Sezession
5. Juni 2017

Go east: „Pivot to asia“ auf deutsch

Michael Wiesberg / 12 Kommentare

Ein solcher Lichtschein vermittelt eine Ahnung davon, daß die Dinge deutlich mehr Facetten aufweisen, als sie von den Schmieden der veröffentlichten Meinung „kommuniziert“ werden. Zu diesen seltenen Momenten gehört zum Beispiel der Artikel „Das Pariser Abkommen ist Vergeudung von Zeit und Geld“ des dänischen Politikwissenschaftlers Björn Lomborg auf den Online-Seiten der Welt.

Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

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Bereits der erste Satz seines Artikels dürfte bei so manchem Zeitgenossen ob seiner Ungeheuerlichkeit Augenkrebs auslösen. Er lautet: „Trump hat recht.“ Warum er recht hat, soll uns im folgenden noch ein wenig beschäftigen. Vorher sei noch darauf verwiesen, daß dieser „Betriebsunfall“ in der Welt gleich wieder mit einem Meinungsbeitrag von Dirty Alan wettgemacht wird, der über den Unterschied zwischen „wahren Konservativen“ – wer dazugehört, darüber entscheidet natürlich the one and only – und den „Schreihälsen der AfD“ räsoniert, auf die Posener, wo es nur geht, seine mediale 44er-Magnum als Ausdruck einer „starken Meinung“ richtet.

Alan Posener muß, dieser Eindruck drängt sich geradezu auf, irgendwann einmal eine unheimliche Begegnung mit der Pythonschlage Kaa aus dem Dschungelbuch gehabt haben, die ihre Opfer bekanntlich hypnotisiert. Seitdem läuft er mit starrem Blick missionierend durch die Landschaft, immer auf der Suche nach vermeintlichen Spurenelementen deutschnationaler Hybris, über die er im Gestus des Arbiters seine Verdammungsurteile verhängen kann.

Doch zurück zu Björn Lomborg und seinen Gedanken zur Absage von Donald Trump an das Pariser Klimaübereinkommen. Um es gleich deutlich zu sagen: Lomborg pflichtet Trump nicht bei, weil er glaubt, daß die Botschaft von dem menschengemachten Klimawandel zu den „Fake News“ gehört, mit denen einschneidende energiepolitische Entscheidungen durchgesetzt werden sollen.

Er sagt – ich weiß, daran wird sich hier der ein oder andere reiben –, die Position der Wissenschaft sei eindeutig: „Der Klimawandel ist real und zum größten Teil von Menschen verursacht.“ Das Pariser Übereinkommen aber, das der Welt als „ultimative Lösung für die Klimaprobleme verkauft wurde“, sei ein „Papiertiger“. Seine einzige Legitimation bestehe darin, „daß alle Länder Zusagen gemacht haben – doch diese Versprechen müssen nicht eingehalten werden“. China, das dieser Tage zum Anwalt der Klimaretter hochgeschrieben wird, ist heute schon der größte CO2-Emittent; es darf bis 2030 weiterhin Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung bauen. Und Indien kann seine Kohlenutzung zur Stromerzeugung verdoppeln. 

Entscheidend ist aber, daß das Übereinkommen die Sache nicht weiterbringt, wie Lomborg deutlich macht. Auch wenn jedes Land seine Zusagen zur Kohlendioxidreduzierung von 2016 bis 2030 einhielte,  „würden die Emissionen selbst nach Schätzungen der Uno nur um ein Hundertstel dessen sinken, was nötigt wäre, um die Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten“.

Trump hat sich also mit anderen Worten von einer klimapolitischen Todgeburt losgesagt, wofür ihm eigentlich zu danken wäre. Statt dessen erleben wir fast unisono das Aufheulen klimapolitischer Gutmenschen,  unter denen sich auch wieder ein deutsches Boulevardblatt mischt, das für seine unübertroffenen „Headlines“ berühmt-berüchtigt ist. Ich mag sie den SiN-Lesern nicht vorenthalten: „Läßt Trump die Weltordnung schmelzen? Trump kündigt das Klima-Abkommen. Schmelzen jetzt die Pole? Oder zerbricht die alte Ordnung der Welt?“ Das einzige, was hier zu schmelzen scheint, ist wohl der letzte Rest Hirn in den Köpfen einiger Bild-Redakteure.

