Politische Gewalt in Rom (I): Bürgermord und Bürgerblut

Wo immer einem politischen System die Diagnose der systemimmanenten Krise gestellt wird, ist das Wort vom Bürgerkrieg nicht fern. Mißstände, die in der Logik des Gesamtsystems selbst begründet liegen, neigen dazu sich bis zur Unerträglichkeit der Spannungen aufzuschaukeln.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Denn wer sie zu behe­ben sucht, wird nicht nur die Pro­fi­teu­re, son­dern auch – was viel­leicht weit hin­der­li­cher ist – die Arbeits­wei­se des Sta­tus Quo gegen sich haben. Die Reform beginnt sich revo­lu­tio­nä­rer Mit­tel zu bedienen.

Denn wer sie zu behe­ben sucht, wird nicht nur die Pro­fi­teu­re, son­dern auch – was viel­leicht weit hin­der­li­cher ist  – die Arbeits­wei­se des Sta­tus quo gegen sich haben. Die Reform beginnt, sich revo­lu­tio­nä­rer Mit­tel zu bedienen.

An die­ser Stel­le ent­steht das eigen­tüm­li­che Phä­no­men der poli­ti­schen Gewalt. Wört­lich genom­men ist das fast ein Pleo­nas­mus, doch bezeich­net man nicht ohne Grund damit die Gewalt­an­wen­dung inner­halb eines Gemein­we­sens und unter­halb der Schwel­le zum offe­nen Bür­ger­krieg. Der Zweck ist hier­bei etwas Wider­sprüch­li­ches: Der bestehen­de Rechts­zu­stand soll durch Gewalt ver­än­dert wer­den, die­se durch den kapi­ta­len Rechts­bruch erwirk­te Ver­än­de­rung aber in die bestehen­de Rechts­ord­nung wie­der inte­griert werden.

Das bis heu­te wohl umfas­sends­te Bei­spiel die­ser Pro­ble­ma­tik ist die Geschich­te der spä­ten römi­schen Repu­blik. Die­se von Theo­dor Momm­sen als Revo­lu­ti­ons­epo­che bezeich­ne­te Zeit begann 133 v. Chr. mit dem geschei­ter­ten Reform­ver­such des Tibe­ri­us Sem­pro­ni­us Grac­chus. Der brei­te­re Hin­ter­grund der Grac­chi­schen Agrar­re­for­men ist den meis­ten bekannt. Inter­es­sant ist für uns hier viel­mehr sein Vor­ge­hen. Denn auch wenn Rom grund­sätz­lich eine direk­te Demo­kra­tie war, in der die Volks­ver­samm­lung mit ein­fa­cher Mehr­heit der Tri­bus (Stimm­be­zir­ke) so ziem­lich alles beschlie­ßen konn­te, bot die über die Jahr­hun­der­te gewach­se­ne Ver­fas­sung der römi­schen Repu­blik einer Oppo­si­ti­on mehr Mög­lich­kei­ten zur Blo­cka­de als jede ande­re geschicht­li­che Verfassung.

Jeder der zehn Volks­tri­bu­nen konn­te mit sei­nem Veto jedes belie­bi­ge Staats­ge­schäft unter­sa­gen. In den nach dem Kol­le­gia­li­täts­prin­zip ver­ge­be­nen Magis­tra­tu­ren konn­te jeder Magis­trat die Amts­füh­rung sei­ner Kol­le­gen unter­bin­den. Dazu kamen reli­giö­se Bräu­che, die Obnun­ta­tio (Ver­kün­dung schlech­ter Vor­zei­chen), das unge­schrie­be­ne Gesetz, neue Geset­zes­vor­schlä­ge erst nach einem posi­ti­ven Votum des Senats vor die Volks­ver­samm­lung zu brin­gen, und eine gan­ze Rei­he pro­ze­du­ra­ler Bestimmungen.

