07. Juni 2017

"Repolitisierung der Debatte" - Marc Jongen im Gespräch

von Gastbeitrag / 29 Kommentare

Marc Jongen, einer der beiden Landessprecher der AfD in Baden-Württemberg, hat Alain de Benoist für die Zeitschrift "éléments" ein Interview gegeben. Hier die Übersetzung:

éléments: Im März sollten Sie an einer Podiumsdiskussion am Theater "Gessnerallee" in Zürich teilnehmen. Über 500 "Kulturschaffende" aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dagegen protestiert, es gab Gewaltandrohungen gegen das Theater, schließlich mußte die Veranstaltung abgesagt werden. Warum fürchtet man sich so sehr vor Ihnen? Ist die freie Meinungsäußerung in Deutschland noch gewährleistet?
 
Jongen: Sie ist zumindest schwer bedroht. Der deutsche Justizminster Heiko Maas hat vor kurzem einen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung von "Hatespeech" und "Fake News" vorgelegt, der soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter verpflichten soll, alle "offensichtlich rechtswidrigen" Inhalte ihrer Nutzer innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Tun sie es nicht, drohen Strafgelder von bis zu 50 Millionen Euro. Das würde nichts anderes als die Wiedereinführung der Zensur bedeuten, es ist die Maßnahme eines Regimes, nicht die einer Demokratie. Fast noch beunruhigender ist das totale Versagen der sogenannten Intellektuellen angesichts dieser Verhältnisse. Anstatt gegen eine solche "Herrschaft des Unrechts" Sturm zu laufen, scharen sie sich um die Regierenden, um gemeinsam das Phantom des "Rechtsextremismus" zu bekämpfen. Die Ursache ist so banal wie deprimierend: Man fürchtet um seine Futtertröge in den kulturellen Institutionen. Und man hat eine Heidenangst, in der offenen intellektuellen Auseinandersetzung mit den eigenen linken Lebenslügen konfrontiert zu werden. Das hat die Tragikomödie in Zürich exemplarisch gezeigt.
 
éléments: Vor der Flüchtlingskrise, bei der seit 2015 knapp zwei Millionen Migranten nach Deutschland geströmt sind, hat die AfD bei Wahlen nicht mehr als 5 bis 10 % der Wählerstimmen erhalten. Bei den letzten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie die CDU mit 20,8 % der Stimmen in den Schatten gestellt (nachdem Sie in Sachsen-Anhalt 24,2% erreicht hatten). Bedeutet das, daß das Flüchtlingsproblem der Hauptgrund Ihres Erfolges ist?
 
Jongen: Die Migrationskrise, ausgelöst durch die Grenzöffnung der Regierung Merkel im Sommer 2015, hat die Verkommenheit der politischen Eliten, die auch vorher schon bestanden hatte, nur in einer besonders grellen Art und Weise ans Licht gebracht. Ganz offensichtlich hat das die Zustimmung zur AfD stark ansteigen lassen. Viele Menschen haben verstanden, daß wir die einzige echte Opposition in Deutschland sind. Ich lege aber großen Wert auf die Feststellung, daß wir keine "Ein-Themen-Partei" sind, wie oft behauptet wird. Das war schon zu Zeiten der Euro-Krise falsch, als wir als einzige Partei die irrsinnige "Euro-Rettungspolitik" kritisiert haben, und es ist auch heute falsch, wo die verbrecherische "Asyl-Politik" der Kartellparteien im Fokus unserer Kritik steht.  Auf allen Politikfeldern hat das alte System versagt, seine Krise ist eine multidimensionale, und wir haben alle Dimensionen im Blick. Im politischen Tagesgeschäft kann man sich aber immer nur um einige wenige – die schlimmsten – Brandherde kümmern.
 
éléments: Im allgemeinen erzielt die AfD in den neuen Bundesländern bessere Wahlergebnisse als in den alten. Selbst in Berlin gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
 
Jongen: Ja, es gibt da einen signifikanten Mentalitätsunterschied zwischen Ost und West. Die ehemaligen Bürger der DDR wissen, was es heißt, in einem totalitären Regime zu leben. Versuche, eine Staatsideologie zu etablieren und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken, lösen bei ihnen ein Déjà-vu-Erlebnis aus. Sie haben auch die Erfahrung gemacht, daß ein solches Regime wie ein Spuk wieder verschwinden kann, und sind daher kampfeslustiger. Dagegen ist im Westen die illusionäre und arrogante Mentalität stark verbreitet, die Demokratie gepachtet zu haben. Auch ist den Menschen im Westen der Patriotismus fast gänzlich aberzogen worden, was im Osten so nicht der Fall war. All das macht das Klima für die AfD dort günstiger.
 
éléments: Die AfD-Wähler – kommen sie vor allem aus dem rechten Lager, dem linken oder aus beiden?  Und welche Rolle spielen untere Volksschichten und die Arbeiterschaft?
 
Jongen: Vor kurzem hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Studie vorgelegt, die belegt, daß die Anhänger der AfD nicht in erster Linie die "Abgehängten" und die "Modernisierungsverlierer" sind, wie oft behauptet wird, sondern daß sie aus der "Mitte der Gesellschaft" kommen. Ihr Einkommen liegt leicht über dem bundesweiten Durchschnitt, es sind also Leute, die etwas zu verlieren haben. Und die sich große Sorgen um ihre Zukunft und die Zukunft ihres Landes machen. Zu Recht, wie wir meinen. Dazu gehören auch immer mehr Arbeiter und Angestellte, weshalb die SPD, die deutsche Sozialdemokratie, die sich von uns bedroht sieht, die AfD am erbittertsten bekämpft. Im übrigen dürfen wir uns rühmen, einen beachtlichen Teil bisheriger Nichtwähler, die bereits resigniert hatten, wieder zum Wählen motiviert zu haben.
 