In einer derartigen Situation ist einmal wieder die Zeit für Kanzlerin TINA Merkel gekommen, die heilige Johanna der Klimaschlachthöfe, gekommen. Offenbar bar jeder tieferen Kenntnis der Materie – hat sie dieses Übereinkommen überhaupt jemals gelesen? – verkündigte sie, daß die Entscheidung des US-Präsidenten „uns alle, die wir uns dem Schutz unserer Erde verpflichtet fühlen, nicht aufhalten“ werde. Der Weg müsse, so Merkel melodramatisch im besten Kirchentagsdeutsch, gemeinsam weitergegangen werden, „damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde. Wir brauchen dieses Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren. Nichts kann und wird uns dabei aufhalten.“

Mit dem Personalpronomen „uns“ ist nun aber nicht mehr auch die USA gemeint, sondern mehr und mehr China. Merkel und Konsorten sind dabei, eine Art deutsche Version der geopolitischen Maxime „Pivot to asia“ Obamas zu entwickeln, wie Johannes Stern, Redaktionsmitglied der World Socialist Web Site, richtig erkannt hat

Dafür sprechen nicht nur die Treffen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Berlin „über außen- und wirtschaftspolitische Fragen“ in den letzten Tagen. China ist bereits der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands, noch vor Frankreich und den USA, mit einem Handelsvolumen von knapp 170 Milliarden Euro.

Nun soll die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Bereits vor Li Keqiangs Ankunft in Berlin verkündete die Deutsche Bank, sie wolle gemeinsam mit der China Development Bank in den kommenden fünf Jahren mit einem Kredit über drei Milliarden Dollar Infrastruktur-Projekte auf der „Neuen Seidenstraße“ finanzieren, die die großen Wirtschaftszentren Chinas mit Europa verbinden sollen.

Am 24. März hat Außenminister Gabriel offiziell „eine Neuausrichtung“ der deutschen Asienpolitik und die Einrichtung einer eigenen Asienabteilung im Auswärtigen Amt verkündet. In einer Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes steht zu lesen: 

Wir erleben zurzeit in vielen Bereichen der internationalen Politik Krisen, Umbrüche und neue Dynamiken. Man hat den Eindruck, diese Welt wird neu vermessen – und dabei benutzt jeder sein eigenes Maßband. Eines ist dabei klar: Die aufstrebenden Staaten Asiens werden bei dieser Neuvermessung der Welt eine Schlüsselstellung einnehmen.

Am selben Tag erklärte Gabriel in einer Festrede beim 97. „Liebesmahl“ des Ostasiatischen Vereins“ in Hamburg:

Asien ist eine Schlüsselregion für unsere Zukunft hier zu Hause. Denn die Wege zur Lösung unserer globalen Herausforderungen werden eben nicht mehr nur von den alten Strukturen aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg entwickelt werden können. Sondern die Wege zur Lösung internationaler Herausforderungen verlaufen durch Asien. Deshalb, meine Damen und Herren, bin ich überzeugt: Wir brauchen eine strategische Neuorientierung unserer Asienpolitik.

„Die Wege zur Lösung internationaler Herausforderungen verlaufen durch Asien“: Wie sich China diese Lösungen zum Beispiel mit Blick auf die Klimapolitik vorstellt, hat es schon in aller Deutlichkeit klargemacht: Rund 80 der hierzulande verteufelten Atomkraftwerke sollen in China allein in den nächsten 15 Jahren gebaut werden.  

Der neue deutsche Kuschelpartner auf dem Weg zur Rettung des Weltklimas  meint – zusammen mit anderen Staaten – erkannt zu haben, welcher Weg dorthin der effektivste  und vor allem schnellste ist. 

Das hat aus Sicht der chinesischen KP einen handfesten Grund, der sich keineswegs aus der medienkonformen „Sorge um das Weltklima“ speist: Den Genossen in Beijing dürfte es vor allem um Machterhalt gehen. Die Luft- und Umweltverschmutzung hat in China ein derartiges Ausmaß angenommen, daß  sie handeln müssen, wollen sie nicht irgendwann von dem steigenden Unmut der Bevölkerung über die Umweltverschmutzung in China weggefegt werden. 

