Sezession
2. März 2017

Der heilsame Einbruch der Realität

Lutz Meyer / 36 Kommentare

Nach außen hin ganz der omnipräsente joviale Nachbar, ist es Yancys Aufgabe, die Bevölkerung durch harmlose, aber in voller Überzeugung vorgebrachte Meinungsäußerungen, denen wirklich jeder vorbehaltlos zustimmen kann, bei Laune zu halten und jede Anwandlung einer politischen Willensbildung im Keim zu ersticken – ganz soft, ganz ohne physische Gewalt. Hinsichtlich der Haltung zu allen wichtigen Fragen des Lebens soweit wie nur möglich an Null heranzukommen, ist das erklärte Ziel.

Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

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1955 erschienen, ist "Nach Yancys Vorbild" heute aktueller denn je. Denn die Kunstfigur Yancy steht für Seichtigkeit, für Infantilisierung und Konsumismus als Treiber und Garanten der Entpolitisierung des öffentlichen Diskurses – und damit für jene Marker, die den heutigen Zustand der westlichen Industriegesellschaften charakterisieren.

Der Akt der Subversion in der literarischen Vorlage besteht darin, Yancy umzuprogrammieren: Idyllische Kalenderszenen sollen, so der Ausblick, abgelöst werden durch Bilder von Hieronymus Bosch, dem Meister des diabolischen Schreckens. Damit kehrt nach und nach das Politische zurück in den Alltag – dieses im Sinne Carl Schmitts gedacht als Frage der Unterscheidung von Freund und Feind.

Passend hierzu ein kürzlich auf YouTube eingestellter Vortrag: Rainer Mausfeld, ein Kieler Wahrnehmungspsychologe und Kognitionsforscher, spricht auf Einladung der Hamburger Sektion des IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) über die Methoden und mentalen Mechanismen, derer heutige Eliten sich in den westlichen Industriegesellschaften bedienen, um die Masse auf Kurs und sich selbst an der Macht zu halten. Es ist im Wesentlichen die Methode Yancy, die man zeitgemäß auch mit Soft power oder Nudging umschreiben könnte – Rainer Mausfeld spricht treffend von "Mentalvergiftungen".

Den von Psychologie und Sozialwissenschaften bis ins Letzte ausgefeilten Methoden der Soft power wird in den westlichen Industriegesellschaften der Vorzug gegeben – nicht aus humanitären, sondern aus ökonomischen Gründen. Professionelles Meinungsmanagement ist in diesen Gesellschaften nicht nur effizienter als Hard power, sondern auch billiger.

Hard power hingegen wurde bislang nur dort eingesetzt, wo das Meinungsmanagement aufgrund von Mängeln in der medialen Infrastruktur noch nicht zuverlässig genug funktioniert, bzw. dort, wo Polizeigewalt einfach unschlagbar günstig zu haben ist. Doch stimmt diese Abgrenzung noch?

In der Praxis erleben wir in Deutschland inzwischen fast täglich, wie auch Hard power in der politischen Auseinandersetzung ausgeübt wird – Menschen mit vom Meinungsmanagement abweichender Meinung werden bespuckt, tätlich angegriffen, ausgegrenzt, an der Meinungsäußerung gehindert und niedergebrüllt, Autos werden abgefackelt, Häuser beschmiert. Selbstverständlich geht diese Form von Hard power nicht unmittelbar von den Eliten und den ihnen zu Diensten stehenden staatlichen Organen aus.

Ausführende Instanz ist vielmehr die Zivilgesellschaft, die sich – durch psychopolitische Steuerung auf Kurs gebracht – als willfährige Hetzmeute betätigt (der legendäre "Aufstand der Anständigen"). Die Hatz nimmt seit dem Brexit und seit der Wahl von Donald Trump und im Vorfeld wichtiger europäischer Wahlen derzeit beträchtlich an Fahrt auf und zeigt Züge von Hysterie – die Machteliten scheinen tatsächlich besorgt zu sein, daß die psychopolitische Steuerung längst nicht mehr in dem Maße funktioniert, wie es notwendig wäre, um die Dinge unter Kontrolle zu halten.

Indem versucht wird, die Abweichler wieder einzufangen oder zum Schweigen zu bringen, erreicht man jedoch nur das Gegenteil – das in bunten Farben ausgemalte idyllische Szenario einer Weltzivilisation ohne Nationen und ohne Grenzen verschwindet, der diabolische Schrecken der Realität betritt die Bühne. Mit ihm einher gehen die Rückkehr des Politischen, das Ende von Infantilismus und Konsumismus und die Absage an alles Seichte.

Was uns bevorsteht, ist nicht nur ein Wahljahr – Wahlen sind, wie Rainer Mausfeld sagt, das Unwichtigste und Nebensächlichste an der Demokratie. Was uns bevorsteht, ist ein umfassender Kulturkampf, in dem es nicht darum geht, ob die eine oder andere Kultur obsiegt, sondern ob Kultur als Inbegriff in Jahrhunderten gewachsener und vielseitigster Strukturen überhaupt Bestand haben oder im Globalisierungsbrei untergehen wird.


Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

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Kommentare (36)

Der_Jürgen
2. März 2017 17:14

Lutz Meyer schreibt:

"Hard Power wurde bisher nur eingesetzt, wo das Meinungsmanagement infolge von Mängeln in der medialen Infrastruktur noch nicht zuverlässig genug funktioniert, bzw. dort, wo Polizeigewalt einfach unschlagbar günstig zu haben ist. Doch stimmt diese Abgrenzung noch?"

Eine wichtige Feststellung. Aus rein politischen Gründe vor Gericht kamen bis vor kurzem im wesentlichen nur Leute, die sich entweder offen zum Nationalsozialismus bekannten oder die orthodoxe Version der Judenverfolgung im Dritten Reich bestritten. (In seltenen Fällen existierte zwischen den Betreffenden eine Personaleinheit; für das System ist die zweite Kategorie unvergleichlich gefährlicher, weshalb gegen dissidente Historiker, selbst wenn sie eindeutig Nichtnationalsozialisten oder sogar dezidierte Antinationalsozialisten sind, oft weit härtere Urteile gefällt werden als gegen "Siegheil"-Rufer. )

Politische Prozesse dieser Art konnte und kann sich das System leisten, weil es darauf bauen kann, dass sich in der Öffentlichkeit kein merklicher Widerspruch dagegen regen wird.

Doch nun erweitert sich der Kreis der Repressionsopfer stetig. So wurde der Satiriker Uwe Ostertag wegen Karikaturen im Internet (er legte Politikern Aussprüche in den Mund, die sie nicht getätigt hatten, wies aber in jedem Fall ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Satire handelte), zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. 

https://www.contra-magazin.com/2017/02/gesinnungsdiktatur-22-monate-haft-fuer-uwe-ostertag-wegen-politisch-inkorrekter-satire/

Zum Vergleich: Der Schmierfink Böhmermann wird aufgrund seiner unflätigen Ergüsse, an denen rein nichts Satirisches ist, von der Lügenpresse als Held der Meinungsfreiheit gelobt.

Die BRD befindet sich heute in einem Stadium des Übergangs von einer versteckten zu einer offenen Diktatur. Das System gibt sich immer weniger damit zufrieden, Dissidenten durch Berufsverbote in den Ruin zu treiben oder ihr soziales Umfeld durch Hetzkampagnen zu zerstören, sondern greift vermehrt zu offen polizeistaatlichen Mitteln.

Nachdem Petry und Pretzell die AFD bewusst aufs Abstellgleis geführt haben und Höcke in seinem Spiegel-Interview den verlangten Kotau vor dem Gesslerhut vollzogen hat, kann man das Thema AFD/parlamentarische Opposition wohl abhaken, gleichgültig ob die Partei im September acht oder zehn oder fünfzehn Prozent der Stimmen erhält. Hoffen wir, dass Sezession, Compact, das IFS, die Identitären und die übrigen Kräfte des friedlichen Widerstands noch eine Zeitlang weitermachen können, ehe die Schrauben noch stärker angezogen werden. Hierzu reicht schon ein Brandanschlag auf ein Asylantenheim mit mehreren Toten, den man ja nach Bedarf selbst inszenieren kann; ein paar "rechtsextreme" Sündenböcke lassen sich unschwer auftreiben.

Man kann Schnellroda und seinen Freunden also nur starke Nerven wünschen.

Desprecio
2. März 2017 19:55

@ Der_Juergen

Noch vor einiger Zeit bereitete es mir erhebliche Schwierigkeiten, Ihren Standort innerhalb der Rechten für mich zu erkennen bzw. einzuordnen. Heute zähle ich Sie zu denen, bei denen ich mir vorstellen koennte,  zusammen hinter den Barrikaden zu stehen. Liegt diese ursprüngliche Fehleinschaetzung an mir, oder haben Sie in den letzen Wochen die Kreide weggeworfen? Es würde mich freuen, Sie unter den ''Rechtglaeubigen'' begrüßen zu dürfen.

RMH
2. März 2017 21:54

Der Artikel unterstreicht, wie wichtig Sellners Fürsprache für einen gewaltlosen Widerstand ist. Provokateure werden kommen, von außen UND von innen, bspw. in Form von agents provocateurs. Hier von Anfang an den Zug auf die richtigen Geleise gesetzt zu haben, war echte Weitsicht und Notwendigkeit.

