Sezession
9. April 2017

Korridore der Beliebigkeit
. Eine Erwiderung auf Frauke Petrys „Zukunftsantrag“

Gastbeitrag / 35 Kommentare

Das paßt nun mindestens genauso gut auf Frauke Petrys „Zukunftsantrag“. Dieser Antrag soll der strategischen Ausrichtung der AfD dienen, nachzulesen ist er hier hier.

Der Antrag wurde inzwischen in einer Telefonkonferenz der Landesvorsitzenden von zwölf Verbänden abgelehnt. Allein Petrys eigener Verband steht noch hinter dem Antrag. Angesichts eines solch vernichtenden Votums mag man es fast für überflüssig halten, sich damit noch näher zu befassen. Politisch ist der Antrag erledigt – als gescheiterter Überrumpelungsversuch sagt er aber doch einiges über die Irrungen und Wirrungen der Frau Bundesvorsitzenden.

Mit seiner systematischen Vernebelung klarer Verhältnisse und seiner gezielten Desorientierungsstrategie steht der Text exemplarisch für ein demagogisches Verwirrspiel, wie es die etablierten Parteien beherrschen, wie es aber mit dem Mut zur Wahrheit, den wir immer von uns behaupten, schlecht zusammengeht.

Vieles in dem Antrag klingt nicht falsch, aber eben auch nicht wirklich richtig. Selbstverständlich wollen wir alle so bald wie möglich relative Mehrheiten in den Parlamenten erreichen – mindestens! Selbstverständlich wollen wir alle uns an unserer schon erfreulich klaren und mit jedem Tag klarer werdenden Programmatik orientieren. Selbstverständlich wollen wir alle so schnell, wie es eben die Verhältnisse erlauben, das Land verändern. Petry konstruiert aus einer Reihe von hochgradig konsensverdächtigen Allgemeinplätzen eine Position, die sie in scharfen Gegensatz zu einer fundamentaloppositionellen Strategie bringt, wobei niemand außer ihr hier einen Gegensatz sehen dürfte.

Die fundamentaloppositionelle Strategie, wie Petry sie sich vorstellt, besteht darin, das Spektrum des politisch Möglichen durch Provokation und bewußte Einnahme „abseitiger Positionen“, die von den Fundamentaloppositionellen selbst nicht ernst gemeint seien sollen (!), so weit nach rechts zu verschieben, daß unsere eigentlichen Ansichten irgendwann als Mitte gelten. Die Fundamentaloppositionellen markieren nach Petry also nur deshalb provokante Positionen, damit sie sich dann umso gemütlicher in die Mitte setzen und als Mitte fühlen können. Reichlich sonderbar.

Diese Interpretation der fundamentaloppositionellen Strategie sagt mehr über Petry als über irgendjemand sonst in der Partei: Drängt sich doch der Verdacht auf, daß sie selbst mit Positionen spielt, die sie nicht ernst meint, um Ziele zu erreichen, die ungenannt bleiben. Der nur schwer erklärbare Versuch, den Nonsensbegriff „völkisch“ zu rehabilitieren, wäre mit einer solchen Strategie zumindest notdürftig erklärbar.

Die Strategie der AfD, wie ich sie verstehe, ist viel einfacher und ehrlicher. Wir nehmen nicht zum Schein abseitige Positionen ein, um dann nach Art eines Billardspiels irgendeine Kugel ums Eck zu treffen. Wir sagen das, was wir denken, was aber nicht gesagt werden darf. Stück für Stück besetzen wir so einen politisch-diskursiven Raum, und zwar nicht, um eine uns genehme perspektivische Standortverzerrung zu erreichen - welch abstruse Vorstellung! -, sondern um zu bleiben.

Wir betreiben also keine Scheinprovokation, wie Petry das, von sich auf andere schließend, unterstellt. Unsere Provokationen sind echt und ernst gemeint. Petry mag sich eines Standpunktes „bedienen“, wir „bedienen“ uns keines Standpunktes, wir nehmen Standpunkte ein. Petrys Gerede von den Standpunkten, derer man sich bedient, offenbart nur ihre eigene Standpunktlosigkeit.

Und dann der „bürgerliche Korridor“, den wir nach Petry nicht verlassen dürfen! Haben wir in Essen nicht beschlossen, daß es für uns keine roten Linien außer der freiheitlich-demokratischen Grundordnung geben soll? Weshalb also jetzt eine Zone innerhalb dieser Zone abgrenzen? Zwischen dem „bürgerlichen Korridor“, der wohl schwer zu definieren sein dürfte, und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, liegt viel unbesetztes Gelände, weite Korridore von Meinungen, die mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar sind, aber von der linksliberalen Bürgerlichkeit der BRD zum Niemandsland und zur Todeszone erklärt wurden. Genau dieses politische Brachland müssen wir besetzen! Das ist dann eine geistige Rekultivierungsarbeit, eine Wiederbelegung des demokratischen Meinungsstreits. Nur so halten wir unser Versprechen und setzen eine der Gründungsforderungen der AfD um. Zwischen dem Establishment und den Regionen, in denen der echte politische Extremismus beginnt, liegt unser politischer Raum: weites, noch unbestelltes Gelände!

Bezeichnenderweise verweigert Petry uns Beispiele dafür, welche abseitige Position der Fundamentaloppositionellen genau sie ablehnt. Ich selbst wüßte aus dem Stegreif dafür kein Beispiel zu geben, und das sollte einen bedenklich stimmen. „Raus damit, Frauke Petry! Butter bei die Fische!“ mag man ausrufen wollen!