Der Zweck all­d­es­sen bestand dar­in, die Kon­sens­fin­dung inner­halb der Füh­rungs­schicht zu erzwin­gen. Checks and balan­ces sind eines der wich­tigs­ten Struk­tur­merk­ma­le der Olig­ar­chie. Tritt ein Poli­ti­ker mit Reform­plä­nen an die Öffent­lich­keit, ohne die gro­ße Mehr­heit sei­ner Stan­des­ge­nos­sen hin­ter sich zu haben, so müs­sen sei­ne Geg­ner nur blo­ckie­ren, um ihn auf­lau­fen zu las­sen und kalt­zu­stel­len. Ent­ge­gen den gän­gi­gen Kli­schees war poli­ti­sche Gewalt des­halb nicht nur das Mit­tel, mit dem eine radi­ka­le Min­der­heit der fried­lie­ben­den Mehr­heit ihren Wil­len auf­zwin­gen woll­te. Eben­so­oft bedien­ten sich die Füh­rer der Mehr­heit die­ses Mit­tels, um das Veto der Oppo­si­ti­on zu durchbrechen.

Zum ers­ten Mal erscheint dies mit Tibe­ri­us Grac­chus. Hat­te er zunächst noch gehofft, zusam­men mit einer ihm güns­ti­gen Strö­mung unter den Sena­to­ren sei­ne Acker­re­form durch­zu­set­zen, so stell­ten sich ihm bald die Ver­lie­rer die­ses Gesetz­vor­schla­ges ent­ge­gen, die unrecht­mä­ßig okku­pier­tes Gemein­de­land hät­ten zurück­ge­ben müs­sen. Sie bewo­gen einen sei­ner Kol­le­gen, Mar­cus Octa­vi­us, zum Veto. Ver­fas­sungs­recht­lich war damit der Fall erle­digt, allein die poli­ti­schen Zukunfts­aus­sich­ten des Grac­chus wie auch sei­ne öffent­li­che Wür­de, sei­ne Digni­tas, hin­gen am Erfolg die­ses Geset­zes. Er ent­schloß sich zu einer nie dage­we­se­nen Maß­nah­me. Da Octa­vi­us als Volks­tri­bun offen­sicht­lich gegen den Volks­wil­len hand­le, ließ er ihn durch die Volks­ver­samm­lung abwäh­len. Das war bis­her noch nie vor­ge­kom­men, aber streng­ge­nom­men auch nicht ver­bo­ten. Noch befand man sich in juris­ti­schem Niemandsland.

Als aber Octa­vi­us nicht wei­chen woll­te, ließ Grac­chus ihn durch einen sei­ner Amts­die­ner von der Red­ner­tri­bü­ne zer­ren. Sei­ne auf­ge­brach­ten Anhän­ger hat­te er aber jetzt nicht mehr im Griff. Sie stürm­ten auf Octa­vi­us zu, schlu­gen einem sei­ner Skla­ven ein Auge aus und hät­ten den gera­de auf zwei­fel­haf­te Wei­se sei­nes Amtes Ent­ho­be­nen gelyncht, wenn die anwe­sen­den Sena­to­ren mit ihrem Anhang ihn nicht hand­fest ver­tei­digt hätten.

Dem her­bei­ei­len­den Grac­chus gelang es, den Tumult zu beru­hi­gen, das Acker­ge­setz konn­te ver­ab­schie­det wer­den, und bald nahm auch die Kom­mis­si­on zur Land­ver­tei­lung ihre Arbeit auf. Doch Tibe­ri­us Grac­chus hat­te sich eine ent­setz­li­che Blö­ße gege­ben. Sei­ne Leu­te hat­ten sich an der Sacro­sanc­t­i­tas, der von alters her gehei­lig­ten Unan­tast­bar­keit der Volks­tri­bu­nen, ver­grif­fen. Noch schütz­te ihn sei­ne Amts­im­mu­ni­tät vor Straf­ver­fol­gung, doch unzwei­fel­haft wür­den ihn sei­ne Geg­ner nach Ablauf sei­nes Amts­jah­res vor Gericht zer­ren – mit einer Geschwo­re­nen­bank voll der­je­ni­gen, die durch sein Gesetz ärmer gewor­den waren – und in die Ver­ban­nung schi­cken las­sen. Er brauch­te eine zwei­te Amts­zeit und bewarb sich um das Tri­bu­nat des fol­gen­den Jah­res. Das war der nicht mehr abweis­ba­re Ver­fas­sungs­bruch. Es reich­te. Als der amtie­ren­de Kon­sul noch zöger­te, ein­zu­schrei­ten, stürm­ten die Sena­to­ren, den Pon­ti­fex maxi­mus an der Spit­ze, aus dem Senat, sam­mel­ten ihre Kli­en­ten und schlu­gen Tibe­ri­us Grac­chus mit angeb­lich drei­hun­dert sei­ner Anhän­ger tot.

