Die Schlacht von Verdun

Das monatelange Ringen um Verdun gilt als Symbol für ein kriegerisches Massensterben bisher ungekannten Ausmaßes. Es steht sinnbildlich für einen verschwenderischen Einsatz von Menschen und Material, der in keinem Verhältnis zu dem dadurch errungenen Erfolg steht. Nachdem sich im Herbst 1914 die Offensive der deutschen Armeen in Frankreich festgelaufen hatte, war der Bewegungskrieg in einen Stellungskrieg übergegangen. Im Osten konnte die russische Dampfwalze in Ostpreußen gestoppt und zurückgeworfen werden. Das Jahr 1915 war für die Mittelmächte gut gelaufen. Alle Angriffe der Entente waren gescheitert. Auf dem Balkan konnte Serbien erobert werden. Für das Jahr 1916 plante die Entente eine Koordinierung ihrer Angriffe. Die Mittelmächte jedoch hatten unterschiedliche Ziele. Während die Österreicher eine Großoffensive gegen Italien ins Auge faßten – hierfür aber deutsche Unterstützung benötigten –, wollte der Chef der Obersten Heeresleitung (OHL), Erich von Falkenhayn, die Kriegsentscheidung in Frankreich mit einem Angriff auf Verdun herbeiführen. Widerlegt ist die These der älteren Forschung, daß Falkenhayn ein »Ausbluten« des Gegners im Blick gehabt hätte. Erst das Scheitern der auf einen Frontdurchbruch angelegten Schlacht ließ Falkenhayn im Nachhinein Zuflucht zu dem Argument nehmen, er habe es von Anfang an nur auf die Ermattung der Franzosen angelegt.

 Gastbeitrag

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Das mona­te­lan­ge Rin­gen um Ver­dun gilt als Sym­bol für ein krie­ge­ri­sches Mas­sen­ster­ben bis­her unge­kann­ten Aus­ma­ßes. Es steht sinn­bild­lich für einen ver­schwen­de­ri­schen Ein­satz von Men­schen und Mate­ri­al, der in kei­nem Ver­hält­nis zu dem dadurch errun­ge­nen Erfolg steht. Nach­dem sich im Herbst 1914 die Offen­si­ve der deut­schen Arme­en in Frank­reich fest­ge­lau­fen hat­te, war der Bewe­gungs­krieg in einen Stel­lungs­krieg über­ge­gan­gen. Im Osten konn­te die rus­si­sche Dampf­wal­ze in Ost­preu­ßen gestoppt und zurück­ge­wor­fen wer­den. Das Jahr 1915 war für die Mit­tel­mäch­te gut gelau­fen. Alle Angrif­fe der Entente waren geschei­tert. Auf dem Bal­kan konn­te Ser­bi­en erobert wer­den. Für das Jahr 1916 plan­te die Entente eine Koor­di­nie­rung ihrer Angrif­fe. Die Mit­tel­mäch­te jedoch hat­ten unter­schied­li­che Zie­le. Wäh­rend die Öster­rei­cher eine Groß­of­fen­si­ve gegen Ita­li­en ins Auge faß­ten – hier­für aber deut­sche Unter­stüt­zung benö­tig­ten –, woll­te der Chef der Obers­ten Hee­res­lei­tung (OHL), Erich von Fal­ken­hayn, die Kriegs­ent­schei­dung in Frank­reich mit einem Angriff auf Ver­dun her­bei­füh­ren. Wider­legt ist die The­se der älte­ren For­schung, daß Fal­ken­hayn ein »Aus­blu­ten« des Geg­ners im Blick gehabt hät­te. Erst das Schei­tern der auf einen Front­durch­bruch ange­leg­ten Schlacht ließ Fal­ken­hayn im Nach­hin­ein Zuflucht zu dem Argu­ment neh­men, er habe es von Anfang an nur auf die Ermat­tung der Fran­zo­sen angelegt.

