Trumps Angriff auf Syrien: Was geschah wirklich?

Für die Sympathisanten und Anhänger Trumps kam der Angriff wie ein Schock, scheint er damit doch eines seiner wesentlichen Versprechen gebrochen zu haben: die USA aus Interventionskriegen, speziell im Nahen und Mittleren Osten herauszuziehen, und eine nationale Politik an die Stelle einer globalistischen zu setzen. Wenn es nun nur einen einzigen Grund gegeben hätte, Donald Trump zum Präsidenten zu wählen, dann war es seine Haltung gegenüber dem US-amerikanischen Engagement in Syrien.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Für die Sym­pa­thi­san­ten und Anhän­ger Trumps kam der Angriff wie ein Schock, scheint er damit doch eines sei­ner wesent­li­chen Ver­spre­chen gebro­chen zu haben: die USA aus Inter­ven­ti­ons­krie­gen, spe­zi­ell im Nahen und Mitt­le­ren Osten her­aus­zu­zie­hen, und eine natio­na­le Poli­tik an die Stel­le einer glo­ba­lis­ti­schen zu set­zen. Wenn es nun nur einen ein­zi­gen Grund gege­ben hät­te, Donald Trump zum Prä­si­den­ten zu wäh­len, dann war es sei­ne Hal­tung gegen­über dem US-ame­ri­ka­ni­schen Enga­ge­ment in Syrien.

Die­se war seit Jah­ren ent­schie­den und kon­sis­tent, wie zahl­rei­che Tweets bele­gen, die Trump im Sep­tem­ber 2013 an die Adres­se Barack Oba­mas gerich­tet hat­te. Im Gefol­ge der Gift­gas­an­grif­fe von Ghu­ta, die Assad ange­hängt wur­den, stand die Regie­rung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten schon damals kurz davor, eine “huma­nis­ti­sche Inter­ven­ti­on” nach alt­be­währ­tem Mus­ter durch­zu­füh­ren.  Damals beschwor Trump den amtie­ren­den Präsidenten:

Noch­mal unse­rem när­ri­schen Füh­rer gesagt, grei­fen Sie nicht Syri­en an – wenn Sie das tun, wer­den vie­le schlim­me Din­ge pas­sie­ren & die USA wer­den durch die­sen Kampf nichts zu gewin­nen haben!

Der ein­zi­ge Grund, war­um Prä­si­dent Oba­ma Syri­en angrei­fen will, ist, daß er wegen eines sehr dum­men ROTE LINIE-State­ments sein Gesicht wah­ren will. Grei­fen Sie nicht Syri­en an, brin­gen Sie die USA in Ordnung!

Am 30. August 2013 zwit­scher­te Trump gar:

Der Prä­si­dent muß die Zustim­mung des Kon­gres­ses ein­ho­len, bevor er Syri­en angreift – ein gro­ßer Feh­ler, wenn er das nicht tut!

Natür­lich füh­ren die Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Ver­bund mit der NATO, Isra­el, Sau­di-Ara­bi­en, der Tür­kei und ande­ren Mit­spie­lern schon längst einen Stell­ver­tre­ter­krieg in Syri­en, vor allem durch Unter­stüt­zung der soge­nann­ten “Rebel­len” (de fac­to radi­kal isla­mis­ti­sche Grup­pen wie IS, Al-Qai­da und al-Nus­ra-Front), mit dem offen­ba­ren End­ziel, einen “regime chan­ge” à la Liby­en zu bewerk­stel­li­gen, wie er kurz vor dem Angriff Trumps durch Außen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son erneut als Opti­on in den Raum gestellt wur­de, und wie ihn die Außen­mi­nis­ter der G7-Staa­ten (USA, Kana­da, Japan, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Ita­li­en und Deutsch­land) nun aus­drück­lich for­dern. Deut­lich sprach sich auch Nik­ki Haley, die UN-Bot­schaf­te­rin der USA (laut Süd­deut­scher Zei­tung “Trumps Wun­der­waf­fe”, für einen Regime­wech­sel in Syri­en aus.

Auch wäh­rend des Wahl­kamp­fes pro­fi­lier­te sich Trump gegen­über Hil­la­ry Clin­ton deut­lich durch sei­ne schar­fe Kri­tik an die­sem Kurs; statt­des­sen ließ er erken­nen, daß er es für deut­lich klü­ger hiel­te, sich mit Assad und Putin gegen den IS zu verbünden.

Die­se bedeu­te­te eine Absa­ge an einen von bei­den Groß­par­tei­en geteil­ten außen­po­li­ti­schen Kon­sens und an ein­ein­halb Jahr­zehn­te neo­kon­ser­va­tiv-glo­ba­lis­ti­scher Inter­ven­ti­ons­po­li­tik und den aus ihr resul­tie­ren­den desas­trö­sen Krie­gen, die nicht zuletzt die “Flücht­lings­kri­se” ver­ur­sacht haben. Dem stell­te Trump den Slo­gan des “Ame­ri­ka zuerst!” gegen­über, ver­bun­den mit einer expli­zi­ten Absa­ge an das “fal­sche Lied des Glo­ba­lis­mus”. Das waren erstaun­li­che und uner­hör­te Töne, die Anlaß zur Hoff­nung gaben.

Mit Trumps über­stürz­tem Angriff (übri­gens genau am 100. Jah­res­tag des Ein­tritts der USA in den 1. Welt­krieg) auf syri­sche Stel­lun­gen (von Bene­dikt Kai­ser mus­ter­gül­tig ana­ly­siert) schei­nen die­se Hoff­nun­gen jäh zer­schla­gen zu sein. Nicht nur hat Trump mit sei­ner 180°-Wende eines sei­ner wesent­li­chen, womög­lich wahl­ent­schei­den­den Ver­spre­chen gespro­chen – die Umstän­de, unter denen dies geschah, sind mehr als zwie­lich­tig. Der­sel­be Mann, der bis­lang eine der­art kla­re Sicht auf die Pro­ble­ma­tik der west­li­chen Syri­en-Poli­tik zu haben schien, und nicht müde wur­de, die ihm äußerst feind­lich gesinn­te Main­stream­pres­se der Ver­brei­tung von “Fake News” zu bezich­ti­gen, soll angeb­lich sei­ne Mei­nung geän­dert haben, weil er ein paar Gräuel­bil­der im Fern­se­hen gese­hen hat? News­week ver­such­te, der Geschich­te genau die­se Dre­hung zu geben, womit auch gleich wie­der betont wer­den konn­te, wie frag­wür­dig affekt­ge­steu­ert Trump angeb­lich sei (ein Dau­er­the­ma in der trumpfeind­li­chen Presse):

Er sei “zutiefst ange­ekelt” gewe­sen, wie es ein Assis­tent for­mu­lier­te, von den Bil­dern von “Babies, klei­nen Babies”, die einen lang­sa­men, qual­vol­len Tod ster­ben, wie es der erzürn­te Prä­si­dent formulierte. 

Viel­leicht soll­te man ihm auch mal ein paar Bil­der der “beau­ti­ful babies” zei­gen, die täg­lich in Jemen mit ame­ri­ka­ni­scher, bri­ti­scher und fran­zö­si­scher Unter­stüt­zung qual­voll ster­ben. Man soll­te dann auch erklä­ren, wie­so nor­ma­le Bom­ben­an­grif­fe für die Opfer eigent­lich weni­ger schlimm sind, als Giftgasangriffe.

Nie­mand muß­te extra erwäh­nen, daß Trumps ach­tes Enkel­kind Theo­do­re, der Sohn Ivan­ka Trumps und ihres Ehe­man­nes Jared Kus­her, erst ein Jahr alt ist, und die­ses Jahr gera­de erst begon­nen hat, durchs wei­ße Haus zu krab­beln. Trumps Emo­ti­on war echt  – und roh.