éléments: Die Parteien, die die Einwanderung kritisieren, punkten im ganzen Land, jedoch sind sie nur dann glaubhaft, wenn sie auch Vorschläge zu anderen Themen machen können. Wie lauten die Positionen der AfD, abgesehen von der Einwanderungskritik?
 
Jongen: Wenn Sie es auf eine Formel bringen wollen: Wir wollen Deutschland als souveränen Nationalstaat erhalten – oder besser: wiederherstellen. Und wir wollen sicherstellen, daß es die deutsche Kultur auch in 100 oder 200 Jahren noch gibt – in friedlicher Koexistenz mit den anderen europäischen Kulturen. Neben dem Stopp der Masseneinwanderung, v.a. aus muslimischen Ländern, bedarf es dazu einer signifikanten Erhöhung der Geburtenrate, d.h. einer anderen Familienpolitik, die Familien mit Kindern steuerlich radikal entlastet, durchaus nach dem Vorbild Frankreichs. Wir wollen die gescheiterte Währung des Euro abschaffen und die EU auf einige wenige Kernkompetenzen zurückfahren. Der undemokratische "europäische Einigungsprozeß", der ab einem bestimmten Punkt nur noch Schaden anrichtet und der letztlich antieuropäisch ist, muß gestoppt werden. Stattdessen fordern wir mehr direkte Demokratie in Deutschland mit Volksabstimmungen wie in der Schweiz. Ideologische Vorgaben des Staates wie Gender Mainstreaming wollen wir beseitigen und die ökonomisch und ökologisch unsinnige "Energiewende", die unsere Landschaften mit Windrädern zupflastert und die zu einem großen Blackout führen könnte, durch ein pragmatisches, ideologiefreies Energiekonzept ersetzen. Unsere wichtigste Aufgabe sehe ich aber in einer Änderung des politischen Gesamtklimas, einer tiefgreifenden Umstimmung der Gesellschaft. Die europäischen Nationen müssen von einer Kultur der Selbstabschaffung auf eine solche des Überlebenswillens umstellen.
 
éléments: Bei Gründung der AfD setzte sich die Parteiführung aus Konservativen und Liberalen zusammen. Man erinnert sich an die Worte von Arthur Moeller van den Bruck: "An Liberalismus gehen die Völker zugrunde." Was ist davon heute übriggeblieben, nach dem Ausscheiden von Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel und unter der Führung durch Frauke Petry?

Kommentare (29)

destijl
07. Juni 2017 16:45

Danke für die Übersetzung, Benedikt (?). Wäre es vorstellbar, dass Sie öfter einmal Texte aus der "éléments" auf SiN bringen? Wäre ein Gewinn. Ich habe  "Querfront"sehr gerne gelesen und bin nun sehr neugierig auf die von Ihnen darin zitierte Presselandschaft der Neuen Rechten in Frankreich, die weitaus ausdifferenzierter als die hiesige scheint, auch intellektuell offener.

Der_Jürgen
08. Juni 2017 11:36

Ich habe von Alain de Benoist einiges gelesen, vor allem sein Opus Magnum "Vue de droite". Er ist ohne jeden Zweifel ein hochbelesener und hochintelligenter Mann, aber seine extreme Feindseligkeit gegen das Christentum stösst mich ab. Wie kann ein europäischer Patriot, selbst wenn er nicht gläubig ist, den gigantischen Beitrag des Christentums zur europäischen Kultur ignorieren oder gar leugnen und dieses als die "Katastrophe schlechthin" (so Benoist in einer seiner Schriften, ich weiss nicht mehr welcher) bezeichnen?

Ein französischer Experte für die Freimaurerei, dessen Namen ich hier nicht nennen will, sagte mir, die "Nouvelle Droite", die in Frankreich Ende der siebziger Jahre in die Schlagzeilen rückte, sei von der Maurerei massiv unterstützt worden, um das Christentum zu schwächen und einen Teil der nationalen Opposition auf Abwege zu führen. Ich kann nicht nachprüfen, ob das stimmt, aber es ergibt sehr wohl einen Sinn.

Mich wunderte damals (Ende siebziger und Anfang achtziger Jahre), dass die grossen französischen Medien de Benoist und vielen anderen Vertretern der Nouvelle Droite so enorm viel Raum zur Darlegung ihrer Thesen gewährten - dieselben Medien, die schon damals, wenn auch nicht im selben Umfang wie heute, ansonsten rigoros darauf achteten, dass keine unerwünschten Meinungen in ihnen geäussert wurden.

Auf der Hand liegende Forderungen wie die Repatriierung der überwältigenden Mehrheit der in Frankreich lebenden Muslime wurden von Benoist niemals gestellt; er glaubt an ein multikulturelles Nebeneinander oder gibt vor, daran zu glauben. Da ist Vorsicht angebracht.

(Falls Benoist seine Ansichten in jüngerer Vergangenheit geändert haben sollte, bitte ich um Mitteilung seitens informierter Leser. Ich kenne seine jüngsten Schriften nicht.)

Der_Jürgen
08. Juni 2017 12:08

Eine Ergänzung zu meinem Kommentar zu Alain de Benoist:

Am 17. Juli 1998 publizierte die "Neue Freiheit" ein langes Interview mit ihm.

https://jungefreiheit.de/service/archiv?artikel=archiv98/308aa7.htm

De Benoist sagt dort unter anderem:

"Ich ziehe [dem französischen Modell, das von Ausländer Integrierung verlangt] das englische vor, wo Gemeinschaften fremden Ursprungs die Möglichkeit haben, ihre Gebräuche und Traditionen beizubehalten. [...] Ich glaube, dass jede Gemenschaft fremden Ursprungs eine Persönlichkeit haben dürfen muss, nicht, um sich von den anderen zu isolieren, sondern um den gegenseitigen Dialog über ihre Verschiedenheiten zu bereichern. [...] Deshalb spreche ich mich für einen gemässigten Multikulturalismus aus."

