27. Februar 2017

Fake-Feminismus: Irrweg der Frauen

Gastbeitrag / 15 Kommentare

Aktuell lassen sich drei Irrwege ausmachen.

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1) Der Women‘s march oder – Wer marschiert da eigentlich für die Frauen? Nach Trumps Wahl formierte sich der sogenannte "Women‘s March on Washington". Hunderttausende Frauen gingen im Januar 2017 gegen Trump auf die Straße, im Hochgefühl eines neuen weltweiten Frauenprotestes. Es marschierten mit: Madonna, verbal entschlossen, das Weiße Haus in die Luft zu sprengen, Scarlett Johansson, Yoko Ono, Gloria Steinem und andere reiche und schöne Frauen. Wie man hört, soll es sich bei diesem Marsch um eine gezielte Kampagne gehandelt haben, die von George Soros weltweit finanziert wurde. Egal. Eine der Hauptorganisatorinnen des "Women‘s March" war Linda Sarsour, Direktorin der Arab American Association of New York, die zum Widerstand gegen Trump meinte: "Es gibt nur einen Mann, dem ich folge, und das ist mein geliebter Prophet Mohammed."

Linda Sarsour ist eine der bekanntesten orthodoxen Musliminnen in Amerika und für die Scharia. 2011 hatte Sarsour über die Somalierin Ayaan Hirsi Ali, eine geborene Muslimin und eine der schärfsten Kritikerinnen des Islamismus, getwittert : "Sie verdient es nicht, eine Frau zu sein. Am liebsten würde ich ihr ihre Vagina wegnehmen." Nachzulesen in der Emma Nr. 2, März/April 2017. Dort heißt es weiter:

Dazu sollte man wissen: Hirsi Ali wurde als Mädchen genital verstümmelt. Hirsi Ali hatte bisher auf Sarsours Provokation nicht reagiert, aber jetzt brach sie ihr Schweigen und erklärte öffentlich: "Frau Sarsour hasst mich, weil ich die Scharia entlarve." "Sie ist eine Fake-Feministin!" Auch in Amerika war der Aufstieg von Sarsour in die Organisation des Women's March durchaus umstritten, ebenso wie ihre demonstrativen Kopftuch-Auftritte. Doch es gab auch viele – unter Feministinnen und Star-Feministinnen –, die es als ein Zeichen der Toleranz empfanden, Sarsour mit an die Spitze des Women‘s March zu stellen.

Fazit: Eine falsch verstandene Toleranz führt dazu, daß man Feministinnen nicht mehr von Fake-Feministinnen unterscheiden kann. Anders ausgedrückt: Es gibt sogar Frauen (und nicht nur Männer), die Frauen Böses wollen.

2) Der schwedische Walk of shame oder der verlorene Stolz der Ann Linde: "Die erste feministische Regierung der Welt", wie sich Schwedens Ministerinnen selbst bezeichnen, hat am 13.2.2017 bei einem Besuch im Iran Kopftücher getragen. Die Ministerinnen, deren zentrales Anliegen der Kampf um die Gleichheit der Geschlechter ist, defilierten dümmlich grinsend am iranischen Präsidenten Hassan Ruhani vorbei. Die Handelsministerin Ann Linde, die in Teheran mehrere Abkommen unterschrieb, trug während des gesamten Besuches ein Kopftuch. Auf die Kritik, die der Ministerin in den sozialen Medien entgegenschlug, antwortet die Politikerin, daß es im Iran Gesetz sei, daß Frauen ihr Haar bedecken, und: "Wir können das Gesetz nicht brechen." Einspruch!

Bereits 1979 hatte die italienische Journalistin Oriana Fallaci bei einem Gespräch mit Ajatollah Khomeni das Gesetz gebrochen. Sie provozierte Khomeni und warf während des Gespräches den Tschador ab. Khomeni verließ schockiert den Raum. Kam später allerdings zurück. Und mußte gar lachen ob der "Wut und des Stolzes" dieser Frau, nachzulesen im gleichnamigen Buch. Knapp vierzig Jahre später haben die Feministinnen ihren Stolz verloren.

