Sezession
27. April 2017

Antideutsche Wende im Falschen – Magnus Klaue, Tumult und FAZ

Gastbeitrag / 11 Kommentare

Wie sehr sich der Untertitel der FAZ „Zeitung für Deutschland“ der allgemeinen Entgrenzung untergeordnet hat, zeigt sich im Feuilletonteil der Montagsausgabe vom 24. April 2017. Unter der Überschrift „Landnahme im Bodenlosen“ sammelt Magnus Klaue seine Gedanken über die Wandlung einer „linken Zeitschrift“, die seit der Migrationskrise zu den führenden Blättern der konservativen und neurechten intellektuellen Publizistik gehört – die Zeitschrift Tumult aus Dresden.

Dabei sagt der Artikel mehr über FAZ als über die „Vierteljahresschrift für Konsensstörung“ aus. Es ist doch fraglich, wie ein sich bisweilen immer noch bürgerlich-konservativ dünkendes Blatt Kritik für eine Zeitschrift einräumt, die in Zeiten der „Übermacht der Gehorsamen“ (Böckelmann) eine Position bezieht, die eigentlich der FAZ gebührt.

Wo jedoch die Frage nach dem Staat, dem Volk und die damit zusammenhängende Migration unter die Ägide des Kampfes gegen Rechts fällt, lassen sich auch Der Freitag, Die Zeit oder Jungle World problemlos unter das Label „Zeitung für Deutschland“ subsumieren und ein Magnus Klaue für die FAZ schreiben.

Nun ist Klaue aber alles andere als ein kleingeistiger Antifa-Schreiberling vom Schlage eines Ivo Bozic oder einer Andrea Röpke. Die publizistische Volksfront von Jungle World bis FAZ besiegelt Dr. Klaue vielmehr als antideutscher Grenzgänger. Nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie, Theater- und Filmwissenschaft wurde er 2008 an der Freien Universität Berlin promoviert. Seine antideutsche Ausbildung begann dagegen schon früher: Von 2002 bis 2012 schrieb er regelmäßig für konkret, seit 2008 verfaßt er Artikel für Jungle World, wo er von 2011 bis 2015 gar als Redakteur im Dossier- und Lektoratsressort arbeitete.

Wegweisend dagegen ist Klaues durchgehende Autorenschaft für Bahamas, hat das ideologiekritische Periodikum doch erst die Bedingungen für ein antideutsch-neokonservatives Netzwerk geschaffen, das heute durch Personen wie Matthias Küntzel, Thomas von der Osten-Sacken oder Alex Feuerherdt betrieben wird.

Darüber hinaus entwickelt sich im universitären Betrieb eine gewisse Affinität für den antideutschen Habitus. So arbeitet nicht nur Magnus Klaue als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut der Universität Leipzig. Das Zentrum zur Erforschung jüdischer Geschichte und Kultur hat sich vielmehr als Promotionsmaschinerie für die unverhohlen antideutsche Szene und ihre wichtigsten Protagonisten etabliert.

Jan-Georg Gerber schreibt etwa für die Bahamas und wurde am Dubnow-Institut ausgerechnet mit einer Arbeit über die Anfänge der Antideutschen – also seines eigenen extremen Milieus – promoviert. Mittlerweile hat sich Gerber gar habilitiert, ohne auch nur einen Jota von seiner antideutschen Gesinnung abzurücken. Folglich ist Gerber nach wie vor „Vertreter einer der letzten noch existierenden, und vor allem funktionierenden antideutschen Gruppen“ (Sören Pünjer), der AG „No Tears for Krauts“ aus Halle/Saale.

Legendär ist wohl die Guerilla-Aktion, mit welcher die Hallenser der antideutschen Zeitschrift Phase 2 in ihrem Wunsch nach schwerwissenschaftlicher Aufbereitung ihrer Texte einen Aufsatz über das Geschlechterverhältnis in der Fernsehserie Alf unterjubeln konnten. Ein Treppenwitz antideutscher Szenegeschichte muß es da sein, daß der Redakteur der Phase 2 Ulrich „Uli“ Schuster nun wo als Kollege Gerbers arbeitet? Natürlich: am Leipziger Dubnow-Institut. Weitaus weniger ironisch leitet Schuster den Roten Salon im Conne Island und verschafft zudem noch weiteren Dubnow-Mitarbeitern wie Philipp Graf Publikations- und Vortragsmöglichkeiten in Örtlichkeiten der extremen Linken.

