Korridore der Beliebigkeit
. Eine Erwiderung auf Frauke Petrys „Zukunftsantrag“

Das paßt nun mindestens genauso gut auf Frauke Petrys „Zukunftsantrag“. Dieser Antrag soll der strategischen Ausrichtung der AfD dienen.

 Gastbeitrag

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Der Antrag wur­de inzwi­schen in einer Tele­fon­kon­fe­renz der Lan­des­vor­sit­zen­den von zwölf Ver­bän­den abge­lehnt. Allein Petrys eige­ner Ver­band steht noch hin­ter dem Antrag. Ange­sichts eines solch ver­nich­ten­den Votums mag man es fast für über­flüs­sig hal­ten, sich damit noch näher zu befas­sen. Poli­tisch ist der Antrag erle­digt – als geschei­ter­ter Über­rum­pe­lungs­ver­such sagt er aber doch eini­ges über die Irrun­gen und Wir­run­gen der Frau Bundesvorsitzenden.

Mit sei­ner sys­te­ma­ti­schen Ver­ne­be­lung kla­rer Ver­hält­nis­se und sei­ner geziel­ten Des­ori­en­tie­rungs­stra­te­gie steht der Text exem­pla­risch für ein dem­ago­gi­sches Ver­wirr­spiel, wie es die eta­blier­ten Par­tei­en beherr­schen, wie es aber mit dem Mut zur Wahr­heit, den wir immer von uns behaup­ten, schlecht zusammengeht.

Vie­les in dem Antrag klingt nicht falsch, aber eben auch nicht wirk­lich rich­tig. Selbst­ver­ständ­lich wol­len wir alle so bald wie mög­lich rela­ti­ve Mehr­hei­ten in den Par­la­men­ten errei­chen – min­des­tens! Selbst­ver­ständ­lich wol­len wir alle uns an unse­rer schon erfreu­lich kla­ren und mit jedem Tag kla­rer wer­den­den Pro­gram­ma­tik ori­en­tie­ren. Selbst­ver­ständ­lich wol­len wir alle so schnell, wie es eben die Ver­hält­nis­se erlau­ben, das Land ver­än­dern. Petry kon­stru­iert aus einer Rei­he von hoch­gra­dig kon­sens­ver­däch­ti­gen All­ge­mein­plät­zen eine Posi­ti­on, die sie in schar­fen Gegen­satz zu einer fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len Stra­te­gie bringt, wobei nie­mand außer ihr hier einen Gegen­satz sehen dürfte.

Die fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­le Stra­te­gie, wie Petry sie sich vor­stellt, besteht dar­in, das Spek­trum des poli­tisch Mög­li­chen durch Pro­vo­ka­ti­on und bewuß­te Ein­nah­me „absei­ti­ger Posi­tio­nen“, die von den Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len selbst nicht ernst gemeint sei­en sol­len (!), so weit nach rechts zu ver­schie­ben, daß unse­re eigent­li­chen Ansich­ten irgend­wann als Mit­te gel­ten. Die Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len mar­kie­ren nach Petry also nur des­halb pro­vo­kan­te Posi­tio­nen, damit sie sich dann umso gemüt­li­cher in die Mit­te set­zen und als Mit­te füh­len kön­nen. Reich­lich sonderbar.

Die­se Inter­pre­ta­ti­on der fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len Stra­te­gie sagt mehr über Petry als über irgend­je­mand sonst in der Par­tei: Drängt sich doch der Ver­dacht auf, daß sie selbst mit Posi­tio­nen spielt, die sie nicht ernst meint, um Zie­le zu errei­chen, die unge­nannt blei­ben. Der nur schwer erklär­ba­re Ver­such, den Non­sens­be­griff „völ­kisch“ zu reha­bi­li­tie­ren, wäre mit einer sol­chen Stra­te­gie zumin­dest not­dürf­tig erklärbar.

Die Stra­te­gie der AfD, wie ich sie ver­ste­he, ist viel ein­fa­cher und ehr­li­cher. Wir neh­men nicht zum Schein absei­ti­ge Posi­tio­nen ein, um dann nach Art eines Bil­lard­spiels irgend­ei­ne Kugel ums Eck zu tref­fen. Wir sagen das, was wir den­ken, was aber nicht gesagt wer­den darf. Stück für Stück beset­zen wir so einen poli­tisch-dis­kur­si­ven Raum, und zwar nicht, um eine uns geneh­me per­spek­ti­vi­sche Stand­ort­ver­zer­rung zu errei­chen – welch abstru­se Vor­stel­lung! -, son­dern um zu bleiben.

Wir betrei­ben also kei­ne Schein­pro­vo­ka­ti­on, wie Petry das, von sich auf ande­re schlie­ßend, unter­stellt. Unse­re Pro­vo­ka­tio­nen sind echt und ernst gemeint. Petry mag sich eines Stand­punk­tes „bedie­nen“, wir „bedie­nen“ uns kei­nes Stand­punk­tes, wir neh­men Stand­punk­te ein. Petrys Gere­de von den Stand­punk­ten, derer man sich bedient, offen­bart nur ihre eige­ne Standpunktlosigkeit.

Und dann der „bür­ger­li­che Kor­ri­dor“, den wir nach Petry nicht ver­las­sen dür­fen! Haben wir in Essen nicht beschlos­sen, daß es für uns kei­ne roten Lini­en außer der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung geben soll? Wes­halb also jetzt eine Zone inner­halb die­ser Zone abgren­zen? Zwi­schen dem „bür­ger­li­chen Kor­ri­dor“, der wohl schwer zu defi­nie­ren sein dürf­te, und der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung, liegt viel unbe­setz­tes Gelän­de, wei­te Kor­ri­do­re von Mei­nun­gen, die mit der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ver­ein­bar sind, aber von der links­li­be­ra­len Bür­ger­lich­keit der BRD zum Nie­mands­land und zur Todes­zo­ne erklärt wur­den. Genau die­ses poli­ti­sche Brach­land müs­sen wir beset­zen! Das ist dann eine geis­ti­ge Rekul­ti­vie­rungs­ar­beit, eine Wie­der­be­le­gung des demo­kra­ti­schen Mei­nungs­streits. Nur so hal­ten wir unser Ver­spre­chen und set­zen eine der Grün­dungs­for­de­run­gen der AfD um. Zwi­schen dem Estab­lish­ment und den Regio­nen, in denen der ech­te poli­ti­sche Extre­mis­mus beginnt, liegt unser poli­ti­scher Raum: wei­tes, noch unbe­stell­tes Gelände!

Bezeich­nen­der­wei­se ver­wei­gert Petry uns Bei­spie­le dafür, wel­che absei­ti­ge Posi­ti­on der Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len genau sie ablehnt. Ich selbst wüß­te aus dem Steg­reif dafür kein Bei­spiel zu geben, und das soll­te einen bedenk­lich stim­men. „Raus damit, Frau­ke Petry! But­ter bei die Fische!“ mag man aus­ru­fen wollen!

