18. April 2017

Verlaufen

von Johannes Konstantin Poensgen / 31 Kommentare

In Düsseldorf, privat. Ich stelle fest, daß ich den beim letzten Besuch gekauften Stadtplan verloren habe. "Na egal, findest du auch so." Selbstverständlich nehme ich gleich an der ersten Kreuzung den falschen Weg und lande im Orient.

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Daß heißt: fast, nur die Häuser selbst und die milde Frühlingsluft verraten noch, in welchem Erdteil ich mich befinde. Ansonsten gibt es nur noch eine Litfaßsäule mit zwei Plakaten. Das eine wirbt für eine Ausstellung der Gemälde Otto Dix'. Über die von Kopftüchern bevölkerte Straße blickt mißmutig ausgerechnet Anita Berber aus scharlachrotem Abendkleid. Das andere verkündet das Erscheinen eines Historienromans. Den Einband ziert in goldfarbenem Druck die Plattenkrone des römisch-deutschen Kaisertums.

Auf der Straße tummeln sich die verschiedensten Morgenländer, zwischen die sich eine bemerkbare Anzahl an Negern gemischt hat. Japaner, denen man in Düsseldorf sonst auf Schritt und Tritt begegnet, sehe ich keinen. Zweimal kommt mir ein langbärtiger Vater in weitem Gewand entgegen, auf dem Kopf die weiße Kappe, die Schar seiner gleichsam gekleideten Söhne im Schlepptau. Auch die Geschäfte, die sich im Erdgeschoß der bereits im Verfall begriffenen deutsche Häuser eingenistet haben, sind orientalisch.

Lebensmittelläden, deren Waren dem muslimischen Reinheitsgebot entsprechen, freilich mit einem Werbeschild für Coca-Cola. Im Schaufenster einer Boutique führen Modepuppen verschiedene Kopftücher vor, und in einem besonders häßlichen Gebäude sind Übersetzungsdienstleistungen im Angebot: Deutsch-Französisch-Arabisch-Berberisch. Hier bin ich eindeutig der Fremde. Mit meinem schweren Rucksack muß ich tatsächlich das Bild eines Touristen abgeben, der sich auf dem Basar verirrt hat.

Ich laufe wieder zurück und finde nach einigem Fußmarsch mein ursprüngliches Ziel. In der Gegend, in der ich mich jetzt befinde, sind nur wenige Ausländer. Die Gebäude, vom Stil her dieselben, sind in deutlich besserem Zustand. Es sind nur einige hundert Meter Luftlinie bis zum Orient. Das Ganze erinnert ein wenig an das Karnevalslied, in dem die Straßenbahn-Linie 18 bis nach Istanbul fährt.

Hier leben auf engem Raum zwei Welten nebeneinander. Die morgenländische Wohnweise verschiedener Ghettos bestimmt den Alltag, und zwar, zumindest soweit ich das wahrnehmen kann, ohne daß sich die Menschen dessen besonders bewußt wären. Die beiden Väter mit den langen Bärten und den weißen Kappen waren wahrscheinlich noch nie im Deutschenviertel einige hundert Meter nördlich von ihrem Wohnort, und umgekehrt wird das auf die Meisten  auch zutreffen. Ich selbst bin ja auch nur da unten gelandet, weil ich zu stolz, zu geizig oder zu faul war, noch einmal kurz umzudrehen und einen Stadtplan zu kaufen.

Dieses Nebeneinander ist inzwischen an vielen Orten normal. In Hamburg leben zur Zeit einige zehntausend Jugendliche mit Migrationshintergrund, die in der Stadt geboren und aufgewachsen sind, aber noch nie die Elbe gesehen haben. Die ganze Stadt lernen nur noch diejenigen kennen, die das von Berufs wegen müssen. Polizisten, Postboten und Lieferanten aller Art, oder auch die Plakatierer, die Anita Berber, gemalt von Otto Dix im Morgenland, an eine Litfaßsäule klebten, weil das eben ihr Job war.

Ich leide unter der Déformation professionelle, meine Umwelt beständig mit dem Auge des Politologen wahrzunehmen. Mir wird beim Anblick dieses so offen zutage liegenden Nebeneinanders bewußt, wie schwer das alles einzuschätzen ist. Wie sehr es alle Prognosen durcheinanderwirft. Daß die Menschen, denen ich auf meiner kurzen Irrfahrt begegnet bin, jemals integriert werden können, was immer Integration hier noch bedeuten mag, daran glaubt wohl keiner, der sie gesehen hat.

Nur: Was dann? Wer weiß das so genau? Neben den Aposteln der multikulturellen Gesellschaft blamieren sich hier auch die Untergangspropheten. Denn dieses Nebeneinander funktioniert, bis jetzt jedenfalls, ohne schwerere Zusammenstöße. Wir wissen aus der orientalischen Geschichte, daß sich das von einem Tag auf den anderen ändern kann. Doch wann und wie? Wie lange wird man denn auf diese Weise nebeneinander herleben können?

Denn bis jetzt ist das ohne weiteres möglich, selbst wenn man nur einen Katzensprung voneinander entfernt ist. Im Zusammenhang mit der demographischen Bedrohung und den immer zahlreicheren Parallelgesellschaften wird gerne die Metapher vom "Druck im Kessel" verwendet. Wenn wir einmal in diesem Bild bleiben, dann haben wir hier einen Kessel, bei dem es schon schwer genug ist, auch nur den Druck zu messen, und von dem wir überhaupt nicht wissen, ab welchem Druck er denn platzen würde.

Selbstverständlich haben wir in Europa inzwischen beträchtliche Erfahrung damit gemacht, mit welcher Zahl und welcher Dichte von welcher Art von Vielfalt etwa Polizeieinsätze wieweit schwieriger werden. Wenn es dafür Forschungsmittel gäbe, könnte man zu solchen Themen sogar aussagekräftige quantitative Studien erstellen.

Doch sind diese Fragen, so sehr sie die Lebensqualität und oft genug auch die leibliche Sicherheit einzelner betreffen, hier zweitrangig. Für unsere Zukunft ist entscheidend, wie lange dieser Zustand aufrechterhalten werden kann. Meine Befürchtung ist, daß dies noch zu lange möglich ist.