Nun soll hier keineswegs in bester Antifa-Manier eine undurchschaubare Assoziationskette gesponnen werden, an deren Ende die FAZ zum tragenden Medium der Antideutschen mutiert. Sowieso eint Klaue und Böckelmann bzw. die Bahamas und Tumult auch 2017 noch mehr als die Kritik zunächst vermuten läßt. Wie bei Tumult war es die Migrationskrise, in deren Verlauf sich die Bahamas endgültig von den "klassischen" Antideutschen und ihren Antifa-Gruppen zu lösen beginnt und vor dem Hintergrund des FAZ-Artikels doch erstaunliche Töne anschlägt: Rajko Eichkamp bringt den „progressiven Gehalt der Nation“ gegen den neuerlichen Klassenkampf von oben in Stellung, Tjark Kunstreich geißelt die „moralische Selbstüberhöhung“ der Deutschen und ausgerechnet Magnus Klaue preist Rechtspopulismus als Verteidiger "westlicher" Freiheit.

Warum der Bahamas-Autor am Ende dennoch auf Tumult und nicht etwa auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Jungle World einhaut, ist ein Unterschied ums Ganze. Im Geiste eines der diffusen offenen Gesellschaft um jeden Preis verpflichteten Kosmopolitismus bleiben die Antideutschen der kommunistischen Entgrenzung auch in ihrer neokonservativen und universitären Wende treu. Solange sie jedoch weiterhin den „Verschiebebahnhof in die Zukunft“ (Mohler) ansteuern, wird ein ehrlicher Abschied von der Linken, um die Magnus Klaue eine Tumult letztendlich beneidet, keiner sein.


 Gastbeitrag

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Kommentare (11)

Monika L.
27. April 2017 11:38

Danke für den Hintergrund. Konnte den Faz-Artikel über TUMULT am Montag nicht lesen, da Bezahlbeitrag. Nennt sich FAZplus. Bares für eine Klaue ?

Nein, danke ! Dann abonniere ich lieber Tumult. ((( Edelfedern statt Klauen )))))

Caroline Sommerfeld
27. April 2017 12:07

Gibt es eigentlich auch Synonyme für "antideutsch"? In fast jedem Absatz mindestens zweimal dieses Wort, im ganzen Artikel 14x, das klingt mir leicht obsessiv. Was ich noch nicht verstehe - wo liegen  i n h a l t l i c h  denn genau die Überschneidungsbereiche zwischen rechts und antideutsch? Mir fällt nur ganz abstrakt "Systemkritik" ein, im Sinne des m.E. vergeblichen Versuchs, rechten und linken "Widerstand" gleichzusetzen (vgl. Felix Korsch: Systemfrage von rechts. Wie die Neue Rechte zum Widerstand aufruft. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 7/2016).

Benedikt Kaiser
27. April 2017 12:16

@Sommerfeld: Nur ein paar Anmerkungen, um Mißverständnissen vorzubeugen. Ist Ihnen bewußt, daß "antideutsch" in Siegfrieds Beitrag auf eine ganz bestimmte ideologische (und zugleich "ideologiekritische") Denkrichtung um Scheit, Grigat, Wertmüller und Co. abzielt und nicht einfach jede Haltung, die sich "gegen Deutschland" richtet meint? Von daher: Nein, es gibt wohl kein Synonym. 

Korschs Beitrag aus den Blättern hat damit natürlich überhaupt nichts zu tun. Die linke Systemkritik, die vermeintlich oder tatsächlich "anschlußfähig" für Rechte sein könnte, ist ja eben gerade nicht jene der Antideutschen, sondern die einiger ihrer schärfsten Gegenspieler.

Was der Autor in diesem Gastbeitrag mit dem "Abschied von der Linken" meint und als Beinahe-Orientierung in Richtung der politischen Rechten wahrnimmt (ich stimme dem nur zum Teil zu), ist vermutlich die Anti-Islamisierungs-Kiste, die aus Gründen der Verteidigung westlicher Freiheiten (und der Abwehr von muslimisch grundierten Antisemitismus usw.) bisweilen von einigen Antideutschen ausgepackt wird und die auch in Böckelmanns Zeitschrift eine wichtige Rolle spielt. 