Die Umge­bung Ver­duns war nach dem Deutsch-Fran­zö­si­schen Krieg 1870/71 als Teil einer Befes­ti­gungs­li­nie mit einem Ring aus Forts umge­ben wor­den. Bei Kriegs­be­ginn gab es über 40 Befes­ti­gun­gen in und um Ver­dun, dar­un­ter 20 Forts und Zwi­schen­wer­ke, die mit Maschi­nen­ge­weh­ren, gepan­zer­ten Beob­ach­tungs- und Geschütz­tür­men sowie Kase­mat­ten bestückt waren. Nach dem ursprüng­li­chen deut­schen Plan soll­te Ver­dun rasch erobert wer­den, um eine Mate­ri­al- und Men­schen­schlacht zu ver­hin­dern. Drei Korps zu je zwei Divi­sio­nen hat­ten auf einer Brei­te von 16 Kilo­me­tern anzu­grei­fen. Hier­auf soll­ten zwei wei­te­re Korps von Nord­os­ten vor­ge­hen, ins­ge­samt 150000 Mann. Vor­ne lagen 13 Regi­men­ter, meist zwei Batail­lo­ne hin­ter­ein­an­der – ein gewal­ti­ges Auf­ge­bot. Der auf den 12. Febru­ar fest­ge­leg­te Angriff muß­te wegen schlech­ten Wet­ters aller­dings auf den 21. ver­scho­ben wer­den. Der Geg­ner war mitt­ler­wei­le gewarnt und traf sei­ne Vorbereitungen.

Am 21. Febru­ar 1916 begann der deut­sche Angriff um 8.12 Uhr mit einem in sei­nen Aus­ma­ßen bis­her nicht gekann­ten Trom­mel­feu­er aus rund 800 Minen­wer­fern und 1200 Geschüt­zen auf die fran­zö­si­schen Lini­en. Inzwi­schen mach­ten sich die Trup­pen der vom deut­schen Kron­prin­zen Wil­helm geführ­ten 5. Armee bereit. Ins­ge­samt 30000 Fran­zo­sen erwar­te­ten den deut­schen Angriff in der vor­ders­ten Front­li­nie. Um 17 Uhr bra­chen ers­te Stoß­trupps in die vom stun­den­lan­gen Trom­mel­feu­er umge­pflüg­ten Stel­lun­gen der Fran­zo­sen ein. Vom Erfolg beflü­gelt, setz­te das deut­sche Heer sei­ne Angrif­fe unbe­irrt fort. Die fran­zö­si­schen Sol­da­ten ver­tei­dig­ten sich in ver­spreng­ten Wider­stands­nes­tern, konn­ten den deut­schen Vor­marsch jedoch nicht auf­hal­ten. Am 23. Febru­ar tob­ten hef­ti­ge Gefech­te um die Dör­fer Bra­bant und Wav­ril­le sowie den Her­be­bo­is. Beim Kampf um Samo­gneux wur­den Fran­zo­sen durch eige­nes Artil­le­rie­feu­er auf den Ort dezi­miert. Am 24. Febru­ar bra­chen deut­sche Trup­pen in die zwei­te fran­zö­si­sche Stel­lung ein. Etwa 10000 Gefan­ge­ne wur­den gemacht. Bei den Fran­zo­sen brach Cha­os aus, die Bevöl­ke­rung Ver­duns floh panik­ar­tig aus der Stadt.

