20. April 2017

Anmerkungen zu Roger Devlin

von Gastbeitrag / 12 Kommentare

Gastbeitrag von Roswitha Solonzo -- Roger Devlins furioses Buch "Sex, Macht, Utopie": Was für eine treffende Analyse! Devlin beschränkt sich ja nicht darauf, den gegenwärtigen Hexensabbath an der Geschlechterfront zu beäugen.

Er bietet in bester angelsächischer Tradition auch höchst handfeste und praktische Ratschläge. So empfiehlt er den Lernwilligen unter seinen Lesern (und Leserinnen!) auch die Rückbesinnung auf alte, traditionsbewährte Verhaltensweisen und Maßnahmen: beispielsweise die Konsultation weiser Großmütter, von denen junge Esel (und Eselinnen!) sehr gut lernen können, worauf es bei einer sinnvollen Partnerwahl zwecks Familiengründung eigentlich ankommt.

Doch die Großmütter, deren heilsamen Einfluß Devlin in den Himmel hebt, haben freilich noch andere Effekte parat, die scharfsinnigen und unerschrockenen Streitern für die Normalität in der Geschlechter- und Familienwelt nicht direkt ins Auge springen mögen, folgsamen Enkeln solcher Großmütter beim der Lektüre von Sex, Macht, Utopie jedoch unentwegt in den Ohren summen.

Gemeint ist der "Und-du?"-Effekt. Mit höchst treffenden Worten dieser Art pflegt eine Devlinsche Großmutter von Format, Enkel, Kinder und weitere Angehörige auf den harten Boden der Tatsachen herunterzureißen, wenn jemand es wagen sollte, sich in ihrer Gegenwart über die mangelnde Qualität seines selbstgewählten Ehepartners zu beklagen.

Ja, genauso ist es – seid ihr Männer etwa besser? Dies möchte man als feministisch unverdorbene Großmutterenkelin Herrn Devlin fragen. Und die bessere Hälfte der Großmutterenkelin setzt noch eins drauf, indem sie mitleidlos meint: Zum Ungemach, das einen verpaarungstechnisch ereilt, gehören immer noch zwei.

Die Welt und ihre Universitäten sind nicht nur voll von sympathischen, fähigen und guten jungen Männern, die in der feministisch verseuchten Weiblichkeit die Frau fürs Leben einfach nicht finden können, sondern auch voll von sympathischen, fähigen und guten jungen Frauen, die ohne ihren Mann fürs Leben bleiben, weil sie zu unscheinbar, langweilig und unattraktiv sind, um beworben zu werden und so gar nicht erst in die Lage kommen, wählen zu können.

Der von Devlin zitierte Netzkolumnist Henry Makow ist da viel nüchterner. Ungleich Devlin lastet er die Katastrophe, die Geschlechterwelt des Westens verwüstet, nicht nur der einen Seite, den doofen Emanzen, an. Vielmehr sieht er auch bei sich und seinesgleichen ein gerüttelt Maß an Verantwortung für diesen verheerenden Zustand, denn Makow stellt sich – und dies ohne weise Großmutter – die Frage, welches sein eigener Beitrag zur Verpfuschtheit seines Familienlebens ist, und erkennt, daß er in den entscheidenden Jahren seiner Jugend verhängnisvollen Illusionen gefrönt hat.

Verblödung durch falsche Vorstellungen ist offenbar kein Privileg der sentimentalen Weiblichkeit, sondern befällt auch Männer. Makow zufolge hat die Pornographie eine ähnlich verderbliche Wirkung auf Wahrnehmung, Wünschen und Denken der Männer wie Illustrierte, Schundromane und Liebesfilmchen auf Frauen. Letzte mögen so verdummt sein, ihre wenigen kostbaren Jahre mit der vergeblichen Suche nach dem Filmstar, Konzernchef, Nobelpreisträger und sonstwas zu vergeuden, dafür verplempern Männer die Jahre der Paarbildung mit der beharrlichen Suche nach dem surrealen Sehnsuchtsziel ihrer feuchten Träume.

