten freilich anders ("sie", die Herren, sind ja nicht doof), hier hat man das Projekt "Neuerschaffung des Menschen" anders angefaßt, indem man den hebel bzw. das Skalpell eine oder gar mehrere Ebenen unter dem Bewußtsein, dem logischen Denken usw. angesetzt hat. Deshalb ist dieser teil der Kolonie voller Umprogrammierter, die allesamt zuverlässig auf jeden Knopfdruck der Propaganda reagieren und sich dabei auch noch irre mündig, aufgeklärt, modern, kritisch und wat -nich-noch-allet vorkommen.

Jemand hat einmal gesagt: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können. Fürchtet vielmehr den, der die Seele und den Leib in der Hölle zu verderben vermag. Allein schon deswegen scheint mir das westsystem viel bösartiger und schlimmer zu sein als es jeder Budenzauber der SED sein konnte (aber erklären Sie das einmal einem brdling; der faucht, spuckt Gift und Galle und wird in irgendeiner Form aggressiv, wenn ihm bedeutet wird, daß die Untermenschen im Osten ihm etwas voraus haben könnten ... wo er doch so reich, vielgereist und überhaupt immer auf der richtigen Seite steht, von Geburt an und wissenschaftlich erwiesen).

Vom Konsumieren moderner Filme halte ich ohnehin nicht viel, selbst wenn es unverfängliche Werke sein sollten wie diese James Krüssverfilmung. Man (oder auch nur ich allein) sieht es den Darstellern immer an, daß sie nur verkleidet sind und bloß etwas darstellen und als offenkundige und waschechte Wohlstandsgeschöpfe spielen sie immer nur sich selbst (gewiß, da bin ich unfair, aber Filme müssen bei mir Primitivling das Kaliber von "Hundeherz" von W. Bortko haben. Diesen Film habe ich seinerzeit nur zu Sprachlernzwecken und so nebenher anschauen wollen und mir ist schon bei der Eingangsszene alles aus der Hand gefallen, womit ich gerade rumhantieren wollte).

Man erspart seinen  Kindern und sich viel Müll und Deformation, wenn man einfach keinen Fernseher hat und keine Kinos besucht (Gutes oder eben passables gibt's auf DVDs), das Setzen von subkutanen Propagandaspritzen ist da schon schwerer und man muß dann nicht mehr mühsam hinterhererziehen.

Stil-Blüte

22. Februar 2017 12:58

@ Cocatum non est pictum

'Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal?' 

Abgesehen davon, daß man diesen Wandel kaum jemals wird zu beziffern vermag, ist jene 'mediale Indoktrination', die sich verhohlen, weich, light, allmählich einschleicht,  der gefährlichere Angriff auf gemeinschaftliche gesunde/normale Identität eines Menschen oder ganzen Volkes, weil die natürliche Substanz angegangen wird. Das Politische ist ein Konstrukt und die Einseitigkeit eines 'Schwarzen Kanals' ist rasch anzueignen oder abzulehnen, bleibt aber immer an der Oberfläche. Der 'Schwarze Kanal' wirkte, je nach poliutischer Disposition lediglich verstärkend oder abschwächend. Ständiger Konsum von freien Sexszenen, 'Tatort',  Talkrunden, Interviews mit Prominenten, Gender... vernebeln nicht nur das Gehirn (Gehirnwäsche), sondern verwandeln uns zu Indiffernz, so daß es uns vorkommt, als wüßten wir nicht mehr, was gehaun und gestochen ist. Dieses ständige pseudodemokratische In-Frage-Stellen irgendwelcher Ereignisse, Fakten, Daten usw. (das häufigste Satzzeichen bei BILD, besonders deutlich bei Talk mit Lanz) ist das rhetorische Fragezeichen, das häufigste Satzzeichen in der DDR war das Ausrufezeichen) stiftet in uns eine unglaubliche Verwirrung.

Genau diese Verwirrung gab es in der DDR nicht. Klar, eindeutig, funktional waren die Ansagen und Aufträge. Daher haben sie m. E. auch viel weniger Schaden angerichtet. Um es auf romantische Art und Weise auszudrücken: Sie erreichten unser Herz, unsere Seele bei grandiosen Aufmärschen, aber sie ver/zerstörten sie nicht.  Daher heute auch die Widerstandkraft der Sachsen, Thüringer, Preußen... 