Die linke Liesel kenn ich am Geläut. Man kann diese Aussagen des französischen Autors nicht hart genug tadeln. Die Muslime dürfen also weiterhin Schlachttiere zu Tode quälen, ihre Töchter der bestialischen Prozedur der Beschneidung unterwerfen (ich weiss, dieser Brauch ist nicht in allen islamischen Ländern verbreitet und wird vom Koran auch nicht verlangt, doch wird er in sehr vielen muslimischen Ländern Afrikas praktiziert; in Somalia werden fast 100% der Mädchen beschnitten), ihre Frauen zur Verschleierung zwingen, der Polygamie frönen, ihren Töchtern den Besuch des Schwimmunterrichts verbieten und sie im Alter von sechzehhn Jahren an fünfzigjährige Männer verheiraten. All das gehört ja zu den "Gebräuchen und Traditionen", deren Beibehaltung Monsieur de Benoist den Muselmanen in Europa zugestehen will.

Laut diesem Herrn können all diese herrlichen Dinge "den gegenseitigen Dialog über die Unterschiede" bereichern. Dümmer gehts nimmer; so dumm formulieren es sonst nur die Systempolitiker und ihre Schreiberlinge von der Lügenpresse. Die islamischen Fundamentalisten verspüren nicht den leisesten Wunsch nach einem solchen "Dialog". Sie werden sich ihre Wertvorstellungen nicht von ihren europäischen Gesprächspartnern ausreden lassen.

Bei allem Respekt vor seiner Bildung ist Alain de Benoist für mich ein Feind.

Der Gehenkte
08. Juni 2017 13:20

Eisiges Schweigen im Forum – die beiden einzigen Wortmeldungen verweigern sich, auf Jongens Äußerungen einzugehen, vermeiden sogar den Namen! Geht man so mit einem der hellsten Politiker der AfD um? Der zudem noch etwas riskiert, hier nun zum dritten Male aufzutreten. Es dauert nicht mehr lange und er wird sich noch eine Erwähnung bei Liane Bednarz einfangen.

Man muß Jongen für den Mut und für die Klarheit seiner Aussagen danken. In diesem Zirkel ist es freilich schwer, damit zu überraschen – man weiß das alles – aber es sind doch einige sehr gelungene Gedankenführungen und markante Sätze, gekonnte Zuspitzungen („es ist die Maßnahme eines Regimes, nicht die einer Demokratie“, „Änderung des politischen Gesamtklimas“ etc.) darunter. Ich mag Jongens unaufgeregten Ton …

Als jemand, der den Denkweg Sloterdijks seit der „Kritik der zynischen Vernunft“ sehr intensiv mitgegangen ist – ich halte ihn für die überragende Geistesgröße unserer Zeit -, waren die abschließenden Ausführungen besonders interessant. Mir gab es großen Mut, Sloterdijk auf unserer Seite zu wissen, auch wenn er – aus verständlichen Gründen – das Bekenntnis verweigert. Viel mehr sollte man die Kritik eines solchen Kopfes sehr ernst nehmen und wenn er in der AfD „Gestalten“ ausmacht, dann muß man sich fragen, was er sieht und was ihm geboten wird.

Die Wahrheit über Sloterdijk steckt in Sätzen wie diesem: „Ohne Errungenschaftskonservatismus kann ein Gemeinwesen unseres Typs nicht existieren, deshalb habe ich vor Kurzem eine Vokabel wie „linkskonservativ“ benutzt,  um die Gegend zu kennzeichnen, aus der ich argumentiere.“

Es wäre ein großer Gewinn, wenn Jongen den Kontakt nicht gänzlich abbrechen lassen würde. Es wäre ein noch größerer Gewinn, wenn Jongen den Steinbruch Sloterdijk nicht nur zur Vokabelsammlung nutzte, sondern selber konstruktiv damit umzugehen begänne.

Henrik Linkerhand
08. Juni 2017 14:47

Leider ein Interview ohne Erkenntnisgewinn, da dieser plakative Poltikerjargon wohl eher an andere Adressaten geht.

@Der_Jürgen

Die Feindseligkeit gegenüber dem Christentum ist dezidierter Antikatholizismus, der in Frankreich historisch begründet weit verbreitet und wirkmächtiger ist, als z.B. in Deutschland. Bei Venner tritt das noch mehr in den Vordergrund ( versuche ich beim Lesen immer auszublenden).  Auf der anderen französischen Seite steht z.B. Raspail, ein glühender Verehrer eines reaktionären Katholizismus (ist mir sehr symphatisch). Es gibt eben die "Mars Rechten" (Antike, Sparta) und die "Venus Rechten" (Rom, Mittelalter, katholisch). Ich mag sie beide.

Ralf Kaiser
08. Juni 2017 15:12

@ Der Jürgen

Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll, um diesen Wust an wirren Behauptungen zu entknoten. Eine Quelle, die Sie natürlich nicht nennen, hat wieder so eine Freimaurerverschwörung aufgedeckt. Wie viele "große französische Medien" haben denn der Nouvelle Droite die Tore geöffnet? Die Bewegung erarbeitete sich zunächst ein eigenes Netz von Publikationen, von denen Nouvelle École schließlich eine Auflage von 10.000 Exemplaren erreichte, Études et recherches 15.000, Éléments sogar 20.000 (Michael Böhm: Alain de Benoist. Denker der Nouvelle Droite. Schnellroda 2008, S.107f)erst als sich diese Erfolge abzeichneten, zeigte auch ein Teil der bürgerlicheren Presse Interesse, hauptsächlich das Figaro-Magazine des rechten Verlegers Robert Hersant. Der journalistische Gegenwind schwoll jedoch sehr schnell an und erreichte seinen Höhepunkt 1979. Wie sich auch selbsternannte deutsche Qualitätsmedien mit faustdicken Lügen daran beteiligten, könnten Sie, werter Jürgen, dem Anhang des gerade wieder aufgelegten Buches Kulturrevolution von rechts? entnehmen. Jedenfalls gab es diesen Anhang in der Erstauflage. Ich nehme an, er ist auch jetzt wieder enthalten.