Die Bundesregierung hat mit dieser Politik des Machterhalts offenbar kein Problem, wohl aber mit dem Ausstieg der Regierung Trump aus einem Übereinkommen, das in der Substanz nichts, aber auch gar nichts bringt. Berlin sollte aufpassen, daß es sich mit seinen neuen asiatischen „Liebesmahl“-Partnern nicht verhebt. Noch sind die USA militärisch und sicherheitspolitisch die unumschränkte westliche Führungsmacht, deren Absicherung zum Beispiel der internationalen Handelswege Europa ein Gutteil seines Wohlstandes verdankt. Das alles sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, weil man es aus angeblicher Sorge um „unsere Schöpfung“ für opportun hält, den US-Präsidenten zu brüskieren und als klimapolitischen Trottel vorzuführen. Dieser Populismus klimapolitischer Einfaltspinsel kann Europa und damit auch Deutschland wirklich teuer zu stehen kommen.


Michael Wiesberg

Michael Wiesberg ist Lektor und freier Publizist.

  • Sezession

Kommentare (12)

Gustav Grambauer
5. Juni 2017 14:56

"Alle reden vom Wetter. Wir nicht."

SDS Stuttgart, 1968

"Alle reden vom Wetter. Ich nicht."

Donald Trump, 2017

- G. G.

Cacatum non est pictum
5. Juni 2017 15:13

In einer derartigen Situation ist einmal wieder die Zeit für Kanzlerin TINA Merkel gekommen, die heilige Johanna der Klimaschlachthöfe, gekommen. Offenbar bar jeder tieferen Kenntnis der Materie – hat sie dieses Übereinkommen überhaupt jemals gelesen? – verkündigte sie, daß die Entscheidung des US-Präsidenten „uns alle, die wir uns dem Schutz unserer Erde verpflichtet fühlen, nicht aufhalten“ werde. Der Weg müsse, so Merkel melodramatisch im besten Kirchentagsdeutsch, gemeinsam weitergegangen werden, „damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde. Wir brauchen dieses Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren. Nichts kann und wird uns dabei aufhalten.“

Diese opportunistische, prinzipienlose Frau widert mich Tag für Tag mehr an. Sie spielt den Steigbügelhalter für ihre Hintermänner und lässt sich dafür von der Masse beklatschen. Dann besitzt sie - dieser meines Erachtens satanisch inspirierte Mensch - auch noch die Chuzpe, von der Bewahrung der Schöpfung zu fabulieren. Mehr Verachtung des Fußvolkes ist kaum vorstellbar. Die Formulierung wiederum, das Pariser Abkommen könne und werde von nichts aufgehalten werden, ist mir ins Auge gesprungen und erscheint mir einigermaßen bedeutsam. Vielleicht weiß Gustav Grambauer diese Textpassage anthroposophisch zu deuten?

Ansonsten bleibt zu sagen: Dieser ganze Klimaquatsch ist natürlich Phantasiewerk und ein Instrument, um u.a. die Souveränität der Nationalstaaten noch weiter zu untergraben. Jeder weiß das, der sich mit der Materie etwas beschäftigt. Die USA scheinen ihren internationalen Einfluss nach und nach einzubüßen. Das ist lange vorausgesehen worden. Vielleicht führt es irgendwann dazu, dass wir uns aus ihrem Klammergriff lösen können. Ohne gänzlich andere Politiker scheint aber selbst das aussichtlos. Und wenn wir gleitend in eine ebenso starre Abhängigkeit von den Chinesen geraten, ist uns auf Sicht auch nicht geholfen.

Heinrich Löwe
5. Juni 2017 15:54

Mal von der Klima-Geschichte abgesehen -  

Eine Verschiebung in der deutschen/europäischen Außenpolitik in Richtung China und Rußland (Dinner von Putin/Schröder/Gabriel!) ist richtig und zu begrüßen. Die Richtung heißt Eurasische Union; Neue Seidenstraße. Der Güterverkehr findet dann auf dem Landweg statt, unabhängig von den USA. Die sitzen dann weit ab am Katzentisch. Es kann gut sein, daß Trump am Ende das Gegenteil von "Make America great again" erreicht. Gewisse Kreise in den USA werden das aber nicht zulassen. Deswegen wird Trump seine Amtszeit eher nicht zu Ende bringen.

Europa hat immer noch führendes Know-How, Rußland die Rohstoffe und China die Arbeitskräfte. mehr braucht es nicht.

cnahr
5. Juni 2017 20:43

Ich stimme Heinrich Löwe der Richtung nach zu. Eine akute militärische Gefährdung, für die Europa die USA bräuchte, ist nicht zu erkennen. Putin will sein Umfeld sichern, aber mit Westeuropa einfach nur Handel treiben.