Makow gibt in seiner Netzkolumne wiederholt zu, daß er in seiner Jugend all die faden, langweilig normalen Mädchen absichtlich übersah, weil sein irregeleitetes Herz nur ein Bild kannte, das der Pornokönigin (an welche Exemplare der Gattung Frau er dabei geriet, kann man sich denken; dem ärgsten Feind würde man es nicht wünschen wollen). Und es sind ja nicht nur die Sirenen der Pornoindustrie allein, die junge Männer von einer erfolgreichen Eheschließung und Familiengründung abhalten.

In der US-amerikanischen Heimat Devlins mag es in dieser Hinsicht etwas anders, unschuldiger und reiner sein als in der Bundesrepublik, aber ein maßgeblicher Eheverhinderer ist jene Haltung, die Devlin nur in einem knappen Nebensatz als "Pakt mit dem Teufel" streift. Die Selbstverständlichkeit, mit der der heutige Mann im Westen damit rechnet, daß seine Gemahlin und die Mutter seiner Kinder sich dem Fluche Adams gleich doppelt unterwirft (also nicht nur unter Schmerzen ihre Kinder gebiert, sondern obendrein im Schweiße ihres Angesichts sich selbst und die Familie zu ernähren hat), mag sogar ein viel tödlicherer Ehe- und Familienmörder sein als jedes pornographisch korrumpierte Wünschen und Wollen.

Ein solcher Mann betrachtet die ihn umgebende Weiblichkeit nämlich mit einem weiblichen Blick, jenem Blick, der potentielle Gefährten nach ihren Versorgerqualitäten und ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit taxiert. Ist die Familiengründung geglückt, besteht ein Mann mit diesem femininen Charakterzug hartnäckig auf der Erwerbstätigkeit seiner Angetrauten, denn schließlich will er ja nicht allein seinen Mann stehen.

Außerdem meint er als moderner Geldmensch, materiell unbedingt mit den anderen mithalten zu müssen, und derartiges geht mit zwei Einkommen freilich viel besser als mit einem. Das Dumme ist nur, daß eine Frau, die wirtschaftlich immer auf eigenen Füßen zu stehen hat, dies früher oder später zu einem prinzipiellen Zustand macht, denn keine irdische Liebe ist so unerschöpflich, daß frau sich ein Leben lang für lau mit einem gewöhnlichen Sterblichen herumärgern würde. Die hohen Scheidungsraten und die Trennungsfreudigkeit der modernen, erwerbstätigen Frauenwelt (ob in Voll- oder Teilzeit ist unerheblich) kommen nicht zuletzt durch solche kaum bewußten und noch weniger durchdachten Zusammenhänge zustande.

Und überhaupt: die Auf-eigenen-Füßen-Steherei – sogar ein Prälat des uralten Schlages, der als grimmiger Galanterieverächter der Schrecken des putzsüchtigen, eitlen Teiles seiner Herde war, meinte zum Thema Feminismus lapidar, daß die Degeneration der Frau zur Emanze nur eine logische Reaktion auf das vorhergegangene Versagen des Mannes als Gatte, Vater und Familienoberhaupt ist; denn vor der scheußlichen Selbstverwirklichung der Weiblichkeit im 19./20. Jahrhundert kam das prometheische Emanzipationsstreben der Männerwelt im 18./19. Jahrhundert.

Wer also – völlig zu Recht – niederträchtige, verblödete und schamlos egoistische Frauen kritisiert, möge auch einen Gedanken an die Genese dieses Massenphänomens und seinen eigenen Anteil daran verschwenden.

Dies alles nur als ergänzende Gedanken zu einem an sich großartigen, für den deutschen Sprachraum längst überfälligen Buch. Eine Großmutter von Format wird es nicht nur ihren Enkeln wärmstens ans Herz legen, sondern vor allem auch ihren Enkelinnen. Vielleicht lernen die jungen Leute ja was fürs Leben daraus.

