Sezession
8. Mai 2017

Die Grünen – eine Einordnung

Lutz Meyer / 25 Kommentare

Nicht wenige wünschen es einer Partei, die sich in gut vier Jahrzehnten zu einer Art oberster Moralinstanz aufgeschwungen hat und die spätestens seit 1998 doch nichts anderes geleistet hat, als ihre ursprünglichen Ideale und Ziele im Rekordzeit zugunsten einer Teilhabe an der Macht zu verraten.

Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

  • Sezession

Doch ganz gleich, ob sie künftig knapp oberhalb oder knapp unterhalb der Fünfprozenthürde verbleiben werden – der Bedeutungsverlust der Grünen als Partei sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß grünes Denken längst auf breitester Front präsent ist:

  • Grün gedacht wird dort, wo man Natur- und Umweltschutz verwechselt. Nicht alles, was einer technokratisch überformten Umwelt nützt, ist auch gut für die Natur. Die grüne Energiewende etwa trägt in erschreckendem Maße zu Artenvernichtung und Landschaftszerstörung bei. Das aber ist gleichgültig, solange es nur gegen die fossilen Energieträger und die atomare Energieerzeugung geht. Die Moral entscheidet – und stößt sich folglich auch nicht daran, daß sich mit grüner Energiepolitik vor allem viel Geld verdienen läßt.
  • Grün gedacht wird dort, wo man das Fremde grundsätzlich dem Eigenen vorzieht. Das ist ursprünglich kein linkes Denken, sondern dezidiert grünes Denken – es war vor allem grüne Prominenz, die immer wieder ein Verschwinden Deutschlands herbeisehnte und die jeden Ausländer anflehte, man möge sie mit den Deutschen nicht alleinlassen. Urlaub bitte nur im Ausland – und nur dort, wo die Geisteshaltung stimmt.
  • Grün gedacht wird dort, wo eine kritische Distanz zum Eigenen (insbesondere zur Geschichte) in pathologischen Selbsthaß umschlägt und das Eigene den Fremden zum Fraß hingeworfen wird – mit einer Geste des Ekels.
  • Grün gedacht wird dort, wo man glaubt, daß die herkömmliche Auffassung von Frau und Mann als notwendig unveränderbaren Größen nichts sei als ein soziales Konstrukt, daß die Zahl der Geschlechter größer als zwei und werdendes menschliches Leben nur ein Zellhaufen sei, mit dem man nach Belieben verfahren könne. Was ursprünglich als Sexualisierung der Gesellschaft das Individuum von Zwängen befreien sollte, legt dieses längst in neue Fesseln und Ketten und in ihm den Keim zur Selbstzerstörung.
  • Grün gedacht wird dort, wo gegensätzliche Meinungen mit geradezu sektiererhaftem Eifer verfolgt werden – diese Hysterie und dieser Haß auf vom eigenen Empfinden und Meinen Abweichendes ist nicht spezifisch links, sondern grün. Dort, wo der Linke oft noch den Diskurs zuließ, setzt der Grüne das moralische Argument. Damit haben die Grünen intellektuell auch die ihnen folgende klassische Linke ins Verderben gezogen – das Irrationale obsiegt im Kampf gegen ein vermeintlich Böses.
  • Grün gedacht wird dort, wo man glaubt, daß Regulierung, Steuerung und Erziehung den neuen, den guten Menschen schaffen werden. Das grüne Menschenbild ist ein technokratisches und steht im Zeichen eines übersteigerten Machbarkeitswahns – hier gibt es in der Tat eine enge Verwandtschaft zum linken Denken. Das Besondere des grünen Umerziehungsansatzes ist aber, daß er sich wieder mit der Vorstellung einer überlegenen Moral verbindet. Die klassische Linke neigte immer dazu, brutal und offen das Machtargument auszuspielen. Der Grüne hingegen muß auch hier die Kraft des Guten heraufbeschwören. Nirgendwo gibt es weniger anthropologisches Faktenwissen als hier.

Die Liste ließe sich fortsetzen – was im Sinne einer Anregung auch Zweck dieser Übung ist.

