Sezession
23. Mai 2017

Das Monster mit dem Körper, der zerstören will

Caroline Sommerfeld / 23 Kommentare

Ein alter Freund von H erzählte beim Kaffee mittags am Wochenmarkt, es spräche heute Abend Klaus Theweleit, ob wir nicht mitkommen wollten. Einer muß ja bei den Kindern bleiben, außerdem wurden die Männer einig, daß das ja wohl mein Thema wäre: „Die Volksverräter. Was kommt nach Volk und Nation?“

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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So wurde mir zuteil, zusammen mit dem Freund am Abend in die innerstädtische Dependance des Theaters „Werk X“ zu gehen. Eine Podiumsdiskussion (das Video ist demnächst hier zu finden) zu den „Monstern der Gegenwart“ versammelte die Runde: Klaus Theweleit, Robert Misik, Anselm Neft und Fahim Amir. Letztere beide braucht man außerhalb Wiens nicht zu kennen, redeten sie doch vor allem wirr. Ein paar Kostproben später.

Misik ist ein Problem. Der Moderator stellte ihn damit vor, daß der KURIER ihn als den „Steve Bannon der Regierung“ bezeichnet hätte, was nicht mehr bedeutet, als daß sie offenbar Bannon für einen Mann von großer Bedeutung halten, und Misik sowas auch können soll. Er hat sich bisher als staatstreu-dispositivistischer Jammerer vor dem Herrn über die böse erstarkende Rechte hervorgetan. Deswegen wurde er ja auch zum dem Abend eingeladen. Misiks Problem ist, physiognomy is real: er ist ununterbrochen beleidigt.

Zuerst beleidigte ihn Theweleit, indem er behauptete, Trump sei gar nicht so schlimm, Le Pen auch nicht, vielmehr seien die ja bloß lächerlich. Später beleidigte ihn Kollege Neft, warum, war für das Publikum nicht nachvollziehbar, ich glaube, es ging darum, wer wichtiger ist. Misik dauert es sehr, daß manche Leute ein unleugbares Sensorium für das „Elitenproblem“ haben, aber leider, leider „vernünftiges Sprechen“ als Elitensprech diffamieren – was wäre es doch fein, wenn alle so vernünftig sprächen wie er. Misiks Problem läßt sich aber einkapseln. Kapsel zu.

Theweleit, Jahrgang 1942, ist der Autor der Männerphantasien (1977), die viele Rechte seinerzeit und bis heute mit Faszinationsschauern rezipiert haben, so viel proto- und faschistische Realien, Bilder und eben Phantasien lagen sonst selten so offen da, mußte man nur über die postmoderne Psychoanalyse hinwegsteigen und konnte diesen Beichtspiegel als Inspirationsquelle nutzen. Die „naziverbundenen Elternkörper“ endlich ins Grab zu bewältigen – dafür gebührt ihm unter Linken noch heute Preis und Dank. Eingeladen war er zur Konferenz vor allem wegen seiner ausschweifenden Breivik-Tötungslust-Rêverie Das Lachen der Täter (2015).

Vor der Podiumsdiskussion gelang es Hs Freund, noch kurz Klaus Theweleit abzufangen, ich wurde ihm vorgestellt als Hs Frau, er erkannte mich wieder, man plauderte beim Rotwein über die alten und jungen Kinder. Der arme Theweleit, den muß es kalt erwischt haben später. 

Die Diskussion war schwer erträglich, das hätte ich wissen können. Homogene Linke, die sich unter sich wähnen. Könnte man als Feministin bei den berüchtigten locker Room talks Mäuschen spielen, es ginge einem kaum anders. Doch das leise Frohlocken über verfehlte Einschätzungen, viel bessere eigene Quellen zum Problem, platte Witze über Trump als „Vollhonk“, linkes Anrennen an die harte Realität, schlug langsam um in echtes Unbehagen. 