Offenbar hatten SPIEGEL, ZEIT und SÜDDEUTSCHE die Anweisungen aus dem Logentempel einfach ignoriert!   

Der_Jürgen
08. Juni 2017 15:23

@ Der Gehenkte @Henrik Linkerhand

Das vom Gehenkten monierte "eisige Schweigen" im Forum zu Jongens Aussagen liegt wohl einfach daran, dass daran, wie der Gehenkte ja selber feststellt, für uns nichts daran neu ist. Jongen formuliert Dinge, die für Menschen unserer Denkrichtung selbstverständlich sind, gut und elegant. Damit hat es sich.

Das soll jetzt keine Kritik an ihm sein. Er hat schliesslich nur auf Fragen geantwortet und besass darum keine Möglichkeit, eventuell vorhandene grosse Visionen zu enthüllen.

Hartwig aus LG8
08. Juni 2017 15:37

""Eisiges Schweigen im Forum""

@Gehenkter: Man formuliert ja meist schon sanft. Oft genug findet man seinen Kommentar dann auch unter dem Artkel. Aber stets dann, wenn man eine andere Gangart auch nur erwähnt, bleibt der Kommentar verschollen. Ich respektiere das Hausrecht voll und ganz, habe mich noch nie beschwert und werde es auch nie tun.  Aber vielleicht rührt so manches Schweigen eben auch daher.

Henrik Linkerhand
08. Juni 2017 15:51

@ Der_Jürgen

Bei allem Respekt vor seiner Bildung ist Alain de Benoist für mich ein Feind.

Nach Ihrer Logik müsste der Front National dann auch der Feind sein, was übrigens die alte Erbfeindschaft wiederbeleben würde. Sie müssen das alles im historischen Kontext betrachten. Frankreich, der FN, de Benoist sind viel sozialistischer als die meisten deutschen Rechten das glauben mögen. Frankreich ist eben nicht Deutschland.

Ralf Kaiser
08. Juni 2017 16:05

Kleine Korrektur: Benoists Buch Kulturrevolution von rechts natürlich ohne Fragezeichen im Titel.

@ Henrik Linkerhand

Ihre Erklärung greift zu kurz. Benoist hat seine Abneigung gegen das Christentum wiederholt erläutert, etwa in seinem Buch Heide sein, und sich sogar der Diskussion mit Theologen gestellt, z. B. in dem Gesprächsband Welche Religion für Europa?. Das alles kann hier nicht ausführlich besprochen werden, aber ich versuche doch einmal einen Einstieg, obwohl selbstverständlich sofort die üblichen Verdächtigen auf mich einprügeln werden.

Die Christianisierung Europas führte zu einem Kulturverlust gigantischen Ausmaßes, wie er noch in der Neuzeit auch in den europäischen Kolonien zu beobachten war. Bezeichnenderweise ist das Wort Völker in der Bibel gleichbedeutend mit "Heiden". Mit Ausnahme des Gottesvolkes sind die Völker meist negativ besetzt. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel wertet die Entstehung ethnischer und sprachlicher Unterschiede als Strafe Gottes, damit nicht mehr "einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen" sei. Im christlichen Heilsplan hat die Verschiedenheit aber nicht das letzte Wort, und so wollen Missionare die Menschheit von diesem Mißstand erlösen und die globale Einheitsreligion schaffen.

Monika L.
08. Juni 2017 16:44

@Jürgen 

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu Alain de Benoist. Ich habe von ihm nur " Heide sein " gelesen. Und in meiner Studienzeit einen kritischen Beitrag aus christlicher Sicht zu diesem Buch verfasst. Den Text hatte ich seinerzeit an Gerd-Klaus Kaltenbrunner geschickt. Und ihn danach auch Im Ölmättle besucht. GKK schrieb mir am 14. Juli 1986 folgendes:

Liebe Frau W.

haben Sie vielen Dank für Ihren Besuch am 7. Juli...Inwischen bin ich dazu gekommen, Ihre beiden Arbeiten zu lesen. Insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit dem Papp-Heiden Benoist hat es mir sehr angetan. Hätte ich ein Manuskript dieser  Art vor vier Jahren in Hönden gehabt, dann hätte ich es liebend gern in dem Ihnen bekannten INITIATIVE-Band 49 über die nichtchristlichen Konservativen veröffentlicht...

Ich glaube aber, daß  es sich lohnte, eine etwas kürzere Fassung der Redaktion von CRITICON anzubieten. Die Anschrift kennen Sie ja...

Obwohl nämlich CRITICON von allem Anfang an der " Neuen Rechten" überaus wohlwollend gegenübersteht, so ist doch anzuerkennen, daß diese Zeitschrift immer wieder auch Stimmen von anderer  Seite zu Wort kommen läßt...

Über das hohe Maß an Übereinstimmung, das unser Gespräch zutage brachte, freue ich mich auch heute noch....

Ihr Gerd-Klaus Kaltenbrunner

P.S. Ich hatte das Manuskript , soweit ich mich erinnere, damals an Criticon geschickt. Aber auch die gekürzte Fassung war Herrn Schrenck-Notzing noch zu lang. So ging mein Beitrag den Weg alles Irdischen ....liegt in einer Kiste.

Außer HEIDE SEIN habe ich von Benoist nichts gelesen. Kann also nicht beurteilen, ob sich sein Denken in eine für mich interessante Richtung bewegt hat. Sein unsachliches Antichristentum hat mir nie gefallen. Kritik am Liberalismus gefällt mir bei Kleine -Hartlage oder Marcello Pera besser. 

Allerdings bin ich der Meinung, dass wir diese Unterschiede der verschiedenen Richtungen in den eigenen Reihen diskutieren sollten. Auch die Nichtchristen, Atheisten, Agnostiker, Heiden sollten sich an die Grundregeln des wissenschaftlichen Diskurses halten. Wir Christen halten uns ja auch an einen methodischen Atheismus. 