Wo auch immer die Grünen als Partei künftig bleiben werden – ihr Geist wird noch lange unter uns sein.


Lutz Meyer

Lutz Meyer kommt aus der linksanarchistischen Szene, seine Themen findet er auf der Straße.

  • Sezession

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Bitte überweisen Sie auf das Konto:

Verein für Staatspolitik e.V.
IBAN: DE86 5185 0079 0027 1669 62
BIC: HELADEF1FRI

Oder nutzen Sie paypal:

Kommentare (25)

Der_Jürgen
8. Mai 2017 11:38

In diesem kurzen Beitrag von Lutz Meyer steht an und für sich nichts, was nicht jeder von uns schon längst wüsste. Dennoch ist er sehr nützlich, weil er Wichtiges, sehr Wichtiges, prägnant und gut formuliert zusammenfasst.

Einen kurzen Augenblick schien es, als werde die Grüne Partei Deutschland Gutes bringen. Zu ihren Gründern  zählte der ehemalige CDU-Abgeordnete Herbert Gruhl, dessen Buch "Ein Planet wird geplündert" ich damals mit grosser Zustimmung las. Gruhl und seinen Mitstreitern ging es wirklich um den Schutz von Natur und Umwelt. Doch alsbald stürzten sich Linksradikale und Perverse wie die Aasgeier auf die junge Partei, um sich ihrer zu bemächtigen, mit dem Ergebnis, das Gruhl schon bald austrat. Er gründete mit anderen Enttäuschten noch eine Ökologisch-Demokratische (oder Demokratisch-Ökologische) Partei, die indes nie auf einen grünen Zweig kam.

Immerhin, auch die neue Führung der Grünen vertrat noch eine Zeitlang antiimperalistische Politik und war z. B. gegen die Stationierung neuer US-Raketen in Deutschland. Unter Joschka Fischer, einer der finstersten Gestalten in der an Dunkelmännern nicht  armen Geschichte der BRD, wurde die Partei dann zum treuen Steigbügelhalter der US-Okkupanten. Den Bombenkrieg gegen Jugoslawien, begründet mit einem erfundenen  serbischen Massaker an albanischen Zivilisten in einem Dorf namens Racak, trugen Fischer und Konsorten eifrig mit und rechtfertigten ihn ausser mit Racak noch mit "Auschwitz".

So flink wie seine Weltanschauung wechselt Herr Fischer auch seine Ehefrauen; von diesen hatte er bisher fünf. Immerhin, diese Zahl ist seit Jahren stabil. Vermutlich wird er wegen dieser vorbildlichen ehelichen Treue schon bald heiliggesprochen. Im Vatikan huldigt man ja längst derselben Ideologie wie er.

Ob die Grünen in NRW ins Parlament einziehen, ist mir egal. Die anderen Parteien vertreten ja, wie Meyer richtig festhält, eine leicht abgemilderte Variante der elben verbrecherischen Politik. Ohnehin ändern alle Wahlzirkusse nicht mehr viel an der Entwicklung in Deutschland.

Der Starost
8. Mai 2017 11:41

Am kommenden Wochenende in NRW wohl noch nicht, aber im September "raus aus dem Bundestag" wäre schon schön und scheint mir auch realistisch.  

Monika L.
8. Mai 2017 11:41

Die grüne Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. frei nach Karl Murx....... Das ist zu viel der Liebesmüh' , Herr Meyer ! Man sollte die Grünen nicht einordnen, sondern aussortieren .

Starhemberg
8. Mai 2017 12:38

Hervorragend zusammengefasst - der Ungeist der Grünen wabert nach wie vor in vielen Köpfen. Und - so ist meines Erachtens leider die Wahrheit - grün gedacht wird vor allem in weiblichen Gehirnen.

Der Gehenkte
8. Mai 2017 12:48

@ Monika

"Man sollte die Grünen nicht einordnen, sondern aussortieren."