Ich kann mich jeden­falls noch an Zei­ten erin­nern, da lag für Frau­ke Petry der Begriff „Isla­mi­sie­rung“ oder ein Bünd­nis mit dem Front Natio­nal jen­seits ihres „bür­ger­li­chen Kor­ri­dors“. Aber das war, bevor sie mit Wil­ders und Le Pen auf­ge­tre­ten ist. Wer nun denkt, sie wür­de lang­sam doch zu grund­sätz­li­chen Posi­tio­nen fin­den, der irrt. Wäh­rend sie vor weni­gen Mona­ten noch den Begriff „völ­kisch“ reha­bi­li­tie­ren woll­te, will sie nun in Köln eine Stel­lung­nah­me gegen „völ­ki­sche Ideo­lo­gien“ ins Pro­gramm schrei­ben, was auch immer sie dar­un­ter ver­ste­hen mag. Inhalt­lich fle­xi­bel, ganz vor­sich­tig ausgedrückt.

Der „bür­ger­li­che Kor­ri­dor“ ist ein gefühl­tes Spek­trum. In sei­ner Mehr­deu­tig­keit bie­tet er herr­li­che Mög­lich­kei­ten, eine Par­tei zu dis­zi­pli­nie­ren, frei nach der Maxi­me: Wo der „bür­ger­li­che Kor­ri­dor“ endet, bestimmt die Vor­sit­zen­de! So ein bür­ger­li­cher Kor­ri­dor ist, wenn man’s recht bedenkt, eine sehr prak­ti­sche All­zweck­waf­fe im tag­täg­li­chen Machtkampf.

Petry ver­steht das fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­le Anlie­gen nicht, viel­leicht will sie es nicht ver­ste­hen, in jedem Fall lie­fert sie ein Zerr­bild, das sie braucht, um sich als Ret­te­rin von Par­tei und Vater­land in Sze­ne set­zen zu können.

Auch sind die Grü­nen kei­nes­falls unser Vor­bild, wie Petry es uns in einer nur schein­bar wohl­wol­len­den Wie­der­ga­be unse­res Stand­punkts unter­stellt. Die Grü­nen sind kei­ne Erfolgs­ge­schich­te: Sie haben als Frie­dens­par­tei und als Umwelt­par­tei begon­nen und sind als gift­grü­ne Kriegs­par­tei geen­det, die sich von der CDU nur dadurch unter­schei­det, daß sie ein und die­sel­be Ent­gren­zungs­ideo­lo­gie mit beson­de­rem Fana­tis­mus und einem beson­de­ren inqui­si­to­ri­schen Eifer ver­tritt. Die Grü­nen haben all ihre Ursprungs­idea­le ver­kauft. Und gera­de das wol­len wir ja nicht, und am aller­we­nigs­tens wol­len dies die­je­ni­gen, die Petry meint, wenn sie von den Fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len spricht.

Außer­dem sind die Grü­nen viel lang­sa­mer gewach­sen als die AfD. Unse­re Erfolgs­ge­schich­te ist ohne Bei­spiel und ver­bie­tet alle his­to­ri­schen Ver­glei­che, sei es mit den Repu­bli­ka­nern, sei es mit den Grünen.

Die­se gan­ze Dra­ma­ti­sie­rung, die War­nung vor dem angeb­li­chen Irr­weg der Fun­dis, die dann die Fra­ge nach einem taug­li­chen Stra­te­gie­kon­zept erst sinn­voll erschei­nen läßt, wirkt allein des­halb sehr künst­lich und ver­stie­gen, weil wir gar kein neu­es Erfolgs­re­zept brauchen:

Unser altes Erfolgs­re­zept hat sich glän­zend bewährt, hat es uns doch 2016 mit zwei­stel­li­gen Ergeb­nis­sen in fünf Land­ta­ge in Ost und West gebracht. Wes­halb das in Fra­ge stel­len? Mit Gau­land: Die AfD ist gut so wie sie ist!

Petry for­dert jetzt einen Stra­te­gie­wech­sel, weil sie 2021 mit­re­gie­ren will. Dabei ver­bürgt nur eine Fort­set­zung unse­res bis­he­ri­gen Erfolgs­kur­ses den Macht­zu­wachs, den wir brau­chen, um unse­re Poli­tik irgend­wann in einer Regie­rung durch­set­zen zu kön­nen. Das muß auch Petry wis­sen. So drängt sich der Ver­dacht auf, daß es ihr gar nicht um das Fern­ziel geht, son­dern um den Kurs­wech­sel hin zu einer AfD nach den Vor­stel­lun­gen der CDU, und zwar mög­lichst rasch.

Petry erklärt, sie wol­le mit ihrer Gegen­stra­te­gie vor allem ehe­ma­li­ge Wäh­ler der CDU gewin­nen, aber auch sol­che ande­rer eta­blier­ter Par­tei­en. Nicht­wäh­ler kom­men in ihrer Stra­te­gie nicht vor – ein gro­ßer Feh­ler. Es waren es doch vor allem die Nicht­wäh­ler, die in Sach­sen-Anhalt die AfD zur größ­ten Oppo­si­ti­ons­frak­ti­on gemacht haben.

Petry setzt nicht auf die Zor­ni­gen und nicht auf die Suchen­den, die in Par­tei­en jen­seits des eta­blier­ten Spek­trums unter­wegs waren, weil sie schon früh erkannt haben, daß der eta­blier­te Betrieb nichts taugt. All die­se Grup­pen blen­det Petry aus. Sie setzt nicht auf die wild Ent­schlos­se­nen, son­dern auf die nur leicht Unzu­frie­de­nen, auf die wan­kel­mü­ti­gen Wech­sel­wäh­ler, die mal CDU, mal FDP, mal SPD und jetzt viel­leicht AfD wäh­len, wie sie die Auto­mar­ke wech­seln oder das bevor­zug­te Urlaubsziel

Der Wech­sel­wäh­ler aber ist ein scheu­es Reh, das man nicht mit zu viel Lärm ver­schre­cken, son­dern klug in die Fall locken muß. Er ist nicht zu ver­nach­läs­si­gen. Wer sich aber nur auf ihn fokus­siert und die Nicht- und Anders­wäh­ler außer Acht läßt, der führt die AfD nicht zu rela­ti­ven Mehr­hei­ten, son­dern zu ein­stel­li­gen Wahl­er­geb­nis­sen, die mit etwas Glück über der Fünf-Pro­zent-Hür­de liegen.

Mein­te Petry es ehr­lich, könn­te man ihr ein zu sta­ti­sches Den­ken vor­wer­fen. Da ist ein Kor­ri­dor, in dem sich von links nach rechts die Par­tei­en erstre­cken, und wie­viel Erfolg einer hat, hängt davon ab, wie er sich streckt und stellt.

