Sezession
23. April 2017

Sonntagsheld (8) – Menschlicher Schutzschild

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

Kaum zwei Wochen ist es her, da veröffentlichte der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Bayern, Petr Bystron, auf PI-News eine vielbeachtete Stellungnahme, in welcher er sein Verhältnis zur Identitären Bewegung auf einen Nenner brachte:

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

  • Sezession

Wir müssen als parlamentarische Partei das Schutzschild für all die Menschen sein, die sich [...] bei der IB [...] engagieren.

Nun sind solcherlei Positionierungen natürlich ein gefundenes Fressen für diejenigen, die in einem wachsenden Dateiordner jede IB-Referenz, jeden zweifelhaften Facebook-Like und jedes Stammtischfoto sammeln und akribisch dokumentieren, um der AfD daraus den lang ersehnten Verfassungsstrick zu drehen.

Dementsprechend folgte die Antwort auf solch ungezogene Solidarität stante pede: Im Rahmen der Pressekonferenz zur Vorstellung des bayerischen Verfassungschutzberichtes ermöglichte die zufällige Nachfrage eines engagierten Journalisten dem Leiter des entsprechenden Landesamtes, Burkhard Körner, ein gut vorbereitetes Dossier aufzuschlagen und die Beobachtung von Bystron unter ausführlicher Zitation desselben zu bestätigen.

Begründung – wen wundert's? –: seine Nähe zur Identitären Bewegung und der Verweis auf die oben genannte Stellungnahme. Mit der angeschlossene Drohung, man schaue natürlich, wie sich die AfD jetzt zu den Äußerungen Bystrons stelle, deutete Körner dabei schon an, wohin die Reise in Zukunft gehen soll.

Unverzüglich schmissen sich vom Bayerischen Rundfunk über die Zeit bis hin zum Spiegel alle Aasfliegen auf das dargereichte Festmahl und befleißigten sich, in einem gemeinsamen Kraftakt die Daumenschrauben der Berichterstattung anzuziehen. Freilich ohne Erfolg:

Daß Bystron definitiv Sonntagsheld-Material ist, zeigt sich nämlich in seiner Reaktion auf diese von VS und Medien in trauter Zweisamkeit inszenierte Bloßstellung: kein Geheule, keine Distanzierung, kein Parteiaustritt. Stattdessen die Erkenntnis, daß richtige Oppositionsarbeit erst dort beginnt, wo einem der geifernde Widerstand der Etablierten entgegenschlägt, und der bescheidene Stolz, sich einreihen zu dürfen in die Reihe der unliebigen Dissidenten.

Einen herzlichen Sonntagsgruß daher in den Süden der Republik – Herr Bystron, willkommen im Lager der gefährlichen Ideen!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

  • Sezession

Kommentare (6)

deutscheridentitärer
23. April 2017 17:10

Herr Bystron hat auf mich, als ich ihn am Rande einer Demonstration kurz getroffen habe, einen sehr guten Eindruck gemacht. Ein schneidiges und charismatisches Auftreten. Damals stand er der IB wohl noch unentschlossen bis kritisch gegenüber - Schwamm drüber, ebenso darüber, dass er wohl im Petrylager zu verorten war.

Simplicius Teutsch
23. April 2017 19:57

Die Verkündigung der „Beobachtung durch den Verfassungsschutz“ ist faktisch bereits der Vollzug der Kriminalisierung oder die Verkündigung der Exkommunikation einer Person oder Gruppierung. Die Maßnahme wirkt unter der Voraussetzung, dass der Betroffene etwas zu verlieren hat, wie einen guten Ruf, Ansehen, Ehre, Familie, Freunde, öffentliche bzw. öffentlich geachtete Stellung in Beruf und privat. Und dass er ein „normaler“, braver Deutscher ist; sonst wirkt das Denunzierungs- und Diskriminierungs-Verfahren nicht.

Dagegen beispielsweise ein fanatischer Salafist, der kann durch den Verfassungsschutz gar nicht aus der Gemeinschaft der Guten in Deutschland ausgeschlossen werden, der kann dadurch nichts verlieren, höchstens gewinnen, weil er sich selber niemals zugehörig gefühlt hat zu diesem gottlosen Gesindel. Das alles wissen natürlich diejenigen, die in Deutschland die Exkommunikation von deutschen Gesinnungsabweichlern aus der Gemeinschaft der Guten verhängen. Das Vorgehen ist kaltes Kalkül. Und die Exkommunikation wirkt nur, solange die Medien und die führenden Gesellschaftsmitglieder bei der Diskriminierung von Ketzern geschlossen mitmachen. Man könnte auch sagen, es ist erbärmliches Mobbing auf gesellschaftlichem Level. Aber es wirkt natürlich. Darum sollte man immer nachsichtig sein mit z.B. AfD-Mitgliedern, die irgendwann unter dem Ausgrenzungsdruck zusammenbrechen oder wild gegen Höcke reden und plötzlich inständige Glaubensbekundungen zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung von sich geben. Hilft ihnen aber nichts.

Aber: Was ist denn schon der „Verfassungsschutz“? – Eine Beamten-Behörde. Ihr oberster Behörden-Chef ist jeweils der Innenminister. Von dem werden sie auch bezahlt. Es sind geheimdienstlich arbeitende Gesinnungswächter des herrschenden Regimes, deren Aufgabe die Identifizierung und Markierung von geistigen Regimefeinden und Ketzern ist. Es geht um den Machterhalt des Regimes, um die ideologische Herrschaft im öffentlichen Raum. Und diese Geheimdienstler sind nicht etwa edle Wächter der hochheiligen Verfassung.