Wie schon festgestellt wurde, befinden wir uns noch am Anfang auch wenn, wie gerade heute wieder festgestellt werden musste, abgefackelte Autos und Bedrohungen bei Leibe keine Kleinigkeiten mehr sind. Das System wird keine Hard power nur um der Durchsetzung der Macht wegen offen einsetzen, es wird immer entsprechende Anlässe dafür geben (oder zugelassen werden etc.), die dann weidlich dafür ausgenutzt werden.

@Der_Jürgen,

im Gegensatz zu Ihnen würde ich die AfD noch lange nicht so einfach abschreiben. Anschläge wie heute auf Herrn Junge zeigen jedem AfDler, dass der Weg zu den Futtertrögen nicht durch schlichtes Appeasement vom Establishment frei gegeben wird. Auch Frau Petry hat das schon erleben müssen, da kann man über die Dame sagen, was man will, aber auch sie hat die kalte Repression schon erlebt - vermutlich mehr, als viele hier. Und Höcke hat keinen Kotau gemacht, er hat sich vernünftig und taktisch nachvollziehbar verhalten. Eigentlich ist ihre Behauptung eine glatte Unverschämtheit gegenüber einem Mann wie Höcke, der nicht nur vom Sofa aus kommentiert, sondern bereits seit Monaten oder länger - so zumindest meine Beobachtung - mit schusssicherer Weste unter dem Hemd herum laufen muss. Schießen Sie bitte in Ihrer Enttäuschung über die AfD nicht übers Ziel hinaus. Man muss die Partei nicht mögen, um sie nach wie vor für wichtig halten zu können.

Tweed
2. März 2017 22:26

Ich muss zugeben: Ich bin ein großer Philipp K. Dick – Fan, weswegen Sie bei mir offene Türen einrennen. Die Gesellschaft(en), die von ihm beschrieben werden, haben große Ähnlichkeit mit der unseren bzw. mit jener utopischen Gesellschaft, zu der sich unsere nach Vorgabe der Linken transformieren soll.  In „The Mold Of Yancy“ lernen wir eine Gesellschaft kennen, in der die „liberale Öffnung“ nur eine Öffnung ins Nichts ist. Es gibt keine Repression und die Menschen genießen ihr Leben, lesen die Bücher, die sie lesen wollen, hören die Musik, die sie hören wollen und schauen im TV , was sie sehen wollen – allerdings lesen, hören und sehen alle das Gleiche, weil sie alle das gleiche wollen.

Ihr Hinweis auf das Nudging des libertären Paternalismus ist treffend. Darauf läuft es hinaus. Ich musste unweigerlich an den Klassiker des Nudging denken: an die Fliege im Männerpissoir. Ich glaube es war in einer Toilette des Flughafen Schiphol, wo die Fliege zum ersten Mal im Urinal den männlichen Pinkel-Strahl auf sich lenkte. Cass Sunstein und Richard Thaler haben in ihrem Buch „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt“ berichtet, dass die Verschmutzung des Bodens um ???? Prozent gesunken sei.

Als ich zum ersten Mal – man verzeihe mir diese Direktheit  – meinen Pinkelstrahl auf die besagte Fliege richtete, gingen mir folgende Gedanken durch den Kopf: „Zugegeben, ich verstehe was das soll (bin ja nicht blöd), aber was impliziert dieses Prinzip?“ (Der Begriff Nudging war mir noch völlig unbekannt). „Erstens werden Arbeitsplätze von Klofrauen gefährdet“ – meistens sind es ja tatsächlich Frauen und selten Männer. So weit so banal. Zweitens… und da entwickelte sich eine weitreichende abstrakte aber eher melancholische Grübelei: „Was wäre, wenn es eine solche Fliege für alles und jedes gäbe? Wir würden dann (fast) alles richtig machen. D.h wir würden so gut wie nie mehr daneben pinkeln.“ (Das Leben wäre also in einer allumfassenden Pinkelmetapher gut verstanden). Aber wer bestimmt das, was richtig ist? Seither habe ich das Bedürfnis, immer wenn ich die Fliege sehe, daneben zu pinkeln. Ich bin aber zu gut erzogen, um es zu tun. Das ist für mich dann immer der ultimative Beweis für den Sieg des liberalen Totalitarismus.  Wenn ich das nicht schaffe, wer dann?

 

PS: sehr sehenswert, die Philip K. Dick-Verfilmung: The Man in The High Castle

Cacatum non est pictum
3. März 2017 01:01

@Der_Jürgen

Doch nun erweitert sich der Kreis der Repressionsopfer stetig. So wurde der Satiriker Uwe Ostertag wegen Karikaturen im Internet (er legte Politikern Aussprüche in den Mund, die sie nicht getätigt hatten, wies aber in jedem Fall ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Satire handelte), zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Achtung! Hier bewegen wir uns wieder auf den Minenfeldern des Internets. Ich habe an anderer Stelle gelesen, dass in dieses Urteil auch ein Messerangriff auf einen Polizisten eingeflossen sei. Solange wir das Strafurteil nicht im Original kennen, sollten wir keine Spekulationen dieser Art weitertragen. Andererseits teile ich natürlich generell Ihren Befund und würde mich über ein entsprechendes Strafmaß auf dem Feld der Staatsschutzdelikte heutzutage nicht mehr wundern.

@RMH

Die AfD ist in den vergangenen Monaten meines Erachtens ganz massiv unterwandert worden. Einige Possen habe ich aus erster und zweiter Hand mitbekommen. Nachdem Höcke nun geschwächt (worden) ist, sehe auch ich die Partei auf dem Abstellgleis. Sollte man tatsächlich eine Koalition mit der Union anstreben, in der man als Juniorpartner agiert - Petry und Pretzell, aber auch beispielsweise Poggenburg haben sich schon in dieser Richtung geäußert -, dann ist die AfD tot. Überhaupt sehe ich in ihr bestenfalls noch die Chance, als kleines Korrektiv zu wirken gegen die volksfeindliche Politik, die sich ab September 2017 ungehemmt fortsetzen wird. Immerhin wäre das besser als nichts, aber es wird eben auch unsere Probleme nicht lösen.

Siddharta
3. März 2017 06:16

Yancy ist ein Stabilisator in historischen Latenzphasen. Ist er in den Stressphasen eines unvermeidlichen Paradigmenwechsels überhaupt relevant?

Lutz Meyer
3. März 2017 06:46

@Siddharta: Mag sein, wenngleich ich meine, daß auch in den Phasen starker Bewegung Stabilsisatoren dringend nötig sind (manche Schiffe etwa haben Stabilisatoren, um die Auswirkungen starken Seegangs auszugleichen). Bei mir sorgte die Gleichzeitigkeit der Yancy-Lektüre und der Kenntnisnahme des Vortrags von Rainer Mausfeld auf Youtube dafür, daß ich Yancy mit anderen Augen sah.

Utz
3. März 2017 08:22

@ Tweed

Ich mußte schmunzeln bei Ihrer Beschreibung Ihrer Reaktion auf die Fliege. Bei mir hatte unser neues Auto eine ähnliche Wirkung: seit mich dieses penetrante Vehikel in immer nervigeren Tonlagen darauf hinweist, daß ich nicht angeschnallt bin, schnalle ich mich weniger an als im alten Auto, das dieses Fehlverhalten gelassen hinnahm. Meine Freunde sagen, mein Verhalten sei irrational und dumm, da ich so ja nur meine Gesundheit gefährde. Ich sage, man muß Widerstandsfähigkeit trainieren und vor allem, davor schon, die eigene Wahrnehmungsfähigkeit um zu merken, wo die Bestrebungen sind, uns alle auf Lämmer zu trainieren.

Lyrurus
3. März 2017 09:00

Zum Thema AfD und den wiederholten Abgesang auf diese Chance auch auf parlamentarischer Ebene Dinge zu ändern:

Jede Hausfrau und jeder Rentner, die samstags mit der berechtigten Furcht vor sozialer Ächtung in ihrem realen sozialen Umfeld AfD-Flugblätter in der Fußgängerzone verteilen, leisten bedeutend mehr und haben mehr Schneid als die ganzen Bescheidwisser, die anonym online nur so vor Kraft strotzen.

Wen die Situation der AfD ankotzt, soll sich dort engagieren, meinetwegen auch selbst etwas vergleichbares zur Erweiterung unseres Resonanzraumes schaffen - oder einfach mal still sein. Genauso schlimm wie glatte Karrieristen sind die ständigen Schwarzseher.

@ Lutz Meyer: Ihren Beitrag habe ich wieder mal mit Gewinn gelesen - entschuldigen Sie bitte das vorhergehende OT.

Monika L.
3. März 2017 09:16

Deutschland wird Deutschland bleiben, mit allem , was uns lieb und teuer ist.

Yancy, alias Angela 7. September 2016

Die Aufgabe Yancys/ Angelas ( d.i.  eine ' omnipräsente, joviale Kanzlerin' ) ist es, durch eine 'harmlose, aber in voller Überzeugung vorgebrachte Meinungsäußerung die Bevölkerung bei Laune zu halten.' 