Nein, ich sehe das ganz anders. Die Grünen sind im Wesensgrund Brüder im Geiste, der "ökologische Gedanke" ist ursächlich konservativ. Jeder kennt hier Ludwig Klages' Manifest "Mensch und Erde" oder sollte es zumindest kennen. Der Quellfluß der Grünen ist auch unserer. Herbert Gruhl steht in der Neuzeit am Anfang und mit Rudolf Bahro wurde das konservative Konzept am radikalsten ausgebaut. Bahro war Marxist - das zeigt, daß in der "Umwelt"-Frage die ideologischen Begriffe nicht greifen. Das ist das Gebiet - langfristig vielleicht das einzige - auf dem wir gewinnen können. "Die Logik der Rettung" ist eines der bedeutendsten theoretischen Werke der letzten Jahrzehnte, auch wenn die Lösung utopisch im Sinne der Nichtmachbarkeit war. Aber wir sollten auch den heideggerschen und jüngerschen Impuls nicht vergessen. Heideggers Spätphilosophie ist durch und durch "grün" und Friedrich Georg Jünger hat mit "Die Perfektion der Technik" Grundlegendes und noch immer Gültiges geschrieben. Die Ökopolitik muß wieder Technik-, ja Systemkritik werden und muß weg vom eindimensionalen Symptombekämpfungsgedanke á la Mülltrennung. Bahro versuchte die Zwiebel zu schälen und kam über den "Exterminismus", die "Megamaschine", die "Kapitaldynamik", die "Europäische Kosmologie", das "Patriarchat" letztlich zur "conditio humana" - dort müsse angesetzt werden. Tatsächlich agieren die Grünen heute nur an der ersten Schale und unsere tiefsten Denker kommen meist nur bis zum Industriesystem oder der Kapitaldynamik. Lediglich Sloterdijk wagt sich in seinen "Sphären" (die auch wie eine Zwiebel organisiert sind) in luziden Momenten und nur im Andeutungsgestus an den inneren Kern ("Zur-Welt-Kommen") oder in die große Perspektive (Globalisierung als in der Antike einsetzender Prozeß). Vergessen wir auch Sieferle nicht, der genau aus dieser Ecke kam (ich empfehle :"Fortschrittsfeinde") und über den Naturschutzgedanken konservativ wurde - die "Migrationsproblem"analyse steht am logischen Ende dieser Aufmerksamkeit und nicht zufällig kommt er auch dort auf die katastrophale Ökobilanz der Masseneinwanderung zu sprechen. ... Nein, wir müssen um die wirklichen Grünen kämpfen! Das Problem der Grünen ist, daß sie keine Grünen mehr sind, sondern linke Apparatschiks und das ist partiell ein vorgegebener Prozeß, den jede Partei im System durchmachen wird - das wird auch der AfD nicht erspart bleiben.

Der Gehenkte
8. Mai 2017 13:53

Zur Ergänzung: Gerade in den 80/90erngab es eine ganze Reihe an wichtigen Autoren im grünen Bereich, die meist auch konservativ dachten:

Klaus Michael Meyer-Abich: Aufstand für die Natur. Von der Umwelt zur Mitwelt./ Praktische Naturphilosophie für die Umweltpolitik.

Vittorio Hösle: Philosophie der ökologischen Krise.

Gernot Böhme: Die Natur vor uns. Naturphilosophie in pragmatischer Hinsicht./Feuer,Wasser,Erde,Luft

Birnbacher: Ökophilosophie

Hans-Martin Schönherr: Die Technik und die Schwäche

Walter Falk: Die Ordnung in der Geschichte. Eine alternative Deutung des Fortschritts.

Carl Friedrich Weizsäcker: Die Einheit der Natur u.a.

Eibl-Eibesfeldt, Zimmerli, Lorenz, Fromm, Dürr ...

Usw.

Wiederzuentdecken ist auch Gustav Theodor Fechner, dessen „Zend Avesta“ eine frühe holistsiche Schrift ist und die Ken Wilbers „Integrale Theorie“ oder James Lovelocks „Gaia“-Hypothese vorwegnimmt. Das ist eine überreiche Fundgrube – die darf man nicht mit den real-existierenden Grünen zuschütten und ihnen auch nicht überlassen! Andererseits sieht man an dieser Liste auch die intellektuelle Schrumpfung.