Ich will die­sem Den­ken ein dyna­mi­sches Modell ent­ge­gen­set­zen. Danach hat nur der­je­ni­ge wirk­lich durch­schla­gen­den poli­ti­schen Erfolg, der mit gera­dem Rücken sei­nen Weg geht, der Kon­fron­ta­tio­nen mit der Pres­se in Kauf nimmt, der Ver­tre­ter des Estab­lish­ments irri­tiert und dabei immer er selbst bleibt. Der also gera­de nicht zum Schein pro­vo­ziert, son­dern mit Not­wen­dig­keit, weil das, was er denkt, geäch­tet ist. Er ist dabei kein Paria, kein Geschei­ter­ter, zu dem zu weni­ge Ver­trau­en fas­sen wür­den. Er schwört der Bür­ger­lich­keit nicht ab, setzt aber der links­li­be­ra­len BRD-Bür­ger­lich­keit eine ande­re, eine älte­re, eine deut­sche Bür­ger­lich­keit ent­ge­gen, eine Bür­ger­lich­keit aus eige­nem Recht, die dem Estab­lish­ment den Spie­gel vor­hält und zur Erkennt­nis sei­ner eige­nen Ver­kom­men­heit zwingt.

Wer so han­delt, der mobi­li­siert zunächst die größ­te Frak­ti­on unter den Staats­bür­gern, die Nicht­wäh­ler, und wird dar­über so attrak­tiv, daß er die­je­ni­gen, die jetzt noch eta­blier­te Par­tei­en wäh­len, zum Umden­ken bewegt. Und genau dar­auf kommt es an: Zum Umden­ken bewe­gen! Es kommt gera­de nicht dar­auf an, den zau­dern­den CDU-Wäh­ler nach Sozi­al­ar­bei­ter­ma­nier dort abzu­ho­len, wo er steht, son­dern so attrak­tiv zu sein, daß der zau­dern­de CDU-Wäh­ler, von unse­rem Bei­spiel inspi­riert, den Mut faßt, von allei­ne zu uns zu  kommen.

Ein Irr­glau­be, man kön­ne etwas ver­än­dern, indem man sich anpaßt! Wir ver­än­dern nur dann etwas, wenn wir ande­re dazu brin­gen, daß sie sich uns anpas­sen. Allein die­ser Erfolg und allein die­se Ver­än­de­rung sind blei­bend. Für die­sen Stil ste­hen Cha­rak­ter­köp­fe wie Höcke, Pog­gen­burg, Gau­land, Kal­bitz, Meu­then, Bystron, Mai­er, Rei­chardt und vie­le ande­re. Sie begeis­tern die Men­schen, sie haben gro­ße Erfol­ge erkämpft und sie wer­den das auch in Zukunft tun. Und genau das ist unse­re Stra­te­gie und unser Erfolgsrezept.

Es gibt kei­nen Schei­de­weg „Ent­we­der Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on oder Real­po­li­tik“! Unser Weg führt viel­mehr von der Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on hin zu einer echt alter­na­ti­ven Real­po­li­tik. Nur wenn wir glaub­wür­dig, sach­lich und prin­zi­pi­en­fest Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on sind, wer­den wir so stark, daß wir real Poli­tik machen kön­nen. Wer dage­gen meint, sich heu­te gegen die Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on zuguns­ten der Real­po­li­tik ent­schei­den zu müs­sen, der will gar kei­ne alter­na­ti­ve Real­po­li­tik, der will nur in einer Regie­rung mit von der Par­tie sein. Petry wür­de dar­auf wohl etwas erwi­dern, das sich unge­fähr so anhö­ren wür­de: „Nie­mand hat die Absicht, aus der AfD eine CDU 2.0 zu machen!“

Petry will sich mit ihrem Zukunfts­an­trag einen Argu­men­ta­ti­ons­rah­men schaf­fen, der ihr die Mög­lich­keit bie­tet, alle, die es mit dem Pro­jekt einer ech­ten Alter­na­ti­ve ernst mei­nen, zu erle­di­gen, der sie selbst aber wie­der­um auf rein gar nichts fest­legt. Der Text strotzt vor Mehr­deu­tig­kei­ten, Unver­bind­lich­kei­ten und dehn­ba­ren Kor­ri­do­ren. Sicher dürf­te hier nur eines sein: Klo­n­ovs­ky hat die­sen Antrag nicht geschrieben.

 Gastbeitrag

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Kommentare (35)

Solution

9. April 2017 20:59

Danke für diese gute Klarstellung. Ich bin einer jener AfD-Mitglieder, die sich intensiv mit dem "völkischen" Gedanken auseinandersetzen. Ich halte ihn für grundsätzlich richtig. Ich bin auch einer jener AfD-Mitglieder, die für den Fall der Fälle den Austrrittsbrief ohne Datum in der Schublade liegen haben. 

Petry und Co müssen weg. Wir sollten jetzt, wie bei Lucke, eine klare Trennung vollziehen. Ist der Einzug in den Bundestag mit 5+x Prozent wirklich so wichtig, daß man seine Grundsätze verrät? Wer sagt übrigens, daß eine Höcke-AfD nicht auch über die 5%-Hürde kommt? 

Seien wir realistisch: Das Zeitfenster für eine gerade noch wirksame Kurskorrektur in der Überfremdungsfrage ist so gut wie zu. Hier nur auf eine Partei als Lösung zu setzen, wäre Unsinn. Die AfD kommt zu spät. So oder so. Deshalb ist es zwar wichtig, die AfD zu unterstützen, doch nur als eine rechte Partei mit klaren Grundsätzen. Wenn die Deutschen in absehbarer Zukunft in der Minderheit sein werden, wird man wissen, was die AfD gebracht hat.

Lyrurus

9. April 2017 21:06

Der ganze Vorgang erinnert mich stark an die Entwicklung in der Deutschen Burschenschaft, wo das Lechzen nach vermeintlicher gesellschaftlicher Anerkennung zur Spaltung und anschließender Marginalisierung und Ächtung aller Bruchstücke führte.

Im Übrigen halte ich Petry inzwischen für vollkommen fremdgesteuert. Die Andeutung im letzten Satz weist den Weg, wer eigentlich bei Madame am Steuer sitzt.

Caroline Sommerfeld

9. April 2017 21:20

Sehr geehrter Herr Tillschneider,

wegen dieses Statements

Danach hat nur derjenige wirklich durchschlagenden politischen Erfolg, der mit geradem Rücken seinen Weg geht, der Konfrontationen mit der Presse in Kauf nimmt, der Vertreter des Establishments irritiert und dabei immer er selbst bleibt. Der also gerade nicht zum Schein provoziert, sondern mit Notwendigkeit, weil das, was er denkt, geächtet ist.

freue ich mich geradezu, daß ich als österreichische Auslandsdeutsche per Brief aus der Ferne AfD wählen darf.