Daß der Islam so aufgebauscht werden kann, als Gegenpol heute, liegt am Versagen der Linken. Der Islamismus ist ein westliches Produkt, nur weil die Kommunisten keine Chance bekommen haben, wird er heute so konstruiert. Es gab da so Gandhi-Menschen, die Peschawar-Commune 1930, ist ja völlig vergessen, die wollten wirklich Gleichberechtigung der Frau und Kommunismus, alles, was wir im Westen ja auch wollen, das gab's im Islam alles schon! Der ist bloß verraten worden. (Fahim Amir)

Leichtes Unbehagen.

Pirinçci, den kennt wohl in Österreich niemand. Der wäre ja ein wunderbarer Salafist . Ich mein', ein Salafist redet nicht so obszön, also eigentlich gar nicht, eher so von Blumen und Jungfrauen, aber Pirinçci, der will ja statt all der verschwulten Weicheier hier am liebsten die islamischen Machos alle hier haben. Rassismus ist ja immer visueller Rassismus. Man sieht ja in Europa keine Juden mehr rumlaufen. Die Neue Rechte ist entstanden, weil sie statt Antisemitismus endlich 'ne neue Idee hatten: Islamophobie, Muslime kann man ja sehen, und da haben die Rechten endlich wieder was zum Vernichten. (Anselm Neft)

Schweres Unbehagen, Herzklopfen, aufsteigende Wut.

Rechtsradikalismus, das muß man unterscheiden von Populismus, den find ich ganz uninteressant. Rechtsradikalismus erklärt sich als Impuls aus dem Körper, der zerstören will. Zuerst kommt immer der Körper, und dann die Ideologie. Das kann man an Breivik sehen, und ja auch in den 90er Jahren, da brauchte es nur der politischen Legitimation durch Kohl, und dann brannten die Häuser. Die Rechten brauchen immer nur die politische Erlaubnis zum offenen Mord. Mit denen diskutieren? Bei Frauke Petry reicht doch: 'Lügenfresse', einfach nur 'Lügenfresse', that's all, und Schluß. (Klaus Theweleit)

Unerträgliche Wut, ein paar Minuten, um mich zu sammeln. Dann aufgestanden, zur Türe hinabgestiegen, vorm Rausgehen noch ans Podium gewandt:

Meine Herren, entschuldigen Sie die Störung. Als Identitäre verlasse ich diesen Raum unter Protest. 'Offenen Mord' zu unterstellen und Frauke Petry als 'Lügenfresse', das ist nichts als widerliche linke Hetze, und keine Diskussion mehr. Auf Wiedersehen!

Ich bin zu dieser Veranstaltung nicht hingegangen, um die Leute zu trollen. Ich wollte hören und nicht stören. Es ist dieses Freigegebenwerden, Hors-la-loi-gestellt-Werden, dieses Gemeintsein, das die rasende Wut der Ohnmacht erzeugt.

Ich habe keinen „Körper, der zerstören will“, ich habe einen Geist, der erhalten will – das liegt offensichtlich völlig außerhalb ihrer Wahrnehmungsmöglichkeiten als Intellektuelle. Das Monster schleicht sich, nicht ohne sich ein paarmal am Weg umzuschauen.  


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (23)

Der Gehenkte
23. Mai 2017 14:34

Was weiß denn "die Frau" schon über ihren eigenen Körper - dafür gibt es Männerphantasien (bei Theweleit 1000 Seiten dick), die ihr das alles erklären können. "Leib ist alles" hatte schon Nietzsche gewußt. "Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung ..."

Was weiß denn "der Rechte" über seine heimlichen Träume? Dafür gibt es "Männerphantasien" ...

So bewundernswert der Aufstand ist, es ist doch wichtiger, ganz genau zuzuhören. Man ahnt ja sonst gar nicht, was in diesen Kreisen hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird. Erhellend!

Starhemberg
23. Mai 2017 15:01

Danke für den erhellenden Beitrag. Auch wenn ich jetzt ziemlich wütend bin.