Ich kann mich jedenfalls noch an Zeiten erinnern, da lag für Frauke Petry der Begriff „Islamisierung“ oder ein Bündnis mit dem Front National jenseits ihres „bürgerlichen Korridors“. Aber das war, bevor sie mit Wilders und Le Pen aufgetreten ist. Wer nun denkt, sie würde langsam doch zu grundsätzlichen Positionen finden, der irrt. Während sie vor wenigen Monaten noch den Begriff „völkisch“ rehabilitieren wollte, will sie nun in Köln eine Stellungnahme gegen „völkische Ideologien“ ins Programm schreiben, was auch immer sie darunter verstehen mag. Inhaltlich flexibel, ganz vorsichtig ausgedrückt.

Der „bürgerliche Korridor“ ist ein gefühltes Spektrum. In seiner Mehrdeutigkeit bietet er herrliche Möglichkeiten, eine Partei zu disziplinieren, frei nach der Maxime: Wo der „bürgerliche Korridor“ endet, bestimmt die Vorsitzende! So ein bürgerlicher Korridor ist, wenn man’s recht bedenkt, eine sehr praktische Allzweckwaffe im tagtäglichen Machtkampf.

Petry versteht das fundamentaloppositionelle Anliegen nicht, vielleicht will sie es nicht verstehen, in jedem Fall liefert sie ein Zerrbild, das sie braucht, um sich als Retterin von Partei und Vaterland in Szene setzen zu können.

Auch sind die Grünen keinesfalls unser Vorbild, wie Petry es uns in einer nur scheinbar wohlwollenden Wiedergabe unseres Standpunkts unterstellt. Die Grünen sind keine Erfolgsgeschichte: Sie haben als Friedenspartei und als Umweltpartei begonnen und sind als giftgrüne Kriegspartei geendet, die sich von der CDU nur dadurch unterscheidet, daß sie ein und dieselbe Entgrenzungsideologie mit besonderem Fanatismus und einem besonderen inquisitorischen Eifer vertritt. Die Grünen haben all ihre Ursprungsideale verkauft. Und gerade das wollen wir ja nicht, und am allerwenigstens wollen dies diejenigen, die Petry meint, wenn sie von den Fundamentaloppositionellen spricht.

Außerdem sind die Grünen viel langsamer gewachsen als die AfD. Unsere Erfolgsgeschichte ist ohne Beispiel und verbietet alle historischen Vergleiche, sei es mit den Republikanern, sei es mit den Grünen.

Diese ganze Dramatisierung, die Warnung vor dem angeblichen Irrweg der Fundis, die dann die Frage nach einem tauglichen Strategiekonzept erst sinnvoll erscheinen läßt, wirkt allein deshalb sehr künstlich und verstiegen, weil wir gar kein neues Erfolgsrezept brauchen:


 Gastbeitrag

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Kommentare (35)

Solution
9. April 2017 20:59

Danke für diese gute Klarstellung. Ich bin einer jener AfD-Mitglieder, die sich intensiv mit dem "völkischen" Gedanken auseinandersetzen. Ich halte ihn für grundsätzlich richtig. Ich bin auch einer jener AfD-Mitglieder, die für den Fall der Fälle den Austrrittsbrief ohne Datum in der Schublade liegen haben. 

Petry und Co müssen weg. Wir sollten jetzt, wie bei Lucke, eine klare Trennung vollziehen. Ist der Einzug in den Bundestag mit 5+x Prozent wirklich so wichtig, daß man seine Grundsätze verrät? Wer sagt übrigens, daß eine Höcke-AfD nicht auch über die 5%-Hürde kommt? 

Seien wir realistisch: Das Zeitfenster für eine gerade noch wirksame Kurskorrektur in der Überfremdungsfrage ist so gut wie zu. Hier nur auf eine Partei als Lösung zu setzen, wäre Unsinn. Die AfD kommt zu spät. So oder so. Deshalb ist es zwar wichtig, die AfD zu unterstützen, doch nur als eine rechte Partei mit klaren Grundsätzen. Wenn die Deutschen in absehbarer Zukunft in der Minderheit sein werden, wird man wissen, was die AfD gebracht hat.

Lyrurus
9. April 2017 21:06

Der ganze Vorgang erinnert mich stark an die Entwicklung in der Deutschen Burschenschaft, wo das Lechzen nach vermeintlicher gesellschaftlicher Anerkennung zur Spaltung und anschließender Marginalisierung und Ächtung aller Bruchstücke führte.

Im Übrigen halte ich Petry inzwischen für vollkommen fremdgesteuert. Die Andeutung im letzten Satz weist den Weg, wer eigentlich bei Madame am Steuer sitzt.

Caroline Sommerfeld
9. April 2017 21:20

Sehr geehrter Herr Tillschneider,

wegen dieses Statements

Danach hat nur derjenige wirklich durchschlagenden politischen Erfolg, der mit geradem Rücken seinen Weg geht, der Konfrontationen mit der Presse in Kauf nimmt, der Vertreter des Establishments irritiert und dabei immer er selbst bleibt. Der also gerade nicht zum Schein provoziert, sondern mit Notwendigkeit, weil das, was er denkt, geächtet ist.

freue ich mich geradezu, daß ich als österreichische Auslandsdeutsche per Brief aus der Ferne AfD wählen darf.

Scipio
9. April 2017 21:22

Ich weiß nicht, was in diese Frau gefahren ist, man kann es nur vermuten. Politische Strategie ist ihr wohl nicht so geläufig. Mich würde mal interessieren, welche Punkte sie aus dem Parteiprogramm der AFD ändern oder streichen will.