Das Relikt
8. Mai 2017 14:05

Die Grünen sind das Verfallsprodukt des bürgerlichen Konservativismus, gewissermaßen seine Schwarze Messe oder sein Todesfurz. Mit dem Verschwinden des Bürgertums verschwinden sie auch, auch ganz banal demographisch. Es ist erbärmlich, dass eine Klasse, die Menschen wie Goethe, Nietzsche und Benn hervorgrebracht hat, so endet, aber alles was lange lebt, endet eklig. Wer Leichen kennt, weiß das.

Dass grüne Ideologie überall zu sitzen scheint, ist weniger Ausdruck einer Stärke oder eines Sieges, sondern Folge des Trägheitseffektes in der Politik. Man hat sich daran gewöhnt grün zu sein und die Mehrheit interessiert Politik so oder so nicht. Es dauert eben etwas bis die Leiche zersetzt ist.

Mir fällt kein Fall ein, bei dem sich grüne Ideologie im Konflikt mit dem Islam oder einfach nur fremden Ethnozentrismus durchgesetzt hätte. Das spricht für die Nicht-Herrschaft dieses Geistes.

Was das echte "Grüne" angeht, den Ökologismus, bin ich ernüchtert. Die Vorstellung, dass 8 Milliarden Schimpansen, eine Ökosphäre in ein Gleichgewicht bringen, die von Natur aus nicht im Gleichgewicht ist, weil diesses eben eine New-Age-Fiktion ist, und das noch gegen ihren eigenen Impact ist absurd.

Albrecht
8. Mai 2017 15:27

@ Der Gehenkte:

...Wiederzuentdecken ist auch Gustav Theodor Fechner, dessen „Zend Avesta“ eine frühe holistsiche Schrift ist und die Ken Wilbers „Integrale Theorie“ oder James Lovelocks „Gaia“-Hypothese vorwegnimmt...

Apropos Ken Wilber. Er kritisiert schon seit Jahrzehnten die Postmoderne. Hier seine integrale Analyse zum Erfolg von Trump (als eine Art evolutionäre Selbstkorrektur der führenden kollektiven Bewusstseinsstufen (grünes "Mem")):

https://integrallife.com/trump-post-truth-world/

Caroline Sommerfeld
8. Mai 2017 15:32

Der "Ökologismus" wurde auf der vorletzten Akademie in Schnellroda von Götz Kubitschek ergänzend zum Manuskript von Thomas Hoofs "Zeit für pragmatische Reaktionäre" als Produkt der Generation der Baby-Boomer beschrieben, als "Boomeritis". Dahin gehören auch globalistische Öko-Szenarien von "Smart Cities mit Photovoltaik und Veganismus". Aber: "Die Wahrheit schlägt in den nächsten 20 Jahren von dieser Seite ein!" - denn diese Blase ist reine konstruktivistische Welterlösungs/beherrschungs-Ideologie.

Ich erzählte mal beim IB-Stammtisch jemandem meine politische Biographie, und behauptete, "grün" sei 1979 nicht "links" gewesen, es habe vielmehr auch "konservative Rechtsgrüne" gegeben - ein Zuhörer war ganz entzückt von dieser Beschreibung, paßte doch in sein Bild von "den Grünen" so etwas nun gar nicht hinein.

Doch es stimmt, was @der Gehenkte ausgeführt hat: zwischen dem Bericht des "Club of Rome" und "Ein Planet wird geplündert" und Hans Paaschens "Reise des Forschungsreisenden Lukanga Mukara ins Innerstes Deutschlands" (Bücherregal Sommerfeld) entstand eine ideologische Gemengelage, die von den K-Gruppen ganz, ganz weit entfernt war. Zwischen Baldur Springmann und anthroposophischen Hofläden war eine Art Öko-Konservativismus möglich, der mit den heutigen Grünen kaum etwas gemein hatte.