Wenn „der Verfassungsschutz“ wirklich die deutsche „Verfassung“, sprich das Grundgesetz, gegen seine Feinde und Abschaffer schützen wollte, dann hätte er längst die Etablierten vor das Inquisitionsgericht und auf den Scheiterhaufen bringen müssen. Wer hat denn das Grundgesetz schon ungezählte Male angegriffen und gebogen und geändert. Wer will denn den durch das Grundgesetz konstituierten deutschen Staat umändern und abschaffen? Jedenfalls nicht die AfD. Es ist ja geradezu umgekehrt. Die AfD ist angetreten, um zu retten, was noch zu retten ist, bevor der Staat, für den das Grundgesetz, steht ganz den Bach hinuntergegangen ist.

In den deutschen Parlamenten auf den Bänken der etablierten Parteien und in den Mainstrommedien, da sitzen die Verfassungsfeinde. Mein Kommentar ist zugegeben ein bisschen polemisch und plakativ, aber das sollte er auch sein.

Veronika
23. April 2017 20:09

Laut Wikipedia: „Aasfliegen sind Insekten, deren Weibchen ihre Eier häufig an Kadavern ablegen. Die Larven ernähren sich nach dem Schlüpfen von dem in Verwesung übergehenden Fleisch.“

Sie können an gesunden, sauberen Nahrungsquellen herumstänkern und sie besudeln. Letztlich bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als dorthin zu fliegen, wo sich in Verwesung Übergegangenes befindet – ergo übertragen auf Bayerischen Rundfunk, Spiegel, Zeit und Co.: dorthin zurück, wo sie herkommen.

Findling
23. April 2017 21:08

Der bayrische Verfassungsschutz schützt inzwischen den Koran: "Verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit" ist das Stichwort.

Aufgescheucht vom päpstlichen Kuss auf den Koran erstand ich 1986 das kostbare Buch der Muslime: rätselhaft seine Ordnung, mal zweideutig, oft eindeutig der Inhalt.

Lieber Gott, erst jetzt, wo der Verfassungsschutz auch auf der Lauer liegt, erkenne ich, welch eine Zeitbombe ich mir in mein Haus holte! Das heilige Werk fiel mal vom Tisch und mein junger Hund, das unreine Tier, hinterließ seinen Gebissabdruck! Wenn der Imam um die Ecke Wind von der Sache bekommt! Im Müll entsorgen wäre heutzutage zu gefährlich; auch der Müllmann ist Muslim! Wie wird ein Koran muslimgerecht entsorgt? Kann es das überhaupt geben, ohne die Muslime tödlich zu beleidigen?

Nachts liege ich nun wach und höre ein leises, zermürbendes Ticken in der Wand. Ich rede mir ein, es sei nur der Verfassungsschutz der permanenten Verfassungsbrecher, aber ich glaube mir selber nicht: Nein, es ist die Totenuhr! Die Zeit für Europa läuft ab. Kafka und ich haben es kommen sehen, aber der Papst hat uns nicht geglaubt, die Merkeltruppe ist nur der Türjunge des Nachtengels und die Linke glaubt, den Islam als "Knüppel aus dem Sack" gegen das alte Europa nutzen zu können. Die Linke hat nichts aus der Geschichte gelernt und hängt deshalb etwas später an einem Baukran. Selbst wenn der Sozialismus die Primärinfektion Europas gewesen sein sollte, der Islam ist als Sekundärinfektion richtungsweisend. Die hohe Politik hat das erkannt und richtet ihren Kompass danach aus.

Harald
23. April 2017 21:20

Zu Sontagsheld

.. und der bescheidene Stolz sich einreihen zundürfen in die Reihe der nationalen Dissidenten ist nicht das schlechteste was einem passieren kann.

Simplicius Teutsch
24. April 2017 09:12

Nicht völlig überraschend aber doch immer wieder im Einzel-Fall hoch interessant. – Und brandgefährlich für Petr Bystron, unseren "Sonntagshelden". Er lebe hoch!

Der perfide Mechanismus funktioniert wie auf Knopfdruck. Die "Parteifreunde" von Bystron spielen offenbar, vielleicht auch nur scheinbar, wenn sie schlau sind und wenigstens ein bisschen inneres Reflexionsvermögen haben, die ihnen zugedachte Rolle wie im massenpsychologischen Lehrbuch. Wir sollten sie keinesfalls pauschal verurteilen. Das wäre ganz billig. Die sind jetzt selber in einer äußerst brenzligen Situation.

Habe eben, heute Morgen die Zeitung aufgeschlagen, den Münchner Merkur, und da springt mir auf der zweiten Seite fett die Überschrift entgegen:

„AfD: Parteifreunde distanzieren sich von Bystron. Landeschef wegen Beobachtung durch Verfassungsschutz unter Druck. – Droht Verlust des sicheren Listenplatzes?“

So, ich muss jetzt leider los. Möchte aber auf meinen vorweggenommenen Kommentar vom 21. April 2017, 12.20 Uhr, zu diesem Thema verweisen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.