Es gibt nämlich noch Wähler, die sich vor allen Dingen am Programm orientieren ( wobei das bei den aktuellen Bundestagsparteien auch fragwürdig ist).

Dabei kann natürlich ein bisschen Charisma nicht schaden. Aber gerade diese Mitstreiter ist man ja im Begriff in die Ecke zu stellen oder sogar aus der Partei auszuschließen. 

Die den Antrag von Petry mittragenden Akteure sind möglicherweise genau diejenigen, vor denen Höcke in seinen Reden immer gewarnt hat, Karrieristen, die nur ein Ziel haben, rein in die Koalitionen, ran an die Pfründe.

Schade um die AFD, wenn sie es nicht schafft bis zur Wahl wieder Profil zu bekommen, dann wird es nicht mal zu 5% reichen.

Merkt von denen denn keiner, dass nicht das Thema AFD lautet, sondern wie es mit Deutschland weitergeht? Wo bleiben die offensiven Stellungnahmen zu den wahrlich brisanten aktuellen Themen? Ich rede nicht von den halbversteckten Kommentaren im Internet.

Anstatt zu jammern, dass man bei den Talkshows nicht eingeladen wird, sollte unverzüglich ein Alternativfernsehprogramm mit Live updates organisiert und ausgestrahlt werden, koste es, was es wolle. Sofort auf dämliche Kommentare reagieren und der Öffentlichkeit präsentieren.

Monacensis
9. April 2017 21:24

 Dem ist wenig hinzuzufügen. Rücksicht auf den "bürgerlichen Meinungkorridor" verbietet sich schon deshalb, weil sich dieser in den letzten 20-30  Jahren in Sachen  nationaler Identität radikal nach links außen verschoben hat.   Wir erinnern uns an Helmut Kohl ("Deutschland ist kein Einwanderungsland. "), Helmut Schmidt ("Mir kommt kein Türke mehr ins Land.")  oder auch an die vor 20 Jahren für Nationalbewusste noch sehr gut lesbare FAZ.   Noch etwas kommt hinzu: Nur ein radikales Umdenken kann Deutschland erhalten. Eine bloße Verzögerung seiner Abschaffung um ein paar Jahre lohnt die Mühe nicht. Da lieber gleich ein Zweitwohnsitz in Ungarn, bevor Orban die Westgrenze schließt.

Sven Jacobsen
9. April 2017 22:41

Wem ist eigentlich mehr zu trauen: Demjenigen, der im Vorfeld unmissverständlich sagt, was er zu tun gedenkt und der deshalb sicherlich zunächst aneckt? Oder demjenigen, der, nur um zunächst möglichst wenig Widerspruch zu erregen, um den heißen Brei herumredet und gleichzeitig ernsthaft glaubt, im Falle seiner Wahl die Probleme der Zeit ungehindert verändern zu können? Machen wir uns nichts vor: Realpolitik ist immer auch ein Stück weit Selbst- und vor allem auch Wählertäuschung. Hans-Thomas Tillschneider ist aus diesen Gründen ein aufrichtiger Beitrag gelungen. Sollte die demokratische Mehrheit die dahinter erkennbaren Positionen nicht akzeptieren, dann ist das wohl im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Spielregeln so. Es könnte aber auch sein, dass eine wachsende Wählerzahl begreift, was gemeint und zu tun ist und sich deshalb dauerhaft hinter diese politisch legitimen Vorstellungen stellt.

R.P.S.
9. April 2017 23:16

zu Scipio:

"Merkt von denen denn keiner, dass nicht das Thema AFD lautet, sondern wie es mit Deutschland weitergeht? Wo bleiben die offensiven Stellungnahmen zu den wahrlich brisanten aktuellen Themen? Ich rede nicht von den halbversteckten Kommentaren im Internet."

Ich kann Ihnen hier nur zustimmen. Habe den Wahlkampf der Afd im Saarland miterlebt:  die Plakate der Afd waren dermaßen nichtssagend - sie hätten auch von der CDU sein können, nur geschönte Geichter - keine Aussagen. So wird das nichts werden - leider.

Sozialpatriot
9. April 2017 23:29

Gratulation an Herrn Tillschneider!

Den Text kann ich ohne Änderungen unterschreiben. Nur so kann die Afd sowohl größten Erfolg haben als auch Deutschland zum Positiven verändern. Wenn das offizielle AfD-Positionen werden, dann kann ich die AfD bei jeder Wahl wählen.

Doch ich fürchte, dafür muss Petry erst genauso scheitern wie Lucke. Sie macht  gerade genau dieselben Fehler wie er - und muss scheitern wie er. 

Der Flügel um Höcke hat dagegen verstanden, wie wichtig Geschichtspolitik und Sozialpolitik sind, um die identitätspolitischen Grundfesten Deutschlands wieder aus dem 68er-Ghetto herauszuführen.

Geradezu witzig ist ja, dass Petry ausgerechnet die FPÖ als Vorbild nennt. Nur dank Straches konsequent fundamentaloppositionellen Kurs steht die FPÖ bei über 30 Prozent in Umfragen - und ist dennoch für Rot und Schwarz plötzlich wieder Koalitionsfähig. Wenn wirklich die FPÖ das Vorbild der AfD werden sollte, dann mache ich mir keine Sorgen mehr um die Partei.

Ein anderes Beispiel ist der Fidesz von Viktor Orban - der hat seine Partei mit Fundamentalopposition in Regierungsverantwortung geführt. Seit 2010 regiert er in Ungarn sehr erfolgreich. Er sichert seine Grenzen konsequent gegen illegale Einwanderer und widersetzt sich dem Brüsseler Zentralismus, Banken, Konzernen und Spekulanten entschieden.

