»Rising from the Ruins« in Stockholm

Es war ein spannendes Wochenende mit vielen neuen Bekanntschaften und einem klaren Eindruck: die Neue Rechte kommt in Bewegung, mit internationaler Zusammenarbeit und Gedankenaustausch. Wieder zu Hause angekommen, finde ich einen Link in meiner Mailbox: Die Rede Viktor Orbáns zur Lage der Nation – in voller Länge, in deutscher Übersetzung. Sie ist nüchtern und an der Realpolitik orientiert. Keine Ideologie und keine Hymne auf Ungarn, wohl wissend, daß die EU ihn dafür und für seine kleinen Erfolge haßt. Das paßt mehr als gut zum vergangenen Wochenende in Schweden.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Es war ein span­nen­des Wochen­en­de mit vie­len neu­en Bekannt­schaf­ten und einem kla­ren Ein­druck: die Neue Rech­te kommt in Bewe­gung, mit inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit und Gedan­ken­aus­tausch. Wie­der zu Hau­se ange­kom­men, fin­de ich einen Link in mei­ner Mail­box: Die Rede Vik­tor Orbáns zur Lage der Nati­on – in vol­ler Län­ge, in deut­scher Über­set­zung. Sie ist nüch­tern und an der Real­po­li­tik ori­en­tiert. Kei­ne Ideo­lo­gie und kei­ne Hym­ne auf Ungarn, wohl wis­send, daß die EU ihn dafür und für sei­ne klei­nen Erfol­ge haßt. Das paßt mehr als gut zum ver­gan­ge­nen Wochen­en­de in Schweden.

Also zurück nach Stock­holm: Bis zuletzt waren Ver­an­stal­tungs­ort und Uhr­zeit qua­si unbe­kannt, aus Vor­sicht, um kei­ne Stör­ak­tio­nen aus­zu­lö­sen. Der Treff­punkt – eine Bahn­sta­ti­on – füllt sich mit der Zeit recht schnell. Akti­vis­ten mit Anzug und Kra­wat­te, Euro­pean-Bro­ther­hood-Kapu­zen­pull­over oder ein­fach nur “nor­mal”. Mit Freun­din oder Kum­pel, aus Eng­land, aus Nor­we­gen, aus Est­land, aus Finn­land, vie­le Schwe­den und vor allem jun­ge Leute!

Die Schlan­ge am Ein­laß reicht bis auf den Bür­ger­steig. Man muß sich gedul­den, die Teil­neh­mer wer­den von Hand auf einer Lis­te abge­stri­chen. Es sind laut Ver­an­stal­ter 374 Teil­neh­mer, die in den Saal und die Café­te­ria drän­gen. Als die Tech­nik für den Online-Live­stream steht, ste­hen – not­ge­drun­gen – zum Teil auch die Leu­te, weil gar nicht genü­gend Stüh­le auf­ge­stellt wurden.

Der ers­te Vor­trags­block ist in eng­li­scher Spra­che gehal­ten: Jason Reza Jor­ja­ni (Geschäfts­füh­rer des US-Zweigs des “anti­mo­der­nis­ti­schen” Ver­lags Arkt­os, Kul­tur­re­dak­teur von altright.com und Autor von Pro­me­theus and Atlas), Isac Boman (Volks­wirt, Autor zur Geld­theo­rie sowie Kolum­nist des Nya Dag­b­la­det) und der Vlog­ger Paul Ram­sey (“RamZ­Paul”) beschäf­ti­gen sich mit theo­re­ti­schen Fra­gen und meta­po­li­ti­scher Positionierung.

Man ver­steht sich als Platt­form für Alt­Right, Nou­vel­le Droi­te, Iden­ti­tä­re Bewe­gung und so wei­ter, wel­che alle inter­na­tio­nal mit­ein­an­der ver­net­zen und dadurch auch vor­an­brin­gen will: Make Euro­pe Gre­at Again! Auf einen Exkurs über die inter­na­tio­na­le Finanz­wirt­schaft – ohne mar­xis­ti­sche Grund­la­ge – folgt ein his­to­ri­scher Abriß über die revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gun­gen in den USA der 1960er und 1970er Jah­re, die in ihrem umstürz­le­ri­schen Anspruch scheiterten.