Monika L.
8. Mai 2017 15:33

@Der Gehenkte

Ich liebe die Natur. Und habe Ehrfurcht vor der Schöpfung. Sie zu bewahren, das ist  ein großes Thema. . Aber: ich brauche dazu keinen ideologischen Überbau von Mülltrennern und Froschrettern à la :

https://gott-lebt.de/die-muellsortierende-gesellschaft/

Kreischen, wenn Hähnchen geschreddert werden, aber nicht aufschreien, wenn ungeborenes Leben getötet wird: Da sehe ich ein Missverhältnis.

deutscheridentitärer
8. Mai 2017 18:18

Mülltrennung ist aber schon auch wichtig.

Dieter Rose
8. Mai 2017 19:07

@Monika L.

nicht von mir und sicher vielen hier nicht unbekannt, aber vielleicht gut für's Archiv: "Ihre Sprache lassen sie verkommen. Ihre Jugend lassen sie verkommen. Ihre Kultur lassen sie verkommen. Ihre Sitten lassen sie verkommen. Ihr Land lassen sie verkommen. Ihr Volk lassen sie verkommen. Ihre ungeborenen Kinder schmeißen sie in den Abfall.Nur ihren Müll sortieren sie fein."

Maiordomus
8. Mai 2017 19:56

@Monika. Mit Ihnen hatte ich schon immer die bedeutendste Schnittmenge, ja, Ihr letzter Satz mit Kreischen aber nicht Aufschreien ist ein Volltreffer. Dass es ein rechtsgrünes Denken gibt, ist eine Banalität, abgesehen davon, dass der Nationalsozialismus hochmoralistische "grüne" Elemente hatte, zumal im Gedanken der biologischen Reinigung. Jenseits von grühgrünem Sektierertum, das zwar mit den heutigen Grünen fast nur den Moralismus gemeinsam hatte, gab es noch die einigermassen achtenswerte und nicht unkluge Abhandlung von Hermann Göring über den Tierschutz von 1934. Insgesamt geht es aber bei der modernen grünen Ideologie um eine pervertierte Gesinnungsethik, bis hin zur veganen Ernährung der Hauskatze.  Hier erlaube ich mir aber eine Metapher, bezogen auf das längerfristige Schicksal dieser grünen Ideologie und vielleicht sogar von deren Anhängern: Man kann, mit Beimengung von synthetischem Ergänzungsfutter, die karnivore Katze vegan ernähren; sollte aber der Katzenbesitzer in seiner verschlossenen Wohnung sterben, wird die Katze, statt zu verhungern, die Leiche zu fressen beginnen, in dieser Hinsicht versteht sie - ob vegan oder nicht - weniger Spass als der Hund, der in der Regel seinen Herrn nicht auffrisst. Wie auch immer: die vegan gehaltene Katze wird eines Tages zurückschlagen!

Utz
8. Mai 2017 20:02

Wie andere auch hier denke ich, der grüne Gedanke ist im Kern konservativ. Dennoch gehören die Grünen als Partei auf den Müllhaufen der Geschichte. Als Partei haben die Grünen nie ihr ureigenstes Subjekt in ausreichender Tiefe durchdrungen, so daß sie eine über das Tagesgeschäft hinausreichende Vision hätten entwickeln können.

Nachdem ihnen dann die großen Parteien das Wasser abgegraben haben, indem sie einige besonders griffige Themen an sich gerissen haben, fiel den Grünen nicht mehr besonders viel ein und sie haben sich einfach dort betätigt, wo sie vermuteten, ihre Haltung des Kämpfens gegen alles was im entferntesten als reaktionör einzustufen war, am besten ausleben zu können. Nahezu jede Rede im Bundestag zeugt davon, daß ihnen diese Haltung des Kämpferisch-sein-könnens dabei wichtiger ist als jeder Inhalt. Was für ein Segen, daß man dann plötzlich für Flüchtlinge kämpfen konnte. Pech nur, daß das nicht zur Profilierung taugte, da jede andere Partei im Bundestag dasselbe tat. Und wie schon andere bemerkt haben: plötzlich waren alle grünen Ideale Nebensache. Hätte jemand vorgeschlagen, die "Flüchtlinge" mit dem Flugzeug abzuholen, wären die Grünen die ersten gewesen, die zugestimmt hätten.