Selig die Ein­fäl­ti­gen, die sol­che Mär­chen glau­ben! Nicht nur, daß es kei­ner­lei Bewei­se gibt, daß es tat­säch­lich Assad war, der den Ein­satz von Gift­gas befoh­len hat, nicht nur, daß Assad nicht den lei­ses­ten mili­tä­ri­schen oder stra­te­gi­schen Grund hat­te, che­mi­sche Waf­fen ein­zu­set­zen (dazu sie­he unter ande­rem Kevork Almas­si­an, Micha­el Lüders und “Par­ti­san Girl”) – Pro­pa­gan­da­ge­schich­ten über ermor­de­te Kin­der sind nun wahr­lich kei­ne neu­ar­ti­ge Erfin­dung, um einen Vor­wand für mili­tä­ri­sche Ein­sät­ze zu lie­fern und die Öffent­lich­keit hin­ter sich zu brin­gen. Der “Klas­si­ker” auf die­sem Gebiet ist natür­lich die “Brut­kas­ten­lü­ge” aus dem Jahr 1990 (die dreis­te Show kann man hier anse­hen) – aber auch die media­le Insze­nie­rung der foto­taug­lich dra­pier­ten Lei­che von Ayl­an Kur­di gehört in die­sem Zusam­men­hang, eben­so wie das Foto des fünf­jäh­ri­gen, von Trüm­mer­staub bedeck­ten Omran Daqnee­sh, das ver­mut­lich von einem Mann in Sze­ne gesetzt wur­de, der glän­zen­de Ver­bin­dun­gen zu kin­der­mor­den­den Dschi­ha­dis­ten hat.

Nicht zu ver­ges­sen der berüch­tig­te Twit­ter-Account der sie­ben­jäh­ri­gen Bana, die aus der Tür­kei “mit­hil­fe ihrer eng­lisch­spre­chen­den Mut­ter” rühr­se­li­ge Hil­fe­ru­fe in per­fek­tem Eng­lisch ganz im Sin­ne der Inter­ven­tio­nis­ten ver­brei­tet. Was der Zweck die­ser Ver­an­stal­tung ist, demons­trier­te neu­lich die CNN-Mode­ra­to­rin Kate Bol­du­an im Lau­fe eines Inter­views mit einem repu­bli­ka­ni­schen Kon­greß­ab­ge­ord­ne­ten, der Zwei­fel an der Schuld Assads äußerte.

BOLDUAN: Herr Kon­greß­ab­ge­ord­ne­ter, heu­te sprach Bana mit CNN – sie ist ein klei­nes syri­sches Mäd­chen, das wirk­lich zum Sprach­rohr aller syri­schen Kin­der in die­sem Krieg gewor­den ist. Hören Sie zu, was ihr Wunsch ist. 

BANA (via Sky­pe-Auf­zeich­nung, in gebro­che­nem Eng­lisch, offen­bar einen Text able­send, wäh­rend ihre Mut­ter kon­trol­lie­rend dane­ben sitzt): Ich will, daß der Krieg auf­hört und ich will daß die Kin­der von Syri­en spie­len und zur Schu­le gehen und in Frie­den leben. Wir kön­nen ihnen hel­fen! Wir kön­nen sie retten!

BOLDUAN: Um es noch­mal klar zu sagen, das ist alles, was sie will: Sie will, daß die Kin­der von Syri­en spie­len und zur Schu­le gehen kön­nen. Sie bit­tet um Hil­fe. Was ant­wor­ten Sie ihr, Herr Kongreßabgeordneter?

Was die­sem Video sei­ne beson­de­re komi­sche Wür­ze ver­leiht, ist das dümm­lich-empör­te Gesicht der Mode­ra­to­rin, die auch schon ange­sichts der Auf­nah­men von Omran Daqnee­sh vor lau­fen­der Kame­ra in Trä­nen aus­ge­bro­chen ist. Sie kann es offen­bar gar nicht fas­sen, daß die­ser böse Mensch, mit dem sie gera­de spricht, ein Pro­blem damit hat, daß die syri­schen Kin­der wie­der spie­len und die Schu­le gehen können!

Für Deutsch­land lie­fer­te die Bild-Zei­tung die pri­mi­tivst­mög­li­che Schlag­zei­le, die aller­dings umso deut­li­cher zeigt, wohin die Rei­se gehen soll­te (hier die bri­ti­sche Ent­spre­chung):

Assad mor­det wei­ter – KINDER VERGAST… und die Welt tut NICHTS! Wer stoppt den Kinder-Mörder?

 Lügen­pres­se-Busi­ness as usu­al eben, und es ist schwer vor­stell­bar, daß Trump nicht weiß, was hier gespielt wird. Über die Grün­de sei­nes jähen Umschwen­kens kön­nen wir nur spe­ku­lie­ren. Es scheint, daß sich in dem zähen Rin­gen seit sei­nem Amts­an­tritt der “Deep Sta­te” durch­ge­setzt hat. Ein Indiz dafür ist die lau­fen­de Ver­drän­gung Ste­ve Ban­nons aus Trumps enge­rem Kreis, offen­bar auf Drän­gen von Trumps Schwie­ger­sohn Jared Kush­ner, der von man­chen Medi­en bereits als “Schat­ten-Außen­mi­nis­ter” bezeich­net wird. Kush­ner wird übri­gens von dem Trump-Ver­äch­ter und Glo­ba­lis­ten­kai­ser Geor­ge Soros mit mil­lio­nen­schwe­ren Kre­di­ten geför­dert. Kush­ner ist außer­dem der wich­tigs­te Ver­bin­dungs­mann Trumps zu Netan­ja­hu, der Trumps Ent­schei­dung, Syri­en zu bom­bar­die­ren, enthu­si­as­tisch begrüßt hat.

Miß­tö­ne gab es in den letz­ten drei Mona­te nicht weni­ge: einer­seits wur­den ech­te Natio­na­lis­ten und Kon­ser­va­ti­ve wie Ban­non, Jeff Ses­si­ons oder Ste­phen Mil­ler ins Regie­rungs­ka­bi­nett beru­fen, ande­rer­seits wim­mel­te dar­in es vor Neo­con-Fal­ken, Invest­ment­ban­kern und Wall-Street-Insi­dern. Das hat­te ver­mut­lich auch den ein­fa­chen Grund, daß Trump nicht genü­gend kom­pe­ten­te Män­ner zur Ver­fü­gung stan­den, die sei­ne popu­lis­tisch-natio­na­lis­ti­sche Agen­da teil­ten. Die Geg­ner die­ser Agen­da übten von Anfang an Druck aus, um sei­nen ange­kün­dig­ten Kurs­wech­sel zu ver­hin­dern. Der ruß­land­freund­li­che Micha­el Flynn wur­de von sei­nem Pos­ten als Natio­na­ler Sicher­heits­be­ra­ter nach nur drei Wochen auf­grund einer Geheim­dienst-Intri­ge gefeu­ert, und durch den Neo­con-Hard­li­ner McMas­ter ersetzt, einem vehe­men­ten Regime-Chan­ge-Befür­wor­ter. Beun­ru­hi­gend war auch Trumps all­zu enges Kuscheln mit Netan­ja­hu, sei­ne unbe­grün­de­te Feind­se­lig­keit gegen den Iran, und sein Sin­nes­wan­del in der Krim-Frage.

Wie auch immer: er tat nun exakt das­sel­be, was – expres­sis ver­bis – auch Hil­la­ry Clin­ton tun wür­de. Und er wird nun von der glei­chen Spieß­ge­sel­len­brut getät­schelt, die ihn bis­her als Schur­ken und Stö­ren­fried behan­delt hat: von John McCain bis Nan­cy Pelo­si, von Lind­sey Gra­ham bis Bill Kris­tol. Daß sich auch in Euro­pa stram­me glo­ba­lis­ti­sche Vasal­len wie Mer­kel und Hol­lan­de ent­zückt zei­gen, spricht Bän­de, ist aber nur fol­ge­rich­tig. Es ist schon eine maka­bre Iro­nie: in Zei­ten, als Trump beteu­er­te, daß er fried­li­che Bezie­hun­gen zu Ruß­land und Syri­en anstre­be, wur­de er von den Medi­en als blut­rüns­ti­ger Irrer dar­ge­stellt; nun da er auf einen Krieg gegen Ruß­land und Syri­en zusteu­ert, wird er als Geläu­ter­ter und Lern­fä­hi­ger gefeiert.

Nach­dem die Bild-Zei­tung ihre Wün­sche erfüllt sah, titel­te sie:

Erst Fehl­start, jetzt Syri­en­an­griff – Kann aus Trump doch noch ein guter Prä­si­dent werden?