An diesem Abend saß ich mit einigen Leuten in einer Kneipe. Die einzigen Ausländer im Raum waren drei Griechen aus Athen, die wir mitgebracht hatten, und eine Japanerin, die mit ihrer deutschen Freundin dort war. Zum Orient waren es anderthalb bis zwei Kilometer, und mir wurde klar, daß, solange dieses Nebeneinander möglich ist, das Heilmittel den Leuten immer schlimmer erscheinen wird als die Krankheit. Zukunftsprognosen werden daran nur für wenige etwas ändern.

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Kommentare (31)

deutscheridentitärer
18. April 2017 16:30

Ein guter Artikel, der den Finger in die Wunde legt, nämlich die Illusion der Rechten, die Zustände würden sich notwendig so zuspitzen, dass das System dahinter kollabiert. Langfristig ist dies in der einen oder anderen Form durchaus wahrscheinlich und bis dahin werden sich genügen private Zustände für eine Seite unvorteilhaft zuspitzen, aber im Großen und Ganzen funktioniert alles ja. Man kann das alles auch nicht mehr wirklich sinnvoll analysieren. Es ist mir jedenfalls absolut unerklärlich, wie man diesen Prozess der Orientalisierung, der mittlerweile immerhin eine bemerkbare Geschwindigkeit erreicht hat, einfach so hinnehmen kann. Ethnomasochismus hin oder her; wenn ich mir die Bilder europäischer Großstädte vor gerade mal 50 Jahren anschaue  kann ich einfach nicht begreifen, wie die Generation meiner Eltern diesen unglaublichen Niedergang im Straßenbild nicht als unerträglichen Verlust empfinden können.

Caroline Sommerfeld
18. April 2017 17:29

Nach einem Vortrag hier in Wien fragte jemand den vortragenden Rüdiger Safranski: "Aber Herr Professor, sagen'S, was soll denn so schlimm sein an Parallelgesellschaften?" Die Herrschaften im Publikum waren erstaunlich offen für migrationskritische Thesen, bedächtig und im Gestus des Immer-Fragenden vorgetragen. Das mit den Parallelgesellschaften war für sie indes eher ein schönes denn ein bedrohliches Bild.

Ich brauche ebenfalls bloß anderhalb Kilometer zu fahren, und bin am Brunnenmarkt, wo im letzten Jahr eine Österreicherin von einem geistesgestörten Nigerianer mit einer Eisenstange erschlagen wurde. Das schöne Marktbild ("Äääneuro! Äääneuro!") kann man täglich tätig soziologisiered durchwandern und sich wohlfühlen (H) oder bedroht fühlen (ich).

Durch meinen einigermaßen heterogenen stammösterreichischen Wohnbezirk wandere ich allerdings gleichermaßen als innerlich Fremde. Ich flaniere durch ein Tal der Ahnungslosen, über 90% Grünwähler, sie wissen nicht, was sie tun und glauben ernsthaft, die einigermaßen homogenen Ausländerbevölkerungen in den anderen Bezirken leben halt dort ihr "paralleles" Leben. Auch eine Art von Ethnopluralismus!

F. Donandt
18. April 2017 17:37

Vom Status Quo auf die Zukunft schließen zu wollen ist der Fehler, denn dieses Nebeneinander ist nicht statisch. Das Morgenland expandiert durch Geburten und fortlaufende Einwanderung. Das Abendland schwindet durch fehlende Geburten und White Flight. Diese fatale Entwicklung wird irgendwann zu dem Zeitpunkt führen, an dem der Kessel platzt, denn eines ist auch klar: Das friedliche Nebeneinander der beiden Welten wird durch hartes Geld erkauft. Wenn der Sozialstaat zusammenbricht, weil die Anteil der Einzahler gegenüber dem der Empfänger zurückgeht oder sich die heterogenisierte Migrationsgesellschaft einfach nicht mehr zu einer Solidargemeinschaft zusammenfinden will, dann wird passieren, was man ansatzweise heute in französischen Vororten beobachten kann.

Die Geschichte kennt kein Beispiel, bei dem eine kulturfremde Masseneinwanderung / Invasion einen friedlichen Ausgang genommen hätte.

Neander vom Thal
18. April 2017 17:46

Sehr geehrter Herr Poensgen,
nach dem Lesen Ihres Artikels war ich, wie so oft beim Lesen ähnlicher Texte, befallen von einem Gefühlsamalgam aus leichter Depression, gehörigem Zorn und ein wenig Verzweiflung. Solche Gefühle übermannen mich natürlich niemals bis zur vollkommenen Lähmung, denn wenn ich feststelle, daß junge Menschen wie Sie solche Artikel mit dem gebotenem Niveau schreiben können, sehe ich hoffnungsvoll in unsere Zukunft.

Roland W.
18. April 2017 17:49

Guten Tag Herr Poensgen,
Sie sprechen mir aus der Seele.

Solution
18. April 2017 18:08

Es ist immer gut, wenn man seine Ideen an der harten Realität mißt. Jeder kann sehen, daß es weit und breit keine vorrevolutionäre Stimmung gibt. Tatsächlich sieht es so aus, wie hier beschrieben: Das Miteinenander scheint zu funktionieren. Warum auch nicht? Noch sind genügend Ressourcen da, damit jeder etwas abbekommt.

Was erwartet man auch,  wenn die Menschen hierzulande in ihrem Wohlstand mit allem mehr oder weniger zufrieden sind? Umfragen sagen aus, daß die Mehrheit mit ihrem Leben und den Lenbensumständen zufrieden ist. Das geht von der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz bis zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage.

Ändern wird sich nur etwas, wenn entweder ein Elementarereignis stattfindet, oder wenn die, die noch nicht länger hier sind, anfangen ihre maßlosen Forderungen mit Nachdruck zu stellen. Von den BRD-Deutschen kommt bis dahin nichts. Möglicherweise erscheint doch eher Godot, als ein Aufstand.

Die sog. "Flüchtlingskrise" war bisher ebensowenig ein Katalysator, wie der "Brexit" oder Trump. Dennoch sind es Indikatoren dafür, daß für die Gegenseite immer mehr schiefläuft. Herr Poensgen macht es richtig: Beobachten und die Realität nehmen, wie sie ist.

Auch unter den gegenwärtigen Bedingungen gibt es für uns genug zu tun. 

Langsax
18. April 2017 18:12

Das Nebeneinander von fremden Kulturen auf engstem Raum ist solange möglich, bis die Ressourcen im Terretorium für die anwesenden Menschen knapp werden. Dann beginnt das, was man bereits in der Bibel ("Der Turmbau zu Babel") und in Geschichtsbüchern (Balkan, Libanon, Ruanda etc.) nachlesen kann. Wer es genauer wissen will, der lese ein gutes Lehrbuch der Humanethologie. 

