14. Mai 2017

Sonntagsheld (11) – /ourgirl/

von Till-Lucas Wessels / 10 Kommentare

Der Minenhund schreibt über eine Minenhündin.

 

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Mit einer kaum zu übersehenden Regelmäßigkeit wird der Sonntagsheld genutzt, um die meist wohlgesinnte, gelegentlich zum elfenbeintürmelnd Konservativen neigende, jedenfalls in Gutem wie in Schlechtem immer typisch deutsch lesende und schreibende Besuchergemeinde dieses Netztagebuchs unter dem Deckmantel der Heroenverehrung mit exotischer Propaganda aus dem Ausland anzufüttern.

Heute mache ich das einfach mal ganz offen.

Wer sich dieser Tage eine metapolitische Revolution von rechts wünscht, muß über den großen Teich gucken. Egal ob Podcast, Theorieblog oder versierter Umgang mit den sozialen Medien: Von der amerikanischen Rechten lernen heißt zumindest auf diesem Gebiet auch siegen lernen.

Einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran hat die Tatsache, daß gerade der medienaffine Teil dieser Strömung sich nicht aus einem bürgerlich-etatistischen Milieu rekrutiert, sondern aus der so wohl nur in Amerika möglichen Spielart des Libertarismus kommt. Was in unseren Gefilden langsam zu einem zarten Übereinkommen heranreift, nämlich das Unterlassen von Distanzierungen und Denunzierungen im eigenen Mikrokosmos, ist in den Staaten im Verlauf des Trump-Wahlkampfes für einen Großteil der alternativen Medien zu einem Grundsatz geworden.

Gesprochen wird – abgesehen von einigen Spinnern – mit jedem; daß umstrittene Gesprächspartner wie Richard Spencer oder Jared Taylor mediale Aufmerksamkeit versprechen, ist den marketingerfahrenen Produzenten der Gegenöffentlichkeit ohnehin klar. Die Angst vor der Brandmarkung als Cuck mag ihr übriges getan haben, jedenfalls ist mit der AltRight der grundsätzliche Flügel der amerikanischen Rechten inzwischen in aller Munde.

Bei dieser Beschreitung gefährlichen Geländes ist unsere Sonntagsheldin ganz vorne mit dabei. Sie ist 21 Jahre alt, sieht aus wie der feuchte Traum eines Gymnasiasten und kommt eigentlich aus Kanada. Lauren Southern ist innerhalb kürzester Zeit zu einer der einflußreichsten und wichtigsten Personen des neuen medial-politischen Establishments von rechts geworden, das sich von Breitbart über Rebel Media bis hin zu American Renaissance und RedIce.TV erstreckt.

Dabei flirtet sie, die ursprünglich aus dem oben erwähnten libertären Lager kam, gerade innerhalb der letzten Monate ganz offen mit dem aktivistischen Teil der AltRight, war bei der berüchtigten „Battle of Berkeley“ anwesend und interviewte Nathan Damigo, von dessen handfestem Einsatz für die Meinungsfreiheit kurze Zeit vorher ein Video um die Welt gegangen war.

Derzeit befindet sich Southern auf einer Europareise. Ihr Fokus liegt dabei – nach dem Interview mit dem selbsterklärten „Identitarian“ Damigo ist das nur wenig verwunderlich – auf den politischen Zuständen in Europa und vor allem auf der Identitären Bewegung.

Nach einigen Berichten von den an den bundesdeutschen Medien nahezu effektlos vorbeigeschrammten Straßenschlachten, die sich in Paris um die Wahl herum ereigneten, folgte jetzt ein knapp viertelstündliches Portrait der französischen Identitären. Objektiv ist der Bericht nicht, aber warum sollte er das auch sein?

Nur mit messerscharfen Analysen, selbstkritisch abgewägten Argumenten und der mathematischen Gewißheit der Demographietabellen ist kein Volk mehr zu retten. Manchmal braucht es eben eine knackige Blondine, die sich auf den verschwitzten Matten eines dissidenten Kampfsport-Gyms „Anti-Antifa techniques“ beibringen läßt: Sport frei!

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Kommentare (10)

Tristan
14. Mai 2017 19:12

Mein Herz hat gehüpft als ich meine beiden Idole - Lauren und Martin Sellner - vereint gesehen habe. Und dann auch noch bei einer so heroischen Aktion! Wenn die IB es schafft, das metapolitische Momentum aus den USA nach Europa zu bringen, wird das linke Kultur- und Diskursmonopol fallen!

Diener
14. Mai 2017 19:31

Haben die Identitären in D auch ein katholisches oder zumindest christliches Selbstverständnis oder sind das mehr so Runenrauner? Steht hier auch eine Muttergottes im Hauptquartier?

Leser_01
14. Mai 2017 20:30

Man sollte ihr Buch ins Deutsche übersetzen! Einen tollen Verlag kennen wir ja.

Monika L.
14. Mai 2017 20:52

Also, wenn " ich schon mit exotischer Propaganda aus dem Ausland angefüttert werden soll ", dann möchte ich auch etwas über die Herkunft des Futters und die Inhaltsstoffe erfahren. Etwas mehr Details, bitte. Die Dame ist sehr jung und hat schon eine erstaunliche Biographie . Und wirkt dadurch irgendwie alt. 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lauren_Southern

Mir wird nicht erkennbar, woher ihr taffer Einsatz kommt. Was ist ihr Hintergrund ? Irgendwie eine blonde Lara Croft.  Aber, vielleicht bin ich einfach zu alt und zu analog...