Ähn­li­che Töne waren lei­der auch auf der Ach­se des Guten zu lesen, die wie­der zu ihren neo­kon­ser­va­ti­ven Wur­zeln aus der Bush-Ära zurück­zu­keh­ren scheint. Joa­chim Niko­laus Stein­öfel sang das alt­be­kann­te Lied:

Der Mili­tär­schlag der USA war mit­hin ein Erfolg. Trump hat sei­nen ers­ten gro­ßen außen­po­li­ti­schen Test mit Bra­vour bestan­den. Damit kann es aber nicht sein Bewen­den haben. Das Blut­bad im Nahen Osten ist weit davon ent­fernt, been­det zu sein. Reli­giö­ser Fana­tis­mus und Ter­ro­ris­mus domi­nie­ren die Regi­on. Der Akti­on der USA soll­ten Maß­nah­men fol­gen, die Russ­land und dem Iran deut­lich machen, dass ihre Unter­stüt­zung des Assad-Regimes einen Preis haben, dass Irans Wunsch, sei­ne Ein­fluß­zo­ne über den Irak bis zum Mit­tel­meer aus­zu­deh­nen, ein Traum blei­ben wird.

Kei­ner der Apo­lo­ge­ten die­ser Poli­tik ist imstan­de zu erklä­ren, was für einen Sinn es – allein rein mili­tä­risch – haben soll, gleich­zei­tig Assad und die “Rebel­len” (also Al-Qai­da & Co) zu bekämp­fen, oder auch nur einen Plan oder einen Kan­di­da­ten vor­zu­schla­gen, der in Syri­en eine sta­bi­li­sie­ren­de Rol­le spie­len könn­te, wenn Assads Regime und die Baath-Par­tei ver­schwun­den sind. Ist Sta­bi­li­tät in die­sem Teil der Welt über­haupt der Wunsch der Mäch­ti­gen? Wenn man sich ansieht, was aus dem Irak nach Sad­dam Hus­sein und Liby­en ohne Ghad­da­fi gewor­den ist, gerät man schwer ins Zwei­feln. Ver­sa­gen oder Absicht? Und wel­che Rol­le spielt dabei der Kampf um Petro­dol­lars, Erd­öl- und Erdgaspipelines?

Es war ermu­ti­gend zu sehen, daß Trumps bis­her vehe­men­tes­te Anhän­ger den Syri­en-Schlag hef­tig kri­ti­siert und sich mas­sen­wei­se von ihm abge­wandt haben. Sie haben gezeigt, daß sie eben kei­ne blin­den Füh­rer­kul­tan­hän­ger sind (wie etwa die Fans von Oba­ma) und kei­nes­wegs bedin­gungs­los einem “auto­ri­tä­ren” Poli­ti­ker fol­gen wol­len, wie die Gegen­sei­te und die Popu­lis­mus­pho­bi­ker so ger­ne behaup­tet. Das Vor­ge­hen des Prä­si­den­ten wird als veri­ta­bler Ver­rat gewer­tet. Trumps media­le Stüt­ze Breit­bart News ver­zeich­ne­te fast 50,000 Kom­men­ta­re zu dem ers­ten Arti­kel über den Angriff, nahe­zu alle nega­tiv und erzürnt. Ann Coul­ter, die scharf­zün­gigs­te Trump-Unter­stüt­ze­rin unter den Main­stream-Kon­ser­va­ti­ven, mein­te, sie käme sich vor, als wür­de sie sich Kubricks “Dr. Selt­sam” anse­hen. Ihren Best­sel­ler-Titel “In Trump We Trust” wer­de sie wohl in “In Trumpism We Trust” ändern müs­sen – die­se Unter­schei­dung zwi­schen Trump, dem Poli­ti­ker, und der popu­lis­ti­schen Bewe­gung, die er ange­sto­ßen hat, hat übri­gens Alain de Benoist bereits von Anfang an getroffen.

Scharf kri­tisch zeig­ten sich auch sämt­li­che Köp­fe der Alt­right-Bewe­gung: so etwa Greg John­son,  Richard Spen­cer (der das Kunst­stück fer­tig­brach­te, Anti­fan­ten zu einem Pro­test gegen den Pro­test gegen den Krieg eines repu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten zu mobi­li­sie­ren) oder John Mor­gan.  Hun­ter Wal­lace hat eine nütz­li­che Chro­nik des Bruchs und der wach­sen­den Des­il­lu­sio­nie­rung der Alt­right zusam­men­ge­stellt.  Damit sind die “alter­na­ti­ven Rech­ten” wie zu den gol­de­nen Wahl­kampf­zei­ten in völ­li­ger Über­ein­stim­mung mit den füh­ren­den Jour­na­lis­ten und Blog­gern der “Alt-Lite” wie Mike Cer­no­vich, Ste­fan Moly­neux oder Paul Joseph Wat­son.

Nicht alle haben die Hoff­nung auf den “God-Emperor” gänz­lich auf­ge­ge­ben. Dem Nar­ra­tiv “Trump wur­de vom Deep Sta­te geka­pert” steht die “4D-Schach”-Theorie gegen­über, wonach es sich beim dem Luft­an­griff nur um ein abge­kar­te­tes Spiel gehan­delt habe: Assad und die Rus­sen sei­en vor­ge­warnt gewe­sen, die Hälf­te der Rake­ten sei gar nicht ans Ziel gekom­men, und zudem habe der Schlag nur gerin­gen Scha­den ver­ur­sacht. Han­delt es sich hier also um einen raf­fi­nier­ten, machia­vel­lis­ti­schen Schach­zug Trumps, um sei­ne Kri­ti­ker zum Schwei­gen zu brin­gen, innen­po­li­tisch mehr Luft zu bekom­men und sei­nen außen­po­li­ti­schen Geg­nern (wie etwa Chi­na und Nord­ko­rea) Stär­ke und Ent­schluß­kraft zu demons­trie­ren? Ein sol­cher Trump wäre das genaue Gegen­teil zu Trump, dem impul­si­ven Affekt­men­schen, der eine fun­da­men­ta­le poli­ti­sche Über­zeu­gung ändert, sobald er Bil­der von toten Kin­dern sieht oder von sei­ner Schwie­ger­toch­ter ange­flennt wird.

Die “4D-Schach”-Version der Geschich­te ver­tritt etwa der Vlog­ger Black Pigeon; eine Vari­an­te davon kann man auch hier nachlesen.

Soll­te nun eine „Fal­se Flag“ der Geheim­diens­te ans Tages­licht kom­men, hät­te Trump nach dem Luft­schlag fol­gen­de Kar­te in der Hand: Er könn­te den Geheim­diens­ten vor­wer­fen, ihn falsch gebrieft zu haben (genau das, was mit Bush zu Beginn des Irak-Kriegs gemacht wur­de). Damit hät­te Trump einen Vor­wand, um die CIA auf­zu­räu­men und alles, was in der Ver­gan­gen­heit heim­lich geschah, ans Licht zu bringen.

Ist da etwas dran, oder han­delt es sich dabei nur um Ratio­na­li­sie­run­gen jener, die sich nur schwer von den hoch­ge­steck­ten Hoff­nun­gen, die sie in Trump gesetzt haben, lösen kön­nen? Ich wer­de an die­ser Stel­le nicht so tun, als hät­te ich die Lage durch­schaut. Ich hal­te aller­dings fol­gen­de Din­ge für wahrscheinlich:

1. Der Gift­gas­an­griff war ent­we­der eine “Fal­se Flag”-Aktion, oder die syri­schen Luft­streit­kräf­te haben Depots von che­mi­schen Waf­fen im Besitz der “Rebel­len” getroffen .

2. Trump weiß das ganz genau oder ver­mu­tet es zumin­dest. Sein Ent­schluß geschah weder im Affekt noch auf­grund fälsch­li­cher Informationen.

3. Es kann sein, daß er nun tat­säch­lich (aus wel­chem Grund auch immer) das Spiel der Neo­cons und Glo­ba­lis­ten spielt, dann wäre die­ser ver­ein­zel­te Schlag aller­dings sinn­los. Es müß­ten wei­te­re Eska­la­tio­nen fol­gen, und es scheint in der ame­ri­ka­ni­schen Regie­rung Kräf­te zu geben, die genau dar­auf hin­steu­ern, was einen gefähr­li­chen Zusam­men­stoß mit dem Iran und mit Ruß­land bedeu­ten wür­de. Glaubt man sei­nen Beteue­run­gen, scheint Trump aber kei­ner­lei Absich­ten die­ser Art zu hegen.