Scipio

9. April 2017 21:22

Ich weiß nicht, was in diese Frau gefahren ist, man kann es nur vermuten. Politische Strategie ist ihr wohl nicht so geläufig. Mich würde mal interessieren, welche Punkte sie aus dem Parteiprogramm der AFD ändern oder streichen will.

Es gibt nämlich noch Wähler, die sich vor allen Dingen am Programm orientieren ( wobei das bei den aktuellen Bundestagsparteien auch fragwürdig ist).

Dabei kann natürlich ein bisschen Charisma nicht schaden. Aber gerade diese Mitstreiter ist man ja im Begriff in die Ecke zu stellen oder sogar aus der Partei auszuschließen. 

Die den Antrag von Petry mittragenden Akteure sind möglicherweise genau diejenigen, vor denen Höcke in seinen Reden immer gewarnt hat, Karrieristen, die nur ein Ziel haben, rein in die Koalitionen, ran an die Pfründe.

Schade um die AFD, wenn sie es nicht schafft bis zur Wahl wieder Profil zu bekommen, dann wird es nicht mal zu 5% reichen.

Merkt von denen denn keiner, dass nicht das Thema AFD lautet, sondern wie es mit Deutschland weitergeht? Wo bleiben die offensiven Stellungnahmen zu den wahrlich brisanten aktuellen Themen? Ich rede nicht von den halbversteckten Kommentaren im Internet.

Anstatt zu jammern, dass man bei den Talkshows nicht eingeladen wird, sollte unverzüglich ein Alternativfernsehprogramm mit Live updates organisiert und ausgestrahlt werden, koste es, was es wolle. Sofort auf dämliche Kommentare reagieren und der Öffentlichkeit präsentieren.

Monacensis

9. April 2017 21:24

 Dem ist wenig hinzuzufügen. Rücksicht auf den "bürgerlichen Meinungkorridor" verbietet sich schon deshalb, weil sich dieser in den letzten 20-30  Jahren in Sachen  nationaler Identität radikal nach links außen verschoben hat.   Wir erinnern uns an Helmut Kohl ("Deutschland ist kein Einwanderungsland. "), Helmut Schmidt ("Mir kommt kein Türke mehr ins Land.")  oder auch an die vor 20 Jahren für Nationalbewusste noch sehr gut lesbare FAZ.   Noch etwas kommt hinzu: Nur ein radikales Umdenken kann Deutschland erhalten. Eine bloße Verzögerung seiner Abschaffung um ein paar Jahre lohnt die Mühe nicht. Da lieber gleich ein Zweitwohnsitz in Ungarn, bevor Orban die Westgrenze schließt.

Sven Jacobsen

9. April 2017 22:41

Wem ist eigentlich mehr zu trauen: Demjenigen, der im Vorfeld unmissverständlich sagt, was er zu tun gedenkt und der deshalb sicherlich zunächst aneckt? Oder demjenigen, der, nur um zunächst möglichst wenig Widerspruch zu erregen, um den heißen Brei herumredet und gleichzeitig ernsthaft glaubt, im Falle seiner Wahl die Probleme der Zeit ungehindert verändern zu können? Machen wir uns nichts vor: Realpolitik ist immer auch ein Stück weit Selbst- und vor allem auch Wählertäuschung. Hans-Thomas Tillschneider ist aus diesen Gründen ein aufrichtiger Beitrag gelungen. Sollte die demokratische Mehrheit die dahinter erkennbaren Positionen nicht akzeptieren, dann ist das wohl im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Spielregeln so. Es könnte aber auch sein, dass eine wachsende Wählerzahl begreift, was gemeint und zu tun ist und sich deshalb dauerhaft hinter diese politisch legitimen Vorstellungen stellt.

R.P.S.

9. April 2017 23:16

zu Scipio:

"Merkt von denen denn keiner, dass nicht das Thema AFD lautet, sondern wie es mit Deutschland weitergeht? Wo bleiben die offensiven Stellungnahmen zu den wahrlich brisanten aktuellen Themen? Ich rede nicht von den halbversteckten Kommentaren im Internet."

Ich kann Ihnen hier nur zustimmen. Habe den Wahlkampf der Afd im Saarland miterlebt:  die Plakate der Afd waren dermaßen nichtssagend - sie hätten auch von der CDU sein können, nur geschönte Geichter - keine Aussagen. So wird das nichts werden - leider.

Sozialpatriot

9. April 2017 23:29

Gratulation an Herrn Tillschneider!

Den Text kann ich ohne Änderungen unterschreiben. Nur so kann die Afd sowohl größten Erfolg haben als auch Deutschland zum Positiven verändern. Wenn das offizielle AfD-Positionen werden, dann kann ich die AfD bei jeder Wahl wählen.

Doch ich fürchte, dafür muss Petry erst genauso scheitern wie Lucke. Sie macht  gerade genau dieselben Fehler wie er - und muss scheitern wie er. 

Der Flügel um Höcke hat dagegen verstanden, wie wichtig Geschichtspolitik und Sozialpolitik sind, um die identitätspolitischen Grundfesten Deutschlands wieder aus dem 68er-Ghetto herauszuführen.

Geradezu witzig ist ja, dass Petry ausgerechnet die FPÖ als Vorbild nennt. Nur dank Straches konsequent fundamentaloppositionellen Kurs steht die FPÖ bei über 30 Prozent in Umfragen - und ist dennoch für Rot und Schwarz plötzlich wieder Koalitionsfähig. Wenn wirklich die FPÖ das Vorbild der AfD werden sollte, dann mache ich mir keine Sorgen mehr um die Partei.

Ein anderes Beispiel ist der Fidesz von Viktor Orban - der hat seine Partei mit Fundamentalopposition in Regierungsverantwortung geführt. Seit 2010 regiert er in Ungarn sehr erfolgreich. Er sichert seine Grenzen konsequent gegen illegale Einwanderer und widersetzt sich dem Brüsseler Zentralismus, Banken, Konzernen und Spekulanten entschieden.

Straches und Orbans Parteien sollten Vorbild für die AfD sein, wenn man wissen will, wie man es richtig macht.

Hartwig B.

