Das falsche Wir

Zu den seltsamen Widersprüchen der Gegenwart gehört es, daß ausgerechnet eine ins Ich verliebte, atomistische Gesellschaft ständig das Wort »wir« im Munde führt. In der ersten Person Plural, regelmäßig verwoben mit dem besitzanzeigenden »unser« und häufig garniert mit so schönen Worten wie »gemeinsam«, »vereint« oder »zusammen«, intoniert man die vermeintlichen Wirwerte, nach deren Pfeife die vielen Ichs zu tanzen haben. Man spricht von »unserem Toleranzverständnis«, beklagt einen »Angriff auf unsere Demokratie« und definiert »unser Verhältnis« zu Rußland, zu den USA oder zum Islam. Mittels eines allen und jeden umarmenden pluralis majestatis wird von der elektronischen Kanzel verkündet, »wir« müßten das begrüßen und jenes ablehnen, »wir« müßten diesen Anfängen wehren und für jene Ziele aufstehen, usw. usf.

 Gastbeitrag

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Zu den selt­sa­men Wider­sprü­chen der Gegen­wart gehört es, daß aus­ge­rech­net eine ins Ich ver­lieb­te, ato­mis­ti­sche Gesell­schaft stän­dig das Wort »wir« im Mun­de führt. In der ers­ten Per­son Plu­ral, regel­mä­ßig ver­wo­ben mit dem besitz­an­zei­gen­den »unser« und häu­fig gar­niert mit so schö­nen Wor­ten wie »gemein­sam«, »ver­eint« oder »zusam­men«, into­niert man die ver­meint­li­chen Wir­wer­te, nach deren Pfei­fe die vie­len Ichs zu tan­zen haben. Man spricht von »unse­rem Tole­ranz­ver­ständ­nis«, beklagt einen »Angriff auf unse­re Demo­kra­tie« und defi­niert »unser Ver­hält­nis« zu Ruß­land, zu den USA oder zum Islam. Mit­tels eines allen und jeden umar­men­den plu­ra­lis maje­s­ta­tis wird von der elek­tro­ni­schen Kan­zel ver­kün­det, »wir« müß­ten das begrü­ßen und jenes ableh­nen, »wir« müß­ten die­sen Anfän­gen weh­ren und für jene Zie­le auf­ste­hen, usw. usf.

Die­se still­schwei­gen­de Ver­ein­nah­mung des Bür­gers für Posi­tio­nen, die er häu­fig noch nicht ein­mal rich­tig kennt, geschwei­ge denn befür­wor­tet, kann als außer­or­dent­lich erfolg­rei­che Poli­tik­stra­te­gie bewer­tet wer­den. Sie nutzt die Gefühls­welt einer Mas­sen­ge­sell­schaft aus, die – nicht nur auf öko­no­mi­schem Gebiet – immer mehr von den ego­ma­ni­schen Flieh­kräf­ten der Moder­ne gekenn­zeich­net ist, sich aber in ihren see­li­schen Tie­fen­schich­ten noch nicht von gemein­schafts­ori­en­tier­ten Struk­tu­ren ver­ab­schie­det hat. Das in der Öffent­lich­keit sug­ges­tiv insze­nier­te Wir ver­dankt sei­ne Durch­schlags­kraft also letzt­lich einer Art kol­lek­ti­ven Phan­tom­schmer­zes: Men­schen, die kei­ne Lie­der mehr zusam­men sin­gen, aber noch zu spü­ren schei­nen, daß ihnen die mate­ria­lis­ti­sche Ich­welt von heu­te eine wesent­li­chen Facet­te ihres Mensch­seins vor­ent­hält, nei­gen zu poli­ti­schen und kul­tu­rel­len Inhal­ten, die in einem sol­chen gemeinschafts(t)imulierenden Design prä­sen­tiert werden.