„Seit dem Sturz der Königs­herr­schaft soll das in Rom der ers­te Auf­stand gewe­sen sein, der durch Bür­ger­mord und Bür­ger­blut ent­schie­den wur­de“, schrieb Plut­arch über das Ende des Man­nes, der als Refor­mer ange­tre­ten war, zum Auf­rüh­rer wur­de, weil er sich am Sys­tem ver­rannt hat­te, und als Staats­feind tot­ge­schla­gen wur­de, weil er sei­ne Anhän­ger nicht im Griff hat­te. Es blieb aber kei­nes­wegs der letzte.

Gai­us Grac­chus, der zehn Jah­re nach ihm das Reform­werk wie­der auf­nahm, scheint aus dem Ver­häng­nis sei­nes Bru­ders gelernt zu haben. Jeden­falls berich­ten unse­re Quel­len uns nichts dar­über, daß er ein­mal zu ähn­lich rabia­ten Maß­nah­men gegrif­fen hät­te wie sein Bru­der. Zunächst gelang es ihm auch so, sich durch­zu­set­zen. Sei­ne Geset­ze pas­sier­ten die Volks­ver­samm­lung, und er erhielt sogar gegen alles Her­kom­men ein zwei­tes Tri­bu­nat. Um jedoch aus den Volks­ver­samm­lun­gen eine dau­er­haf­te Macht neben und gegen die Senatso­lig­ar­chie zu machen, hät­te er ihnen einen bestän­di­gen Vor­stand geben, das heißt: das Tri­bu­nat auf län­ge­re Zeit beset­zen müs­sen. Doch ein drit­tes Mal gelang es ihm nicht mehr, die Kon­ven­ti­on zu bre­chen. Sei­ne Geg­ner gewan­nen wie­der an Ein­fluß, und wäh­rend er in Amts­din­gen auf Rei­sen war, wur­den sei­ne Refor­men stück­wei­se zurück­ge­nom­men. Erst jetzt, als sein Stern bereits am Sin­ken war, geschah es, daß einer sei­ner Anhän­ger einen Skla­ven oder Frei­ge­las­se­nen des Kon­suls Luci­us Opi­mi­us erdolchte.

Das war der Anlaß, ihn zu besei­ti­gen. Dies­mal begnüg­te sich die Olig­ar­chie nicht mehr mit den Toten einer Stra­ßen­schlacht. Nach­dem sie Gai­us Grac­chus mit zahl­rei­chen sei­ner Anhän­ger im Stra­ßen­kampf getö­tet hat­te, feg­te unter der Lei­tung des Opi­mi­us eine Wel­le von Säu­be­rungs­pro­zes­sen durch Rom. Plut­arch bezif­fert die Opfer­zahl die­ser Jus­tiz­mor­de mit drei­tau­send. Auch wenn das wahr­schein­lich zu hoch ist: die Popu­la­ren wur­den wei­test­ge­hend zerschlagen.

Bei­de Grac­chen waren mit ihrem Ver­such geschei­tert, das schwer­fäl­li­ge, von Inter­es­sen­grup­pen besetz­te und prin­zi­pi­ell auf den Erhalt des Sta­tus quo aus­ge­rich­te­te Sys­tem ohne Gewalt zu refor­mie­ren, wenn auch aus unter­schied­li­chen Grün­den. Zwei Jahr­zehn­te spä­ter beschlos­sen daher zwei ande­re Män­ner, aufs Gan­ze zu gehen, Luci­us Appu­lei­us Saturn­i­nus und Gai­us Ser­vi­li­us Glau­cia. Inzwi­schen hat­te sich in Rom die Lage in einer Hin­sicht ent­schei­dend verändert.