Im Gegenzug wäre ein großer Vorteil einer Neuausrichtung nach Osten, dass Russland und China von Amerikas fanatischem Progressivismus weitgehend frei sind. Bei Intensivierung der Kontakte darf man auch auf einen entsprechend heilsamen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft hoffen.

Das Relikt
6. Juni 2017 02:30

@ cnahr

"Eine akute militärische Gefährdung, für die Europa die USA bräuchte, ist nicht zu erkennen. Putin will sein Umfeld sichern, aber mit Westeuropa einfach nur Handel treiben."

Ich bitte Sie... Das ist ja Klischee-Putin-Bitching vom Feinsten.

Der Mann ist ein cäsarischer Machtmensch. Europa ist schwach, sein Russland stärker. Selbstverständlich würde Putin sich jeden Fetzen Europas aneignen, den die Amerikaner preisgeben, so wie in der Ukraine geschehen, und was er nicht halten kann, wird er demontieren.

Können die Deutsch-Cucks echt nicht mehr ohne Zuhälter? Ich meine, ernsthaft, Chinesen und Russen?

 

Valjean72
6. Juni 2017 10:53

Auf den deutschen Saker  wurde die deutsche Übersetzung eines Artikels von R. Ischtschenko veröffentlicht.

Er legt darin die strategische Bedeutung der russisch-chinesischen Beziehungen und des gemeinsamen Mammutprojektes der eurasischen Integration ("Neue Große Seidenstraße") dar. Alle Hebel der USA diese bilateralen Beziehungen zu vergiften würden laut Ischtschenko scheitern.

Daher bliebe den USA (bzw. den globalistischen Machtstrukturen) nur mehr ein Mittel und zwar jenes der „verbrannten Erde“:

 „Für die USA bleibt nur ein letztes, für sie nicht das angenehmste, aber dennoch ein ausreichend effektives Mittel zur Untergrabung transeurasischer, handelswirtschaftlicher Projekte. Alle diese Projekte setzen den Bestand noch eines großen Partners voraus – die Europäische Union. Die EU ist ein gigantischer Absatzmarkt für russländische und chinesische Waren, und ein potenzielles Lager von Hochtechnologien. Im Allgemeinen ist der Transit chinesischer Waren über durch Russland kontrollierte Handelswege nur nach Europa möglich und setzt einen Gegentransit europäischer Waren in Richtung der asiatischen Märkte voraus.

Wenn es nicht gelungen ist, aus diesem Schema weder Russland, noch China zu entfernen; wenn es nicht gelungen ist, den landbasierten Transit durch das Anzünden des Nahen Ostens und der osteuropäischen Peripherie der Eurounion zu blockieren, so bleibt die Möglichkeit der Liquidierung der EU als Handelspartner des russländisch-chinesischen Bündnisses.“

Vineyardsaker.de (03.06.2017)

In diesem Kontext ist meines Erachtens auch die gesteuerte Masseneinwanderung nach Kerneuropa einzuordnen (s. auch Kelly M. Greenhill – „Weapons of Mass Migration“).

Und der BREXIT ist möglicherweise auch nur eine von den intriganten angelsächsischen Machteliten konsequente Entscheidung im Sinne, dass die Ratten rechtzeitig das sinkende Schiff (der EU) verlassen.

Der_Jürgen
6. Juni 2017 12:49

@Das Relikt

"Selbstverständlich würde sich Putin jeden Fetzen Europas aneignen, den die Amerikaner preisgeben, so wie in der Ukraine geschehen..."

Ich bitte Sie! Woher beziehen Sie eigentlich Ihre aussenpolitischen Informationen? Aus der Bildzeitung vielleicht, oder von Herrn Richard Herzinger von der "Welt"? 

Putin ist ein sehr vorsichtiger Schachspieler, vergleichbar dem früheren kubanischen Weltmeister Raul Jose Capablanca, der stets defensiv spielte und jahrelang keine Partie verlor. Alle offensiven Massnahmen Russlands, sei es der Schlag gegen Georgien anno 2008 (als Putin übrigens nur Premierminister war), sei es die Rückholung der Krim, sei es die diskrete Unterstützung der Freiheitskämpfer im Donbass, erfolgten als Reaktion auf gröbste Provokationen.