3) Der Opfergang – oder die mörderische Frage, wer gegen wen schlief: Mithu Sanyal, deutsche Kulturwissenschaftlerin und Journalistin, 1971 als Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters in Düsseldorf geboren, Autorin der Bücher Vulva und Vergewaltigung, hat provoziert, mit einem Beitrag in der taz unter dem Titel "Du Opfer!" Sanyal schlägt vor, von Opfern sexueller Gewalt als "Erlebenden" zu sprechen. Der Gedanke dahinter: Die vergewaltigten Frauen seien ja nicht immer und unbedingt ein "armes Hascherl", das passiv zum Opfer gemacht wurde.

Durch den Austausch des Begriffes "Opfer" in den Begriff der "Erlebenden" erfolge dagegen eine "Verschiebung vom Passiven zum Aktiven". Jetzt kann die Frau nämlich selbst bestimmen, wie sie das "Erlebte" bewertet. So weit – so ausreichend. Die Reaktionen kamen prompt und beantworten diesen geistigen Irrweg erschöpfend, etwa in FAZ oder Emma. Tenor der Kritik: Gewalt verschwindet aus dem Sprachgebrauch – das Verbrechen wird durch die Wortwahl verniedlicht. Wenn Vergewaltigte keine Opfer mehr sind, liegt keine Schuld vor und es gibt auch keine Täter mehr.

Natürlich ist sexuelle Gewalt ein Verbrechen. Das sollte klar sein. Mir stellt sich eher die Frage, wie die Tochter einer polnischen Mutter und eines indischen Vaters auf eine solche verquere Idee kommen kann. Sollte die Tochter einer polnischen Mutter nicht "Jesus als einzigem Mann folgen"? Und sollte die Tochter eines indischen Vaters nicht um die Erlebnisqualität von Massenvergewaltigungen wissen? Können nicht erst die "schon sehr lange hier Lebenden" überhaupt auf die Idee kommen, eine Vergewaltigung könne auch ein Erlebnis sein?

Ähnlich stellt es der niederländische Regisseur Paul Verhoeven in seinem aktuellen und vielgelobten Film Elle dar. Isabelle Huppert spielt dort als Michèle eine vergewaltigte Frau, die dieses Erlebnis nüchtern und selbstbestimmt verarbeitet. Für diesen Film fand der Regisseur allerdings keine amerikanische Hauptdarstellerin. Auch keine Star-Feministin. Nicht mal eine Madonna, zum Opfer bereit...

Der Weg der Frauen – oder quo vadis, Domina? "Women's March", Walk of shame, Opfergang – die Wege der Damen sind unergründlich! So bleibt als letzte Orientierung eigentlich nur in Abwandlung Linda Sarsours zu sagen: "Es gibt nur einen Mann, dem ich folge, und das ist Jesus Christus." Dem könnte auch eine Oriana Fallaci als christliche Atheistin zustimmen.


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Kommentare (15)

Der Gehenkte
27. Februar 2017 10:58

Schöner Beitrag - bis auf den letzten Satz. Wenn wir uns auf einen Jesus-Mohammed-Wettbewerb einlassen, haben wir schon verloren, denn dann gilt: anything goes.

Ich folge dann lieber Buddha, wenn es schon einer sein muß. And you ...?

Der_Jürgen
27. Februar 2017 12:20

Sehr guter Artikel, einschliesslich des letzten Satzes. Wer den verinnerlicht hat, kann vielleicht sogar der - wirklich unerhört starken - Versuchung widerstehen, Frau Mithu Sanyal ein äusserst erlebnis-reiches Leben zu wünschen.

Heinrich Brück
27. Februar 2017 13:17

Aus ihrer Perspektive hat Mithu Sanyal, Kulturwissenschaftlerin aus La La Multikultiland, nicht ganz Unrecht. Quo vadis, Domina? Antwort: "Das Volk ist jeder, der in diesem Land lebt." (Angela Merkel, Bundeskanzlerin und Domina der CDU).

Cacatum non est pictum
27. Februar 2017 15:31

Ich bin kein Experte für die Biographie Oriana Fallacis, aber eine "Feministin" war sie meines Wissens nicht. Mit Sicherheit ist sie keine Gegnerin von Frauenrechten gewesen, aber in die Schublade "Alice Schwarzer" hätte sie wahrscheinlich auch nicht gesteckt werden wollen. Die Beschreibung des Interviews mit Khomeini in "Die Wut und der Stolz" habe ich auch gelesen, und an der Stelle mit dem Tschador musste ich herzhaft lachen.