Inner­halb des Pome­ri­ums, der hei­li­gen Stadt­gren­ze, waren kei­ne regu­lä­ren Trup­pen erlaubt, es gab nicht ein­mal so etwas wie eine gewöhn­li­che Poli­zei. Außer daß dies den repu­bli­ka­ni­schen Respekt vor dem Gemein­we­sen auf beson­ders hei­li­ge Wei­se zum Aus­druck brach­te, hat­te dies für die Nobi­li­tät auch den ange­neh­men Neben­ef­fekt, daß sie als Stand, nicht als ein­zel­ne, mit ihren Kli­en­ten, Frei­ge­las­se­nen und Skla­ven im Zwei­fels­fal­le über das Gewalt­mo­no­pol ver­füg­te. Dies änder­te sich, als nach den Krie­gen gegen Jugur­t­ha und gegen die Kim­bern und Teu­to­nen die Stadt mit den ent­las­se­nen Vete­ra­nen des Mari­us über­quoll, die auf ihre Ver­sor­gung war­te­ten. Das hieß, es muß­ten Land ver­teilt und Kolo­nien gegrün­det wer­den. Nur fand der Senat sich dazu wenig geneigt.

Saturn­i­nus und Glau­cia boten dem poli­tisch wenig geschick­ten Mari­us an, die Ansprü­che sei­ner Vete­ra­nen durch­zu­set­zen. Als ein ent­spre­chen­des Gesetz ver­ab­schie­det wer­den soll­te, mein­ten die Geg­ner des Antra­ges auf ein­mal, Don­ner gehört zu haben. Offen­sicht­lich woll­te Jupi­ter an die­sem Tag kei­ne wei­te­re Abstim­mung mehr. Saturn­i­nus kehr­te sich nicht dar­an. „Paßt auf, daß auf den Don­ner nicht noch Hagel folgt.“ Nach erbit­ter­ten Stra­ßen­kämp­fen, nicht nur mit den Knüp­pel­gar­den der Nobi­li­tät, son­dern pikan­ter­wei­se auch mit der städ­ti­schen Plebs, die wenig für die Belan­ge der mehr­heit­lich aus dem länd­li­chen Raum stam­men­den Sol­da­ten übrig­hat­te, wur­de das Forum regel­recht erobert und ein Gesetz zur Ansied­lung der Vete­ra­nen verabschiedet.

Nur: Wie soll­te man, wenn die Schlä­ger­ban­den ein­mal nach Hau­se gegan­gen waren, die­sem Gesetz noch Gel­tung ver­schaf­fen? Saturn­i­nus glaub­te, die Lösung gefun­den zu haben. Er füg­te sei­nem Gesetz eine Klau­sel hin­zu, nach der es jeder Magis­trat und jeder Sena­tor per­sön­lich zu beei­den hat­te. Ande­ren­falls muß­te er in die Ver­ban­nung gehen. Unter der Dro­hung der Stra­ße beriet der Senat. Die­se For­de­rung war ein Schlag ins Gesicht, ein uner­hör­ter Gesichts­ver­lust der gan­zen Nobi­li­tät und ein brand­ge­fähr­li­cher Prä­ze­denz­fall. Doch als es dar­auf ankam, ent­schied sich nur ein ein­zi­ger Mann, Quin­tus Cae­ci­li­us Metel­lus, für die Verbannung.

Indem sie die Gewalt zum äußers­ten Punkt gestei­gert hat­ten, der vor dem Bür­ger­krieg noch blieb, schie­nen Saturn­i­nus und Glau­cia alles gewon­nen zu haben. Doch in Wirk­lich­keit hat­ten sie ihr Blatt über­reizt. Denn Mari­us, des­sen Vete­ra­nen sie doch die Herr­schaft über die Stra­ße ver­dank­ten, war durch die­sen Streich zutiefst bla­miert wor­den. Als amtie­ren­der Kon­sul konn­te er eine sol­che Demü­ti­gung des Sena­tes nicht dul­den und hat­te auch zuerst ver­si­chert, den Eid zu ver­wei­gern. Als er dann den­noch schwor, um sei­ne Vete­ra­nen nicht vor den Kopf zu sto­ßen, riß er zwar den Wider­stand des Sena­tes um, doch hat­te er sich vor der gan­zen Stadt lächer­lich gemacht.

