Sezession
27. April 2017

Das war’s. Diesmal mit: Tenenbom in Schnellroda, Lügenpresse und meinen Schwächen

Ellen Kositza / 17 Kommentare

Da schaltete sich ein älteres Ehepaar so unaufgefordert wie herzlich ein: „Ja! Und wie er die Rechten vorführt! Das ist ja das Tolle! Das macht der so mit links!“- „Echt?“, fragte meine Schwester nach. Sie habe das überhaupt nicht als Vorführung verstanden. Der setze sich doch ganz ernsthaft mit „denen“ auseinander.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Glockenhelles Lachen! Das sei ja das Geschickte! Dieser gespielt naive Zugang! Tenenboms Trick sei, den Verstehonkel zu markieren. Damit erreiche er, daß die Rechten sich vollends entblößen. „Damit gelingt dem, worum sich unsere Journalisten seit Jahren erfolglos bemühen: Den Rechten die Maske vom Gesicht zu reißen!“

Nun ja. In der Tat fährt Erfolgsautor Tenenbom gerade die linke Tour. Anfang Mai liest er zunächst bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Magdeburg, dann im linken Szenetreff Conne Island in Leipzig. Und dann?

Biegt er wiederum ab. Am 6. Mai wird er in Schnellroda sein, zum „Literarischen Frühschoppen“ ab 10 Uhr. Anmeldungen werden ab sofort angenommen, am besten per mail an anmeldung[at]schnellroda oder telefonisch unter 034632-904396. Hundert Karten sind zu vergeben, der Eintritt kostet 5 €.

Und wir? Wir gehen derweil wieder in die Maske. Soll ja auch Spaß machen, allen!

26.4.2017 -- Hatte nun eine Zeitlang wieder täglich die FAZ. Wirtschaft ist nicht gerade mein Kernbereich, aber die Causa Kleinfeld hab ich doch verfolgt, aus drei Gründen: Erstens, weil die Sache in der FAZ dieser Tage geradezu überpräsent war. Zweitens, weil mich Genderfragen interessieren. Drittens, weil hier, also in der FAZ, eine Stellungnahme von Prof. em. Ulrich Oevermann eine Rolle spielt.

Mit Oevermann hatte ich mich in meinem Germanistikstudium länger beschäftigt, als ich zu meinem Hauptthema Soziolinguistik forschte. Kurz gesagt: Wirtschaft ist männlich konnotiert, Gossip, vulgo „Klatsch“, hingegen weiblich. Der Abgang des Ex-Siemens-Managers Klaus Kleinfeld ist nun eigentlich ein Wirtschaftsthema, wurde aber in mindestens sechs Beiträgen innerhalb weniger Tage auf Gossip-Niveau rauf und runtergenudelt. Ein echtes Genderdings also! 

Ganz kurz für diejenigen, die es nicht mitbekommen haben: Kleinfeld stand zuletzt dem amerikanischen Metallunternehmen Arconic vor. Ein 72jähriger US-amerikanischer Investor namens Paul Singer hatte Arconic zuletzt ordentlich zugesetzt. Singer gilt als kalter Zocker, er soll (in Südamerika) ganze Länder in die Bredouille gebracht haben. Es heißt, von Singer instruierte Detektive hätten Kleinfelds Mülltonnen durchwühlt, Nachbarn befragt; was man halt so tut, um sein Allerwertestes zu retten.

Nun ist ein Brief ans Tageslicht gekommen, den Kleinfeld an den ihm persönlich unbekannten Singer schrieb. Kleinfeld schickte Singer einen „official match ball of the FIFA World Championship 2006 (called „Teamgeist“)" und schrieb sinngemäß, daß er sich daran erinnere, wie gut sich Singer damals nach Aussagen Dritter in Deutschland amüsiert habe. Er spielt auf die offenbar exaltierte Feierlaune von Singer an: Der habe damals mit aufgesetztem Indianer-Kopfschmuck in einem Stadtbrunnen „Singing in the rain“ intoniert.

Dieses Schreiben mag man mit guten Gründen als erpresserisch werten. Die FAZ hatte den Kleinfeld-Brief über Tage nun bereits in verschiedenen Sprachen dokumentiert und mehrfach kommentiert. Jetzt durfte Herr Oevermann, seines Zeichens „Erfinder einer Methode zur Interpretation von Texten, die objektive Hermeneutik genannt wird“, uns den Brief auslegen.