Am 8. August 2008, als die Welt nach Peking schaute, wo eben die Olympiade begann, beschossen die Georgier die südossetische Hauptstadt Tschinval und töteten dabei auch russische Angehörige der Kommission zur Überwachung des Waffenstillstandes. Eine Grossmacht, die etwas auf sich hält, kann eine solche Provokation einfach nicht dulden. Die Reaktion fiel zudem äusserst gemässigt aus; die Russen hätten Georgien leicht besetzen und Sakaschwili stürzen können (was sie meiner Ansicht nach hätten tun sollen, um die Gefahr von Nato-Basen in ihrer Nachbarschaft auszuschalten), taten es jedoch nicht.

Am 13. Dezember 2013 erklärte Viktoria Nuland, die USA hätten für die "Demokratie" (sprich: Einsetzung eines amerikanischen Vasallenregimes) in der Ukraine bisher fünf Milliarden Dollar ausgegeben. Bald darauf wurde das Kiewer Putschregime an die Macht gebracht. Hätten die Russen die Krim, die ihnen von Rechts wegen gehörte, nicht in Übereinstimmung mit dem Willen ihrer Bevölkerung heimgeholt, so wäre letzterer das traurige Schicksal des Donbass nicht erspart geblieben, und es hätte ein Blutbad gegeben.

A propos. Russland hätte den Donbass mühelos besetzen und angliedern können, mit der Zustimmung von mindestens 80% seiner Bewohner. Es hätte auch den ganzen Osten und Süden der Ukraine rasch unter Kontrolle bringen können, bis hin zu Transnistrien, das ebenfalls von Russen bewohnt wird, die eine Angliederung begrüsst hätten. Washington, London, Brüssel und Berlin hätten in ohnmächtiger Wut geheult, aber nicht militärisch reagiert. 

Was soll also der Unfug, dass Putin jeden Winkel Europas, den die Amis preisgäben, sich gleich unter die Nägel reissen würde? Glauben Sie, Russland, das schon eine Heidenmühe mit seiner eigenen grossen und teils für den Terrorismus anfälligen muslimischen Minderheit hat, sei daran interessiert, als Besatzungsmacht über europäische Länder herrschen zu müssen, deren Bevölkerung die Okkupation ablehnen würde?

Russland will Ruhe an seinen Grenzen. Es will friedliche Nachbarn im Westen, mit denen es Handel treiben kann. Es will keine Nato-Basen in Polen, in Rumänien, im Baltikum. Alles legitime Wünsche - oder etwa nicht, @Relikt?

Gustav Grambauer
6. Juni 2017 13:08

Cocatum non est pictum

"Die Formulierung wiederum, das Pariser Abkommen könne und werde von nichts aufgehalten werden, ist mir ins Auge gesprungen und erscheint mir einigermaßen bedeutsam. Vielleicht weiß Gustav Grambauer diese Textpassage anthroposophisch zu deuten?"

Ich würde die lediglich (a) als als Götzenbeschwörung, (b) für die jetzt wankelmütigen Staaten als Signal und (c) für die Masse als Durchhalteparole deuten.

Soweit es ein Signal sein sollte, war es eine freudianische Fehlleistung. Auf dem IX. Parteitag der SED hat Honecker in der Werner-Seelenbinder-Halle (sic!) riesengroß plakatieren lassen: "Weiter voran auf dem sicheren Kurs der Hauptaufgabe!" Mit dem Wörtchen "sicheren" hat er seine ganze Unsicherheit und das Ausmaß der Grabenkämpfe hinter den Kulissen verraten.  

Es geht um das weibliche Prinzip, welches der vor allem rabbinischen und katholischen Dominum-Terrae-Orthodoxie den Krieg erklärt hat. Die Formulierung mit Mutter Gaia war wieder schlau gewählt, weil M. sich jederzeit darauf zurückziehen kann, daß sie sie nur als Metapher gemeint hat oder daß man als progressive Kirchentagschristin neben Christus ja wohl auch die Erde lieben darf. Aber im Gegensatz zu Merkel fand die WASP (Methodistin) Clinton neulich ausgesprochen deutliche Worte für den Rang, den sie ihrem Götzenprojekt beimißt:

https://www.youtube.com/watch?v=v_UqY2LSHEE

Die URL, sehe ich gerade, endet mit "SHEE" ...

- G. G.

Hartwig aus LG8
6. Juni 2017 13:39

Ich schätze diese Beiträge, die Geopolitik zum Thema haben oder es zumindest streifen.

