Sezession
28. Mai 2017

Sonntagsheld (13) – Wo put the M in Manchester?

Till-Lucas Wessels / 8 Kommentare

23. Mai 2017, 21:04 Uhr, Manchester. Von offizieller Seite ist alles gesagt worden zu der Nagelbombe, die am Montagabend insgesamt 23 Menschen zerriß. Theresa May, der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan und das englische Königshaus klopfen sich beruhigend auf die Schulter, nach der Schweigeminute am Freitag wird man wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren und vielleicht sogar irgendwann in den nächsten Wochen die kritische Terrorwarnstufe aufheben können.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Und überhaupt: Was für eine schöne Sinfonie aus so einem fürchterlichen Einzellfall ersteht: Ein neues "Seid umschlungen Millionen!", gesungen von Katy Perry, deren internationale Expertise ihr die geniale Erkenntnis bescherte, daß die Reaktion auf einen solchen Terroranschlag nur lauten kann: No borders, more love, coexist! Dazu das beruhigende Stampfen der Druckerpressen, die schon heute wissen: Es lag an der mangelnden Integration. Gekrönt wird die Harmonie durch das anschwellende Tirilieren der Twitterflöten engagierter Netzaktivisten, die sich weniger dafür interessieren, daß ein paar englische Eltern jetzt die zerfetzten Körper ihrer Kinder begraben müssen, als dafür, dass #notallmuslims Terroristen sind.

Fast hätte es geklappt, hätte sich da nicht plötzlich ein wütender, schriller Mollakkord aus dem blutenden Herzen Englands hervorgewühlt und den bunten Menschheitslügnern und rosa-Luftballon-aufsteigen-Lassern die Party versaut. 

Morrissey, jener Antiheld der britischen Rockgeschichte, feiert gerade in Manchester seinen 58. Geburtstag, als ihn die Nachricht vom Anschlag erreichte. Einen Tag später verfaßt er auf Facebook ein Schreiben, das sich gewaschen hat:

Celebrating my birthday in Manchester as news of the Manchester Arena bomb broke. The anger is monumental.
For what reason will this ever stop?

Theresa May says such attacks "will not break us", but her own life is lived in a bullet-proof bubble, and she evidently does not need to identify any young people today in Manchester morgues. Also, "will not break us" means that the tragedy will not break her, or her policies on immigration. The young people of Manchester are already broken - thanks all the same, Theresa. Sadiq Khan says "London is united with Manchester", but he does not condemn Islamic State - who have claimed responsibility for the bomb. The Queen receives absurd praise for her 'strong words' against the attack, yet she does not cancel today's garden party at Buckingham Palace - for which no criticism is allowed in the Britain of free press. Manchester mayor Andy Burnham says the attack is the work of an "extremist". An extreme what? An extreme rabbit?
In modern Britain everyone seems petrified to officially say what we all say in private. Politicians tell us they are unafraid, but they are never the victims. How easy to be unafraid when one is protected from the line of fire. The people have no such protections. 

Morrissey
23 May 2017.

Inhaltlich schreibt Morrissey nichts, was für unsereins in irgendeiner Art und Weise neu wäre, beachtenswert ist auch nicht was hier veröffentlicht wurde, sondern von wem. Wer nicht ganz im gestern lebt und sich also auch gelegentlich für das Werk zeitgenössische Künstler begeistern kann, der muß als Rechter zweifelsohne eine dicke Haut haben. Zu groß ist die Verlockung, in den einstimmigen Chorgesang von Vielfalt, Menschlichkeit und Frieden einzustimmen, zu begehrt die Meinung Prominenter zum Weltgeschehen, als daß man riskieren könnte, etwas wirklich Kontroverses zu sagen.

Es ist zweifelsohne eine Stärke unseres Milieus, daß wir als Zeugen unserer Idee keine Popsternchen, Hollywood-Schauspieler oder glattgeleckte Wutbürger à la Serdar Somuncu brauchen; uns reichen die großen Toten, in deren Verantwortung wir uns sehen, deren Auftrag wir tragen.

Und doch, mal so ganz unter uns Allzumenschlichen: Ist es nicht mal eine erfrischende Brise, aus dem Mund eines so herausragenden Musikers das zu hören, was man als Gewissheit seit Jahr und Tag gegen wohlmeinende Arbeitskollegen, ignorante Journalisten und nicht zuletzt das eigene Bedürfnis nach Ruhe und Frieden verteidigt?