Raskolnikow
23. Mai 2017 15:07

Liebe Frau Sommerfeld!

Dieses Netztagebuch ist für einen schon länger nur noch selten hier (bzw. dort bei Euch) Lebenden wie ein Fenster nach Hause, durch das man, von seinen gewöhnlichen Verrichtungen aufblickend, mit krauser Stirn schaut, um sich zu vergewissern… Manchmal jedoch geraten Beiträge herinnen geradewegs zu einem Händedruck aus der Heimat.

Besonders die weiblichen Haus- und Hofgeschichten Kositzas ("Das war`s…") oder Sommerfelds (H und ich…) haben es mir angetan und übernehmen diese zauberhaft-sentimentale Rolle; den vertrauten Händedruck im Digitalformat…

Ich melde mich vor allem zu Wort, werteste Frau Sommerfeld, weil mir die ehrliche Beschreibung Ihrer Wutakzelerationen so sehr aus der Seele spricht und der hier so gern zur Schau getragenen intellektuellen Sterilität entgegen läuft, mit jedem Hans Wurst in Dialog treten zu wollen.

Und doch: Erlauben Sie mir bitte einen höflichen Widerspruch! Vielleicht sollten Sie Ihr friedvolles Urteil etwas modifizieren. Natürlich sind wir Zerstörer, wir müssen Zerstörer sein und wir müssen Zerstörer sein wollen. Die Dummköpfe haben auf unserem Blumenbeet das Betonfundament ihrer Chillout-Zone errichtet, auf dem sie rund um die Uhr das bundesdeutsche Pauschalangebot feilbieten.

Wenn wir je wieder in Ruhe und Frieden gärtnern wollen, müssen wir die Strohhüte in den Nacken schieben, die Hosenträger strammen, den Beton zertrümmern und auf die Spießbürger, denen Sie in Wien nicht mehr zuhören wollten, hetzen wir unsere abgerichteten Kätzchen. (Die in den Sonnenuntergang Fliehenden werden natürlich von unserer Kavallerie auf Schimmeln niedergeritten…) Und keine Angst, am Ende des Tages serviere ich tropische Cocktails und wir lesen mit verteilten Rollen die Schlußszene aus "Mario und der Zauberer" ...

"…und keine Diskussion mehr. Auf Wiedersehen!"

Amen!

R.

Tony
23. Mai 2017 15:16

Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag, der sehr gut vor Augen führt, wie die Entmenschlichung der "Rechten", "neuen Rechten, "Identitären", "Rechtspopulisten" usw. um sich greift. Es ist die stumpfsinnige Vorstellung dessen, was man nach deren Imagination zu sein hat. Eine Projektion des synthetischen Feindbildes auf den Menschen, der im gleichen Atemzug aufhört Mensch zu sein. Was bleibt ist lediglich die hässliche Fratze (Glatze), der Körper der nur zerstören will. Doch wer genau zuhört, erkennt das wahrhaft Hässliche.

Dietrich Stahl
23. Mai 2017 15:35

Danke, liebe Frau Sommerfeld, für Ihren Eine-Frau-Spähtrupp. Jedes „Ich wusste es“ bleibt bei soviel Haß und verkappter Mordlust im Halse stecken. Ich schließe mich Ihnen und Raskolnikow an:

„… und keine Diskussion mehr.“

Monika L.
23. Mai 2017 15:49

Liebe Frau Sommerfeld,

vielen Dank für diesen Beitrag. Ihr Mann kann stolz auf Sie sein. Aber das nächste Mal nehmen Sie zur Verstörkung Matthias Matussek mit auf die Veranstaltung, ebenfalls ein Radikalinski vor dem Herrn: https://mobile.twitter.com/L_Bednarz/status/866731214241243136?p=v

Grüße an alle Pöbler, Radikalinskis (die, die an die Wurzel gehen) und Krawallschachteln....

