Sezession
23. Februar 2017

Voll behindert

Akif Pirinçci / 22 Kommentare

Das perfektes Nachäffen Gehandicapter verfestigte den eigenen Status als Klassenclown und simulierte Schauspielerfähigkeiten. Man konnte einfach nicht widerstehen. Das Ganze war um so schändlicher, zumal wir alle selbst einen Behinderten in der Verwandtschaft hatten, in dessen Gegenwart wir uns allerdings zu benehmen wußten.

Akif Pirinçci

Akif Pirinçci ist Bestsellerautor und gilt als schärfster Kritiker der bundesdeutschen Zustände.

Diese Zeiten sind, glaube ich, ein für alle Mal vorbei. Gott sei Dank! Dazu hat nicht nur das wachsende gesellschaftliche Verständnis für Behinderte beigetragen, sondern auch mediale Maßnahmen, in denen das Leben und die Probleme von Menschen mit einer Behinderung öffentlich thematisiert wurden.

Daß darauf später Übertreibungen wie das Konzept der sogenannten Inklusion folgten, bei der behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden und die, wie erwartet, jetzt Lehrer in den Wahnsinn treibt – geschenkt. Doch es gibt auch eine andere Art der Vereinnahmung und des Mißbrauchs von Gehandicapten durch den grün-links versifften Staat.

Dieser versucht unter dem Deckmantel einer verlogenen Hypertoleranz immer eindringlicher, die Untertanen zur Akzeptanz seines stetig islamischer werdenden Zukunftsprojekts zu erziehen und den Uneinsichtigen als Unmensch zu denunzieren. Hierbei vermengt er geschickt das berechtigte Schutzanliegen des Schwachen mit dem von irren Freaks ersonnenen und rein ideologisch motivierten Multikulti-Wahn, so daß der Eindruck entstehen soll, ein illegal eingereister junger Afghane bester Gesundheit und ein Deutscher mit Down-Syndrom seien ein und dasselbe. Es ist ein Taschenspielertrick.

Auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend existiert ein Link zu einer Seite mit sogenannter "Leichter Sprache". Die Genies, die diese Seite fabriziert haben, sitzen in einem "Büro für Leichte Sprache Köln" und bei einem gewissen "Inclusion Europe". Diese erklären dem Leser: "Zielgruppen sind Menschen, denen das Lesen und Verstehen von Texten schwerfällt, z. B. Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistigen Behinderungen, Menschen mit Migrationshintergrund oder Senioren."

Vornehmlich sollen also Leute, die des Lesens zwar einigermaßen mächtig sind, aber herkömmliche oder gar komplizierte Texte nicht richtig erfassen können, durch schlichte und knappe Satzkonstruktionen zum Verständnis eines Sachverhalts gebracht werden. Im Auge hat man wohl eher alte Menschen und geistig Behinderte, denn daß irgendein Migrant mit halbem oder gar keinem Deutschverständnis hier reinschaut, glaubt nicht einmal ein Spatzenhirn, das in Leichter Sprache zwitschert.

Ist man auf der Seite, erlebt man die erste Überraschung. Entgegengesetzt dem Ministerium-Logo oben links prangt rechts der Spruch "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit". Wie üblich scheint Linksextremismus offenkundig nicht zu existieren. So weit, so vorhersehbar. Doch die Frage ist berechtigt, was solch ein Propaganda-Slogan auf einer Seite für funktionale Analphabeten, geistig Behinderte und Senioren zu suchen hat.

