12. Mai 2017

Dialoge mit H.: Kassandra-Syndrom

von Caroline Sommerfeld / 17 Kommentare

"Und wenn ein Volk in trotz'gem Widerstreit/dem gottgesandten Strahl das Herz verschließet/um Hütt' und Schloß der Lügen Unkraut sprießet:/das ist der Seher, der Propheten Zeit." (Emanuel Geibel, 1837)

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Ich halte es nimmer aus, daß ich von Lemmingen umgeben bin. Ein besonders lieber Lemming sitzt im Wohnzimmer und hat vorhin, natürlich sprachen wir über Frankreich, anhand des Konzepts der "ethnischen Wahl" absolut nicht verstehen können und wollen, daß und warum ich so einen "Alarmismus" verbreite: Dies zu tun sei "immer falsch".

„Du gehst immer von der größtmöglichen Katastrophe aus und machst diese zu deiner politischen Direktive. Aber ihr sehnt euch ja nach der Apokalypse.“

„Ich denke doch nur von Zahlen und Befunden her, die vorliegen.“ Aus Zahlen zu extrapolieren, ist gängige Praxis beispielsweise in den Wirtschaftswissenschaften oder in der Demographie, aber sobald daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen für mich zwingend ist, kommt H. und meint, daß ich nur Katastrophen an die Wand malte.

Ich erzählte ihm vom Titelblatt der Gratiszeitung ÖSTERREICH, auf dem zu lesen war, oben: „66 % – Macron zerstört Le Pen“, und unten: „3000 am Tag – Neue Asylwelle im Mittelmeer“, und wagte es, einen Zusammenhang herzustellen: „Da haben sie ja dann, was sie wollen!“

H. schüttelte den Kopf, die Franzosen hätten doch Macron „wegen der Arbeitsplätze“ gewählt, und Sahra Wagenknecht, die er ja zu wählen gedenke, habe Macron kritisiert wegen des Sozialabbaus. Genau dadurch würde Le Pen doch gestärkt.

Ich wandte ein, daß das linke Thema „soziale Gerechtigkeit“ wohl doch entschieden von Le Pen bedient worden wäre (was ihr ja auch Vorwürfe von Alice Weidel eingebracht habe) und man die Soziale Frage heute nicht ohne die Migrationsfrage stellen dürfte, und da müßte man sehen, daß in Frankreich bereits ganze Stadtviertel und Städte gekippt seien.

„Gekippt? Das glaube ich nicht! Welche denn?“ Ad hoc konnte ich das auch nicht beantworten, aber allein das Wundern über diese Tatsache war nahe daran, meinen Frame zu Fall zu bringen: Was macht man, wenn jemand eine Tatsache so betrachtet, als höre er diese nicht nur zum ersten Mal, sondern als wäre diese absolut begründungsbedürftig und völlig außerhalb des gemeinsamen Paradigmas?

Nichts Geringeres als alle meine Annahmen (zum Großen Austausch, zum Globalismus, zur Migration aus Afrika, zur Ressourcenendlichkeit aka Peak oil, zur Tragfähigkeit dieses Wirtschaftssystems, zur Dekadenz dieser Kultur, des Christentums und seiner Wehrhaftigkeit) hält H. für „Katastrophensehnsucht“, um einer vermeintlichen Langeweile zu entfliehen.

Dabei gelte es doch, mit Augenmaß und Sachverstand die Dinge zu beobachten und nicht brutale Lösungen aus imaginierten Szenerien abzuleiten. Die Vernunft liege doch eindeutig auf seiner Seite, die Phantasterei auf meiner, und ich hielte sie bloß für Realitätsbeobachtung. Es gelte außerdem, gerade diesen langweiligen Zustand einer seit Jahrzehnten befriedeten Demokratie mit Wohlfahrtsstaat und Lebensversicherungen hoch- statt geringzuschätzen. Meine Apokalyptik untergrabe alle ja durchaus angebrachte Skepsis und das Abwägen rationaler Argumente.