Straches und Orbans Parteien sollten Vorbild für die AfD sein, wenn man wissen will, wie man es richtig macht.

Hartwig B.
9. April 2017 23:35

Bravo. Sehr guter und zutreffender Text. Petrys Antrag ab in die Tonne. Und am besten Petry gleich.... nun ja, das wäre jetzt nicht sehr schicklich so was zu schreiben. ;-)

rautenklause
9. April 2017 23:39

Ein weiteres unschönes Bild auf die PP-Afd wird von Klonovsky gezeigt:

https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna/item/468-8-april-2017

deutscheridentitärer
9. April 2017 23:47

Es läuft doch alles weit besser als erwartet. Erinnern wir uns daran, was die AfD zum Zeitpunkt ihrer Gründung war, was sie jetzt ist, und was sie bald sein könnte, nämlich eine wirkliche rechte Oppositionspartei. Wer hätte damit gerechnet, als diese Luckegestalt ihr Antieuroprojekt ins Leben rief? Petry war telegen, das muss man ihr lassen, und weltanschaulich war sie auch nicht komplett falsch, manchmal jedenfalls, aber ihre Partnerwahl, naja. EInes muss man noch sagen: hätte Klonovsky, den ich sehr schätze, für Kubitschek, den ich noch mehr schätze, gearbeitet statt für PP, wäre er wohl pünktlich bezahlt worden (oder auch nicht, da Kubitschek seine Reden vermutlich selber schreibt).

Simplicius Teutsch
10. April 2017 00:05

Vorweg: Ich halte es grundsätzlich für einen strategischen Pluspunkt, eine attraktive Frau und Mutter von vier oder bald fünf Kindern an der Spitze der AfD zu haben. Anstelle einer unfruchtbaren "Mama Merkel". Aber: Was soll denn jetzt dieses abstrakte Strategie-Gefasel von Frauke Petry, dessen einzige offensichtlich und objektiv greifbare Wirkung in der Spaltung der Partei zu liegen scheint?

Als AfD-Vorsitzende hat sie, noch dazu so kurz vor alles entscheidenden Wahlen, bitte schön ein Strategiepapier zu präsentieren, mit dem sie die Partei insgesamt motiviert, zusammenschweißt und hochreißt. Wenn sie das nicht kann oder nicht will, dann muss sie sofort zurücktreten und Platz machen. – Für jemanden der es vielleicht besser kann. Schlechter geht wohl kaum. War sie in den letzten Tagen zur Propaganda- und Führungsschulung in einem FDP-Strategie-Seminar von Christian Lindner? – Diesem opportunistischen, fuchsschlauen, „demokratischen“ Sprechautomaten, der von den Mainstreammedien getätschelt und gehätschelt wird.

So wie es sich darstellt, wäre Bernd Höcke als Bundesparteivorsitzender der AfD eine unzumutbare Zumutung für weite Teile der AfD-Mitglieder und ebenso für die eingeschüchterten westlichen Wähler. Aber genauso ist Frauke Petry mittlerweile unzumutbar für weite Teile der AfD-Mitglieder. Anstatt nach außen Stärke zu zeigen, meint sie wohl, es würde ihr als Stärke zugute gehalten werden, dass sie die Brandfackel in die eigenen Reihen wirft, um die rechte Hälfte der Partei mit Brand zu roden. Petry muss ja nicht die Partei verlassen. Streitbare, aktive Mitglieder könnten doch beide trotzdem bleiben! Oder nicht? Ich kann über Frauke Petry nur mehr den Kopf schütteln.

Höcke halte ich auch nicht für den großen Reißer, um geschichtslose Massen zu begeistern, aber zu seiner Verteidigung möchte ich einmal darauf verweisen, dass er nicht mit Austrittsverfahren gegen innere Parteigegner vorgeht, und zum zweiten will ich zitieren:

@ Raskolnikow (21. Januar 2017, 16:58):

„Und schon tut sich die Zwickmühle auf: Ist Höcke vorzuwerfen, in einem Irrenhaus  nicht bekloppt daherzureden? Sollte sich die fuchsschlaue AfD die Clownsnase aufsetzen und listig neue Wähler unter den Narren rekrutieren?“

Nautilus
10. April 2017 00:53

Herr Tillschneider, ich schätze sie als wackeren Mitstreiter für unser Land. Sie haben vollkommen recht, und ich kann alles unterschreiben was in diesen Text steht.

Sie ist ja damals angetreten um die beiden Flügel in der AFD zu vereinen, was sie jetzt macht, ist das genaue Gegenteil. Was hat diese Frau so verändert? Marcus Pretzell womöglich? 

Das sich Petry verändert hat, konnte man in ihren Ansprechen schon erkennen.

Die Wortwahl von Petry gegenüber den politischen Gegner wurde immer harmloser. Man hatte vor etlicher Zeit schon das Gefühl, dass sich bei ihr was verändert hat und leider hat sich das jetzt bestätigt.

Ich frage mich, wo sind die politischen Attacken zur Zeit? da kommt nichts!

Der Weg der AFD kann nur die Fundamentalopposition sein,alles andere wäre sinnlos. Entweder der Bürger kommt zur Besinnung oder nicht. Das ist meine Meinung.

 

 

Cacatum non est pictum
10. April 2017 04:39

Mich hat ohnedies die Hoffnung verlassen, dass unsere drängenden Probleme parlamentarisch gelöst werden können. Trotzdem wäre eine starke Oppositions-AfD für das patriotische Lager sicher hilfreich. Leider wirken Monate vor der Bundestagswahl starke Zentrifugalkräfte auf die Partei, an der sie diesmal zerbrechen könnte.