Monika

Gemeinsam ist man weniger allein!

deutscheridentitärer
23. Mai 2017 15:54

"Theweleit, Jahrgang 1942, ist der Autor der Männerphantasien (1977), die viele Rechte seinerzeit und bis heute mit Faszinationsschauern rezipiert haben, so viel proto- und faschistische Realien, Bilder und eben Phantasien lagen sonst selten so offen da"

Genaus so ist es - vor Jahren hat Theweleit genau meinen Geschmack getroffen: abseitig, verstiegen und unwissenschaftlich. DIe Männerphantasien haben nicht nur großen Unterhaltungswert, sondern treffen denke ich wirklich einen zentralen Aspekt des "Faschismus".

Jonathan Litell war ja angeblich von Theweleit inspiriert, sollte dem so sein, hat er ihn aber, als Mensch und Autor, weit übertroffen.

Ansonsten, vielen Dank dafür, dass Sie sich nicht einfach verunglimpfen haben lassen, sondern den Mut hatten inmitten eines gleichdenkenden Publikums zu widersprechen.

Der_Jürgen
23. Mai 2017 16:03

Liebe Caroline Sommerfeld,

Wenn ich fragen darf: Weshalb sind Sie überhaupt zu dieser Veranstaltung hingegangen? Ich habe zehn, wenn nicht gar zwölf Minuten meiner kostbaren Arbeitszeit geopfert, um mich im Netz über die Viererbande kundig zu machen, die bei dieser "Podiumsdiskussion" auftrat. Ich nehme an, Sie haben sich auch informiert, ehe Sie hingingen.

Wenn das, was die Viererbande zum Besten gab, Sie erbost hat, frage ich sie: Mit Verlaub, was haben Sie bloss von DENEN erwartet? Wenn ich in einen Pornofilm gehe (was ich schon früher selten tat und seit fast zwei Jahrzehnten überhaupt nicht mehr tue), erwarte ich ja auch nicht, dort eine philosophische Aufklärung über das Prinzip Eros zu erhalten. Wenn ich die BILD-Zeitung lese (was ich ab und zu im Netz leider tun muss, aus Berufsgründen gewissermassen), rechne ich auch nicht damit, bei der Lektüre auf wertvolle Gedanken zu stossen; ich weiss von vorneherein, dass sich dort nur der Abschaum des Abschaums zu Wort meldet, dessen Ergüsse ich gelegentlich als Chronist festhalten muss.

Was also haben Sie sich von Theweleit und Co. erhofft? Im übrigen hat @Raskolnikow (den der Feind offenbar einfach nicht unter den Rasen kriegt; welcome back, wie es in klassischem Deutsch heisst) recht: Wir müssen durchaus Zerstörer sein. Nur durch die Zerstörung des Bösen wird der Weg zum Guten (oder sagen wir bescheiden: Besseren) frei.

Utz
23. Mai 2017 16:09

Danke für den Beitrag und Respekt für Ihren Mut.

Wir stehen fassungslos einer Menge gegenüber, die sich ein Bild von uns gezimmert hat, das hint' und vorn nicht stimmt. Aber das ist denen egal. Es taugt halt so wunderbar, um sich drin zu suhlen und zu aalen. Das wollen sie sich nicht nehmen lassen. Da wird man sich doch nicht von der Realität irritieren lassen, wenn das Phantasiebild des Gegners einem viel genehmer ist.

Man muß sie immer wieder festnageln. Zum Beispiel fragen: Wo ist denn ein einziges dieser Exemplare eines neuen rechten "Körpers, der zerstören will"? Ein einziges Beispiel eines Aufrufs zum "offenen Mord"? Und überhaupt, wo ist deren Anstand (Lügenfresse)? Der Ausschluß von Teilen der Bevölkerung (Petry und die AfD) aus der Gruppe der Menschen ist das typischste Zeichen von echter Rechtsradikalität.