Gene­ral Joseph Joff­re über­nahm das Kom­man­do und gab die Paro­le aus: »Jeder Füh­rer, der unter den gege­be­nen Umstän­den einen Rück­zugs­be­fehl gibt, wird vor ein Kriegs­ge­richt gestellt wer­den.« Am 25. Febru­ar nah­men die Deut­schen mühe­los das nur von knapp 70 fran­zö­si­schen Land­wehr­ar­til­le­ris­ten besetz­te Fort Dou­au­mont ein, wel­ches das deut­sche Trom­mel­feu­er kaum beschä­digt hat­te. Die Nach­richt von der Über­ga­be des Forts – durch von deut­schen Flie­gern abge­wor­fe­ne Flug­blät­ter ver­brei­tet – führ­te zu einer Mas­sen­psy­cho­se auf fran­zö­si­scher Sei­te. Die Dör­fer Lou­ve­mont und Bezon­vaux felen nach ver­lust­rei­chen Kämp­fen in deut­sche Hän­de. Die Deut­schen nutz­ten ihren Erfolg bei Dou­au­mont jedoch nicht aus. Fal­ken­hayn ließ kei­ne Ver­stär­kun­gen nach­schie­ben, um dem Geg­ner auf den Fer­sen zu blei­ben. Die­ser gewann Zeit, und der fran­zö­si­sche Wider­stand ver­steif­te sich. Gene­ral Phil­ip­pe Pétain wur­de am 26. Febru­ar zum Kom­man­deur der fran­zö­si­schen Trup­pen im Raum Ver­dun ernannt. Sei­ne wesent­li­chen Maß­nah­men waren zum einen die Reor­ga­ni­sa­ti­on des Nach­schubs, indem er in Frank­reich Pri­vat­fahr­zeu­ge requi­rie­ren und zu lan­gen Kolon­nen zusam­men­stel­len ließ, die dem Kampf­raum über die Stra­ße nach Bar-le-Duc den not­wen­di­gen Nach­schub zuführ­ten. Im Rota­ti­ons­sys­tem ver­an­laß­te Pétain zum ande­ren, abge­kämpf­te Ein­hei­ten aus der Front­zo­ne her­aus­zu­lö­sen und durch fri­sche Ver­bän­de zu erset­zen. Dies stärk­te Moral und Kampf­kraft der Verteidiger.

Vom 27. Febru­ar bis zum 2. März tob­te der Kampf um das Dorf Dou­au­mont, das schließ­lich ein­ge­nom­men wur­de. Dabei geriet der fran­zö­si­sche Haupt­mann Charles de Gaul­le schwer­ver­wun­det in deut­sche Gefan­gen­schaft. West­lich der Maas fiel am 3. März der Maler Franz Marc. Am 6. März begann die deut­sche Groß­of­fen­si­ve der »Angriffs­grup­pe West« mit Schwer­punkt west­lich der Maas. Die deut­schen Trup­pen tra­ten nach star­kem, vor­be­rei­ten­dem Artil­le­rie­feu­er in zwei Spit­zen zum Angriff gegen die fran­zö­si­schen Stel­lun­gen am lin­ken Maas­ufer an. Nach hef­ti­gen Gefech­ten gelang ihnen am 7. März die Ein­nah­me der Dör­fer Reg­né­vil­le und For­ges und der stra­te­gisch wich­ti­gen Höhen­stel­lun­gen »Gän­se­rü­cken« und »Pfef­fer­rü­cken«. Die fran­zö­si­sche Ver­tei­di­gung brach unter dem Angriff zusam­men, es wur­den über 3300 unver­letz­te Gefan­ge­ne gemacht.