Nun ist Angela keine Kunstfigur oder etwa doch ? Gar ein Konstrukt, ähnlich einem Maschinenmenschen, der Maria in Metropolis:

https://www.google.de/search?q=brigitte+helm+metropolis&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari#imgrc=4LKKyYKVx-AuDM:

Ein umfassender Kulturkampf steht uns bevor. Es stellt sich immer drängender die Aufgabe: Flüchten ( Wohin ? ) oder Standhalten ( Wie ?) 

Sollte es nicht heißen:

Die unheilvolle Realität und der heilsame Aufbruch ?

Hartwig aus LG8
3. März 2017 09:39

Ein wichtiger Artikel zur rechten Zeit.

Ich möchte auf Folgendes Bezug nehmen:

"Der Akt der Subversion in der literarischen Vorlage besteht darin, Yancy umzuprogrammieren: Idyllische Kalenderszenen sollen, so der Ausblick, abgelöst werden durch Bilder von Hieronymus Bosch, dem Meister des diabolischen Schreckens. Damit kehrt nach und nach das Politische zurück in den Alltag …"

Ist es wirklich das, was wir brauchen? Schockbilder? Ablehnung der Idylle? Kritik an den Zuständen? Eine Politisierung?? Mit dem vermeintlichen Verlass, auf das bessere Argument?

Warum nicht einen eigenen Yancy für Rechte Inhalte beleben? Positives, Emotionalisierendes, Witziges, Romantisierendes(!!), ja, auch Männer bei der Ehre packen. All das in einer eigenen Bild- Ton- und Wortsprache kann durchaus "seicht" sein. Mit Überzeugen, Argumentieren, Appellieren wird man nicht mehr viel erreichen. In jedem gibt es die Saiten Instinkt, Natur, Gruppe, Ehre, Stolz ... Die muss man zum Schwingen bringen.

Sven Jacobsen
3. März 2017 10:06

Ein guter Artikel. Aus gegebenem Anlass habe ich Carlo Ginzburgs Studie „Hexensabbat. Entzifferung einer nächtlichen Geschichte“ in die Hände genommen, weil es sozusagen gewisse, wenn auch nur grobe Parallelen gibt: die Suche nach Schuldigen in einer Krisenzeit; der irrationale Glaube an eine Bedrohung durch eine auf Beherrschung abzielende Gruppe; das zusammenschweißende Gefühl, sich dessen erwehren zu müssen; das Wuchern von Verschwörungstheorien; eine Grundstimmung, die das Alltagshandeln prägt und die Wahrnehmung von Vorkommnissen lenkt; die Auffassung vom Guten einerseits und dem Schlechten andererseits und über allem wacht eine Elite, mitten drin oder auch die Fäden ziehend. Ohne überheblich wirken zu wollen, stellt sich die Frage, ob es vielleicht passender wäre, die Gegenwartsgesellschaft nicht als „politisch interessiert“ oder „politisiert“ zu bezeichnen, sondern als „emotionalisiert“. Und sie hat primär ein Interesse an Emotionen, in diesem Fall auf dem Feld der Politik. Das ist etwas ganz anderes. Eine „politisierte“ oder „politisch interessierte“ Gesellschaft ist nämlich zumindest bemüht, politische Themen und Inhalte rational zu besprechen, man bleibt beherrscht, gebraucht Begriffe sauber und die Beteiligten sind bereit, einander zuzuhören. Die wütende Bereitwilligkeit weiter Kreise, sich heute und drei Jahrhunderte nach der Aufklärung auf einen (politischen) Gegner zu werfen, per se mit Vorurteilen zu arbeiten, sich unausgesetzt selbst bestätigen zu wollen und eine bestimmte Gefühlslage aufzusuchen, ist damit einfach nicht in Einklang zu bringen.

Tweed
3. März 2017 10:37

@ Utz

Ich denke auch, dass das die ersten Schritte sind, die jeder für sich machen kann: Achtsamkeit und Widerstandsfähigkeit trainieren. Thymustraining.

Hier noch einige Gedanken zu Rainer Mausfeld.

Schon kurz nach Beginn des Vortrags schrillten bei mir Alarmglocken: Vorsicht Chomsky! Seine linke Position des Libertären Sozialismus ist sehr verführerisch, wirkt über weite Strecken sehr vertraut und wahrhaftig, ist nach meinem Dafürhalten jedoch ein Wolf im Schafspelz. Sicherlich gibt es streckenweise Bündnisfähigkeit, aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Auf jeden Fall versetzt mich der Chomsky-Verdacht immer sofort in geistige Alarmbereitschaft. Im Falle von Mausfeld will ich drei Beispiele anführen:

1. Antiamerikanismus und Populismus. M. spricht darüber im Zusammenhang mit der diskriminierenden Verklammerung von Themenfeldern durch einen Kampfbegriff, der dadurch die Kritik an den Eliten neutralisieren soll. Er attestiert Heidegger Antiamerikanismus, wo hier eigentlich viel präziser Anti-Modernismus zu sagen wäre. Amerika steht für Heidegger modellhaft für die Moderne und die Folgen der Technik. Heidegger, der damit weit mehr als nur die Eliten kritisiert, sondern ihre seinsgeschichtlichen Fundamente, wird durch Mausfeld so verklammert, dass diese Fundamente nun ihrerseits verschleiert werden. Beim vielen Linken kommt man mit der Erwähnung des Namens Heidegger bekanntlich schon unter Naziverdacht. Beim Populismusbegriff ist der „Ausrutscher“ von Mausfeld noch eklatanter, da er einmal genau diese Kennzeichnung für diejenigen, die von den Medien als „Rechtspopulisten“ bezeichnet werden (ich setze in Anführungszeichen, damit man den Unterschied merkt), verwendet, allerdings (soweit dies in einem mündlichen Vortrag zu hören ist): ohne Anführungszeichen. Er gebrauchte also dieses Wort also genau in dem von den Eliten intendierten Sinn.

2. Der andere Punkt ist die Bewertung des römischen Imperiums; sie ist einseitig und verschweigt die Hälfte der Geschichte. Das Tacitus-Zitat zeigt die eine Seite: Wenn Tacitus im „agricola“ schreibt, dass die römische Herrschaft nur Nachteile und keine Vorteile gebracht hat, dann muss man dem entgegensetzen (ohne damit moralisch zu beurteilen), dass die Pax Romana letztlich den immer wieder auf flackernden Bürgerkrieg verhindert hat. Und dass wir unser Recht ohne das römische Recht nicht so recht vorstellen können. Wenn wir bei der reinen Deskription bleiben, können wir uns einer Entscheidung für Staatlichkeit oder Anarchie stellen. Bei Mausfeld höre ich im Hintergrund Chomskys Sozialismus läuten, der für diesen ein Synonym für Anarchismus ist.

3. Der dritte Punkt betrifft seine Ausführungen zur sogenannten „völkischen Rechten“, die ich hier einmal als Alt-Rechte bezeichnen möchte. Der springende Punkt ist die Art und Weise wie er dies referiert. Im Zusammenhang mit seinen Ausführungen über die Aufklärung wird dies deutlich. Hier behauptet er von der Gegenaufklärung, sie strebe eine „Vorrangstellung“ (der Nation, des Volkes, Rasse  etc.) an. Auch hier wendet er die Verklammerung an: Nun wird allerdings die Alt-Rechte zum Beispiel für die Rechte überhaupt, so dass die Neue Rechte implizit diskreditiert wird. Dieser geht es aber nicht um Vorrangstellung, sondern um eine Gleichberechtigung – bei Erhaltung der Vielfalt von Ethnien. Hier wird am Schluss des Vortrags von M. deutlich, wo das Problem des Libertären Anarchismus liegt: Sein Universalismus. Ubique. Es ist ein faktischer Rassismus, nämlich die Behauptung der Vorrangstellung einer (ethnisch) homogenen Menschheit. Deshalb halten die kapitalistischen Eliten den libertären Anarchisten auch an der langen Leine wie jeden Linken: in the long run ziehen sie am gleichen Strang. So gut der Vortrag ist und so tiefe Einblicke er in die Mechanismen der Verschleierung der Macht ermöglicht, so predigt er doch einen humanitaristischen Universalismus.

Ich stimme mit M. überein, wenn es um die Mündigkeit der Bürger geht. Ich denke, dass die Frage nach der Mündigkeit vor der Frage nach der Herrschaftsform zu stellen ist. Wenn M. aber das Jahr 1789 als Geburtsstunde des mündigen Bürgers erklärt, dann ist auch hier Vorsicht angebracht. Warum? Ich will dazu nur zwei Fragen in den Raum stellen: Wenn 1789 ein Meilenstein in der Säkularisierung Europas war, ist dann nicht auch dieser aufgeklärte Mündigkeitsbegriff ein Säkularisat? Und wenn ja, hat dann nicht vielleicht seine Suspendierung durch die Eliten und seine Ersetzung durch die faktische Unmündigkeit genau damit zu tun?