 

Caroline Sommerfeld
27. April 2017 13:07

@ Benedikt Kaiser: Danke für Ihre Erklärungen! Vermutlich nützen diese auch einigen anderen Lesern hier sehr.

Der_Jürgen
27. April 2017 14:23

@Caroline Sommerfeld  @Benedikt Kaiser

Ja, Kaiser hat recht; der einzige wichtige Überschneidungspunkt zwischen der Rechten und den Antideutschen ist die Islamkritik bzw. die Ablehnung der Islamisierung. 

Dieser Überschneidungspunkt ist im Falle der israelfreundlichen Rechten (markantestes Beispiel: PI) sehr viel stärker als bei der neuen Rechten (oder wie immer wir uns nennen mögen). Die fanatische, politisch völlig unlogische Unterstützung Israels und des Zionismus ist ein hervorstechendes Merkmal dieser Rechten. Sie geht so weit, dass Sigmar Gabriel auf PI kürzlich angepöbelt wurde, weil er sich in Israel mit Personen traf, die der offiziellen Politik kritisch gegenüberstehen, worauf Netanyahu ihm - wie entsetzlich - eine Audienz verweigerte.

Innerhalb der radikalen Linken, die früher fast durchwegs antizionistisch und israelkritisch gesinnt war, ist längst ein Bruch erfolgt. Eine Minderheit hält an dieser Linie fest. Die Antideutschen, zu deren führenden Sprechern Leute wie Justus Werthmüller oder Jan Georg Gerber zählen, unterstützen Israel bedingungslos, weil für sie jeder Jude von Geburt an ein Opfer des Nazismus ist, genau wie jeder Deutscher mit dem Nazi-Gen auf die Welt kommt. Selbst die repressivsten Massnahmen gegen die Palästinenser werden dort ebenso gerechtfertigt, wie zum Krieg gegen den Iran getrommelt wird.

Den Höhepunkt der Absurdität erreicht aber die Argumention bei Leuten wie Stephan Gringat, für den jede Kritik am Finanzkapitalismus "antisemitisch" ist. Wer gege Goldman Sachs eintritt, ist folglich ein "Antisemit". Angesichts dieser bodenlosen intellektuellen und moralischen Degradation hätten moralisch integre Linke wie z. B. Rudi Dutschke, dem es mit seinem Antiimperialismus und Antikapitalismus ernst war, fassungslos den Kopf geschüttelt.

Der_Jürgen
27. April 2017 14:44

Als Ergänzung zu meiner ersten Wortmeldung hier noch ein Artikel aus der "Roten Fahne", einem Organ, das eine genuin antiimperialistische Politik propagiert und den antideutschen Rassismus scharf verurteilt.

https://www.mlpd.de/themen/themen-a-z/antideutsch-contra-internationalistisch

Valjean72
27. April 2017 15:35

@Der_Jürgen: "Den Höhepunkt der Absurdität erreicht aber die Argumention bei Leuten wie Stephan Gringat, für den jede Kritik am Finanzkapitalismus "antisemitisch" ist."

Absurd oder letztlich nur konsequent? Das abkanzelnd stigmatisierende und rufschädigende  Adjektiv "antisemitisch" wird mE bewusst eingesetzt, um bestimmte Themengebiete, wie beispielsweise unser Geldsystem, von einer grundsätzlichen(!) Kritik auszuklammern. Cui bono?

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Titel der "Roten Fahne" von vor ein paar Jahren ein: "Die Antideutschen als neoliberale Erfüllungsgehilfen".

Siegfried Gerlich
27. April 2017 16:19

Siegfried Kabischs Gastbeitrag ist informativ und desorientierend zugleich. Denn einerseits nennt er Magnus Klaue zutreffend einen »Grenzgänger« — und andererseits verrechnet er Klaues vermeintlich rechtsaffine Tendenz wiederum umstandslos mit der seines antideutschen publizistischen Umfeldes.

Verständlicherweise fragt daher Caroline Sommerfeld nach, wo denn genau eine inhaltliche Übereinstimmung zwischen »rechts« und »antideutsch« zu finden sei — und Benedikt Kaiser antwortet zutreffend, daß eine altmarxistische Position aufgrund ihrer, wenn auch vorbehaltlichen, Wertschätzung der Nation mit rechtskonservativer Systemkritik weit eher vereinbar ist als eine antideutsche Position, die sich längst mit dem neoliberalen Weltsystem arrangiert hat.