Droht ihnen "Gewalt und Menschenfeindlichkeit" von Rechts? Ist es nicht vielmehr so, daß man gegenwärtig über gestern hier eingeschneite fremde Jungmänner hört, wie sie Behinderte mitten auf der Straße demütigen und attackieren? Das sind natürlich Suggestivfragen von mir, auf die ich keine Antworten erwarte, weiß ich doch, daß durch solcherlei Ansagen sogar hilfsbedürftige Menschen, die mit diesem Rechts-Links-Elend nix am Hut haben, für den propagandistischen Feldzug des Ausländer-Füßeküssens rekrutiert werden sollen. Dann aber geht es endlich los mit dem tollen "Demokratie leben!":

Demokratie ist schwere Sprache.
Das heißt in Leichter Sprache:
Alle Menschen in Deutschland
dürfen mit-entscheiden.
Und alle Menschen 
haben die gleichen Rechte.
Und alle Menschen auf der Welt sind gleich.
Auch wenn sie anders aussehen.
Oder eine andere Sprache sprechen.

Einspruch, Euer Ehren! Wenn alle Menschen auf der Welt gleich sind, wozu gibt es dann diese Seite? Ich meine, hätte man dann nicht gleich eine Theorie von Albert Einstein mit ganz vielen mathematischen Formeln posten können, wo doch ein Mensch wie ein Ei dem anderen gleicht und jeder ein Einstein ist?

Und, Euer Ehren, unterscheidet sich der Mensch auch noch durch etwas anderes als durch Aussehen und Sprache? Was weiß ich, der eine ist faul, der andere fleißig, der eine kann mit zwölf Bällen jonglieren, der andere trifft nicht mal einen Ball; der eine sammelt Bierdeckel, der andere tranchiert gern Köpfe oder so. Meine ja nur. Daß alle Menschen in Deutschland in einer Demokratie "mit-entscheiden" dürfen, halte ich übrigens ebenfalls für ein Gerücht. Doch dann wird erklärt, wie sowas geht:

Damit jeder mit-entscheiden kann:
Die Menschen in Deutschland wählen Politiker.
Politiker arbeiten in der Bundes-Regierung
von Deutschland.
Sie entscheiden zusammen wichtige Sachen.
Für alle Menschen in Deutschland.
Zum Beispiel Gesetze.
Oder Sachen mit Geld.

Jaja, "Sachen mit Geld", die entscheiden die Politiker am liebsten, weil das Geld auf den Bäumen wächst. Man braucht sie nur zu wählen, und schon setzen sich diese Glücksroboter in Bewegung und machen lauter tolle Dinge "Für alle Menschen in Deutschland".

Nun gut, die Leute, die diese Seite gebastelt haben, gehen offensichtlich davon aus, daß hier nur Schwachsinnige reinschauen, die ihren Kaffee durch die Nase trinken. Doch wenn ein Schwachsinniger derart schwachsinnig ist, daß man ihm das Elementarste, das schon ein Sechsjähriger weiß, (auch noch falsch) beibringen muß, wozu dann das Ganze überhaupt? Die Antwort erhalten wir zwei Absätze weiter:

Manche Menschen sind gegen Demokratie.
Oder gegen bestimmte Menschen.
Die Menschen sind fremden-feindlich.
Oder sie sind gegen Muslime.
Oder gegen Menschen:
Die das gleiche Geschlecht lieben.
Man sagt auch: Homo-sexuelle Menschen.

Echt, manche Menschen sind gegen Demokratie? Welche denn? Geht das nicht etwas präziser? Die Millionen, die ihren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben wollen? Oder die neue gegründete Kim-Jong-Il-Partei in Oberbayern? Und wer gegen die Demokratie ist, ist auch gegen "bestimmte Menschen"? Hier wird es allerdings etwas kompliziert.


Akif Pirinçci

Akif Pirinçci ist Bestsellerautor und gilt als schärfster Kritiker der bundesdeutschen Zustände.