Als parteiinternen wie auch öffentlichen Sündenbock hat man Björn Höcke auserkoren, dessen Dresdener Bierzeltrede angeblich die Umfragewerte hat einbrechen lassen. Wenn man diesen Umfragen denn überhaupt Glauben schenken soll, dann sehe ich den Ansehensverlust eher in der Außenwirkung verankert, die von den Scharmützeln innerhalb der Partei ausgeht: Die AfD stellt sich derzeit als völlig zerstritten dar. Das wiederum ist maßgeblich Frauke Petry und Marcus Pretzell anzulasten, die in den vergangenen Wochen und Monaten keine Gelegenheit ausließen, Giftpfeile ins patriotische Lager zu schießen.

Das Parteiausschlussverfahren gegen Höcke setzt dem Ganzen die Krone auf. Auch die widerspruchslose Hinnahme des Hausverbotes gegen ihn durch die Hotelkette Maritim ist ein Affront. So geht man nicht mit einem - erfolgreichen und durchaus beliebten - Landesvorsitzenden um. Petry und Pretzell scheinen vor dem Kölner Bundesparteitag alles auf eine Karte zu setzen. Und nachdem gestern die nächste delikate Meldung über den Ticker lief (https://www.welt.de/politik/deutschland/article163545697/AfD-Spitze-unterstellt-Hoecke-politische-Naehe-zu-Hitler.html), halte ich eine erneute Spaltung der Partei für nahezu unausweichlich.

sophia_
10. April 2017 08:59

Erstklassige, fundierte Analyse der aktuellen Lage.

Als diese Vorschläge von Frau Petry kolportiert wurden, führte das bei mir zu einiger Verwunderung, weil ohne jede Notwendigkeit entstanden.

Cui bono? 

IhrAnsatz Herr Tillschneider wird sicherlich von den allermeisten AFD-Mitgliedern geteilt und ist der einzig plausible Zugang.

Die Menschen wollen, wenn sie sich von ihrer alten Partei entfernen keinen wässrigen Aufguss derselben vorfinden, sie wollen etwas, dass es in dieser Form sonst in Deutschland nicht gibt, nämliche AFD mit allen Ecken und Kanten, ehrlich in der Sache und im Umgang mit Themen.

Schade, dass Zeit und Energie in diese Überflüssigkeit fliessen, doch anscheinend unabdinglich für Klarheit und Ausrichtung innerhalb der AFD.

Borstelspatz
10. April 2017 09:46

Danke Herr Tillschneider, genau so sehe ich das auch! Lieber auf ein paar Prozente verzichten, als seine eigene Identität zu verraten. Davon sitzen schon genügend Personen im Bundestag. 

Pigscantfly
10. April 2017 10:36

Mutti 2.0?

Damit darf Frauke Petry nicht durchkommen. Sonst ist das ganze Projekt AfD wesentlich gescheitert. Die Herrschaft einer begabten, herrschsüchtigen Ostdeutschen kann man in der CDU seit Jahren in ihrem Wirken beobachten; das Resultat für die Demokratie in der CDU und in Deutschland ist katastrophal. Und genau deshalb gibt es ja überhaupt die AfD - die Bewegung los von Mutti.

 

Monika L.
10. April 2017 11:15

Man sollte sich auch mit Texten von Autoren befassen, die sich nun genüßlich auf eine heiße Schlacht auf dem AfD-Parteitag einstellen. Etwa mit der Fleißarbeit von Liane Bednarz:

https://starke-meinungen.de/blog/2017/04/07/frauke-petrys-flucht-nach-vorn-ein-vergeblicher-versuch/

Eine saubere Analyse. Aus der man auch konstruktive Schlüsse ziehen kann. Und sollte.

Hugo
10. April 2017 11:34

Lieber Herr Tillschneider, die AfD hat genau eine Figur, die sie zusammenhält: Dr. Frauke Petry. Ohne Petry ist die AfD binnen wochenfrist die NPD. Wenn Sie das wollen, machen Sie so weiter. 

Die AfD ist nur mit den Positionen einer Frauke Petry auch in den westlichen Bundeslöndern in der Lage, sicher in die Parlamente einzuziehen. 

Aus meiner Sicht werden all ihre Argumente nichtig, wenn Sie doch damit doch letztlich eines vorantreiben: Spaltung und damit ein sicheres Ende der AfD. 

Maiordomus
10. April 2017 12:42

"Der Wechselwähler ist ein scheues Reh, den man nicht verschrecken (...), sondern klug in die Falle locken muss."

 

Wer so formuliert, den Wähler also in die Falle locken will, ist politisch nicht zurechnungsfähig und er hat ein absolut zynisches Verhältnis zur Demokratie.

andreas
10. April 2017 12:56

Frau Petry scheint williges Opfer des offiziösen, von den Herrschenden verbreiteten Stimmungsbildes über die deutschen Befindlichkeiten zu sein: "alles nicht so schlimm, Merkel hat alles wieder im Griff. 2015 wird so nicht wieder vorkommen. Das bisschen Terror hat´s immer mal wieder gegeben. Da stehen wir drüber. Wichtig ist uns nur, unseren  persönlichen Hedonismus ausleben zu können." Wenn sie dieses Trugbild als wirkliche Meinung ansieht, die grob gesprochen 90 Prozent der Deutschen teilen, dann kann sich daraus und aus einem gewissen persönlichen Utilitarismus ihre Strategie ableiten lassen. Ich denke aber, dass mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten trotz geballter Medienmacht mit diesem Bild nicht konform gehen. DIE sind das derzeitige Potential der AfD. DIE sind erreichbar, aber nicht mit der Petry-Linie.