9. April 2017 23:35

Bravo. Sehr guter und zutreffender Text. Petrys Antrag ab in die Tonne. Und am besten Petry gleich.... nun ja, das wäre jetzt nicht sehr schicklich so was zu schreiben. ;-)

rautenklause

9. April 2017 23:39

Ein weiteres unschönes Bild auf die PP-Afd wird von Klonovsky gezeigt:

https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/468-8-april-2017

deutscheridentitärer

9. April 2017 23:47

Es läuft doch alles weit besser als erwartet. Erinnern wir uns daran, was die AfD zum Zeitpunkt ihrer Gründung war, was sie jetzt ist, und was sie bald sein könnte, nämlich eine wirkliche rechte Oppositionspartei. Wer hätte damit gerechnet, als diese Luckegestalt ihr Antieuroprojekt ins Leben rief? Petry war telegen, das muss man ihr lassen, und weltanschaulich war sie auch nicht komplett falsch, manchmal jedenfalls, aber ihre Partnerwahl, naja. EInes muss man noch sagen: hätte Klonovsky, den ich sehr schätze, für Kubitschek, den ich noch mehr schätze, gearbeitet statt für PP, wäre er wohl pünktlich bezahlt worden (oder auch nicht, da Kubitschek seine Reden vermutlich selber schreibt).

Simplicius Teutsch

10. April 2017 00:05

Vorweg: Ich halte es grundsätzlich für einen strategischen Pluspunkt, eine attraktive Frau und Mutter von vier oder bald fünf Kindern an der Spitze der AfD zu haben. Anstelle einer unfruchtbaren "Mama Merkel". Aber: Was soll denn jetzt dieses abstrakte Strategie-Gefasel von Frauke Petry, dessen einzige offensichtlich und objektiv greifbare Wirkung in der Spaltung der Partei zu liegen scheint?

Als AfD-Vorsitzende hat sie, noch dazu so kurz vor alles entscheidenden Wahlen, bitte schön ein Strategiepapier zu präsentieren, mit dem sie die Partei insgesamt motiviert, zusammenschweißt und hochreißt. Wenn sie das nicht kann oder nicht will, dann muss sie sofort zurücktreten und Platz machen. – Für jemanden der es vielleicht besser kann. Schlechter geht wohl kaum. War sie in den letzten Tagen zur Propaganda- und Führungsschulung in einem FDP-Strategie-Seminar von Christian Lindner? – Diesem opportunistischen, fuchsschlauen, „demokratischen“ Sprechautomaten, der von den Mainstreammedien getätschelt und gehätschelt wird.

So wie es sich darstellt, wäre Bernd Höcke als Bundesparteivorsitzender der AfD eine unzumutbare Zumutung für weite Teile der AfD-Mitglieder und ebenso für die eingeschüchterten westlichen Wähler. Aber genauso ist Frauke Petry mittlerweile unzumutbar für weite Teile der AfD-Mitglieder. Anstatt nach außen Stärke zu zeigen, meint sie wohl, es würde ihr als Stärke zugute gehalten werden, dass sie die Brandfackel in die eigenen Reihen wirft, um die rechte Hälfte der Partei mit Brand zu roden. Petry muss ja nicht die Partei verlassen. Streitbare, aktive Mitglieder könnten doch beide trotzdem bleiben! Oder nicht? Ich kann über Frauke Petry nur mehr den Kopf schütteln.

Höcke halte ich auch nicht für den großen Reißer, um geschichtslose Massen zu begeistern, aber zu seiner Verteidigung möchte ich einmal darauf verweisen, dass er nicht mit Austrittsverfahren gegen innere Parteigegner vorgeht, und zum zweiten will ich zitieren:

@ Raskolnikow (21. Januar 2017, 16:58):

„Und schon tut sich die Zwickmühle auf: Ist Höcke vorzuwerfen, in einem Irrenhaus  nicht bekloppt daherzureden? Sollte sich die fuchsschlaue AfD die Clownsnase aufsetzen und listig neue Wähler unter den Narren rekrutieren?“

Nautilus

10. April 2017 00:53

Herr Tillschneider, ich schätze sie als wackeren Mitstreiter für unser Land. Sie haben vollkommen recht, und ich kann alles unterschreiben was in diesen Text steht.

Sie ist ja damals angetreten um die beiden Flügel in der AFD zu vereinen, was sie jetzt macht, ist das genaue Gegenteil. Was hat diese Frau so verändert? Marcus Pretzell womöglich? 

Das sich Petry verändert hat, konnte man in ihren Ansprechen schon erkennen.

Die Wortwahl von Petry gegenüber den politischen Gegner wurde immer harmloser. Man hatte vor etlicher Zeit schon das Gefühl, dass sich bei ihr was verändert hat und leider hat sich das jetzt bestätigt.

Ich frage mich, wo sind die politischen Attacken zur Zeit? da kommt nichts!

Der Weg der AFD kann nur die Fundamentalopposition sein,alles andere wäre sinnlos. Entweder der Bürger kommt zur Besinnung oder nicht. Das ist meine Meinung.

 

 

Cacatum non est pictum

10. April 2017 04:39

Mich hat ohnedies die Hoffnung verlassen, dass unsere drängenden Probleme parlamentarisch gelöst werden können. Trotzdem wäre eine starke Oppositions-AfD für das patriotische Lager sicher hilfreich. Leider wirken Monate vor der Bundestagswahl starke Zentrifugalkräfte auf die Partei, an der sie diesmal zerbrechen könnte.

Als parteiinternen wie auch öffentlichen Sündenbock hat man Björn Höcke auserkoren, dessen Dresdener Bierzeltrede angeblich die Umfragewerte hat einbrechen lassen. Wenn man diesen Umfragen denn überhaupt Glauben schenken soll, dann sehe ich den Ansehensverlust eher in der Außenwirkung verankert, die von den Scharmützeln innerhalb der Partei ausgeht: Die AfD stellt sich derzeit als völlig zerstritten dar. Das wiederum ist maßgeblich Frauke Petry und Marcus Pretzell anzulasten, die in den vergangenen Wochen und Monaten keine Gelegenheit ausließen, Giftpfeile ins patriotische Lager zu schießen.

Das Parteiausschlussverfahren gegen Höcke setzt dem Ganzen die Krone auf. Auch die widerspruchslose Hinnahme des Hausverbotes gegen ihn durch die Hotelkette Maritim ist ein Affront. So geht man nicht mit einem - erfolgreichen und durchaus beliebten - Landesvorsitzenden um. Petry und Pretzell scheinen vor dem Kölner Bundesparteitag alles auf eine Karte zu setzen. Und nachdem gestern die nächste delikate Meldung über den Ticker lief (https://www.welt.de/politik/deutschland/article163545697/AfD-Spitze-unterstellt-Hoecke-politische-Naehe-zu-Hitler.html), halte ich eine erneute Spaltung der Partei für nahezu unausweichlich.

sophia_

10. April 2017 08:59

Erstklassige, fundierte Analyse der aktuellen Lage.

Als diese Vorschläge von Frau Petry kolportiert wurden, führte das bei mir zu einiger Verwunderung, weil ohne jede Notwendigkeit entstanden.

Cui bono? 

IhrAnsatz Herr Tillschneider wird sicherlich von den allermeisten AFD-Mitgliedern geteilt und ist der einzig plausible Zugang.