Am glei­chen Tag stie­ßen die Deut­schen zum Raben­wald und zum Cumiè­res-Wald vor, die nach Nord­wes­ten hin in die stra­te­gisch wich­ti­ge Anhö­he »Le Mort Hom­me« (»Toter Mann«) aus­lie­fen. Die­ser Hügel mit zwei Gip­feln (Höhe 265 und Höhe 295) ver­dank­te sei­nen Namen einer dort im 16. Jahr­hun­dert gefun­de­nen unbe­kann­ten Lei­che. West­lich der Höhe »Toter Mann« liegt die Höhe 304, die eben­falls zum Ziel der deut­schen Angrif­fe wur­de. Hin­ter die­sen bei­den Hügeln hat­te Pétain gro­ße Geschütz­bat­te­rien sta­tio­niert, die den deut­schen Stel­lun­gen auf dem rech­ten Maas­ufer gro­ße Ver­lus­te bei­brach­ten. Am Abend des 7. März besetz­ten die deut­schen Trup­pen einen Teil der Höhe 304, jedoch dräng­te sie eine ent­schlos­se­ne fran­zö­si­sche Gegen­at­ta­cke bereits am 8. März wie­der zurück. Am 14. März erfolg­te der deut­sche Groß­an­griff mit sechs Divi­sio­nen gegen den »Toten Mann«, der ein­ge­nom­men wur­de. Angrif­fe und Gegen­an­grif­fe lös­ten sich ab. Man­che deut­sche Regi­men­ter hat­ten in weni­gen Tagen die Hälf­te ihrer Sol­da­ten ver­lo­ren, dar­un­ter vie­le Offi­zie­re, die in der ers­ten Rei­he gegen den Feind stürm­ten. Bei­der­seits hat­te man mitt­ler­wei­le aller­dings so viel in die Schlacht inves­tiert, daß ein Abbruch dem Ein­ge­ständ­nis der Nie­der­la­ge gegli­chen hät­te. Es folg­ten am 23. März die Erstür­mung des Höhen­rü­ckens süd­west­lich von Hau­court und die Ein­nah­me des Dor­fes Mal­an­court am 30. März. Am 6. April konn­te die OHL die Beset­zung des Dor­fes Hau­court am Fuß der Höhe 304 mel­den, bei der etwa 540 Gefan­ge­ne gemacht wur­den. Im Lau­fe des April erober­ten die Fran­zo­sen den »Toten Mann« zurück. Den gan­zen Monat April rann­ten die fran­zö­si­schen Trup­pen am öst­li­chen Maas­ufer gegen die deut­schen Stel­lun­gen vor Fort Dou­au­mont immer wie­der von neu­em an und hat­ten hor­ren­de Ver­lus­te, aber sie beka­men die Mond­land­schaft vor­erst nicht in ihren Besitz. Nach­dem bei den Fran­zo­sen Pétain durch Gene­ral Robert Nivel­le abge­löst wor­den war, begann eine Pha­se der bis zum äußers­ten durch­ge­führ­ten Offen­si­ven gegen die deut­schen Stel­lun­gen. Immer wie­der ließ Nivel­le in den nächs­ten Mona­ten sei­ne Sol­da­ten gegen die deut­schen Stel­lun­gen anstür­men, ohne damit nen­nens­wer­te Boden­ge­win­ne zu machen.