Woher bilde ich mir eigentlich ein, Dinge sehen zu können, die er und die Mehrheit der Gesellschaft nicht sehen können oder wollen? Wahrscheinlich habe ich mir ein hartnäckiges Kassandra-Syndrom eingefangen.

Gustav Schwab erzählt in den Sagen des klassischen Altertums (Christa Wolfs feministische, beharrlich „Achilles das Tier“ hassende Kassandra ist nur ihre dekadente Schwester):

Kassandra veränderte ihre Miene nicht bei diesen Worten; lange blieb sie ohne Regung auf dem Stuhl ihres Wagens sitzen, die Dienerinnen mußten sie nötigen, ihren Platz zu verlassen. Endlich sprang sie vom Sitze wie ein gescheuchtes Wild, ihr Herz wußte alles, was ihr bevorstand; sie war gewiß, daß der Schluß des Schicksals nicht zu ändern sei.

Die Seherin ist bekanntlich mit dem Fluch geschlagen, die Zukunft voraussagen zu können, aber ihr wird keine Voraussage geglaubt. Alles Mahnen und Warnen und Zusammenrechnen und Extrapolieren von der unmittelbaren Gegenwart auf Zukunft wird als „wieder mal typisch Kassandra“ lächerlich gemacht. Aber es tritt mit Notwendigkeit ein, es ist „der Schluß des Schicksals“.

Das Kassandra-Syndrom ist nicht meine Erfindung. Problematisch an ihm ist zweierlei:

  1. „Wenn wir über Verleugnung sprechen, nehmen wir doch wohl als gegeben an, daß wir genau wissen, was die Wahrheit ist.“ (Léon Wurmser) Ich kann mir nur die Rolle der Kassandra anmaßen, wenn ich weiß, daß die anderen die blinden Lemminge sind, die die Realität verleugnen.
  2. Selbstgerechtigkeit droht, Abkapselung im immer wieder von Linken uns gern vorgeworfenen „geschlossenen Weltbild“. Sozial ist Kassandra nicht anschlußfähig. Die Diagnose der Dummheit der Lemminge wird mit dem Preis der Einsamkeit erkauft, in der man sich bei entsprechender Veranlagung auch gefallen kann.

Das Kassandra-Syndrom wird in der Psychologie als typisch für Asperger-Autisten thematisiert. Um in der modernen Kassandra-Metaphorik zu bleiben: Vielleicht sind die Rechten die „Aspies“ der Gesellschaft, die ihrerseits massiv irritiert auf sie reagiert?

Die Betroffenen leben nach einem selbst erstellten Schema (die „Vorhersagen“), reagieren unangemessen auf Verständnislosigkeit der Außenwelt und entwickeln neben sprachlichen und verhaltenstechnischen Besonderheiten nicht selten auch Inselbegabungen und hohe Intelligenz.

Diese Definition entstammt einem früheren Wikipedia-Artikel zum „Kassandra-Syndrom“, der nicht mehr existiert. Dies liegt möglicherweise daran, daß die Existenz des Syndroms überhaupt bestritten wurde, und zwar von seelisch Gesunden. Diese leiden darunter, Kassandren in ihrer Umgebung zu haben, und entwickeln gesteigerte Streßsymptome.

Ihre Logik: Daß die Aspies ihre Perspektive auch noch zu verteidigen wagen (einfach, weil die Vorhersagen objektiv wahr sind und, verdammt noch mal, zutreffen!), liegt an – deren Empathielosigkeit! Es zeugt also von mangelnder Empathie, mich nicht in die Menschen meiner Umgebung hineinversetzen zu können, die durch die „Vorhersagen“ gestreßt werden. So als wäre der Überbringer der Botschaft das Übel selbst.

Der Psychoanalytiker Léon Wurmser hat 1989 in seinem Werk „Die zerbrochene Wirklichkeit“ das "Kassandra-Syndrom" als kollektives Problem umrissen.