Solange die Wirtschaft "brummt", so dass man Millionen von Kulturfremden mit durchfüttern kann, wird es ruhig bleiben.

Harald
18. April 2017 18:16

Finis Germania !

Alemannischer Recke
18. April 2017 18:48

Der Artikel greift eindeutig zu kurz. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen sind eine Folge sozioökonomischer Verwerfungen und weniger ein ethnisches Problem. Die empirischen Befunde liegen vor, dass es auch der autochthonen sozial schwachen Bevölkerung nicht gelingt, Kontakte außerhalb ihres "Kiezes" zu etablieren und dass die etwas besser gebildeten Migrantenfamilien sehr wohl solche Gegenden verlassen. 

Was die Andeutung soll, dass es noch viel zu lange gut gehen kann erschließt sich mir ebenfalls nicht. Wem wäre mit einem großen Knall gedient? Wohin die Lehrmeinung zu Ursachen und Wirkungszusammenhängen dann geht, dazu bedarf es keiner großen Phantasie. Wie hat man das eigentlich gelöst, wo über einen längeren Zeitraum verschiedene Ethnien in einer Stadt gelebt haben? Mir  würde spontan Odessa einfallen (zugegebenermaßen ohne über die Geschichte der Stadt im Bilde zu sein). Jedenfalls bringt es den Diskurs nicht voran, wenn die 500. Beschreibung der Lage hier und auf ähnlichen Seiten auftaucht. Lösungsansätze,  welche über die Bekämpfung der Ursachen hinaus gehen, wären von konservativer Seite  wünschenswert.

Dirk Fahrmeyer
18. April 2017 19:09

Lieber Herr Poensgen, die Situation wird sich meines Erachtens schlagartig ändern, sobald der deutsche Sozialstaat nicht mehr leistungsfähig ist. Also ein reines Rechenexempel.

marodeur
18. April 2017 19:22

Ja so ist es. Ist die Infrastruktur intakt, funktionieren Parallelgesellschaften erstaunlich gut. Für die meisten jungen Bekannten in meinem Umfeld liegt darin sogar der größte Reiz. Sie finden es spannend und anregend, dass Kabul oder Addis Ababa nur auf ein paar Schritte von ihrer Wohnung entfernt liegen. Gleichzeitig macht man möglichst einen Bogen drum. Es geht ja nur um das wohlige Weltbürgergefühl. Auch das Kriminalitätsthema wird überschätzt. Selbst in der Verbrechenshauptstadt Frankfurt geht es erstaunlich friedlich zu.

Mich wundert es nicht, dass unser Rückhalt stagniert. Schließlich saugen die Parallelgesellschaften alle Probleme auf wie ein Schwamm. Bei den meisten bleibt das vage Gefühl, dass alles nicht ewig so weiter gehen kann. Aber das kennt man ja - kein Grund zur Beunruhigung.

Geschichte ist mühsam: Für ein winziges Maß an Einsicht bedarf es einer enormen Zerstörung von kulturellen und materiellen Gütern. Erst durch totalen Kahlschlag und fast vollständige Ausrottung ensteht wieder langsam Wertschätzung. Heute will wieder jeder Fachwerk. Robben werden mit der Flasche aufgepäppelt. Überall werden mit viel Liebe Synagogen wieder aufgebaut. Lasst uns hoffen und arbeiten, dass es uns weniger hart trifft und dass es am Ende noch etwas bewahrenswertes gibt.

John Haase
18. April 2017 19:47

Als jemand, der bis vor einem Jahr eine Straße weiter von der Straße oben auf dem Foto gewohnt hat (die wahrscheinlich mit der beschriebenen identisch ist, d.h. Kölner Straße/Kölner Landstraße), kann ich vielleicht ein bißchen was zu dem Artikel beitragen.

1. Das Stadtviertel (Oberbilk) gilt als das Asi-/Ausländerviertel Düsseldorfs. Das hört sich für einen Menschen unserer politischen Orientierung allerdings schlimmer an, als es ist. Tagsüber passiert eh schon mal nix. Keiner (auch keine westliche Frau) wird auf der Straße oben blöd angemacht. Nachts fühlt man sich schon etwas weniger sicher. Man guckt um Ecken, schaut sich öfter mal um, so was eben. Es ist bei mir aber nie etwas passiert. Es laufen halt kleine Gruppen aus bis zu drei jungen Ausländern herum, die aber generell nicht auf Stress aus sind. Kriminalität ist trotzdem ordentlich, man kann ja mal nach "Oberbilk Volksgarten Kriminalität" googeln, da findet sich bestimmt einiges.

2. Die bereits auf den ersten Blick als für die BRD unintegrierbar erkennbaren Ausländer sind recht viele. Beschriebene Männer mit Kaftan, Frauen mit Kopftuch und den üblichen hässlichen weiten Mänteln und all die Kinder derselben. Außerhalb der eigenen Szene werden diese Menschen beruflich in der allergroßen Mehrheit keinen Anschluß finden. In wie weit diese Menschen (oder eher ihre Söhne) genug revolutionäres Potential für eine echte muslimische Rebellion bilden können, da bin ich skeptisch. Sie wirken einfach nicht klug genug.

3. Apropos eigene Szene: in der Straße gibt es eine Apotheke, in der fast ausschließlich Frauen mit Kopftüchern arbeiten. Alle sehr nett und alle sehr hübsch und alle gutes bis makelloses Deutsch. Sehr nett sind generell alle Einzelhändler auf der Straße.

4. Es ist wirklich nur die eine Straße oben, die derart extrem aussieht und das auch nur ein paar hundert Meter lang. Einige hundert Meter und zwei Straßen weiter gibt es auch eine salafistische Moschee. Im ganzen restlichen Düsseldorf ist es ziemlich gleich: überall generell viele Ausländer und dementsprechend viele ausländische Geschäfte, aber auf niedrigerem Niveau. Dazu: viel weniger Kopftücher und gar keine Kaftane mehr.

5. Man beginnt nach einiger Zeit, die ausländischen Geschäfte immer mehr zu schätzen. Für Fast-Food-Freunde wie mich gibt es z.B. einfach besseres Angebot und in Asia- und Orientläden kann man sich sehr günstig mit guten Nahrungsmitteln versorgen. Außerdem: erst, wenn der letzte türkische Kiosk und die letzte persische Trinkhalle geschlossen ist, werdet ihr merken, daß deutsche Läden nachts kein Bier verkaufen und die Tanke das Doppelte nimmt.

