Sonntagsheld (11) – /ourgirl/

Der Minenhund schreibt über eine Minenhündin.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Mit einer kaum zu über­se­hen­den Regel­mä­ßig­keit wird der Sonn­tags­held genutzt, um die meist wohl­ge­sinn­te, gele­gent­lich zum elfen­bein­tür­melnd Kon­ser­va­ti­ven nei­gen­de, jeden­falls in Gutem wie in Schlech­tem immer typisch deutsch lesen­de und schrei­ben­de Besu­cher­ge­mein­de die­ses Netz­ta­ge­buchs unter dem Deck­man­tel der Hero­en­ver­eh­rung mit exo­ti­scher Pro­pa­gan­da aus dem Aus­land anzufüttern.

Heu­te mache ich das ein­fach mal ganz offen.

Wer sich die­ser Tage eine meta­po­li­ti­sche Revo­lu­ti­on von rechts wünscht, muß über den gro­ßen Teich gucken. Egal ob Pod­cast, Theo­rieb­log oder ver­sier­ter Umgang mit den sozia­len Medi­en: Von der ame­ri­ka­ni­schen Rech­ten ler­nen heißt zumin­dest auf die­sem Gebiet auch sie­gen lernen.

Einen nicht zu ver­nach­läs­si­gen­den Anteil dar­an hat die Tat­sa­che, daß gera­de der medi­en­af­fi­ne Teil die­ser Strö­mung sich nicht aus einem bür­ger­lich-eta­tis­ti­schen Milieu rekru­tiert, son­dern aus der so wohl nur in Ame­ri­ka mög­li­chen Spiel­art des Liber­ta­ris­mus kommt. Was in unse­ren Gefil­den lang­sam zu einem zar­ten Über­ein­kom­men her­an­reift, näm­lich das Unter­las­sen von Distan­zie­run­gen und Denun­zie­run­gen im eige­nen Mikro­kos­mos, ist in den Staa­ten im Ver­lauf des Trump-Wahl­kamp­fes für einen Groß­teil der alter­na­ti­ven Medi­en zu einem Grund­satz geworden.

Gespro­chen wird – abge­se­hen von eini­gen Spin­nern – mit jedem; daß umstrit­te­ne Gesprächs­part­ner wie Richard Spen­cer oder Jared Tay­lor media­le Auf­merk­sam­keit ver­spre­chen, ist den mar­ke­tin­ger­fah­re­nen Pro­du­zen­ten der Gegen­öf­fent­lich­keit ohne­hin klar. Die Angst vor der Brand­mar­kung als Cuck mag ihr übri­ges getan haben, jeden­falls ist mit der Alt­Right der grund­sätz­li­che Flü­gel der ame­ri­ka­ni­schen Rech­ten inzwi­schen in aller Munde.

Bei die­ser Beschrei­tung gefähr­li­chen Gelän­des ist unse­re Sonn­tags­hel­din ganz vor­ne mit dabei. Sie ist 21 Jah­re alt, sieht aus wie der feuch­te Traum eines Gym­na­si­as­ten und kommt eigent­lich aus Kana­da. Lau­ren Sou­thern ist inner­halb kür­zes­ter Zeit zu einer der ein­fluß­reichs­ten und wich­tigs­ten Per­so­nen des neu­en medi­al-poli­ti­schen Estab­lish­ments von rechts gewor­den, das sich von Breit­bart über Rebel Media bis hin zu Ame­ri­can Renais­sance und RedIce.TV erstreckt.

Dabei flir­tet sie, die ursprüng­lich aus dem oben erwähn­ten liber­tä­ren Lager kam, gera­de inner­halb der letz­ten Mona­te ganz offen mit dem akti­vis­ti­schen Teil der Alt­Right, war bei der berüch­tig­ten „Batt­le of Ber­ke­ley“ anwe­send und inter­view­te Nathan Dami­go, von des­sen hand­fes­tem Ein­satz für die Mei­nungs­frei­heit kur­ze Zeit vor­her ein Video um die Welt gegan­gen war.