Rechte, die mit Sorgen auf den wirklich hirnlosen Umgang mit Ressourcen schauen, sind ziemlich heimatlos. Schien es zunächst so, als wäre die ÖPD von Gruhl eine konservative grüne Partei, stellte sich spätestens mit der Flüchtlingskrise heraus, daß diese Partei ebenfalls weder Überblick noch Rückgrat hat, um eine Position außerhalb des Mainstreams zu besetzen. 

Was bei grünen Themen bleibt, sind Bruchstücke von guten Ansätzen, die man mal hier mal dort findet. Man wird dann bescheiden, und ist schon froh, daß es mit Slavoj Zizek,  Franz Josef Radermacher, Bruno Kern, Paul Mattick, Niko Paech und anderen, Menschen gibt, die klar die Irrtümer aufdecken, mit denen die Lindgrünen nach dem Motto "wenn wir erst ... , wird alles gut, und wir können weiterleben, wie bisher", versuchen schnell mal ihr Gewissen zu beruhigen.

Füchsle
8. Mai 2017 20:05

@Der Gehenkte

auch wenn die grünen Ideologen "Kinder des Asphalts" sind muss Ökologie für uns ein Thema sein.  Mir fällt als agrarrechtlich tätiger Besucher von Landwirtschaftsausstellungen immer auf, daß sich dort fast ausschließlich die jeweilige "autothochtone" Bevölkerung einfindet und zwar nicht nur agrarindustriell interessiertes Fachpublikum. Das gilt für die größte Ausstellung zur Schafzucht "Sheep" oder unzählige Country-Shows in Großbritannien, den jährlich stattfindenden "Salon d`Agriculture" mit einer erstaunlichen  Vielfalt präsentierter Nutztierrassen in Paris(!) aber auch hierzulande  für das "Zentrale Landwirtschaftsfest" und das "Landwirtschaftliche Hauptfest" in München und Stuttgart sowie für Schäfertage, Hengstparaden und dergleichen . Es scheint hier doch eine tiefere Bindung zum "Heimatboden"zu bestehen. (Siehe dazu das gleichnamige durch die Bank lesenwerte Heft 56 der Sezession - dort habe ich in einem Aufsatz von Th.Hoof (leider) erstmals den Namen "Sieferle" gelesen.

 Davon ausgehend sollten wir uns auch intensiv mit den Gedanken von Michael Beleites (Land-Wende) beschäftigen.

Der_Jürgen
8. Mai 2017 20:46

 @Utz 

Danke für Ihren Hinweis auf die Ökologisch-Demokratische Partei, die ich in meiner ersten Wortmeldung erwähnte, von der ich aber nicht wusste, dass es sie noch gibt. Ich habe eben ihre Website besucht, zum ersten und bestimmt auch zum letzten Mal. Dass sie eine Rubrik in "leichter Sprache" hat (glauben diese Leute ernsthaft, irgendein Migrant aus Afghanistan oder Guinea werde diese Rubrik je lesen?) liess mich schon Grässliches ahnen, und als ich das Stichwort "Flüchtlinge" eingab, fand ich in der Tat nur das übliche dumme politisch korrekte Geschwätz.

Eine reine Umweltschutzpartei brauchen wir nicht; dies ist die Aufgabe von Vereinen. Eine politische Partei, die ernsthaft für Natur und Umwelt kämpfen will, muss ihre Stimme zuallererst für ihr eigenes Volk und dessen Existenzrecht erheben. Gewiss, der Teichfrosch ist sehr schützenswert, aber die weisse europäische Menschheit auch. Stirbt diese, wird es ohnehin niemanden mehr geben, der sich für den Teichfrosch einsetzt.

Maiordomus
8. Mai 2017 20:50

Das "frühgrüne", nicht "grühgrüne" Sektierertum, dass sich schon vor weit mehr als hundert Jahren in einer Lebensreformbewegung, zum Beispiel dann auf dem Monte Verita im Tessin manifestierte, wovon Hermann Hesse angetan war, zum Teil sogar im Nationalsozialismus virulent wurde, hatte mit der späteren grünen Bewegung den Moralismus gemeinsam, zumal im Gefühl, einen erleuchteten Lebensstil gefunden zu haben.