Maiordomus
23. Mai 2017 19:53

@Sommerfeld. Den Bemerkungen von _derjürgen über das, was Sie erwarten durften, kann ich nur beipflichten, wiewohl Theweleit mich um die Jahrtausendwende als Männerforscher noch interessierte. Selber war ich dieses Jahr über eigene Weggefährten überrascht, wenn etwa ein führender und im Prinzip nicht unvernünftiger Priester, Kirchenhistoriker und Theologe bei einem Apéro nach einem Gottesdienst  die "Weltwoche" als den heutigen "Völkischen Beobacher" hinstellte, wiewohl dort regelmässig Linke und auch sonst zur Redakion Andersdenkende zu Wort kommen. Ich konnte dann nur mich outen, dass die besagte verrufene Zeitung gelegentlich noch Artikel von mir selbst über kirchengechichtliche Themen drucken würden, hätte gar nicht gewusst, dass ich ein Nazi sei. Da hörte ich von der Gegenseite nur, solche Artikel seien Taktik, um die Leserschaft zu täuschen und dergleichen. Es half auch nicht der Hinweis, dass der Unterschied zwischen Julius Streicher und sagen wir mal H.R. Broder doch ziemlich gigantisch sei. Auch wurde in einer Plattform, wo ich regelmässig schrieb, Trump in der Titelsetzung wörtlich als "geistesgestört" bezeichnet, es ging um eine deutsche Talkshowsendung, wo das offenbar Konsens war. Dass ich sodann der Weltwoche zu einem religionsgeschichtlichen Thema ein Interview gab, bewirkte bereits, dass ich bei zwei sog. Forum-Tageszeitungen zum gleichen Thema nicht mehr schreiben durfte, in einem Fall wurde ein bereits gesetzter angeforderter Artikel nicht gedruckt. Spätestens seit der Wahl Trumps fällt auf, dass die Schrauben der Repression nunmehr selbst und erst recht gegen zweifelsfrei demokratische Rechte massiv angezogen werden. Dies trifft zum guten Teil solche, die sich wie ich über Trump nie Illusionen gemacht haben.

Im Zusammenhang mit dem Waffendeal von Trump, ob er nun klug war oder nicht, mit Saudiarabien, bleibt zu sagen: Die Religionen enthalten ohne Zweifel, über den dafür besonders anfälligen Islam hinaus, über ein Hasspotential, das für Waffenhändler jenseits des Vorstellbaren liegt, weil sie ja nur mit möglichst jedem Geschäfte machen wollen. Dieses sozusagen theologische und insofern teuflische Hasspotential ist es, was wohl Caroline Sommerfeld bei den vier Intellektuellen in Wien konsterniert haben dürfte. Sie nahm wohl an, dass gebildete Leute, zumal wenn sie unter sich sind, nicht so tief sinken würden. Das täuscht aber. Der dümmliche Schlägertyp hat, wiewohl man ihn nicht verharmlosen sollte, im Vergleich zum hassgeschwollenen Intellektuellen ein geringeres Potential an Vernichtungswillen bis hin zur Orwellschen Vaporisierung. Selbst auch die Hexer- und Ketzerprozesse des Mittelalters wären ohne die Hasskraft von Intellektuellen, oft gelehrte Geistliche, nicht durchführbar und vor allem nicht ausreichend begründbar gewesen. Falls uns dieses Hasspotential bei den Linken ins Auge sticht, sollten wir uns bemühen, nicht unsererseits im Herzen solche Giftblumen aufblühen zu lassen.

H. M. Richter
23. Mai 2017 22:20

"Bei Frauke Petry reicht doch: 'Lügenfresse', einfach nur 'Lügenfresse', that's all, und Schluß. (Klaus Theweleit)"

Wie oft ist einem von linker Seite in letzter Zeit die angeblich so tief sitzende moralische Empörung über den von ihr zu anderer Zeit so gern benutzten Begriff Lügenpresse entgegengeschlagen. Glauben ihre Wortführer aber unter ihresgleichen zu sein, dann wird in der Hättest-Du-auch-die-Ulrike-vesteckt-Ecke schon mal gern von Lügenfresse gesprochen und den - etwas härter verpackten - Ausführenden das Stichwort gegeben, auf-die-Fresse!, auf-die-Fresse! erst zu skandieren und danach in die Tat umzusetzen. 