Der­zeit befin­det sich Sou­thern auf einer Euro­pa­rei­se. Ihr Fokus liegt dabei – nach dem Inter­view mit dem selbst­er­klär­ten „Iden­ti­ta­ri­an“ Dami­go ist das nur wenig ver­wun­der­lich – auf den poli­ti­schen Zustän­den in Euro­pa und vor allem auf der Iden­ti­tä­ren Bewegung.

Nach eini­gen Berich­ten von den an den bun­des­deut­schen Medi­en nahe­zu effekt­los vor­bei­ge­schramm­ten Stra­ßen­schlach­ten, die sich in Paris um die Wahl her­um ereig­ne­ten, folg­te jetzt ein knapp vier­tel­stünd­li­ches Por­trait der fran­zö­si­schen Iden­ti­tä­ren. Objek­tiv ist der Bericht nicht, aber war­um soll­te er das auch sein?

Nur mit mes­ser­schar­fen Ana­ly­sen, selbst­kri­tisch abge­wäg­ten Argu­men­ten und der mathe­ma­ti­schen Gewiß­heit der Demo­gra­phie­ta­bel­len ist kein Volk mehr zu ret­ten. Manch­mal braucht es eben eine kna­cki­ge Blon­di­ne, die sich auf den ver­schwitz­ten Mat­ten eines dis­si­den­ten Kampf­sport-Gyms „Anti-Anti­fa tech­ni­ques“ bei­brin­gen läßt: Sport frei!

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (11)

Solution

14. Mai 2017 20:58

Hier geht es zum ersten Buch von Lauren Southern:

https://www.amazon.de/gp/product/1541136942/ref=oh_aui_detailpage_o06_s00?ie=UTF8&psc=1

Was sich seit einiger Zeit in den USA tut, ist wirklich bemerkenswert.

Tristan

14. Mai 2017 21:12

Mein Herz hat gehüpft als ich meine beiden Idole - Lauren und Martin Sellner - vereint gesehen habe. Und dann auch noch bei einer so heroischen Aktion! Wenn die IB es schafft, das metapolitische Momentum aus den USA nach Europa zu bringen, wird das linke Kultur- und Diskursmonopol fallen!

Diener

14. Mai 2017 21:31

Haben die Identitären in D auch ein katholisches oder zumindest christliches Selbstverständnis oder sind das mehr so Runenrauner? Steht hier auch eine Muttergottes im Hauptquartier?

Leser_01

14. Mai 2017 22:30

Man sollte ihr Buch ins Deutsche übersetzen! Einen tollen Verlag kennen wir ja.

Monika L.

14. Mai 2017 22:52

Also, wenn " ich schon mit exotischer Propaganda aus dem Ausland angefüttert werden soll ", dann möchte ich auch etwas über die Herkunft des Futters und die Inhaltsstoffe erfahren. Etwas mehr Details, bitte. Die Dame ist sehr jung und hat schon eine erstaunliche Biographie . Und wirkt dadurch irgendwie alt. 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lauren_Southern

Mir wird nicht erkennbar, woher ihr taffer Einsatz kommt. Was ist ihr Hintergrund ? Irgendwie eine blonde Lara Croft.  Aber, vielleicht bin ich einfach zu alt und zu analog...

Vielleicht könnten die Jungen hier den Alten in Europa mal auf die Sprünge helfen. Danke. 

silberzunge

14. Mai 2017 23:15

Southern ist alles andere als vergottet, vor allem in und um 4chan, das darf man nicht vergessen. Es ist gar nicht so stark ausgeprägt, dass sie /ourgirl/ sei. Der Grund ist, dass sie (a) als eine Person gilt, die einfach auf den Trump-Zug aufspringt, um ihre Karriere zu organisieren, und ferner (b) jüdische Vorfahren hat. Das kann man auf den Foren lesen, ich gebe nur wieder.

Solution

15. Mai 2017 00:02

@Monika L.

Auch ich bin ein "Alter". Was kümmert es mich, wo die Leute herkommen? Mich interessiert nur, was jemand heute tut. Lauren Southern gehört nicht zur AltRight. Sie ist eher AltLight. Dennoch ist sie möglicherweise entwicklungsfähig. Mir imponiert, wie sie inmitten der Antifa und anderen gewaltbereiten Linken herumläuft, klar gekennzeichnet mit MAGA. Wer hat mehr Mut? Der Fall Milo Y. und der Verrat von Trump haben natürlich auch gezeigt, wie problematisch es ist, Personen zu Ikonen zu erklären (so z.B. "God Emperor" für Trump). Wenn es auch Ausfälle und Verräter gibt: Die Reihen werden immer wieder geschlossen und wir werden mehr.