Aus intellektueller Redlichkeit zuerst. Aber auch, um hier dem politischen Gegner nicht das Feld zu überlassen. Jetzt widme ich mich mal dem Gespräch mit Jongen. 

Martin Lichtmesz
08. Juni 2017 17:50

Benoist einen "Feind" zu nennen, ist völlig absurd. Er bleibt einer der besten Vor- und Nachdenker, den die Rechte im weitesten Sinne hat (er hält die Links-Rechts-Dichotomie ja für überholt). Seine Analyse des populistischen Phänomens ist wegweisend und maßgeblich, es gibt zur Zeit nichts besseres und scharfsinnigeres (eine Übersetzung ist im Gange, allerdings nicht bei Antaios.) Éléments ist eine großartige, niemals langweilige Zeitschrift. Dem Christentum steht er zwar weiterhin kritisch gegenüber, aber die Schärfe seiner Position hat sich seit der Frühzeit der ND deutlich abgemildert. Von "Feindschaft" kann jedenfalls so keine Rede mehr sein. Hinzu kommt, daß Benoist keine Berührungsängste hat, niemals nach rechts tritt, und einer der offensten und geistig elastischten und tolerantesten Menschen ist, die ich je getroffen habe.

Der_Jürgen
08. Juni 2017 18:45

@Ralf Kaiser

Sie müssten sich angewöhnen, Texte sorgfältiger zu lesen. Ich habe bezüglich der Förderung der Nouvelle Droite durch die französische Freimauerei durchaus keine "wirren Behauptungen" aufgestellt, sondern mich, mit gebührendem Vorbehalt ("Ich kann nicht nachprüfen, ob das stimmt"), auf einen Kenner der Maurerei bezogen, den ich nicht nenne, weil ich nicht weiss, ob er dies guthiesse. Punkt.

Ich hatte "Elements" und "Nouvelle Ecole" seinerzeit abonniert und darin viel Gutes und Interessantes gefunden, ebenso wie in "Vu de Droite". Die beiden in meinen vorherigen Wortmeldungen gegen de Benoist erhobenen Vorwürfe, erstens den eines vollkommen kontraproduktiven Sturmlaufs gegen das Christentum und zweitens den der Zustimmung zu einer "gemässigten Multikultur" (wobei der Kuckuck weiss, was das bedeuten soll), halte ich aufrecht. Für die europäischen Völker, vorab für die Deutschen und die Franzosen, stellt sich heute die Frage nach ihrem physischen Überleben, und wer da noch von "gemässigtem Multikulturalismus" schwadroniert, an dem ist Hopfen und Malz verloren.

Ob de Benoist subjektiv ehrlich ist, weiss ich nicht, da ich keine Gedanken lesen kann. Dass er der Sache Europas objektiv schadet, steht ausser Zweifel.

Dass die deutsche Qualitätspresse im Gegensatz zur französischen die Nouvelle Droite von Beginn an bekämpft hat, ist mir gut erinnerlich, da ich damals den "Spiegel" (der de Benoist immerhin einmal interviewte) und die "Welt" las. Einen Grund für diese unterschiedliche Strategie kann man sich ohne weiteres vorstellen: Der Kampf gegen die Katholische Kirche war in Deutschland schon damals praktisch gewonnen, in Frankreich durchaus nicht. Darum bedurfte es in Frankreichs einer zusätzlichen antikatholischen und antichristlichen Kraft, die man in der Nouvelle Droite fand. Zudem bot sich eine willkommene Gelegenheit, die nationale Rechte zu spalten. Ich erinnere mich, dass Jean-Marie le Pen die Nouvelle Droite trotz gewisser Berührungspunkte scharf attackierte, weil sie alles angreife, was ihm heilig sei.

Dies ist wohlverstanden eine Hypothese, aber eine, die Hand und Fuss hat.

Solution
08. Juni 2017 19:08

Der_Jürgen liegt mit seiner Kritik richtig: Alain de Benoist ist auch mein politischer "Feind".

So will er mit seinem dubiosen "Ethnopluralismus" völlig fremden Menschgruppen gestatten, sich hier in Parallelgesellschaften zu organisieren. In seinem "Aufstand der Kulturen" schreibt er, daß der kleine arabische Gemüseladen ihm lieber sei, als der amerikanische Supermarkt.

Schon sein wirrer "Nominalismus" war eine Sackgasse. 

Das Interview ist nun wirklich banal und nicht mehr ganz aktuell.

RMH
08. Juni 2017 20:30

Danke für die Freischaltung des Beitrags von Hartwig aus LG8, der den Finger diplomatisch und treffend in die Wunde legt.

In diesem Fall haben aber vermutlich Der_Jürgen und Der Gehenkte recht, denn der Artikel ist schön für das französische Publikum, die hier einen guten Einblick erhalten, aber für alle hier schon länger Mitlesenden ist es in der Tat nichts Überraschendes oder wesentlich Neues und damit braucht man zu dem Artikel auch nichts schreiben.

@Der_Jürgen,

vielen Dank für ihre kleine, feine Abrechnung mit de Benoist. Ich habe noch nie besonderen Zugang zu seinen Werken finden können und empfand bei der Lektüre seiner Bücher den Inhalt sprachlich vielfach als typisch welsches Geschwurbel, was aber auch dem Umstand zu verdanken sein kann, dass ich selber nicht der französischen Sprache mächtig bin und nur auf Übersetzungen aus der Reihe Edition JF zurückgreifen konnte. Schon den Begriff des Ethnopluralismus halte ich für ehrlich gesagt ein bisschen seltsam, möchte ihn aber nicht zu sehr auseinandernehmen, da er ein Kernbegriff der Identitären geworden ist, deren Arbeit und Wirken ich sehr schätze. Ihr Zitat aus dem Artikel der JF zeigt aber sehr gut die Krux auf. Ich habe de Benoist noch nie für einen echten Rechten halten können, genauso wenig, wie seinen zeitweiligen Kompagnon Venner, will das an dieser Stelle aber nicht vertiefen, da es zu sehr abschweift.