Wel­che Kon­se­quen­zen wird Trumps Mili­tär­schlag also tat­säch­lich haben? Die Äuße­run­gen des Prä­si­den­ten und der Regie­rungs­mit­glie­der waren in den letz­ten Tagen alles ande­re als kohä­rent und ein­heit­lich. Es scheint einen Kon­flikt zu geben zwi­schen denen, die auf einen Regime­wech­sel – und damit ein inten­si­ve­res Ein­grei­fen in den syri­schen Krieg – drän­gen, und denen, die Trumps Bom­ben als blo­ßen Gedenk­zet­tel ver­ste­hen wis­sen wol­len. Der Prä­si­dent selbst beteu­er­te dies am 11. April gegen­über der New York Post:

“Wir wer­den Syri­en nicht betre­ten. Unse­re Poli­tik ist gleich geblie­ben – sie hat sich nicht ver­än­dert. Wir wer­den Syri­en nicht betreten.”

Nicht anders äußer­te sich Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Gene­ral James Mat­tis auf einer Pres­se­kon­fe­renz des Pen­ta­gon. Die USA wer­de sich nicht in den Bür­ger­krieg ein­mi­schen, die Prio­ri­tät blei­be der Kampf gegen den IS. Die Welt berichtet:

Bei sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Chef des Pen­ta­gon mach­te James Mat­tis deut­lich, dass der Angriff sei­nes Lan­des auf Luft­waf­fen­stütz­punk­te in Syri­en kein Vor­bo­te für eine neue Stra­te­gie in dem Bür­ger­kriegs­land gewe­sen sei. „Es war kein Zei­chen dafür, dass wir voll­wer­tig und umfas­send in den wohl kom­ple­xes­ten Bür­ger­krieg unse­rer Zeit ein­stei­gen“, sag­te der US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter. „Die Mili­tär­kam­pa­gne hat den Fokus dar­auf, den IS zu bre­chen, den IS in Syri­en zu besiegen.“

Grund für den Angriff war Mat­tis zufol­ge „allein“ der mut­maß­li­che Gift­gas­an­griff auf Chan Schei­chun. „Wir wuss­ten, dass wir danach nicht untä­tig blei­ben konn­ten“, so Mat­tis. Es sei aber „kein Vor­bo­te für einen Wech­sel in unse­rer Mili­tär­kam­pa­gne“ gewesen.

Inzwi­schen sieht es so aus, als steu­er­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten gezielt auf einen ris­kan­ten Kol­li­si­ons­kurs mit der Nukle­ar­macht Nord­ko­rea zu. 

Am 13. April set­zen die USA im Kampf gegen den IS in Afgha­ni­stan die größ­te Flie­ger­bom­be ihres Arse­nals ein. Der Schlag töte­te halb so vie­le Men­schen wie der Ter­ror-LKW von Niz­za. Offen­bar dien­te er bloß der Inten­si­vie­rung des Säbel­ras­selns, ver­mut­lich um Chi­na und Nord­ko­rea die Mus­keln zu zeigen.

Die Zwei­deu­tig­keit hat kein Ende, und die­ser Arti­kel wird wohl bald so rasch ver­al­tet sein, wie mein Vor­trag zum Phä­no­men Trump auf der Stro­nach-Aka­de­mie vom 29. März.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (25)

Cacatum non est pictum

15. April 2017 00:16

Tja, das ist die Lage. Selbst Menschen mit ausgeprägtem Interesse an Politik sind nicht ansatzweise imstande, außenpolitische Manöver richtig zu deuten. Sie schippern ahnungslos auf dem Ozean der Spekulation, während um sie herum die Kriegswogen hochschlagen. Die Völker für sinnlose und verlustreiche Kriege zu begeistern, ist heute genauso leicht wie 1914, 1939 und in all den Jahren danach. Das Fußvolk durchschaut die Ränkespiele ohnehin nicht. Unsere Massenmedien werden beizeiten die passende Interpretation verlautbaren und die Menschen auf Linie bringen. Es wird wieder und wieder funktionieren.

Ihr Artikel, Herr Lichtmesz, fasst die Ereignisse der letzten Wochen seriös zusammen und gibt auch einen kleinen Ausblick. Dennoch springt den Leser - verständlicherweise - aus nahezu jedem Absatz ein dickes Fragezeichen an.

Nach bestem Wissen und Gewissen gehe ich inzwischen davon aus, dass Trump aus dem Hintergrund massiv unter Druck gesetzt und erpresst wird. Man kanalisiert sein Handeln ähnlich, wie man es bei Obama getan hat, der ja vom Friedensnobelspreisträger mit Vorschusslorbeeren zum Kriegstreiber und Drohnenmörder mutiert ist. Wenn das so ist, verheißt es wahrlich nichts Gutes. Aber auch ich schließe nicht aus, dass ich meine Vermutung vielleicht alsbald revidieren muss. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

Caroline Sommerfeld

15. April 2017 00:59

Die heutige Wiederlektüre der in der Kreuzwegliturgie zitierten Johannesoffenbarung ("Die Sonne wurde schwarz wie ein Trauergewand, und der ganze Mond wurde wie Blut") ist nicht trostspendend genug, als daß ich nicht langsam aufwallende Panik bekomme, was Trump da gerade anstellt oder was mit ihm angestellt wird ...

Kurz blitzte der defaitistische Gedanke auf: dann soll Trump zurücktreten, jetzt, genau jetzt, und eine klare Ansage machen, was sie aus ihm machen wollten! Das gibt Revolution, nehme ich an, aber wenigstens keinen Weltkrieg.

Ein weiterer Gedanke: im trumpschen Wahlkampf hatten wir alle Muße dieser Welt, Überlegungen über das "postfaktische Zeitalter", die "Agonie des Realen" und Trump als postmodernes Phänomen anzustellen, Sie erinnern sich alle ....

Aus dem Müßiggang katapultieren uns jetzt die Ereignisse heraus. Die furchterweckende Fallhöhe dieses Flugs darf uns aber nicht vergessen lassen, was wir mal wußten: die "Ereignisse" sind jetzt nicht plötzlich unmittelbar, real, authentisch.

„Selbstverständlich und ohne es zuzugeben, läßt man ein Sprechen, das Ereignis macht, als simple Mitteilung des Ereignisses durchgehen. Die politische Wachsamkeit, die das von unserer Seite fordert, besteht offenkundig darin, ein kritisches Wissen von allen Apparaten zu organisieren, die vorgeben, Ereignisse mitzuteilen, die sie aber in Wirklichkeit interpretieren, hervorbringen oder machen.“  (Jacques Derrida, Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen, 2003)

Der Gehenkte

15. April 2017 01:34

Bei der beschränkten Informationslage bleibt wohl nicht mehr, als je nach Weltbild ein bißchen zu spekulieren. Unter dieser Prämisse klingt das Gesagte verständlich.

Zwei Dinge dürften aber deutlich sein.

Auf Trump müssen enorme Kräfte gewirkt haben, denn der radikale Schwenk von heute auf morgen in einer seiner vitalsten und entscheidendsten Fragen, der gleich zu Beginn seine Glaubwürdigkeit und seine Mission in Frage stellt, kann existenzbedrohend sein und ist schon aus psychologischer Sicht – Verlust des Ansehens und der eigenen Gefolgschaft – nur so zu verstehen.

Zum anderen wird man sowohl die Bomben in Syrien als auch die „Mutter“ als Gesprächsangebot bzw. Botschaft mit anderen Mitteln begreifen müssen. Dafür spricht das Mißverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis. Es wurden in Syrien 60 Mio. Dollar an Feuerwerk verschossen, um militärisch fast nichts zu erreichen – am selben Abend sollen von dort schon wieder MiGs gestartet sein.

Trump will zeigen, daß er trotz Friedensrhetorik kein Weichei ist. Die Botschaft geht offenbar nach Rußland und Iran. Die schwache Rhetorik aus Moskau könnte bedeuten, daß man den Sinn der Action verstanden hat – man nimmt es nicht weiter übel.