Neben Lauren Southern gibt es eine ganze Reihe weiterer "Superfrauen". So Lana Lokteff, Brittany Pettibone, Blonde in the Belly of the Beast und weitere. Ein wenig Youtube anschauen und man findet sie alle. Warum sollen wir uns nicht mit schönen Frauen schmücken, wenn sie gleichzeitig intelligent und mutig sind? Wem das zu risikoreich ist, dem empfehle ich Pepe, den Frosch. Der wird uns garantiert niemals verraten.

Caroline Sommerfeld

15. Mai 2017 00:24

 Zwei Antworten einer Mittelalten:

1.) Christlichen Hintergrund der IB? Aber ja! Denken Sie an die Aktion, als sie das Gipfelkreuz wiederaufrichteten. Das heißt nicht, daß die Mitglieder allesamt Christen sind, zum mindesten jedoch, daß das christliche Abendland verteidigt wird. Neuheidentum kommt meines Wissens überhaupt nicht vor, der ein oder andere Thorshammer auf dem T-Shirt ist eindeutig postmodernes Zitat.

2.) Lauren Southern ist eine der inzwischen gar nicht so wenigen AltRight-Frauen. Am bekanntesten ist sicherlich Ann Coulter, aber auch die junge Mädelsriege (Brittany Pettibone, Lauren Southern, Tara McCarthy usw.) sind vor allem eines: Identifikationsfiguren für rechte junge Frauen im Internet. Was halt an der Lauren Southern bemerkenswert ist, ist, daß sie nicht nur im inneramerikanischen Anti-SJW-Diskurs rege twittert und Videos macht, sondern jetzt nach Europa schaut und hingerissen ist von den Parallelen zwischen Identitären und AltRight und vom Potential der IB.

RMH

15. Mai 2017 09:45

Trotz allem habe ich mittlerweile den massiven Eindruck, dass die Zeiten der größeren Geländegewinne vorbei sind und der Grabenkampf begonnen hat. War das ganze Rechts-Neu-Rechts-Konservativ-Libertär-Liberal-Alternative am Anfang wie ein schöner Schaum aus vielen, vielen Bläschen, der sich stetig ausbreitete und viele umarmen konnte, so haben sie aus den vielen Bläschen nun wenige, echte, aber auch recht stabile Blasen gebildet (Alt-Right-Bubble etc.). Man schmorrt doch mittlerweile überall sehr im jeweils eigenen Saft – das würde ich auch für die Szene rund um SIN diagnostizieren wollen. Immerhin: In Deutschland war die anfängliche Dynamik so groß, dass sich jetzt trotz aller mit Sicherheit stattfindenden übergenauen Stimmauszählungen ein sicherer Bodensatz von deutschlandweit stabilen > 5% der Wähler gebildet, der zumindest AfD wählt. Ansonsten: Was soll man jetzt noch machen, außer weiterhin die Trommel zu schlagen, wozu auch ein Bild eines netten Blondchens gehören kann? (Btw: Warum eigentlich nur Gymnasiasten-Traum? Wie sähe denn ein Azubi-Traum aus?).

Dietrich Stahl

15. Mai 2017 12:58

@ Hartwig aus LG8, Solution & RMH

Was da für Potential auf den Fußballplätzen schlummert. Bisher wird dort Energie in Ultra-Kämpfe, Fankultur und -choreographien vergeudet. Wenn diese Energie richtig kanalisiert wird … „der Verrat von Trump“ ist vielleicht gar keiner. Mir erscheinen die Schritte Trumps wie ein clownesquer Tanz, der genau kalkuliert ist. „Was soll man jetzt noch machen, außer weiterhin die Trommel zu schlagen,“ Vielleicht eine eigene Vision entwickeln, wie es nach einer nachhaltigen Verbesserung der Situation weitergehen kann?

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.