Lutz Meyer
8. Mai 2017 22:34

Wer sich für die konservativen Anfänge der grünen Bewegung in der BRD interssiert, sei auf die sehr detaillierte Studie von Silke Mende verwiesen: "Nicht rechts, nicht links, sondern vorn" - Eine Geschichte der Gründungsgrünen (München 2011). Daran kann man ermessen, in welcher sich immer noch beschleunigenden intellektuellen Abwärtsbewegung die Grünen von heute begriffen sind.

Ich halte es für eine wichtige Aufgabe, sich darüber Gedanken zu machen, welche ursprünglichen grünen Inhalte wir fortführen müssen (und vor den heutigen Grünen schützen sollten).

Monika L.
8. Mai 2017 22:48

Seit 1974 wurden in Deutschland rund 8 Millionen Kinder abgetrieben:

https://zeltmacher.eu/bisher-etwa-8-millionen-abtreibungen-deutschland/

Ich weiß zwar nicht, ob das die " richtige" Statistik ist ( ist DDR dabei ?) Egal. Also, seit der 68-er Bewegung wurde im Namen der Selbstverwirklichung der Frau so viel "Humankapital" beseitigt, wie die nächsten Jahre durch Masseneinwanderung wieder ergänzt wird. Das ist zwar nicht mit Ökobilanz gemeint. Zeigt aber das ganze Dilemma der linksliberalgrünen Ideologie. Und warum sollten die Neubürger irgendwelches Interesse an ökologischen Themen haben. Hipper Konsum ist angesagt. Man beachte dahingehend die Konsumwerbung. Seien es Wegwerfwindeln, Klamotten, Zigaretten usw. Die entsprechende Zielgruppe steht im Fokus. Und ob die syrische Hausfrau fein säuberlich den Müll trennt, wage ich zu bezweifeln. Stellt sich die Frage nach den ökologischen Fußabdruck der Einwanderer. Die wollen sicher auch nicht ewig Fahrrad oder Bus fahren...

Unter dem ökologischen Aspekt wird die Einwanderung von  den Grünen  nicht betrachtet. Das würde deren  Selbstverständnis grundlegend in  frage stellen .

Der_Jürgen
8. Mai 2017 22:53

@Lutz Meyer

Nicht zum ersten Mal haben Sie mit einem Beitrag den Anstoss zu einer sehr fruchtbaren Debatte gegeben,  die meines Erachtens auf hohem Niveau geführt wird. Sie tun Ihre Arbeit also nicht umsonst. Ich jedenfalls habe heute in meinen Arbeitspausen Neues und Nutzbringedes erfahren.

Zugezogener Hesse
9. Mai 2017 19:12

Wie leider so oft, komme ich erst kurz vor Kommentarschließung (warum schon nach zwei Tagen?) zum Lesen.

Und da schon viel Richtiges, aber auch teilweise Ergänzendes über den Artikel hinaus gesagt wurde, möchte ich vor allem "Der_Jürgen" von 20:53 zustimmen.

Die griffige Formulierung der Monika L. vom Missverhältnis bei geschredderten Hähnchen und geschredderten (wie werden die eigentlich wirklich "entsorgt"?) Föten könnte ich mir gut als Plakataktion vorstellen.

Monika L.
9. Mai 2017 23:54

@ Zugezogener Hesse

ja, was geschieht eigentlich genau mit den abgetriebenen Föten ? Das wollen die meisten dann doch nicht so genau wissen. Schon gar nicht die Feministinnen:

https://www.michaelgrandt.de/das-schmutzige-geschaeft-mit-abgetriebenen-foeten/

Die Veganer blenden das auch aus. 

Bazille
10. Mai 2017 00:13

Die Grünen sind moralinsaure Spießer. Nicht mehr nicht weniger. Keine Linken. Mit Marxisten kann man trefflich diskutieren, nicht aber mit Grünen. Und mit Verlaub, ich verachte die Ökologisten von links oder rechts.  Dieses heile Welt Geschwurbel ist unerträglich.