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"Die Rechten brauchen immer nur die politische Erlaubnis zum offenen Mord. (Klaus Theweleit)"

Die Stalin/Mao/Pol-Pot/und_natürlich_dürfen_Bullen_getötet_werden-Bewegung dagegen bedarf einer solchen Erlaubnis gemeinhin nicht, sie meint, über einen Freibrief zum Töten zu verfügen.

P.S.:

Dank an C. S. für ihren für andere erneut zur Ermutigung werdenden Mut !

silberzunge
23. Mai 2017 22:31

 Ich gehe gerne, so es mein Zeitplan zulässt, in prononciert "kritische" Diskussionen. Man ist jedes Mal aufs Neue erstaunt und erbost, dass es eine andere Sicht der Dinge in der Ausländerfrage gibt. Offener Widerspruch ist wunderbar, Frau Sommerfeld. Natürlich bereitet das dort vor sich her getragene geistlose Geseier Kopfschmerzen, aber die seufzend bis schnaubende Menge zu sehen, wenn man jene Fragen stellt, die sie - ganz offenkundig - so wirklich überhaupt nicht hören wollen in diesem Rahmen, das hat schon etwas Reizvolles.

Das sollte jeder machen.

Caroline Sommerfeld
23. Mai 2017 23:02

@Monika: Au ja, den hab ich kürzlich kennengelernt, das wäre was geworden!

Zum allgemeinen Unverständnis, warum ich mich in die Höhle der Löwen begab:

Ich kannte Theweleit von früher, Kontinuitätsunterstellung macht personale Identität aus, meine und seine, ich bin ja eben nicht zum Monster mutiert, und genau das unterstellte ich auch bei ihm.

Ich wollte soziologische Studien im Milieu treiben, von Dummheit oder Widersinn laß ich mich nicht ärgern, was mich aber ungeschützt traf war: Haß, das Böse in Intellektuellengestalt.

Ich wollte mal wieder einen Adrenalinkick, Männerphantasien auslösen, Rotwein schnorren und masochistische Freuden erleben. Und jetzt bin ich wieder ganz leise, danke @Raskolnikow für Zerstörungsimpulse und "halt die Fresse und steig auf mein Pferd ....".

Martin Lichtmesz
24. Mai 2017 00:30

Auch Miesik war not amused:

https://twitter.com/misik/status/867113065275416577

marodeur
24. Mai 2017 01:03

@Caroline Sommerfeld
Haß, das Böse in Intellektuellengestalt.

Ehrlich, ich habe jede Menge Verständnis für Ihre Empörung. Mich trifft die Heimtücke auch immer völlig unvorbereitet. Diese Menschen sprechen ständig von Hass und Hetze und geben zur gleichen Zeit abscheuliche Schmähungen und Drohungen von sich. Ich will über Inhalte reden und diese Leute wünschen mir die Pest an den Hals. Sie beklagen die Spaltung der Gesellschaft und sprechen mir gleichzeitig jegliche Daseinsbrechtigung ab. Und das sind oft Menschen, die ich kannte und mal mochte. An diese Bösartigkeit gewöhne ich micht nicht.

ede
24. Mai 2017 03:40

also, liebe Frau Sommerfeld,

 mir gehts da so wie dem R., ihre Beiträge und die von Kositza lese ich am liebsten. Allerdings, und, ich kann ihre Erwartung, einen hübschen Abend zu erleben völlig nachvollziehen. So zwei, dreimal im Jahr mache ich mich auf den Weg zu einen alten Bekannten. Der betreibt eine Raucherbar im Prenzlauer Berg, mit etwa dem Publikum wie bei ihrer Party.