Die vielmalige Beteuerung, daß man sich international nicht mehr involvieren will, konnte dazu verleiten, daß man hier und da denkt, man habe freie Hand – der chinesische Staatsbesuch war zudem ein glücklicher Zufall. Daß dem nicht so ist, das hat Trump nun bewiesen. Daß er sich dafür eine unklare Situation ausgesucht hat (wir wissen noch nicht endgültig, wo das Gas herkommt), ist unglücklich, andererseits waren die Kinderbilder zu verlockend. Die Botschaft ist wortwörtlich: Wir wollen zwar nicht, aber es gibt „rote Linien“! Trump wollte also mögliche Mißinterpretationen seiner Außenpolitik beseitigen.

Die gestrige Bombe richtet sich wohl vor allem an Nordkorea. Warum er dieses Faß jetzt aufmacht, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist China hier die Agenda. Aber sollte Nordkorea tatsächlich zum Krieg verleitet werden, wird das Land entweder implodieren oder es wird ein zweites Vietnam – beides mit katastrophalen Folgen.

Ich folge der Argumentation von Ralf Pittelkow – der im Übrigen Assad das Gas zutraut –, wonach der Angriff in Syrien mögliche Mißverständnisse bezüglich seines geopolitischen Rückzugs ausräumen sollte, also eine Warnung an alle Großmächte ist, daß der Wille zum Frieden bewaffnet bleiben muß.

Im Übrigen sollten wir vor allem eine wichtige Lehre daraus ziehen: Es ist unsinnig, sich auf bestimmte politische Kräfte zu verlassen; dagegen spricht schon der „menschliche Faktor“. SiN sollte sich auf die metapolitische Ausrichtung konzentrieren und weiter daran arbeiten, eine Stimmung, eine Atmosphäre, ein Klima zu schaffen, das einen Politikwechsel erst ermöglicht. Wie der dann konkret aussieht, steht in den Sternen – das ist ein unabänderliches Gesetz (die AfD-Show mit allen ihren Mitspielern ist ein ideales Bsp. für den Nonsens der direkten politischen Einflußnahme).

Nautilus

15. April 2017 02:04

Herr Lichtmesz,

ein sehr guter Text muss ich sagen. Es gibt ja nicht wenige die sagen, dass nicht einmal ein amerikanischer Präsident die Politik bestimmt.

Andreas Popp hat dafür einen Begriff geprägt.. Politikdarsteller.

Die Hochfinanz bestimmt was Sache ist und die Politiker hängen wie Marionetten an den Fäden.

Roman.U

15. April 2017 06:54

Wieso nicht eine vierte Version, die weniger direkte Kontrolle und langfristige Pläne auf höherer Ebene voraussetzt? Assad wird seine Armee nicht zwingend völlig unter Kontrolle haben. Das wäre in einem Bürgerkrieg nicht verwunderlich. Ein örtlicher Befehlshaber kann aus taktischen Erwägungen, oder einfach aus Verrohung heraus eingesetzt haben Selbst wenn man Assad als bessere Option ansieht, muss man doch zugeben, dass hier nicht die gleichen zivilisatorischen Maßstäbe angelegt werden können. Nach einem Jahre andauernden Bürgerkrieg sowieso nicht mehr.

Die Reaktion von Trump? Es kann auch einfach der Plan sein, sich für den taktischen Moment Luzft in der Innenpolitik zu verschaffen. Die nun erfolgenden Hinwendung nach Korea spricht eher dafür. Man muss nicht zwingend große Pläne unterstellen.

sophia_

15. April 2017 09:47

Wie immer ausgezeichnet zusammengefasst und analysiert, soweit es momentan eben möglich ist.

Noch gibt es zuviele weisse Flecken im Bild um zu sehen wo die Reise wirklich hingeht. Es ist noch weitgehend unklar wie und wo sich die verschiedenen Versatzstücke der letzten Ereignisse endgültig einfügen.

In unserem "Puzzle" steht noch nicht fest was zusammengehört oder sich überhaupt nicht berührt.

Wir brauchen mehr Fakten um Trumps - endgültige - Richtung und Intention zu sehen um ein stringentes Muster zu erkennen.

Wobei mich die offene Konfrontation mit Nordkorea, wo ja ein offensichtlich psychisch Auffälliger und Grössenwahnsinniger die Hand am roten Knopf hat,  nicht hoffnungsfroh stimmt. Hier hoffe ich auf den Überlebenswillen aller beteiligten Parteien - es bleibt uns ohnehin im Moment nicht anderes übrig.

Wie Sie im Gespräch über Trump sinngemäss ausgeführt haben war sein "Zerschmettern" der PC ein Befreiungsschlag für Viele, den Rest muss man abwarten.

Ob nun tatsächlich eine 4 D Schachversion dahintersteckt? Meist ist auch die Weltpolitik um einiges Banaler als in unserer Vorstellung. 

Wir werden weiter beobachten und hoffen, dass wir's alle überleben. 

Rüdiger Plantiko

15. April 2017 11:00

@Der Gehenkte: Bei der beschränkten Informationslage bleibt wohl nicht mehr, als je nach Weltbild ein bißchen zu spekulieren. Unter dieser Prämisse klingt das Gesagte verständlich.

@Nautilus: Politikdarsteller ... Hochfinanz 

Und das ist es, was mich am meisten an der Sache ärgert - der doppelte Boden der Politik. Wir riechen noch den Mief der Hinterzimmer, in denen hier Weltpolitk - Weltschicksal ! - ausbaldowert wird. Wir haben das Gefühl, sie mit den Händen greifen zu können, aber mit den uns zugänglichen Daten können wir die Typen einfach nicht dingfest machen.

Man hält uns Informationen zurück, den Taten wird eine unzulängliche, nur scheinbare Erklärung beigesellt. Mir klingt noch das Steinerzitat nach, das ich hier vor ein paar Tagen anmerkte: "Alle diese Dinge waren nicht wahr; denn dasjenige, was dahinter war, das war etwas ganz anderes, das waren selbstverständlich Machtfragen. Und wer verstehen will, bei dem handelt es sich darum, daß er von dem, was gesagt, gedacht und geurteilt wird, auf die Wirklichkeiten zurückgeht." (GA 196, Vortrag vom 20.2.1920, S. 245)

Auf der vordergründigen Ebene gibt es Verlautbarungen und "Erklärungen", die nichts wirklich erklären - und die Motive, die zum Handeln treiben, bleiben uns verborgen. Und das ist nicht irgendein Handeln, sondern das politische Handeln ganzer Nationen. Es werden fremde Länder bombardiert, es können Weltbrände entfacht werden. 

Auf der vordergründigen Ebene ist man aufgerufen, Partei zu ergreifen für diesen oder jenen: nun gibt es auch unter den Unseren die Fraktionen "Trump macht einen cleveren Schachzug" - "das war Trumps Initiationsritual in den deep state, den zu bekämpfen er einmal versprochen hatte". Man kann sich einer anschließen (ich neige zu letzterer) und mit den anderen herumzetern. Aber eigentlich fehlt uns die Wissensbasis dafür!

Der Lügner Woodrow Wilson wußte, warum er sein frommes 14-Punkte-Pamphlet mit der Forderung nach einem Ende aller Geheimdiplomatie beginnen ließ. Das war und ist es, wonach die unwissend gehaltenen Völker in den "Demokratien", also vorgeblichen "Volksherrschaften", die man ihnen installiert hatte, schon damals lechzten, weil sie spürten: hinter den Kulissen spielen Hintergrundmächte ein übles Spiel mit ihnen. 

Ein gebürtiger Hesse

15. April 2017 12:03

Hervorragende Darstellung und Analyse der undurchsichtigen Lage. Das ist mit das Beste, was Kritik tun kann: Licht in den Nebel zu bringen, indem sie dessen Bestandteile zerlegt. Dadurch weicht er zwar nicht, wird aber intellektuell durchstoßen. Das ist doch geradezu der Daseinsgrund von SiN: um Lektüren zu liefern, die den Leser "impfen", das heißt stärken.

Hartwig aus LG8

15. April 2017 12:24

Geehrter Herr Lichtmesz,

wir werden mit der ganzen Widersprüchlichkeit, die Sie sehr gut umreißen, weiter leben müssen. In USA herrscht nach wie vor Machtkampf. Wer ihn gewinnen wird, steht dahin.