Ökologie ist eine Wissenschaft, wenn sie glauben das es sich dabei um eine Ideologie handelt, verlassen sie jetzt bitte den Hörsaal (Zitat meines Professors am Beginn der Vorlesung “Einführung in die Ökologie).

Der Club of Rome, Stummer Frühling etc sind Sammelsurien überkommener und falscher Annahmen,  die sich, ebenso wie die German Angst vor der Gentechnik, gleich Parasiten in die Hirne der Menschen gefressen haben. Machen wir damit Schluss erledigen sich die Grünen von selbst. Im Endeffekt verbreiten sie sowohl zum Thema Umwelt,  als auch mit ihrem Gendergeschwafel und Toleranzgesülz, den selben halbgaren und missverstanden Unsinn

Der Feinsinnige
10. Mai 2017 03:07

Grün gedacht wird dort, wo ---

Jede einzelne These des obigen Artikels trifft ins Schwarze. Ich würde eine These hinzufügen: Grün gedacht wird, wo das erreichte Ausmaß des materiellen Wohlstandes das Denken und Handeln vieler Menschen aus dem Gleichgewicht geraten läßt.

Wer kann es sich denn leisten, „grün“ im Sinne der Partei „Die Grünen“ zu denken und zu handeln (wobei auch ich auf die Unterscheidung von „Umweltschutz“ einerseits und Naturschutz und Bewahrung der Schöpfung andererseits wert lege)? Nur diejenigen, die aufgrund des durchaus trügerischen materiellen Wohlstandes, der uns umgibt, den Bezug zur Realität vollkommen verloren haben. Nur so sind politische Ziele wie die gleichzeitige Abschaffung aller konventionellen Energieträger, die Abschaffung militärischer Landesverteidigung, Einführung von „Veggie-Days“, Gender-Ideologie, Multikulti-Träumereien, ideologische und pseudomoralische Bevormundung der Bürger durch politische Korrektheit, Einschränkung des Individualverkehrs (Tempolimits, hohe Kraftstoffbesteuerung, kurzfristige Abschaffung von Benzin- und Dieselfahrzeugen u.v.m.) und fast alles andere zu erklären, was „Die Grünen“ vertreten oder irgendwann einmal vertreten haben.

Das Verschwinden dieser Partei, die auf Tugendterror in allen Lebensbereichen setzt, wäre eine höchst erfreuliche Entwicklung – eine Art Befreiung für unser Land. In der Folge würde Schritt für Schritt auch das „grüne Denken“ wieder zurückgedrängt werden können. Ich glaube aber nicht daran, daß die „Grünen“ schon bei der Bundestagswahl 2017 scheitern werden.

Gerrit
10. Mai 2017 10:18

Erst richtig unangenehm sind die Grünen, seit die wirtschaftliche Elite entdeckt hat, dass man mit dem "Naturschutz" richtig Geld machen kann. Die Einkünfte aus den verdammten Windenergieanlagen zB landen in den Taschen der Wohlhabenden. Den Preis zahlt die Allgemeinheit. Den politischen Schutz und den ideologischen Schirm besorgen die Grünen. Zum Dank überlässt die besitzende Klasse den Grünen ihre Pöstchen in den NGOs, den Universitäten, den staatlich gepäppelten Verbänden. Das ist denen doch egal. "Solange meine WEA oder mein Solarpark risikofrei 10 Prozent Rendite abwirft, können die gerne an den Unis ihren Gender-Unfug ausleben". Die Energiewende ist nicht nur "grünes Teufelzeug", es ist ein Billiardengeschäft und es ist kein Zufall, dass eine CDU-Regierung diese durchgesetzt hat. Selbst die Atomindustrie wurde ruhiggestellt, da sie Dank des Milliardenschadensersatzes aufgrund des überhasteten Ausstiegs auch ihre Schäflein im Trockenen hat. Den allgemeinen Aufschrei habe ich irgendwie verpasst.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.