So gäbe es denn auch eine Art kulturelles Kassandra-Syndrom: einen (phobischen) Kern der Angst,  […] Vermeidung und globale Verleugnung, Glaubensstrukturen, die dem Gefürchtet-Gemiedenen entgegengesetzt sind, Handlungsabläufe, die der Beschützung gegen jene Gefahren dienen sollen, und der daraus resultierenden Spaltung des Selbst- und Welterlebens (die Kassandra-Konfiguration).

Das erklärt, inwiefern rechte Kassandren ungehört bleiben müssen – die institutionalisierten und verinnerlichten Glaubenssysteme dienen dem seelischen Selbstschutz der Mehrheitsgesellschaft. Wurmser pathologisiert nun nicht die gesamte westliche Gesellschaft, für einen Psychoanalytiker ist eine gewisse Dosis Phobie, Neurose, Abwehr, Abspaltung überlebensnotwendig. Offene Konfrontation mit dem Abgewehrten erzeugt indes namenlose Angst.

Den Empathielosigkeitsvorwurf können wir argumentativ parieren, die Spaltung des Selbst- und Welterlebens müssen wir zu ertragen lernen. Und was tun mit den Lemmingen, den „Feinden des Volkes“? Kassandra, die Seherin, gibt ihren schwarzen Rat nicht ohne Hintersinn:

Ihr Herz wußte alles, was ihr bevorstand; sie war gewiß, daß der Schluß des Schicksals nicht zu ändern sei; und hätte sie ihn ändern können, sie hätte der Rachegöttin den Feind ihres Volkes nicht entziehen wollen, und weil er doch ihr Retter war, so verdroß es sie nicht, mit ihm zu sterben.

H.: „Ein selbstzerstörerischer Schluß! Ich hoffe, keine selbsterfüllende Prophezeiung!“

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Kommentare (17)

Starhemberg
12. Mai 2017 16:48

An den kommenden Beben sind dann die Seismographen schuld... 

Nach Jahrzehnten der Vollkaskomentalität und einem Jahrhundert der Sozialdemokratisierung ist der reale Zusammenbruch einer fragilen Gesellschaftsstruktur für solche Menschen einfach nicht mehr vorstellbar. Die Generation, die noch aktiv den letzten Krieg erlebte, wusste, wie schnell es gehen kann. Nur die sind inzwischen tot oder dement.

Doch steter Tropfen höhlt den Stein, ich argumentiere viel mit Zahlen, z.B. Fertilitätsrate etc... Oder die Kosten der bisherigen Entwicklungshilfe in Afrika, ohne jedes erkennbare Ergebnis. Und, dass "Empathie" nichts, aber auch gar nichts mit Sicherheitspolitik zu tun hat. Auch wenn die Bundeswehr wohl die erste "empathische Inklusionsarmee" der Welt sein wird. Das gibt sich wieder, spätestens sobald die ersten Massengäber ausgehoben werden müssen.

Ich kann aber nicht verhehlen, dass sich mein Bekanntenkreis in den letzten vier, fünf Jahren deutlich reduziert hat. Dafür sind allerdings auch ein paar neue, rechtsdenkende Menschen dazugekommen, eine wahre Bereicherung. Vor allem die Opportunisten sollte man weglassen. Diese sind, so glaube ich, die Mehrheit. Und Menschen, die tatsächlich "DIE LINKE" wählen wollen, finde ich höchstens bizarr, sonst aber nichts. Mit denen diskutieren ist mehr "Comedy", man darf das unmöglich ernst nehmen. Überhaupt - Humor hilft, so finde ich.

Und eine Waffe im Haus.