6. Japanern begegnet man in Düsseldorf nicht auf Schritt und Tritt, sondern nur in ihrem Viertel um die Immermannstraße und natürlich auf der Kö. Da allerdings reichlich.

Roman.U
18. April 2017 20:30
Der Autor liegt an der Stelle richtig. Es ist nur beizufügen, dass die gebildetere Schicht von dem Zustand insofern profitiert, da die eigenen Kinder ein halbwegs gesichertes Auskommen durch die Mitwirkung an dem Aufbau des Drucks garantiert bekommen. Das Auskommen ist im Vergleich zu der Elterngeneration zwar schlechter entlohnt und die Planungssicherheit mag fehlen, aber allein durch die Fülle der Ausweichmöglichkeiten ist es zu verlockend, um nicht zu kollaborieren. Man kann in der Verteilung, Unterbringung und "Schulung" der geschenkten Menschen sein Auskommen finden. Man kann sich auch von einem Projekt gegen Rassismus, zur nächsten Aktion gegen Hass hangeln. Das Ganze immer mit der Aussicht auf eine Festeinstellung. Das Ganze wird durch das Gefühl der moralischen Überlegenheit versüsst und die Dauer solcher Beschäftigungen an sich gestützt. Menschen müssen ihrer Arbeit auch im Bezug auf die Allgemeinheit einen Sinn beimessen. Ansonsten würde man es nicht aushalten vierzig Stunden die Woche eine Tätigkeit auszuführen. Die Ressourcen werden unter den gegebenen Umständen so lange ausreichen, um einen kaum zu reparierenden Schaden zu hinterlassen. Eine rationale Argumentation kann da jedenfalls nicht schnell genug greifen. Es handelt sich um eine utopistische Heilslehre, wie man sie früher eher als Reaktion von Stammeskulturen auf den Einbruch von stärkeren Zivilisationen erlebte. Wenn wir alle Rinder schlachten und die Habe verbrennen, wird es uns magische Kräfte verleihen. Selbst bei ersten Anzeichen des Scheiterns sucht sich so eine Heilslehre längere Zeit die Schuld bei den Zweiflern, nicht bei sich selbst. Hier kann bei der Schlachtung der Rinder sowohl materiell als auch moralisch sein Kapital herausschlagen. Und im Gegensatz zu dem Beispiel wird langfristig eine Bombe gelegt. Selbst die aktiv Beraubten werden über eine längere Zeit im erträglichen Maße leiden. Zumal immer wieder ein baldiges Einlenken als Placebo verteilt wird. Moralisch wird man auch wahrscheinlich nur viel zu spät eine Abhilfe aufbauen können. Dazu sind die Grundlagen in einem zu frühen Stadium um gegen das wirtschaftliche und moralische Versprechen ernsthaft konkurrieren zu können. Die brauchen für ihre Linie nur zehn halbwegs ruhige Jahre, unter in etwa gleichbleibenden Bedingungen. Danach sind die demografischen Fakten geschaffen und man wird nicht mehr ohne gewaltsame Auseinandersetzungen eine Abhilfe verschaffen können. Mit zehn Jahren meine ich nicht, dass es in zehn Jahren auch nur im Ansatz einen Bürgerkrieg geben wird. Die weisse Mehrheitsgesellschaft wird ab da lediglich die Option verlieren ihre Wertvorstellungen mit dem Argument der Zukunft durchzudrücken. Es ist "schwieriger" eine "Integration" in das eigene Wertekorsett einzufordern, wenn die eigene Jugend nur eine Minderheit unter vielen stellt. Diese Zeit werden die Aposteln der multikulturellen Gesellschaft ohne externen Schock eines nicht mit dieser Politik nicht direkt zusammenhängenden Wirtschaftsschocks wahrscheinlich bekommen. Was den Widerspruch und Widerstand nicht sinnlos macht. Man ist nur auf ein negatives Wunder angewiesen.
Gerrit
18. April 2017 21:30

Das Stichwort ist schlicht die Masse. An kleinen Parallelgesellschaften kann ich auch nichts schlimmes finden. Etwas Fremdheit fördert sogar den Sinn für das Eigene, Weltoffenheit kann der Entwicklung des Eigenen dienen. Und ich finde es persönlich auch schön, wenn ich etwa für ein indisches Essen nicht den Flieger zum Subkontinent besteigen muss. Selbst die ersten arabischen Gewänder (Anfang der 80er in Hamburg) fand ich noch interessant. Problematisch wird es, wenn die Parallelgesellschaften nicht mehr kleine exotische Inseln, sondern Konkurrenz werden. Wenn sie keine Farbtupfer mehr sind, sondern anfangen, das Bild zu überdecken. Hier wird es Zeit Einhalt zu gebieten und das Eigene zu verteidigen. Aber zunächst gegen die dumpfe Masse der Kultur- und Ahnungslosen, die das Eigene nicht schätzen, ja nie kennengelernt haben. Und insbesondere die Feiglinge, die ahnen was passiert, aber lieber die Augen fest zudrücken und den Überbringer der Botschaft attackieren. Ich sehe tatsächlich keinen Ausweg zur endgültigen Konfrontation. Die westeuropäischen Kulturen werden aufwachen oder untergehen. Das Ergebnis halte ich für offen. Die Stimmung im Land dreht sich. Langsam, aber fühlbar. Jedes Gespräch, jede offene Diskussion mit den Ahnungslosen und den Feiglingen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die (der) Rechte muss dabei offen bleiben und den Kontakt zu allen Mitbürgern halten. So quälend es sein kann, aber Sektierertum wird nicht helfen. In vielen noch verbohrten Linken steckt ein rechter, offener Geist, der rauswill. Ich rede (wohl kaum der Einzige hier) aus eigener Erfahrung.

Martin Himstedt
18. April 2017 21:50

Um meine Identität zu schützen, möchte ich nicht sagen, wo ich wohne: Aber bei uns ist es ähnlich.