Drei Stellen fand ich besonders, ha, „objektiv“!

Erstens: Oevermann sieht im Schreiben Kleinfelds „unbewusste Gegensätze“ „zwischen einer jüdischen Kultur und einer tendenziell antisemitischen Einstellung“ zur Sprache gekommen. Wie das? Ich lese den Brief ein drittes Mal. Kapiere das „objektiv Hermeneutische“ noch immer nicht. Oevermann klärt auf: „Man muß nicht unbedingt wissen, daß der Angegriffene Paul Singer Jude ist. Der Name legt es nahe. Der Name Kleinfeld legt nahe, dass der kein Jude ist. [?] Singer steht für eine amerikanische Managementkultur, die tendenziell jüdisch und aggressiv ist. Davon grenze Kleinfeld sich ab.“ Man muß hier den Brief wirklich nachlesen, um festzustellen, wer hier mit antijüdischen Klischees hantiert!

Zweitens, Oevermann: „Der Schreiber unterstellt, dass Singer mehrere Wochen in Berlin war und sich dort mit einer schwulen Halbstarkenbande vergnügt haben muß.“ Wer mir nun einen Hinweis auf diese „Unterstellung“ gibt, erhält einen druckfrischen Band Das war’s als Preis.

Drittens, Oevermann abschließend, um neben unterstelltem Antisemitismus, unterstellter Homophobie auch noch die Sexismuskeule rauszuholen und damit bedrohlich zu hantieren: „Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen von Männern kommen hier nicht vor, nur als Gespielinnen und Ausgleich zum dominant schwulen Milieu.“

Eine ganze Seite hat die FAZ dafür hergegeben. Manchmal kommt mir das Wort von der „Lügenpresse“ als viel zu harmloser Begriff vor.

27.4.2017 -- Meine Schwächen (kleine Auswahl): Unordentlichkeit. Sich technischen Fragen verweigern. Aus dieser mißlichen Kombi erwächst ziemlich regelmäßig eine Alltagskommunikation wie diese: „Jetzt hab ich so lange am neuen Pirincci gesessen, und nun ist er weg!!“

Kubitschek: „[…]?“

„Na klar! Immer brav gespeichert! Format immer artig umgewandelt. Aber das Dokument ist weg!“

Klar, es folgt die Frage nach dem wohin, nach dem Ort, dem Pfad. Was weiß ich denn! Auf meinem Desktop tummeln sich Dutzende Dateien. Ordner und Fächer wurden mir eingerichtet, sie sind mir fremd und werden nur sporadisch bestückt. Der Chef schaut nach, er kennt das schon.

Manchmal schimpft er, das seien meine Gene. Ich halte das gut aus. Er fragt mich nach Suchbegriffen. Hm. Gefragt sind wohl Präzision und Alleinstellungsmerkmale des Textes. Nun gut: „Arschritze. Wichser. Gefickt.“

„Ist jetzt nicht Ihr Ernst? Sie haben das Ding doch bereits lektoriert?!“

„Ja, schon. Aber diesmal mit Korrekturprogramm. Deshalb muß es noch drin sein. Also in rot. Aber die Farbe ist der Maschine doch egal?“ Die Maschine findet am Ende alles. Auch das Getilgte.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (17)

Starhemberg
27. April 2017 18:49

Na, da hat man dem Kleinfeld aber die Maske vom Gesicht gerissen! Oder dem Singer? Oder dem Oevermann? Oder der FAZ? Oeverman war doch mal der Assistent vom Habermas Jürgen, dem alten Geschichtsumkneter. Würg. Egal, da lese ich lieber bald den neuen Pirincci, bevor ich es mir wieder hinter meiner Maske gemütlich mache.

Curt Sachs
27. April 2017 20:46

Hinweis: Vermutlich das deutlich herausgestellte "other side (of)". Wenn man diese Idee erstmal als gegeben annimmt, passt dann auch die seltsame Fußballgeschichte, die sonst reichlich skurril wirkte.