Wäh­rend­des­sen mach­te sich im Ober­kom­man­do der deut­schen 5. Armee Unmut bemerk­bar. Da die Zahl der Todes­op­fer bis zum Mai gewal­ti­ge Aus­ma­ße ange­nom­men hat­te, bat Kron­prinz Wil­helm die OHL um den Abbruch der Offen­si­ve. Fal­ken­hayn lehn­te dies strikt ab, da er von höhe­ren Ver­lus­ten auf fran­zö­si­scher Sei­te aus­ging und somit die Offen­si­ve als Erfolg betrach­te­te. Bis Ende Mai waren in Ver­dun bereits über 170000 Sol­da­ten bei­der Sei­ten ent­we­der gefal­len oder ver­wun­det wor­den. Am 8. Mai gelang den Deut­schen die Ein­nah­me eines Nord­han­ges der Höhe 304, bei dem 40 Off­zie­re und 1280 Mann gefan­gen­ge­nom­men wur­den. Die end­gül­ti­ge Inbe­sitz­nah­me der Höhe »Toter Mann« und der Höhe 304 erfolg­te noch im Mai. Die Fran­zo­sen ver­stärk­ten ihre Angrif­fe gegen die Höhen­stel­lun­gen, und die Nah­kämp­fe im schwe­ren Artil­le­rie­feu­er gin­gen wei­ter. Das Fort Dou­au­mont, das den Deut­schen als Unter­stand, Depot und Beob­ach­tungs­pos­ten dien­te, lag der­weil immer wie­der unter schwe­rem Beschuß und war Ziel von Gegen­an­grif­fen. Am 8. Mai kam es infol­ge einer Unacht­sam­keit zu einer Kata­stro­phe inner­halb des Forts, als aus­ge­lau­fe­nes Öl aus Flam­men­wer­fern in Brand geriet, wor­aus sich eine rie­si­ge Rauch- und Ruß­wol­ke ent­wi­ckel­te. Wäh­rend Panik aus­brach, explo­dier­te auch noch das Muni­ti­ons­la­ger. Die Deto­na­ti­on war so gewal­tig, daß sie die Decke des Unter­ge­schos­ses durch­schlug und 800 Mann auf einen Schlag töte­te. Die Fran­zo­sen hat­ten den Ver­lust des Forts Dou­au­mont als gro­ße Nie­der­la­ge betrach­tet und woll­ten die stärks­te und stra­te­gisch wich­tigs­te Fes­tung zurück­er­obern. Nach der von ihnen beob­ach­te­ten Explo­si­ons­ka­ta­stro­phe ent­schloß sich Nivel­le zu einem noch stär­ke­ren Aus­bau des von Pétain gestar­te­ten Angriffs auf Dou­au­mont. Ab dem 17. Mai begann die fran­zö­si­sche Artil­le­rie mit dem ein­lei­ten­den Feu­er und schoß kon­ven­tio­nel­le und Gas­gra­na­ten auf die deut­schen Stel­lun­gen um das Fort und auf das Fort selbst. Am 22. Mai gelang es den Fran­zo­sen, in das Befes­ti­gungs­werk ein­zu­drin­gen. In einem blu­ti­gen Hand­ge­men­ge wur­den die Angrei­fer jedoch über­wäl­tigt. Mehr als 500 Fran­zo­sen gerie­ten in Gefan­gen­schaft. Am 1. Juni begann die deut­sche Offen­si­ve auf dem rech­ten Maas­ufer mit dem Ziel, das Fort Vaux ein­zu­neh­men. Am 2. Juni dran­gen deut­sche Sturm­trup­pen in das Fes­tungs­sys­tem ein. Am Mor­gen des 3. Juni hat­ten die Deut­schen zwei Haupt­kor­ri­do­re ein­ge­nom­men. Die Nah­kämp­fe im Inne­ren des Forts wur­den mit äußers­ter Ver­bis­sen­heit geführt: Zum Ein­satz kamen Spa­ten, Bajo­net­te und Hand­gra­na­ten, deren Ein­satz sowohl Angrei­fer als auch Ver­tei­di­ger in Stü­cke ris­sen. Die Strom­ver­sor­gung und damit das Licht waren aus­ge­fal­len, aber die Kämp­fe wur­den mit nicht nach­las­sen­der Hef­tig­keit und in völ­li­ger Dun­kel­heit wei­ter­ge­führt, nur ab und zu erhellt durch Brän­de und die feu­ri­gen Ölstrah­len der deut­schen Flam­men­wer­fer. Immer wei­ter kämpf­ten sich die Deut­schen in die Tie­fe des Befes­ti­gungs­wer­kes vor. Am Mit­tag des 4. Juni schick­te der fran­zö­si­sche Kom­man­dant Syl­va­in Ray­nal sei­ne letz­te Brief­tau­be mit einer ver­zwei­fel­ten Bit­te um Hil­fe hin­ter die eige­nen Lini­en. Die Tau­be starb kurz nach Errei­chen ihres Ziel­or­tes in der Etap­pe von Ver­dun an den Gasen, die sie ein­ge­at­met hat­te. Sie wur­de aus­ge­stopft, und post­hum ver­lieh man ihr den Orden der Ehren­le­gi­on. Das Fort fiel am 7. Juni. 250 Mann gin­gen in Gefan­gen­schaft. Die Deut­schen hat­ten etwa 2700 Sol­da­ten bei dem Angriff verloren.