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F. Roger Devlin: Sex, Macht, Utopie, Schnellroda 2017. 304 S., 22 € – hier einsehen und bestellen!

Kommentare (12)

Maiordomus
20. April 2017 20:51

Spätestens mit der Erfindung der Pille wurdem die Moral der Grossmutter, aber auch ihre Erfahrungen nicht mehr ernst genommen. Zu den krassesten Moralzusammenbrüchen der Geschichte gehört tatsächlich um 1968 der Zusammenbruch der Sexualmoral, was man dann auch an den Folgen etwa bei der Reformpädagogik der Odenwaldschule oder des in der Schweiz diskutierten Skandal um den Reformpädagogen Jegge ("Dummheit ist lernbar") sehen kann, welcher Skandal zwar verschiedene Seiten hat. Es bleibt aber dabei, dass die Erfahrungen der Elterngenerationen wie nie zuvor quasi auf den Nullpunkt reduziert wurden, was dann die Konstruktion einer neuen Sexualmoral nötig machte, u.a. die Sexualmoral des Feminismus, für die jeder einzelne sexistische Spruch eines Mannes schlimmer ist als eine Abtreibung usw.  Es bleibt dabei, dass die Wiederherstellung der Generationenerfahrung nicht leicht zu bewerkstelligen sein wird, was den obigen Essay doch noch etwas relativiert.

Heinrich Löwe
20. April 2017 22:20

Zunächst herzlichen Dank, daß sie einige Zeit nach der Auslieferung einer Neuerscheinung nochmal Gelegenheit zur Stellungnahme geben - dann haben es nämlich ein paar Leute gelesen. Die Lektüre war für mich ein Gewinn, wenngleich Devlin ebenso einseitig wie der Feminismus vorgeht. Vollkommen zu recht muß man dem mal mit gleicher Wucht entgegentreten. Das heißt ja nicht, sich die Argumentation Devlins vollständig zu Eigen zu machen.

Eine Einseitigkeit besteht u.a. darin, wie die Autorin hier zurecht feststellt, daß die weibliche Hypergamie nur eine Seite der Medaille ist; auch die meisten Männer wollen sich natürlich mit den attraktivsten Weibchen paaren.

Es kann nicht oft genug gesagt werden, was immer wieder hindurchscheint - daß emanzipatorische Leitbilder beim Thema Ehe/Familie/Partnerschaft eben auf die ganze Gesellschaft schleichend zersetzend wirken. Und daß jeder Einzelne da eine Verantwortung hat. Vorbild sein für die Kinder, und beizeiten beibringen, daß das Leben auch Übung, Verzicht, Ordnung, Schmerz, Bindung, Kampf ist. Wie sagt man - Strenge in der Lebensführung.

Von mir: Daumen hoch für diesen Titel, auch für den gelungenen Fußnotenapparat des Übersetzers.

Der Starost
21. April 2017 11:53

Der Weg aus unserer selbstgewählten Katastrophe führt allein über eine Bewusstwerdung der Frau in ihrer Bestimmung. Diese beginnt mit ihrer Geburt, setzt sich fort, von mütterlicher Liebe begleitet durch die Kindergarten- und Schulzeit und findet dann hoffentlich in der Zeit  ihren Abschluss, in der sie als Frau  noch Kinder empfangen und zur Welt bringen kann. Dem Ziel dieser weiblichen Bewusstwerdung muss – was leider nur sehr langfristig Erfolg verspricht – die ganze Kraft unseres Volkes untergeordnet werden. Alles andere wird Stückwerk bleiben und letztlich scheitern …

Die jungen Frauen von heute, die eine derartige Sozialisation mehrheitlich nicht (mehr) haben erfahren dürfen, müssen deswegen nicht als die beschriebenen grauen Mäuse am Rande verzagen. Auch sie sind die ihres „Glückes Schmied“ und können mit der Energie, die sie auf die vermeintlich bevorzugten „Schönheiten“ verschwenden, die eigene Weiblichkeit in sich entdecken und zur Entfaltung bringen. Als sich ihrer selbst bewusste Frauen können dann auch sie an faszinierender Ausstrahlung gewinnen und an dem Wettbewerb um die Weitergabe unserer Gene teilnehmen.