Roland W.
27. April 2017 21:03

Guten Abend Frau Kositza,

Danke! Ich liebe Ihre Beiträge!

marodeur
28. April 2017 00:54

Jetzt bleibt leider im Dunkeln, wie sich die Maske genau gelöst hat. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, fragt Tenenbom bei links wie rechts, warum wir plötzlich Moralweltmeister geworden sind. Und am Ende steckte immer Hitler dahinter, ganz egal wen man fragt. Das war in sofern wenig "entlarvend". Seine treffende Beschreibung der arabischen Lügentradition war dagegen äußerst interessant - generell seine Gespräche mit den Asylanten. Was hat Tenenbom denn da nun vorgelesen? (bitte am 6. Mai nachhaken)

Nebenbei: Schade, dass er sein Buch schon beendet hat. Er hätte den Oberleutnant der Bundeswehr besuchen können, der als syrischer Fake-Flüchtling anerkannt wurde.

Und ein letzter kleiner Tipp zur Erhöhung der Auflage: Bieten Sie eine limitierte ungeschnittene Pirincci-Fassung an.

Herr Tisch
28. April 2017 10:16

"Coloful": "Gay" bedeutete ursprünglich auch "bunt" oder "farbenfroh".

Maiordomus
28. April 2017 11:49

Tuvia Tenenbom, von dem ich glaubte, dass es sich um eine Frau handle, Magnus Klaue, TUMULT:  man lernt nie aus, selbst wenn man noch daran ist, die langfristigen Autoren zu Ende zu lesen. Auch ich "liebe" die Beiträge von Frau Kositza, halte sie für die begabteste Feuilletonistin im hier publizierenden Autorenteam, im Sinne des älteren Feuilleton-Begriffs = "Blättchen". Sehr viel bedeutete mir auch ihr Buch "Tristesse Droite".

destijl
28. April 2017 15:44

Und noch ein Liebesbekenntnis von meiner Seite. Freue mich über jeden neuen Kositza-Beitrag. Humor kann man sich weder kaufen noch antrainieren. Kein Wunder auch, dass Tenenbom und Kositza sich gegenseitig schätzen. 

Seneca
28. April 2017 16:34

Na ja, der Brief von Kleinfeld ist auch bei wohlwollender Auslegung mehr als fragwürdig. Erpressung mit Offenlegung von Bildmaterial steht da zwischen, über und unter den Zeilen im Raum. Kleinfeld müsste allein wegen so viel Dämlichkeit den Hut nehmen. Bei Siemens hat den USA-Liebhaber auch keiner vermisst. Jetzt hat ihn seine Liebe eingeholt.

Ralf Kaiser
28. April 2017 19:49

Ein reichlich dubioses Subjekt hat sich da eine Einladung nach Schnellroda ergattert. Erst diese Woche war Tenenbom bei der 3sat-Kulturzeit zu Gast:

youtube.com/watch?v=G39RBeC5XdQ

Da behauptete er, die jüngsten Asylanten in Deutschland "wurden schlimmer als Tiere behandelt", was für ihn rassistische Ursachen hat, denn "Millionen von Briten ... wären viel besser behandelt worden". Die Maßgabe, nach der nun nicht mehr alle hereingelassen werden, steht in seinen Augen unter dem Motto "Laßt die anderen sterben!".

Außerdem verglich er die Funktionäre der Organisation "Breaking the Silence", mit denen sich Gabriel gerade in Israel treffen wollte, allen Ernstes mit RAF-Terroristen.  

Pfeiffer
29. April 2017 00:42

Hallo Herr Kaiser,

Danke für die youtube URL.

Aber warum finden Sie Herrn Tenenbom ein "dubioses Subjekt"?  Und wieso hat er sich die Einladung ergattert? Könnte es vielleicht sein, dass sich auch die Betreiber von Schnellroda  freuen, dass Tenenbom kommt?

Ihr Vorwurf, Tenebom würde "Breaking the Silence" mit RAF Leuten vergleichen ist ziemlich gewagt. Er hat (laut deutscher Übersetzung, das originale Englisch ist leider kaum zu hören) von "Baader-Meinhof" geredet, und in diesem Interview offensichtlich allgemein Leute gemeint, die in harter Opposition zu Deutschand stehen, also beispielsweise auch Leute, die Deutschland als Nazistaat bezeichnen. Und solche Leute hat er - zu Recht - verglichen mit "Breaking the Silence", aus der heraus Zahal (die Israelische Armee) auch schon mal als Nazi Armee bezeichnet wurde. Zugegeben, die Frau mit dem Nazi-Vergleich ist dann anscheinend gegangen. Nur: wer sich anschaut, was "Breaking the Silence" sonst so treibt, darf sich wundern, dass Gabriel sich ausgerechnet mit denen treffen wollte ..