Dabei scheut das »Gezücht unse­rer kon­sen­si­tiv geschlos­se­nen Öffent­lich­keit« (Botho Strauß) auch nicht davor zurück, unter­schwel­lig an den – hor­ri­bi­le dic­tu – ver­fem­ten Geist der Volks­ge­mein­schaft zu appel­lie­ren, wenn es beim Trans­port libe­ra­lis­ti­scher Lebens­lü­gen eng zu wer­den droht. Nicht anders kann die bemer­kens­wer­te Hart­nä­ckig­keit erklärt wer­den, mit der bei­spiels­wei­se in den unsäg­li­chen Talk­shows Inter­es­sen­gleich­heit im (Wahl-)Volk unter­stellt wird, wo kei­ne (mehr) besteht. Es ist jeden­falls schlicht lächer­lich, in bezug auf die Lebens­ent­wür­fe zum Bei­spiel eines alt­mo­disch-hete­ro­se­xu­el­len Ehe­paars, das sei­ne deut­schen Kin­der auf dem Lan­de groß­zieht, einer­seits und einer kin­der­los-moder­nen, homo­se­xu­el­len Ein­zel­exis­tenz in der Mul­ti­kul­ti-Groß­stadt ande­rer­seits von einer iden­ti­schen oder auch nur ähn­li­chen Erwar­tungs­hal­tung an das, was ein Staat leis­ten kann oder soll, aus­zu­ge­hen. Das ficht aber die Mata­do­re der media­len Sinn­ver­mitt­lung nicht an. Nach dem Mot­to »Sou­ve­rän ist, wer den Sach­ver­halt defi­niert« (Hel­mut Schelsky) wer­den aggres­si­ve Min­der­heits­po­si­tio­nen gegen eine schwei­gen­de Mehr­heit in Stel­lung gebracht. Und wer schweigt, scheint zuzu­stim­men. Die­ser Satz aus dem römi­schen Recht (Qui tacet con­sen­ti­re vide­tur) gilt auch und gera­de in der »Zivil­ge­sell­schaft«, deren Erfolgs­ge­heim­nis nicht zuletzt dar­in besteht, daß sie die Are­na des öffent­lich insze­nier­ten, in der Regel abge­kar­te­ten Mei­nungs­kamp­fes als Sie­ger verläßt.

Die­se Tri­um­phe ver­mö­gen aber nicht dar­über hin­weg­zu­täu­schen, daß es sich bei der Vor­spie­ge­lung einer Wir-Ori­en­tie­rung ich-zen­trier­ter Inter­es­sen um eine struk­tu­rel­le Lüge, einen gigan­ti­schen poli­ti­schen Betrug han­delt. Denn jede Gemein­schafts­aus­rich­tung setzt ein Mini­mum an Homo­ge­ni­tät im Volk vor­aus. Und genau die­se Gleich­ar­tig­keit oder zumin­dest Ähn­lich­keit der Her­kunft, der Lebens­ver­hält­nis­se, der Gesit­tung und der kul­tu­rel­len Daseins­form – frü­her sprach man von einem Kanon – ist in den libe­ra­lis­ti­schen Stahl­ge­wit­tern des ver­gan­ge­nen Halb­jahr­hun­derts nach und nach ver­lo­ren gegan­gen. Ent­stan­den ist ein frag­men­tier­tes Nicht­ge­mein­we­sen, eine ent­seel­te Bil­lard­ku­gel­welt, in der sich die Men­schen nur noch berüh­ren, um sich sogleich wie­der abzu­sto­ßen. Ent­stan­den ist eine Gesell­schaft, deren ver­kopf­te Indi­vi­du­en ver­ges­sen haben, was in der deut­schen Phi­lo­so­phie von Her­der bis Rudolf Stei­ner, aber auch im Wer­ke Goe­thes oder Stif­ters noch als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt wur­de: das Auf­ein­an­der­be­zo­gen­sein von Ich und Wir, die durch kei­nen Miß­griff in die sozi­al­wis­sen­schaft­li­che Mot­ten­kis­te zu leug­nen­de Tat­sa­che, daß die Frei­heit des Ein­zel­nen als den­ken­der und han­deln­der Mensch gera­de nicht ein­ge­schränkt wird, wenn sie auf ein orga­ni­sches Gan­zes bezo­gen ist.