Der Fort­kom­man­deur Ray­nal wur­de auf­grund sei­ner Tap­fer­keit zu Kron­prinz Wil­helm gebe­ten, der ihm – als er sah, daß der Major sei­nen Säbel ver­lo­ren hat­te – einen erbeu­te­ten fran­zö­si­schen Säbel mit den Wor­ten über­gab: »Ich habe ihn gefun­den. Ich bit­te Sie, die­se Waf­fe anzu­neh­men, die Ihrer wür­dig ist, im Tausch für jene, die ich Ihnen man­gels einer ande­ren ange­bo­ten habe.« Damit ließ der Kron­prinz inmit­ten der völ­lig indus­tria­li­sier­ten Schlacht ein erstaun­li­ches Bekennt­nis zur Rit­ter­lich­keit alter Zei­ten erken­nen. Eine ähn­li­che noble Ges­te hoher alli­ier­ter Kom­man­deu­re gegen­über Sol­da­ten der Mit­tel­mäch­te ist nicht über­lie­fert. Nach der Ein­nah­me von Fort Vaux began­nen die Fran­zo­sen am 8. und 9. Juni direk­te – und letzt­lich ver­geb­li­che – Gegen­schlä­ge, um das Fort zurück­zu­er­obern. Die Deut­schen bau­ten ihre Stel­lung im Fort Vaux aus und stürm­ten in den kom­men­den drei Wochen wei­ter gegen die fran­zö­si­schen Stel­lun­gen vor Ver­dun an. Ein letz­ter deut­scher Groß­an­griff am 23. Juni brach­te den Ein­bruch in den inne­ren Ver­tei­di­gungs­gür­tel der Fes­tung Ver­dun, blieb aber man­gels kampf­kräf­ti­ger Reser­ven liegen.

Am 1. Juli begann die bri­ti­sche Offen­si­ve an der Som­me, die die Deut­schen zwang, Reser­ven an die­sen Front­ab­schnitt zu wer­fen. Ab 11. Juli gin­gen die Deut­schen vor Ver­dun zur Ver­tei­di­gung über. Die Fran­zo­sen ergrif­fen in den spä­ten Som­mer­mo­na­ten des Jah­res 1916 die Initia­ti­ve und atta­ckier­ten die deut­schen Stel­lun­gen am Thi­au­mont und um Fleu­ry, um das immer noch gel­ten­de End­ziel – die Rück­erobe­rung der Forts Vaux und Dou­au­mont – zu errei­chen. Die Gegen­an­grif­fe zogen sich über den hei­ßen Som­mer bis in den Okto­ber hin, lie­fer­ten aber kei­nen kla­ren Erfolg. Am 29. August wur­de Gene­ral Fal­ken­hayn ent­las­sen, Gene­ral­feld­mar­schall Paul von Hin­den­burg und Gene­ral Erich Luden­dorff bil­de­ten die 3. OHL. Nach einem Besuch Luden­dorffs an der West­front ord­ne­te Hin­den­burg am 2. Sep­tem­ber die Been­di­gung aller Offen­siv­ak­tio­nen und den Aus­bau des gewon­ne­nen Ter­rains zu einem fes­ten Stel­lungs­sys­tem an. Von Sep­tem­ber bis Okto­ber roll­te die Gegen­of­fen­si­ve der Fran­zo­sen, wobei am 24. Okto­ber das Fort Dou­au­mont und am 2. Novem­ber das Fort Vaux zurück­er­obert wur­den. Bis zum 20. Dezem­ber hat­te sich der fran­zö­si­sche Angriffs­schwung gebrochen.

Die Anga­ben zu Ver­lus­ten (Gefal­le­ne, Ver­wun­de­te, Ver­miß­te) vari­ie­ren. Auf deut­scher Sei­te zähl­te man 281333 Mann, bei den Fran­zo­sen rund 315000 Mann. Ins­ge­samt waren 47 deut­sche und 80 fran­zö­si­sche Divi­sio­nen bei Ver­dun ein­ge­setzt. Die deut­sche 1. Infan­te­rie­di­vi­si­on hat­te inner­halb von drei Mona­ten – bei einem Bestand von 18000 Sol­da­ten – 11000 Mann Ver­lus­te erlit­ten. Schät­zun­gen besa­gen, daß auf bei­den Sei­ten rund 100000 Sol­da­ten umge­kom­men sind. Die deut­schen Per­so­nal­un­ter­la­gen, die dar­über hät­ten genau­en Auf­schluß geben kön­nen, lager­ten im Hee­res­ar­chiv in Pots­dam. Die­ses wur­de bei einem Luft­an­griff der Roy­al Air For­ce am 14. April 1945 vernichtet.

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