“Repolitisierung der Debatte” – Marc Jongen im Gespräch

éléments: Im März sollten Sie an einer Podiumsdiskussion am Theater "Gessnerallee" in Zürich teilnehmen. Über 500 "Kulturschaffende" aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dagegen protestiert, es gab Gewaltandrohungen gegen das Theater, schließlich mußte die Veranstaltung abgesagt werden. Warum fürchtet man sich so sehr vor Ihnen? Ist die freie Meinungsäußerung in Deutschland noch gewährleistet?
Jongen: Sie ist zumindest schwer bedroht. Der deutsche Justizminster Heiko Maas hat vor kurzem einen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung von "Hatespeech" und "Fake News" vorgelegt, der soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter verpflichten soll, alle "offensichtlich rechtswidrigen" Inhalte ihrer Nutzer innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Tun sie es nicht, drohen Strafgelder von bis zu 50 Millionen Euro. Das würde nichts anderes als die Wiedereinführung der Zensur bedeuten, es ist die Maßnahme eines Regimes, nicht die einer Demokratie. Fast noch beunruhigender ist das totale Versagen der sogenannten Intellektuellen angesichts dieser Verhältnisse. Anstatt gegen eine solche "Herrschaft des Unrechts" Sturm zu laufen, scharen sie sich um die Regierenden, um gemeinsam das Phantom des "Rechtsextremismus" zu bekämpfen. Die Ursache ist so banal wie deprimierend: Man fürchtet um seine Futtertröge in den kulturellen Institutionen. Und man hat eine Heidenangst, in der offenen intellektuellen Auseinandersetzung mit den eigenen linken Lebenslügen konfrontiert zu werden. Das hat die Tragikomödie in Zürich exemplarisch gezeigt.
éléments: Vor der Flüchtlingskrise, bei der seit 2015 knapp zwei Millionen Migranten nach Deutschland geströmt sind, hat die AfD bei Wahlen nicht mehr als 5 bis 10 % der Wählerstimmen erhalten. Bei den letzten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern haben Sie die CDU mit 20,8 % der Stimmen in den Schatten gestellt (nachdem Sie in Sachsen-Anhalt 24,2% erreicht hatten). Bedeutet das, daß das Flüchtlingsproblem der Hauptgrund Ihres Erfolges ist?
Jongen: Die Migrationskrise, ausgelöst durch die Grenzöffnung der Regierung Merkel im Sommer 2015, hat die Verkommenheit der politischen Eliten, die auch vorher schon bestanden hatte, nur in einer besonders grellen Art und Weise ans Licht gebracht. Ganz offensichtlich hat das die Zustimmung zur AfD stark ansteigen lassen. Viele Menschen haben verstanden, daß wir die einzige echte Opposition in Deutschland sind. Ich lege aber großen Wert auf die Feststellung, daß wir keine "Ein-Themen-Partei" sind, wie oft behauptet wird. Das war schon zu Zeiten der Euro-Krise falsch, als wir als einzige Partei die irrsinnige "Euro-Rettungspolitik" kritisiert haben, und es ist auch heute falsch, wo die verbrecherische "Asyl-Politik" der Kartellparteien im Fokus unserer Kritik steht.  Auf allen Politikfeldern hat das alte System versagt, seine Krise ist eine multidimensionale, und wir haben alle Dimensionen im Blick. Im politischen Tagesgeschäft kann man sich aber immer nur um einige wenige – die schlimmsten – Brandherde kümmern.
éléments: Im allgemeinen erzielt die AfD in den neuen Bundesländern bessere Wahlergebnisse als in den alten. Selbst in Berlin gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Jongen: Ja, es gibt da einen signifikanten Mentalitätsunterschied zwischen Ost und West. Die ehemaligen Bürger der DDR wissen, was es heißt, in einem totalitären Regime zu leben. Versuche, eine Staatsideologie zu etablieren und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken, lösen bei ihnen ein Déjà-vu-Erlebnis aus. Sie haben auch die Erfahrung gemacht, daß ein solches Regime wie ein Spuk wieder verschwinden kann, und sind daher kampfeslustiger. Dagegen ist im Westen die illusionäre und arrogante Mentalität stark verbreitet, die Demokratie gepachtet zu haben. Auch ist den Menschen im Westen der Patriotismus fast gänzlich aberzogen worden, was im Osten so nicht der Fall war. All das macht das Klima für die AfD dort günstiger.
éléments: Die AfD-Wähler – kommen sie vor allem aus dem rechten Lager, dem linken oder aus beiden?  Und welche Rolle spielen untere Volksschichten und die Arbeiterschaft?
Jongen: Vor kurzem hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Studie vorgelegt, die belegt, daß die Anhänger der AfD nicht in erster Linie die "Abgehängten" und die "Modernisierungsverlierer" sind, wie oft behauptet wird, sondern daß sie aus der "Mitte der Gesellschaft" kommen. Ihr Einkommen liegt leicht über dem bundesweiten Durchschnitt, es sind also Leute, die etwas zu verlieren haben. Und die sich große Sorgen um ihre Zukunft und die Zukunft ihres Landes machen. Zu Recht, wie wir meinen. Dazu gehören auch immer mehr Arbeiter und Angestellte, weshalb die SPD, die deutsche Sozialdemokratie, die sich von uns bedroht sieht, die AfD am erbittertsten bekämpft. Im übrigen dürfen wir uns rühmen, einen beachtlichen Teil bisheriger Nichtwähler, die bereits resigniert hatten, wieder zum Wählen motiviert zu haben.
éléments: Die Parteien, die die Einwanderung kritisieren, punkten im ganzen Land, jedoch sind sie nur dann glaubhaft, wenn sie auch Vorschläge zu anderen Themen machen können. Wie lauten die Positionen der AfD, abgesehen von der Einwanderungskritik?
Jongen: Wenn Sie es auf eine Formel bringen wollen: Wir wollen Deutschland als souveränen Nationalstaat erhalten – oder besser: wiederherstellen. Und wir wollen sicherstellen, daß es die deutsche Kultur auch in 100 oder 200 Jahren noch gibt – in friedlicher Koexistenz mit den anderen europäischen Kulturen. Neben dem Stopp der Masseneinwanderung, v.a. aus muslimischen Ländern, bedarf es dazu einer signifikanten Erhöhung der Geburtenrate, d.h. einer anderen Familienpolitik, die Familien mit Kindern steuerlich radikal entlastet, durchaus nach dem Vorbild Frankreichs. Wir wollen die gescheiterte Währung des Euro abschaffen und die EU auf einige wenige Kernkompetenzen zurückfahren. Der undemokratische "europäische Einigungsprozeß", der ab einem bestimmten Punkt nur noch Schaden anrichtet und der letztlich antieuropäisch ist, muß gestoppt werden. Stattdessen fordern wir mehr direkte Demokratie in Deutschland mit Volksabstimmungen wie in der Schweiz. Ideologische Vorgaben des Staates wie Gender Mainstreaming wollen wir beseitigen und die ökonomisch und ökologisch unsinnige "Energiewende", die unsere Landschaften mit Windrädern zupflastert und die zu einem großen Blackout führen könnte, durch ein pragmatisches, ideologiefreies Energiekonzept ersetzen. Unsere wichtigste Aufgabe sehe ich aber in einer Änderung des politischen Gesamtklimas, einer tiefgreifenden Umstimmung der Gesellschaft. Die europäischen Nationen müssen von einer Kultur der Selbstabschaffung auf eine solche des Überlebenswillens umstellen.
éléments: Bei Gründung der AfD setzte sich die Parteiführung aus Konservativen und Liberalen zusammen. Man erinnert sich an die Worte von Arthur Moeller van den Bruck: "An Liberalismus gehen die Völker zugrunde." Was ist davon heute übriggeblieben, nach dem Ausscheiden von Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel und unter der Führung durch Frauke Petry?