Ob die­ses Gan­ze nun fami­liä­rer, eth­ni­scher oder reli­giö­ser Natur ist, ist zunächst zweit­ran­gig. Wesent­lich ist, daß die – im Liber­tä­ris­mus unse­rer Tage fröh­li­che Urständ fei­ern­de – Idee von allein auf sich gestell­ten, frei schwe­ben­den Indi­vi­du­en, wel­che mit ande­ren nur zeit­lich begrenz­te Kos­ten-Nut­zen-Ver­bin­dun­gen ein­ge­hen, die mensch­li­che Natur und die Sehn­sucht des Ein­zel­nen nach einer Rück­ver­bun­den­heit mit der Gemein­schaft ver­kennt. Die Vor­stel­lung, mensch­li­che Bezie­hun­gen allei­ne nach dem Sche­ma eines juris­ti­schen Pri­vat­ver­tra­ges ord­nen zu wol­len, ist eine klas­si­sche Wohl­stands­idee. Sie grün­det in dem Irr­tum, daß ein höhe­rer öko­no­mi­scher Lebens­stan­dard dank des all­ge­gen­wär­ti­gen Schmier­stof­fes Geld in der Lage sei, gewach­se­ne sozia­le Sys­te­me zu erset­zen. Den Liber­tä­ren, deren geis­ti­ge Köp­fe – von Hop­pe bis Hayek – man sel­ten ohne Gewinn liest, muß man der Fair­neß hal­ber zugu­te hal­ten, daß es ihnen um einen poli­ti­schen Gegen­ent­wurf zu den in der Tat abschre­cken­den und den Gemein­schafts­ge­dan­ken per­ver­tie­ren­den Sozia­lis­men aller Cou­leur geht. Die­se anti­the­ti­sche, im Lich­te des 20. Jahr­hun­derts leicht nach­voll­zieh­ba­re Posi­ti­on bleibt indes auf hal­ber Stre­cke ste­cken: Denn der Befrei­ung des Indi­vi­du­ums aus den kol­lek­ti­vie­ren­den und die schöp­fe­ri­sche Kraft des Ein­zel­nen unter­drü­cken­den Zwangs­sys­te­men (»Frei­heit wovon«) muß ein Ziel fol­gen, das sich das Indi­vi­du­um setzt (»Frei­heit wozu«) – über die öko­no­mi­schen Haus­auf­ga­ben hin­aus und jen­seits der in der Regel für sich und ande­re wenig bekömm­li­chen Allein­fi­xie­rung auf die eige­ne Ichwelt.

Es gehört zu den ori­gi­nä­ren geis­ti­gen Leis­tun­gen der deut­schen Roman­tik, daß sie der in der Auf­klä­rung ent­stan­de­nen und durch die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on ver­schärf­ten Ver­trags­theo­rie ihren Gel­tungs­an­spruch beim Zustan­de­kom­men und dem Erhalt orga­ni­scher mensch­li­cher Bezie­hun­gen bestritt. Natur­haft ent­stan­de­ne Sozi­al­be­zie­hun­gen wie Ehe, Fami­lie, Stamm, Volk sei­en nicht allein über die Ver­nunft und noch weni­ger über gewill­kür­te juris­ti­sche Kon­struk­tio­nen in ihrem Bedeu­tungs­ge­halt zu erfas­sen. Der maß­geb­lich von Rous­se­au kre­ierte Begriffs­ge­gen­satz von Indi­vi­du­um und Gesell­schaft müs­se über­wun­den wer­den zuguns­ten eines frucht­ba­ren Span­nungs­ver­hält­nis­ses von Per­sön­lich­keit und Gemein­schaft. Bestärkt durch die­ses Renou­veau der Gemein­schaft erwuchs im Kampf gegen Napo­le­on, in den Befrei­ungs­krie­gen, die Idee der Nati­on als einer kon­kre­ten, durch die­sel­be Spra­che und Kul­tur im Lau­fe der Geschich­te orga­nisch gewach­se­nen Gemein­schaft. Ein Jahr­hun­dert spä­ter befes­tig­te Wal­ter Flex, geprägt von dem gro­ßen Zusam­men­halt der Deut­schen im Ers­ten Welt­krieg, sein Bekennt­nis, »daß die Mensch­heits­ent­wick­lung ihre für das Indi­vi­du­um und sei­ne inne­re Ent­wick­lung voll­kom­mens­te Form im Volk erreicht, und daß der Mensch­heits­pa­trio­tis­mus eine Auf­lö­sung bedeu­tet, die den in der Volks­lie­be gebun­de­nen per­sön­li­chen Ego­is­mus wie­der frei macht und auf sei­ne nack­tes­te Form zurückschraubt.«