Kommentare (22)

destijl
23. Februar 2017 15:14

Sehr unterhaltsam, Herr Pirinçci. Es ist leider gang und gäbe, dass Steuergeld für Volkserziehung abgeführt wird, anstatt es (wilde Idee!) einer echten Bildung zuzuführen. Die geistig weniger Begabten sollen sich in die Stimmvieh- und Affirmationlegionen einordnen und dafür ist keine Propgandazeichnung zu schade. Ganz abgesehen von der miserablen zeichnerischen Qualität, die auf altbekannte Losung im bundesdeutschen Förderstaat einzahlt: richtige Gesinnung+Talentfreiheit=Erfolg"  

Mahnstein
23. Februar 2017 15:27

Sehr geehrter Herr Pirinçci,

vielen Dank für diese Analyse, mit der Sie für mich endgültig auf der SiN angekommen sind.

Als mein damaliger Zivildienststellenleiter mir anno 1989 Ihren Roman Felidae zum Geburtstag geschenkt hat (der kalte Krieg war gerade vorbei), hätte ich mir in meinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können, in welchem Tempo unsere Welt die Orwell'sche Dystopie ein- und schließlich überholen würde. Eine ihrer zentralen Erkennungsmerkmale ("Die Verdrehung der Wahrheit inklusive der Realität in ihr glattes Gegenteil") breitet sich unaufhaltsam in die letzten noch freien Winkel aus.

Die Propaganda hat für den Sehenden bereits jetzt den letzten Rest an Subtilität verloren. Jede weitere Steigerung wird m.E. dazu führen, dass deren Zahl zunehmen wird.

Harm Wulf
23. Februar 2017 15:33

Interessante Seite! Immerhin wird jetzt klar, woher die Antifanten ihre politische Bildung beziehen..

Der_Jürgen
23. Februar 2017 15:54

Wirklich köstlich; der beste der bisherigen vier Akif-Beiträge auf dieser Seite. 

Dorian Graywulf
23. Februar 2017 16:46

Alle schauen sie so fröhlich auf dem ersten Bild.

Nur der nette Junge ganz links nicht, der von der Identitären Bewegung.

Er darf nicht mitspielen. Das ist doof...und gemein.

marodeur
23. Februar 2017 17:00

Habe mir die Links mal angesehen. Gott sei Dank hatte ich Akifs Beitrag vorher gelesen. Das ist völlig verrückt. Man braucht heute ständig Zeugen, um gesund zu bleiben. "Siehst du das auch? Passiert das wirklich?" Gegen diese Initiative kommt die Gesinnungskeule in Bibi & Tina geradezu subtil daher. Orwell würde im Grabe rotieren. Aus Neusprech wird Leichtsprech. Ich habe es ja nicht so mit Verschwörungstheorien, aber kann es sein, das die Kanzlerin schon übt?
In diesem Sinne,

Wir schaffen das!

Starhemberg
23. Februar 2017 17:39

Ein ganz starker Text, Bravo, Akif Pirincci! Ich begrüsse es insbesondere, dass Sie immer wieder neben der Beschreibung unglaublicher Absurdidäten der linksgrünen Jämmerlinge auch auf die Kostenseite hinweisen. Denn am Allerschlimmsten an all diesem perfiden Gedankenschaum ist, dass diejenigen gegen die er sich letztlich richtet, ihn auch noch bezahlen müssen.

tOm~!
23. Februar 2017 18:15

Herr Pirinçci hat es völlig richtig erkannt. All diese "grün-links-Versifften" haben ja gar keine Ahnung davon, was Demokratie bedeutet. Was hat man nur aus diesem "fast perfekten" politischen System gemacht? So geht's ja nicht, es darf so nicht angehen. Wie sagte der CIA-Agent Willy Brandt einst?

"Wir wollen mehr Demokratie wagen."

Immer mehr davon, aber bitte echte Demokratie, mit viel Wirtschaftsliberalismus und Antifaschismus, Offene Gesellschaft und Menschenrechtsquark. So wie es aussieht, werden die umerzogenen Westler an ihrem Demokratiewahnsinn ersticken, da sie unfähig sind, sich aus dieser Denkfalle, dem größten Hoax aller Zeiten, geistig zu befreien.