Der Gehenkte
08. Juni 2017 21:04

@ Hartwig aus LG8

Das ist bedauerlich. Bin auch kein Freund davon und habe so manches Frusterlebnis gehabt - aus meist unerfindlichen Gründen.

@ Der_Jürgen

Das ändert ja nichts daran, daß man einige Positionen diskutieren kann.

So halte ich etwa den Gedanken: "Und wir wollen sicherstellen, daß es die deutsche Kultur auch in 100 oder 200 Jahren noch gibt – in friedlicher Koexistenz mit den anderen europäischen Kulturen. Neben dem Stopp der Masseneinwanderung, v.a. aus muslimischen Ländern, bedarf es dazu einer signifikanten Erhöhung der Geburtenrate ..." für falsch.

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun. In diesem Sinne schreibt auch Renaud Camus (der einzige, bei dem ich das lese):

"Man muß diese Völker (Afrikas etc.) im Interesse des ganzen Planeten dazu anhalten, umzukehren und fortan auch in ihren Heimatländern die Fortpflanzung radikal zu beschränken. Und man muß ihnen auf diesem Gebiet ein Bsp. an Maß geben" und: "Die Welt muß sich vom Kult der Zahl ein für allemal verabschieden."

Ohne Rückbau werden wir so oder so in die Katastrophe laufen, die demographische oder die ökologische.

Ralf Kaiser
08. Juni 2017 22:08

@ Der Jürgen

(...) Ist Ihnen übrigens einmal der Gedanke gekommen, daß Migranten, die sich, wie Benoist es befürwortet, nicht verwestlicht haben, am ehesten zur Remigration in ihre Herkunftsländer geeignet sind?

@ Monika L.

So so, nur Christen halten sich an die Regeln des wissenschaftlichen Diskurses? (...) Welchen Beitrag zur Versachlichung leistet die Bezeichnung "Papp-Heide"? Und habe ich Ihnen nicht neulich schon nachgewiesen, daß Sie ein Benoist-Zitat in einen falschen Kontext setzten?

Lotta Vorbeck
08. Juni 2017 23:23

@Der Gehenkte, 08. Juni 2017 - 09:04 PM

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun. In diesem Sinne schreibt auch Renaud Camus (der einzige, bei dem ich das lese):

"Man muß diese Völker (Afrikas etc.) im Interesse des ganzen Planeten dazu anhalten, umzukehren und fortan auch in ihren Heimatländern die Fortpflanzung radikal zu beschränken. ..."

Ohne Rückbau werden wir so oder so in die Katastrophe laufen, die demographische oder die ökologische.

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Das, was die laufende Invasion, insbesondere der BRD erst ermöglicht, ist die Bevölkerungsexplosion in Afrika und Teilen Asiens. Zu Zeiten als die in einem Lande siedelnde Population auf natürlichem Wege begrenzt wurde, eben über das Niveau welches das jeweilige Land ernähren kann nicht hinauskam, wäre eine Völkerwnderung dieses epischen Ausmaßes mangles Masse schlicht nicht möglich gewesen.

Mittels aus den Industrieländern importierter Nahrungsmittel in Verbindung mit medizinischen Hilfeleistungen aus derselben Quelle, wird erst der Bevölkerungsüberschuß erzeugt, welchen dessen Herkunftsländer wiederum über's Mittelmeer nach Norden exportieren.

Um die Dimension zu verdeutlichen, vergleiche man einfach mal die Einwohnerzahlen beispielsweise von Algerien, Ägypten, Nigeria oder auch Syrien im Jahre 1980 mit denen von heute.

Im Endeffekt wird's darauf hinauslaufen, die globale Population, siehe auch unter "Georgia Guidestones", auf einen Wert zwischen 1 und 1,5 Milliarden zu reduzieren.

Diese eher früher als später unvermeidliche Reduktion läßt sich auf verschiedenen Wegen ins Werk setzen. Entweder man senkt die Geburtenrate massiv - was keine sofort spürbare Entlastung bringen wird - oder man zündet eben das 'große Feuer' in Form eines globalener Vernichtungskrieges an, um das System auf diese Weise zu 'resetten'.

 

 

Cacatum non est pictum
09. Juni 2017 01:38

@Ralf Kaiser

Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll, um diesen Wust an wirren Behauptungen zu entknoten. Eine Quelle, die Sie natürlich nicht nennen, hat wieder so eine Freimaurerverschwörung aufgedeckt.

Nicht alles, was sich Ihrer Kenntnis entzieht, ist wirr. Und fallen Sie bitte nicht auf die vielen Freimaurer herein, die von ihrem Geheimbund öffentlich behaupten, er nehme keinen politischen Einfluss. Derlei gehört in die Kategorie Märchenstunde. Wer sich etwas mit Freimaurer-Signalgesten beschäftigt und in der Google-Bildersuche die Fotos von Alain de Benoist betrachtet, der weiß ohnehin Bescheid.

Benoist ist sicher ein origineller und kluger Denker. Dass er aber von der IB (die auch ich sehr schätze) und einigen anderen Zirkeln als Ikone gehandelt wird, bereitet mir ein wenig Magengrummeln.

@Monika L.

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu Alain de Benoist. Ich habe von ihm nur " Heide sein " gelesen. Und in meiner Studienzeit einen kritischen Beitrag aus christlicher Sicht zu diesem Buch verfasst.

Könnten Sie das Skript irgendwo zugänglich machen? Es würde mich schon rein thematisch interessieren; und da es von Herrn Kaltenbrunner ja gleichsam höchste Weihen erhalten hat, ist es gewiss lesenswert.

@Der Gehenkte

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun.