Jongen: Die AfD richtet sich nicht gegen den Liberalismus als solchen, wohl aber gegen dessen degenerierte Form, die heute den Ton angibt. Die Prediger von "Toleranz", "Weltoffenheit" und Mulitkulturalismus, die sich selbst liberal nennen, sind dies im Grunde ja schon längst nicht mehr. Gemessen an klassischen liberalen Werten sind ihr utopisches Gesellschaftsbild und ihre Bevormundungspolitik zutiefst illiberal. Auch ein Wirtschaftssystem, in dem die Staatsquote über 50 % beträgt und in dem kleine und mittlere Unternehmen unter immer weitergehenden Reglementierungen und Kontrollen zu leiden haben, während sich die großen qua Lobbyismus die Gesetze selbst schreiben, wird man kaum noch liberal nennen können. Zumindest nicht im Sinne des Ordoliberalismus der Freiburger ökonomischen Schule, der die soziale Marktwirtschaft begründet hat und dem die AfD nahe steht. Darum schrieb ich schon vor drei Jahren in einem "Manifest" für die AfD: "Genuin liberal zu sein, heißt heute, konservativ zu sein. Zuweilen sogar reaktionär." Eine "konservative Revolution" muß heute auch das Beste am Liberalismus noch retten – das ist die paradoxe Lage und das unterscheidet uns von Moeller van den Bruck.
éléments: Der Populismus ist keine Ideologie, sondern eine neue Form politischer und sozialer Forderungen, die sich in erster Linie gegen "die da oben" richtet und heutzutage in allen Ländern auf dem Vormarsch ist. Erkennen Sie sich in diesem Denken wieder?
Jongen: Wenn man bedenkt, daß "demos" in "Demokratie" und "populus" in "Populismus" ein und dasselbe bedeuten, nämlich "Volk", dann kann man sich den Begriff durchaus offensiv zu eigen machen: Wir sind diejenigen, die sich für die Belange des Volkes einsetzen – gegen die Technokraten und Postdemokraten in den Altparteien. Ich würde daneben aber auch an einem negativen Begriff von "Populismus" festhalten wollen. Darunter versteht man bekanntlich billige Versprechungen zum Zweck des eigenen Machterhalts, die absehbar nicht eingehalten werden können. In diesem Sinne ist vor allem die Politik der Altparteien "populistisch", ihre gebrochenen Wahlversprechen sind Legion. Ich bin auch gegen ein generelles Ressentiment gegen "die da oben". Eliten sind nicht per se etwas Schlechtes, das sind sie nur dann, wenn sie parasitär werden und gegen das eigene Volk arbeiten. Sie müssen dann durch nichtkorrupte Eliten ersetzt werden, die ihr Ohr und Herz beim Volk haben. Das Schlimmste ist übrigens der "Populismus des Guten" unserer Regierung, der es vorzieht, dem eigenen Land durch rechtswidrige Masseneinwanderung schwersten Schaden zuzufügen, als "unpopuläre" Bilder zu riskieren, wie sie mit einem effektiven Grenzschutz einhergegangen wären.
éléments: Wie sehen Sie die jüngsten Entwicklungen der Länder Mitteleuropas, insbesondere die der Visegrad-Staaten?
Jongen: Wie schon gesagt, will die AfD in Europa keine "ever closer Union", sondern eine "looser Union", als wir sie jetzt haben. Die Staaten des ehemaligen Ostblocks, insbesondere die Visegrád-Staaten, die dem Agieren der aktuellen deutschen Regierung kritisch gegenüberstehen, betrachten wir dabei tendenziell als Verbündete. Diese Länder haben ihre Souveränität nicht mühsam dem sowjetischen Joch abgerungen, um sie brühwarm an die Brüsseler Technokratie weiterzureichen. Wir müssen Gott dafür danken, daß sich die östlichen EU-Staaten in der Migrationskrise dem "moralischen Imperialismus" Merkels, wie Viktor Orban treffend sagte, nicht gebeugt haben und sich weigerten, ihre Länder als entlastende Auffangbecken für die vor allem von Deutschland zu verantwortende Migrantenflut zur Verfügung zu stellen. Es ist ja vollkommen grotesk, daß Frau Merkel bis vor kurzem noch eine hypermoralische No-Border-Ideologie vertreten hat, dabei aber ihren eigenen Machterhalt einzig und allein dem beherzten Schließen der Balkanroute durch Ungarn und Mazedonien verdankt. Mehr Heuchelei ist eigentlich nicht möglich. 
éléments: Glauben Sie, daß der traditionelle Machtwechsel zwischen Christ- und Sozialdemokraten einer deutlich vielfältigeren politischen Landschaft weichen könnte? Was ist Ihrer Meinung nach die Zukunft Angela Merkels, die momentan mit allen Mitteln versucht, an der Macht zu bleiben?
Jongen: In Deutschland wird gegenwärtig eine Entwicklung nachgeholt, die in den meisten anderen europäischen Ländern schon viel weiter fortgeschritten ist. Selbst in Frankreich und Großbritannien, wo das strenge Mehrheitswahlrecht neuen Parteien eigentlich viel ungünstiger ist als in Deutschland, hat sich die politische Landschaft schon seit längerem diversifiziert. Die Verzögerung in Deutschland hat natürlich damit zu tun, daß aufgrund des Nazi-Traumas alle national und patriotisch gesinnten Kräfte sich massiver, staatlich forcierter Diffamierung ausgesetzt sehen. Bis zu einem gewissen Grad ist das verständlich und nachvollziehbar, aber mittlerweile hat es zu einer Kartellbildung bei Parteien und Medien geführt, die "das Politische", mit Carl Schmitt gesprochen, aus dem öffentlichen Leben verbannt hat. Zugelassen sind nur noch Scheingefechte zwischen Pseudo-Konkurrenten, die in einem ideologischen Tiefenkonsens vereint sind. Angela Merkel ist die Symbolfigur schlechthin für diese a-politische Politik, zumindest war sie das bis zur Migrationskrise. Peter Sloterdijk hat ihre Art des Regierens damals treffend "Lethargokratie" genannt, Herrschaft durch Einschläferung. Ihre Rede von der "Alternativlosigkeit" stand negativ Pate für unseren Parteinamen: "Alternative für Deutschland". Indem sich die AfD für echte, nicht bloß für Scheinalternativen starkmacht, hat sie für eine Re-Politisierung der Debatten in Deutschland gesorgt – auch wenn es natürlich große Anstrengungen gibt, das Ancien régime der Lethargokratie wiederherzustellen. Damit ist auch gesagt: Die neuen Fronten verlaufen quer zu den alten Rechts-links-Gegensätzen, sie sortieren sich vielmehr entlang der Fragen nach der eigenen staatlichen und kulturellen Identität und ihres Erhalts. Insofern ist Angela Merkel schon jetzt ein "politischer Zombie" und wird bald Geschichte sein.
éléments: Sie waren mehr als zehn Jahre Assistent Peter Sloterdijks an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Wie ordnen Sie das Werk dieses Philosophen in der intellektuellen Landschaft Deutschlands ein – sein letztes in Frankreich erschienenes Buch Apres nous la deluge scheint eine grundlegende Kritik an einer auf der Verachtung der Abstammung beruhenden Moderne zu sein?
Jongen: Völlig richtig, das von Ihnen zitierte Buch – im deutschen Original heißt es übrigens "französisierend" Die schrecklichen Kinder der Neuzeit ("Les enfants terribles de la modernité") – ist eine konservative Zivilisationskritik im besten Sinn des Wortes. Man könnte sie auch avantgarde-konservativ nennen, denn es wird darin mit modernsten Denkmitteln gezeigt, worin die traditionszerstörenden Seiten der Moderne bestehen, die dazu führen könnten, daß die "Sintflut" uns bald hinwegschwemmen wird. Aus diesem Buch – wie auch aus Zorn und Zeit – habe ich sehr viel Inspiration für mein politisches Engagement gezogen, und ich weiß, daß Sloterdijks Bücher von den intellektuelleren Mitgliedern der AfD durchweg geschätzt werden. Leider schöpft Peter Sloterdijk in seiner Rolle als "öffentlicher Intellektueller" das Potential seiner eigenen Werke bei weitem nicht aus. Er hielt es sogar für nötig, sich von der AfD wie von mir persönlich öffentlich zu distanzieren. Das war zweifellos eine menschliche Enttäuschung – aber seine Bücher sind ja da und sprechen für sich.