Geoffrey
23. Februar 2017 19:17

Genau! Diese falsche Toleranz und falsche Gleichmacherei ebnet alles zu einem kloakigen Einheitsbrei zusammen. Und kein normaler Mensch (gibt's das überhaupt noch?) hat den Durchblick. Das Schlimmste daran ist, dass jetzt die Menschen so gegendert-verstümmelt-versächlicht werden, nur damit sie in die neuen Worthülsen passen. Also bitte! Und Nein, Frauen und Männer sind auch nicht gleich! Rein biologisch und auch sonst. Sollen sie nämlich auch nicht. Sonst hätte der Liebe Gott nämlich gerade von Anfang an nur ein Geschlecht (Transen?) geschaffen. Schreckliche Vorstellung! Alle und Alles wird nun breiartig auf diese neugeschaffenen Schablonen und Worthülsen gestrichen; und wehe sie passen nicht hinein. Well, dann muss man fix nochmals neue gleichmacherische Worthülsen erfinden. Es nimmt kein Ende. Hat sich jetzt zuerst die Sprache so pervers verschoben und dann die dazupassenden Menschen, oder ist es umgekehrt?

E.
23. Februar 2017 20:11

Sehr interessanter Hinweis und Text, über den man sehr viel nachdenken und schreiben könnte. Meinerseits nur vier Gedankensplitter:

1.) Die Überlegungen, die Herr Pirincci hier anstellt, müssten eigentlich "von Amts wegen" von Gebühren-finanzierten öffentlichrechtlichen Sendern angestellt werden, denn dafür werden diese bezahlt. Diese sind aber Teil des Systems, daher sind wir darauf angewiesen, dass politisch hellwache Freigeister wie Pirincci auf derlei Abstrusitäten hinweisen.

2.) Der von Herrn Pirincci hier geschilderte Gegenstand müsste eigentlich in jedem Gesellschaftskunde-Mittelstufenkurs und in jedem gesellschaftswissenschaftlich-juristischem Proseminar zerpflückt werden (aber es geht ja mittlerweile in der zersplitterten [Fach-] Hochschullandschaft nur noch darum, dass Spätpubertäre mit 22 Lebensjahren ihren "Bachelor" erschlagen, in irgendeinem pseudowissenschaftlichem Obskur-Studiengang) .

3.) Tatsächlich, es wird dem Otto Normalverbraucher immer wieder eingebimmst: es gibt "Rechtsextremismus", deswegen ist "rechts" böse. "Linksextremismus" wird nicht erwähnt, deswegen ist "links" ja auch positiv besetzt.

4.) Das Unglaublichste aber ist der Satz aus besagter ministerieller Internetseite: "Die Menschen in Deutschland wählen Politiker". Das ist der Narrativ, den jüngst ja auch wieder die SPD-Generalsekretärin einführte:

Das Staatsrecht und die grundgesetzliche Ordnung sollen auf leisen Pfoten klammheimlich wegretouschiert werden:

Nicht mehr das deutsche Staatsvolk (der Souverän) hat Wahlrecht, nein, alle Menschen, die nun einmal in Deutschland sind, zum Beispiel, weil sie sich in ein Schlauchboot setzten und unter Verschleiern ihrer Identität das deutsche Staatsgebiet betreten und "Asyl" gerufen haben.

Puuuh: "Staatsvolk", "Staatsgebiet", "das deutsche Volk", "Staatsgrenze" - darf man das noch sagen? Ist zwar geltendes Staatsrecht, das Grundgesetz spricht vom  "deutschen Volk", aber klingt das nicht so furchtbar "rechts" = böse?

Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber wie etablierte Parteien mitsamt des parteipolitisch besetzten Staats- und Medienapparates dabei sind, die grundgesetzliche Ordnung abzuschaffen, macht mir wirklich Angst.