Kurz dar­auf defi­nier­te Oswald Speng­ler Natio­nen als »Völ­ker im Stil einer Kul­tur«, die durch »ein star­kes Gefühl des ›Wir‹« zusam­men­ge­schlos­sen sei­en. Oth­mar Spann schließ­lich, der in der Auf­lö­sung aller natür­li­chen Gemein­schafts­struk­tu­ren die Tra­gö­die der Moder­ne sah, umschrieb mit sei­nem Gegen­be­griff einer schöp­fe­ri­schen »Gezwei­ung«, daß sich das Leben des Indi­vi­du­ums nur in bezug auf ande­re ent­fal­ten kön­ne. Beob­ach­tet man die über zwei­hun­dert­jäh­ri­ge Zeit­span­ne der Indus­tria­li­sie­rung, deren Räder­werk – neben der Her­stel­lung weni­ger sinn­vol­ler und vie­ler unnüt­zer Din­ge – den Staub der Indi­vi­du­en, den Sand­hau­fen der Mas­se erzeugt hat, wird deut­lich, wor­in die Grün­de für den ahis­to­ri­schen, nach einem »Ende der Geschich­te« lech­zen­den Geist unse­rer Zeit zu suchen sind: in einer Zer­brö­se­lung jeg­li­cher natur­wüch­si­gen Sozi­al­sys­te­me zuguns­ten des ver­ein­zel­ten, sei­ner Bezü­ge zu über­in­di­vi­du­el­len Ord­nun­gen beraub­ten Kon­sum­men­schen der Moderne.

Ein sol­cher­ma­ßen auf das eige­ne Ich zurück­ge­wor­fe­nes Ein­zel­we­sen exis­tiert ganz jen­seits von Geschich­te und Zukunft, es lebt gna­den­los in der Gegen­wart; es grast das Leben nach sei­nen Ego-kom­pa­ti­blen Genuß­chan­cen ab und wähnt, hier­durch dem Gip­fel des Glücks näher gekom­men zu sein. An Ver­su­chen, aus die­ser Welt­an­schau­ung à la Jere­my Bent­hams Topos von der grea­test hap­pi­ness of the grea­test num­ber poli­ti­sche Funk­ti­ons­sys­te­me zu zim­mern, hat es in der Ver­gan­gen­heit nicht gefehlt. Gleich­wohl hat die inne­re Lee­re des neu­zeit­li­chen homo oeco­no­mic­us bestän­dig zuge­nom­men. Das immer schnel­ler rotie­ren­de Hams­ter­rad der Kon­sum­ge­sell­schaft kann indes die see­li­sche Wüs­te, die im Innern des mate­ria­lis­tisch aus­ge­rich­te­ten Men­schen immer wei­te­re Berei­che erobert, nicht ver­de­cken. Hin­ter der Fas­sa­de der Äußer­lich­keit kann man bei vie­len Zeit­ge­nos­sen nicht nur eine bei­spiel­lo­se Hohl­heit, son­dern auch still ertra­ge­ne Schmerz­sym­pto­me über den Zer­fall einer gewach­se­nen Ord­nung erkennen.