Dietrich Stahl
3. März 2017 10:44

Daß wir Menschen auf alles, was uns begegnet, reagieren ist natürlich und unvermeidlich. Wenn mir ein Fremder begegnet, reagiere ich. Abhängig von den abgespeicherten eigenen Erfahrungen, Meinungen, Vorurteilen …

Wie reagieren wir auf unsere Reaktionen? Darum geht es. Was vermieden werden kann ist das (Ver)Urteilen – das kann man wohl als erste Annäherung auf die Frage sagen.

Beispiel: Die gegenwärtige Situation in der AfD. Zwei Lager, die mit drei Namen beschrieben werden können: Pretzell/Petry und Björn Höcke. Ich behaupte keiner hier (selbstverständlich mich eingeschlossen) kann korrekt einschätzen, was sich aus dieser Konstellation entwickeln wird. Die gegenwärtige Situation ist viel zu komplex. Es gibt soviele Kraftvektoren, deren Resultanten noch von anderen Faktoren beeinflusst werden.

Losgelöstes Beobachten ist der bessere Weg. Dem Anderen zugestehen, dass er sich zum Guten ändern kann. Den Fokus auf das Eigene halten. Sein Bestes tun.

Einfügung: Möglicherweise haben wir schon im Sommer eine völlig unerwartete, den Herbst 1989 in den Schatten stellende Situation in Deutschland – und weltweit. Man wird ja träumen dürfen. Träume können wahr werden – besonders heute. Leute, wer hätte vor drei Monaten die jetzige Situation in den USA für möglich gehalten? Die wenigsten.

Die eigene Vision von dem, was möglich ist, so weit wie möglich spannen: Das ist die Aufgabe jedes Einzelnen, dem Deutschland und das deutsche Volk – und das Wohl aller Völker – am Herzen liegen.

Marc_Aurel
3. März 2017 11:31

Witzig, genau mit dem Thema hatte ich mich in letzter Zeit auch beschäftigt und wollte aus diesem Grund schon eine E-Mail an die Sezession verfassen mit der Anregung Mausfeld's Gedanken einmal aufzugreifen - das muss wohl Gedankenübertragung sein^^
Das was Mausfeld da ausgearbeitet hat, ist ein Muss, wenn man die Welt verstehen will, in der wir heute leben, meiner Ansicht nach.
Etwas Kritik muss man allerdings auch anbringen:
In seinen Vorträgen, zumindest an einer Stelle, verwendet er eine Statistik der ARD (Zufriedenheit Wähler mit ihren Parteien), also genau von den Instanzen, die er selbst, sehr vorbildlich, als Propagandainstrumente herausarbeitet. Aber na gut, man soll ja nicht kleinlich sein.
Er legt außerdem richtigerweise dar, dass die Hauptbemühung der Eliten darauf abzielt den Gemeinsinn zu zerschlagen. Gleichzeitig spricht er aber von völkischer Rechter, der Bewahrung (weitgehender) ethnischer Homogenität und steckt das so ein bisschen in die Rassismus-Schublade. Ich lasse mich gern korrigieren, wenn ich das falsch aufgefasst haben sollte. Ihm müsste ja aber eigentlich klar sein, das ethnische Homogenität, die an sich schon einen Wert darstellt aus verschiedenen Gründen, meist ja auch mit kultureller Homogenität einhergeht, so das folgerichtig das Streben nach maximaler ethnischer (und damit auch kultureller Durchmischung) genau in dieselbe Kerbe schlägt, nämlich die Zerstörung des Gemeinsinns. Es ist ja in interessierten Kreisen wohl auch ein offenes Geheimnis, dass es sich beim Multikulturalismus, ebenso wie bei der Globalisierung um Elitenprojekte handelt, die dazu auch noch eng miteinander verknüpft sind. Einmal abgesehen davon, dass das Wort Rassismus in der heutigen Zeit wohl zu den meist missbrauchten Wörtern überhaupt zählt.
Mein gefühlter Eindruck ist der, das er nicht so recht weiß was die vernünftige/moderne Rechte überhaupt will und warum und dass er diesbezüglich eine Menge Klischees und Vorurteile im Kopf hat. Ich wollte Mausfeld deswegen schon kontaktieren, aber ich glaube, wenn ein Kubitschek, ein Sellner oder ein Lichtmesz mit ihm in Kontakt treten, hat das mehr wohl Gewicht. Keine Ahnung ob das etwas bringt, aber einen Versuch ist es wert.

Der_Jürgen
3. März 2017 12:26

@Desprecio

Seitdem ich mich auf diesem Forum zu Wort melde (ca. Sommer 2015) habe ich meine Ansichten nicht geändert (ausser in Detailfragen natürlich; da lernt jeder von uns laufend dazu). Ich habe also durchaus nicht "die Kreide weggeworfen", wie Sie sich ausdrücken. Sie können leicht ältere Beiträge von mir finden, in denen ich mich sinngemäss genau gleich äussere wie in meinem gestrigen.

Politisch stehe ich etwa in der Mitte zwischen den Identitären und der "Altrechten", in bezug auf Methoden und Taktik bevorzuge ich eindeutig erstere. Die ideologischen Unterschiede sind ohnehin nicht so gross, wie manche meinen. Auch ein intelligenter NPD-Mann würde andere Rassen nicht als "minderwertig" bezeichnen; er würde, genau wie die Identitären, die getrennte Entwicklung der Ethnien und Kulturen und ihre gegenseitige Respektierung befürworten. 

Der von Ihnen verwendete Ausdruck "die Rechtgläubigen" behagt mir nicht. Was ist denn das für ein "rechter Glaube", dem wir anhängen? Haben wir denn einen Marx oder einen Lenin wie die orthodoxen Kommunisten, die ihre Weltsicht immer noch aus diesen "heiligen Schriften" schöpfen? 

Die Debatten auf diesem Forum sind gerade darum so interessant, weil hier Menschen verschiedener Weltanschauungen schreiben - Christen wie Pastor Wawerka, Monika L. und ich, Atheisten, Agnostiker und sogar der eine oder andere Buddhist. (Als deutscher bzw. europäischer Patriot kann man ohne weiteres Buddhist sein; Muslim kann man nicht sein, auch wenn es immer wieder Leute gab und gibt, die diese Quadratur des Zirkels versuchten und versuchen; ich denke etwa an meinen verstorbenen Landsmann Albert Huber, der sich nach seiner durch seine Bekanntschaft mit dem Mufti von Jerusalem erfolgten Konversion zum Islam Ahmed Huber nannte, oder an den österreichischen Rechtsintellektuellen Martin Schwarz. Die gemeinsame Aversion gegen den Zionismus ist keine geistige Grundlage, auf der sich aufbauen lässt.)

Hier schreiben harte Rechte ebenso wie Liberalkonservative und sogar Libertäre. Was sie alle eint, ist die Sorge um die Zukunft Deutschlands und Europas.

@RMH

Ich habe auf diesem Forum schon wiederholt meine Achtung vor Björn Höcke bekundet, der ohne jeden Zweifel ein ehrlicher Patriot ist. Aber er hat schwere Fehler gemacht. Er wusste genau, welche Reaktionen seine Rede über den Schuldkult bei der Lügenpresse, aber auch innerhalb seiner eigenen Partei hervorrufen würde; dass Rudolf Augstein vor Jahrzehnten Ähnliches gesagt hat, ändert daran nichts. Entweder hätte er da überhaupt auf diese Rede verzichten und den Berliner Schrotthaufen zumindest bis zu den Bundestagswahlen nicht erwähnen sollen, oder aber er hätte dem Sturm der Kritik trotzen und zu seinen Worten stehen sollen. Nachträgliche Beschwichtigungen und Entschuldigungen sind ein Zeichen der Schwäche.

Zudem sollte ein anständiger Deutscher dem "Spiegel" ebenso wenig ein Interview geben wie "Bild" oder den "St. Pauli-Nachrichten". Dass auch Kubitschek diesen Fehler begangen hat, ist bedauerlich. "Mit Ihnen spreche ich nicht", wäre die angemessene Antwort auf Gesprächswünsche dieser Schmierfinken. Wir sollten uns mit dem "Waldgelichter", den "Kreaturen der Nacht" (Ernst Jünger; "Auf den Marmorklippen") nicht gemein machen.

Heinrich Brück
3. März 2017 13:08

"Ich denke, dass die Frage nach der Mündigkeit vor der Frage nach der Herrschaftsform zu stellen ist."

Die Herrschaftsform ist immer das Imperium. Die Beherrschten sind die Vasallen; manche Vasallen durchaus glückliche Sklaven. Nur das Imperium besitzt die Voraussetzungen und die Macht die Frage der Mündigkeit zu klären.

"Zudem sollte ein anständiger Deutscher dem "Spiegel" ebenso wenig ein Interview geben wie "Bild" oder den "St. Pauli-Nachrichten". Dass auch Kubitschek diesen Fehler begangen hat, ist bedauerlich."

Mit dem Volk, nicht mit dem Spiegel. Die Schmierfinken bleiben Mittel zum Zweck.

Höckes Fehler? Was hat er denn gesagt? - "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Wir Deutschen, also unser Volk, hat dieses Denkmal überhaupt nicht gebaut. 