Nach einer kur­zen Pau­se kom­men dann die Akti­vis­ten an die Rei­he. Man merkt gleich, daß der Ton hier im Nor­den rau­her und natio­na­lis­ti­scher ist. Die Völ­ker sind klei­ner, homo­ge­ner, und daher noch ver­letz­li­cher als Deut­sche und Fran­zo­sen. Vor allem Ruuben Kaa­lep, Lei­ter der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on “Sini­ne Ära­tus” (Blau­er Weck­ruf) der Est­ni­schen Kon­ser­va­ti­ven Volks­par­tei (EKRE), stach mit einer ech­ten Brand­re­de für Est­land als Eth­no­staat und den Kampf für Frei­heit und Selbst­be­stim­mung her­aus. Die Esten sind mit 1,4 Mil­lio­nen ein sehr klei­nes Volk, wel­ches bereits mit einer rus­si­schen Min­der­heit als dem Erbe der Sowjet­zeit zu kämp­fen hat – eine zusätz­li­che Zuwan­de­rung aus dem Maghreb und Nahen Osten kann dort nicht auf frucht­ba­ren Boden fal­len. Er spricht sich dafür aus, daß der “wil­de Nord­os­ten Euro­pas” die Füh­rung im Kampf um den Kon­ti­nent über­neh­men sol­le und alle Natio­na­lis­ten end­lich ver­eint kämp­fen müßten.

Eine wei­te­re Pau­se spä­ter folgt der schwe­disch­spra­chi­ge Teil – gott­sei­dank ver­ste­he und spre­che ich Schwe­disch, also auch hier kein Pro­blem. Die Bei­trä­ge sind mit viel Humor gestal­tet, ohne unter die Gür­tel­li­nie zu gehen. Man bleibt nüch­tern und doch bestimmt. Den Anfang mach­te eine Podi­ums­dis­kus­si­on der Mit­ar­bei­ter von “Mot­gift”, eines belieb­ten iden­ti­tä­ren schwe­di­schen Pod­casts (bestehend aus Jonas de Geer, Björn Björk­quist, Magnus Söder­mann und Dan Eriks­son), der sich mit der tages­ak­tu­el­len Poli­tik in Schwe­den aus­ein­an­der­setzt bzw. sie gekonnt auf die Schip­pe nimmt. Am tref­fends­ten wäre “Mot­gift”, was “Gegen­gift” bedeu­tet, wohl als schwe­di­sche Ent­spre­chung zum ame­ri­ka­ni­schen “TheRightStuff”-Netzwerk zu beschreiben.

Dani­el Frän­de­löv ali­as “Con­rad”, Mode­ra­tor des natio­na­lis­ti­schen Pod­casts “Inge & Con­rad”, folg­te mit einer Fun­da­men­tal­kri­tik der links­li­be­ra­len schwe­di­schen Gesell­schaft anhand sei­nes Wer­de­gangs vom Anti­ras­sis­ten zum klar posi­tio­nier­ten Rech­ten, nach­dem er begon­nen hat­te, das zivil­re­li­giö­se Dog­ma in Fra­ge zu stel­len, und sich nicht ent­mu­ti­gen ließ. Abschlie­ßend erhielt Lana Lokreff das Wort, die sich mit der Rol­le und den Auf­ga­ben der Frau in der Neu­en Rech­ten aus­ein­an­der­setz­te. Ihre Stel­lung sei die der Wah­re­rin von Fami­lie und Nach­kom­men­schaft, was nun ein­mal schlicht und ergrei­fend den Fort­be­stand des Volks sichert. Eine Auf­ga­be, die Femi­nis­tin­nen von jeher ein Dorn im Auge sei, weil die Frau dadurch schein­bar um ihr eige­nes Leben gebracht würde.