Fern davon, eine Ent­schei­dung gebracht zu haben, hat­ten Stra­ßen­schlach­ten und der erzwun­ge­ne Eid den Kon­flikt nur wei­ter zuge­spitzt. Die nächs­te Eska­la­ti­on kam schnell. Glau­cia woll­te für das Kon­su­lat des Jah­res 99 v. Chr. kan­di­die­ren, obwohl er im Jahr 100 noch die Prä­tur beklei­de­te. Dem Her­kom­men nach konn­te man nicht für ein Amt kan­di­die­ren, solan­ge man noch ein ande­res besetz­te. Mari­us, der als amtie­ren­der Kon­sul die Wah­len lei­te­te, ver­wei­ger­te Glau­cia die Kan­di­da­tur. Bald dar­auf erschlu­gen die Schlä­ger­ban­den der bei­den einen ande­ren Kon­su­lats­be­wer­ber. Die Situa­ti­on geriet außer Kon­trol­le. Saturn­i­nus und Glau­cia ver­bar­ri­ka­dier­ten sich mit ihren Anhän­gern auf dem Kapi­tol. Der Senat erklär­te den Not­stand und beauf­trag­te ihren ehe­ma­li­gen Ver­bün­de­ten Mari­us damit, den Auf­stand nie­der­zu­schla­gen. Der Feld­herr gehorch­te, und mit ihm sei­ne Vete­ra­nen. Mari­us ver­such­te zwar noch, das Leben der Auf­rüh­rer zu scho­nen, doch eine wüten­de Hor­de von Sena­to­ren und Rit­tern klet­ter­te auf das Gebäu­de, in dem sie gefan­gen­ge­hal­ten wur­den, ris­sen die Zie­gel aus dem Dach­stuhl und stei­nig­ten sie.

Weder der Weg der Grac­chen noch der des Saturn­i­nus und des Glau­cia hat­te sich als gang­bar erwie­sen, um in der unter­ge­hen­den Repu­blik auch nur eini­ge Refor­men durch­zu­set­zen, geschwei­ge denn den Staat auf neue, fes­te­re Grund­la­gen zu stel­len. Wer auf Gewalt ver­zich­ten woll­te, rann­te sich an die­sem Sys­tem tot, wer zu ihr griff, wur­de nie­der­ge­schla­gen. In den Jah­ren nach dem Tod des Saturn­i­nus und des Glau­cia wur­de Rom von den schwers­ten Erschüt­te­run­gen seit dem Puni­schen Krieg heim­ge­sucht. Der Bun­des­ge­nos­sen­krieg, der Ter­ror Cinnas und die Proskrip­tio­nen Sul­las feg­ten über die Repu­blik hin­weg, ohne eine Lösung für die tief­grei­fen­de Sys­tem­kri­se her­bei­zu­füh­ren. Hier noch Refor­men durch­zu­peit­schen, ohne die Lage sofort eska­lie­ren zu las­sen, das gelang erst einem grö­ße­ren: Juli­us Caesar.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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Kommentare (9)

Tweed

2. Mai 2017 12:47

Sie bringen eine nur scheinbar überflüssige Zusammenfassung eines bekannten historischen Konflikts, die Sie durch die bloße Erwähnung des mit seiner Lösung verbundenen Namens überraschend in eine - im heutigen Kontext - brisante und nachdenkenswerte Gesamtaussage verwandeln. Danke. Brillante Textdramaturgie.

Maiordomus

2. Mai 2017 14:08

Wer die Römische Geschichte nicht kennt, und nennt er sich Politologe, hat keine Ahnung von Politik. Siehe Machiavelli, Hobbes, Mirabeau, Edmund Burke, Carl Schmitt. Bei den Debatten im britischen Parlament zur Zeit der Französischen Revolution wimmelt es von Beispielen aus der Römischen Geschichte. Auch in der Schweiz und in Deutschland um 1848 war dies eine wegleitende Perspektive für die besten Politiker. Das Bildungsniveau der Spitzenpolitiker ist seither massiv zurückgegangen.

Der_Jürgen

2. Mai 2017 16:08

@Maiordomus

Ich habe  am Humanistischen Gymnasium eine klassische Schulausbildung genossen, auf die ich gerne zurückblicke; vieles von dem damals Gelernten ist mir im Gedächtns geblieben.  Ich kann Ihrer Aussage, um kompetent über Politik reden zu können, müsse man zumindest einige Kenntnisse der Römischen Geschichte besitzen, nur zustimmen.

"Das  Bildungsniveau der heutigen Spitzenpolitiker ist massiv zurückgegangen", schreiben Sie. Für diesen feinen Humor verdienen Sie einen Orden wider den tierischen Ernst... Fragen Sie die Claudia Roth mal, wer Tiberius war. Sie wird ihn vermutlich für den Leiter einer Sektion der grünen Jugend halten.