Cacatum non est pictum
3. März 2017 13:52

@Lyrurus

Jede Hausfrau und jeder Rentner, die samstags mit der berechtigten Furcht vor sozialer Ächtung in ihrem realen sozialen Umfeld AfD-Flugblätter in der Fußgängerzone verteilen, leisten bedeutend mehr und haben mehr Schneid als die ganzen Bescheidwisser, die anonym online nur so vor Kraft strotzen.

Wen die Situation der AfD ankotzt, soll sich dort engagieren, meinetwegen auch selbst etwas vergleichbares zur Erweiterung unseres Resonanzraumes schaffen - oder einfach mal still sein. Genauso schlimm wie glatte Karrieristen sind die ständigen Schwarzseher.

Die Hausfrauen und Rentner, von denen Sie sprechen, werden in der AfD gern für den Wahlkampf benutzt. Dass sie persönliche Risiken in Kauf nehmen, ist aber ihr Privatvergnügen. Denn: Von politischem Einfluss ist die Basis mittlerweile komplett abgeschnitten. Transparenz war mal. Richtungsweisende Entscheidungen werden auch in der AfD nur noch von oberen Gremien ausgekungelt. Mitgliederparteitage wie 2016 in Stuttgart wird es nicht mehr geben.

Mit Perspektive auf die Bundestagswahl hat diese Partei eine atemberaubende Metamorphose vollzogen - hin zu einem Verbund, der den vielgeschmähten Altparteien immer ähnlicher wird. Das ist ein ziemlich trauriger Befund, wenn man in Rechnung stellt, dass die AfD doch eine "Alternative" sein wollte zu den Verwachsungen im bundesdeutschen Politikbetrieb. Dieses Ansinnen ist nach etwas mehr als drei Jahren gescheitert. Wenn Sie das bloß für "Schwarzseherei" halten, kann ich es auch nicht ändern.

Lyrurus
3. März 2017 15:16

@Cacatum non est pictum

Das ist ihre Sicht. Keine Ahnung, woraus sich diese speist, klingt für mich nach dem Narrativ von Spiegel, FAZ et al. Meine Erfahrung als Teil der Basis ist eine andere. Natürlich ist nicht alles prima. Aber um Ihr Beispiel aufzunehmen: Ich halte es tatsächlich für notwendig, dass man endlich aus den End- und Sinnlosdiskussionen der Parteitage herauskommt. Wissen Sie was ein Mitgliederparteitag kostet, der dann im Wesentlichen von Querulanten zur Selbstdarstellung genutzt wird während das Wahlkampfbudget lächerlich klein ist? Die AfD regelt zum Glück viele Dinge über direkte Mitgliederbefragungen, so wurde z.B. Frau Petry als Spitzenkandidatin verhindert. 

Die AfD ist sicherlich nicht der Stein der Weisen, aber ich halte sie immer noch für eine  Möglichkeit in Deutschland etwas zum Besseren zu bewegen. 

Aber ich weiß leider immer noch nicht, mit welcher Art von Tätigkeit Sie die gezeigte herablassende Haltung rechtfertigen. Ich bin neben Beruf und Familie gut mit politischer Arbeit ausgelastet, ohne Streben nach Posten oder Mandat. Und Sie? 

Karl
3. März 2017 16:03

 „Wahlen sind, wie Rainer Mausfeld sagt, das Unwichtigste und Nebensächlichste an der Demokratie. Was uns bevorsteht, ist ein umfassender Kulturkampf, in dem es nicht darum geht, ob die eine oder andere Kultur obsiegt, sondern ob Kultur als Inbegriff in Jahrhunderten gewachsener und vielseitigster Strukturen überhaupt Bestand haben oder im Globalisierungsbrei untergehen wird.“

Irgendeine Form von „Kultur“ als Lebensäußerungen der Menschen wird es immer geben. Wie diese gestaltet werden, darüber entscheidet wie erfolgreich die „Aktual- und Tiefenindoktrination“ (Mausfeld) durch Sozialisationsinstanzen (Kindergärten, Schulen, Universitäten), Medien, Kultur- und Unterhaltungsindustrie sowie fake-NGOs und die „Mentalvergiftung“ mittels Denunziations- und Pathologisierungsbegriffen das Volk lethargisiert bzw. von dem relevanten Geschehen ablenkt und fragmentarisiert desinformiert. Diese gesamte Propagandamaschinerie muss Ziel des Kulturkampfes werden. Es gibt z.Z. nur Ansätze für Eingeweihte dieser Hirnpest zu begegnen: Einige Netz-Seiten und Youtube-Kanäle, einige kleine Verlage und Zeitschriften. Aber das ist ein Anfang! Das muss weiter ausgebaut werden: in den Sozialisationsinstanzen brauchen wir nicht grünlinks verstrahlte Erzieher, Lehrer, Professoren. In der Justiz dito. Die Kultur- und Unterhaltungsindustrie mit ihren unterschwelligen Manipulationsmethoden kann gut mehr aufrechte patriotische Künstler gebrauchen. Es muss eine Aufbruchsstimmung entstehen, die sich dem bisherigen Mainstream widersetzt. Solch ein Kulturkampf kann langfristig erfolgreich sein. Nehmen wir nicht einfach hin wie es ist. Alles fängt an mit kleinen Veränderungen, mit einem ersten Schritt.

RMH
3. März 2017 16:47

Zum Thema AfD:

Die nächste Landtagswahl naht und mir ist mittlerweile der ganze innerparteiliche Zwist ziemlich egal, zumal sich darüber ja eh nur die Wahrheitsmedien freuen, die daraus dann die große AfD-Krise konstruieren, um so Nichtwähler, die jetzt dann doch wählen gehen wollten, und Protestwähler zu verunsichern und vom Wählen der AfD abzuhalten. Wir sollten das hier jetzt nicht auch noch befeuern ... man vergesse nicht, dass auch durch die bisherigen Erfolge der AfD die Sezession, Kubitschek, die Identitären etc. einem breiterem Publikum bekannt wurden.

Zur bisherigen Diskussion:

Mit hat der Beitrag von Sven Jacobsen gut gefallen, wenn er schreibt

"Die wütende Bereitwilligkeit weiter Kreise, sich heute und drei Jahrhunderte nach der Aufklärung auf einen (politischen) Gegner zu werfen, per se mit Vorurteilen zu arbeiten, sich unausgesetzt selbst bestätigen zu wollen und eine bestimmte Gefühlslage aufzusuchen, ist damit einfach nicht in Einklang zu bringen."

dann frage ich mich, ist das nicht etwa evtl. auch ein Ausdruck der steigenden thymotischen Spannung?

Biggeo
3. März 2017 19:28

Schön Herr Meyer, dass Sie den Beitrag von Professor Mausfeld angesprochen haben. Ich habe ihn mir angesehen in Teilen sogar zwei Mal. Hinsichtlich seines Vergleichs zwischen den USA und dem römischen Reich halte ich seine Ausführungen, wie auch einige meiner Vorkommentatoren für falsch. Denn im Gegensatz zum Römischen Reich haben die USA in den vergangenen Jahrzehnten mehr Unfrieden und Spaltung in Regionen der Erde gebracht, als ich ich dies beim Römischen Reich feststellen konnte, welches nach meiner Ansicht eher befriedet hat. Ist ja auch sinnvoll, denn nur aus einem befriedeten Land kann man auch ggf. schöpfen. Was den Kulturkampf angeht, ist dieser Begriff nach meiner Ansicht zweischneidig. Denn was bedeutet denn die Kultur in diesem Sinne? Kultur eines Landes, eines Landesgebietes,  einer Region, wie zum Beispiel Sprache, Trachten Gesänge, Literatur, Musik und nicht zuletzt auch die Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders. Ich hatte jedenfalls noch bis vor vier fünf Jahren den Eindruck, dass dies hier halbwegs funktioniert. Und so habe ich seit mehr als 30 Jahren einen syrischen Hausarzt, welcher gläubiger Moslem ist und sogar mit mir im Team Tennis spielt und  mir auch die Hand gibt wenn das Match gut läuft und wir fertig sind.  Ich habe auch noch andere gläubige Muslime in meinem näheren Umfeld, mit welchen ich wunderbar reden kann und denen ich gerne zu höre, wenn sie Geschichten aus ihrer alten Heimat erzählen, nämlich ihrer Kultur.  Das bedeutet nicht, das ich diese übernehmen will, dazu drängt mich auch keine dieser Personen.  Also Kulturkampf ist für ich eher ein Kampfwort des alten Mao und auch er hat trotz brutalster Vorgehensweise bestimmte  Grundelemente  der chinesichen Kultur nicht  zunichte machen können.  Was mich derzeit auf Schnappatmung treibt, ist die von oben herausgegebene Devise, dass ich alle und alles von den mir unbekannten Schutzsuchenden toll finden soll. Die  ganz offensichtliche Doppelmoral und Heuchelei in diesem Land. Und was mich noch mehr ventilieren lässt, sind die Bekannten und Freunde, welche dies alles richtig finden. Deshalb fand ich den Vortrag von Mausfeld doch sehr gut, weil er mir die  Augen dafür öffnete warum die meisten in Deutschland und Europa so blöd sind.