Ohnedies war doch der Feminismus der Siebzigerjahre eher ein Anhängsel der 68er-Bewegung mit all den negativen Folgen, die von den Sezessionisten hier so erschöpfend beschrieben worden sind. Akif Pirincci hat ihn in "Deutschland von Sinnen" ja ungefähr so charakterisiert: ersonnen und verfochten von Lesben mit ausgeprägtem Männerhass, abzielend auf eine Destabilisierung der klassischen Familie als dominante Form des Zusammenlebens.

Und während die früheren "Feministinnen" vielleicht noch einen konsequenten Dogmatismus an den Tag gelegt haben, so sind ihre heutigen Epigonen eben das, was der enge Zensurkorridor unserer Tage noch an Wortführern durchschlüpfen lässt: oberflächliche und geistlose Menschen, die ihren Habitus pflegen, aber im Ernstfall einknicken wie ein Streichholz im Orkan. Nichts illustriert das besser als die Posse um die schwedischen Ministerinnen beim Iran-Staatsbesuch. Während die resoluten Damen sich noch Tage vorher in den Medien als "feministische Regierung" in Szene setzten, liefen sie bei ihren iranischen Verhandlungspartnern brav im Hidschab auf. Die Pressefotos sprechen Bände: Unsere selbsternannten Feministinnen stehen in Reihe, mit gesenkten Häuptern und von Kopftüchern bedeckt. Ein klägliches Schauspiel einerseits, aber andererseits auch ein amüsantes, wuchtiges Eigentor.

jack
27. Februar 2017 16:04

"Linda Sarsour ist eine der bekanntesten orthodoxen Musliminnen in Amerika und für die Scharia. 2011 hatte Sarsour über die Somalierin Ayaan Hirsi Ali, eine geborene Muslimin und eine der schärfsten Kritikerinnen des Islamismus, getwittert : "Sie verdient es nicht, eine Frau zu sein. Am liebsten würde ich ihr ihre Vagina wegnehmen." Nachzulesen in der Emma Nr. 2, März/April 2017."

Allein mit diesem Satz stellt Linda Sarsour klar, was nach ihrem Verständnis eine Frau ausmacht. Richtig: die Vagina. Es gibt heute zwar sehr viele gebildete Frauen und da genau fragt man sich, wann geht gerade diesen Frauen ein Licht auf, wer sie reduziert auf eine allzeit bereite Vagina die man mit "Frauenrechten" verteidigen muß?

Geht es, speziell bei Europäerinnen, nicht viel mehr um die Arbeitsleistung aller Frauen um das "humane Kapital" jederzeit verlustfrei für die Kapitalbesitzer einsatzbereit  zu halten  zur Ausbeutung? Unfeminine "Feministinnen" sind die Todfeinde der normalen Frauen. Gänsemarsch:

https://www.watson.ch/imgdb/d00f/Qx,E,0,0,575,340,239,141,95,56/3590118418613014

Der Gehenkte
27. Februar 2017 16:15

Die Chomeini-Szene gehört wohl zur Folklore. Fallaci hatte den Tschador heruntergenommen, nachdem der Ayatollah ihr gesagt hatte: "Wenn Ihnen unserer Kleider nicht passen, dann legen Sie sie doch ab."

«Tutto questo non la riguarda. I nostri costumi non la riguardano. Se la veste islamica non le piace, non è obbligata a portarla. Perché la veste islamica è per le donne giovani e perbene.» (Allora, indignata, getterò via il chador e aprirò il mantello e sposterò il foulard chiedendogli se una donna che ha sempre vissuto senza quei cenci da medioevo gli sembra una vecchiaccia poco perbene. E lui mi avvolgerà in un lungo sguardo indagatore da cui mi sentirò spogliata.)