Die Menschen wollen, wenn sie sich von ihrer alten Partei entfernen keinen wässrigen Aufguss derselben vorfinden, sie wollen etwas, dass es in dieser Form sonst in Deutschland nicht gibt, nämliche AFD mit allen Ecken und Kanten, ehrlich in der Sache und im Umgang mit Themen.

Schade, dass Zeit und Energie in diese Überflüssigkeit fliessen, doch anscheinend unabdinglich für Klarheit und Ausrichtung innerhalb der AFD.

Borstelspatz

10. April 2017 09:46

Danke Herr Tillschneider, genau so sehe ich das auch! Lieber auf ein paar Prozente verzichten, als seine eigene Identität zu verraten. Davon sitzen schon genügend Personen im Bundestag. 

Pigscantfly

10. April 2017 10:36

Mutti 2.0?

Damit darf Frauke Petry nicht durchkommen. Sonst ist das ganze Projekt AfD wesentlich gescheitert. Die Herrschaft einer begabten, herrschsüchtigen Ostdeutschen kann man in der CDU seit Jahren in ihrem Wirken beobachten; das Resultat für die Demokratie in der CDU und in Deutschland ist katastrophal. Und genau deshalb gibt es ja überhaupt die AfD - die Bewegung los von Mutti.

 

Monika L.

10. April 2017 11:15

Man sollte sich auch mit Texten von Autoren befassen, die sich nun genüßlich auf eine heiße Schlacht auf dem AfD-Parteitag einstellen. Etwa mit der Fleißarbeit von Liane Bednarz:

https://starke-meinungen.de/blog/2017/04/07/frauke-petrys-flucht-nach-vorn-ein-vergeblicher-versuch/

Eine saubere Analyse. Aus der man auch konstruktive Schlüsse ziehen kann. Und sollte.

Hugo

10. April 2017 11:34

Lieber Herr Tillschneider, die AfD hat genau eine Figur, die sie zusammenhält: Dr. Frauke Petry. Ohne Petry ist die AfD binnen wochenfrist die NPD. Wenn Sie das wollen, machen Sie so weiter. 

Die AfD ist nur mit den Positionen einer Frauke Petry auch in den westlichen Bundeslöndern in der Lage, sicher in die Parlamente einzuziehen. 

Aus meiner Sicht werden all ihre Argumente nichtig, wenn Sie doch damit doch letztlich eines vorantreiben: Spaltung und damit ein sicheres Ende der AfD. 

Maiordomus

10. April 2017 12:42

"Der Wechselwähler ist ein scheues Reh, den man nicht verschrecken (...), sondern klug in die Falle locken muss."

 

Wer so formuliert, den Wähler also in die Falle locken will, ist politisch nicht zurechnungsfähig und er hat ein absolut zynisches Verhältnis zur Demokratie.

andreas

10. April 2017 12:56

Frau Petry scheint williges Opfer des offiziösen, von den Herrschenden verbreiteten Stimmungsbildes über die deutschen Befindlichkeiten zu sein: "alles nicht so schlimm, Merkel hat alles wieder im Griff. 2015 wird so nicht wieder vorkommen. Das bisschen Terror hat´s immer mal wieder gegeben. Da stehen wir drüber. Wichtig ist uns nur, unseren  persönlichen Hedonismus ausleben zu können." Wenn sie dieses Trugbild als wirkliche Meinung ansieht, die grob gesprochen 90 Prozent der Deutschen teilen, dann kann sich daraus und aus einem gewissen persönlichen Utilitarismus ihre Strategie ableiten lassen. Ich denke aber, dass mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten trotz geballter Medienmacht mit diesem Bild nicht konform gehen. DIE sind das derzeitige Potential der AfD. DIE sind erreichbar, aber nicht mit der Petry-Linie.

Der Gehenkte

10. April 2017 13:35

Tillschneiders Beitrag hätte besser auf die Patriotische Plattform als in die SiN gepasst. Ihn hier zu bringen, ist bereits ein Politikum, das im Gesamtkomplex nur nach hinten ausschlagen kann. Zum einen sollte die SiN - wenn sie ihr Alleinstellungsmerkmal behalten will - eine metapolitische Basisstation bleiben, zum anderen glaube ich, wäre es für Schnellroda besser, nicht dauernd in der aktuellen Politik mitmischen zu wollen. Man macht sich damit selber ansteckungsbereit; die Viren heißen: Intrige, Konformismus, taktische Zugeständnisse, Gehetztheit und dergleichen. Sie würde damit für einen bestimmten Teil der Leserschaft unattraktiv.

Die grundsätzliche Fehlannahme Tillschneiders ist wohl, daß er Petrys Zug zu stark ideologisch beurteilt. Es geht ihr wohl weniger um die ideologische Ausrichtung (im Sinne der Ausgrenzung des "patriotischen Lagers", der "Säuberung") als um den perspektivischen Zusammenhalt. Leider hat sich die AfD durch komplexes Selbstverschulden - das betrifft Höcke ebenso wie die Parteispitze - in eine Situation manövriert, in der jede Äußerung, jede Enstcheidung den Konflikt nur noch anheizen kann. Höcke hätte DD nicht halten dürfen, die Führung hätte darauf nicht reagieren dürfen, die patriotische Basis hätte dann wiederum die Bühne scheuen sollen, Petry hätte sich den Vorschlag sparen sollen usw. All dies ist nur Öl ins Feuer und wird eskalierend zur Selbst- und Außenzerlegung beitragen. Insofern ist Tillschneiders Beitrag ebenso destruktiv, mag er inhaltlich einiges für sich haben.

Der einzige Weise in der Partei - das zeigt sich immer mehr - ist Buddha Gauland. Der hat das verstanden und auf die Führungsposition verzichtet.

Am Ende wird die Partei an Akromegalie verscheiden und das Schicksal der PFSFIDSDG („Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“) teilen, nur unter umgekehrtem Vorzeichen - sie verstarb an Mikrosomie.

Im Übrigen stimme ich Pirmin Maier zu.

 

Cacatum non est pictum

10. April 2017 14:21

@Hugo

Lieber Herr Tillschneider, die AfD hat genau eine Figur, die sie zusammenhält: Dr. Frauke Petry. Ohne Petry ist die AfD binnen wochenfrist die NPD. Wenn Sie das wollen, machen Sie so weiter. 

 

Die AfD ist nur mit den Positionen einer Frauke Petry auch in den westlichen Bundeslöndern in der Lage, sicher in die Parlamente einzuziehen. 

Aus meiner Sicht werden all ihre Argumente nichtig, wenn Sie doch damit doch letztlich eines vorantreiben: Spaltung und damit ein sicheres Ende der AfD.

