Sonntagsheld (10) – Frauenquote am Spieß

Bisher waren die Damen der Schöpfung beim Sonntagshelden massiv unterrepräsentiert…

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… und das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern. Für’s ers­te klei­ne Hel­den­ju­bi­lä­um gibt sich daher ein ganz beson­de­res Exem­plar des schö­nen Geschlech­tes die Ehre. Man­che sagen zwar, sie stin­ke, ande­ren ist sie zu feucht, drit­te füh­len sich von der Anzahl ihrer Besu­cher abge­schreckt und doch hat La Sere­nis­si­ma sich über die Jahr­tau­sen­de gut gehalten.

Das mag vor allem dar­an lie­gen, daß die Vene­zia­ner ein eigen­sin­ni­ges und über die Jahr­tau­sen­de kampf­erprob­tes Volk sind. Obgleich die kom­pli­zier­te und nicht sel­ten markt­ori­en­tier­te Außen­po­li­tik des eins­ti­gen Stadt­staa­tes sicher­lich für man­ches Stirn­run­zeln sorg­te, war man stets bemüht, die eige­ne Iden­ti­tät nach innen und außen zu ver­tei­di­gen und hat sich die­se Hals­star­rig­keit offen­bar bis heu­te bewahrt.

Wer schon ein­mal in Vene­dig war, der kennt das man­nig­fal­ti­ge kuli­na­ri­sche Ange­bot, das sich den dar­ben­den Tou­ris­ten­hor­den dar­bie­tet. Zu die­sem Ange­bot gehört – das kommt natur­ge­mäß mit einem stei­gen­den nord­afri­ka­ni­schen Ein­woh­ner­an­teil – auch eine gan­ze Rei­he an Kebab-Stän­den und Fast­food-Küchen. Genau die­sen imbiß­ge­wor­de­nen Unap­pe­tit­lich­kei­ten hat man jetzt in der alt­ehr­wür­di­gen Stadt den Krieg erklärt: Mit Fackel und Mist­ga­bel zogen hun­der­te Vene­zia­ner durch die engen Gas­sen, häng­ten Trans­pa­ren­te an die unzäh­li­gen Brü­cken und Ste­ge und ver­sam­mel­ten sich schließ­lich zu einer gro­ßen Gondelkundgebung.

Auf der Demons­tra­ti­on erklär­te der spon­tan zum Dogen aus­ge­ru­fe­ne Sil­vio Ber­lus­co­ni, wel­cher sich extra für die­ses Unter­fan­gen aus sei­nem – für ein spe­zi­el­les Anti-Aging-Aqua­kur-Ver­fah­ren berüch­tig­ten – Unter­was­ser­ho­tel her­auf­be­quemt hat­te, daß Vene­dig den „Döner-Dschi­had“ und die dar­aus resul­tie­ren­den Demü­ti­gun­gen nicht wei­ter hin­neh­men könne.

Her­vor­ge­ru­fen wer­de der Schicht­fleisch-Boom durch eine ver­ant­wor­tungs­lo­se Ein­wan­de­rungs­po­li­tik, wel­che vom nicht län­ger hin­zu­neh­men­den EU-Dik­tat aus Brüs­sel orches­triert wer­de. Noch vor dem Ende des Jah­res sol­le es daher ein Refe­ren­dum über eine Sezes­si­on und einen anschlie­ßen­den Bei­tritt zur Auto­no­men Pro­vinz Süd­ti­rol geben, man behal­te sich zudem Gebiets­an­sprü­che gegen­über dem Vati­kan­staat vor.

Na gut, ganz so war es nicht – und doch hat die Geschich­te einen wah­ren Kern.

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag trat ein Gesetz in Kraft, wel­ches die Neu­eröff­nung von Kebab-Stän­den, Fast­food-Läden und Piz­za-Imbis­sen ver­bie­tet. Damit reiht sich Vene­dig nach Flo­renz ein in die Rei­he ita­lie­ni­scher Städ­te, die sich der zuneh­men­den Glo­ba­li­sie­rung und Dis­ney­fi­ca­ti­on widersetzen.

Die Begrün­dung ist so deut­lich, wie sie selbst­ver­ständ­lich sein soll­te: „Wir wol­len die­je­ni­gen Akti­vi­tä­ten aus­brem­sen, die mit der Bewah­rung und Wei­ter­ent­wick­lung von Vene­digs kul­tu­rel­lem Erbe nicht kom­pa­ti­bel sind“, sag­te die Tou­ris­mus­be­auf­trag­te der Stadt, Pao­la Mar, wel­che unse­re Sonn­tags­hel­den-Aus­zeich­nung stell­ver­tre­tend entgegennahm.