Solution
21. April 2017 17:51

Devlin hat ein aus der Masse der Veröffentlichungen herausragendes Buch geschrieben. Für mich waren es zeitweilig gerade die Frauen, die überproportional linke Parteien gewählt haben, die die " sog. Flüchtlinge" beklatscht haben, immer in vorderster Front der Zersetzung standen, usw., die das Hauptproblem darstellten. Dafür gibt es gute Gründe. Wie ticken aber die Frauen wirklich? Devlin trägt in seinem Werk viel zur Erklärung bei, sind doch Frauen und Männer grundsätzlich sehr unterschiedlich. 

Das Buch von Devlin ist auch ein politisches Buch. Denn das Verhältnis von Mann und Frau ist eine grundsätzliche Frage mit vielen Auswirkungen, von der Reproduktion bis zur Dekadenz. Nebenbei bemerkt übt Devlin auch Kritik an den Männern, die auch nicht mehr so sind, wie sie einmal waren.

Daher freue ich mich, daß es immer mehr Frauen gibt, die mein in Schieflage geratenes Bild wieder ein klein wenig zurecht gerückt haben: Lauren Southern, Lana Lokteff, Ann Coulter, Blonde in the Belly of the Beast, Britanny Pettibone und wie sie alle heißen (bei Youtube).

Cacatum non est pictum
21. April 2017 19:17

@Solution

Daher freue ich mich, daß es immer mehr Frauen gibt, die mein in Schieflage geratenes Bild wieder ein klein wenig zurecht gerückt haben: Lauren Southern, Lana Lokteff, Ann Coulter, Blonde in the Belly of the Beast, Britanny Pettibone und wie sie alle heißen (bei Youtube).

Nicht zu vergessen die bezaubernden Damen der patriotischen französischen Frauenband "Les Brigandes" (ebenfalls YouTube) ...

Gerrit
22. April 2017 07:49

Die vermeintliche gewonnene Freiheit der modernen Frau ist wohl zumeist nicht einmal ein Pyrrhussieg. Ihnen bleibt doch gar nichts anderes übrig, als auf eigenen Beinen zu stehen. Dazu zwingen das (ironischerweise mitentwickelt durch die Rechtsprechung feministischer Richterinnen des Bundesgerichtshofes) neue Unterhaltsrecht, aber auch die egoistische Grundhaltung vieler moderner (?) Männer . Ich habe beruflich zu oft erlebt, wie Männer sich nach der gescheiterten Ehe der Verantwortung entziehen und die Versorgung der nicht ausgebildete Ehefrau samt Kindern dem Sozialstaat überlassen. Ich könnte mich jedesmal kringeln vor Fremdscham. Aber auch davor: die Autorin hat völlig Recht, dass ein ganzer Lebensentwurf früherer Tage untauglich geworden ist. Die Wahl des Berufes Krankenschwester mit Perspektive Arztehefrau scheitert an den heutigen Ärzten und der neuen Konkurrenz. Der Arzt von heute heiratet eine Ärztin, keine Krankenschwester (Bei Managern/Sekretärinnen wird es genau so sein, da fehlt mir nur der Einblick). Was ganz nebenbei übrigens auch interessante soziale Folgen hat, da es Klassengrenzen schafft, die es so vorher nicht gab.

Das Relikt
22. April 2017 12:25

@ Gerrit

Ehen scheitern nicht. Ehen sind Pakte oder Bünde, im konservativem Idealfall vor einem Gott geschlossen. Bünde werden beidseitig gelöst oder einseitig gebrochen. Die meisten Scheidungen werden von Frauen angestrengt, d.h. die meisten dieser Bünde werden von Frauen gebrochen - weil sie dabei nichts zu verlieren, u.U. sogar zu gewinnen haben. Es gibt keinen logischen, oder moralischen Grund, warum ein Partner den anderen nach Vorgabe des Bundesverhältnisses weiter unterhalten sollte, wenn dieser das Bundesverhältnis gebrochen hat.