Vielleicht könnten die Jungen hier den Alten in Europa mal auf die Sprünge helfen. Danke. 

silberzunge
14. Mai 2017 21:15

Southern ist alles andere als vergottet, vor allem in und um 4chan, das darf man nicht vergessen. Es ist gar nicht so stark ausgeprägt, dass sie /ourgirl/ sei. Der Grund ist, dass sie (a) als eine Person gilt, die einfach auf den Trump-Zug aufspringt, um ihre Karriere zu organisieren, und ferner (b) jüdische Vorfahren hat. Das kann man auf den Foren lesen, ich gebe nur wieder.

Solution
14. Mai 2017 22:02

@Monika L.

Auch ich bin ein "Alter". Was kümmert es mich, wo die Leute herkommen? Mich interessiert nur, was jemand heute tut. Lauren Southern gehört nicht zur AltRight. Sie ist eher AltLight. Dennoch ist sie möglicherweise entwicklungsfähig. Mir imponiert, wie sie inmitten der Antifa und anderen gewaltbereiten Linken herumläuft, klar gekennzeichnet mit MAGA. Wer hat mehr Mut? Der Fall Milo Y. und der Verrat von Trump haben natürlich auch gezeigt, wie problematisch es ist, Personen zu Ikonen zu erklären (so z.B. "God Emperor" für Trump). Wenn es auch Ausfälle und Verräter gibt: Die Reihen werden immer wieder geschlossen und wir werden mehr.

Neben Lauren Southern gibt es eine ganze Reihe weiterer "Superfrauen". So Lana Lokteff, Brittany Pettibone, Blonde in the Belly of the Beast und weitere. Ein wenig Youtube anschauen und man findet sie alle. Warum sollen wir uns nicht mit schönen Frauen schmücken, wenn sie gleichzeitig intelligent und mutig sind? Wem das zu risikoreich ist, dem empfehle ich Pepe, den Frosch. Der wird uns garantiert niemals verraten.

Caroline Sommerfeld
14. Mai 2017 22:24

 Zwei Antworten einer Mittelalten:

1.) Christlichen Hintergrund der IB? Aber ja! Denken Sie an die Aktion, als sie das Gipfelkreuz wiederaufrichteten. Das heißt nicht, daß die Mitglieder allesamt Christen sind, zum mindesten jedoch, daß das christliche Abendland verteidigt wird. Neuheidentum kommt meines Wissens überhaupt nicht vor, der ein oder andere Thorshammer auf dem T-Shirt ist eindeutig postmodernes Zitat.

2.) Lauren Southern ist eine der inzwischen gar nicht so wenigen AltRight-Frauen. Am bekanntesten ist sicherlich Ann Coulter, aber auch die junge Mädelsriege (Brittany Pettibone, Lauren Southern, Tara McCarthy usw.) sind vor allem eines: Identifikationsfiguren für rechte junge Frauen im Internet. Was halt an der Lauren Southern bemerkenswert ist, ist, daß sie nicht nur im inneramerikanischen Anti-SJW-Diskurs rege twittert und Videos macht, sondern jetzt nach Europa schaut und hingerissen ist von den Parallelen zwischen Identitären und AltRight und vom Potential der IB.

RMH
15. Mai 2017 07:45

Trotz allem habe ich mittlerweile den massiven Eindruck, dass die Zeiten der größeren Geländegewinne vorbei sind und der Grabenkampf begonnen hat. War das ganze Rechts-Neu-Rechts-Konservativ-Libertär-Liberal-Alternative am Anfang wie ein schöner Schaum aus vielen, vielen Bläschen, der sich stetig ausbreitete und viele umarmen konnte, so haben sie aus den vielen Bläschen nun wenige, echte, aber auch recht stabile Blasen gebildet (Alt-Right-Bubble etc.). Man schmorrt doch mittlerweile überall sehr im jeweils eigenen Saft – das würde ich auch für die Szene rund um SIN diagnostizieren wollen. Immerhin: In Deutschland war die anfängliche Dynamik so groß, dass sich jetzt trotz aller mit Sicherheit stattfindenden übergenauen Stimmauszählungen ein sicherer Bodensatz von deutschlandweit stabilen > 5% der Wähler gebildet, der zumindest AfD wählt. Ansonsten: Was soll man jetzt noch machen, außer weiterhin die Trommel zu schlagen, wozu auch ein Bild eines netten Blondchens gehören kann? (Btw: Warum eigentlich nur Gymnasiasten-Traum? Wie sähe denn ein Azubi-Traum aus?).

Dietrich Stahl
15. Mai 2017 10:58

@ Hartwig aus LG8, Solution & RMH

Was da für Potential auf den Fußballplätzen schlummert. Bisher wird dort Energie in Ultra-Kämpfe, Fankultur und -choreographien vergeudet. Wenn diese Energie richtig kanalisiert wird … „der Verrat von Trump“ ist vielleicht gar keiner. Mir erscheinen die Schritte Trumps wie ein clownesquer Tanz, der genau kalkuliert ist. „Was soll man jetzt noch machen, außer weiterhin die Trommel zu schlagen,“ Vielleicht eine eigene Vision entwickeln, wie es nach einer nachhaltigen Verbesserung der Situation weitergehen kann?

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