Mein Rat daher an den Teil der Leserschaft, der meinen Musikgeschmack teilt: Schenken Sie sich einen Doppelten ein, legen Sie The Smiths oder direkt den Großmeister persönlich auf und gönnen Sie sich den Luxus einen Facebookpost lang zu den Guten zu gehören. Wir haben es uns verdient.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (8)

Ein gebürtiger Hesse
28. Mai 2017 20:32

Man würde den letzten Satz Morriseys gern anders fassen:

The people HAS no such protections - das VOLK hat keine derartigen Mittel, um sich zu schützen,

aber was der Mann sagt, läßt einen herrlichen frischen Wind durchs Fenster wehen. Möge sein Beispiel Schule machen und noch viel mehr Prominente zu ähnlichen Widerstandsworten bewegen. Der verlinkte Song geht ebenfalls ins Blut.

Philip Marlowe
28. Mai 2017 22:14

Großartig, danke für die Erwähnung dieses Facebook Eintrags. Und was den abschließenden Rat betrifft, den habe ich bereits befolgt.

 

RMH
28. Mai 2017 22:43

Ja, Morrissey hatte schon immer seine eigenen Standpunkte und lässt sich von Nichts und Niemanden vereinnahmen ...

Das bereits verlinkte Lied von ihm enthält folgende, bemerkenswerte Textzeilen, die es wert sind, einmal ausdrücklich zitiert zu werden:

"Irish blood, English heart, this I'm made of
There is no one on earth I'm afraid of
And no regime can buy or sell me

I've been dreaming of a time when
To be English is not to be baneful
To be standing by the flag not feeling shameful, racist or partial"

Ich denke, tausche English gegen eine andere, europäische Nation und es trifft das Gefühl vieler junger Menschen in den entsprechenden europäischen Nationen. Mithin wahrlich identitäre Zeilen.

Im Lied Bengali in platforms singt er den Migranten zu:

"And understand, that life is hard enough when you belong here"

Eine Erkenntnis, die man all denen, die an afrikanischen Küsten stehen und auf ihre Boote warten, nicht eindringlich genug vermitteln kann ...

PS: Man könnte jetzt die Morrissey Exegese noch weiter führen, aber ich lasse es dabei bewenden.

Heinrich Löwe
28. Mai 2017 23:18

 Ja, das "Bigmouth strikes again"...Das waren Zeiten. Ich hab noch drei mal Vinyl von denen im Schrank. Aber ohne Johnny Marr ist er nur die Hälfte wert.

Umdenker
29. Mai 2017 00:37

In der Tat: Man muss den Leuten, die in der Öffentlichkeit stehen und daher viel zu verlieren haben schon Respekt zollen, wenn sie laut sagen, dass zwei plus zwei doch vier sein könnte. Davon bräuchten wir mehr.
Ich hole mir jetzt den Doppelten.

Martin Lichtmesz
29. Mai 2017 02:06

Morrissey hat schon vor 10 Jahren den "großen Austausch" in England beklagt:

https://phinau.de/jf-archiv/online-archiv/file.asp?Folder=07&File=200750120711.htm

Zur Feier des Tages spiele ich "National Front Disco"...

Peter Marselis
29. Mai 2017 10:06

Ein ermutigender Kommentar von Morrissey, der erste (und vielleicht auch der letzte) in meinem Leben, den ich auf Facebook "geliked" habe.

Ermutigend deswegen, weil Morrissey in den letzten Jahren zunehmend politisch korrekter wurde - offenbar kann man nicht jahrelang an der Westküste leben, ohne von diesem Virus infiziert zu werden.

Dieser Kommentar hingegen lässt den alten Stephen Patrick durchscheinen, der 1984 als einziger Musiker von Rang das Geldolfsche "Band Aid" boykottierte, weil er die kommerzielle Absicht hinter der karitativen Fassade durchschaute.

Valjean72
29. Mai 2017 14:01

Vielen Dank für den Verweis auf Morisseys Stellungnahme. Es ist erfrischend, dass es noch bekannte Musiker (älteren Semesters) gibt, die nicht im einheitlichen Betroffenheitsbrei mitsummen.

Die Popsternchen von heute, reine Produkte der Musikindustrie, sind Teil der Agenda. Die im Artikel eingefügte Aussage Kate Perrys überrascht daher keineswegs; allenfalls die Chuzpe, dies nach solch einem Anschlag zu verlautbaren.

„… Katy Perry, deren internationale Expertise ihr die geniale Erkenntnis bescherte, daß die Reaktion auf einen solchen Terroranschlag nur lauten kann: No borders, more love, coexist!“

Folgender Satz aus Morrisseys Facebookeintrag :

„Politicians tell us they are unafraid, but they are never the victims.”

zeigt ein Phänomen, das bei allen vergangenen Terroranschlägen mit offenbar islamistischen Hintergrund festzustellen ist: Opfer sind immer unbedarfte Privatpersonen, niemals Politiker oder Militär-, bzw. Geheimdiensteinrichtungen.

 

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