Trump wurde von Russland gestützt, wurde von Russland gekauft, ist durch Russland erpressbar - so die Kolportage der letzten Monate.

Eine Anmerkung noch zu zwei ganz lapidaren Zahlen, die ganz unspektakulär und nebenbei von der Presse verbreitet wurden: Lawrow und Tillerson haben 5 (in Worten fünf) Stunden hinter verschlossenen Türen getagt. Danach saßen Tillerson und Lawrow von 2 Stunden mit Putin zusammen. Macht gesamt sieben Stunden. Ich behaupte, dass in diesen Stunden Politik jenseits aller Schlagzeilen und Pressekonferenz-Verlautbarungen gemacht wurde.

 

RMH

15. April 2017 13:52

Der Artikel bringt es gut auf den Punkt - wie wissen eigentlich gar nichts so richtig, wir können nur mutmaßen.

In den Kommentarbeitragen wird - wie fast schon einem Naturgesetz folgend - zum Teil von nicht sichtbaren Hintergrundmächten orakelt, einmal wird auch die fast genau so beliebte Psychopathologisierung  in den Ring geführt.

Ich meine, dass führt erst einmal nicht weiter. Halten wird das wenige fest, was man mit halbwegs hoher Wahrscheinlichkeit eben festhalten kann. Leider kann wohl keiner jetzt mir Forscherernst und gepacktem Rucksack los ziehen und die vielen Rätsel lüften.

1. Es gibt keine Recherchefähigkeiten unabhängiger Medien mehr und zum großen Teil überhaupt auch keine unabhängigen Medien mehr. Trotz whistleblower und wikileaks gibt es keinen, der in den Dingen der großen Weltpolitik einmal belegt und glaubhaft "singt".

2. Ein Kim xyz verhält sich rational, wenn er nach der Bombe strebt. Gaddafi bekam es nicht gut, als er einlenkte.

3. Auch ein Trump zeigt doch sehr rationales Verhalten, wenn er sich erst einmal innenpolitisch Luft verschafft und außenpolitisch zeigt, mit mir ist zu rechnen.

4. In Deutschland fallen die allerletzten Hemmungen - der tiefe Staat grüßt uns offen, in dem der Anschlag auf den BVB Bus jetzt als "rechte" Tat dargestellt wird.

5. Klonovsky hat P&P ein schönes Osterei gelegt.

6. Alles weitere, wer dahinter, ob überhaupt etc. ist Spekulation - leider oft garniert mit dem offenen Ausdruck der Hilflosigkeit.

Ich wünsche allen ein frohes Ostern - wir sind eben nur kleine Teilchen, die hoffen, ein Schmetterling sein zu können, der einen Sturm auslösen kann. Wir wissen dennoch, wie unwahrscheinlich das ist und dass der Flügelschlag seriös betrachtet eben alles Mögliche, unberechenbare auslösen kann und eben nicht vorhersagbar den Sturm. Aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.

Monika L.

15. April 2017 14:10

Saubere Analyse, Herr Lichtmesz. Ich verweise auch noch mal auf das Gespräch der beiden Martins. 

https://m.youtube.com/watch?v=hhVJjpgnBF8

Im Livestream ca. 500 Zuhörer. Jetzt über 17000 mal angeschaut. Toll. Gespräche mit den beiden  Martins zu aktuellen Themen sollten m. E. öfters stattfinden. Neben anderen Gesprächspartnern ( z. B. Imad Karim)

Und das 'Heerlager  der Heiligen'  als Hörbuch ( gelesen von ML) wäre m. E. auch ein Knaller. 

Danke für den unermüdlichen Einsatz. Trotzdem allen ein zumindest zeitweilig frohes und besinnliches Ostern.

Monika 

Cacatum non est pictum

15. April 2017 14:20

@sophia_

Noch gibt es zuviele weisse Flecken im Bild um zu sehen wo die Reise wirklich hingeht. Es ist noch weitgehend unklar wie und wo sich die verschiedenen Versatzstücke der letzten Ereignisse endgültig einfügen.

In unserem "Puzzle" steht noch nicht fest was zusammengehört oder sich überhaupt nicht berührt.

Wir brauchen mehr Fakten um Trumps - endgültige - Richtung und Intention zu sehen um ein stringentes Muster zu erkennen.

Wobei mich die offene Konfrontation mit Nordkorea, wo ja ein offensichtlich psychisch Auffälliger und Grössenwahnsinniger die Hand am roten Knopf hat,  nicht hoffnungsfroh stimmt. Hier hoffe ich auf den Überlebenswillen aller beteiligten Parteien - es bleibt uns ohnehin im Moment nicht anderes übrig.

Niemand wird Ihnen die entscheidenden Puzzleteile liefern. Betrachten Sie nur die Debatten zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Dieses Ereignis liegt mehr als 100 Jahre zurück, und man streitet sich immer noch um "Kriegsschuld" und darum, wer die Fäden im Hintergrund gezogen hat. Es wabern unzählige Theorien und sicher auch ein gerüttelt Maß an Desinformation durch die Welt. Sollte es morgen zu Kämpfen in Korea kommen, werden unsere Nachfahren im nächsten Jahrhundert genauso hilflos über die wahren Ursachen spekulieren. Um das Mosaik vollständig zusammensetzen zu können, würden die Historiker Einblick in sämtliche Geheimarchive der Höchstgradfreimaurerlogen und der Geheimdienste benötigen. Das wird nie passieren. Und deshalb wird auch eine seriöse Geschichtswissenschaft immer nur an der Oberfläche kratzen können.

Was Kim Jong Un angeht: Da wäre ich mit jeder einzelnen Information über ihn  aus den Massenmedien vorsichtig. Wer bürgt denn dafür, dass all das nicht frei erfunden ist? Immerhin ist er wohl in der Schweiz zur Schule gegangen, und aus jener Zeit ist nicht überliefert, dass er irre gewesen sei. Schauen Sie sich die unglaubliche Geschichte der Kriegspropaganda an - Herr Lichtmesz ist in seinem Artikel kurz darauf eingegangen. Wenn es jemanden anzugreifen gilt, wird man dem eigenen Volk vorher jede noch so absurde Propagandalüge über ihn erzählen. Lesen Sie unbedingt "Hände weg von Nordkorea!" aus dem Ahriman-Verlag. Nach der Lektüre werden Sie Bauklötze staunen, wie weit das von unseren Medien gezeichnete Bild dieses Staates von der Lebenswirklichkeit entfernt ist.

Monika L.

15. April 2017 14:26

Für den aus " Karfreitagsholz" geschnitzten Martin Lichtmesz. Der gerne die Karwoche als Zeitzeuge erlebt und beschrieben hätte: Drei Karsamtagsmeditationen von Joseph Ratzinger: https://www.30giorni.it/articoli_id_10358_l5.htm

Und für die Fortführung von ' Kann nur ein Gott uns retten' neue Impulse und Ruhe und weniger Gezwitscher. "Fängt unser Jahrhundert nicht an, zu einem großen Karsamstag zu werden?" ( Joseph Ratzinger)

Dietrich Stahl

15. April 2017 15:39

 

Trump ist unter enormen Druck eingeknickt oder er spielt 4D-Schach – Welche der beiden Möglichkeiten trifft zu? Intuitiv bin ich momentan weiterhin von der zweiten Variante überzeugt. Außerdem liebe ich das Schachspielen, und das wäre Schach als Kunstform. Hier ein Link mit exzellenter Analyse und Kommentaren dazu:

https://vineyardsaker.de/2017/04/14/dies-und-das-schach-im-nebel-und-ein-paar-kriegsschiffe/  

Die für mich wichtigsten Sätze im SiN Kommentar schrieb @ Der Gehenkte: „Im Übrigen sollten wir vor allem eine wichtige Lehre daraus ziehen: Es ist unsinnig, sich auf bestimmte politische Kräfte zu verlassen; […]. SiN sollte sich auf die metapolitische Ausrichtung konzentrieren und weiter daran arbeiten, eine Stimmung, eine Atmosphäre, ein Klima zu schaffen, das einen Politikwechsel erst ermöglicht. Wie der dann konkret aussieht, steht in den Sternen […].“

Zustimmung. Daran mitzuarbeiten, die Bedingungen für einen grundlegenden Wechsel [nicht nur politisch] zu schaffen, ist aber nur eines. Für den bevorstehenden geschichtlich einmaligen Wechsel ist es unabdingbar, konkret auszuarbeiten, was jetzt noch „in den Sternen steht“.  Was gebraucht wird sind Ideen, Vorstellungen, Programme [das Wort Vision verkneife ich mir] für die Zeit danach  ... Analysen reichen nicht mehr.