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

élé­ments: Im März soll­ten Sie an einer Podi­ums­dis­kus­si­on am Thea­ter “Gess­ne­ral­lee” in Zürich teil­neh­men. Über 500 “Kul­tur­schaf­fen­de” aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz haben dage­gen pro­tes­tiert, es gab Gewalt­an­dro­hun­gen gegen das Thea­ter, schließ­lich muß­te die Ver­an­stal­tung abge­sagt wer­den. War­um fürch­tet man sich so sehr vor Ihnen? Ist die freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Deutsch­land noch gewährleistet?
Jon­gen: Sie ist zumin­dest schwer bedroht. Der deut­sche Jus­tiz­mins­ter Hei­ko Maas hat vor kur­zem einen Geset­zes­ent­wurf zur Bekämp­fung von “Hate­speech” und “Fake News” vor­ge­legt, der sozia­le Netz­wer­ke wie Face­book und Twit­ter ver­pflich­ten soll, alle “offen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen” Inhal­te ihrer Nut­zer inner­halb von 24 Stun­den zu löschen. Tun sie es nicht, dro­hen Straf­gel­der von bis zu 50 Mil­lio­nen Euro. Das wür­de nichts ande­res als die Wie­der­ein­füh­rung der Zen­sur bedeu­ten, es ist die Maß­nah­me eines Regimes, nicht die einer Demo­kra­tie. Fast noch beun­ru­hi­gen­der ist das tota­le Ver­sa­gen der soge­nann­ten Intel­lek­tu­el­len ange­sichts die­ser Ver­hält­nis­se. Anstatt gegen eine sol­che “Herr­schaft des Unrechts” Sturm zu lau­fen, scha­ren sie sich um die Regie­ren­den, um gemein­sam das Phan­tom des “Rechts­ex­tre­mis­mus” zu bekämp­fen. Die Ursa­che ist so banal wie depri­mie­rend: Man fürch­tet um sei­ne Fut­ter­trö­ge in den kul­tu­rel­len Insti­tu­tio­nen. Und man hat eine Hei­den­angst, in der offe­nen intel­lek­tu­el­len Aus­ein­an­der­set­zung mit den eige­nen lin­ken Lebens­lü­gen kon­fron­tiert zu wer­den. Das hat die Tra­gi­ko­mö­die in Zürich exem­pla­risch gezeigt.
élé­ments: Vor der Flücht­lings­kri­se, bei der seit 2015 knapp zwei Mil­lio­nen Migran­ten nach Deutsch­land geströmt sind, hat die AfD bei Wah­len nicht mehr als 5 bis 10 % der Wäh­ler­stim­men erhal­ten. Bei den letz­ten Wah­len in Meck­len­burg-Vor­pom­mern haben Sie die CDU mit 20,8 % der Stim­men in den Schat­ten gestellt (nach­dem Sie in Sach­sen-Anhalt 24,2% erreicht hat­ten). Bedeu­tet das, daß das Flücht­lings­pro­blem der Haupt­grund Ihres Erfol­ges ist?
Jon­gen: Die Migra­ti­ons­kri­se, aus­ge­löst durch die Grenz­öff­nung der Regie­rung Mer­kel im Som­mer 2015, hat die Ver­kom­men­heit der poli­ti­schen Eli­ten, die auch vor­her schon bestan­den hat­te, nur in einer beson­ders grel­len Art und Wei­se ans Licht gebracht. Ganz offen­sicht­lich hat das die Zustim­mung zur AfD stark anstei­gen las­sen. Vie­le Men­schen haben ver­stan­den, daß wir die ein­zi­ge ech­te Oppo­si­ti­on in Deutsch­land sind. Ich lege aber gro­ßen Wert auf die Fest­stel­lung, daß wir kei­ne “Ein-The­men-Par­tei” sind, wie oft behaup­tet wird. Das war schon zu Zei­ten der Euro-Kri­se falsch, als wir als ein­zi­ge Par­tei die irr­sin­ni­ge “Euro-Ret­tungs­po­li­tik” kri­ti­siert haben, und es ist auch heu­te falsch, wo die ver­bre­che­ri­sche “Asyl-Poli­tik” der Kar­tell­par­tei­en im Fokus unse­rer Kri­tik steht.  Auf allen Poli­tik­fel­dern hat das alte Sys­tem ver­sagt, sei­ne Kri­se ist eine mul­ti­di­men­sio­na­le, und wir haben alle Dimen­sio­nen im Blick. Im poli­ti­schen Tages­ge­schäft kann man sich aber immer nur um eini­ge weni­ge – die schlimms­ten – Brand­her­de kümmern.
élé­ments: Im all­ge­mei­nen erzielt die AfD in den neu­en Bun­des­län­dern bes­se­re Wahl­er­geb­nis­se als in den alten. Selbst in Ber­lin gibt es deut­li­che Unter­schie­de zwi­schen Ost und West. Wie erklä­ren Sie sich die­ses Phänomen?
Jon­gen: Ja, es gibt da einen signi­fi­kan­ten Men­ta­li­täts­un­ter­schied zwi­schen Ost und West. Die ehe­ma­li­gen Bür­ger der DDR wis­sen, was es heißt, in einem tota­li­tä­ren Regime zu leben. Ver­su­che, eine Staats­ideo­lo­gie zu eta­blie­ren und die Mei­nungs­frei­heit zu unter­drü­cken, lösen bei ihnen ein Déjà-vu-Erleb­nis aus. Sie haben auch die Erfah­rung gemacht, daß ein sol­ches Regime wie ein Spuk wie­der ver­schwin­den kann, und sind daher kamp­fes­lus­ti­ger. Dage­gen ist im Wes­ten die illu­sio­nä­re und arro­gan­te Men­ta­li­tät stark ver­brei­tet, die Demo­kra­tie gepach­tet zu haben. Auch ist den Men­schen im Wes­ten der Patrio­tis­mus fast gänz­lich aberzo­gen wor­den, was im Osten so nicht der Fall war. All das macht das Kli­ma für die AfD dort günstiger.
élé­ments: Die AfD-Wäh­ler – kom­men sie vor allem aus dem rech­ten Lager, dem lin­ken oder aus bei­den?  Und wel­che Rol­le spie­len unte­re Volks­schich­ten und die Arbeiterschaft?
Jon­gen: Vor kur­zem hat das Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) eine Stu­die vor­ge­legt, die belegt, daß die Anhän­ger der AfD nicht in ers­ter Linie die “Abge­häng­ten” und die “Moder­ni­sie­rungs­ver­lie­rer” sind, wie oft behaup­tet wird, son­dern daß sie aus der “Mit­te der Gesell­schaft” kom­men. Ihr Ein­kom­men liegt leicht über dem bun­des­wei­ten Durch­schnitt, es sind also Leu­te, die etwas zu ver­lie­ren haben. Und die sich gro­ße Sor­gen um ihre Zukunft und die Zukunft ihres Lan­des machen. Zu Recht, wie wir mei­nen. Dazu gehö­ren auch immer mehr Arbei­ter und Ange­stell­te, wes­halb die SPD, die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie, die sich von uns bedroht sieht, die AfD am erbit­terts­ten bekämpft. Im übri­gen dür­fen wir uns rüh­men, einen beacht­li­chen Teil bis­he­ri­ger Nicht­wäh­ler, die bereits resi­gniert hat­ten, wie­der zum Wäh­len moti­viert zu haben.
élé­ments: Die Par­tei­en, die die Ein­wan­de­rung kri­ti­sie­ren, punk­ten im gan­zen Land, jedoch sind sie nur dann glaub­haft, wenn sie auch Vor­schlä­ge zu ande­ren The­men machen kön­nen. Wie lau­ten die Posi­tio­nen der AfD, abge­se­hen von der Einwanderungskritik?
Jon­gen: Wenn Sie es auf eine For­mel brin­gen wol­len: Wir wol­len Deutsch­land als sou­ve­rä­nen Natio­nal­staat erhal­ten – oder bes­ser: wie­der­her­stel­len. Und wir wol­len sicher­stel­len, daß es die deut­sche Kul­tur auch in 100 oder 200 Jah­ren noch gibt – in fried­li­cher Koexis­tenz mit den ande­ren euro­päi­schen Kul­tu­ren. Neben dem Stopp der Mas­sen­ein­wan­de­rung, v.a. aus mus­li­mi­schen Län­dern, bedarf es dazu einer signi­fi­kan­ten Erhö­hung der Gebur­ten­ra­te, d.h. einer ande­ren Fami­li­en­po­li­tik, die Fami­li­en mit Kin­dern steu­er­lich radi­kal ent­las­tet, durch­aus nach dem Vor­bild Frank­reichs. Wir wol­len die geschei­ter­te Wäh­rung des Euro abschaf­fen und die EU auf eini­ge weni­ge Kern­kom­pe­ten­zen zurück­fah­ren. Der unde­mo­kra­ti­sche “euro­päi­sche Eini­gungs­pro­zeß”, der ab einem bestimm­ten Punkt nur noch Scha­den anrich­tet und der letzt­lich anti­eu­ro­pä­isch ist, muß gestoppt wer­den. Statt­des­sen for­dern wir mehr direk­te Demo­kra­tie in Deutsch­land mit Volks­ab­stim­mun­gen wie in der Schweiz. Ideo­lo­gi­sche Vor­ga­ben des Staa­tes wie Gen­der Main­strea­ming wol­len wir besei­ti­gen und die öko­no­misch und öko­lo­gisch unsin­ni­ge “Ener­gie­wen­de”, die unse­re Land­schaf­ten mit Wind­rä­dern zupflas­tert und die zu einem gro­ßen Black­out füh­ren könn­te, durch ein prag­ma­ti­sches, ideo­lo­gie­frei­es Ener­gie­kon­zept erset­zen. Unse­re wich­tigs­te Auf­ga­be sehe ich aber in einer Ände­rung des poli­ti­schen Gesamt­kli­mas, einer tief­grei­fen­den Umstim­mung der Gesell­schaft. Die euro­päi­schen Natio­nen müs­sen von einer Kul­tur der Selbst­ab­schaf­fung auf eine sol­che des Über­le­bens­wil­lens umstellen.
élé­ments: Bei Grün­dung der AfD setz­te sich die Par­tei­füh­rung aus Kon­ser­va­ti­ven und Libe­ra­len zusam­men. Man erin­nert sich an die Wor­te von Arthur Moel­ler van den Bruck: “An Libe­ra­lis­mus gehen die Völ­ker zugrun­de.” Was ist davon heu­te übrig­ge­blie­ben, nach dem Aus­schei­den von Bernd Lucke und Hans-Olaf Hen­kel und unter der Füh­rung durch Frau­ke Petry?