Gerade diese Selbstverständlichkeit des Unterhalts über das Ende des Bundes hinaus, ist ein wesentlicher Grund für den Untergang der Ehe. Ein Bund, bei dem es keine negativen Konsequenzen für den Brecher des Bundes gibt, vielleicht sogar eine Belohung, hat keinen Wert - und wird entsprechend behandelt.

In meiner Generation wollen Frauen heiraten, weil sie das Event Hochzeit haben wollen. Die Ehe ist eine Belanglosigkeit, die gelöst wird, wie alles andere auch.

Junge Männer tun gut daran, wenn sie sich diesem Irrsinn entziehen.

Andrenio
22. April 2017 14:44

Das Relikt:

Volle Zustimmung!  

Erst das Buch von Devlin hat es mir ermöglicht zu erkennen, dass die Frauen selbst die schlimmsten Opfer ihrer eigenen chromosomenabhängigen Programmierung sind, wenn sie sich erst einmal um Würgegriff der feministischen Propaganda  befinden. 

Was man selbst an Treuebruch von "modernen" Frauen erleben kann, die Realität übertrifft oft die Phantasie der Romanciers. Der Schritt von abgrundtiefer Verachtung zum Verstehen ist dadurch ein wahrlich dorniger.

Ich selbst werde das  Buch jedem schenken, de im Umfeld Söhne oder/und Töchter erzieht. 20 Exemplare sind bestellt.

Solution
22. April 2017 17:14

@ Andrenio

Ich sehe das auch so. Das Buch sollte nicht im Regal bei uns verstauben, sondern in vielen Exemplaren an die "Opfer" verschenkt werden. Meine ersten 6 Exemplare sind gleich nach Erscheinen weg und ich warte auf die Reaktion. Bereits mit Donovan hatte ich bei mehr als 50% einen durchschlagenden Erfolg.

Dieses Thema eröffnet uns die Möglichkeit in Kreise einzudringen, die den meisten anderen von uns bevorzugten Themen (noch) nichts abgewinnen können. Das Buch eignet sich für jeden, weil jedermann betroffen ist, egal ob politisch oder nicht. 

Caroline Sommerfeld
22. April 2017 17:53

Soeben an mein Schwesterchen ausgeborgt, nachdem sie mir telefonisch erklärte, welche Mädchenzeitschriften zur Tussenbildung und Bitcherzeugung ich ihrer Tochter bitte nicht mitbringen dürfte. Nicht, daß ich an soetwas gedacht hätte, als Paglia-, Devlin- und Manosphereseitenleserin, doch ich bin eben reine Bubenmutter, die die derzeit angesagte Girlspowergroschenliteratur nicht kennt.

Devlin ist ein großer Reduktionist, und darum wie alle aus dieser Kategorie (Marx, Freud, Mill, Hirnforschung etc. pp.) ein Zermalmer liebgewonnener Narzißmen, deren Kränkung man nicht so gern hat, aber als kluger Mensch bewältigen muß.

Kann man nach der Devlinlektüre noch Frauen als beseelte Subjekte lieben? Kann man als Frau noch feministisch angekränkelte Männer (andere gibt's ja kaum) lieben? Kann man sich noch gern mit einem anderen Menschen paaren, wissend, was er im Schilde führt und wie dekadent er höchstwahrscheinlich ist?

Das Riesenlob der Ehe ist "endgeil", weil sie jenseits der katholischen und evangelikalen Biederkeit ja nicht mehr gelobt werden kann, und Devlin ist so einer, der, wenn alle sagen, das geht nicht mehr, einfach kommt und es macht.

Wer schon verheiratet ist, hat Glück gehabt, doch "wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr". Denn: Devlin läßt die Individuen ziemlich im Regen stehen, sie durchschauen jetzt viel mehr als vor der Lektüre, und trauen sich nun gar nicht mehr ran ...