Stefan Pauly

15. April 2017 15:56

 Der - eher links stehende - Schriftsteller ("Weltmacht IWF - Chronik eines Raubzuges", ein sehr lesenswertes Buch über die globale Macht der Hochfinanz und die Mechanismen, wie diese Macht erhalten und ausgebaut wird) Ernst Wolff hat seine Skepsis schon unmittelbar nach dem Wahlsieg Donald Trumps in einem kurzen Interview kurz und knackig auf den Punkt gebracht: https://www.youtube.com/watch?v=RH1wALjMpYA&t=45s

Kurzrobert

15. April 2017 16:26

Ein erhellender Beitrag, wie er unabhängig von Denkmustern nur auf SiN möglich ist. Ich bin überzeugt, mancher Gemainstreamte der verbreiteten Journaille beneidet Sie insgeheim. Was man politisch befürchten muß, ist die Eskalation, da sich Trump als gefährliches Irrlicht im Weltgeschehen entpuppt, was aber nicht so sehr überrascht. Er ist und bleibt ein Geschäftsmann, der von politischen Zusammenhängen Null Ahnung hat und dazu noch ein chaotisches Berater-Team. Ein Bankrott im Politischen hat aber andere Auswirkungen, als im Geschäftlichen, wo sich mit Chuzpe vielleicht noch Kreditgeber finden. Ich befürchte sehr Schlimmes. Hinsichtlich Korea redet er sich ja auch schon in Zugzwang.

Dag Krienen

15. April 2017 17:57

Sehr schöne Analyse des grundlegenden Problems.

Die korrekte Schußfolgerung, nichts genaues über die Hintergünde und Ursachen der Trumpschen "Wendung" zu wissen oder auch  nur wissen zu können, ist zweifellos korrekt, aber leider auch sehr unbefriedigend, geht es doch letztlich um Krieg und Frieden nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit. Deshalb kann man das Spekulieren nicht so einfach lassen. Solange man sich bewußt ist, daß man mit zu kurzen Stangen im Nebel herumstochert, und darauf verzichtet zu behaupten, die eigentlichen Ursachen zu kennen, ist dagegen auch nichts einzuwenden.

Deshalb erlaube ich mir, anschließend an einige der Kommentare hier, zwei kleine Spekulation.

Zum einen möchte das Argument von Roman U. unterstützen, daß nicht auszuschließen ist, daß ein untergeordneter Kommandeur in Assads Luftwaffe Giftgasmunition auf eigene Faust eingesetzt hat. Daß Assad selbst einen solchen Angriff befohlen  hat, ist gemäß der Cui Bono Logik extrem unwahrscheinlich, wie auf diesen Seiten schon mehrfach dargelegt. Dennoch wäre es möglich, daß aus dem genannten Grund der Giftgas-Einsatz von syrischer Seite aus erfolgte (villeicht sogar unbeabsichtigt, weil man auf alte, falsch gekennzeichete Munitionsbestände zurückgriff). Wie gesagt, ich halte dies zwar für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich. Damit wäre aber dann auch nicht auszuschließen, daß Trump auf der Basis von halbwegs  korrekten Informationen seiner Geheimdienste seine Entscheidung getroffen hat.

Ich will, wie zu erkennen, hier ein wenig auf das Prinzip Hoffnung hinaus: die 4-D-Schachvariante. Hoffnung ist eben das einzig Gute, das der Büchse der Pandora entfleuchtete, und insofern auch das, was uns bleibt. Natürlich ist es sehr gut möglich, daß Trump vom alten Establishment "umgedreht" bzw. so sehr in die Zange genommen wurde, daß er eine völlige Kehrtwende vollzogen hat, oder auch, daß er nur ein in außenpolitischen Dingen prinzipienloser Opportunist ist, der sich an die stärkeren Batallione anhängt.

Aber, mich an den Kommentar des Gehenkten anschließend, ganz auszuschließen ist es nicht, daß der Raketenangriff in Syrien sowie der Einsatz der "Mutter aller Bomben" in Afghanistan (eindeutig eine Drohung gegen Nordkorea, da eine solche Bombe ein ausgesprochener "Bunkerknacker" ist) ein politisch wohldurchdachter Befreiungsschlag Trumps nach innen und außen darstellt. Nach innen, weil er dem übermächtigen Establishment ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt und die Anti-Trump-Propaganda ("Neuer Isolationismus") erschwert (das Verschrecken von Anhängern ist m.E. das kleinere Risiko, da die meisten Amerikaner bei Trump eher auf die innen- und wirtschaftspolitischen Versprechen schauen dürften). Nach außen als Signal, daß die USA als globaler Akteur weiterhin präsent sind, sich niemand Hoffnung darauf machen darf, nun freie Hand zu haben und Verbündete des amerikanischen Beistandes gewiss ein können. Gerade das Spiel der Großen Politik geht immer über die Bande, un zwar meist gleich über mehrere. Vielleicht spielt auch der jetzige Präsident dieses Spiel (durchaus mit dem Risiko, sich dabei selbst in eine Sackgasse zu manövrieren) und was derzeit geschieht, wäre dann nur ein Auftakt zu einer neuen, deutlich weniger interventionistisch angelegten US-Außenpolitik.

Das ist alles nur natürlich auch nur eine Spekulation, getragen vom Prinzip Rest-Hoffnung. Nur die weitere Entwicklung kann zeigen, ob sie trägt oder nicht doch alles so schlimm kommt, wie es der erste Anschein verspricht.

 

Zugezogener Hesse

15. April 2017 19:14

Es ist erst mein dritter Beitrag, den ich hier gelesen habe und mich begeistert das Niveau von Beiträgen und Kommentaren.

Einen Gedanken möchte ich den vielen exzellenten Betrachtungen allerdings noch hinzufügen.

@kurzrobert schreibt, Er ist und bleibt ein Geschäftsmann, der von politischen Zusammenhängen Null Ahnung hat...

OK, dann könnte es doch auch sein, daß er sich dieser Tatsache bewußt ist und sich daher - um eben nicht irrlichternd zu agieren - umfassend beraten lässt.

Es wird doch wohl nicht nur auf dieser Seite hier kluge Köpfe geben.  

 

Solution

16. April 2017 02:10

Nachdem etliche Vertreter der AltRight und der AltRight Lite sich umgehend total von Trump distanziert haben (von Richard Spencer über RedIce, Greg Johnson bis zu Stefan Molyneux), erscheint es mir so, daß dies eine Art Befreiungsschlag war.

Man hat Trump schon immer mit gemischten Gefühlen beobachtet und sich dann doch mitreißen lassen. H. A. Covington war noch mit am vorsichtigsten, doch auch er hat ihn in seiner wöchentlichen Sendung auf Radio Free Northwest mit Redebeiträgen gebracht.

Vox Day nennt ihn immer noch "God Emperor" und AltRight.com bringt mittlerweile auch differenziertere Beiträge. Das ändert aber nichts an dem tiefen Bruch, der meiner Meinung nach nicht mehr zu kitten ist.

Jetzt haben wir klare Verhältnisse und müssen nicht mehr rechtfertigen, wenn er z.B. gute Leute austauscht gegen Zionisten und Vertreter der Hochfinanz, die ohnehin von Anfang an dabei waren. Trump ist durch. Man ist fertig mit ihm und das ist so in Ordnung.

Was auf jeden Fall bleibt, ist der enorme Aufschwung, den die AltRight in seinem Schatten in den USA genommen hat. Wir werden sehen, wie seine enttäuschten Anhänger der GOP reagieren. Vielleicht ist das der Anfang einer neuen Bewegung, die bisher nur aus wenigen Leuten im Internet bestanden hat.

Trump als Katalysator?