Aristoteles
12. Mai 2017 19:00

Der Vergleich ist sehr gut. Wer hier nicht begreift, dass wir nach 2000 Jahren wieder an einer Zeitenwende stehen ... Der Vorteil dabei ist, dass die unruhigen Zeiten lange Verschüttetes wieder ans Tageslicht befördern, gerade aus der Antike, und dass die Not auch neue Erkenntnisse gebiert. Beruhigend lässt sich vielleicht sagen, dass es viele Frauen gab, Sibyllen, Pythien, Veleden, die durchaus die Wahrheit verkündeten und auf die gehört wurde. Auch von Vernunftmenschen. Mich soll der Teufel holen, wenn ich hinter den 66 Prozent für Macron nicht auch noch eine 6 hinter dem Komma vermuten darf.

Klaus D.
12. Mai 2017 20:28

Tja, es macht in einer Beziehung schon mehr Spaß, wenn beide Partner auch in weltanschaulichen Anschauungen übereinstimmen. Zum Glück ist das bei meiner Frau so. Zusammen mit einem befreundeten Ehepaar haben wir sogar schon mehrfach an AfD-Demos teilgenommen. Man muß aber hin und wieder, seiner seelischen Gesundheit zuliebe, aus diesem Themenkreis ausbrechen (s.a. @Monacensis zum vorigen Artikel von G. K.). Meine liebste Medizin dafür ist Theodor Fontane und die Wanderungen "mit ihm" durch die Mark Brandenburg.

@Starhemberg

"... der reale Zusammenbruch einer fragilen Gesellschaftsstruktur für solche Menschen einfach nicht mehr vorstellbar  ..."

Genau diese Erfahrung ist im Osten Deutschlands bei vielen Menschen noch sehr lebendig.

 

Dieter
12. Mai 2017 21:03

Vielen Dank für einen weiteren wunderbaren Artikel aus Ihrer Feder. Es hilft artikuliert zu sehen, was man empfindet, ehrlich. Mir fiel das wunderbare leider nur noch antiquarisch zu erwerbende Buch von Walden - Kassandrarufe, Deutsche Politik in der Krise ein. Ich kann es jedem nur empfehlen.

Albert
12. Mai 2017 22:04

"Ich kann aber nicht verhehlen, dass sich mein Bekanntenkreis in den letzten vier, fünf Jahren deutlich reduziert hat. Dafür sind allerdings auch ein paar neue, rechtsdenkende Menschen dazugekommen.."

Geht mir auch so. Ich habe in den letzten zwei Jahren locker die Hälfte meines Bekanntenkreises eingebüßt (+ 40 FB-Entfreundungen) - das alles für Aussagen, die in den '00er Jahren noch CDU-Mainstream waren. Hier bin ich jetzt als der "Rechte" bekannt; etliche Leute grüßen mich nicht mehr. Unser Gemeindepfarrer hat mich persönlich zu Hause besucht, um seine Aufforderung, als Presbyter zu kandidieren, zurückzuziehen, er bitte "um Verständnis." Die wenigen Rechtsdenker, die ich seitdem kennengelernt habe, haben ihre eigenen Leben. Ein Milieu gibt es hier nicht.

Inzwischen halte ich die Klappe: Die sozialen Kosten sind zu hoch, ein Nutzen nicht erkennbar. Der Preis ist ein eklatantes Defizit an echter Verbindung. Und ewig reicht die "innere-Emigrations"-Literatur auch nicht; von Bergengrün & Co. habe ich mittlerweile alles gelesen. Neulich habe ich laut darüber nachgedacht, auf einen vergammelten Bauernhof im Vogtland zu ziehen. Hingewiesen darauf, dort würde ich doch mein Sozialleben verlieren, dachte ich still bei mir: So viel würde sich da eigentlich nicht ändern.

Paracelsus
12. Mai 2017 22:48

Ich möchte auf einen unbeachteten Aspekt hinweisen: die von H. wiedergegebenen Aussagen haben keinen Dialog-Charakter; insofern wäre es richtiger, die Überschrift zu korrigieren. Herr H. ergeht sich in sogenannten "Du-Botschaften", d.h. Aussagen, mit denen er etwas in sein Gegenüber hineinprojiziert:

"„Du gehst immer von der größtmöglichen Katastrophe aus und machst diese zu deiner politischen Direktive. Aber ihr sehnt euch ja nach der Apokalypse.“"

Da geht es nicht mehr um die Prognose der Autorin, die stimmen kann oder falsch sein kann, sondern um ein vermutetes Motiv für diese Prognose...