Geht man zu einer bestimmten Uhrzeit in ein bestimmtes Stadtviertel, sind deutsche Gesichter eine Randerscheinung. Die bestimmte Uhrzeit ist deshalb wichtig, weil es sich am Abend etwas bessert, wenn die dummen Arbeitsdrohnen die Werkshallen und Büros verlassen haben. Aber auch die anderen Teile der Stadt, die öffentlichen Verkehrsmittel und das Zentrum, sind weitestgehend türkisch/arabisch dominiert. Ob es durch die „Flüchtlingskrise“ „schlimmer“ geworden ist, vermag ich nicht zu sagen: Denn im Grunde genommen war das schon vor fünfzehn Jahren nicht anders.

Den Fall des Eingangs erwähnten Stadtteils habe ich dabei hautnah miterlebt, da die meiste Zeit meines Lebens dort wohnhaft. Das sich nicht mehr so gut an die Verkehrsregeln gehalten wird, ist da noch das geringste Problem (von den Türken, im 3er BMW, die mich hin und wieder gerne über den Haufen fahren würden, so mein subjektiver Eindruck, einmal abgesehen).

Dabei ist erstaunlich (oder eigentlich dann wieder doch nicht), dass integrierte Ausländer meine kritischen Ansichten teilen, ja sogar noch „extremer“ und konsequenter sind: Ich erinnere mich an meinen liebsten Pizzabäcker und seine Frau (gestandene Italiener, Fußball-Fans, den deutschen gegenüber sehr kritisch eingestellt, aber im Grunde ihres Herzens gute Leute). Sie haben ihre Abhol-Pizzeria aufs Land verlagert, da sie die Mikro-Aggressionen (Camus), die sie Tag für Tag erdulden mussten, nicht mehr ertragen haben: „Wir sind nach Deutschland gekommen und an Deutsche Pizza zu verkaufen – und jetzt haben wir jeden Tag Stress mit orientalisch aussehenden Menschen.“

Oder mein Schneider, übrigens selbst Flüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien, der immer wieder gerne die Geschichte des Touristen erzählt, der mit einer DSLR bewaffnet in sein Geschäft platzte um zu fragen, was hier los sei: Er dachte, er sei in Deutschland im Urlaub – und nun sehe er keine Deutschen mehr. Fasziniert und entsetzt zugleich schoss er weiter Fotos.

Mein Videospiel-Händler, ebenfalls Ausländer, hat seit der „Flüchtlingskrise“ vermehrt Stress mit „Flüchtlingen“, wohl auch aufgrund der Art der angebotenen Waren. Es kam bereits zu Gewalt. Aber schon vorher sagte er immer: „Am Abend wünsche ich mir manchmal, ich könnte mit einem Psychotherapeuten reden. Bei den zwölfjährigen verstehe ich das ja sogar noch, aber es sind die Erwachsenen“. Der Stress-Verursacher dabei fast immer: Türken und Araber. Er erzählte auch, dass in „einschlägigen Blättern“ das Viertel mittlerweile als 2c (?) gehandelt wird: Nur Spielotheken, Sonnenstudios und Döner-Stände.

Mein Arzt, der Abends und am Wochenende noch Hausbesuche macht, sagte, dass es besser sei, wenn ich die Wohnungen, die er dort sieht, niemals von innen sehen würde. Für seine Praxis selbst hat er bereits über einen privaten Sicherheitsdienst nachgedacht.

Im Sommer des Jahres 2016 war ich mit meiner damaligen Freundin, die mich wohl auch ein bisschen wegen Euch verlassen hat, in einer Kleinstadt unweit ihres Geburtsorts unterwegs. Die Straßen waren sauber, die Sonne schien, man sah nur Deutsche und vereinzelt nette, integrierte Ausländer, die auf dem Land ihr Restaurant eröffnet haben. Ich fühlte mich wie in eine andere Welt versetzt. Und obwohl es schön war, machte mir die Szenerie auch Angst. Denn ich habe so etwas seit Jahren nicht mehr gesehen. Wir machten halt bei ihrer alten Schule. Die bekannte, silberne Blechtafel hing auch dort: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ steht auf ihr geschrieben. 

Alemannischer Recke
18. April 2017 22:33

Der Artikel greift eindeutig zu kurz. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen sind eine Folge sozioökonomischer Verwerfungen und weniger ein ethnisches Problem. Die empirischen Befunde liegen vor, dass es auch der autochthonen sozial schwachen Bevölkerung nicht gelingt, Kontakte außerhalb ihres "Kiezes" zu etablieren und dass die etwas besser gebildeten Migrantenfamilien sehr wohl solche Gegenden verlassen. 

Was die Andeutung soll, dass es noch viel zu lange gut gehen kann erschließt sich mir ebenfalls nicht. Wem wäre mit einem großen Knall gedient? Wohin die Lehrmeinung zu Ursachen und Wirkungszusammenhängen dann geht, dazu bedarf es keiner großen Phantasie. Wie hat man das eigentlich gelöst, wo über einen längeren Zeitraum verschiedene Ethnien in einer Stadt gelebt haben? Mir  würde spontan Odessa einfallen (zugegebenermaßen ohne über die Geschichte der Stadt im Bilde zu sein). Jedenfalls bringt es den Diskurs nicht voran, wenn die 500. Beschreibung der Lage hier und auf ähnlichen Seiten auftaucht. Lösungsansätze,  welche über die Bekämpfung der Ursachen hinaus gehen, wären von konservativer Seite  wünschenswert.

Martin S.
18. April 2017 22:45

Parallelen schneiden sich im Unendlichen, Parallelgesellschaften auf Weihnachtsmärkten! Es ist ja kein  Multikulti, sondern  nur ein krampfhaftes Nebeneinanderherleben, bei dem  alle angestrengt bemüht sind,  andere  Ethnien und Kulturen eben nicht zu tangieren. (Da helfen auch keine  Asia-Orient-Fastfoodläden.) Solange der deutsche  Sozialstaat alles und alle noch mit Geld zuscheisst, geht alles "halbwegs" noch.  Aber die No-go-Areas  sind im Wachsen begriffen ...

Und ich bin der festen Überzeugung, dass derzeit mit aller Gewalt vor der Bundestagswahl "der Deckel" drauf gehalten wird.  Geht ja derzeit scheinbar alles und Geld ist scheinbar überhaupt kein Problem. Aber allein der  künftige Familiennachzug der Syrer (268.000 haben Anspruch (!!!) auf Familienzusammenführung) wird ohne massive Steuererhöhungen kaum denkbar sein. Wenn dann noch aus  Afrika die jungen Männer in ähnlichen Zahlen nach Europa Richtung Deutschland strömen wie über die Osterfeiertage,  ca. 3000 - 4000,  dann  brauchen wir nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in Jahren zu rechnen.  Die  Verteilungskämpfe sind vorprogrammiert. Wir kombinieren das Ganze dann noch mit  den massiven Problemen, die die Weichwährung  EURO in allen europäischen Staaten hat, mit steigenden Zinsen,  außenpolitischen Problemen ...