Maiordomus

16. April 2017 11:49

Man weiss nicht genug, um einen mehr als spekulativen Artikel schreiben zu können, es bleibt aber dabei, dass man sich auf den Befund der Lügenmedien verlassen kann. Über Trump ist die angemessene Einschätzung noch nicht getroffen, ausser dass er unberechenbar ist, was man schon bei seiner Wahl wusste. Unter den Leserkommentaren scheint mir derjenige von Dag Krienen recht klug zu sein und eine gute Ergänzung zu Lichtmesz.

Valjean72

16. April 2017 12:49

Ich finde es gut, dass hier an diesem Ort, der entscheidenden Keimzelle deutscher rechtsintellektueller Avantgarde, gleichwohl noch dem „Mainstream“ verhaftet, alternative Sichtweisen auf geopolitische Ereignisse diskutiert werden.

Unter Benedikt Kaisers Artikel hatte ich bereits angeführt, dass ich Trump aufgrund dieses Militärschlages in Syrien noch nicht würde abschreiben würde wollen. Martin Lichtmesz hat wichtige Informationen zusammen getragen, die es durchaus möglich erscheinen lassen, dass dieser Angriff mehr eine mediale Inszenierung, als ein tatsächlich empfindlicher Schlag gegen die syrische Armee gewesen ist.

Wolfgang Effenberger, der vor zwei Jahren das, mit Willy Wimmer gemeinsam verfasste Buch „Wiederkehr der Hasardeure“ veröffentlichte, hat den von Trump angeordneten Militärschlag am 10. April noch einmal in ein anderes Licht gesetzt, in dem er darauf verweist, dass Trump angekündigt hatte die „Federal Reserve Bank“ zu durchleuchten und zu überprüfen.

„Parallel zu diesem geschickten Manöver läuft Trumps Offensive für ein Trennbankensystem.(18)

Wir haben also Grund zu der Hoffnung, dass Trump keineswegs vom Establishment besiegt oder umgedreht wurde, sondern durch das Manöver eines angekündigten Scheinangriffs seine beabsichtigte Politik weiter verfolgt. In den nächsten Tagen werden wir sehen, wie sich die Situation in Syrien weiterentwickelt und wie die USA auf den Vormarsch des IS weiter reagieren werden. Erst dann haben wir Klarheit.“

https://www.anderweltonline.com/politik/politik-2017/heult-trump-ploetzlich-mit-den-woelfen-kehrtwende-oder-schachzug/

AlbertZ

16. April 2017 21:26

"Manche Leute meinen, wenn der Trump dieses Jahr überlebt, hat er Glück gehabt. Warum nicht? Also ich halte das hier für wahrscheinlich, daß da noch was kommt."

Ihre 'Vorhersage' am Ende des Vortrages in der Stronach-Akademie ist doch recht zügig eingetroffen. Es ist tatsächlich etwas gekommen, nur nicht unbedingt das von Ihnen Erwartete oder Erhoffte.

Die Spannung zwischen den Erwartungen des Establishments und den Ankündigungen Trumps mußte aufgelöst werden. Diese Auflösung besteht in dem Abschuß von 59 Cruise Missiles. Einen solchen Befehl kann nur der Präsident geben, der damit seine Stärke beweist und gleichzeitig - durch die Art der Ausführung - sich viele Optionen offen hält.

Die Establishmentmehrheit hatte sich bereits vor der Präsidentschaftswahl für eine Fortsetzung der bisherigen Politik der Globalisierung unter Hillary Clinton entschieden. Eine Person Trump wäre für dieses bestenfalls akzeptabel, eine dazu stattfindende Neustrukturierung der US-Politik ist offenbar indiskutabel.

Ein Ausgleich der gegensätzlichen Positionen ist inhaltlich damit kaum möglich. Die Globalisierung zeigt zwar seit 15 Jahren mit der enormen Auslandsverschuldung der USA und dem gescheiterten Anschluß von Erdölstaaten keine Erfolge, sie ist aber nicht gescheitert - die USA sind nicht bankrott, die angegriffenen Staaten bilden kein Verteidigungsbündnis gegen die USA. Eine Einsicht in die Notwendigkeit einer politischen Umstrukturierung ist sinnvoll, aber nicht zwingend.

Im Jahre 2013 war Hillary Clinton praktisch schon die demokratische Präsidentschaftskandidatin, während Trump sich mit Twittermeldungen als Vorwahlkandidat ins Gespräch brachte. Die Vorwahl der Demokraten bestand eigentlich nur aus Hillary Clinton, ein einzelner Gegenkandidat war nur der Form halber angetreten. Trump war einer von 10 Kandidaten der Republikaner und wurde nur als dritter Favorit gehandelt. Erst 6 Monate vor der Präsidentschaftswahl war er Präsidentschaftskandidat.

Daß er zu diesem Zeitpunkt eine Wahlchance hatte, war nach meiner Meinung der Tatsache zu verdanken, daß 50% der Wähler Hillary Clinton 'nicht sehen' wollten. Das reicht nicht für einen Wahlsieg, Trump brauchte bereits vorher unbedingt eine eigene Glaubwürdigkeit und eigene Themen. Seine persönliche Glaubwürdigkeit waren seine seit 30 Jahren eigenständigen politischen Aussagen und seine wirtschaftlichen Erfolge auf der Milliardärsebene. Auf der politischen Seite brachten ihm die 'alternativen' Themen das zusätzliche Profil. Insbesondere das Thema der Rückführung von Millionen 'exportierter' Arbeitsplätze führte in den letzten Wahlwochen zu einem erheblichen Stimmenschub.

Nach meiner Ansicht ist die alternative Rechte eine sinnvolle Ergänzung seiner politischen Vorhaben - nicht die Grundlage. Seine Präsidentschaft muß er gegen den massiven Widerstand der Establishmentmehrheit durchsetzen, dabei helfen ihm seine Erfolge und seine Erfahrungen aus der (Immobilien-)Wirtschaft.

Von ihm erwarte ich mir mehr als von einem Obama. Von diesem konnte ich vor der Wahl nur in Erfahrung bringen, daß seine einzige politische Tat darin bestand, selbstständig eine Armenspeisung in Chicago organisiert zu haben. Als er dann nach wenigen Monaten den Friedensnobelpreis erhielt - 'für zukünftige Taten' - habe ich ihn als ernstzunehmenden Politiker gestrichen.

Den Angriff auf Syrien halte ich für einen Teil des Durchsetzungsprozesses im ersten Jahr eines neugewählten Präsidenten. Was das Ergebnis sein wird - für Trump persönlich und die Folgen in der Welt - bin ich mir auch nicht sicher. Die Informationsbasis ist zu schmal und die Optionen zu zahlreich.

Heinrich Löwe

17. April 2017 14:18

Angesichts des rhetorisch starken Auftretens von Mike Pence heute in Südkorea kann man wohl nicht mehr davon sprechen, das Trumps Angriff auf Syrien eine einmalige, gar innenpolitisch motivierte Aktion war. Es scheint auf eine interventionistische Außenpolitik hinauszulaufen, schlimmer, als sie von Hillary zu erwarten gewesen wäre.

Europa muß schleunigst zu Potte kommen mit einer eigenständigen starken Außepolitik, ansonsten sitzen wir nicht mal mehr am Katzentisch. - Nichts ist jedoch unwahrscheinlicher...

cnahr

17. April 2017 18:34

Sehr gute Übersicht. Bitte um Verzeihung, falls ich es unter den zahllosen Links übersehen haben sollte, aber Anatoly Karlin bietet eine gute (und ebenfalls ellenlange) Auflistung der möglichen Gründe für den Syrien-Schlag:

https://www.unz.com/akarlin/syria-666d-chess/

Nemo Obligatur

17. April 2017 22:40

"Cacatum non est pictum

14. April 2017 22:16

Tja, das ist die Lage. Selbst Menschen mit ausgeprägtem Interesse an Politik sind nicht ansatzweise imstande, außenpolitische Manöver richtig zu deuten."

Ihr Kommentar ist das beste, was ich zu diesem Thema gelesen habe. Trump ist in der Wirklichkeit der US-Außenpolitik angekommen. Das ist ein Spiel nach anderen Regeln als Parteinahme für Bergarbeiter in Iowa. Ich denke, um den Zusammenhang der Syrien-Aktion richtig einzuschätzen, fehlen uns ein paar Hintergrundinformationen.

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