Deswegen tausend Dank (darf ich "tausend" sagen?, gab es da nicht das...., ach´ lassen wir das lieber...) an Herrn Pirincci für seinen Fund der ministeriellen "leichten" Sprache!

Nautilus
23. Februar 2017 21:20

Bravo Herr Pirincci

normalerweise müsste man ihren Analayse an alle Haushalte versenden, vielleicht schnallen es dann doch noch etliche. 

Machen sie weiter so!

Eckesachs
23. Februar 2017 22:29

,,Stahlträger sind schwer. Sprache kann schwierig, aber nicht schwer sein."

https://sciencefiles.org/2017/02/22/luegen-in-leichter-sprache-bmfsfj/

,, Vor was oder vor wem haben die Menschen in Deutschland denn nun Angst? Zum Beispiel die greise Rentnerin, die Schwierigkeiten damit hat, diesen Text zu verstehen. Hat sie Angst davor, daß ihr auf der Straße plötzlich ein AfD-Mann entgegentritt, der ihr mit einem Schlag den Kiefer zertrümmert? Oder die retardierte junge Frau, die nachts von einer Geselligkeit heimkommt. Hat sie Angst davor, daß jäh ein Haß-Kommentator auf Facebook vor ihr steht, sie vergewaltigt und anschließend im See ertränkt? Oder der Rollstuhlfahrer, der auf dem Bahnsteig auf seine Linie wartet. Hat er Angst davor, daß ein Mitglied der Identitären Bewegung ihn mit einem Mal von der Bahnsteigkante aufs Gleisbett stößt?"

Das Schlimme ist, daß es wahrscheinlich genauso stimmt.

Der Feinsinnige
23. Februar 2017 22:32

Wieder einmal bringt Akif Pirinçci einen wesentlichen Teil der heute allgemein herrschenden Begriffsverwirrung eindrucksvoll auf den Punkt! Mit dem ihm eigenen Humor macht er eine der heiligsten Kühe der PC, den Gedanken der Inklusion, lächerlich und entzaubert sie.@ E.:Ich stimme Ihnen zu. Das Grundgesetz wird übrigens schon seit vielen Jahren durch ausdrückliche Änderungen, aber auch Rechtsprechung in großen Teilen umgebaut, teilweise in sein Gegenteil verkehrt, besonders plastisch am besonderen Schutz für Ehe und Familie zu erkennen, der heute plötzlich für alles mögliche gelten soll, womit die („klassische“) Ehe und Familie, die ursprünglich völlig unstreitig gemeint war, komplett entwertet worden ist.

Ähnliches hat sich im Artikel 3 durch die schwülstigen Hinzufügungen in den Absätzen 2 und 3 vollzogen.

Dabei möchte ich nur kurz an folgende juristische Selbstverständlichkeit erinnern:

Der Absatz 1 („Alle Menschen sind VOR DEM GESETZ gleich“) (also nicht etwa: „Alle Menschen sind gleich“) könnte nach wie vor auch wie folgt formuliert werden:

„Gleiches ist gleich, Ungleiches ungleich zu behandeln“.

Der Gleichheitssatz setzt also geradezu die Ungleichheit der Menschen voraus, normiert also nicht etwa eine imaginäre Gleichheit. Das dürfte in anderen Rechtsstaaten kaum anders sein und ist wohl nach wie vor auch Stoff jedes Jurastudiums im ersten Semester.

Die von der heute schon zur Staatsraison gewordene Inklusionsideologie widerspricht also im Kern unserem Grundgesetz, welches offenbar – wie treffend von Ihnen, @ E., formuliert – nicht allein in diesem Bereich „klammheimlich wegretouchiert“ werden soll.

Ohne nostalgische Verklärung, zu der kein Anlaß besteht: Es gab einmal eine Zeit, in welcher sich Arbeiter- und andere Bildungsvereine gründeten. Es gab einen allgemein erkennbaren Anspruch, den eigenen Geist zu schulen, geistig und sozial aufzusteigen. Man orientierte sich, indem man nach oben schaute. Die Menschen stellten hohe Anforderungen an sich selbst und wurden gefordert.

