19. April 2017

Ethnozentrismus, Ethnopluralismus, Universalismus

von Martin Sellner / 1 Kommentare

Vorbemerkung: Es ist das Verdienst Martin Sellners, den Begriff "Ethnopluralismus" und das dahinterstehende Konzept für die Identitäre Bewegung nutzbar gemacht zu haben. Sein hier vorliegender Text aber erfährt Kritik:

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Dieser Beitrag hat mehrere Seiten:

  • Seite 1
  • Seite 2
  • Premium-Artikel

    Diesen Beitrag kann nur lesen, wer ein Abonnement gezeichnet hat - entweder für die Druckausgabe oder nur für dieses Netz-Tagebuch.

    Sie sind noch kein Abonnent? Wählen Sie hier Ihr Abonnement.

    Sie sind bereits Abonnent? Melden Sie sich an:

    Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

    Kommentare (1)

    Zadok Allen
    09. März 2017 09:58

    Mir sagt die im vorliegenden Beitrag entwickelte ideengeschichtliche Analyse überhaupt nicht zu. Einige Einwände und Gegenargumente, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und letzten gedanklichen Schliff:

    1. Wenn man "Nationalismus" etwas weniger terminologisch versteht als Herr Sellner es im Anschluß an eine m.E. vernebelnde Forschungstendenz tut, handelt es sich bei ihm keineswegs um ein "zutiefst europäisches und zutiefst modernes Phänomen". Er ist vielmehr Ausdruck der geradezu banalen Politisierung von Großgruppen bzw. der Identifikation des Gruppenangehörigen mit den Interessen seiner Gruppe. Es lassen sich hunderte Zeugnisse des so verstandenen Nationalismus aus der Vormoderne aus ganz Europa beibringen; ich verweise nur pars pro toto auf Luthers einschlägige Äußerungen.

    2. Ich möchte mich strikt dagegen verwahren, ausgerechnet Hegel, den Zertrümmerer der Aufklärung und schärfsten Gegner des chiliastischen Universalismus, als Parteigänger desselben in Anspruch zu nehmen. Sein Denken ist turmhoch über diesen geistigen Kehricht erhaben. Logenbruder Fichte mag man allenfalls in dieses Lager rechnen, gleichwohl war er auch von anderen Gedanken bestimmt.

    3. Die zitierten Ausführungen Fichtes sind nicht Ausdruck des deutschen Nationalismus als solchen, sondern sind der <i>Mystik der deutschen Nation</i> zuzurechnen, wie sie im Zuge der Befreiungskriege von etlichen unserer Größten (nicht zuletzt Hölderlin) entfaltet wurde. Und gerade mit diesen Aussagen hat Fichte recht! Wir sehen doch in erschreckender Deutlichkeit, wie auf den Vernichtungskrieg gegen Deutschland der Untergang der (wohlverstanden: europäischen) Menschheit gefolgt ist! Fichte spricht dieselbe Intuition aus, wie wir sie im "Lied der Linde" formuliert finden: "Krankt das Herz, siecht ganzer Körper hin. / Deutschlands Elend ist der Welt Ruin." Auch bis in die Höhlen wird es kein weiter Weg mehr sein.

    4. Der Glaube an die "Auserwähltheit" der eigenen Nation ist Bestandteil eines jeden Nationalismus, sofern man diese Auserwähltheit eben als das Ausfüllen des Platzes versteht, auf den die jeweilige Großgruppe gestellt ist. (Man mag dies als schwache Lesart des Begriffs "Sendungsbewußtsein" bezeichnen.) Im deutschen Falle drückt sich dieser Platz nebst zugehöriger Funktion sehr gut in der Herz-Metapher aus.

    5. Die Begrifflichkeit des Eurozentrismus ist in toto abzulehnen. Die bloße Tatsache, daß wir von Eurozentrismus sprechen können, stellt das Ergebnis der in der abendländischen Geistesgeschichte seit frühesten Zeiten angelegten weit überdurchschnittlichen Neigung zur Reflexion und Selbstobjektivierung dar. (Vgl. bereits die "Perser" des Aischylos.) Um vielleicht noch genauer zu sprechen: "Eurozentrismus" ist einer der Modebegriffe, die sich in sich selbst verschlingen. Ihn zu gebrauchen, heißt seine Geltung zu negieren, denn im Wesen des europäischen Geistes liegt eben seit jeher Polyperspektivität und eine gewaltige Ambiguitätstolerenz.

    6. Schließlich kann ich nicht (mehr) glauben, daß die antideutsche Geschichtsmetaphysik viel mehr ist als ein Knochen, den die Machthaber den Rängen ihrer Adlaten und Paladine hingeworfen haben, auf daß diese sich darum katzbalgen und aus seinen Splittern Geßlerhüte für die Normalbevölkerung errichten. Daß insbesondere Merkel eine eiskalte Machiavellistin ist, die die Rationalität ihres Handelns um Verrecken nicht einer ideologischen Affiliation opfern würde, sollte doch inzwischen offensichtlich sein. Die Lebenslüge von den "naiven, unfähigen Politikern" ist Arme-Leute-Denke, die wir uns nicht mehr leisten können.

    Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.