Wenn Sie mich zu 'Pest oder Colera' fragen: Die Pest ist mit Recht zu einem übergeordneten symbolischen Wert (Stichworte: Nosferatu, Camus 'Die Pest', Ingmar Bergman) mutiert, die Colera nicht. Nun werden Sie auch wissen, wem ich Pest, wem ich (nur) Colera zuordne.   E i n   Rettungsanker gegen die Pestilenz: Boccacios 'Decamerone': Sich auf's Land begeben, sich im Ländlichen besinnen und in Zwischenzeiten in gesammelter Gemeinschaft Geschichten hören, schreiben, erzählen; Stärkung in natürlichen Zonen mit natürlichen Menschen beiderlei Geschlechts und Kindern suchen.      

marodeur

22. Februar 2017 17:13

Cacatum non est pictum:

"Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination à la schwarzer Kanal? Ich bitte um eine ehrliche Einschätzung!"

Die Kommentatoren haben zuvor das Wesentliche benannt. Der Aspekt der Verwirrung der Seele wurde von Stil-Blüte sehr schön herausgearbeitet. Dazu gehört auch der zerstörerische Schuldkult. In der DDR wurde das Thema Holocaust mindestens ebenso intensiv behandelt wie in der BRD. Der Wesentliche Unterschied lag im Umgang mit der Schuldfrage. Geschichte wurde als natürliche Evolution zum utopischen Sozialismus dargestellt. Der Faschismus galt als evolutionäre Vorstufe oder Fehlentwicklung, die mit der Gründung der DDR als überwunden galt. Die BRD unterschied sich im DDR-Verständnis nicht wesentlich vom Faschismus. Der Gedanke der Erbschuld oder gar einer möglichen plötzlichen Rückentwicklung zum Nationalsozialismus stellte sich überhaupt nicht, so lange der "Antifaschistische Schutzwall" nur energisch genug verteidigt wurde. Insofern hatte man in der DDR eine Chance, an die historischen Wurzeln Deutschlands anzuknüpfen. Es gab beispielsweise eine ausgesprochene Affinität zur preußischen Geschichte - natürlich im Hinblick auf den Beitrag zur Entwicklung Deutschlands zum Arbeiter- und Bauernstaat. Trotz all der inhaltlichen Widersprüche trug das zur seelischen Gesundheit des DDR-Bürgers bei. Andere Aspekte dieser Dikatatur sollten wir bitte nicht vernachlässigen. Das Einsperren der eigenen Bürger bleibt eine unerreichte Schurkerei.

Klaus D.

22. Februar 2017 19:07

@Cacatum non est pictum

"Wie viel Prozent Wegstrecke hat die BRD im Jahr 2017 bereits zurückgelegt auf ihrem Pfad zur medialen Indoktrination ..."

Antwort: (gefühlt) mindestens 99 Prozent!

Die mediale Beeinflussung in der BRD dieser Tage erfolgt umfassend, einheitlich und vor allem meist unterschwellig. Dies empfinde ich als wesentlich schlimmer als in der DDR. 

In der DDR war die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit offizielles Programm, jeder wusse das und konnte sich darauf einstellen. Westfernsehen und Radio waren genauso zu empfangen wie DDR-Sender (die darin enthaltene Propaganda wurde billigend in Kauf genommen). Immerhin kannten wir dadurch die Argumente beider Seiten.

Jetzt heißt es offiziell Informations- und Meinungsfreiheit, aber weit gefehlt! In (fast) jedem Medium Erziehung zum political correctness - und das europaweit, selbst im neuesten Islandkrimi - ekelhaft! Und die Meinungsfreiheit wandelt sich zur Meinungsdiktatur.

Was ist heutzutage die Alternative? Wir schauen schon seit Jahren grundsätzlich keine Amiproduktionen, seit ca. 2 Jahren nur noch unpolitische Dokumentationen und nehmen ausgewählte Spielfilme auf. Aber auch hier zeigt sich, daß die politische Beeinflussung (z.B. Russen immer böse, Flüchtlinge immer gut) bereits in den 90-er Jahren an Fahrt aufnahm. Aber auch im Theater wird man zunehmend politisch korrekt belästigt. Was bleibt ist die Recherche im Internet.

Doch warum regt mich das heute mehr auf als früher? Ich denke es ist die dahinter zu erkennende krakenhafte Machtpolitik des Establishments zum Nachteil der Völker Europas.

Der_Jürgen

22. Februar 2017 21:23

Zu der von mehreren Foristen aufgeworfenen Frage, inwiefern sich die Indoktrinierung in der DDR von derjenigen in der BRD unterschieden habe, möchte ich einen - entscheidend wichtigen - Einzelaspekt herausgreifen, die "Vergangenheitsbewältigung", und in diesem Zusammenhang noch den dritten aus der Konkursmasse des Dritten Reichs hervorgegangen deutschen Staat erwähnen, Österreich. In allen drei Staaten wurde - und in der BRD und Österreich wird bis heute - grobe Geschichtsfälschung betrieben, doch in verschiedener Form.