Das ist also alles hochemotional seitens des Herrn H., auch wenn es so rational daher kommt.

Der Gehenkte
12. Mai 2017 23:11

"Woher bilde ich mir eigentlich ein, Dinge sehen zu können, die er und die Mehrheit der Gesellschaft nicht sehen können oder wollen?"

Hier rührt H am Wesentlichen! Dieses Argument bekomme ich immer wieder zu hören, meist ebenfalls mit Arroganzvorwürfen verbunden. Und es ist etwas dran! Niemand kann in die Zukunft sehen, alles könnte doch noch irgendwie gut oder anders werden ... Das "Argument" ist nicht zu hintergehen - es ist aber auch das Ende aller Argumentation.

Die Geschichte ist ergebnisoffen. Morgen kann einerseits der Komet einschlagen und alles beenden, es kann der Messias erscheinen, es können auch alle Migranten fleißige Arbeiter werden ... Und Vorhersagen - das hatte Arthur C. Danto in seiner "Analytischen Philosophie der Geschichte" überzeugend dargelegt - scheitern an der nachfolgenden Handlungsbeeinflußung: ein Soldat, dem man prophezeit, daß er in Iwo Jima auf seine Kugel treffen wird, kann die Prophezeiung falsifizieren, indem er nicht nach Iwo Jima geht oder sich gleich die Kugel gibt. Selbst Ödipus hätte das Schicksal durch Freitod überlisten können.

Ich sage dann meist etwas in diese Richtung: Sicher kann ich mit 120 auf einen Baum zurasen und wenige Meter davor noch immer behaupten, daß noch alles möglich ist ... aber wer macht das?

H's Denken ist letztlich magisches Denken - noch ist es an der Macht.

Monika L.
13. Mai 2017 07:13

Suchen Sie Seelenverwandte, lassen Sie sich von Seelenverwandten finden...

https://m.youtube.com/watch?v=gAazpkhPo7k

Utz
13. Mai 2017 07:17

 In meiner Jugend erzählte man sich oft die Geschichte von den Menschen, die im Krieg im tiefsten russischen Winter in einer warmen Hütte waren, aßen und tranken, als sie ein Bote erreichte, der sie vor herannahenden feindlichen Soldaten warnte. Die Menschen in der Hütte wollten ihm nicht glauben, da sie, wenn sie ihm geglaubt hätten, unweigerlich die Hütte hätten verlassen und fliehen müssen, hinaus in die garstige Kälte. Die Geschichte hatte auch einen Schluß: natürlich kamen die Soldaten trotz der Selbsttäuschung und metzelten die Ungläubigen nieder.

Meines Erachtens sind wir in einer ähnlichen Zeit. Leider ist dort, wo eigentlich eine einfache Entscheidungsmatrix helfen könnte (wenn ich dem Boten glaube und er hat nicht recht, gehe ich umsonst in die Kälte, wenn ich dem Boten nicht glaube, und er hat recht, verliere ich mein Leben), die Angst vor der Kälte überübergroß, und um uns herum nur Medien, die die Glaubwürdigkeit des Boten von früh bis spät diskreditieren.

Aristoteles
13. Mai 2017 10:53

@Albert

Ihr Kommentar macht mich betroffen, weil ich damit auch meine eigenen Erfahrungen noch einmal nacherlebe. Ich würde aber das Bemühen um Austausch mit Gleichgesinnten nicht aufgeben. Schweigen bedeutet auf Dauer Tod. Halten Sie es mit Nietzsche: "Lieber ein ganzer Feind als ein halber Freund."