Jon­gen: Die AfD rich­tet sich nicht gegen den Libe­ra­lis­mus als sol­chen, wohl aber gegen des­sen dege­ne­rier­te Form, die heu­te den Ton angibt. Die Pre­di­ger von “Tole­ranz”, “Welt­of­fen­heit” und Mulit­kul­tu­ra­lis­mus, die sich selbst libe­ral nen­nen, sind dies im Grun­de ja schon längst nicht mehr. Gemes­sen an klas­si­schen libe­ra­len Wer­ten sind ihr uto­pi­sches Gesell­schafts­bild und ihre Bevor­mun­dungs­po­li­tik zutiefst illi­be­ral. Auch ein Wirt­schafts­sys­tem, in dem die Staats­quo­te über 50 % beträgt und in dem klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men unter immer wei­ter­ge­hen­den Regle­men­tie­run­gen und Kon­trol­len zu lei­den haben, wäh­rend sich die gro­ßen qua Lob­by­is­mus die Geset­ze selbst schrei­ben, wird man kaum noch libe­ral nen­nen kön­nen. Zumin­dest nicht im Sin­ne des Ordo­li­be­ra­lis­mus der Frei­bur­ger öko­no­mi­schen Schu­le, der die sozia­le Markt­wirt­schaft begrün­det hat und dem die AfD nahe steht. Dar­um schrieb ich schon vor drei Jah­ren in einem “Mani­fest” für die AfD: “Genu­in libe­ral zu sein, heißt heu­te, kon­ser­va­tiv zu sein. Zuwei­len sogar reak­tio­när. Eine “kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on muß heu­te auch das Bes­te am Libe­ra­lis­mus noch ret­ten – das ist die para­do­xe Lage und das unter­schei­det uns von Moel­ler van den Bruck.
élé­ments: Der Popu­lis­mus ist kei­ne Ideo­lo­gie, son­dern eine neue Form poli­ti­scher und sozia­ler For­de­run­gen, die sich in ers­ter Linie gegen “die da oben” rich­tet und heut­zu­ta­ge in allen Län­dern auf dem Vor­marsch ist. Erken­nen Sie sich in die­sem Den­ken wieder?
Jon­gen: Wenn man bedenkt, daß “demos” in “Demo­kra­tie” und “popu­lus” in “Popu­lis­mus” ein und das­sel­be bedeu­ten, näm­lich “Volk”, dann kann man sich den Begriff durch­aus offen­siv zu eigen machen: Wir sind die­je­ni­gen, die sich für die Belan­ge des Vol­kes ein­set­zen – gegen die Tech­no­kra­ten und Post­de­mo­kra­ten in den Alt­par­tei­en. Ich wür­de dane­ben aber auch an einem nega­ti­ven Begriff von “Popu­lis­mus” fest­hal­ten wol­len. Dar­un­ter ver­steht man bekannt­lich bil­li­ge Ver­spre­chun­gen zum Zweck des eige­nen Macht­er­halts, die abseh­bar nicht ein­ge­hal­ten wer­den kön­nen. In die­sem Sin­ne ist vor allem die Poli­tik der Alt­par­tei­en “popu­lis­tisch”, ihre gebro­che­nen Wahl­ver­spre­chen sind Legi­on. Ich bin auch gegen ein gene­rel­les Res­sen­ti­ment gegen “die da oben”. Eli­ten sind nicht per se etwas Schlech­tes, das sind sie nur dann, wenn sie para­si­tär wer­den und gegen das eige­ne Volk arbei­ten. Sie müs­sen dann durch nicht­kor­rup­te Eli­ten ersetzt wer­den, die ihr Ohr und Herz beim Volk haben. Das Schlimms­te ist übri­gens der “Popu­lis­mus des Guten” unse­rer Regie­rung, der es vor­zieht, dem eige­nen Land durch rechts­wid­ri­ge Mas­sen­ein­wan­de­rung schwers­ten Scha­den zuzu­fü­gen, als “unpo­pu­lä­re” Bil­der zu ris­kie­ren, wie sie mit einem effek­ti­ven Grenz­schutz ein­her­ge­gan­gen wären.
élé­ments: Wie sehen Sie die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen der Län­der Mit­tel­eu­ro­pas, ins­be­son­de­re die der Visegrad-Staaten?
Jon­gen: Wie schon gesagt, will die AfD in Euro­pa kei­ne “ever clo­ser Uni­on”, son­dern eine “loo­ser Uni­on”, als wir sie jetzt haben. Die Staa­ten des ehe­ma­li­gen Ost­blocks, ins­be­son­de­re die Visegrád-Staa­ten, die dem Agie­ren der aktu­el­len deut­schen Regie­rung kri­tisch gegen­über­ste­hen, betrach­ten wir dabei ten­den­zi­ell als Ver­bün­de­te. Die­se Län­der haben ihre Sou­ve­rä­ni­tät nicht müh­sam dem sowje­ti­schen Joch abge­run­gen, um sie brüh­warm an die Brüs­se­ler Tech­no­kra­tie wei­ter­zu­rei­chen. Wir müs­sen Gott dafür dan­ken, daß sich die öst­li­chen EU-Staa­ten in der Migra­ti­ons­kri­se dem “mora­li­schen Impe­ria­lis­mus” Mer­kels, wie Vik­tor Orban tref­fend sag­te, nicht gebeugt haben und sich wei­ger­ten, ihre Län­der als ent­las­ten­de Auf­fang­be­cken für die vor allem von Deutsch­land zu ver­ant­wor­ten­de Migran­ten­flut zur Ver­fü­gung zu stel­len. Es ist ja voll­kom­men gro­tesk, daß Frau Mer­kel bis vor kur­zem noch eine hyper­mo­ra­li­sche No-Bor­der-Ideo­lo­gie ver­tre­ten hat, dabei aber ihren eige­nen Macht­er­halt ein­zig und allein dem beherz­ten Schlie­ßen der Bal­kan­rou­te durch Ungarn und Maze­do­ni­en ver­dankt. Mehr Heu­che­lei ist eigent­lich nicht möglich. 
élé­ments: Glau­ben Sie, daß der tra­di­tio­nel­le Macht­wech­sel zwi­schen Christ- und Sozi­al­de­mo­kra­ten einer deut­lich viel­fäl­ti­ge­ren poli­ti­schen Land­schaft wei­chen könn­te? Was ist Ihrer Mei­nung nach die Zukunft Ange­la Mer­kels, die momen­tan mit allen Mit­teln ver­sucht, an der Macht zu bleiben?
Jon­gen: In Deutsch­land wird gegen­wär­tig eine Ent­wick­lung nach­ge­holt, die in den meis­ten ande­ren euro­päi­schen Län­dern schon viel wei­ter fort­ge­schrit­ten ist. Selbst in Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en, wo das stren­ge Mehr­heits­wahl­recht neu­en Par­tei­en eigent­lich viel ungüns­ti­ger ist als in Deutsch­land, hat sich die poli­ti­sche Land­schaft schon seit län­ge­rem diver­si­fi­ziert. Die Ver­zö­ge­rung in Deutsch­land hat natür­lich damit zu tun, daß auf­grund des Nazi-Trau­mas alle natio­nal und patrio­tisch gesinn­ten Kräf­te sich mas­si­ver, staat­lich for­cier­ter Dif­fa­mie­rung aus­ge­setzt sehen. Bis zu einem gewis­sen Grad ist das ver­ständ­lich und nach­voll­zieh­bar, aber mitt­ler­wei­le hat es zu einer Kar­tell­bil­dung bei Par­tei­en und Medi­en geführt, die “das Poli­ti­sche”, mit Carl Schmitt gespro­chen, aus dem öffent­li­chen Leben ver­bannt hat. Zuge­las­sen sind nur noch Schein­ge­fech­te zwi­schen Pseu­do-Kon­kur­ren­ten, die in einem ideo­lo­gi­schen Tie­fen­kon­sens ver­eint sind. Ange­la Mer­kel ist die Sym­bol­fi­gur schlecht­hin für die­se a‑politische Poli­tik, zumin­dest war sie das bis zur Migra­ti­ons­kri­se. Peter Slo­ter­di­jk hat ihre Art des Regie­rens damals tref­fend “Lethar­go­kra­tie” genannt, Herr­schaft durch Ein­schlä­fe­rung. Ihre Rede von der “Alter­na­tiv­lo­sig­keit” stand nega­tiv Pate für unse­ren Par­tei­na­men: “Alter­na­ti­ve für Deutsch­land”. Indem sich die AfD für ech­te, nicht bloß für Schein­al­ter­na­ti­ven stark­macht, hat sie für eine Re-Poli­ti­sie­rung der Debat­ten in Deutsch­land gesorgt – auch wenn es natür­lich gro­ße Anstren­gun­gen gibt, das Anci­en régime der Lethar­go­kra­tie wie­der­her­zu­stel­len. Damit ist auch gesagt: Die neu­en Fron­ten ver­lau­fen quer zu den alten Rechts-links-Gegen­sät­zen, sie sor­tie­ren sich viel­mehr ent­lang der Fra­gen nach der eige­nen staat­li­chen und kul­tu­rel­len Iden­ti­tät und ihres Erhalts. Inso­fern ist Ange­la Mer­kel schon jetzt ein “poli­ti­scher Zom­bie” und wird bald Geschich­te sein.
élé­ments: Sie waren mehr als zehn Jah­re Assis­tent Peter Slo­ter­di­jks an der Staat­li­chen Hoch­schu­le für Gestal­tung in Karls­ru­he. Wie ord­nen Sie das Werk die­ses Phi­lo­so­phen in der intel­lek­tu­el­len Land­schaft Deutsch­lands ein – sein letz­tes in Frank­reich erschie­ne­nes Buch Apres nous la delu­ge scheint eine grund­le­gen­de Kri­tik an einer auf der Ver­ach­tung der Abstam­mung beru­hen­den Moder­ne zu sein?
Jon­gen: Völ­lig rich­tig, das von Ihnen zitier­te Buch – im deut­schen Ori­gi­nal heißt es übri­gens “fran­zö­si­sie­rend” Die schreck­li­chen Kin­der der Neu­zeit (“Les enfants ter­ri­bles de la moder­ni­té”) – ist eine kon­ser­va­ti­ve Zivi­li­sa­ti­ons­kri­tik im bes­ten Sinn des Wor­tes. Man könn­te sie auch avant­gar­de-kon­ser­va­tiv nen­nen, denn es wird dar­in mit moderns­ten Denk­mit­teln gezeigt, wor­in die tra­di­ti­ons­zer­stö­ren­den Sei­ten der Moder­ne bestehen, die dazu füh­ren könn­ten, daß die “Sint­flut” uns bald hin­weg­schwem­men wird. Aus die­sem Buch – wie auch aus Zorn und Zeit – habe ich sehr viel Inspi­ra­ti­on für mein poli­ti­sches Enga­ge­ment gezo­gen, und ich weiß, daß Slo­ter­di­jks Bücher von den intel­lek­tu­el­le­ren Mit­glie­dern der AfD durch­weg geschätzt wer­den. Lei­der schöpft Peter Slo­ter­di­jk in sei­ner Rol­le als “öffent­li­cher Intel­lek­tu­el­ler” das Poten­ti­al sei­ner eige­nen Wer­ke bei wei­tem nicht aus. Er hielt es sogar für nötig, sich von der AfD wie von mir per­sön­lich öffent­lich zu distan­zie­ren. Das war zwei­fel­los eine mensch­li­che Ent­täu­schung – aber sei­ne Bücher sind ja da und spre­chen für sich.
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Kommentare (29)