Heute wird von oben ein (Un-)Geist verbreitet, der darin besteht, Sprache und anderes so sehr zu „vereinfachen“ (bzw. zu verunstalten, von höherem Anspruch zu entkernen), daß auch Analphabeten „mitgenommen“ werden können (oder wie das im „Sozialsprech“ auch heißen mag). Heute soll Orientierung im Blick und durch Anpassung nach unten entstehen. Wer ist in der Lage, diesen Weg nach unten zu stoppen? Und wie?

Johann Sebastian
23. Februar 2017 22:53

Vor allem das Grundgesetz muss überarbeitet werden:

1) GG in gerechter Sprache (gültige Version für Juristen)

2) GG für Dummies (Menschen-die-wie-lang-auch-immer-hier-leben-Ausgabe)

3) GG in leichter Sprache (Und-morgen-die-ganze-Welt-Ausgabe)

Es versteht sich von selbst, dass 1) und 2) nur Übergangslösungen sein können.

Tweed
24. Februar 2017 10:19

Pirincci macht uns vor, dass ein analytisch präziser und anspruchvoller Text ein Genuss sein kann. Vielen Dank.

quarz
24. Februar 2017 10:38

Die Grafik erinnert ästhetisch an die Illustrationen im "Wachtturm" der Zeugen Jehovas. Dort lungern zwischen verklärt dreinblickenden Menschen aller Hautfarben gewöhnlich noch ein Löwe und ein Lamm, um die biblische Symbolik der sozialen Harmonie zu vervollkommnen.

Ein Philosoph ließ backstage einmal die Bemerkung fallen, solche Visionen einer konfliktfreien Gesellschaft hienieden auf Erden kenne er nur von den Zeugen Jehovas und von der Frankfurter Schule.

Der_Jürgen
24. Februar 2017 10:59

@E.

Alles richtig, was Sie schreiben, doch den Satz "Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien" hätten Sie sich sparen können, da hier gar niemand solche vertritt. Wir unterstellen den Herrschenden nämlich keine Verschwörung. Kennzeichen einer solchen ist, das sie geheim bleiben muss, aber die Verantwortlichen für die im Gang befindliche Abschaffung Deutschlands betreiben ihre Politik ja ganz offen und rühmen sich ihrer oft noch ausdrücklich ("Deutschland muss bunter werden"); man findet alle nötigen Informationen in allgemein zugänglichen Quellen, sofern man sich etwas Zeit nimmt und mit einem Computer umgehen kann.

Das Wort "Verschwörungstheorie" entstammt übrigens dem Kampfvokabular des Systems und sollte von uns nicht, oder allenfalls im ironischen Sinne, verwendet werden.

Dag
24. Februar 2017 13:38

Geehrte Verantwortliche

Mein Kommentar gilt der zweimaligen Anfrage des Feinsinnigen. Zuletzt hat er im Lichtmeszschen Artikel über René Girard deutlich dazu aufgefordert. Da dort bereits "Badeschluss" war, wende ich mich in dieser Kommentarspalte zu Wort, in der Hoffnung, Sie sorgen dafür, dass der Feinsinnige sie zu Gesicht bekommt.

Danke.

Geehrter Feinsinniger

Ihre Sie umtreibende Frage ist von den Heiligen Schriften Alten und Neuen Testaments her mit Ja zu beantworten. Lesen Sie die Propheten. Diese verkünden den Untergang des Nordreichs Israel 724 v. Chr., und des Südreichs Juda 587 v. Chr. als Gericht Gottes an seinem geliebten Volk. Auch Jesus kündigt Jerusalem Lukas 19, 41 - 44 die Zerstörung als Folge seiner Verwerfung an. Sowohl das Volk Israel, als auch der eingepfropfte wilde Zweig der Heidenchristen (Römer 11, 16ff) sind nicht nur nicht vom Gericht Gottes ausgenommen, sondern ihrem Gott vor allen anderen verantwortlich und von ihm vor allen anderen zur Verantwortung gezogen. Erhellend dazu auch 1. Petrus 4, 17 und Hebräer 12, 4 - 11 Es besteht kein Grund zu meinen, dass Gott den mitteleuropäischen Völkern, deren grösster Teil noch immer auf seinen Heiligen Namen getauft ist, sein Gericht vorenthalten werde.