Zur Apokalypse: Allein diese Dimension kann ein Volk zusammenschweißen. Das Volk Israel und die Bibel sind dafür das beste Beispiel. Und tatsächlich bin ich fündig geworden:

http://www.epochtimes.de/politik/europa/macrons-wahlsieg-fast-alle-stimmen-ausgezaehlt-emmanuel-macron-erhielt-66-prozent-der-stimmen-a2113643.html

Die 66,06 Prozent wurden zu 66,1 Prozent aufgerundet. Bekanntlich ist das Große Tier (z.B. bei Irenaeus) auch als 616 überliefert, worüber sich auch Friedrich Engels ausließ. https://de.wikipedia.org/wiki/Sechshundertsechsundsechzig#/media/File:P._Oxy._LXVI_4499.jpg

Katzbach
13. Mai 2017 15:13

Tut mir leid Frau Sommerfeld, der Funke ist irgendwie nicht übersprungen,
aber Sie haben mein Mitgefühl.

Biggeo
13. Mai 2017 16:36

Heute stand ich am allgemein zugänglichen Staubsauger einer öffentlichen Tankstelle. Neben mir eine Dame mit offensichtlichem Migrationshintergrund, aber eher aus der südamerikansichen Ecke und sehr gut deutsch sprechend.

Ein Mann gesellte sich dazu, denn er wartete auf uns, damit er in den Genuss des Autostaubsaugers kam und so kamen wir drei ins Gespräch und sehr schnell auf die Politik. Schließlich leben wir alle in NRW, einer westdeutschen Großstadt. Es war sehr wohltuend  von beiden zu hören, dass sie morgen die AfD wählen wollen und die Nase voll haben von den etablierten Parteien. Der Mann ein offensichtlich länger hier Lebender, kannte sich gut aus und war ganz erstaunt, das so eine "Akademikerzicke" wie ich über unser Land die gleichen Ansichten hatte wie er.  Auch die nette Dame, war ganz auf unserer Seite. Nun, haben wir nur Angst, dass morgen wieder gefaket wir bei der Auszählung und dies ist so einfach möglich. Und zu Frau Sommerfelds Artikel noch eine Anmerkung, Kassandra ist den meisten gar nicht bekannt. Sie ignorieren das was man direkt sehen und erleben kann  und denken noch immer, alles ist weit weg. Offensichtlich scheint nur noch der persönliche Schmerz eine Umkehr im Denken zu veranlassen. Aber der Virus der Dekadenz hat sich einfach schon zu stark eingenistet.

Cacatum non est pictum
13. Mai 2017 18:02

@Aristoteles

Die 66,06 Prozent wurden zu 66,1 Prozent aufgerundet. Bekanntlich ist das Große Tier (z.B. bei Irenaeus) auch als 616 überliefert, worüber sich auch Friedrich Engels ausließ.

Bis vor etwa einem Jahr hätte ich Sie für eine solche Interpretation ausgelacht. Mittlerweile - reichlich Lektüre zum Bezug von Politmacht und dem von Ihnen angeschnittenen Themenkreis später - gefriert mir eher das Blut in den Adern, wenn ich so etwas lese. Danke für die aufmerksame Beobachtung, die übrigens eindeutig für Wahlfälschung spricht, wie sie der Forist Zadok Allen in einem anderen Kommentarstrang ins Gespräch gebracht hat. Ich will das hier nicht vertiefen, möchte aber zur Sensibilisierung einen Bildausschnitt aus dem norwegischen Staatsfernsehen (unbekannten, aber offenbar älteren Datums) verlinken, in dem unser heutiger NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu sehen ist; man beachte den Schriftzug auf seinem T-Shirt, das er unter dem Jackett trägt:

https://fellowshipofminds.files.wordpress.com/2011/07/jen-stoltenberg.jpg

Nautilus
13. Mai 2017 20:36

Ich habe keine Freunde mehr von der anderen Feldpostnummer, dass ist mir zu anstrengend muss ich sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese lieber ihre eigenen Kinder diesen Wahnsinn opfern, als sich zu fragen ob sie nicht irren.