Das ist alles richtig, was Sie schreiben. Aber Goethes und Hegels Zeitgenossen sahen sich keiner permanenten Masseneinwanderung von Orientalen und Afrikanern gegenüber, mit denen sie sich ihren Lebens- und Kulturraum hätten teilen müssen. Die virulente Gefahr unserer Tage besteht doch nicht allein darin, dass wir als Volk schrumpfen, sondern insbesondere in dem Umstand, dass wir auf Sicht eine Bevölkerungsminderheit im eigenen Land werden könnten. Wenn es erst einmal so weit ist, werden sich viele kulturelle Standards von selbst auflösen. Und um den Rest wird man verlustreich kämpfen müssen, wie sich  am Beispiel der koptischen Christen in Ägypten zeigt.

Maiordomus
09. Juni 2017 05:44

@Monika L. Halte Ihren Hinweis auf Kaltenbrunner, der indes politisch schon vor mehr als 20 Jahren resignierte, betr. Benoist für wesentlich. Sein Name tönt gut, er hat sich in der Tat in Frankreich grössere Beachtung verschafft als es Schnellroda bis jetzt gelungen ist, wiewohl Aussenseiter bleibt Aussenseiter und sicher nicht einer der 3000 wichtigsten Franzosen der Geschichte. Es bleibt aber wohl auch für Deutschland dabei, dass die Verbindung zwischen Kirche und Staat gekippt werden muss. (...)

Ralf Kaiser
09. Juni 2017 08:56

@ Der Jürgen

Sie formulieren also einen Vorbehalt gegenüber einer Hypothese, die Sie gerade selbst als Argument in die Debatte geworfen haben, um dann diese Hypothese sofort wieder aufzugreifen und weiterzuführen, indem Sie alle Belege, die dagegensprechen, einzubauen versuchen. Habe ich gründlich genug gelesen?

@ Cacatum

Klären Sie uns doch bitte auf, welche Gesten das sein sollen. Ich Unwissender bin wirklich gespannt!

Utz
09. Juni 2017 09:14

@ Ralf Kaiser

Ist Ihnen übrigens einmal der Gedanke gekommen, daß Migranten, die sich, wie Benoist es befürwortet, nicht verwestlicht haben, am ehesten zur Remigration in ihre Herkunftsländer geeignet sind?

Ich fürchte die Remigrationsfähigkeit ist völlig unerheblich, solange eine Remigrationswilligkeit nicht gegeben ist. Wenn Migranten die Möglichkeit haben über die Demographie die Ursprungsbevölkerung wegzukonkurrieren, damit auch politisch Einfluß zu gewinnen, kann ihnen keiner mehr eine Remigration vorschreiben. Warum sollten sie dann noch gehen wollen? Dann war es richtig die eigene Kultur zu behalten, wenn man eh immer das Ziel hatte, das  Land, in das man kam, zu einem muslimischen, orientalischen Land umzugestalten.

Maiordomus
09. Juni 2017 09:51

Wenn wir schon am Politisieren sind und über die AfD Zeit verlieren. Die Wahlniederlage von May in Grossbritannien ist noch viel schlimmer als irgendwelche mageren Resultate und schlechte Aussichten der AfD. Ich vermute, es ist über die "soziale Kälte", die man May vorwirft, hinaus, auch eine Folge der in Gesamtwesteuropa erfolgreich angefachten Antitrumphysterie, welche auch die Funktion hat, über den erbärmlichen Zustand der europäischen Union hinwegzutäuschen. Das angedeutete Aufblühen der Rechten in Europa findet bis auf weiteres nicht statt, dafür muss man, besonders in Deutschland, um die Meinungsfreiheit für dieses Lager sich echte Sorgen machen. Der nicht weiterbeschäftigte Pfarrer Wawerka, einer der besonnenste SiN-Blogger, setzt für die Zehnerjahre wohl Massstäbe. Identitäre werden in den nächsten zehn Jahren Mühe haben, als Kaminfeger angestellt zu werden. Anstelle der gesellschaftlichen Veränderungen, über die vor einigen Monaten bereits auch hier begeistert spekuliert wurde, wenngleich nicht von den politisch Erfahrenen, wird die Sicherheit des eigenen Lagers vermehrt ein Thema sein. Es werden sich immer weniger mit Klarnamen hier zum Wort melden. Einer der Tapfersten hier ist Sellner, wiewohl die Hälfte seiner you-tube-Beiträge, habe nun viele mir angesehen und angehört, durchaus genügen würde zugunsten von politischer Grundlagenarbeit. Diese gewinnt an Bedeutung. Vergleiche ^weiland den sowjetischen Samisdat. Zu den Denkern aus der damaligen Epoche würde ich Andrei Amalrik zählen, wie Solschenizyn ein ganz anderes Kaliber als der geistig nunmal nicht sehr bedeutende Benoist. Wirklich gut, dass Monika L. wieder auf Gerd-Klaus Kaltenbrunner aufmerksam gemacht hat. Im SiN-Lager gehört meines Erachtens Raskolnikov zu den bedeutenderen Persönlichkeiten auch mit Fähigkeit zum strategischem Denken.

Klaus D.
09. Juni 2017 12:26

Bezüglich des Interviews mit Herrn Jongen finde ich es erstmal positiv, endlich mal wieder was von der AfD zu hören -und zwar nichts negatives. Die Tagespresse (hier Mitteldeutsche Zeitung MZ) verbreitet nämlich fast täglich genüßlich lediglich innerparteiliche Querelen aus der Fraktion des Landtages Sachsen Anhalt. Ich fände es prinzipiell äußerst wünschenswert, wenn sich die AfD mehr der alternativen Medien zur (unverfälschten) Informationsweitergabe bedient. Und das nicht nur mehr allgemein hin- und wieder, sondern regelmäßig und vor allem auch zu tagesaktuellen Themen (laufende Aufgaben, Innen- und Außenpolitik). Gut, dazu ist wohl SiN eher weniger geeignet, aber wie wär´s z.B. mit Compact online, Herr Jongen?