Der wei­te­re Abend ver­lief in Gesprä­chen, Dis­kus­sio­nen – da war doch auch ein bekann­tes Gesicht aus Schnell­ro­da! –, man stell­te fest, daß man gar nicht so weit von­ein­an­der ent­fernt wohn­te, Kon­takt­da­ten wur­den sogleich getauscht. Wir dür­fen mit Span­nung den wei­te­ren Ver­lauf die­sen Jah­res erwar­ten… ande­re eher mit Schrecken.

Sämt­li­che Vor­trä­ge der Kon­fe­renz wur­den von Red Ice TV live mit­ge­schnit­ten und las­sen sich im ent­spre­chen­den You­Tube-Kanal anse­hen! Ein Bericht über den 2013er-Kon­greß fin­det sich hier.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (5)

A. J. Rex

1. März 2017 16:55

Vielen Dank für den anschaulichen Bericht!

Habe die Konferenz selbst live mitverfolgt, Red Ice machen dabei wirklich großartige Arbeit als Vernetzer der internationalen Community. Würde mich freuen, wenn auch Antaios den eingeschlagenen Weg weiter verfolgt und in Zukunft noch mehr Mitschnitte der Konferenzen in Schnellroda online zugänglich macht!

Insgesamt ist es wirklich "highly energizing" zu sehen, wie sich mehr und mehr die verschiedenen neurechten Bewegungen aus alter und neuer Welt vernetzen. Jack Donovan in Schnellroda war da auch ein wichtiger Beitrag. Bin ja noch auf den Mittschnitt seiner Rede gespannt!

Solution

1. März 2017 19:03

Danke für den kurzen, informativen Bericht. Ich kann nur empfehlen, bei RedIce auf deren Hompeage als Abonnent einzusteigen. Die paar Euro sind gut angelegt. 

herbstlicht

1. März 2017 21:27

Die linksliberale Tageszeitung Dagens Nyheter berichtet übrigens ein Gespräch mit einem Beobachter der Veranstaltung, dem Forscher  Benjamin Teitelbaum: Nationalister vänder ryggen åt musiken (Nationalisten wenden sich von der Musik ab).

Der Feinsinnige

2. März 2017 20:30

Dem bereits geäußerten Dank für den interessanten Bericht schließe ich mich gerne an. Wie gut, daß es einen Block wie diesen gibt, in dem die Vorauswahl der Informationen, welche die etablierten Medien für die nur offiziell als „mündig“ bezeichneten Bürger meinen treffen zu müssen, so sinnvoll ergänzt wird.

Mir persönlich macht derzeit ein wesentlicher Teil des Politikansatzes der Identitären und verwandter Bewegungen besonders große Hoffnung, nämlich daß Differenzen der Völker aus der Vergangenheit bewußt ad acta gelegt werden, um den politischen Kampf um die Gegenwart und die Zukunft unseres Kontinents gemeinsam aufnehmen zu können. Nur so kann unser Kontinent vielleicht noch gerettet werden. Was war das noch für eine seltsame Zeit, als beispielsweise 1989 im Europaparlament Schönhubers Republikaner und der italienische MSI meinten, nicht gemeinsam in einer Fraktion sitzen zu können – unter anderem wegen unterschiedlicher Bewertungen bezüglich Südtirols (meines Erachtens schon damals völlig inadäquat!).

Wie gut, daß die jungen und neuen Bewegungen und Initiativen nunmehr erkannt haben, daß die patriotischen Kräfte Europas nur zusammen stark werden und Wirkung entfalten können. Hoffentlich stellen sich schnell weitere Erfolge ein! Besonderes positiv bewerte ich zudem, daß Kontakte nach Nordamerika bestehen.

Leider hat die Videoaufzeichnung keine deutschen Untertitel. Da bleibt nur die bescheidene Hoffnung, daß der nächste Kongreß dieser Art im deutschen Sprachraum stattfinden möge und (bzw. zumindest oder) auch einen deutschsprachigen Teil beinhalten möge.

Eisriesen am Horizont

4. März 2017 22:44

Sehr schön. Gute Nachrichten sind so selten geworden in letzter Zeit.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.