Sind Sie Marcus Pretzell? Diese Formulierungen kommen mir doch sehr bekannt vor. Im NRW-Landesverband waren sie zuletzt allenthalben vernehmbar. Da hat der liberale Flügel so richtig seine Masken fallen lassen und klargemacht, worum es ihm tatsächlich geht: um Pfründe und sonst nichts. Bei Frauke Petry drängt sich der Eindruck auf, dass sie von ähnlichen Motiven getrieben sein könnte; das hat ja auch Herr Tillschneider angemerkt.

Wer hier die Spaltung der Partei forciert, ist offensichtlich. Dieser Petrysche Amoklauf der letzten Monate war völlig unnötig. 2016 hat die AfD durchschlagende Erfolge verzeichnet - man hätte den Weg einfach nur fortsetzen müssen, denn die äußeren politischen Umstände waren und sind kostenlose Wahlkampfhilfe. Eine Frauke Petry in früherer Verfassung würde auch ich für eine gute Integrationsfigur halten. Sie ist eloquent, vertritt (oder vertrat) patriotische Positionen und scheint, wie sich gezeigt hat, gegen öffentliche Schmutzattacken resistenter zu sein als andere Aushängeschilder der AfD. Hätten sie und Pretzell nicht diesen schmutzigen Kleinkrieg gegen den Höcke-Flügel angezettelt, wäre vermutlich alles in bester Butter.

Dieser Zug ist nach den jüngsten Auseinandersetzungen wohl abgefahren. Die AfD steuert in Köln auf den nächsten großen Knall zu. Wir werden sehen, was danach von ihr übrigbleibt. Petry und Pretzell werden ihre Gründe haben, so zu agieren, wie sie es in letzter Zeit getan haben. Ich verkneife mir Spekulationen, aber ein mögliches Scheitern der AfD hätten maßgeblich sie zu verantworten.

Albert

10. April 2017 14:34

Ich bin Anhänger des "Flügels" der AfD. Aber ich sehe, daß in NRW, wo wir wohnen, die AfD-Provokationen auf erhebliches Widerwillen seitens der westdeutschen Bürgerlichen stoßen. Die Leute hier sind noch arg BDR-mäßig konditioniert. Obwohl hinter versteckter Hand allerorten über die Asylantenflut und den Islamismus geklagt wird, gilt die AfD bei einigen hier als unappetitlich. Es ist im Westen extrem wichtig, daß die AfD ihr bürgerliches Gewand behält. Da haben Dieter Stein, KHW und P&P leider einfach recht - obwohl deren inhaltliche (Nicht-)Positionen mir die Zornesröte auf die Stirn treibt. Noch schlimmer als inhaltliche Querelen wirkt die Zerstrittenheit der Partei - und das im Wahljahr.

Es ist zum Haare-raufen ...

Cacatum non est pictum

10. April 2017 14:35

@Maiordomus

Wer so formuliert, den Wähler also in die Falle locken will, ist politisch nicht zurechnungsfähig und er hat ein absolut zynisches Verhältnis zur Demokratie.

Kommen Sie! Als umfassend gebildeter Mensch mit Lebens- und Politikerfahrung wissen Sie doch genau, dass Demokratie exakt so funktioniert. Das ist keine Tillschneider-Erfindung. Was meinen Sie, wie viele Wählerstimmen der charismatische und gutaussehende Christian Lindner bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen allein bei den Frauen einsammeln wird. Schon die Wahlplakate werden so einige überzeugen (selbst meine Gattin machte jüngst Andeutungen in diese Richtung). Dass Lindner nur ein Populist mit ausgeprägtem Machtgespür ist, kapieren doch die meisten Wähler gar nicht. Wenn man ehrlich sein wollte, müsste man anerkennen: Das sind extrem starke Argumente gegen eine Demokratie.

Heinrich Brück

10. April 2017 14:40

@ Maiordomus

"in die Fall locken" - sehe keine Falle. Ein Zustand, damit der Wähler richtig wählt? Ein Tau zum Aufziehen von Segeln, würde der Seemann sagen.

Tillschneider ist Banater Schwabe. Mehr Demokratie geht nicht.

Peter Schmitz

10. April 2017 14:53

Man sollte bei aller Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit nicht vergessen, worum es hier eigentlich geht: Das eigentlich schon unvermeidbare Schicksal Deutschlands vielleicht doch noch abzuwenden, auf parlamentarischem Wege, ohne Gewalt.

Es ist sehr gut möglich, daß in diesem Herbst das letzte Mal das deutsche Volk frei wählen wird, welchen Lauf sein Schicksal nehmen soll. Denn in vier Jahren werden der noch weiter erstarkte linke Totalitarismus und der dann vorhandene Ausländeranteil selbst bei einer weitgehenden Einigkeit der deutschen Restbevölkerung den Deutschen jede Möglichkeit zur Initiative genommen haben.  

Dringend gebraucht wird nun also eine Partei, die so große Teile der Wählerschaft hinter sich versammeln kann, daß die linke Zerstörungsfront auf Bundesebene nicht mehr an ihr vorbeikann.

Dabei ist aber nun einmal zu berücksichtigen, daß die weit überragende Masse der Deutschen nicht politisch denkt, geschweige denn sogar durch tiefes Nachdenken und vorhergehende gründliche Aufnahme erforderlicher Informationen zu wahrhaftigen Schlüssen kommen würde, als Grundlage zu einer unerschütterlichen Position aus Überzeugung.

Der Durchschnittsmensch ist linksfortschrittlich aufgewachsen, hat eine körperliche Allergie anerzogen bekommen gegen alles was rechts ist und folgt in Grundzügen dem Linksliberalismus, ohne dies an sich überhaupt tiefer hinterfragen zu können.

Eine Partei, die diese Allgemeinheit in erforderlicher Größenordnung erreichen will, muß das Kunststück vollbringen, die linken Lebenslügen des Bundesbürgers nicht grundsätzlich zu widerlegen, da niemand zugeben will, daß seine lebenslangen Überzeugungen ein Irrtum gewesen sind. Eine solche Partei muß die Bundebürger, die in einer Art unpolitischer Linksverirrung gefangen sind, in deren Sprache ansprechen und ihnen ermöglichen, in entscheidenden Punkten den Kurs zu ändern, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Eine patriotische AfD im Sinne Höckes mag aufrichtig und sich selbst treu sein, aber sie wird in einem Deutschland, das von Menschen des Schlages heutiger Bundesbürger bewohnt wird, das Dasein einer Splitterpartei führen.

 

Polybios

10. April 2017 15:12

Beim Pretzell stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Jurastudium in Heidelberg, typisches Gebahren eines Corpsier, fast wie eine Figur aus "Faserland". Bezeichnend ist auch dieser Brief auf Grundschulniveau:

 https://www.stern.de/politik/deutschland/marcus-pretzell--hier-antwortet-der-afd-politiker-auf-den-offenen-brief-6684522.html

Valjean72

10. April 2017 17:18

@Polybios: "Bezeichnend ist auch dieser Brief auf Grundschulniveau: ..."