Der Gehenkte
10. April 2017 13:35

Tillschneiders Beitrag hätte besser auf die Patriotische Plattform als in die SiN gepasst. Ihn hier zu bringen, ist bereits ein Politikum, das im Gesamtkomplex nur nach hinten ausschlagen kann. Zum einen sollte die SiN - wenn sie ihr Alleinstellungsmerkmal behalten will - eine metapolitische Basisstation bleiben, zum anderen glaube ich, wäre es für Schnellroda besser, nicht dauernd in der aktuellen Politik mitmischen zu wollen. Man macht sich damit selber ansteckungsbereit; die Viren heißen: Intrige, Konformismus, taktische Zugeständnisse, Gehetztheit und dergleichen. Sie würde damit für einen bestimmten Teil der Leserschaft unattraktiv.

Die grundsätzliche Fehlannahme Tillschneiders ist wohl, daß er Petrys Zug zu stark ideologisch beurteilt. Es geht ihr wohl weniger um die ideologische Ausrichtung (im Sinne der Ausgrenzung des "patriotischen Lagers", der "Säuberung") als um den perspektivischen Zusammenhalt. Leider hat sich die AfD durch komplexes Selbstverschulden - das betrifft Höcke ebenso wie die Parteispitze - in eine Situation manövriert, in der jede Äußerung, jede Enstcheidung den Konflikt nur noch anheizen kann. Höcke hätte DD nicht halten dürfen, die Führung hätte darauf nicht reagieren dürfen, die patriotische Basis hätte dann wiederum die Bühne scheuen sollen, Petry hätte sich den Vorschlag sparen sollen usw. All dies ist nur Öl ins Feuer und wird eskalierend zur Selbst- und Außenzerlegung beitragen. Insofern ist Tillschneiders Beitrag ebenso destruktiv, mag er inhaltlich einiges für sich haben.

Der einzige Weise in der Partei - das zeigt sich immer mehr - ist Buddha Gauland. Der hat das verstanden und auf die Führungsposition verzichtet.

Am Ende wird die Partei an Akromegalie verscheiden und das Schicksal der PFSFIDSDG („Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken der Gesetze“) teilen, nur unter umgekehrtem Vorzeichen - sie verstarb an Mikrosomie.

Im Übrigen stimme ich Pirmin Maier zu.

 

Cacatum non est pictum
10. April 2017 14:21

@Hugo

Lieber Herr Tillschneider, die AfD hat genau eine Figur, die sie zusammenhält: Dr. Frauke Petry. Ohne Petry ist die AfD binnen wochenfrist die NPD. Wenn Sie das wollen, machen Sie so weiter. 

 

Die AfD ist nur mit den Positionen einer Frauke Petry auch in den westlichen Bundeslöndern in der Lage, sicher in die Parlamente einzuziehen. 

Aus meiner Sicht werden all ihre Argumente nichtig, wenn Sie doch damit doch letztlich eines vorantreiben: Spaltung und damit ein sicheres Ende der AfD.

Sind Sie Marcus Pretzell? Diese Formulierungen kommen mir doch sehr bekannt vor. Im NRW-Landesverband waren sie zuletzt allenthalben vernehmbar. Da hat der liberale Flügel so richtig seine Masken fallen lassen und klargemacht, worum es ihm tatsächlich geht: um Pfründe und sonst nichts. Bei Frauke Petry drängt sich der Eindruck auf, dass sie von ähnlichen Motiven getrieben sein könnte; das hat ja auch Herr Tillschneider angemerkt.

Wer hier die Spaltung der Partei forciert, ist offensichtlich. Dieser Petrysche Amoklauf der letzten Monate war völlig unnötig. 2016 hat die AfD durchschlagende Erfolge verzeichnet - man hätte den Weg einfach nur fortsetzen müssen, denn die äußeren politischen Umstände waren und sind kostenlose Wahlkampfhilfe. Eine Frauke Petry in früherer Verfassung würde auch ich für eine gute Integrationsfigur halten. Sie ist eloquent, vertritt (oder vertrat) patriotische Positionen und scheint, wie sich gezeigt hat, gegen öffentliche Schmutzattacken resistenter zu sein als andere Aushängeschilder der AfD. Hätten sie und Pretzell nicht diesen schmutzigen Kleinkrieg gegen den Höcke-Flügel angezettelt, wäre vermutlich alles in bester Butter.

Dieser Zug ist nach den jüngsten Auseinandersetzungen wohl abgefahren. Die AfD steuert in Köln auf den nächsten großen Knall zu. Wir werden sehen, was danach von ihr übrigbleibt. Petry und Pretzell werden ihre Gründe haben, so zu agieren, wie sie es in letzter Zeit getan haben. Ich verkneife mir Spekulationen, aber ein mögliches Scheitern der AfD hätten maßgeblich sie zu verantworten.

Albert
10. April 2017 14:34

Ich bin Anhänger des "Flügels" der AfD. Aber ich sehe, daß in NRW, wo wir wohnen, die AfD-Provokationen auf erhebliches Widerwillen seitens der westdeutschen Bürgerlichen stoßen. Die Leute hier sind noch arg BDR-mäßig konditioniert. Obwohl hinter versteckter Hand allerorten über die Asylantenflut und den Islamismus geklagt wird, gilt die AfD bei einigen hier als unappetitlich. Es ist im Westen extrem wichtig, daß die AfD ihr bürgerliches Gewand behält. Da haben Dieter Stein, KHW und P&P leider einfach recht - obwohl deren inhaltliche (Nicht-)Positionen mir die Zornesröte auf die Stirn treibt. Noch schlimmer als inhaltliche Querelen wirkt die Zerstrittenheit der Partei - und das im Wahljahr.