Cacatum non est pictum
3. März 2017 19:41

@Lyrurus

Wissen Sie was ein Mitgliederparteitag kostet, der dann im Wesentlichen von Querulanten zur Selbstdarstellung genutzt wird während das Wahlkampfbudget lächerlich klein ist?

Stimmt! Dann lieber ein Parteitag mit linientreuen Delegierten, nachdem man unliebsame Mitstreiter gemobbt, bedroht und mit Ausschlussverfahren belegt hat (Ähnlichkeiten mit existierenden AfD-Landesverbänden sind rein zufällig). Das spart Zeit und Geld. Und es macht einen den erfolgreichen Altparteien so ähnlich, denen man sich solchermaßen ein wenig anbiedern kann.

Aber ich weiß leider immer noch nicht, mit welcher Art von Tätigkeit Sie die gezeigte herablassende Haltung rechtfertigen. Ich bin neben Beruf und Familie gut mit politischer Arbeit ausgelastet, ohne Streben nach Posten oder Mandat. Und Sie?

Ich? Ich beziehe Hartz IV, sitze den ganzen Tag mit Feinripp-Unterhemd vor meinem riesengroßen Flachbildfernseher und trinke dabei Dosenbier. Deswegen habe ich auch genug Zeit, meine "herablassende Haltung" zu pflegen. Einen Teil dieser Zeit werde ich von nun an aber der Frage widmen, vor wem und aus welchem Grund ich meine politische Meinung "rechtfertigen" müssen sollte.

Lyrurus
3. März 2017 23:17

@Cacatum etc.

Danke für die ehrliche Antwort. Online-Idealismus ist eine feine Sache und man muß sich insbesondere nicht in die Niederungen der menschlichen Unzulänglichkeiten begeben. 

Cacatum non est pictum
4. März 2017 07:07

@Lyrurus

Ihnen fehlt das Gespür für Ironie. Aber sei's d'rum. Setzen Sie Ihre Basisarbeit bei der AfD fort. Kaputtmachen werden Sie schon nichts - jedenfalls nicht mehr als die Parteioberen. Ich lasse es jetzt damit bewenden, denn wir sollten den guten Artikel nicht zerreden.

Gustav
4. März 2017 09:49

Wie die südafrikanische Beratungsgesellschaft New World   Wealth berichtet, haben im vergangenen Jahr unterm Strich 4000 Millionäre Deutschland den Rücken gekehrt. 2015 waren es erst 1000 und in den Jahren zuvor verlor die Bundesrepublik bloß ein paar hundert Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar.
Was ist da los? Der Redakteur von „Kopp Online“ fühlt sich an die „Titanic“ erinnert: „Die erste Klasse geht von Bord.“ Tatsächlich stellen die Südafrikaner fest, dass Millionäre einen Hinweis auf kommende Abwanderungswellen geben könnten: Aufgrund ihrer hohen Flexibilität seien sie häufig nur die ersten, die gingen.
Und warum? Da hilft womöglich ein Blick auf Frankreich, das 2016 unterm Strich sogar dreimal so viele Millionäre verloren hat. Dort trieben „religiöse Spannungen“ die Leute außer Landes, sagt die Beratungsgesellschaft.
Religiöse Spannungen? Von wem sollen die denn ausgehen? Wir haben schließlich gelernt, dass nichts von den „Spannungen“ mit Religion zu tun hat, sondern ausschließlich mit Polizeigewalt und „sozialer Ausgrenzung“. Haben wir uns etwa geirrt?

https://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/die-uno-klagt-uns-an.html

Der Feinsinnige
4. März 2017 14:24

Wieder ein Artikel mit spannenden Aussagen und Verlinkungen. Hier und jetzt nur einige Anmerkungen zur Diskussion:

@ Cacatus non est pictum und @ Lyrurus:

Schade, daß politische Differenzen immer wieder so schnell in persönliche Scharmützel ausarten müssen, selbst innerhalb ein und desselben politischen Lagers. Nichts anderes findet derzeit ja auch in der Führungsebene der AFD statt. Es hilft meines Erachtens nicht weiter.

@ RMH

„Und Höcke hat keinen Kotau gemacht, er hat sich vernünftig und taktisch nachvollziehbar verhalten.“

Volle Zustimmung meinerseits. Björn Höcke mußte meines Erachtens zurückrudern, um weiteren Schaden von seiner Person und der AFD abzuwenden. Dies ist meines Erachtens ein Zeichen von Klugheit.

@ Der Jürgen:

„Zudem sollte ein anständiger Deutscher dem "Spiegel" ebenso wenig ein Interview geben wie "Bild" oder den "St. Pauli-Nachrichten". Dass auch Kubitschek diesen Fehler begangen hat, ist bedauerlich. "Mit Ihnen spreche ich nicht", wäre die angemessene Antwort auf Gesprächswünsche dieser Schmierfinken.“

Ich bin insoweit völlig anderer Meinung. Nur über Berichte der Mainstream-Medien kann Bekanntheit aufgebaut werden. Und wenn man nicht will, daß immer nur Lügen oder Halbwahrheiten verbreitet werden, zumal meist aus zweiter oder dritter Hand, schlimmstenfalls abgeschrieben von irgendwelchen PC-Wächtern, dann muß man selbst das Gespräch suchen, auch wenn man immer wieder schlechte Erfahrungen sammelt. Es gibt dann aber auch einmal Lichtblicke: Ich bin noch nie ein Freund des Mediums „Der Spiegel“ gewesen. Aber: Der „Spiegel“ hat sowohl Björn Höcke (Ausgabe 8/2017: „Warum nicht in die NPD, Herr Höcke?“) als auch Herrn Kubitschek (Ausgabe 6/2017: „Dissonantes Pathos“) ausführlich Gelegenheit gegeben, die eigene Position darzulegen. Dies ist meines Erachtens sehr viel mehr wert als eine vermeintlich saubere Haltung des „Mit Euch rede ich nicht“. Und: Der „Spiegel“ hat in seiner Ausgabe 51/2016 einen langen und inhaltsreichen Artikel über Ehepaar Kubitschek/ Kositza, Schnellroda usw. veröffentlicht („Der dunkle Ritter Götz“). Meines Erachtens ist der Autor (Tobias Rapp) jemand, der sich wirklich einmal bemüht hat, zuzuhören, zu verstehen und – soweit das aus einer politisch völlig anderen Weltsicht heraus möglich ist – alles in allem fair zu berichten. Ein solcher Artikel trägt meines Erachtens unbezahlbar viel dazu bei, politisch Aufgeschlossene, aber auch Indifferente oder sogar Gegner aus ihrem medial vermittelten politisch korrekten geschlossenen Weltbild herauszuholen, sie für die intellektuelle Opposition positiv zu interessieren und insoweit einen wahrhaft „heilsame(n) Einbruch in die Realität“ solcher potentiellen Interessierten zu vollziehen. Die Print-Ausgabe des betreffenden „Spiegel“ ist meiner Kenntnis nach vergriffen, im Netz befindet sich der Artikel hinter einer Bezahlschranke; die 39 Cent, für die der Artikel freigeschaltet wird, sind ausnahmsweise wirklich einmal gut angelegt. Mich würde interessieren, wie Herr Kubitschek und Frau Kositza zu diesem Artikel stehen. Eine Reaktion wie die (völlig berechtigte) harsche Stellungnahme vom 19.4.2016 in SiN („Die FAZ über Kositza und Kubistschek – Lückenpresse zu Besuch“) zu dem damals aktuellen FAZ-Artikel ist jedenfalls bislang nicht erfolgt. Da ich der Überzeugung bin, daß häufig weniger das Medium als vielmehr die Person des jeweiligen Journalisten der entscheidende Faktor für die Güte und Fairneß eines Berichts ist, würde ich mir wünschen, daß Herr Kubitschek und Frau Kositza den Kontakt zu Tobias Rapp aufrechterhalten (können). Das Interview zur Höcke-Rede dürfte doch wohl schon eine erste Frucht des Artikels aus "Spiegel" 51/2016 gewesen sein.

 

Cacatum non est pictum
4. März 2017 20:13

@Der Feinsinnige

Volle Zustimmung meinerseits. Björn Höcke mußte meines Erachtens zurückrudern, um weiteren Schaden von seiner Person und der AFD abzuwenden. Dies ist meines Erachtens ein Zeichen von Klugheit.

Den Schaden richten bei der AfD ganz andere an, selbst in dieser Causa. Die Rede - die ich übrigens grandios fand - hätte zwei Wochen später niemanden mehr aufgeregt. Aber die eigenen Parteikollegen haben sie ins Licht der Öffentlichkeit gehoben, um daraus intern Kapital zu schlagen und Höcke ins Abseits zu manövrieren. Das war ein wuchtiger Spaltungsversuch und er hat seine Wirkung nicht verfehlt: Der AfD, die nunmehr das Klischee des zerstrittenen Haufens bediente, sind vorerst potentielle Wähler von der Fahne gegangen.