destijl

7. Juni 2017 18:45

Danke für die Übersetzung, Benedikt (?). Wäre es vorstellbar, dass Sie öfter einmal Texte aus der "éléments" auf SiN bringen? Wäre ein Gewinn. Ich habe  "Querfront"sehr gerne gelesen und bin nun sehr neugierig auf die von Ihnen darin zitierte Presselandschaft der Neuen Rechten in Frankreich, die weitaus ausdifferenzierter als die hiesige scheint, auch intellektuell offener.

Der_Jürgen

8. Juni 2017 13:36

Ich habe von Alain de Benoist einiges gelesen, vor allem sein Opus Magnum "Vue de droite". Er ist ohne jeden Zweifel ein hochbelesener und hochintelligenter Mann, aber seine extreme Feindseligkeit gegen das Christentum stösst mich ab. Wie kann ein europäischer Patriot, selbst wenn er nicht gläubig ist, den gigantischen Beitrag des Christentums zur europäischen Kultur ignorieren oder gar leugnen und dieses als die "Katastrophe schlechthin" (so Benoist in einer seiner Schriften, ich weiss nicht mehr welcher) bezeichnen?

Ein französischer Experte für die Freimaurerei, dessen Namen ich hier nicht nennen will, sagte mir, die "Nouvelle Droite", die in Frankreich Ende der siebziger Jahre in die Schlagzeilen rückte, sei von der Maurerei massiv unterstützt worden, um das Christentum zu schwächen und einen Teil der nationalen Opposition auf Abwege zu führen. Ich kann nicht nachprüfen, ob das stimmt, aber es ergibt sehr wohl einen Sinn.

Mich wunderte damals (Ende siebziger und Anfang achtziger Jahre), dass die grossen französischen Medien de Benoist und vielen anderen Vertretern der Nouvelle Droite so enorm viel Raum zur Darlegung ihrer Thesen gewährten - dieselben Medien, die schon damals, wenn auch nicht im selben Umfang wie heute, ansonsten rigoros darauf achteten, dass keine unerwünschten Meinungen in ihnen geäussert wurden.

Auf der Hand liegende Forderungen wie die Repatriierung der überwältigenden Mehrheit der in Frankreich lebenden Muslime wurden von Benoist niemals gestellt; er glaubt an ein multikulturelles Nebeneinander oder gibt vor, daran zu glauben. Da ist Vorsicht angebracht.

(Falls Benoist seine Ansichten in jüngerer Vergangenheit geändert haben sollte, bitte ich um Mitteilung seitens informierter Leser. Ich kenne seine jüngsten Schriften nicht.)

Der_Jürgen

8. Juni 2017 14:08

Eine Ergänzung zu meinem Kommentar zu Alain de Benoist:

Am 17. Juli 1998 publizierte die "Neue Freiheit" ein langes Interview mit ihm.

https://jungefreiheit.de/service/archiv?artikel=archiv98/308aa7.htm

De Benoist sagt dort unter anderem:

"Ich ziehe [dem französischen Modell, das von Ausländer Integrierung verlangt] das englische vor, wo Gemeinschaften fremden Ursprungs die Möglichkeit haben, ihre Gebräuche und Traditionen beizubehalten. [...] Ich glaube, dass jede Gemenschaft fremden Ursprungs eine Persönlichkeit haben dürfen muss, nicht, um sich von den anderen zu isolieren, sondern um den gegenseitigen Dialog über ihre Verschiedenheiten zu bereichern. [...] Deshalb spreche ich mich für einen gemässigten Multikulturalismus aus."

Die linke Liesel kenn ich am Geläut. Man kann diese Aussagen des französischen Autors nicht hart genug tadeln. Die Muslime dürfen also weiterhin Schlachttiere zu Tode quälen, ihre Töchter der bestialischen Prozedur der Beschneidung unterwerfen (ich weiss, dieser Brauch ist nicht in allen islamischen Ländern verbreitet und wird vom Koran auch nicht verlangt, doch wird er in sehr vielen muslimischen Ländern Afrikas praktiziert; in Somalia werden fast 100% der Mädchen beschnitten), ihre Frauen zur Verschleierung zwingen, der Polygamie frönen, ihren Töchtern den Besuch des Schwimmunterrichts verbieten und sie im Alter von sechzehhn Jahren an fünfzigjährige Männer verheiraten. All das gehört ja zu den "Gebräuchen und Traditionen", deren Beibehaltung Monsieur de Benoist den Muselmanen in Europa zugestehen will.

Laut diesem Herrn können all diese herrlichen Dinge "den gegenseitigen Dialog über die Unterschiede" bereichern. Dümmer gehts nimmer; so dumm formulieren es sonst nur die Systempolitiker und ihre Schreiberlinge von der Lügenpresse. Die islamischen Fundamentalisten verspüren nicht den leisesten Wunsch nach einem solchen "Dialog". Sie werden sich ihre Wertvorstellungen nicht von ihren europäischen Gesprächspartnern ausreden lassen.

Bei allem Respekt vor seiner Bildung ist Alain de Benoist für mich ein Feind.

Der Gehenkte

8. Juni 2017 15:20

Eisiges Schweigen im Forum – die beiden einzigen Wortmeldungen verweigern sich, auf Jongens Äußerungen einzugehen, vermeiden sogar den Namen! Geht man so mit einem der hellsten Politiker der AfD um? Der zudem noch etwas riskiert, hier nun zum dritten Male aufzutreten. Es dauert nicht mehr lange und er wird sich noch eine Erwähnung bei Liane Bednarz einfangen.

