Hypergamie und Einsamkeit: Kositza über Devlin

Der US-Kulturphilosoph F. Roger Devlin ist Lesern der Sezession im Netz kein Unbekannter: Bereits im Oktober 2015 erschien eine Übersetzung seines Essays »Die Ursprünge der deutschen Selbstverbrennung«.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Nun ist Dev­lin Antai­os-Autor. Sein Werk Sexu­al Uto­pia in Power. The Femi­nist Revolt Against Civi­liz­a­ti­on erschien erst­mals 2015 bei Coun­ter-Cur­r­ents in San Fran­cis­co; seit ver­gan­ge­nem Frei­tag ist nun die deut­sche Fas­sung unter dem Titel Sex, Macht, Uto­pie lie­fer­bar. Es han­delt sich dabei um eine Samm­lung grund­le­gen­der Tex­te aus den Jah­ren 2006 bis 2015, die sich the­ma­tisch von nüch­tern-öko­no­mi­schen Aspek­ten der klas­si­schen Ehe bis hin zu Fra­gen eines mög­li­chen stam­mes­ge­schicht­li­chen Rück­schlags im Sexu­al­ver­hal­ten der west­li­chen Industriegesellschaften.

Ellen Kositza, die sich für ihre Ein­zel­fal­le selbst inten­siv mit der Geschich­te und den skur­ri­len Blü­ten des zeit­ge­nös­si­schen Femi­nis­mus befaßt hat, betreu­te das Pro­jekt von Anfang an. In ihrem mitt­ler­wei­le bereits 18. Lite­ra­tur­vi­deo stellt sie die Antho­lo­gie vor und kommt dabei beson­ders auf Dev­lins Ana­ly­sen des Frau­en­bilds in der ame­ri­ka­ni­schen (und das bedeu­tet: mit ein paar Jah­ren Ver­zö­ge­rung auch unse­rer) Pop­kul­tur zu sprechen.

Was hat es mit der weib­li­chen Hyper­ga­mie auf sich, dem instink­ti­ven Bedürf­nis, sich im Hin­blick auf sozia­len Sta­tus “nach oben zu paa­ren”? Und wie wur­de aus der erträum­ten “Frei­heit zu” der soge­nann­ten sexu­el­len Revo­lu­ti­on eine “Frei­heit von” allen Bin­dun­gen, die unterm Strich allen Betei­lig­ten nichts als ver­mehr­te Ein­sam­keit gebracht hat? Dev­lin gibt unan­ge­neh­me Ant­wor­ten auf Fra­gen, die heu­te nie­mand mehr stellt, weil alles irgend­wie selbst­ver­ständ­lich gewor­den ist – und er plä­diert aus­drück­lich für eine Rück­kehr zum klas­si­schen Familienbild.

Das aber nichts für Kon­ser­va­ti­ve, denn zum Kon­ser­vie­ren ist nichts mehr übrig. Scho­nungs­lo­se Ein­bli­cke fin­den sich in Sex, Macht, Uto­pie zuhauf – Ellen Kositza gibt einen Einblick!

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F. Roger Dev­lin: Sex, Macht, Uto­pie, Schnell­ro­da 2017. 304 Sei­ten, 22 Euro – hier ein­se­hen und bestellen!

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (3)

Der Gehenkte

20. März 2017 16:20

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Ihre Töchter, Frau Kositza, vom schauen der "Gossip Girls" tatsächlich verdorben werden. Devlin kann das - ebenso wie die Bratz-Puppen und "Cosmopolitan" - doch nur als Chiffre gemeint haben. Der Cosmopolitan-Style ist doch tatsächlich überall.Und selbst als Chiffre ist das Argument allzu einfach.

Mir scheint es hingegen wichtig, sich diesen Realien zu stellen, die Konfrontation bewußt zu suchen und eine Gegenwelt zu schaffen, die stärker und überzeugender ist und mit den Kindern darüber - ganz unaufgeregt und nicht belehrend - immer wieder und in allen Formen zu sprechen und zu handeln, ja, ihnen sogar die Wahl zu lassen. Bei diesem Konzept wird sich das Wahre und Richtige in der Regel durchsetzen.

Unsere Tochter spielte auch mit Barbiepuppen und kleidete sich "seltsam". Irgendwann, aber schon sehr früh, hatten wir den Kampf aufgegeben und sie frei gelassen. Sie ist ganz anders geworden als wir. Trotzdem: Heute abonniert sie ganz unabhängig von uns die "Sezession", liest wie eine Verrückte und gibt das wirkliche Leben an andere Kinder weiter … auch – da nicht anders möglich - mit Barbiepuppen …

Monika L.

20. März 2017 18:44

Es ist hohe Zeit für einen antifeministischen 'Klassiker'. Ein Gegengewicht zu Beauvoirs " Das andere Geschlecht" oder Schwarzers " Der kleine Unterschied". Devlins Buch ist sicher ein Schritt in diese Richtung ( könnte man etwas über seinen philosophischen Hintergrund, seine geistige Ausgangsposition erfahren ? ) Ich warte trotzdem irgendwie auf einen antifeministischen Donnerschlag. Eine Befreiung der Frau  von dem Verdammtsein zur ( vor allem  sexuellen ) Freiheit. Es gibt nichts Traurigeres als ältere Feministinnen. Deren Lebensleistung u.a, darin besteht, bei einem "lustvollen Sexualleben ' nur' zwei Abtreibungen gehabt zu haben" ( O-Ton Jutta Ditfurth) . 

Es müßte eine Bilanz des Feminismus gezogen werden. Und mir fällt immer nur der Titel ein: Die verlorene Tochter. 

Antifeminitische Literatur ? Otto Weininger und Nietzsche ? Da werde ich nicht so recht fündig. Eher bei Gertrud von le Fort :

https://www.gertrud-von-le-fort-gesellschaft.de/Nicht_mitzuhassen-_mitzulieben_bin_ich_da.pdf

Aber, das ist ein weites Feld. Ich gestehe: Manchmal war ich froh, dass ich nur Söhne habe und keine Tochter. Und die stehen beide nicht auf gossip girls oder Dummbratzen. Gar nicht so einfach für die heutigen Jungs, ein ' normales' Mädchen zu finden.

Irgendwann sagte mein Sohn mal: " Ich will keine Frau, die nur mit mir ins Bett will".  Da bin ich fast erschrocken: " Die gibt es tatsächlich ?" 

Solution

20. März 2017 21:00

Endlich. Das Buch ist ein absoluter Hammer. Es deckt sich mit meinen Lebenserfahrungen und theoretischen Studien.

Das Buch ist gut geschrieben und gut zu lesen. Gelegentlich hat der Verfasser auch eine gewisse Art Humor, wo es angebracht ist. Ich kann nur jedem dieses Buch empfehlen, da es uns alle angeht. 

Es ist die   r e i n e   Wahrheit!

Die ersten Exemplare sind geordert. Sie werden manchen zum Toben bringen, andere begeistern.

Drei Bücher sollte man zum Thema gelesen haben:

1. Das Buch von Devlin

2. Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon - Mann und Frau als evolvierte Menschentypen

3. Roderick Kaine: Smart and SeXy -The Evolutionary Origins and Biological Underpinningsof Cognitive Differences between the Sexes

Ich hoffe, daß das Buch von Kaine auch seinen deutschen Verleger finden wird, wenngleich es dem Leser einiges abverlangt.

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