Frohgemut, und nach dem einem und weiteren Cocktails finden sich immer Gesellinnen und Gesellen, die gepflegten Dummschwätz zugänglich sind. Als Krönung dann immer rechtes Gedankengut, und das kribbeln, ob nicht doch mal jemand die Hand erhebt.

Oft echte Verunsicherung, aber zugegeben, genau so oft geendet wie bei ihnen: Ich, mürrisch und wortlos auf dem Weg nach Hause (natürlich glücklich).

Fritz
24. Mai 2017 10:40

"An diese Bösartigkeit gewöhne ich micht nicht."

So geht es mir auch. Und das bei hochgebildeten Menschen, die eigentlich wissen müssen, dass man moralische Ziele nicht mit unmoralischen Mitteln verfolgen kann.

Nautilus
24. Mai 2017 13:13

Frau Sommerfeld,

ich muss Sie ja bewundern, dass sie zu solchen Veranstaltungen des Grauens gehen. Als ich noch jünger war, habe ich mir das auch angetan.Als die Wiedervereinigung unseres Landes  bevor stand, haben diese Grünen natürlich zur Diskussion eingeladen. Das Fazit war.. Schrecklich das 16 Millionen deutsche sich angliedern werden.  Schon damals war es nicht ungefährlich,sich in solchen Diskussionen einen Widerspruch zu leisten. Völlig sinnlos sich mit solchen Leuten zu unterhalten. Ich kann es nicht mehr. Soviel Herztabletten könnte ich garnicht "fressen" um das auszuhalten.

Siegfried Gerlich
24. Mai 2017 14:31

Sehr geehrte Frau Sommerfeld,

Ihre Wutaufstauung samt anschließender Fluchtreaktion kann ich sehr gut nachvollziehen — und doch denke ich, man sollte in solchen Fällen ganz anders vorgehen, nämlich so: sich als streitbarer Rechtskonservativer oder Identitärer zu erkennen geben und den lieben, linken Gesprächspartnern einen »herrschaftsfreien Diskurs« abverlangen; sie ehrlich verblüfft fragen, ob »Lügenfresse« angesichts der darin liegenden Personalisierung nach ihren eigenen Kriterien nicht eine noch weit schlimmere »Haßpropaganda« darstellt als die immerhin anonyme »Lügenpresse«; gerade einen Theweleit zu dem Gedanken anregen, ob die erschütternden Ergebnisse seiner tiefenpsychologischen Analysen rechter »Männerphantasien« über »rote Fluten« nicht auch auf linke Männerängste vor dem »braunen Sumpf« übertragbar seien, und wie es sein kann, daß ein so kluger Seelenforscher wie er nicht von selber darauf kommt ... Bei alldem aber stets freundlich, besonnen und tiefenentspannt bleiben, auf den »zwanglosen Zwang des besseren Arguments« setzen und sogar sozialtherapeutisches Verständnis für die milieubedingten intellektuellen Defizite der Gesprächspartner zeigen, nicht ohne freilich hin und wieder höflich zu bedenken zu geben, daß so viel Intoleranz und Lernresistenz mit dem reklamierten Geist von Aufklärung und Humanismus doch nicht ohne weiteres vereinbar ist ...

Natürlich erfordert es viel Selbstdisziplin, die real existierenden Linken mit den Waffen ihrer eigenen Ideale zu schlagen — aber die entlarvende Wirkung kann ungeheuer sein!

Cacatum non est pictum
24. Mai 2017 15:44

@Fritz

So geht es mir auch. Und das bei hochgebildeten Menschen, die eigentlich wissen müssen, dass man moralische Ziele nicht mit unmoralischen Mitteln verfolgen kann.