---

Nicht nur inhaltlich, was schliesslich das entscheidende ist, auch stilistisch ziehe ich Herrn Tillschneider Herrn Pretzell vor, und dies deutlich.

Maiordomus

10. April 2017 17:55

@Heinrich Brück. So weit Sie mit "Fall" ein Tau meinen, was metaphorisch aber im Artikel nicht in den Kontext passt, müsste es "das Fall" heissen. Der Satz ist jedenfalls eine auch sprachliche Verirrung. Dass man Wählerstimmen sammeln und mobilisieren muss, die Leute in der Tiefe dessen abholen soll, wie sie in lichten Augenblicken vielleicht denken und es selber merken, hat weder mit Fallenstellen zu tun noch damit, dass man den feuchten Finger in den Wind hinaushält. Es muss um eine neue und erneuerte politische Integrität gerungen werden.  Mit Glaubwürdigkeit kann man durchaus Stimmen generieren. Aber gerade damit scheint Frau Petry Mühe zu bekommen.

Gotlandfahrer

11. April 2017 00:46

Die gute Frau Petry hat sich eine Babypause verdient. Den Stress der letzten Monate hätten die meisten Kerle kaum überstanden, deswegen und wegen Ihrer Intelligenz habe ich großen Respekt vor Ihr. Wir Rechten sollten uns nicht zerfleischen, sondern uns kameradschaftlich auf unsre Stärken und Schwächen hinweisen. Frau Petry hat, wie im Artikel sehr nachvollziehbar beschrieben, eine nicht schlüssige Strategie entwickelt. Man sollte sie ablehnen, aber nicht den Menschen verdammen. Keiner ist unfehlbar.

Heinrich Brück

11. April 2017 01:59

"Es muss um eine neue und erneuerte politische Integrität gerungen werden.  Mit Glaubwürdigkeit kann man durchaus Stimmen generieren."

Sehr schön gesagt. Aber wer soll diese Stimmen zur Verfügung stellen? Diese Idealität einer politischen Integrität könnte vom Wähler nur dann goutiert werden, wenn der Wähler ein Repräsentant politischer Integrität wäre bzw. diese erkennen könnte. Tillschneiders "die Fall", als Fangvorrichtung gedeutet, um den Wechselwähler zu locken, ist Demokratiesprache im Wahrheitskleid.

Dieter

13. April 2017 08:37

Ich bin der Auffassung, daß wir alle von Donald Trumps fulminanten Wahlsieg lernen können. Donald Trump hat diese Wahlen nicht nur gegen die Medien, sondern auch vor allem gegen das Establishment in der eigenen Partei gewonnen. George Bush weigerte sich scheinbar sogar, an Trumps Amtseinführung teilzunehmen. Was hat Trump anders gemacht als andere konservative Republikaner vor ihm, was hat ihn befähigt sich erfolgreich zu wehren? Mir scheint, als ob es fundamental wichtig ist, den Linken niemals aus Angst Recht zu geben oder vor ihnen zurückzuweisen. In der Sekunde, wo man das tut ist die Schlacht schon verloren, denn man ist für den Wähler wahrnehmbar zu einem Teil des Systems geworden, zu dessen Abschaffung er einen gerne gewählt hätte. Ich appelliere daher an B. Höcke und den Bundesparteitag: stellt Björn Höcke als alleinigen Kandidaten für die Bundestagswahlen auf! Hört auf das Krokodil der Medien zu beschwichtigen, es wird Euch nicht gelingen. Björn Höcke hat jetzt gerade weil das Establishment ihn so hasst als einziger realistische Chancen die Wahlen für die AfD zum Erfolg zu führen. Er ist auch der einzige des AfDs Führungspersonals, der seine eigenen Interessen konsequent denen der Idee untergeordnet hat (siehe gestrige Videobotschaft, in der er betont, sich gegen die Angriffe auf dem Bundesparteitag nicht zur Wehr setzen zu wollen, um der Partei nicht zu schaden). Wir sollten uns jetzt überlegen, ob wir den Kampf gegen das Establishment aufnehmen wollen oder nicht. Wenn nicht kann die AfD genausogut dichtmachen. Ein Opa Gauland oder ein unpersönliches Trio à la SPD wird niemanden vom Hocker reissen.

Richard87

13. April 2017 10:52

Bedaure, es so sagen zu müssen, aber es hilft relativ wenig, wenn in der Echokammer von SiN und bei Pegida der Beitrag auf derart viel Zustimmung stößt, daß man es sich anders garnicht vorstellen kann. Den Elefanten im Raum mag dagegen offenbar niemand sehen: Im Vergleich zur Entwicklung von 2016 hat sich die Prognose der AfD mindestens halbiert und geht gerade eher auf die 5%-Hürde zu.

Haben die Kommentatoren hier auch eine einfache Lösung dafür, wie man das bis Herbst wieder hinbekommt? Glaubt man hier wirklich, das liege vor allem an Frauke Petry, mit der es bis zum Januar ja ziemlich gut geklappt hat?

Etwas polemisch gefragt: Ist hier das Modell der FPÖ derart abstoßend, daß man partout nicht so viele Möglichkeiten, und sei es auch durch Koalitionen, haben möchte? Glaubt jemand, Marine Le Pen hätte gerade diese Chancen, wenn sich die Partei permanent selbst zerfleischen würde, weil dauernd Anhänger des "wahren, alten Glaubens" ihres Vaters Resolutionen verabschieden? 

Die Fähigkeiten zur Realpolitik sind in Deutschland derzeit einmal wieder allzu mangelhaft ausgeprägt. 

@Polybios

Lassen Sie mich raten: Im Gegensatz zu Pretzell retten Sie das Vaterland schon seit Jahren an der (burschenschaftlichen) Theke?

Klaus D.

13. April 2017 15:42

@Dieter

Ich muß gestehen, zur Zeit habe ich resigniert. Aber vor genau einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Die Landtagswahlen in Sachsen/Anhalt brachten für die AfD knapp 25 Prozent! Und das "Geheimnis" des Erfolgs war u.a.: Klare Abgrenzung zu den Systemparteien, klare Aussagen zu Deutschland und dem deutschen Volk, Verurteilung der Merkelschen Flüchtlingspolitik.

Solche klaren Aussagen zu politischen Veränderungen kommen an beim Wähler. Aber offensichtlich nur im Osten. Hier weiß man aus Erfahrung, wann ein System "fertig hat".

Im Westen sieht das ganz anders aus (wie ich in den Diskussionen der letzten Monate feststellen mußte). Dort will man keine großen politischen Veränderungen und man will auch nichts von vor 1945 hören. Man will lediglich seine gute, alte Wohlfühl-BRD zurück.

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