Mit freundlichem Gruss

Marc_Aurel
24. Februar 2017 16:00

Wie immer sehr unterhaltsam geschrieben und mal eine nette Abwechslung zu der sonst eher schweren Kost auf dieser Seite.

Man fragt sich beim Lesen allerdings schon: wann wird dieser Wahnsinn eigentlich enden?

Der Vergleich mit den Zeugen Jehovas des Lesers Quarz trifft es - das ganze Weltbild dieser vermeintlichen Menschenfreunde und die Art wie es vermittelt und auf allen Ebenen durchgesetzt werden soll, erinnert mich jedenfalls auch sehr stark an eine Sekte, aufgebaut um einem völlig von der Realität abgekoppelten Erlöserkult (maximale Durchmischung = Erlösung, von was auch immer).

Ganz nebenbei wird natürlich dann noch das unvermeidliche Feindbild aufgebaut, "unterdrückerischen Personen" werden markiert.

Andere Optionen, als das Abgleiten ins quasireligiöse, hat die Multikultifraktion nun ja auch kaum noch, denn dieser gequirlte Murks ist mit rationalen Argumenten eigentlich kaum noch jemanden vermittelbar, da die immer mehr zu Tage tretenden Logikbrüche dieser Ideologie, mittlerweile zu offensichtlich geworden sind.

Dass es sich bei dieser vermeintlichen Heilslehre tatsächlich um harten Rassismus handelt, um den Versuch eine ungeliebte Ethnie und Kultur einfach weg zu züchten, muss wohl nicht erst erwähnt werden.

Findling
24. Februar 2017 20:55

Mr. Bean ist ein manifestes Beispiel, wie man mit einem Image als Behinderter erfolgreich schauspielern kann. Es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, wann er aus den Regalen fliegt. Die öffentliche Moral ist eine Hure. Morde in allen Varianten und Leichenteile von ganz frisch bis grün-schwarz werden Kindern von unseren ÖR serviert. Pornos sollen über zwei Handyclicks für alle erreichbar sein (sagen mir meine Kinder). Wer aber einen „Negerball“ veranstaltet gilt als Sittenstrolch. Übrigens findet man unter den Eltern von Behinderten häufig Vorurteile gegen andere Behinderte: „Mein süßes Äpfelchen hat zwar einige Macken. Wenn es aber unter andere Äpfelchen mit Macken gelegt wird, wie soll es da voranschreiten? Wir fordern Inklusion!“ Wenn Eltern vor die Wahl gestellt werden, ein Kind mit Down-Syndrom aufzuziehen oder abzutreiben, entscheiden sich 90% für eine Abtreibung. Aber wer spricht schon über die Armenier, soll ein deutscher Politiker mal gesagt haben. Die „leichte Sprache“ ist ein weiterer staatlicher Baustein in der Entdeutschung der Deutschen. Unsere Zukunft liegt in einem Pidgin-Englisch. „Deutsch light“ wird als Zwischenstufe zum Duden. Wer nicht akzeptiert wird decapitiert, so wie es heute schon in Dissertationen der Fall ist in Bezug auf „gendergerechter Sprache“. Aber Leute, macht euch keine Sorgen! Die Brandstifter bleiben nicht in Paris. Morgen sind sie in Rom und übermorgen bei uns. Danach krähen im Wald noch ein Paar Hähne. Ihr seht, die Natur lässt sich nicht unterkriegen.