Er hatte ihr also gestattet, den Tschador abzunehmen und sie danach sogar "mit den Augen entkleidet". Erst 30 Jahre später kam ihr dann die Sache mit Bruder und erbostem Chomeini, der aus dem Raum stürmt, in den Sinn - vermutlich eine Fehl/Wunschleistung. Weshalb hätte sie die Szene sonst weglassen sollen? In der Buchausgabe 2015 "Le radici dell'odio" wurde die Szene ebenfalls entschärft.

Kann man hier nachlesen: https://www.oriana-fallaci.com/khomeini/intervista.html

In der Buchausgabe 2015 "Le radici dell'odio" wurde die Szene ebenfalls entschärft.(S. 294f.)

silberzunge
27. Februar 2017 17:50

Das Interessanteste am Feminismus ist noch immer seine Islamophilie.

Sven Jacobsen
27. Februar 2017 18:10

Sehr geehrte Frau Leiser, zunächst schließe ich mich Caroline Sommerfelds erstem Satz an. - Mittlerweile habe ich etwas die Orientierung verloren, was der Feminismus der Gegenwart eigentlich konkret möchte. Eigentlich sollte so ziemlich jeder in Europa größte Sympathien für das Bemühen haben, die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben und ihr ein Selbstbestimmungsrecht zuzugestehen. Wenn, um Ihr Beispiel mit dem Kopftuch aufzugreifen, Marine Le Pen vor kurzem im Libanon vor einem Treffen mit dem höchsten sunnitischen Würdenträger, Sheikh Abdel-Latif Derian, verweigerte, ein Kopftuch zu tragen, dann dürfte das diese Einstellung, freilich auch ihre politische Haltung, beispielhaft zum Ausdruck bringen. Das ist längst nicht jeder Frau eigen, wie das zeitnahe Beispiel schwedischer Politikerinnen im Iran zeigt. Es hat etwas Ironisches an sich, wenn die politische Korrektheit sich selbst ein Bein stellt. 

Dietrich Stahl
27. Februar 2017 19:46

Marine Le Pen ist die wahre Feministin. Keine Sekunde zögerte sie es abzulehnen, ihr Haar für ein Treffen mit dem Libanesischen Oberhaupt der Sunniten zu bedecken. Freundlich, aber sehr bestimmt: „Nein.“

https://www.independent.co.uk/news/world/europe/marine-le-pen-lebanon-grand-mufti-sheikh-abdel-latif-derian-refuse-headscarf-meeting-walk-out-fn-a7591141.html

jack
28. Februar 2017 00:18

Es gibt Bilder im Netz von der britischen Königin, der ehemaligen niederländischen Königin, der Schwedischen samt der Kronprinzessin, den deutschen Grünen, unter ihnen natürlich die unvermeidbare Claudia.....alle mit Kopftuch

https://karlmartell732.blogspot.de/2010/10/wenn-emanzen-kopftuch-tragen.html

Monika L.
28. Februar 2017 09:00

Der Gehenkte

27. Februar 2017 09:58

Schöner Beitrag - bis auf den letzten Satz. Wenn wir uns auf einen Jesus-Mohammed-Wettbewerb einlassen, haben wir schon verloren, denn dann gilt: anything goes.

Ich folge dann lieber Buddha, wenn es schon einer sein muß. And you ...?

@Der Gehenkte

Nun kann jeder glauben, was er will und folgen, wem er will. Zumindest im zivilisierten Mitteleuropa. Und da stellt sich inzwischen schon die Frage: Wie lange noch ? Ja, wir müssen uns auf einen Jesus/ Mohammed Wettbewerb einlassen und einstellen. Damit wir nicht verlieren. Es soll gerade nicht alles gehen ! Man kann sich der Wahrheitsdisskusion ( heute: Leitwertediskussion) nicht entziehen durch den Hinweis auf Buddha. Und selbst wenn, wäre zu fragen, was hat Buddha denn Relevantes für die Frau zu sagen ? Leitwertetechnisch. Ayaan Hirsi Ali nennt sich selbst eine Atheistin. Aber sie hat die christlichen Leitwerte ( Gewaltlosigkeit/Frau ist dem Mann ebenbürtig) auf ihrer Agenda. In ihrem Buch ICH BIN EINE NOMADIN schreibt sie :

"Ich vertrete die Theorie, dass die meisten Muslime auf der Suche nach einem erlösenden Gott sind. Sie glauben, dass eine höhere Macht existiert und eine Moral vermittelt, die den Menschen als Kompass bei der Unterscheidung von Gut und Böse dient. Viele Muslime suchen einen Gott oder eine Vorstellung von Gott, die in  meinen Augen der Beschreibung des christlichen Gottes entspricht. Stattdessen finden sie Allah."  Und:

"Viele Muslime werden instinktiv von der Gewalt abgestoßen, die im Namen ihres Glaubens begangen wird."