Hier von einer Blamage der Untergangsprpheten zu sprechen, halte ich für sehr gewagt.  Es konnten sich hier nur viele  ehrlich-besorgte  Mitmenschen  nicht das Ausmaß der Tricksereien und Lügen vorstellen, zu dem das System in der Lage ist.  Aber die Mathematik ist unerbittlich.  Und wir wissen es alle längst: Der Kaiser ist nackt!

Beste Grüße

Martin S.

Anton Steiner
19. April 2017 00:26

@John Haase

Nummer 2: Ab wann die kritische Masse erreicht ist, wurde wissenschaftlich festgestellt, zumindest ab 25 % erfolgen  seitens der Minderheit Gebietsansprüche! Diese Misere, objektiv betrachtet, hat Ausmaße angenommen die den Überblick, bundesweit, im Nebel erscheinen lassen. Ihr Optimismus scheint wirklich grenzenlos zu sein. Vom Kaftan Häkelmützen Basar bis zur totalitären Machtstruktur sind nur wenige Distanzen und sobald die kritische Masse erreicht, dann kippt die verordnete Harmonie!

Alles Einzelfälle

...Ende nicht in Sicht

quarz
19. April 2017 00:55

Manche Wortmeldungen hier erinnern mich an den biblischen Propheten Jona, der auf dem Hügel vor der Stadt sitzt und beleidigt ist, weil Gott deren Einwohner nicht straft, obwohl sie doch fortlaufend provokant sündigen und seine Mahnungen zur Umkehr nur mit Spott quittieren.

So verständlich der Frust über die Lernresistenz der Frösche im langsam erhitzte Topf ist, er bringt uns nicht weiter. Das Warten auf den großen Knall samt erlösendem Ätscheffekt auch nicht. Wenn die Analyse richtig ist, dass der Weg der dekadenten Toleranz ins Verderben führt - wofür die Zahl der sachlichen Belege eher wächst denn schwindet - dann hängt nicht die Angemessenheit, sondern allenfalls die Organisation der Reaktion von der Zahl der Eloi* ab.

Wenn nun also der Modus der Parallelgesellschaft uns unabwendbar aufgezwungen werden sollte, dann sollten wir ihn annehmen und seine Möglichkeiten zur Verteidigung gegen Versuch nutzen, die Energie der menschlichen Batterien für die geforderte Umverteilung ins Uferlose bis zur Erschöpfung abzuzapfen.

Wenn der Punkt erreicht ist, an dem das Projekt der politischen Umgestaltung des Staates aussichtslos wird, dann ist es an der Zeit, den Staat Staat sein zu lassen. Ihn auch zugrunde gehen zu lassen und gleichwohl dafür zu arbeiten, dass man die Seinen in einem subsidiär gewobenen Netz der Solidarität unter Ähnlichen auffängt und dieses zum Nährboden für die macht, die vielleicht einmal, wie Rebstöcke auf der erkalteten Asche des Vulkans, das wieder wachsen lassen, was die Hybris der Verallerweltlichung nicht vollständig zu ersticken vermochte.

*) Siehe: H. G. Wells, "Die Zeitmaschine"

Gedankenverbrecher M.
19. April 2017 01:09

Dazu eine kleine Alltagsgeschichte aus einem überfüllten Regionalexpress in NRW: Man sitzt lesend im Abteil und erblickt eine Gruppe junger Männer, dem Aussehen nach zu urteilen höchstwahrscheinlich im Zuge der Flüchtlingswelle 15-16 ins Land gespült.

Nach ein paar Minuten zückt einer sein Telefon und spielt vor versammelter Mannschaft eines dieser orientalischen Dudelmusikstücke ab. Natürlich stimmen die anderen Männer mit ein, es wird geklatscht und gelacht. Für unsereins verblüffend: Die absolute Selbstverständlichkeit, mit der das Eigene vor den Augen und Ohren der Anderen zelebriert wird. Dass andere Fahrgäste sich davon gestört fühlen könnten, schien nicht die geringste Rolle zu spielen. Beim Aussteigen dann der Blick in die Gesichter der Stehenden im Türbereich: Köstlich! Verdrehte Augen, spürbar unterdrückte Wut.

Vielleicht interpretiert man als Rechter auch zu viel in solche Situationen hinein. Hätten die Gesichter bei Scooters "HYPER HYPER" wohl anders ausgesehen?

donna_alta
19. April 2017 07:49

1. Ich schwinge mich nicht zum Propheten auf, habe ich doch den Zusammenbruch des “Sozialismus“ im Ostteil Deutschlands erlebt, den bis auf Wenige niemand so erwarten konnte, wie er dann doch kam. Wir hatten genug zu essen und vor allem zu trinken, soziale Beziehungen, die uns am Leben erhielten, ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit und (bescheidenen) Wohlstand. Die Mangelwirtschaft war ziemlich deutsch durchorganisiert. Bis uns die maroden Buden über dem Kopf zusammen gebrochen wären, hätte das bestimmt noch eine ganze Weile so weiter gehen können. Und doch war im Herbst 89 plötzlich alles anders. 

2. Meine eigene Tochter (Studentin, Anfang 20) ist ein unverbesserlicher Gutmensch, den ich durchfüttere. Sie hat, zumindest theoretisch, mindestens 45 Arbeitsjahre vor sich, in denen sie eine eigene Familie und noch ein ganzes Heer von deutschen Rentnern und Fremdlingen ernähren muss. Davon abgesehen, dass ich stark bezweifle, dass sie DAS wirklich will, denke ich, dass es einfach nicht funktionieren wird, schaue ich mich um und betrachte den Altersdurchschnitt derer, die jetzt noch das wirtschaftliche Rückgrat der Gesellschaft darstellen. Dieses Land kann in Zukunft nicht von Sozialpädagogen, Lehrern, Medienwissenschaftlern (Dönerbuden und orientalischen Herrenfriseuren) am Leben erhalten werden, die zudem auch zahlenmäßig nicht vergleichbar sind mit den noch heute berufstätigen starken Geburtenjahrgängen. Der Kollaps unserer Sozialsysteme wird nicht zu vermeiden sein, denke ich und verstehe dieses Gefühl als eine “einfache Rechnung“. Das macht mich nicht optimistisch oder pessimistisch, nur innerlich etwas entspannter.

nordlicht
19. April 2017 07:56

@John Haase: Hört sich doch alles zufrieden und idyllisch an. Warum dann dieses "friedliche Miteinander" nicht einfach leben und täglich, in nachbarschaftlicher Verbundenheit mit neuem Leben füllen? Es ist eben alles eine Frage der individuellen Sichtweise. Nun muß nur noch ein adäquater Weg gefunden werden, die zunehmende (gefühlte?) "Kleinkriminalität" in Form von Messern, Vergewaltigen, Kopftreten, Treppehinunterstoßen, Revierverteidigung, Diebstahl etc. auf ein erträgliches Maß herunterzufahren. Aber dafür ist zum Glück nur die Politik zuständig.