Irgendwann in den neunziger Jahren wurden in der BRD Passanten gefragt, welche Seite schuld am deutsch-ungarischen Krieg von 1836 gewesen sei. Die Mehrheit gab den Deutschen die Schuld daran. Das Einzige, was sie im Geschichtsunterricht gelernt hatten, war, dass immer die Deutschen schuld sind. Sogar an einem deutsch-ungarischen Krieg in einem Jahr, in dem es weder einen einheitlichen deutschen noch einen selbständigen ungarischen Staat gab.

Alle Rekorde schlägt die historische Ignoranz in den USA. Die schwarze Politikerin Maxime Waters, seit Jahrzehnten Kongressabgeordnete, fiel Anfang Jahr weltweit auf, als sie Putin der Invasion Koreas beschuldigte. Bald darauf rief ein russischer Prankster sie an. Er gab sich als den ukrainischen Premierminister Groissman aus und bat um Solidarität mit der Republik Limpopo, wo die Wahlen von Putin dreist manipuliert würden. Frau Waters verlieh ihrer Erschütterung über die russische Einmischung in die Angelegenheiten des souveränen Limpopo beredten Ausdruck.

Wolf

2. Mai 2017 18:00

Vorweg: Habe zwei Universtitätssudiengänge abgeschlossen und in einem promoviert, aber dennoch scheine ich zu denen zu gehören, deren "Bildungsniveau massiv zugückgegangen" zu sein scheint:  Denn ich verstehe nicht ,nachdem ich diesen ausführlichen Bericht gelesen habe, worum es dem Autor über die Detailschilderung  hinaus  geht, und was ich aus dem Ganzen für das Begreifen und Bewältigen der heutigen Zeit lernen kann.

Maiordomus

2. Mai 2017 18:53

@Wolf. Da müsste man tatsächlich ausholen. Lesen Sie einmal Machiavelli, den bis heute grössten Meister der Politik und nebst dem Fürsten auch die Discorsi über die Epoche von Titus Livius. Um es noch kurz zu fassen. Bei den Römern sehen Sie, allerdings auf zutiefst pessimistischer anthropologischer Grundlage, wie es modellhaft in der Politik zugeht, zumal auch unter republikanischen Bedingungen, unter monarchistischen zwar nicht besser.

Polybios

2. Mai 2017 20:26

Mir erschließt sich der Sinngehalt dieses Textes auch nicht ganz. Vor allem muss man bei den Ereignissen um Saturninus und Glaucia Vorsicht walten lassen, da die Hauptquelle Appian ist und Zuverlässigkeit kein herausragendes Kennzeichen dieses Autors ist.

Benno

2. Mai 2017 23:48

@ Wolf

Wiederholt sich Geschichte? Nun, wenn ein System nicht reformierbar ist, weder durch Reformen noch durch Gewalt, dann kommt am Ende halt ein Caesar (Kaiser) daher, der alle Macht im Staat an sich reisst. Letztlich hat Caesar aber keine Reformen durchgesetzt. Er hat die Agonie der Republik am Ende mit Gewalt beendet. Ich würde das nicht als Reformieren bezeichnen und schon gar nicht geschah dies durch eine Deeskalation, im Gegenteil. In diesem Punkt stimme ich dem Autor des Artikels nicht zu.

Maiordomus

3. Mai 2017 07:53

Das Entscheidene am Artikel von Poensgen liegt wohl im Akzent auf dem potentiellen Bürgerkrieg. Dieser Gesichtspunkt ist spätestens seit der Konservativen Revolution wohl auch in Deutschland ein Thema, wobei die Reduktion des Konfliktes auf den Bürgerkrieg um Faschismus und Kommunismus bei genauerem Hinsehen eine Verkürzung ist. So meinte es auch William S. Schlamm nicht, als er vor mehr als 40 Jahren sein Buch "Am Rande des Bürgerkriegs" veröffentlichte.

Schneekette

3. Mai 2017 20:13

Das Interessante an der jetzigen Situation ist, dass sie antidialektisch angelegt ist. Es geht um den wohl erfolgreichen Versuch, weder Caesar, noch Bürgerkrieg zuzulassen. Auf Ewigkeit. Kein Bürgerkrieg? Nein. Schauen Sie nach Brasilien. 

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