Man muß Jongen für den Mut und für die Klarheit seiner Aussagen danken. In diesem Zirkel ist es freilich schwer, damit zu überraschen – man weiß das alles – aber es sind doch einige sehr gelungene Gedankenführungen und markante Sätze, gekonnte Zuspitzungen („es ist die Maßnahme eines Regimes, nicht die einer Demokratie“, „Änderung des politischen Gesamtklimas“ etc.) darunter. Ich mag Jongens unaufgeregten Ton …

Als jemand, der den Denkweg Sloterdijks seit der „Kritik der zynischen Vernunft“ sehr intensiv mitgegangen ist – ich halte ihn für die überragende Geistesgröße unserer Zeit -, waren die abschließenden Ausführungen besonders interessant. Mir gab es großen Mut, Sloterdijk auf unserer Seite zu wissen, auch wenn er – aus verständlichen Gründen – das Bekenntnis verweigert. Viel mehr sollte man die Kritik eines solchen Kopfes sehr ernst nehmen und wenn er in der AfD „Gestalten“ ausmacht, dann muß man sich fragen, was er sieht und was ihm geboten wird.

Die Wahrheit über Sloterdijk steckt in Sätzen wie diesem: „Ohne Errungenschaftskonservatismus kann ein Gemeinwesen unseres Typs nicht existieren, deshalb habe ich vor Kurzem eine Vokabel wie „linkskonservativ“ benutzt,  um die Gegend zu kennzeichnen, aus der ich argumentiere.“

Es wäre ein großer Gewinn, wenn Jongen den Kontakt nicht gänzlich abbrechen lassen würde. Es wäre ein noch größerer Gewinn, wenn Jongen den Steinbruch Sloterdijk nicht nur zur Vokabelsammlung nutzte, sondern selber konstruktiv damit umzugehen begänne.

Henrik Linkerhand

8. Juni 2017 16:47

Leider ein Interview ohne Erkenntnisgewinn, da dieser plakative Poltikerjargon wohl eher an andere Adressaten geht.

@Der_Jürgen

Die Feindseligkeit gegenüber dem Christentum ist dezidierter Antikatholizismus, der in Frankreich historisch begründet weit verbreitet und wirkmächtiger ist, als z.B. in Deutschland. Bei Venner tritt das noch mehr in den Vordergrund ( versuche ich beim Lesen immer auszublenden).  Auf der anderen französischen Seite steht z.B. Raspail, ein glühender Verehrer eines reaktionären Katholizismus (ist mir sehr symphatisch). Es gibt eben die "Mars Rechten" (Antike, Sparta) und die "Venus Rechten" (Rom, Mittelalter, katholisch). Ich mag sie beide.

Ralf Kaiser

8. Juni 2017 17:12

@ Der Jürgen

Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll, um diesen Wust an wirren Behauptungen zu entknoten. Eine Quelle, die Sie natürlich nicht nennen, hat wieder so eine Freimaurerverschwörung aufgedeckt. Wie viele "große französische Medien" haben denn der Nouvelle Droite die Tore geöffnet? Die Bewegung erarbeitete sich zunächst ein eigenes Netz von Publikationen, von denen Nouvelle École schließlich eine Auflage von 10.000 Exemplaren erreichte, Études et recherches 15.000, Éléments sogar 20.000 (Michael Böhm: Alain de Benoist. Denker der Nouvelle Droite. Schnellroda 2008, S.107f)erst als sich diese Erfolge abzeichneten, zeigte auch ein Teil der bürgerlicheren Presse Interesse, hauptsächlich das Figaro-Magazine des rechten Verlegers Robert Hersant. Der journalistische Gegenwind schwoll jedoch sehr schnell an und erreichte seinen Höhepunkt 1979. Wie sich auch selbsternannte deutsche Qualitätsmedien mit faustdicken Lügen daran beteiligten, könnten Sie, werter Jürgen, dem Anhang des gerade wieder aufgelegten Buches Kulturrevolution von rechts? entnehmen. Jedenfalls gab es diesen Anhang in der Erstauflage. Ich nehme an, er ist auch jetzt wieder enthalten.

Offenbar hatten SPIEGEL, ZEIT und SÜDDEUTSCHE die Anweisungen aus dem Logentempel einfach ignoriert!   

Der_Jürgen

8. Juni 2017 17:23

@ Der Gehenkte @Henrik Linkerhand

Das vom Gehenkten monierte "eisige Schweigen" im Forum zu Jongens Aussagen liegt wohl einfach daran, dass daran, wie der Gehenkte ja selber feststellt, für uns nichts daran neu ist. Jongen formuliert Dinge, die für Menschen unserer Denkrichtung selbstverständlich sind, gut und elegant. Damit hat es sich.

Das soll jetzt keine Kritik an ihm sein. Er hat schliesslich nur auf Fragen geantwortet und besass darum keine Möglichkeit, eventuell vorhandene grosse Visionen zu enthüllen.

Hartwig aus LG8

8. Juni 2017 17:37

""Eisiges Schweigen im Forum""

@Gehenkter: Man formuliert ja meist schon sanft. Oft genug findet man seinen Kommentar dann auch unter dem Artkel. Aber stets dann, wenn man eine andere Gangart auch nur erwähnt, bleibt der Kommentar verschollen. Ich respektiere das Hausrecht voll und ganz, habe mich noch nie beschwert und werde es auch nie tun.  Aber vielleicht rührt so manches Schweigen eben auch daher.

Henrik Linkerhand

8. Juni 2017 17:51

@ Der_Jürgen

Bei allem Respekt vor seiner Bildung ist Alain de Benoist für mich ein Feind.

Nach Ihrer Logik müsste der Front National dann auch der Feind sein, was übrigens die alte Erbfeindschaft wiederbeleben würde. Sie müssen das alles im historischen Kontext betrachten. Frankreich, der FN, de Benoist sind viel sozialistischer als die meisten deutschen Rechten das glauben mögen. Frankreich ist eben nicht Deutschland.

Ralf Kaiser

8. Juni 2017 18:05

Kleine Korrektur: Benoists Buch Kulturrevolution von rechts natürlich ohne Fragezeichen im Titel.

@ Henrik Linkerhand

Ihre Erklärung greift zu kurz. Benoist hat seine Abneigung gegen das Christentum wiederholt erläutert, etwa in seinem Buch Heide sein, und sich sogar der Diskussion mit Theologen gestellt, z. B. in dem Gesprächsband Welche Religion für Europa?. Das alles kann hier nicht ausführlich besprochen werden, aber ich versuche doch einmal einen Einstieg, obwohl selbstverständlich sofort die üblichen Verdächtigen auf mich einprügeln werden.

Die Christianisierung Europas führte zu einem Kulturverlust gigantischen Ausmaßes, wie er noch in der Neuzeit auch in den europäischen Kolonien zu beobachten war. Bezeichnenderweise ist das Wort Völker in der Bibel gleichbedeutend mit "Heiden". Mit Ausnahme des Gottesvolkes sind die Völker meist negativ besetzt. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel wertet die Entstehung ethnischer und sprachlicher Unterschiede als Strafe Gottes, damit nicht mehr "einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen" sei. Im christlichen Heilsplan hat die Verschiedenheit aber nicht das letzte Wort, und so wollen Missionare die Menschheit von diesem Mißstand erlösen und die globale Einheitsreligion schaffen.

Monika L.

8. Juni 2017 18:44

@Jürgen 

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu Alain de Benoist. Ich habe von ihm nur " Heide sein " gelesen. Und in meiner Studienzeit einen kritischen Beitrag aus christlicher Sicht zu diesem Buch verfasst. Den Text hatte ich seinerzeit an Gerd-Klaus Kaltenbrunner geschickt. Und ihn danach auch Im Ölmättle besucht. GKK schrieb mir am 14. Juli 1986 folgendes:

Liebe Frau W.

haben Sie vielen Dank für Ihren Besuch am 7. Juli...Inwischen bin ich dazu gekommen, Ihre beiden Arbeiten zu lesen. Insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit dem Papp-Heiden Benoist hat es mir sehr angetan. Hätte ich ein Manuskript dieser  Art vor vier Jahren in Hönden gehabt, dann hätte ich es liebend gern in dem Ihnen bekannten INITIATIVE-Band 49 über die nichtchristlichen Konservativen veröffentlicht...

Ich glaube aber, daß  es sich lohnte, eine etwas kürzere Fassung der Redaktion von CRITICON anzubieten. Die Anschrift kennen Sie ja...

Obwohl nämlich CRITICON von allem Anfang an der " Neuen Rechten" überaus wohlwollend gegenübersteht, so ist doch anzuerkennen, daß diese Zeitschrift immer wieder auch Stimmen von anderer  Seite zu Wort kommen läßt...

Über das hohe Maß an Übereinstimmung, das unser Gespräch zutage brachte, freue ich mich auch heute noch....

Ihr Gerd-Klaus Kaltenbrunner

P.S. Ich hatte das Manuskript , soweit ich mich erinnere, damals an Criticon geschickt. Aber auch die gekürzte Fassung war Herrn Schrenck-Notzing noch zu lang. So ging mein Beitrag den Weg alles Irdischen ....liegt in einer Kiste.

Außer HEIDE SEIN habe ich von Benoist nichts gelesen. Kann also nicht beurteilen, ob sich sein Denken in eine für mich interessante Richtung bewegt hat. Sein unsachliches Antichristentum hat mir nie gefallen. Kritik am Liberalismus gefällt mir bei Kleine -Hartlage oder Marcello Pera besser. 