Wie auch immer:  Ich freue mich, dass Tuvia Tenenbom in Schnellroda sein wird. Leider kann ich nicht dabei sein - die Reise dorthin ist für mich etwas zu lang.

Grüße nach Schnellroda

Solution
29. April 2017 02:10

Tenenbom ist keiner von uns. 

Kositza: Das meine ich auch, bspw. als Frau. Da ist er keiner von "uns". Von "uns Rechten" sicherlich auch nicht. Ich hab dauernd mit leuten zu tun, die nicht "von uns" sind. macnhe mag ich trotzdem gern, von anderen kann ich was lernen.

Patricius
29. April 2017 12:49

Tenenbom ist in der Tat kein Sprachrohr der Neuen Rechten in Deutschland. Geradezu pathologisch erscheint mir bspw seine Antisemitismusriecherei bei Allem und Jedem. Aber das ist doch kein Grund, ihn nicht nach Schnellroda einzuladen. Zumindest sein für hiesige Verhältnisse geradezu spektakuläres Verweigern der gängigen Diskursregeln (du darfst nicht eine Bühne bieten, jenen die da reden wider den Geist der Zeit...) und seine erfrischende Auffassung vom Berufsethos des Journalisten (informieren!) macht ihn allemal zu einem interessanten Gesprächspartner.

Der Feinsinnige
29. April 2017 15:42

@ Ralf Kaiser

„Ein reichlich dubioses Subjekt hat sich da eine Einladung nach Schnellroda ergattert.“

Tuvia Tenenbom ist schwer einzuordnen. Das Buch „Allein unter Flüchtlingen“ empfinde ich als großen Wurf. Er teilt nach allen Seiten aus, bekundet aber auch für verschiedenste Protagonisten Sympathien, bezüglich derer der durchschnittlich durch den „mainstream“ sozialisierte Leser es eher nicht erwarten würde, und zwar insbesondere für Götz Kubitschek und Ellen Kositza, auch für Akif Pirincci und Frauke Petry. Dagegen werden Personen wie Volker Beck (im Gegensatz zu Gregor Gysi, der gut wegkommt) regelrecht vorgeführt. So habe ich Tuvia Tenenbom jedenfalls verstanden. Eine von Tenenboms Kernaussagen ist meines Erachtens:

„Offen gestanden kann ich keinen großen Unterschied zwischen den rechten Deutschen und den linken Deutschen erkennen, zwischen denen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren, und denen, die die größten „Flüchtlinge willkommen!“-Plakate in die höchsten Bäume hängen. Beiden liegen die Flüchtlinge ungefähr so am Herzen wie mir König Ludwig II.“ (S. 232).

Dieser Satz folgt auf die drastische Zusammenfassung der Zustände in den Massenunterkünften, die Tenenbom auch im Interview bei 3-sat beschrieben hat, nur daß er dort (möglicherweise aus Höflichkeit gegenüber dem Sender?) den soeben zitierten Zusatz weggelassen hat. Tenenbom hat in seinem Buch (bezogen auf sein Gespräch Lutz Bachmann) sogar geschrieben:

„Wenn ich Lutz so reden höre, fühle ich mich an den typischen New Yorker erinnert, ganz zu schweigen vom typischen Einwohner Montanas. Die meisten Amerikaner, egal ob Republikaner oder Demokraten, würden mehr oder weniger dasselbe über die Immigranten in den USA von sich geben.“ (S. 100).

Tenenbom legt immer wieder den Finger in die Wunde: Die derzeitige deutsche Politik ist vergangenheitsbezogen, von unehrlichem schlechten Gewissen geprägt und eine Art Betteln um internationale Anerkennung, wie gut wir Deutschen heute doch seien. Und noch ein Hinweis meinerseits: Das Kapitel über Pirincci ist so etwa das härteste, was ich jemals über die geradezu ekelhafte Selbstgerechtigkeit des deutschen Gutmenschentums gelesen habe.