Wenn es gelin­gen soll­te, die­sen heu­te nicht mehr nur dro­hen­den, son­dern wesent­li­che Lebens­be­rei­che beherr­schen­den Nihi­lis­mus zu über­win­den, ist dies ohne eine Renais­sance der Gemein­schaft kaum denk­bar. Ent­ge­gen der Ein­falt sys­tem­er­hal­ten­wol­len­der Ver­däch­ti­gungs­me­cha­nis­men geht es dabei nicht dar­um, den ideo­lo­gie­an­fäl­li­gen Ein­zel­nen der Käl­te der Moder­ne zu ent­zie­hen und am sozi­al­ro­man­ti­schen Feu­er zu erwär­men, um ihn anschlie­ßend einer neu­en, vor­zugs­wei­se »gefähr­li­chen« Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung zuzu­füh­ren. Ziel muß es viel­mehr sein, über­haupt erst ein­mal wie­der ein Bewußt­sein dafür zu schaf­fen, daß es im Leben noch ande­res und schö­ne­res gibt als die Befrie­di­gung von Inter­es­sen ver­spreng­ter Indi­vi­du­en. Daß »die stärks­ten und dau­ernds­ten mensch­li­chen Ver­ge­mein­schaf­tun­gen … nicht auf orga­ni­sa­to­ri­scher, zweck­be­wuss­ter Inter­es­sen­ver­bin­dung (beru­hen), son­dern … einen orga­ni­schen, natur­haf­ten Kern (haben)« (Her­mann Hel­ler); daß die Ein­ge­bun­den­heit des Men­schen in ein Gan­zes sei­nem eige­nen Wesen jene Erfül­lung und Ent­fal­tungs­mög­lich­keit eröff­net, die ihm der Ich­kult und »das ver­nutz­te Leben des Wes­tens« (Hans-Jür­gen Syber­berg) vor­ent­hal­ten; daß Men­schen, deren Leben von Pflicht und Ver­ant­wor­tung geprägt ist, wesent­lich ange­neh­me­re Zeit­ge­nos­sen zu sein pfle­gen als jene Figu­ren, die – vor Ansprü­chen, Rech­ten und Genuß­süch­ten nur so trie­fend – im Gefäng­nis des Nar­ziß­mus ihre Tage fris­ten; daß Selbst­ver­lo­ren­heit und Dienst am ande­ren glück­li­cher machen kön­nen als die Lee­rung einer Fla­sche Châ­teau Pichon-Lalan­de-Com­tesse; daß die vie­len rät­sel- und zau­ber­haf­ten Geheim­nis­se des Lebens gip­feln in jenem »wun­der­ba­ren Geheim­nis, in dem die Men­schen auf ein­an­der bezo­gen sind« (Hugo von Hof­manns­thal); daß das Talent zur Berech­nung, zur Bestim­mung des rech­ten Maßes zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung über­all dort von­nö­ten ist, wo es um Han­del und Wan­del geht, wo der spit­ze Blei­stift gefragt ist, daß aber orga­nisch gewach­se­ne Bezie­hun­gen, bei­spiels­wei­se die Genera­tio­nen­rei­he Groß­el­tern-Eltern-Kin­der, zer­brä­chen, wür­den sie von einer Koof­mich-Gesin­nung bestimmt. Daß der freie Geist über­all hin­weht, nur nicht in die übel­rie­chen­den »Mir-geht-nichts-über-mich«-Winkel des Anarcho-Liberalismus.

Es kann als beson­ders trau­ri­ges Bei­spiel der deut­schen Seins­ver­ges­sen­heit in der spä­ten Bun­des­re­pu­blik gel­ten, daß es heu­te aus­ge­rech­net die Deut­schen »mit ihrer grau­en­haf­ten Anpas­sungs­fä­hig­keit« (Ernst Kan­to­ro­wicz) sind, die auf dem lan­gen west­li­chen Irr­weg in die ato­mis­ti­sche Sack­gas­se, auf der abschüs­si­gen Bahn zum »nar­ziss­tisch gewor­de­nen Aller­welts-Mensch der Gegen­wart« (Micha­el Klo­n­ovs­ky), alle ande­ren Natio­nen zu über­trump­fen schei­nen. Wenn eine solch anor­ga­nisch-zen­tri­fu­ga­le Teil­chen­ge­sell­schaft wie die BRD dann noch von einem har­mo­nisch-sym­pa­thi­schen Wir-Kos­tüm ummän­telt wer­den soll, ist der Gip­fel poli­ti­scher Des­in­for­ma­ti­on erreicht. Dann soll­te beson­ders auf­merk­sam hin­ge­schaut und der Ver­ein­nah­mungs­ma­schi­ne­rie in die Spei­chen gegrif­fen wer­den. Viel­leicht ist der Merk­satz »Wer ›wir‹ sagt, will betrü­gen« etwas zu holz­schnitt­ar­tig, auf dem per­fi­den Medi­en­ter­rain stimmt er aber fast immer; vor allem schärft er den Blick für das, wor­auf es bei der Wie­der­erlan­gung poli­ti­scher Hand­lungs­fä­hig­keit in beson­de­rem Maße ankommt: auf die Ent­lar­vung und Bekämp­fung aso­zia­ler Min­der­heits­in­ter­es­sen und die poli­ti­sche Trans­for­ma­ti­on von der schwei­gen­den zur han­deln­den Mehr­heit, von einer stil­len und bevor­mun­de­ten Viel­zahl von Ein­zel­in­di­vi­du­en zu einer frei­en und sich selbst bestim­men­den Nati­on, von einem fal­schen zu einem ech­ten Wir.

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