Nur über Berichte der Mainstream-Medien kann Bekanntheit aufgebaut werden. Und wenn man nicht will, daß immer nur Lügen oder Halbwahrheiten verbreitet werden, zumal meist aus zweiter oder dritter Hand, schlimmstenfalls abgeschrieben von irgendwelchen PC-Wächtern, dann muß man selbst das Gespräch suchen, auch wenn man immer wieder schlechte Erfahrungen sammelt. Es gibt dann aber auch einmal Lichtblicke:

Ich bin noch nie ein Freund des Mediums „Der Spiegel“ gewesen. Aber: Der „Spiegel“ hat sowohl Björn Höcke (Ausgabe 8/2017: „Warum nicht in die NPD, Herr Höcke?“) als auch Herrn Kubitschek (Ausgabe 6/2017: „Dissonantes Pathos“) ausführlich Gelegenheit gegeben, die eigene Position darzulegen. Dies ist meines Erachtens sehr viel mehr wert als eine vermeintlich saubere Haltung des „Mit Euch rede ich nicht“.

Auch hier bin ich eher anderer Meinung. Sie dürfen nicht vergessen, dass alle größeren Medienverlage in der Hand von Globalisten sind. Die werden niemals zulassen, dass der politische Gegner stark gemacht wird. Schauen Sie, was in den USA passiert: New York Times und Konsorten hetzen unausgesetzt gegen Trump, obwohl der gewiss einen großen Teil des Volkes hinter sich weiß. Es wird dort keinen Paradigmenwechsel geben, und das gilt natürlich auch für Spiegel, FAZ, Welt usw.

Der Artikel von Tobias Rapp war sauberer Journalismus, keine Frage. Ob er aber Unentschlossene für die Neue Rechte begeistern wird? Da bin ich mir nicht so sicher. Und das Höcke-Interview war ein einziges Inquisitionstribunal. Es wurden Gesslerhüte ohne Ende geworfen, und nicht allen konnte Herr Höcke ausweichen. Nein, mit solch einem Gegner redet man nicht!

Schneekette
4. März 2017 21:03

@Cacatum; Der_Jürgen; RHM et al.

1. Es wäre die absolut richtige Strategie mit der Lügenpresse nicht zu reden. Wie es Pegida anfangs ganz bewusst nicht tat. Da hatten wir sie beinahe. Die Memprägung "Lügenpresse" war unermesslich wertvoll. Allerdings haben "Konservative" ohne Not wieder zurückgerudert. "Lückenpresse"- meine Fr... so ein Quatsch. Es ist leider ein sehr typisches Merkmal vieler Konservativer, eigentlich doch von den "Stärkeren" akzeptiert werden zu wollen. Hackordnungsmenschen, leider.

2. Nachdem das Kind im Brunnen war (und Höcke hat es selbst dorthin ohne Not befördert - unter typisch fieser Mithilfe von "Parteifreunden", sicher), hat Höcke seine Sache in den Interviews recht gut gemacht. Auch finde ich nicht, dass er allzuviele Gesslerhüte gegrüßt hat. Letztlich bestand dann keine Wahl mehr und er hat seine Sache recht gut gemacht - genauso wie Kubitscheck, genauso wie Lichtmesz in der Fernsehrunde etc. Ganz verzichtbar ist es vielleicht nicht, den "Medien" Interviews zu geben. In der Lage, direkt mit dem Volk zu kommunizieren - und nur darüber mit den Medien, die dann ja gerne schreiebn können, was eh absehbar ist - wie Trump über Twitter, sind wir wohl noch nicht. Aber die Methode ist genial - denn sie stellt die Trennung zwischen Meldung und absehbarem Kommentar selbst dar. Und der absehbare Kommentar nervt inzwischen viele und es werden mehr. Die unermessliche angenervtheit hat Trump zum Sieg verholfen.

3. Höcke hat leider seiner Sache schweren Schaden zugefügt. Lassen Sie mich das bitte ausführen: Es kann unter den jetzigen Bedingungen nur um Fundamentalopposition und um eine soziale Note, d.h. um einen politischen Platz für die normalen deutschen oder vollintegrierten Arbeiter (den gibt es nämlich nirgends mehr - Marktlücke!) gehen. Das war die Position von Höckes Flügel. Es geht schlicht um alles, d.h. den Fortbestand von Deutschland überhaupt. Ein nationalstaatliches und soziales Deutschland (nicht voneinander zu trennen!) ist conditio sine qua non. Insofern ist dieser Flügel nicht der "fundi"-Flügel, sondern der "condition sine qua non"-Flügel! Bedauerlicherweise hat Höcke mit der Vergangenheitsbewältigung ein Lieblingsthema der Konservativen aufgegriffen - ein Thema was im Moment schlicht nicht dran ist. Die Idee dahinter ist der an sich richtige Ansatz, dass dieses Thema der Archimedische Hebel ist, der vom System gegen die Menschen angesetzt wird. Allerdings bedeutet dies nicht, dass dies der Hebel ist, den die Menschen gegen das System ansetzen können. Es ist unerklärlich, warum Höcke diesen Versuch erneut gestartet hat, nachdem sich an diesem Thema bereits dutzende Konservative die Finger verbrannt haben, nachdem auch sie meinten, endlich das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Dieses Ei ist vergammelt. Pardon, kann das endlich mal einer merken? Es wäre nicht notwendig gewesen. Obengenannte Themen lassen sich ohne Vergangenheitsdebatte mit völlig vorhersehbarem Ausgang diskutieren. Die Themen liegen auf dem Präsentierteller. Marklücken sondergleichen! Ich habe keine Ahnung, ob das Anligen des fundamentalen und sozialen Flügels nach diesem vorhersehbaren Fehler noch zu retten ist. Damit hat Höcke ohne Not schwersten Schaden angerichtet und sich seinen Parteifeinden und dem System auf dem Präsentierteller dargegeben. Warum ein intelligenter Mann erneut auf diesen schon dutzendfach wiederholten Fehler kam und warum ihm nicht davon abgeraten wurde, ist mir unerklärlich.

Eisriesen am Horizont
4. März 2017 22:38

Die Erzählungen von Autoren wie Dick lesen sich fantastisch, wenn man sie mit ergänzender Fachliteratur daneben aufschlägt. Immernoch lesenswert und keineswegs überholt sind einzelne Ausgaben der Schriftenreihe Innere Führung der Bundeswehr aus den Sechziger Jahren. Das Heft 1 der Reihe "Psychologische Waffen" beispielsweise. Ein in Alter und Machart passender Film ist hier zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=mJ696YvtwfE

Es gibt allerdings zahlreichere neuere und deutlich fundiertere Schriften zum Thema.

Solution
4. März 2017 23:56

Ich habe es schon oft gesagt: Interessant wird die "Partei", die   n a c h  der AfD kommen wird. Die wird in dem Bewußtsein antreten, daß die AfD die letzte Partei war, die das Ruder hätte herumreißen können. 

Rabenfeder
5. März 2017 03:02

@ Schneekette

Sie schreiben: „Es ist unerklärlich, warum Höcke diesen Versuch erneut gestartet hat,(...)“

Weil es immer wieder neu notwendig und richtig ist, den Versuch zu starten. Heute – Morgen – nächste Woche - vor der Wahl - nach der Wahl.

Der „Dieser oder Jener hat unserer Sache arg durch seine Wortwahl geschadet! Lasst uns jetzt schleunigst alle brav und untertänigst zusammenzucken und uns vorbeugend beugend und pflichtschuldig vom Sünder distanzieren!“ -Kappes wird vom ewigen wiederkäuen auch nicht schmackhafter.

Es wurde ja auch auf Sezession schon oft angemahnt: Man muss auch Provokationen aus den eigenen Reihen aushalten können. Zwar muss es neben der Provokation selbstverständlich auch noch eine „weichere“ Arbeit an uns als einem schlimm gehirngewaschenem Volke geben, aber deshalb darf man sich doch niemals dem Schuldkult unterwerfen, auch nicht aus taktischen Motiven.

Unabhängig davon, dass im heutigen Irrenhaus Deutschland schon eine simple Äußerung des gesunden Menschenverstandes offenbar hochgradig provozierend wirkt, so sollte man einmal beim Gegner nachschauen, wie der mit seinen „härteren“ Buben umgeht.

Man schaue sich doch die aktuelle Posse mit dem Hassknilch Deniz Yücel an. Dieser Freund der Deutschen

https://www.taz.de/!5114887/

der auch mit seinen Ausfällen gegen Thilo Sarrazin klare Kante zeigte - .Welch' ein Land! Was für Männer! - soll uns nun in seinem schrecklichen Los im Reich der Finstermänner vom Bosporus zu Herzen gehen.

Und nun vergleiche man bitte einmal die unerträgliche Wortwahl des Sünders Höcke mit den zarten Worten dieses „deutschen“ Journalisten, die ja lediglich polemisch gemeint waren und zum Nachdenken anregen sollten.

So schützt der Feind seine Provokateure. Gute Güte! (Oder der wurde absichtlich in die Türkei geschickt, um... Aber lassen wir das. ; )

@ Cacatum non est pictum

Sie schreiben: „Ich? Ich beziehe Hartz IV, sitze den ganzen Tag mit Feinripp-Unterhemd vor meinem riesengroßen Flachbildfernseher und trinke dabei Dosenbier.“

Ich beziehe zwar (noch?) kein Hartz IV, habe auch nur einen 10 Jahre alten „Flachbildschirm“ mittlerer Größe und trinke auch kein Dosenbier, sitze aber mitunter tatsächlich im Unterhemd vor der Glotze (weniger) bzw. vor dem PC (häufiger). Ich stinke nach gewöhnlichem Volk!