Ebi
19. April 2017 08:38

@ John Haase:

"Erst, wenn der letzte türkische Kiosk und die letzte persische Trinkhalle geschlossen ist, werdet ihr merken, daß deutsche Läden nachts kein Bier verkaufen und die Tanke das Doppelte nimmt."

Mal ehrlich, Sie sind nicht mehr zu retten... In der Tat bin ich unentschieden darüber, was das größere Verderben für unser Land darstellt: die Kulturfremden, oder der deutsche Schwamm, der sich freut, daß es beim Südseeindianer ums Eck die Pulle Bier für die Hälfte zu nassauern gibt (wie lange eigentlich noch, wenn die Bärtigen kommen?), weil er es mal wieder verpennt hat um kurz vor 8 noch im Supermarkt vorstellig zu werden. Prost!

Starhemberg
19. April 2017 09:32

Ein sehr passender Artikel, gut geschrieben und auf den Punkt. Vielleicht noch eine Anmerkung dazu - die Uhrzeit spielt eine herausragende Rolle. Was um 14:00 noch "bunt" aussieht", beginnt ab etwa 19:00 unheimlich zu wirken, um dann gegen Mitternacht und später tatsächlich gefährlich zu werden. Ich habe selber, als ich noch jünger war und "um die Häuser zog", bestimmte Teile Wiens immer konsequent gemieden. Die Wahrscheinlichkeit dort nach Mitternacht in eine Schlägerei zu geraten, die man definitiv verlieren würde, war mir zu groß. Inzwischen ist die Lage deutlich schlechter geworden.

Monika L.
19. April 2017 09:38

Werter Herr Poensgen,

Sie haben sich nicht verlaufen, sondern Sie haben möglicherweise eine 'falsche Sehnsucht nach einer geschlossenen Heimat mit Grenzen' , wobei es diese 'falsche Sehnsucht aus sich zu tilgen gilt' ( Bischof FJ Oberbeck in der JF vom 18.4.17)

Mir gelang es bisher nicht, diese 'falsche Sehnsucht nach Heimat' aus mir zu tilgen. In meinem Poesiealbum stand 1966 folgendes Verslein: Vergesse nie die Heimat,wo Deine Wiege stand, Du findest in der Ferne kein zweites Heimatland.

Ich möchte heute ergänzen: Nicht mal mehr in der Nähe finde ich mein Heimatland. Ist Heimat also " die  schönste Utopie" ? ( Robert Menasse) Was verstehen wir unter Heimat, wenn wir mal davon ausgehen, dass es keine falsche Sehnsucht geben kann ? 

@Deutscheridentitärer

auch ich empfinde diesen ' unglaublichen Niedergang im Strassenbild als unerträglichen Verlust' , gehöre aber zur ' Elterngeneration' .Können Sie näher beschreiben, was Sie mit ' unerträglichem Verlust' meinen ? Ich empfinde es z. B. auch als unerträglichen Verlust, wenn ich durch Windränder verschandelte liebliche Landschaften sehe. Unerträglich fand ich auch, wie nach der Wende die ersten MacDonalds in die ' DDR' kamen. Die DDR sozusagen BRdigt wurde.

@Frau Sommerfeld

Warum fühlt sich der eine in einer ' überfremdeten ' Gegend wohl und der andere bedroht. Auch das müßte näher betrachtet werden.

@Alemannnischer Recke

ja, ,man könnte das sozioökonomische vom ethnischen trennen. Auch das wäre sinnvoll. Ich fühle mich in der Orientalischen Patisserie in Frankfurt Höchst etwa wohler als im Asternweg in Kaiserslautern. ( Kann man googeln)

@John Haase

auch ich kenne aus eigener Anschauung solche Viertel aus Frankfurt. Und ich stelle dieses Missverhältnis fest. Junge hübsche, intelligente Frauen mit Kopftuch. Aber kaum dazu passende türkischstämmige Männer. Warum Kopftuch ? Warum bleiben Männer in Entwicklung zurück ? Nicht zuletzt eine Frage: Warum nennt sich der eine Deutscheridentitärer und der andere Alemannischer Recke ? Reden wir über Heimat. Über Identität. Über Fremdheit.

deutscheridentitärer
19. April 2017 15:37

"auch ich empfinde diesen ' unglaublichen Niedergang im Strassenbild als unerträglichen Verlust' , gehöre aber zur ' Elterngeneration' .Können Sie näher beschreiben, was Sie mit ' unerträglichem Verlust' meinen ? Ich empfinde es z. B. auch als unerträglichen Verlust, wenn ich durch Windränder verschandelte liebliche Landschaften sehe. Unerträglich fand ich auch, wie nach der Wende die ersten MacDonalds in die ' DDR' kamen. Die DDR sozusagen BRdigt wurde."