Nur ist Klaue, genau genommen, eben weder das eine noch das andere. In seinen mir bekannten, in der Regel anspruchsvollen Beiträgen hat er sich — bis in die Diktion adornitisch — stets als Fortdenker der Gesellschaftskritik der Frankfurter Schule zu erkennen gegeben, deren philosophische Deutschlastigkeit und politischer Eurozentrismus gerade aus der historischen Distanz ins Auge fällt.

Vor diesem Hintergrund hat sich Klaue denn auch keineswegs nur als Kritiker der Islamisierung Europas hervorgetan, sondern ebenso sehr als Kritiker der aktuellen linken Zeitgeistströmungen, in denen er durchweg intellektuelle Regressionsphänomene erblickt: Gender und Postcolonial Studies, Inklusionsideologie, Antidiskriminierungspolitik etc.

Unter den Autoren von »konkret« war dieser Nonkonformist immer einer der besten.

Daniel
27. April 2017 22:15

Wie der Autor war auch ich lange Jahre im Lager der Antideutschen zuhause, bevor ich auf den rechten Weg gefunden habe...

Magnus Klaue ist sicherlich einer der konservativsten Autoren, den diese Szene zu bieten hat. Keiner, abgesehen vielleicht von Wertmüller, schreibt dort so vernichtende Texte über die deutsche Linke und deren Lifestyle. Wäre die explizite Bezugnahme auf die Kritische Theorie und die Sehnsucht nach einer "befreiten Gesellschaft" der Zukunft nicht, man könnte bei vielen Artikeln glauben, sie stammten aus dem rechten Lager. 

Schön z.B.: https://jungle-world.com/artikel/2011/31/43705.html

und https://jungle-world.com/artikel/2011/20/43208.html

Und auch in puncto Kritik lässt sich von ihm lernen: "Negativem Denken bleibt [...] nur eine Möglichkeit: die Menschen, ohne Hochmut und allein um ihrer selbst willen, daran zu erinnern, dass sie von der Scheiße, in der sie stecken, manchmal nur schwer zu unterscheiden sind."

Cacatum non est pictum
29. April 2017 00:32

@DerJürgen

Den Höhepunkt der Absurdität erreicht aber die Argumention bei Leuten wie Stephan Gringat, für den jede Kritik am Finanzkapitalismus "antisemitisch" ist. Wer gege Goldman Sachs eintritt, ist folglich ein "Antisemit". Angesichts dieser bodenlosen intellektuellen und moralischen Degradation hätten moralisch integre Linke wie z. B. Rudi Dutschke, dem es mit seinem Antiimperialismus und Antikapitalismus ernst war, fassungslos den Kopf geschüttelt.

In unseren Tagen gehört das politische Rechts-/Links-Schema eigentlich beerdigt. Es eignet sich nicht einmal mehr für eine grobe Einordnung. Die Trennlinien verlaufen entlang der Schlagworte Globalisten/Antiglobalisten, Internationalisten/Nationalisten, Zionisten/Antizionisten usw. Die auch von vielen Neurechten angestrebte Querfront wird sicher an den jeweiligen Querstrichen haltmachen müssen. Sie wäre in sich ziemlich heterogen, aber auf ein gemeinsames großes Ziel ausgerichtet: die korrupte Kartellpolitik einzudämmen, wenn nicht zu beenden. Dass sich weite Teile derjenigen sogennanten Linken nicht in die Querfront einreihen wollen, die dafür überhaupt in Betracht kämen - allzu viele wären es wohl ohnehin nicht -, mag mit der Kontamination der politischen Vokabel "rechts" zu tun haben. Es liegt auf der Hand, dass den Strippenziehern und ihren Kollaborateuren in der Realpolitik nichts gelegener kommt, als den Keil zwischen vermeintlichen Rechten und vermeintlichen Linken mit aller Macht festigen zu können.

rautenklause
30. April 2017 02:32

 Na ja, auch die alten TUMULT Bände konnten ambivalent betrachtet werden. Walter Seitter, der als Herausgeber firmierte, war immerhin Beiträger zur Festschrift für Hans-Joachim Arndt (und von diesem sehr geschätzt). Und TUMULTausgaben wie die über Rosenstock-Huessy (man beachte nur die Nachwirkungen diese Bandes auf der entsprechenden Diskussionsseite von Wikipipi), Ernst Kantorowicz oder Georges Dumezil sind nach wie vor Gold wert ...

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