Monacensis
09. Juni 2017 12:34

Marc Jongen ist für mich einer der besten Köpfe der AfD, habe ihn neulich in München live erlebt. Wie das im Stile des "suaviter in modo, fortiter in re" gehaltene Interview zeigt, gelingt ihm der Brückenschlag zwischen der politischen und der intellektuellen Sphäre vorbildlich. 

Was das Christentum angeht, so ist leider nicht zu verkennen, dass es nicht nur eine unserer kulturellen Grundlagen darstellt, sondern mit seinem Glauben an den "neuen Menschen" und seinen ausgeprägt depressiven Zügen die aktuelle Politik der Selbstaufgabe geistesgeschichtlich mit fundiert. Nicht umsonst wäre eine refugees welcome Politik Merkel'scher Prägung für Chinesen, Japaner oder Araber schlicht nicht vorstellbar.

Monika L.
09. Juni 2017 16:52

@Cactatum non est pictum

Ja, ich habe noch ein paar Aufzeichnungen. Die müßte ich nochmals in Ruhe durchgehen. Ist ja schon länger her. Und ich habe nicht das phänomenale Gedächtnis  eines Pirmin Meier. Kann sie zur Verfügung stellen.

Was generell zur "Neuen Rechten der 80iger Jahre anzumerken ist: Sie hat sich, ebenso wie die Linke, nicht für das Schicksal der Menschen im real-existierenden Sozialismus interessiert. ( Mit ein paar Ausnahmen). Die Linke, um ihren Traum vom Sozialismus nicht zu gefährden, die Rechte teilweise aus ideologischen Gründen. Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ( Universalismus) ist, betrachtet den totalitären Ostblock nicht unter dem Aspekt der Menschenrechtsverletzung.( Der verweigerten  Freizügigkeit, usw. )  Eher unter dem Aspekt der verlorenen Ostgebiete. Daß Benoist Jongen jetzt fragt, warum die Menschen in Mitteldeutschland widerständiger sind als im Westen, erklärt sich aus dieser alten Ignoranz. Das gleiche gilt für die Linken. Die denken noch heute, Dresden sei immer noch das Tal der Ahnungslosen.  Der französische Andre Glucksman hat in die " Meisterdenker" auf diesen blinden Fleck der Linken hingewiesen.Gerd Klaus Kaltenbrunner war einer der wenigen, der Osteuropa und dessen geistige Elite im Blick hatte. Und das Geschehen dort verfolgte. Hier hätte die Rechte noch einigen Theorie-Nachholbedarf, was die osteuropäischen Dissidenten von damals betrifft. ( Etwa Kolakowski ' Falls es keinen Gott gibt' , Havel, Milosz u.a.) 

Festgehalten wurden die verschiedenen Strömungen etwa in dem Magazin "kontinent" ( Ost-West-Forum) , hrsg. von Cornelia Gerstenmeier oder in der Züricher Zeitschrift G2W Glaube in der zweiten Welt) . Auch die Zeitschrift MUT wird einigen noch ein Begriff sein. 

Von Kaltenbrunner kann ich immer wieder nur empfehlen sein dreibändiges Werk EUROPA, Seine geistigen Quellen in Porträts aus zwei Jahrtausenden.

Das Basiswissen für alle, die die Europäische Kultur lieben. Und bewahren wollen.

Ralf Kaiser
10. Juni 2017 12:51

@ Monika L.

"Daß Benoist Jongen jetzt fragt, warum die Menschen in Mitteldeutschland widerständiger sind als im Westen, erklärt sich aus dieser alten Ignoranz."

Halten Sie es für möglich, daß ein Interviewer, der sich als Stellvertreter einer zum Teil nicht so kundigen Leserschaft begreift, auch Fragen stellt, deren Antwort er persönlich schon kennt? Oder ist es für Sie denkbar, daß der Interviewer zu der Frage eine Meinung hat, aber nachprüfen will, ob der Interviewte dieselbe vertritt?

"EUROPA, Seine geistigen Quellen aus zwei Jahrtausenden. Das Basiswissen für alle, die die Europäische Kultur lieben."

Hier zeigt sich wieder die selektive Wahrnehmung. Namentlich bekannte Quellen der europäischen Kultur gibt es aus drei Jahrtausenden, also auch schon aus vorchristlicher Zeit. Benoist weiß das, Dominique Venner wußte das, und Marc Jongen weiß es ebenfalls, wenn er sich auf den Thymos bezieht.

  

Monika L.
10. Juni 2017 18:06

"Hier zeigt sich wieder die selektive Wahrnehmung. Namentlich bekannte Quellen der europäischen Kultur gibt es aus drei Jahrtausenden, also auch schon aus vorchristlicher Zeit. Benoist weiß das, Dominique Venner wußte das, und Marc Jongen weiß es ebenfalls, wenn er sich auf den Thymos bezieht."

@Ralf Kaiser 

Gerd Klaus Kaltenbrunner nennt in dem dreibändigen Werk "Europa" natürlich auch vorchristliche Quellen ( Sokrates, Sappho, Epikur u.v.a.) . Hier wird nicht selektiert. Auch Moeller  van den Bruck widmet er einen Beitrag . Seine drei Bände ergänzen die " Vordenker" der Edition Antaios ( dort wird ja auch Benoist entsprechend gewürdigt) . Auf dem zweiten Band steht:

"Dieses Werk will das notwendige, kräftige Gegengewicht gegen die Allmacht des Ökonomischen, des Technokratischen und des Militärischen bilden, die heute einseitig als die Instrumente des Neuen Europa vorgezeigt werden. Nur die Kenntnis der geistesgeschichtlichen Hintergründe, Zusammenhänge und Dimensionen, kurz: der wahren Wirkkräfte in der Geschichte - löst uns aus der Verkrampftheit, in die wir hineingeraten sind. " 

Das klingt doch recht unverkrampft - als Alternative zur EU ...

 

Ralf Kaiser
10. Juni 2017 22:53

@ Monika L.

Gut, in dieser Hinsicht können wir uns einigen.

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