Allerdings bin ich der Meinung, dass wir diese Unterschiede der verschiedenen Richtungen in den eigenen Reihen diskutieren sollten. Auch die Nichtchristen, Atheisten, Agnostiker, Heiden sollten sich an die Grundregeln des wissenschaftlichen Diskurses halten. Wir Christen halten uns ja auch an einen methodischen Atheismus. 

Aus intellektueller Redlichkeit zuerst. Aber auch, um hier dem politischen Gegner nicht das Feld zu überlassen. Jetzt widme ich mich mal dem Gespräch mit Jongen. 

Martin Lichtmesz

8. Juni 2017 19:50

Benoist einen "Feind" zu nennen, ist völlig absurd. Er bleibt einer der besten Vor- und Nachdenker, den die Rechte im weitesten Sinne hat (er hält die Links-Rechts-Dichotomie ja für überholt). Seine Analyse des populistischen Phänomens ist wegweisend und maßgeblich, es gibt zur Zeit nichts besseres und scharfsinnigeres (eine Übersetzung ist im Gange, allerdings nicht bei Antaios.) Éléments ist eine großartige, niemals langweilige Zeitschrift. Dem Christentum steht er zwar weiterhin kritisch gegenüber, aber die Schärfe seiner Position hat sich seit der Frühzeit der ND deutlich abgemildert. Von "Feindschaft" kann jedenfalls so keine Rede mehr sein. Hinzu kommt, daß Benoist keine Berührungsängste hat, niemals nach rechts tritt, und einer der offensten und geistig elastischten und tolerantesten Menschen ist, die ich je getroffen habe.

Der_Jürgen

8. Juni 2017 20:45

@Ralf Kaiser

Sie müssten sich angewöhnen, Texte sorgfältiger zu lesen. Ich habe bezüglich der Förderung der Nouvelle Droite durch die französische Freimauerei durchaus keine "wirren Behauptungen" aufgestellt, sondern mich, mit gebührendem Vorbehalt ("Ich kann nicht nachprüfen, ob das stimmt"), auf einen Kenner der Maurerei bezogen, den ich nicht nenne, weil ich nicht weiss, ob er dies guthiesse. Punkt.

Ich hatte "Elements" und "Nouvelle Ecole" seinerzeit abonniert und darin viel Gutes und Interessantes gefunden, ebenso wie in "Vu de Droite". Die beiden in meinen vorherigen Wortmeldungen gegen de Benoist erhobenen Vorwürfe, erstens den eines vollkommen kontraproduktiven Sturmlaufs gegen das Christentum und zweitens den der Zustimmung zu einer "gemässigten Multikultur" (wobei der Kuckuck weiss, was das bedeuten soll), halte ich aufrecht. Für die europäischen Völker, vorab für die Deutschen und die Franzosen, stellt sich heute die Frage nach ihrem physischen Überleben, und wer da noch von "gemässigtem Multikulturalismus" schwadroniert, an dem ist Hopfen und Malz verloren.

Ob de Benoist subjektiv ehrlich ist, weiss ich nicht, da ich keine Gedanken lesen kann. Dass er der Sache Europas objektiv schadet, steht ausser Zweifel.

Dass die deutsche Qualitätspresse im Gegensatz zur französischen die Nouvelle Droite von Beginn an bekämpft hat, ist mir gut erinnerlich, da ich damals den "Spiegel" (der de Benoist immerhin einmal interviewte) und die "Welt" las. Einen Grund für diese unterschiedliche Strategie kann man sich ohne weiteres vorstellen: Der Kampf gegen die Katholische Kirche war in Deutschland schon damals praktisch gewonnen, in Frankreich durchaus nicht. Darum bedurfte es in Frankreichs einer zusätzlichen antikatholischen und antichristlichen Kraft, die man in der Nouvelle Droite fand. Zudem bot sich eine willkommene Gelegenheit, die nationale Rechte zu spalten. Ich erinnere mich, dass Jean-Marie le Pen die Nouvelle Droite trotz gewisser Berührungspunkte scharf attackierte, weil sie alles angreife, was ihm heilig sei.

Dies ist wohlverstanden eine Hypothese, aber eine, die Hand und Fuss hat.

Solution

8. Juni 2017 21:08

Der_Jürgen liegt mit seiner Kritik richtig: Alain de Benoist ist auch mein politischer "Feind".

So will er mit seinem dubiosen "Ethnopluralismus" völlig fremden Menschgruppen gestatten, sich hier in Parallelgesellschaften zu organisieren. In seinem "Aufstand der Kulturen" schreibt er, daß der kleine arabische Gemüseladen ihm lieber sei, als der amerikanische Supermarkt.

Schon sein wirrer "Nominalismus" war eine Sackgasse. 

Das Interview ist nun wirklich banal und nicht mehr ganz aktuell.

RMH

8. Juni 2017 22:30

Danke für die Freischaltung des Beitrags von Hartwig aus LG8, der den Finger diplomatisch und treffend in die Wunde legt.

In diesem Fall haben aber vermutlich Der_Jürgen und Der Gehenkte recht, denn der Artikel ist schön für das französische Publikum, die hier einen guten Einblick erhalten, aber für alle hier schon länger Mitlesenden ist es in der Tat nichts Überraschendes oder wesentlich Neues und damit braucht man zu dem Artikel auch nichts schreiben.

@Der_Jürgen,

vielen Dank für ihre kleine, feine Abrechnung mit de Benoist. Ich habe noch nie besonderen Zugang zu seinen Werken finden können und empfand bei der Lektüre seiner Bücher den Inhalt sprachlich vielfach als typisch welsches Geschwurbel, was aber auch dem Umstand zu verdanken sein kann, dass ich selber nicht der französischen Sprache mächtig bin und nur auf Übersetzungen aus der Reihe Edition JF zurückgreifen konnte. Schon den Begriff des Ethnopluralismus halte ich für ehrlich gesagt ein bisschen seltsam, möchte ihn aber nicht zu sehr auseinandernehmen, da er ein Kernbegriff der Identitären geworden ist, deren Arbeit und Wirken ich sehr schätze. Ihr Zitat aus dem Artikel der JF zeigt aber sehr gut die Krux auf. Ich habe de Benoist noch nie für einen echten Rechten halten können, genauso wenig, wie seinen zeitweiligen Kompagnon Venner, will das an dieser Stelle aber nicht vertiefen, da es zu sehr abschweift.

Der Gehenkte

8. Juni 2017 23:04

@ Hartwig aus LG8

Das ist bedauerlich. Bin auch kein Freund davon und habe so manches Frusterlebnis gehabt - aus meist unerfindlichen Gründen.

@ Der_Jürgen

Das ändert ja nichts daran, daß man einige Positionen diskutieren kann.

So halte ich etwa den Gedanken: "Und wir wollen sicherstellen, daß es die deutsche Kultur auch in 100 oder 200 Jahren noch gibt – in friedlicher Koexistenz mit den anderen europäischen Kulturen. Neben dem Stopp der Masseneinwanderung, v.a. aus muslimischen Ländern, bedarf es dazu einer signifikanten Erhöhung der Geburtenrate ..." für falsch.

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun. In diesem Sinne schreibt auch Renaud Camus (der einzige, bei dem ich das lese):

"Man muß diese Völker (Afrikas etc.) im Interesse des ganzen Planeten dazu anhalten, umzukehren und fortan auch in ihren Heimatländern die Fortpflanzung radikal zu beschränken. Und man muß ihnen auf diesem Gebiet ein Bsp. an Maß geben" und: "Die Welt muß sich vom Kult der Zahl ein für allemal verabschieden."

Ohne Rückbau werden wir so oder so in die Katastrophe laufen, die demographische oder die ökologische.

Ralf Kaiser

9. Juni 2017 00:08

@ Der Jürgen

(...) Ist Ihnen übrigens einmal der Gedanke gekommen, daß Migranten, die sich, wie Benoist es befürwortet, nicht verwestlicht haben, am ehesten zur Remigration in ihre Herkunftsländer geeignet sind?

@ Monika L.

So so, nur Christen halten sich an die Regeln des wissenschaftlichen Diskurses? (...) Welchen Beitrag zur Versachlichung leistet die Bezeichnung "Papp-Heide"? Und habe ich Ihnen nicht neulich schon nachgewiesen, daß Sie ein Benoist-Zitat in einen falschen Kontext setzten?

Lotta Vorbeck

9. Juni 2017 01:23

@Der Gehenkte, 08. Juni 2017 - 09:04 PM

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun. In diesem Sinne schreibt auch Renaud Camus (der einzige, bei dem ich das lese):

"Man muß diese Völker (Afrikas etc.) im Interesse des ganzen Planeten dazu anhalten, umzukehren und fortan auch in ihren Heimatländern die Fortpflanzung radikal zu beschränken. ..."