Oriana Fallaci nennt sich eine christliche Atheistin ( in: Die Kraft der Vernunft, Kapitel 9). Sie schreibt:

"Ich glaube nicht an das, was wir mit dem Terminus Gott bezeichnen......ich denke, dass Gott von den Menschen erschaffen wurde und nicht umgekehrt....

Aber Fallaci lässt sich auf den Diskurs ein, der sich jenseits aller Metapysik auf den Menschen konzentriert. Und da findet sie in der christlichen Religion , in der Lehre Jesu ( nicht in der der Kirche)" die Anerkennung des freien Willens, der an das Gewissen des Menschen appelliert, womit er uns für unsere Taten verantwortlich macht" Nur wo die Vernunft, der Verstand herrscht, gibt es überhaupt Wahlmöglichkeiten ! Wo es keine Wahlmöglichkeiten mehr  gibt, gibt es auch keine Vernunft ! Und wo es keine Vernunft gibt, gibt es auch keine Freiheit.! Was Sie, der Gehenkte, als Wettbewerb bezeichnen, nenne ich Freiheit. Sie ist gleichzeitig Last und Aufgabe. Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn zeigt sehr schön diese Aufgabe, aber auch die damit verbundene Last. Und jetzt der Schwenk zum Irrweg des Feminismus: Die feministische Theologie kennt die Bibel in gerechter Sprache, die Bibel in einfacher Sprache, die Bibel in Gendersprache ( Paulus: da ist weder Mann noch Frau) . Bei all diesen seltsamen Um-schreibungen sind die Feministinnen meines Wissens nie auf das Naheliegende gekommen, das zu erzöhlen wäre: Das Gleichnis von der verlorenen Tochter....

Der Gehenkte
28. Februar 2017 13:43

Monika

Oriana Fallacis Worten kann ich voll und ganz zustimmen. Es fiele mir auch nicht schwer, mich einen "christlichen Atheisten" zu nennen, insofern auch der westliche Atheist innerhalb des historisch-christlichen Kontextes aufgewachsen ist, die Normen verinnerlicht hat, und sowohl Jesus als auch das Christentum seit je zu meinen "Interessen" gehören. Auch habe ich die Frage "nach oben" durchaus gestellt - nur nie eine Antwort bekommen.

Möglicherweise habe ich Ihren Abschlußsatz überinterpretiert: "So bleibt als letzte Orientierung eigentlich nur in Abwandlung Linda Sarsours zu sagen: "Es gibt nur einen Mann, dem ich folge, und das ist Jesus Christus."

Mir schien darin ein "Wir" zu stecken, es war nicht klar, ob Sie nur für sich selbst reden. Dann wäre nichts daran auszusetzen. Das würde dann dem Muslim ebenso zustehen und die Frage des Wettbewerbs wäre geklärt.

Sehr schön fand ich Ihren halbblasphemischen Satz: "die Wege der Damen sind unergründlich".

Natürlich ziehe ich Jesus Mohammed vor, aber nicht, weil ich "christlicher Atheist" bin, sondern weil Mohammed ein kulturell und geistiger Rückschritt sondergleichen ist, der seine historisch-lokale Berechtigung gehabt haben mag, dessen Lehre aber die zivilisatorischen Errungenschaften maßlos unterbietet. Anderseits besticht er durch diese Unterkomplexität, während das Christentum durch Überkomplexität überhaupt nur am Leben gehalten wird. Alle Theologie speist sich doch letztlich aus den Aporien und Unbegreifbarkeiten.