P.S. Die Schwester ist mit Mann und drei Kindern gesegnet und nicht mehr zu verunsichern.

Jürg_Jenatsch
23. April 2017 01:02

Was Frau Solonzo in meinen Augen aber übersieht, ist der Umstand, daß sich die meisten Männer ihrer Mittelmäßigkeit durchaus bewußt sind und deshalb auch mit durchschnittlichen Frauen im optischen Sinn vorliebnehmen. Roger Devlin hat auch auf diesen Umstand hingewiesen, ebenso auf dem Einfluß des Pornokonsums. Nun mag ein Pornostar für den einen, oder anderen Mann als Bettgespielin von Interesse sein, aber welcher einigermaßen mit Intelligenz gesegneter Mann erwählt eine solche Kreatur zur Ehefrau und Mutter seiner Kinder? Das sind wohl eher Ausnahmen.

Fräulein von Trense
23. April 2017 01:07

Leider kommt in dieser Anmerkung der Aspekt der zerstörten traditionellen Aufgabenteilung zu kurz (wird zwar in ein-zwei verschwurbelten Sätzen angedeutet, ist tatsächlich aber nicht nur der Pakt mit dem Teufel, sondern auch des Pudels Kern).

Die Moderne und ihr - sagen wir - Geldmenschentum haben die Leute dazu gebracht, nur dem einen Wert zuzumessen, daß sich unmittelbar in barer Münze niederschlägt. Was dieser Wertmaßstab nicht erfaßt, ist in den Augen des Westlers schon seit Generationen völlig wertlos. Ein schönes Beispiel ist da Leistung der Vollzeitmutter daheim.

Ich selbst habe es als Kind und Teenager oft miterleben können, wie unter der hypnotisierenden Wirkung aller möglicher Wirtschafts-, Job- und Beschäftigungswunder Hausfrauen und Vollzeitmütter von ihren eigenen Ehemännern (und vor allem von denen) in Frage gestellt wurden, sich dauernd rechtfertigen mußten und abgewertet wurden (weil sie ja den lieben langen Tag "nichts" machten, während der Ärmste im Schweiße seines Angesichts ...) bis sie die Flucht nach vorn taten und im Gelderwerb ihre Ruhe suchten und endlich fanden, denn nun leisteten sie ja auch etwas ... das weitere ist oben gut gesagt; wer sein eigenes Geld hat, braucht sich einen ollen Nörgler irgendwann nicht mehr anzutun.

Wie gesagt, diese Melodie wurde in meiner Kindheit und Jugend in allen Familien in allen möglichen Variationen durchgedudelt, übrigens auch in vermeindlich frommen Häusern. Wie es damit bei ernsthaft gläubigen Prostetanten steht, weiß ich nicht, aber unter Katholiken - auch den traditionstreuen - hat jenes Geldmenschendenken längst seinen Einzug gehalten; inzwischen verdienen fromme Katholikinnen mindestens dazu und katholische Jungmännern werden, wie der ordinärste Zeitgeistler auch, bei der Partnerwahl von der Sorge umgetrieben, daß die potentielle Gefährtin ihm später nicht etwa auf der Tasche liegt (nein, nicht im Falle einer Scheidung, sondern während der Ehe nach dem Motto: die macht sich zuhause auf meine Kosten einen schönen Lenz mit den Kindern und ich muß für die auch noch schuften). Und die wenigen Alleinverdienerfamilien gelten auch unter Tradis als bedauernswerte Phänomene ("Ach, der arme X! Na, die Y ist doch nur zuhause und schafft nix. Und er muß alles allein...").

Es ist also nicht nur der ruchlose Feministenstaat allein, der durch seine fiesen Gesetze Familien zerstört und menschliche Beziehungen zerrüttet. Es sind zuerst und vor allem die Menschen selbst und ihre Grundkategorien oder, um es biblisch zu sagen, der Gott dem sie in Wahrheit dienen. Alles andere, auch ein irregeleitetes und irreleitendes Rechtssystem, ist nur eine Folge der Fehlprogrammierung.

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