Der_Jürgen
24. Februar 2017 21:43

@Findling

Ein sehr inhaltsreicher Kommentar! Zur "leichten Sprache" fällt einem unwillkürlich Orwells Newspeak ein, in dem die Zahl der Wörter nicht, wie in natürlichen Sprachen, zunimmt, sonden permanent reduziert wird, mit dem Fernziel, den Ausdruck oppositioneller Gedanken zu verunmöglichen, weil hierzu keine Wörter mehr zur Verfügung stehen.

Die Stämme Papua-Neuguineas mit seinen mehreren hundert Sprachen verständigen sich untereinander auf Pidgin English, das je nach Quelle einen Wortschatz von 800 oder 2000 Vokabeln besitzt. Zur Abwicklung der simpelsten Alltagsgeschäfte wird das ausreichen. Es würde auch ohne weiteres zur Formulierung von Antifa-Slogans ausreichen ("Rassismus ist Scheiss, gebt den Rechten auf die Fresse, Nazis raus, Ausländer rein" usw.).  Für eine Debatte, in der ein Thema halbwegs tiefgehend behandelt und auf gegnerische Argumente eingegangen wird, reichen 800 bis 2000 Wörter natürlich hinten und vorne nicht. Aber solche Debatten soll es in der Schönen Neuen Multikulturellen Welt ja nicht mehr geben.

Sehr ermutigend der Schluss Ihrer Wortmeldung, danke. Ich sehe es auch so.

(Das dem bekannten Politiker in den Mund gelegte Zitat ist, ganz nebenbei, eine reine Erfindung.)

Der Feinsinnige
25. Februar 2017 01:32

 

Geehrter Dag,

danke für die fundierte Antwort auf meine Frage. Ich habe bereits begonnen, nachzulesen.

Ja, die Frage treibt mich wirklich um. In den letzten Jahren ist vieles in meiner persönlichen Weltsicht ins Rutschen geraten (reichlich spät vielleicht für einen Sezessions-Leser der ersten Stunde, JF-Leser seit 1992), aber ich habe vielleicht zu sehr dazu geneigt, mich selbst zu belügen, indem ich mir bisher immer wieder gesagt habe, es werde schon nicht so schlimm kommen, wie es aussieht. Seit Sommer 2014 (also Monate vor Beginn von PEGIDA-Dresden, als die Boote, die übers Mittelmeer kamen, schon kaum noch zu zählen waren und ich mich an meine erste Lektüre von Jean Raspails „Heerlager der Heiligen“ vor ca. 10 Jahren erinnerte, der ich dann 2015 die zweite Lektüre in der Antaios-Ausgabe folgen ließ) bin ich sehr viel pessimistischer geworden, so daß PEGIDA-Dresden (sicher nicht allein) für mich eine regelrecht befreiende Wirkung hatte und immer noch hat.

Allerdings verstärkt Ihre Antwort meine Zweifel, ob wir, die wir die Entwicklung doch aufhalten wollen, nicht auf verlorenem Posten stehen.

Sie verstärkt jedenfalls auch den Denkprozeß, den der Artikel von Martin Lichtmesz in mir befördert hat.

 

Da ich davon ausgehe, daß hier auch Interessierte mitlesen, denen die „Sezession“ und ihr intellektuelles Umfeld noch relativ neu sind, eine dringende Empfehlung:

Lesen Sie „Das Heerlager der Heiligen“ von Jean Raspail. Dieses 1973 erstmals veröffentlichte visionäre, dabei gerade aus heutiger Sicht auch kaum erträglich realistische Buch ist geeignet, die Weltsicht jedes Lesers zu verändern. Dieses Buch hätte den Literatur-Nobelpreis verdient und wahrscheinlich auch schon bekommen, wenn das Nobelpreis-Komitee nicht so überaus politisch-korrekt ausgerichtet wäre.

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