Wei­ter führ­te sie aus: „Das Pro­blem für Vene­dig als Tou­ris­ten­stadt ist, daß die Stadt das Risi­ko ein­geht, ihre Iden­ti­tät zu ver­lie­ren. Es gibt loka­le Pro­duk­te, die es zu för­dern gilt, das wäre bes­ser für den Cha­rak­ter Vene­digs und in Sachen Umwelt­schutz nachhaltiger.“

Wie die Reak­ti­on der Neu-Vene­zia­ner, die von dem Gesetz beson­ders betrof­fen sein wer­den, aus­fällt, ist noch nicht bekannt. Bereits im Febru­ar hat­ten die vene­zia­ni­schen Behör­den mit einer Schlie­ßungs­an­ord­nung für eine inof­fi­zi­el­le Moschee, in der sich regel­mä­ßig koso­va­ri­sche Dschi­ha­dis­ten getrof­fen hat­ten, den Zorn der mus­li­mi­schen Gemein­schaft auf sich gezo­gen, sogar Streik­dro­hun­gen mach­ten die Runde.

Zum Sonn­tag hau­che ich daher nicht nur ein flie­der­blü­ten­um­duf­te­tes „Ciao bel­la!“ in die sump­fi­ge Lagu­ne, son­dern erlau­be mir auch, eine klei­ne Emp­feh­lung für das wei­te­re Vor­ge­hen zu geben: Res­to­re Euro­pe, Remo­ve Kebab, Revi­ve Empire.

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Kommentare (7)

Monika L.

7. Mai 2017 11:32

Auch Verona sagt den nichtregionalen Eßgewohnheiten im historischen Stadtkern den Kampf an:

https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2016/italienische-stadt-sagt-doener-buden-den-kampf-an/

Monika L.

7. Mai 2017 11:51

Hier ist das Thema weniger die Frauenquote als  die Verteidigung nationaler Kulturen und individueller Eigenheiten. Die Bewahrung dieser Schätze ist eine europäische Aufgabe. Siehe etwa da:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/manuskript-ein-erwachsener-mensch-kann-hier-nicht-glucklich.media.9f376f9f1c9c8910055dc0237eef46f5.rtf

Multikulti  tötet ! Multikulti zerstört Kultur ! Die fremde und die eigene. Mein letzter Schock diesbezüglich. In einem kleinen Kaff im Elsass sah ich am Straßenrand einen Baguetteautomaten, wo man das Franzosenbrot einer Großbäckerei ziehen konnte. Es gab keine Boulangerie mehr. Auch Aldi und Lidl bieten in Frankreich Baguette einer Großbäckerei an. Es lebe der kleine Unterschied!

Caroline Sommerfeld

7. Mai 2017 17:37

Als ich einer Freundin von einer Türkenbelagerungs-Stadtwanderung durch Wien mit meinen Kindern unter der überaus kundigen Leitung eines Bekannten erzählte (die im "Esterhazykeller" endete, in welchem schon die Verteidiger Wiens gesoffen haben), meinte diese pikiert zu mir: "Ihr hättet die Tour stattdessen an einem Kebap-Stand enden lassen sollen!"

Quasi: als Wiedergutmachung für geschehenes historisches Unrecht, Wien zu verteidigen? Oder: um jegliche assoziative Gleichsetzung zweier Türkenbelagerungen bei den Kindern durch eine generöse multikulturalistische Geste im Keime zu ersticken? Oder: aus schlichter Dummheit, weil Kebap "lecker" ist?

Ich weiß es nicht, und ich war zu höflich und zu sehr interessiert am Freundschaftserhalt, um weiter zu sticheln.

Martin S.

8. Mai 2017 00:19

 Ein Döner-Streik sollte in Deutschland niemandem schwer fallen:  Brötchen mit Mett und Zwiebeln gibt's bei  jedem Metzger und  vielen Bäckereien ... ;-)

RMH

8. Mai 2017 00:26

Ihr habt meistens eine sehr geschmackvolle und schöne Bilderauswahl bei Euren Artikeln, schreibt doch bitte in den Artikeln auch dazu, von wem die Bilder sind. Nicht jeder ist großer Kunstkenner und nicht jeder wird wissen, dass das Bild hier von John William Waterhouse ist. Solche Hinweise laden viele vermutlich auch zur Eigenrecherche ein, Danke.

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Lady_of_Shalott

Xeniana

8. Mai 2017 16:24

Bisher habe ich die Sezession gern gelesen. Lange dabei bin ich noch nicht.  ich schätze das Niveau , allerdings blieb für meinen Geschmack, dieser Artikel weit darunter. Das reißerische gegen Multikulti kommt tatsächlich etwas Rhinozeroshaft daher. Kluge Argumente sind mir lieber. Schade.

Harald

9. Mai 2017 22:45

Es ist schon eine Schande, daß es in vielen Gaststätten in Bayern kein regionaltypisches Essen wie Schweinehaxe mit Semmelknödel und Blaukraut mehr gibt.

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