Die anderen braucht man mit Politik überhaupt nicht kommen, dass interessiert viele überhaupt nicht. Auf die Frage ob es ihnen egal ist was passiert, bekommt man oft die Antwort... da kann man eh nichts machen.  Was soll man da noch machen.. Der Wahnsinn schreitet voran.. Ich bin froh das ich den Weg zur Sesession gefunden habe... Meine Güte, endlich normale Menschen unter sich.

Rosenkranz
14. Mai 2017 11:14

Vor 10 Jahren hatte ich mich auch einmal intensivst in die Peak-oil-Problematik eingearbeitet und eine kleine Energiewendegruppe (Transition-Town) gegründet. Die Gruppe hat sogar Vorträge u.a. mit Nico Paech (Postwachstumsökonomie) veranstaltet. Was blieb am Ende übrig? Zunächst eine tolle Gartengemeinschaft, die bis heute existiert. Sonst haben wir nichts erreicht. Selbst dem grünsten Grünen konnte die Resourcenproblematik nicht zum Aktivismus verhelfen. Man trank auf den Veranstaltungen Bionade, redete klug und machte weiter wie bisher. Von meinen "Peak-Oil-Horrorszenarien" wollte keiner mehr etwas wissen. Also vertummte ich bei diesem Thema.

Gestern in Hamburg auf dem Markt. Abseits ein AfD-Stand und als Gegendemonstranten ca. 20 Mitglieder der örtlichen Antifa. Auf dem Markgelände wurden von der Antifa Prospekte verteilt. Die Leute nahmen gern an. (So viel zum Thema der schweigenden Mehrheit.) Sie kommentierten und lasen in einer selbstgefälligen Art, die irgendwie grotesk wirkte. Ich war der gefühlt einsamste Mensch auf diesem Platz. Der AfD-Stand wurde unter den Augen der Polizei, von der Antifa mit langen Spruchbändern im Abstand von 5m quasi abgeriegelt. Der AfD-Mann klagte mir sein Leid. Er wurde von der Staatsmacht genau beobachtet, daß er ja nicht mehr als 3m von seinem Stand Prospekte verteilt. Ich hatte ihm nämlich vorgeschlagen, auf die andere Straßenseite in Richtung CDU-Stand zu wechseln, weil da viel mehr Leute erreichbar wären. Nach 10min bin ich dann durch das Pulk der Gegendemonstranten ohne Probleme nach Hause.

Klaus D.
14. Mai 2017 14:19

@Rosenkranz

Ja, solch ein Erlebnis wie auf dem Hamburger Markt kann schon frustrierend wirken. Was ich nicht verstehe, warum wird in solchen Fällen nicht mehr Aktivität durch die AfD selbst entwickelt, z.B. Mitglieder bestellt, die für "Masse" sorgen? Ähnlich erging es mir bei AfD-Demos Anfang des Vorjahres, bei denen zunehmend weniger Teilnehmer erschienen. Trotzdem erreichte die AfD bei der darauf folgenden Landtagswahl knapp 25 % ...

Lotta Vorbeck
15. Mai 2017 00:38

@Albert, 12. Mai 2017, 10:04PM

...

Inzwischen halte ich die Klappe: Die sozialen Kosten sind zu hoch, ein Nutzen nicht erkennbar. Der Preis ist ein eklatantes Defizit an echter Verbindung. Und ewig reicht die "innere-Emigrations"-Literatur auch nicht; von Bergengrün & Co. habe ich mittlerweile alles gelesen. Neulich habe ich laut darüber nachgedacht, auf einen vergammelten Bauernhof im Vogtland zu ziehen. Hingewiesen darauf, dort würde ich doch mein Sozialleben verlieren, dachte ich still bei mir: So viel würde sich da eigentlich nicht ändern.

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Solange Sie dabei nicht Ihre materielle Existenzgrundlage auf's Spiel setzen, was spräche tatsächlich dagegen, auf den vergammelten, vogtländischen Bauernhof zu ziehen?

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