Es ist zum Haare-raufen ...

Cacatum non est pictum
10. April 2017 14:35

@Maiordomus

Wer so formuliert, den Wähler also in die Falle locken will, ist politisch nicht zurechnungsfähig und er hat ein absolut zynisches Verhältnis zur Demokratie.

Kommen Sie! Als umfassend gebildeter Mensch mit Lebens- und Politikerfahrung wissen Sie doch genau, dass Demokratie exakt so funktioniert. Das ist keine Tillschneider-Erfindung. Was meinen Sie, wie viele Wählerstimmen der charismatische und gutaussehende Christian Lindner bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen allein bei den Frauen einsammeln wird. Schon die Wahlplakate werden so einige überzeugen (selbst meine Gattin machte jüngst Andeutungen in diese Richtung). Dass Lindner nur ein Populist mit ausgeprägtem Machtgespür ist, kapieren doch die meisten Wähler gar nicht. Wenn man ehrlich sein wollte, müsste man anerkennen: Das sind extrem starke Argumente gegen eine Demokratie.

Heinrich Brück
10. April 2017 14:40

@ Maiordomus

"in die Fall locken" - sehe keine Falle. Ein Zustand, damit der Wähler richtig wählt? Ein Tau zum Aufziehen von Segeln, würde der Seemann sagen.

Tillschneider ist Banater Schwabe. Mehr Demokratie geht nicht.

Peter Schmitz
10. April 2017 14:53

Man sollte bei aller Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit nicht vergessen, worum es hier eigentlich geht: Das eigentlich schon unvermeidbare Schicksal Deutschlands vielleicht doch noch abzuwenden, auf parlamentarischem Wege, ohne Gewalt.

Es ist sehr gut möglich, daß in diesem Herbst das letzte Mal das deutsche Volk frei wählen wird, welchen Lauf sein Schicksal nehmen soll. Denn in vier Jahren werden der noch weiter erstarkte linke Totalitarismus und der dann vorhandene Ausländeranteil selbst bei einer weitgehenden Einigkeit der deutschen Restbevölkerung den Deutschen jede Möglichkeit zur Initiative genommen haben.  

Dringend gebraucht wird nun also eine Partei, die so große Teile der Wählerschaft hinter sich versammeln kann, daß die linke Zerstörungsfront auf Bundesebene nicht mehr an ihr vorbeikann.

Dabei ist aber nun einmal zu berücksichtigen, daß die weit überragende Masse der Deutschen nicht politisch denkt, geschweige denn sogar durch tiefes Nachdenken und vorhergehende gründliche Aufnahme erforderlicher Informationen zu wahrhaftigen Schlüssen kommen würde, als Grundlage zu einer unerschütterlichen Position aus Überzeugung.

Der Durchschnittsmensch ist linksfortschrittlich aufgewachsen, hat eine körperliche Allergie anerzogen bekommen gegen alles was rechts ist und folgt in Grundzügen dem Linksliberalismus, ohne dies an sich überhaupt tiefer hinterfragen zu können.

Eine Partei, die diese Allgemeinheit in erforderlicher Größenordnung erreichen will, muß das Kunststück vollbringen, die linken Lebenslügen des Bundesbürgers nicht grundsätzlich zu widerlegen, da niemand zugeben will, daß seine lebenslangen Überzeugungen ein Irrtum gewesen sind. Eine solche Partei muß die Bundebürger, die in einer Art unpolitischer Linksverirrung gefangen sind, in deren Sprache ansprechen und ihnen ermöglichen, in entscheidenden Punkten den Kurs zu ändern, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Eine patriotische AfD im Sinne Höckes mag aufrichtig und sich selbst treu sein, aber sie wird in einem Deutschland, das von Menschen des Schlages heutiger Bundesbürger bewohnt wird, das Dasein einer Splitterpartei führen.

 

Polybios
10. April 2017 15:12

Beim Pretzell stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Jurastudium in Heidelberg, typisches Gebahren eines Corpsier, fast wie eine Figur aus "Faserland". Bezeichnend ist auch dieser Brief auf Grundschulniveau:

 https://www.stern.de/politik/deutschland/marcus-pretzell--hier-antwortet-der-afd-politiker-auf-den-offenen-brief-6684522.html

Valjean72
10. April 2017 17:18

@Polybios: "Bezeichnend ist auch dieser Brief auf Grundschulniveau: ..."

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Nicht nur inhaltlich, was schliesslich das entscheidende ist, auch stilistisch ziehe ich Herrn Tillschneider Herrn Pretzell vor, und dies deutlich.

Maiordomus
10. April 2017 17:55

@Heinrich Brück. So weit Sie mit "Fall" ein Tau meinen, was metaphorisch aber im Artikel nicht in den Kontext passt, müsste es "das Fall" heissen. Der Satz ist jedenfalls eine auch sprachliche Verirrung. Dass man Wählerstimmen sammeln und mobilisieren muss, die Leute in der Tiefe dessen abholen soll, wie sie in lichten Augenblicken vielleicht denken und es selber merken, hat weder mit Fallenstellen zu tun noch damit, dass man den feuchten Finger in den Wind hinaushält. Es muss um eine neue und erneuerte politische Integrität gerungen werden.  Mit Glaubwürdigkeit kann man durchaus Stimmen generieren. Aber gerade damit scheint Frau Petry Mühe zu bekommen.