In der DDR wurde dem Volk eingebleut - mit welchem Erfolg, können Menschen, die dort gelebt haben, besser beurteilen als ich -, Deutschland sei 1933 von den "Faschisten" usurpiert und geknechtet worden, als seien diese "Faschisten" Invasoren vom Mars gewesen. Wie @Marodeur richtig festhält, wurde die Behauptung einer deutschen Kollektivschuld dort niemals aufgestellt. Als ich 1991 mit dem Lehrerseminar in Dresden war, sagte mir übrigens ein Geschichtslehrer, auf das Thema Judenverfolgung werde nach Lehrprogramm eine (!) Unterrichtsstunde aufgewendet, was mich sehr überraschte.

Eine andere Form der Geschichtsfälschung wurde, und wird, in Österreich propagiert, wo bis heute behauptet wird, Österreich sei ein "Opfer" des Dritten Reichs gewesen. Wer sich den grenzenlosen Jubel der Bevölkerung Wiens beim EInzug der deutschen Truppen in Dokumentarfilmen ansieht, kann über diese Mär nur den Kopf schütteln.

Die heimtückischste Form der Geschichtsfälschung wurde und wird in der BRD praktiziert. Legte man sich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten zwangsläufig noch ein Minimum an Zurückhaltung auf - immerhin waren damals noch allzu viele Zeitzeugen am Leben -, so wurde die Lügenpropaganda mit dem Hinwegsterben der Kriegsgeneration immer dreister. Die Deutschen, heisst es jetzt, hätten sich durch ihre Unterstützung des "verbrecherischen NS-Regimes" kollektiv schuldig gemacht und müssten diese Schuld nun permanent büssen.

Die logische Konsequenz hieraus zieht u. a. die sozialdemokratische Rechtsprofessorin Ute Sacksofsky, die meint, da es nach der NS-Gewaltherrschaft nicht mehr um eine Weitergabe deutscher Gene gehen könne, sei nichts Schlimmes daran, wenn Deutschland entweder der Natur zurückgegeben, oder - und dies sei wahrscheinlicher - anderen Völkern zur Besiedlung freigegeben werde, siehe: Bevölkerungsaustausch in Europa (I) auf diesem Blog.

Noch Fragen? Wohl kaum.

Cacatum non est pictum

22. Februar 2017 23:00

@Fräulein von Trense, Stil-Blüte, marodeur, Klaus D., Der_Jürgen

Herzlichen Dank für die ausführlichen Antworten! Mir ist direkt klargeworden, dass meiner Frage eine Fehleinschätzung zugrunde lag. Ich wollte wissen, wie stark der Propagandadruck in DDR-Hochzeiten war im Vergleich zur jetzigen Situation bei uns. Aber wie ich von Ihnen gelernt habe, bestand der Unterschied vor allem im Wesen der Propaganda: "holzhammerartig" versus "subkutan". Und Sie alle bewerten die subtile Beeinflussung als eindeutig wirkmächtiger und schädlicher. Diese interessante Erkenntnis muss ich erst einmal sacken lassen.

Fräulein von Trense

23. Februar 2017 10:20

@C.n.e. pictum

Die Intensität von Propaganda ist in jedem System, das moderne Ideologien zu etablieren bemüht sind, im Grunde gleich, denn dem modernen Ideologen ist sehr daran gelegen, die Wirklichkeit durch eine Scheinrealität zu ersetzen. Er (vor allem aber sie, weil sich die holde Weiblichkeit bekanntlich zu gern für wildromatische Bauprojekte vor den Karren spannen läßt) gibt das ganz schamlos zu, denn er redet ja ständig vom "Bau einer besseren Welt", "Umbau der Gesellschaft", "Verwirklichung der Utopie" usw. und meint damit das Errichten einer Illusionsblase (wie diese Kulissenwelt dann im einzelnen eingerichtet ist, liegt an den persönlichen Schwerpunkten der Ideologen selbst - Kommunisten setzen andere "Dekoelemente" als MuKulisten, diese wiederum tapeieren die Gute Stube anders als Kapitalisten).

 

Das alles bedeutet, daß der Propagandaaufwand in all diesen Systemen stets ziemlich hoch sein muß um die Blasenwelt überhaupt aufrechtzuerhalten (denn der ideologische Illusionszauber ist ja etwas, was nicht von Natur vorhanden ist, also "einfach so" existiert, sondern künstlich ist) und sogar gesteigert werden muß, je stärker die unberechenbare und nie vollkommen verdrängte Realität gegen die Trennwände der Illusionsblase drückt (um beim Bild zu bleiben).

Dies erklärt die wachsende Hysterie der Propaganda in untergehenden Systemen; wenn der Putz an den Wänden rieselt und es im Gebälk ächzt und knirscht, werden die Bauleute besonders hektisch - in der alten DDR wie in der brd von heute.

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