Hier überragt Buddha alle anderen Religionsgründer bei weitem. Er ist der klügste von allen. Er hat ein nahezu widerspruchsfreies hochkomplexes ethisch fundiertes System geschaffen, das alle Bereiche des täglichen Lebens beschreibt. Dafür hat er alle Metaphysik weggelassen und auch die Frage nach Gott, die Frage nach dem Glauben, als unbeantwortbar und daher irrelevant ausgeklammert. Insofern irrt Frau Hirsi Ali, wenn sie unterstellt, alle Menschen seien auf der Suche nach einem erlösenden Gott. Formen der Erlösungssehnsucht sind auch eine kulturelle Konditionierung und können ganz anders interpretiert werden - z.B. als Nirwana, als Auslöschung, Befreiung und eben nicht "ewiges Leben". Übrigens auch als reines "Nichts"!

Dieser Weg steht Männern und Frauen gleichermaßen zur Verfügung. Aber auch Buddha entstammt tief patriarchalen Strukturen, die er nicht überwinden konnte, und so sah er die Frau und die Sexualität, den Trieb, als Hindernis. 1000 Jahre, so prophezeite er, werde die buddhistische Lehre unverfälscht blühen, aber nachdem auch Frauen in die Orden eindrangen, waren es nur noch 500. Im Übrigen hatte die Frau ihren festen Platz im gesellschaftlichen Leben, ganz nach dem Motto: "Eine Frau muß tun, was eine Frau tun soll."

Monika L.
28. Februar 2017 14:01

Liebe Frau Sommerfeld,

Ja, da ist ein großes Bedürfnis, mit seinem Namen einzustehen, authentisch, klar, lucide zu sein. Ist ein Anagramm ein fake ? Ich hoffe, nicht ! Ich gehe es leiser an  (Silence is Golden) . Mag auch nicht immer das Rumpelstilzchen sein ! 

Ich bin übrigens auch eine " Bubenmama". Als mein jüngster Sohn drei oder vier Jahre alt war, wollte er an Fasching als Hexe gehen. Ich nähte ihm ein Hexenröckchen und ein Kopftuch ( ! ) . Er sah herzallerliebst aus.

Nach Schulabschluß und Studienabschluß ( alles ist heute durchgegendert) und wohl einigen verqueeren Freunden, meinte er kürzlich, sich bei mir für meine "Erziehungsleistung" bedanken zu müssen. Für meine Toleranz. "Wie?", "Was?","Wofür"?  Ich verstand nicht recht. "Na, dafür, dass  ich als Kind mal als Mädchen gehen durfte, als  kleine Hexe, " sagte mein Sohn.

" Aber klar doch, wo ist das Problem. Bin als kleines Mädchen auch mal als Cowboy oder Räuber gegangen". Man lerne:

Manchmal  braucht es eine ganze Generation, bis das Selbst-verständliche wieder selbst-verständlich wird.

Ferdinand
28. Februar 2017 15:36

Alle Diskussionen werden ein Ende finden, wenn der Islam zum Angriff antritt. Der dekadente Westen ist so faul, dass er kaum noch verteidigungsfähig ist. Das Ende Europas wird kaum aufzuhalten sein, da die geistige und seeliche Verfassung der Massen nur auf Konsum und Spaß gerichtet sind. Es musste so kommen, nachdem die Europäer sich in 2 sinnlosen Vernichtungskriegen selbst enthauptet haben durch die Zerstörung der Mitte. Mit dem Untergang des Deutschen Reiches wurde Europa Spielball fremder Großraummächte und deren verheerenden Ideologien. Jetz erleben für das Finale Furioso!

Ralf Kaiser
28. Februar 2017 19:38

@ Monika L.

Die Ebenbürtigkeit der Geschlechter als "christlicher Leitwert"? Wahrlich eine steile These. Da haben die Kirchen wohl jahrtausendelang all die Bibelstellen, deren Aufzählung ich mir ersparen möchte, ganz falsch verstanden.

Vielleicht verfahren Sie, werte Frau L., mit der Bibel ja ebenso wie kürzlich mit den Originaltexten der Nouvelle Droite, die Sie nach einmaliger Lektüre entsorgten (...). Ich bin schon sehr gespannt, mit welchen hermeneutischen Kamikazesprüngen Sie diese Ebenbürtigkeit belegen wollen.    

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