Gotlandfahrer
11. April 2017 00:46

Die gute Frau Petry hat sich eine Babypause verdient. Den Stress der letzten Monate hätten die meisten Kerle kaum überstanden, deswegen und wegen Ihrer Intelligenz habe ich großen Respekt vor Ihr. Wir Rechten sollten uns nicht zerfleischen, sondern uns kameradschaftlich auf unsre Stärken und Schwächen hinweisen. Frau Petry hat, wie im Artikel sehr nachvollziehbar beschrieben, eine nicht schlüssige Strategie entwickelt. Man sollte sie ablehnen, aber nicht den Menschen verdammen. Keiner ist unfehlbar.

Heinrich Brück
11. April 2017 01:59

"Es muss um eine neue und erneuerte politische Integrität gerungen werden.  Mit Glaubwürdigkeit kann man durchaus Stimmen generieren."

Sehr schön gesagt. Aber wer soll diese Stimmen zur Verfügung stellen? Diese Idealität einer politischen Integrität könnte vom Wähler nur dann goutiert werden, wenn der Wähler ein Repräsentant politischer Integrität wäre bzw. diese erkennen könnte. Tillschneiders "die Fall", als Fangvorrichtung gedeutet, um den Wechselwähler zu locken, ist Demokratiesprache im Wahrheitskleid.

Dieter
13. April 2017 08:37

Ich bin der Auffassung, daß wir alle von Donald Trumps fulminanten Wahlsieg lernen können. Donald Trump hat diese Wahlen nicht nur gegen die Medien, sondern auch vor allem gegen das Establishment in der eigenen Partei gewonnen. George Bush weigerte sich scheinbar sogar, an Trumps Amtseinführung teilzunehmen. Was hat Trump anders gemacht als andere konservative Republikaner vor ihm, was hat ihn befähigt sich erfolgreich zu wehren? Mir scheint, als ob es fundamental wichtig ist, den Linken niemals aus Angst Recht zu geben oder vor ihnen zurückzuweisen. In der Sekunde, wo man das tut ist die Schlacht schon verloren, denn man ist für den Wähler wahrnehmbar zu einem Teil des Systems geworden, zu dessen Abschaffung er einen gerne gewählt hätte. Ich appelliere daher an B. Höcke und den Bundesparteitag: stellt Björn Höcke als alleinigen Kandidaten für die Bundestagswahlen auf! Hört auf das Krokodil der Medien zu beschwichtigen, es wird Euch nicht gelingen. Björn Höcke hat jetzt gerade weil das Establishment ihn so hasst als einziger realistische Chancen die Wahlen für die AfD zum Erfolg zu führen. Er ist auch der einzige des AfDs Führungspersonals, der seine eigenen Interessen konsequent denen der Idee untergeordnet hat (siehe gestrige Videobotschaft, in der er betont, sich gegen die Angriffe auf dem Bundesparteitag nicht zur Wehr setzen zu wollen, um der Partei nicht zu schaden). Wir sollten uns jetzt überlegen, ob wir den Kampf gegen das Establishment aufnehmen wollen oder nicht. Wenn nicht kann die AfD genausogut dichtmachen. Ein Opa Gauland oder ein unpersönliches Trio à la SPD wird niemanden vom Hocker reissen.

Richard87
13. April 2017 10:52

Bedaure, es so sagen zu müssen, aber es hilft relativ wenig, wenn in der Echokammer von SiN und bei Pegida der Beitrag auf derart viel Zustimmung stößt, daß man es sich anders garnicht vorstellen kann. Den Elefanten im Raum mag dagegen offenbar niemand sehen: Im Vergleich zur Entwicklung von 2016 hat sich die Prognose der AfD mindestens halbiert und geht gerade eher auf die 5%-Hürde zu.

Haben die Kommentatoren hier auch eine einfache Lösung dafür, wie man das bis Herbst wieder hinbekommt? Glaubt man hier wirklich, das liege vor allem an Frauke Petry, mit der es bis zum Januar ja ziemlich gut geklappt hat?

Etwas polemisch gefragt: Ist hier das Modell der FPÖ derart abstoßend, daß man partout nicht so viele Möglichkeiten, und sei es auch durch Koalitionen, haben möchte? Glaubt jemand, Marine Le Pen hätte gerade diese Chancen, wenn sich die Partei permanent selbst zerfleischen würde, weil dauernd Anhänger des "wahren, alten Glaubens" ihres Vaters Resolutionen verabschieden? 

Die Fähigkeiten zur Realpolitik sind in Deutschland derzeit einmal wieder allzu mangelhaft ausgeprägt. 

@Polybios

Lassen Sie mich raten: Im Gegensatz zu Pretzell retten Sie das Vaterland schon seit Jahren an der (burschenschaftlichen) Theke?

Klaus D.
13. April 2017 15:42

@Dieter

Ich muß gestehen, zur Zeit habe ich resigniert. Aber vor genau einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Die Landtagswahlen in Sachsen/Anhalt brachten für die AfD knapp 25 Prozent! Und das "Geheimnis" des Erfolgs war u.a.: Klare Abgrenzung zu den Systemparteien, klare Aussagen zu Deutschland und dem deutschen Volk, Verurteilung der Merkelschen Flüchtlingspolitik.

Solche klaren Aussagen zu politischen Veränderungen kommen an beim Wähler. Aber offensichtlich nur im Osten. Hier weiß man aus Erfahrung, wann ein System "fertig hat".

Im Westen sieht das ganz anders aus (wie ich in den Diskussionen der letzten Monate feststellen mußte). Dort will man keine großen politischen Veränderungen und man will auch nichts von vor 1945 hören. Man will lediglich seine gute, alte Wohlfühl-BRD zurück.

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