Als Küchenpsychologe sage ich: Diese verkopften Intellektuellen haben nicht gelernt, ihre Aggressionen im Alltag angemessen zu kanalisieren. Sie können mit ihnen nicht umgehen, und deshalb brechen sie bei mancherlei Anlass unkontrolliert hervor, etwa als Äußerung uferloser Gewaltphantasien.

Klaus D.
24. Mai 2017 22:43

Nur mal so: Wenn ich auf der Einstiegsseite das Portrait von Frau Sommerfeld mit der gleich darüber befindlichen Dame auf der Compact-Titelseite vergleiche ....

Kommentar C.S.: Dann wissen Sie, wer hier das Monster ist?

Heinrich Brück
25. Mai 2017 16:23

Die Demokratie ist das Monster. Die Aufteilung in LINKS und RECHTS, die Verlogenheiten des Systems, die verkommene deutsche Kultur... In der Demokratie herrschen die Banken. Es gibt kein Volk mit Macht, keine Nation die nicht dem kleinen Völkchen der Herrschenden ausgeliefert wäre. Es ist clever gemacht. Die Realität tötet nicht jeden Demokraten sofort, sonst käme ihre Rechtfertigung nicht so überzeugend an. Der Demokrat ist Mittel zum Zweck, als neudeutscher Sklavenwirt parasitär ein Hochgenuß. Solange die Demokratie für Frieden und Freiheit steht, haben die Kriegsorgane der Banken leichtes Spiel. Die Banken können sich alles kaufen. Nicht nur das Bewußtsein der Völker, auch die Technik zur Steuerung und Kommunikationsvermittlung. Das Zusammenspiel funktioniert, bis der letzte Demokrat unter der Erde ist. Die Überzeugung des Demokraten hat mit der Realität der Welt wenig im Sinn. Er lebt schon längst in der NWO. Seine Macht ist vorgetäuscht, die wahre Macht verschleiert... Das kleine Völkchen der Banken ist weltweit vernetzt; jede neue Erfindung kann gekauft und ausgebeutet, dadurch die Herrschaft gefestigt und ausgebaut werden. Der demokratisch Wahlberechtigte kann die untergebenen Kommunikationsvermittler (auch Volksvertreter genannt, nicht Volksdiener), als Meinungsvorschlag dieser Herrschaft wählen. Die Demokratie gewährt eine Teilfreiheit zur Herrschaftskonsolidierung, abhängig von der Intelligenz und Geschichte der unter Kontrolle gehaltenen Räume. Geheimdienste und Söldnertruppen erledigen die störenden Elemente; geplante Bevölkerungspolitik schon längst Realität, im Dienste der Interessen von Großraumordnungen demokratischer Menschenrechtsvorstellungen. In Westeuropa ist die NWO ein Faktum. Der Musterdemokrat hat sich Einfachsprech und Doppeldenk angewöhnt. Für ihn gibt es doch wohl eher zwei Freiheiten, eine Freiheit der Verlustmöglichkeiten und eine der Gewinnmöglichkeiten. Das kleine Völkchen der Herrscher über die Demokratie haben einen Quartalabrechnungsplan mit ihren Hörigen, und einen Generationenplan für ihre Herrschaft. Das gespaltene Wesen des Musterdemokraten ist belanglos, sonst könnte er in die Zukunft sehen, und seine Krankheit überwinden lernen. Diese Krankheit gegen die Völker, sie ist im System nicht heilbar. Die Kollateralschäden sind leider nicht mehr zu retten, jedenfalls nicht ohne Abtrennung vom System (und Neufindung gegen das System). Der Demokrat ist der größte Trottel der Weltgeschichte.

Klaus D.
25. Mai 2017 20:32

@C.S.

... Entschuldigung, war den ganzen Tag im Wörlitzer Park unterwegs. Antwort: Nein, natürlich nicht. Wollte lediglich anmerken, für mich sieht es wie ein- und dieselbe Person aus (Haare lassen sich ja färben). Aber das nur nebenbei ... Viele Grüße aus Anhalt.

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