Im Gegensatz zu dem bekannten Phänomen unter linksliberalem und gehobenem Publikum, die links denken, aber rechts leben, lebe ich eher linkes Multikulti und denke doch weitgehend rechts.

Wie das möglich ist?

An Multikulti bin ich seit meiner Kindheit in den 70ern gewöhnt; während im Vorstadt-Oberdorf einer rheinischen Metropole noch peinlich darauf geachtet wurde, unter Deutschen zu bleiben, waren wir im Unterdorf bereits in der deutlich spürbaren Minderheit. Mit nur wenig bösem Willen kann ich das auch „denen da oben“ ankreiden, die sich die Bereicherung (vieles bereichert tatsächlich) / das Problem (mein Vater ahnte schon damals, wohin die Reise ging) natürlich nicht in die eigene Nachbarschaft pflanzte.

Doch an einem (ver-)zweifelten wir auch unter „Fremden“ (von denen manche nicht fremd blieben) nicht: Wir waren deutsch und durchaus stolz darauf!

Worauf ich hinaus will? Wer unsere Sorte Volk ansprechen und mobilisieren will, kann oder muss dies sogar mit deutlichen Worten tun und auch vor vermeintlichen oder tatsächlichen Provokationen nicht zurückschrecken. Wer die gehobenere Bürgerschicht ansprechen will, muss vielleicht etwas vorsichtiger agieren.

Beides ist notwendig. Wenn mir noch eine Bemerkung zu einem anderen Themenstrang erlaubt ist:

Ich halte die kurze, aber harte Gefechtsberührung von Herrn Grambauer und Raskolnikov neulich für einen der interessantesten Momente seit ich Sezession lese.

In diesem Schlagabtausch klingt soviel mehr an, als eigentlich gesagt wurde. Unter Schlägen tauscht sich da die deutsche Seele aus. Siehe da: Das Problem der Magie der deutschen Männer...

Schneekette
5. März 2017 08:49

@Rabenfeder

WEIL ES NICHT FUNKTIONIERT !!!

Der_Jürgen
5. März 2017 09:51

Vermutlich lesen es ja nicht mehr viele, aber ich möchte zum Schlagabtausch zwischen @Schneekette und @Rabenfeder noch einen Kommentar anbringen.

Beide haben recht, so wie beim kürzlichen Titanenkampf zwischen Raskolnikow und Grambauer beide recht hatten. Jeder sagte in einem wichtigen Punkt die Wahrheit. Der Schneekette ist beizupflichten, wenn sie darauf hinweist, dass man mit einer Hinterfragung des Schuldkultes unter den heutigen Umständen keine Mehrheiten hinter sich bringt, sondern grosse Volksteile vor den Kopf stösst.

Der Feinsinnige
5. März 2017 12:04

Ich möchte versuchen, zum eigentlichen Thema des Artikels, vor allem dem Thema des verlinkten brillanten Vortrags von Prof. Mausfeld zurückzukehren.

Zunächst drei kurze Zitate aus dem Vortrag, die lediglich beispielhaft für die zahlreichen messerscharf formulierten Gedanken und Sätze stehen sollen, die in dem Vortrag enthalten sind:

ab ca. Minute 21.20: „Der öffentliche Diskurs, der zur Demokratie gehört, ist mittlerweile ersetzt worden durch eine skrupellose psychologische Kriegsführung. Das ist die Situation, die wir gegenwärtig haben.“

ab ca. Minute 23.00: „Das heißt, die Eliten wissen genau, wie können sie unsere Entscheidungen manipulieren, und wir haben nicht einmal mehr das Wissen darüber, welches Wissen die Eliten eigentlich dabei nutzen.“

ab ca. Minute 23.55: „Wir haben relativ schlechte Karten, wenn wir uns nicht in gleicher Weise kundig darüber machen, welche Schwachstellen unseres Geistes werden eigentlich für diese Techniken ausgenutzt."

Ein Aspekt sollte meines Erachtens nicht übergangen werden, auch wenn es zynisch erscheinen mag: Wer Einfluß gewinnen will und wer Macht ausüben will - und ich gehe davon aus, daß unser Lager dieses Ziel hat – sollte sich diesen Vortrag gut anhören und intensiv darüber nachdenken, und zwar nicht nur, um die Strategien und Techniken der derzeit herrschenden „Eliten“ zu durchschauen, sondern weil der eigene politische Kampf wohl oder übel darauf angewiesen sein wird, die in dem Vortrag beschriebenen Techniken der psychologischen Kriegsführung (wenigstens einige und natürlich mit anderen Inhalten) auch selbst anzuwenden, und sei es nur, um dem zur Zeit noch mächtigen Gegner nicht nur gewachsen zu sein, sondern ihm überlegen zu werden.

Vielleicht bleibt in diesem Strang noch Zeit, über diesen Gedanken zu diskutieren, sonst sicher an anderer Stelle.

Abschließend kann ich mir eine Antwort @Tweed doch nicht verkneifen:

Ehrlichen und ernstlichen Dank für die Aufklärung über den Sinn und Zweck der Fliegen in den Männerpissoirs. Ich persönlich (mit Abitur und Hochschulabschluß) hatte das bis zur Lektüre Ihres Beitrags tatsächlich noch nicht begriffen, und das, obwohl mein Fahrlehrer bei entgegenkommenden Fahrzeugen immer wieder sagte: "Willst Du ihn treffen, guck ihn an!". Man lernt nie aus. :)

Cacatum non est pictum
5. März 2017 15:40

@Rabenfeder

An Multikulti bin ich seit meiner Kindheit in den 70ern gewöhnt; während im Vorstadt-Oberdorf einer rheinischen Metropole noch peinlich darauf geachtet wurde, unter Deutschen zu bleiben, waren wir im Unterdorf bereits in der deutlich spürbaren Minderheit. Mit nur wenig bösem Willen kann ich das auch „denen da oben“ ankreiden, die sich die Bereicherung (vieles bereichert tatsächlich) / das Problem (mein Vater ahnte schon damals, wohin die Reise ging) natürlich nicht in die eigene Nachbarschaft pflanzte.

Ich vermag keine Bereicherung zu erkennen. Sicher: Das kulinarische Imbissangebot ist größer geworden, und hierin sehe ich tatsächlich einen Vorteil. Aber wiegt das die schweren Nebenfolgen der Masseneinwanderung auf? Wohl kaum. Wer fremde Kulturgebräuche kennenlernen will, der reise um die Welt und verschaffe sich einen direkten Eindruck. Mit Pauschalurlaub an einem Hotelpool ist das natürlich nicht zu bewerkstelligen.

Gestern Abend habe ich meine Blicke durch die Vergnügungsmeilen meiner Heimatstadt schweifen lassen. Das Bild wird immer betrüblicher. Überall Horden von nahöstlich oder afrikanisch aussehenden jungen Männern, die wie Pfauen durch die Straßen stolzieren. Das Aggressionspotenzial quillt aus jeder Pore ihrer Gesten. Die "deutschen" Partygänger fielen dagegen kaum ins Gewicht. Sie bewegten sich meist in Kleingruppen unauffällig durch die Innenstadt.

Nun habe ich erst vor wenigen Jahren erkannt, dass diese Zustände eine gesellschaftlich-kulturelle Katastrophe darstellen. Vorher war es mir einfach nicht geläufig. Mit den Ansätzen multikultureller Lebensumstände bin ich schon aufgewachsen, und mein engeres Umfeld hat das stets als normal begriffen. Die rosa Brille musste ich mir in Eigenregie absetzen. Heute habe ich den Abgrund klar vor Augen, auf den wir zusteuern.

Die großen Einwanderergruppen aus dem muslimischen Kulturkreis stehen uns Einheimischen mehrheitlich als Feinde gegenüber. Das wird Tag für Tag deutlicher. Meine Frau kann die Belästigungen und Beleidigungen kaum noch zählen, die sie - etwa beim Einkaufen - von Menschen aus jenem Spektrum immer wieder erleidet.

Ethnische Homogenität ist ein Segen. Das weiß ich inzwischen. Und wer sie bewusst zerstört, ist nicht tolerant, weltoffen oder gutherzig, sondern: bestenfalls ein Idiot und schlimmstenfalls ein Verbrecher.

@Der_Jürgen

Ihren Kommentar habe ich noch vor der unsäglichen Kürzung gelesen und stimme ihm, wie so oft, zu. Allerdings wäre Ihr fiktiver Märtyrer trotzdem zum Scheitern verurteilt: Die Massenmedien würden ihm das Gehör verweigern und alle Kommunikationskanäle abschotten.

kommentar kubitschek:
sehen Sie, und das ist der grund für die unsägliche kürzung. wieso den völlig gescheiterten weitere nachschicken? ich bin strikt gegen die verengung der handlungsmöglichkeiten und sehe manches aus der vergangenheit und in der gegenwart prinzipiell anders als jürgen und co.

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