Der (weltpolitische?) Rückzug der USA deutet sich schemenhaft an. Eine große Operation steht bevor, die nach einer Überdosis Lachgas für's Volk verlangt. Am Ende wird man froh sein müssen, wenn die Atomsprengköpfe im Bunker geblieben sind. Aber so weit ist es noch nicht. Alles in allem für uns Deutsche mehr Chance als Risiko, die es zu ergreifen gilt. Im Volke allerdings scheint das Verlangen nach Souveränität nicht sehr ausgeprägt zu sein. Und wo soll die Mehrheit herkommen, die den Rüstungshaushalt ermöglicht, der nötig wird, wenn sich die USA erst hinter ihrem Limes zurückgezogen haben?

 

cnahr
6. Juni 2017 14:56

@Das Relikt:

Sie verbreiten plumpe CIA-Propaganda. Putin hat lediglich die Krim annektiert, die mit ihrem Flottenstützpunkt für Russland strategisch unabdingbar und mehrheitlich von Russen bewohnt sind. Und das hat er erst gemacht, als der Euromaidan eine antirussische Regierung an die Macht zu bringen drohte. Seitdem hat Putin seltsamerweise darauf verzichtet, sich irgendwas anzueignen, obwohl er doch so ein böser cäsarischer Machtmensch ist. Selbst im Donbass, wo die örtlichen Russen für ihn revoltierten, ist er offenbar mit einem autonomen Status innerhalb der Ukraine zufrieden.

Cacatum non est pictum
7. Juni 2017 03:58

@Das Relikt

Können die Deutsch-Cucks echt nicht mehr ohne Zuhälter?

Wahrscheinlich nicht. Aber nach nunmehr knapp 100 Jahren fehlender Souveränität am Stück nimmt einen das nicht wunder.

@Valjean72

Ich habe mich von der klassischen Perspektive der Geopolitik verabschiedet, die ja Staaten als politische Akteure betrachtet und demzufolge voraussetzt, dass Staatsoberhäupter und Minister umfassend Macht ausüben und weitgehend frei entscheiden. Das ist aber nicht der Fall. Spitzenpolitiker sind in den allermeisten Fällen Strohmänner für diejenigen, die wirklich Einfluss ausüben, ihrerseits aber diskret im Hintergrund bleiben möchten. Staatliche Strukturen (vor allem militärischer Art) dienen diesen Leuten als Vehikel zur Festigung ihrer Macht.

Als der weltpolitische Einfluss der britischen Krone schwand und sukzessive auf die Vereinigten Staaten überging, hat das etwa der Rothschild-Bankiersdynastie ganz sicher keinen finanziellen Schaden zugefügt. Wir können davon ausgehen, dass die Strategen im Hintergrund einfach ihre Einflusszone etwas verlagert und ihre Interessen fortan eben mit der Militärmaschinerie der USA durchgesetzt haben.

Nun gerät die US-amerikanische Hegemonie langsam ins Wanken. Sie wird nicht dauerhaft zu halten sein und langfristig möglicherweise an China übergehen. Daher liegt es nahe, dass sich auch die NWO-Strategen in Richtung China orientieren. Strukturen haben sie dort schon lange vor Mao ausgebildet (Freimaurerlogen, eigene Banken etc.). Insofern steht zu befürchten, dass das globalistische Experiment mit dem Niedergang der amerikanischen geopolitischen Vorherrschaft nicht zu Ende sein wird.

@Gustav Grambauer

Vielen Dank für die Einschätzung.

Valjean72
7. Juni 2017 12:14

@Cacatum non est pictum:

"Insofern steht zu befürchten, dass das globalistische Experiment mit dem Niedergang der amerikanischen geopolitischen Vorherrschaft nicht zu Ende sein wird."

Die Gefahr, dass diese parasitären Machtstrukturen einfach das Wirtsland wechseln, besteht wohl. Worauf könnte man dann hoffen? Vielleicht dass es ausreichend einflussreiche patriotische Kräfte in China gibt, die erkannt haben, dass der Statuts des "Wirtslandes" den Menschen in den USA nicht unbedingt viel gebracht hat. Oder dass chinesische Entscheidungsträger in ungleich weiteren Zeithorizonten denken als deren US-amerikanische Pendants.

Immerhin geht zumindest Russland einen "relativ" eigenen und patriotischen Weg und könnte uns daher in dieser Hinsicht als Beispiel dienen.

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