Meines Erachtens ist es goldrichtig, Tuvia Tenenbom nach Schnellroda zu einer Buchvorstellung einzuladen – und es ist ein großer Gewinn, daß er zugesagt hat. Ich bin gespannt, wie der politische Gegner reagiert: Werden jetzt die im obigen Artikel erwähnten Veranstaltungen in der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Magdeburg und in Conne Island in Leipzig abgesagt, weil der Autor bereit ist, sein Buch auch bei den „falschen“ Leuten in Schnellroda vorzustellen? So etwas könnte passieren. Oder wird man Tuvia Tenenbom zu nötigen versuchen, die Veranstaltung in Schnellroda abzusagen? Ich schätze Tuvia Tenenbom so ein, daß er sich einem Versuch solcher Einflußnahme nicht beugen würde. Ich bin zudem der Überzeugung, daß eine Veranstaltung in Schnellroda mit einem Autor eines so etablierten Verlages wie Suhrkamp, egal wo genau der Autor nun steht, in jedem Fall ein Gewinn ist und die Lage in unserem Sinne weiter voranbringen wird.

Pfeiffer
30. April 2017 04:06

In meinem Text vom 28. April 2017 22:42 ist ein Fehler:

"Breaking the Silence" hat die Israelische Armee IINM nicht explizit als Nazi Armee bezeichnet: sie hat versucht hr Kriegsverbrechen anzuhängen ...

Monika L.
30. April 2017 09:37

Tuvia Tenenbom tut weh. Weil er Recht hat, weil er das sagen und schreiben kann, was unsereins denkt und fühlt. Kommt nett und locker rüber:

https://www.google.de/search?q=spiegel+interview+tuvia+tenenbaum&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari

Seit der sog. ' Flüchtlingskrise' habe ich drei Freunde/Bekannte verloren. Redete in etwa so, wie Tenenbom in dem Spiegel-Interview. Von Zahlen, Fakten, sogar von Wahrheiten. Locker, ruhig beginnend. Plötzlich wurde mit der Moralkeule auf mich eingeschlagen. Irgendwas Böses wurde mir unterstellt. Ich sei gegen Demokratie, wolle eine Mauer bauen, gar schießen, usw.  Und es gäbe keine Alternative zur Masseneinwanderung und der Bewältigung der Folgen. Koste es was es wolle. Und sei es das Leben. ( Da zur falschen Zeit am falschen Ort)...

Das war die Antwort auf meine Frage: Wie hältst Du es mit den Einzelfällen?Wenn es Deinen Sohn oder Deine Tochter trifft. Ja, da ist man leider zur falschen Zeit am falschen Ort.......Und überhaupt, ob man sich denn für etwas Besseres halte...

Und deshalb tut Tenenbaum weh. Er darf das alles sagen. Das hat Unterhaltungswert. Und ich möchte einfach nicht mehr unterhalten werden !!! Sondern verstanden. Ein bißchen vielleicht. So wie von Pierre in Burgund, katholisch, dreimal bei manif pout tous, Raspail-Leser, Fillon-Wähler, humorvoll, Weinliebhaber usw.

"Was macht ihr Deutschen da, spinnt Merkel, wieso protestiert niemand gegen die Masseneinwanderung, wo soll das hinführen..... und, und....

"Ja, was wäre denn die Alternative" (  meine Gegenfrage) . "Zur Not schießen", sagte der nette Pierre  mit einer Seelenruhe. Bevor ich Einspruch erheben konnte, stellte er ruhig lächelnd fest: " Dafür sind wir zu katholisch".

Santé....

Ralf Kaiser
30. April 2017 13:55

@ Pfeiffer

Für Ihre Unterscheidung zwischen Baader-Meinhof und RAF bin ich offenbar nicht feinsinnig genug. 

Natürlich freut man sich in Schnellroda auf Tenenboms Besuch. Steht das im geringsten Widerspruch zu meinen Worten? Die vom @ Feinsinnigen erwähnten Sympathiebekundungen sind nach meinem Eindruck eher eine Masche, durch die Tenenbom mit solchen Leuten ins Gespräch kommen will, denen er dann verfängliche Äußerungen entlocken zu können meint. Das 3sat-Gespräch zeigt doch eindeutig, daß er die Befürworter dichtgemachter Grenzen für Rassisten hält.

Was die Sache in Israel betrifft, so meint Tenenbom im Interview doch auch, Gabriel hätte im Sinne der Ausgewogenheit ebenfalls die jüdischen Siedler besuchen sollen. Dieses Argument ist fadenscheinig, denn deren Position wird ja von Netanjahu repräsentiert, den Gabriel durchaus treffen wollte.

Monika L.
3. Mai 2017 09:13

Da zieht jemand den Schwanz ein:

https://www.conne-island.de/termin/nr5011.html

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