Ja schwierig zu sage, Sie schreiben allerdings sehr richtig, dass es um mehr geht als nur die zunehmende Präsenz von Ausländern im Straßenbild. Wenn ich mir alte Fotographien deutscher Städte anschaue, fühle ich mich dem einerseits unmittelbar verbunden, so als würde ich es noch aus meiner Kindheit so kennen, was ja nicht der Fall ist, aber eben auch so, als wäre das unerreichbar weit weg, wie ein Dokument aus dem Mittelalter. Es fällt schwer zu realisieren, dass die menschenfeindliche Kulisse unserer Städte einmal einen derart konzentrierten ästhetischen Wert besaß. Wenn ich bspw. versuche dieses Verlustgefühl meinen Eltern zu schildern, sind diese allerdings voller Unverständnis und weisen darauf hin, wie viel schlechter früher die materiellen Lebensbedingungen waren und dass man deshalb nichts nachtrauern müssen. Als jemand der im Wohlstand bzw. treffender Überfluß aufgewachsen ist, kann man das vielleicht nicht beurteilen, ohne sich lächerlich zu machen, aber vielleicht kann derjenige der noch den materiellen Aufstieg mitgemacht hat, kein echtes Gespür für das geistige Elend entwickeln, dass heute allen Lebensäußerungen innewohnt. Was jedenfalls speziell die ausländische Landnahme angeht, so stößt mich vieles schon ästhetisch ab, verschleierte oder gar komplett verhüllte Frauen vor Kirchen oder anderen spezfisch abendländischen Gebäuden irritieren mich. Auch die allgegenwärtigen von bekopftuchten Frauen geschobenen Kinderwagen erinnern mich an das Aussterben meines Volkes. Die männlichen Gruppen Jugendlicher strahlen eine latente Drohung aus. Aber auch die Deutschen widern einen in ihren meisten Varianten natürlich an, keine Frage.

Nina
19. April 2017 15:49

T. Tenenbom beschreibt genau das in seinem Amerika Buch, nur ist es dort schon um einiges schlimmer. Der Druck im Kessel scheinbar auch da nicht hoch genug. Man geht einfach nicht in diese Gegend. Na bitte, das Problem existiert nicht, so lange ich ihm ausweichen kann.

Monika L.
19. April 2017 16:46

@deutscheridentitärer

Ich finde es äußerst bemerkenswert, daß ein junger Mensch mehr ' Verlustgefühl' empfindet  als seine Eltern. Ja , es geht um mehr. Um Tieferes. Der eine empfindet es, der andere nicht. Ich finde es schön, dass es noch diese feinfühligen jungen Menschen gibt. Ich hoffe, Sie finden Gleichgesinnte und können sich austauschen Trauen Sie Ihrem Gespür für das Schöne, Wahre, Authentische. Es wird nicht durch materielles Wohlergehen aufgehoben. Das Materielle verdeckt nur den Verlust. Stefan Zweig beschreibt das Verlorengegangene in dem Buch: DIE WELT VON GESTERN.

Romano Guardini schreibt 1926 in seinen " Briefen vom Comer See" sein Verlustgefühl angesichts der Industriealisierung Italiens:

Kaum hatte ich italienisches Land betreten, da fühlte ich viel Bedeutungsvolleres  mich ansprechen; darunter aber etwas, das sehr traurig machte. Was Europa ist, trat mir entgegen; was Zugehörigkeit zu einem Volk, die des Blutes, aber auch die der Treue und des Geistes; was Menschheit und Welt ist - oft war es mir, als seien diese Dinge wirklicher Boden, auf dem ich ging; eine wirkliche Luft, ein wirklicher Raum, zum Leben so notwendig wie der Raum draußen und die Luft, die ich atme, für den Körper. Das alles aber war groß und stark. Es war nicht jenes Traurige. Dies war: Ich fühlte, wie um mich her ein großes Sterben begonnen hatte........

Sinkende Zeit macht immer traurig; aber besonders tief liegt die Schwermut über einem Leben, das dem Untergang geweiht ist, und von dem man fühlt, es gehört zu uns. Da versinken eben Möglichkeiten zu leben...

Caroline Sommerfeld
19. April 2017 17:06

@ Monika L.:

Warum fühlt sich der eine in einer ' überfremdeten ' Gegend wohl und der andere bedroht. Auch das müßte näher betrachtet werden.

Erster Versuch: der eine lebt im Augenblick, im seligen Hier und Jetzt, der andere hat eine Zukunftsperspektive, ein Kassandrasyndrom, die Fähigkeit vom Jetzt auf zukünftige Szenarien zu extrapolieren.

Zweiter Versuch: der eine ist ein Ethnomasochist, der andere nicht. Wer sich selbst und sein Volk haßt, für den gibt es keinen größeren Sehnsuchtsort als das Fremde, das dem verhaßten Eigenen ein Ende zu bereiten verspricht. Äußert sich nicht immer so bitter, meist eher vermischungstrunken.

Dritter Versuch: der eine ist Objektivist, der andere Subjektivist. Der Objektivist sieht Leute als Schicht, Klasse, Geschlecht, Rasse. Der Subjektivist sieht Leute als Individuen. Interessant hierzu Hegels Gemeinheit: "Wer denkt abstrakt?"

Utz
19. April 2017 17:16

@ deutschidentitärer

Obwohl ich zweifellos zu einer anderen Generation gehöre kann ich ihre Beschreibung hundertprozentig nachfühlen. Bis auf den letzten Satz.

Dieser letzte Satz, wird uns, wenn er ernst gemeint ist, wenn es drauf ankommt, resignieren lassen. Wie wird die Stimmung im Land sein, wenn sich die Zustände zuspitzen? Was passiert, wenn der Eindruck entsteht, das Ruder kann eh nicht mehr rumgerissen werden? Sicher ist es dann nicht gerade förderlich, wenn wir nicht mal sicher sind, daß es da etwas gibt, das es zu retten lohnt.

Vielleicht entstehen dann aus der Not Gedanken wie: "Immerhin, wenn die Moslems hier mehr zu sagen haben, kehrt wieder mehr Ordnung ein", oder "wenn es schon eh nicht zu ändern ist, mach ich mal lieber mit, dann verbaue ich wenigstens meinem Nachwuchs nicht auch noch die letzte Chance", oder "die neue Welt kommt mit so einer Macht, ich muß nett zu den neuen Herrschern sein, sonst gehöre ich zu denen, die gleich niedergewalzt werden". Die Unausweichlichkeit bewirkt bei vielen Menschen, daß sie das, was sie nicht ändern können, sogar wollen.

Mir graut, und dennoch habe ich Hoffnung, daß noch ausreichend Widerstandsfähigkeit in unserem Volk ist, die wieder zum Leben erweckt werden kann.

quarz
20. April 2017 08:34

@ Anton Steiner

"Ab wann die kritische Masse erreicht ist, wurde wissenschaftlich festgestellt, zumindest ab 25 % erfolgen  seitens der Minderheit Gebietsansprüche!"

Können Sie mir dazu Quellen nennen bzw. einen Literaturtipp geben? Das interessiert mich im Detail.

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