Ohne Rückbau werden wir so oder so in die Katastrophe laufen, die demographische oder die ökologische.

---------------------------------------------

Das, was die laufende Invasion, insbesondere der BRD erst ermöglicht, ist die Bevölkerungsexplosion in Afrika und Teilen Asiens. Zu Zeiten als die in einem Lande siedelnde Population auf natürlichem Wege begrenzt wurde, eben über das Niveau welches das jeweilige Land ernähren kann nicht hinauskam, wäre eine Völkerwnderung dieses epischen Ausmaßes mangles Masse schlicht nicht möglich gewesen.

Mittels aus den Industrieländern importierter Nahrungsmittel in Verbindung mit medizinischen Hilfeleistungen aus derselben Quelle, wird erst der Bevölkerungsüberschuß erzeugt, welchen dessen Herkunftsländer wiederum über's Mittelmeer nach Norden exportieren.

Um die Dimension zu verdeutlichen, vergleiche man einfach mal die Einwohnerzahlen beispielsweise von Algerien, Ägypten, Nigeria oder auch Syrien im Jahre 1980 mit denen von heute.

Im Endeffekt wird's darauf hinauslaufen, die globale Population, siehe auch unter "Georgia Guidestones", auf einen Wert zwischen 1 und 1,5 Milliarden zu reduzieren.

Diese eher früher als später unvermeidliche Reduktion läßt sich auf verschiedenen Wegen ins Werk setzen. Entweder man senkt die Geburtenrate massiv - was keine sofort spürbare Entlastung bringen wird - oder man zündet eben das 'große Feuer' in Form eines globalener Vernichtungskrieges an, um das System auf diese Weise zu 'resetten'.

 

 

Cacatum non est pictum

9. Juni 2017 03:38

@Ralf Kaiser

Da weiß ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll, um diesen Wust an wirren Behauptungen zu entknoten. Eine Quelle, die Sie natürlich nicht nennen, hat wieder so eine Freimaurerverschwörung aufgedeckt.

Nicht alles, was sich Ihrer Kenntnis entzieht, ist wirr. Und fallen Sie bitte nicht auf die vielen Freimaurer herein, die von ihrem Geheimbund öffentlich behaupten, er nehme keinen politischen Einfluss. Derlei gehört in die Kategorie Märchenstunde. Wer sich etwas mit Freimaurer-Signalgesten beschäftigt und in der Google-Bildersuche die Fotos von Alain de Benoist betrachtet, der weiß ohnehin Bescheid.

Benoist ist sicher ein origineller und kluger Denker. Dass er aber von der IB (die auch ich sehr schätze) und einigen anderen Zirkeln als Ikone gehandelt wird, bereitet mir ein wenig Magengrummeln.

@Monika L.

Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu Alain de Benoist. Ich habe von ihm nur " Heide sein " gelesen. Und in meiner Studienzeit einen kritischen Beitrag aus christlicher Sicht zu diesem Buch verfasst.

Könnten Sie das Skript irgendwo zugänglich machen? Es würde mich schon rein thematisch interessieren; und da es von Herrn Kaltenbrunner ja gleichsam höchste Weihen erhalten hat, ist es gewiss lesenswert.

@Der Gehenkte

Angemessen wäre das Problem der Übervölkerung im Zuge der Migrationskrise anzugehen. Das hieße, Wege zu finden, wie die deutsche Kultur und Nation auch bei verminderter Bevölkerungszahl Bestand haben kann. Zu Goethes und Hegels Zeiten lebten 20 Mio Menschen in D und niemand wird behaupten können, daß das kulturelle Niveau damals niedriger war. Kultur bewahren hat wenig mit Bevölkerungsmasse zu tun.

Das ist alles richtig, was Sie schreiben. Aber Goethes und Hegels Zeitgenossen sahen sich keiner permanenten Masseneinwanderung von Orientalen und Afrikanern gegenüber, mit denen sie sich ihren Lebens- und Kulturraum hätten teilen müssen. Die virulente Gefahr unserer Tage besteht doch nicht allein darin, dass wir als Volk schrumpfen, sondern insbesondere in dem Umstand, dass wir auf Sicht eine Bevölkerungsminderheit im eigenen Land werden könnten. Wenn es erst einmal so weit ist, werden sich viele kulturelle Standards von selbst auflösen. Und um den Rest wird man verlustreich kämpfen müssen, wie sich  am Beispiel der koptischen Christen in Ägypten zeigt.

Maiordomus

9. Juni 2017 07:44

@Monika L. Halte Ihren Hinweis auf Kaltenbrunner, der indes politisch schon vor mehr als 20 Jahren resignierte, betr. Benoist für wesentlich. Sein Name tönt gut, er hat sich in der Tat in Frankreich grössere Beachtung verschafft als es Schnellroda bis jetzt gelungen ist, wiewohl Aussenseiter bleibt Aussenseiter und sicher nicht einer der 3000 wichtigsten Franzosen der Geschichte. Es bleibt aber wohl auch für Deutschland dabei, dass die Verbindung zwischen Kirche und Staat gekippt werden muss. (...)

Ralf Kaiser

9. Juni 2017 10:56

@ Der Jürgen

Sie formulieren also einen Vorbehalt gegenüber einer Hypothese, die Sie gerade selbst als Argument in die Debatte geworfen haben, um dann diese Hypothese sofort wieder aufzugreifen und weiterzuführen, indem Sie alle Belege, die dagegensprechen, einzubauen versuchen. Habe ich gründlich genug gelesen?

@ Cacatum

Klären Sie uns doch bitte auf, welche Gesten das sein sollen. Ich Unwissender bin wirklich gespannt!

Utz

9. Juni 2017 11:14

@ Ralf Kaiser

Ist Ihnen übrigens einmal der Gedanke gekommen, daß Migranten, die sich, wie Benoist es befürwortet, nicht verwestlicht haben, am ehesten zur Remigration in ihre Herkunftsländer geeignet sind?

Ich fürchte die Remigrationsfähigkeit ist völlig unerheblich, solange eine Remigrationswilligkeit nicht gegeben ist. Wenn Migranten die Möglichkeit haben über die Demographie die Ursprungsbevölkerung wegzukonkurrieren, damit auch politisch Einfluß zu gewinnen, kann ihnen keiner mehr eine Remigration vorschreiben. Warum sollten sie dann noch gehen wollen? Dann war es richtig die eigene Kultur zu behalten, wenn man eh immer das Ziel hatte, das  Land, in das man kam, zu einem muslimischen, orientalischen Land umzugestalten.

Maiordomus

9. Juni 2017 11:51

Wenn wir schon am Politisieren sind und über die AfD Zeit verlieren. Die Wahlniederlage von May in Grossbritannien ist noch viel schlimmer als irgendwelche mageren Resultate und schlechte Aussichten der AfD. Ich vermute, es ist über die "soziale Kälte", die man May vorwirft, hinaus, auch eine Folge der in Gesamtwesteuropa erfolgreich angefachten Antitrumphysterie, welche auch die Funktion hat, über den erbärmlichen Zustand der europäischen Union hinwegzutäuschen. Das angedeutete Aufblühen der Rechten in Europa findet bis auf weiteres nicht statt, dafür muss man, besonders in Deutschland, um die Meinungsfreiheit für dieses Lager sich echte Sorgen machen. Der nicht weiterbeschäftigte Pfarrer Wawerka, einer der besonnenste SiN-Blogger, setzt für die Zehnerjahre wohl Massstäbe. Identitäre werden in den nächsten zehn Jahren Mühe haben, als Kaminfeger angestellt zu werden. Anstelle der gesellschaftlichen Veränderungen, über die vor einigen Monaten bereits auch hier begeistert spekuliert wurde, wenngleich nicht von den politisch Erfahrenen, wird die Sicherheit des eigenen Lagers vermehrt ein Thema sein. Es werden sich immer weniger mit Klarnamen hier zum Wort melden. Einer der Tapfersten hier ist Sellner, wiewohl die Hälfte seiner you-tube-Beiträge, habe nun viele mir angesehen und angehört, durchaus genügen würde zugunsten von politischer Grundlagenarbeit. Diese gewinnt an Bedeutung. Vergleiche ^weiland den sowjetischen Samisdat. Zu den Denkern aus der damaligen Epoche würde ich Andrei Amalrik zählen, wie Solschenizyn ein ganz anderes Kaliber als der geistig nunmal nicht sehr bedeutende Benoist. Wirklich gut, dass Monika L. wieder auf Gerd-Klaus Kaltenbrunner aufmerksam gemacht hat. Im SiN-Lager gehört meines Erachtens Raskolnikov zu den bedeutenderen Persönlichkeiten auch mit Fähigkeit zum strategischem Denken.

Klaus D.

9. Juni 2017 14:26

Bezüglich des Interviews mit Herrn Jongen finde ich es erstmal positiv, endlich mal wieder was von der AfD zu hören -und zwar nichts negatives. Die Tagespresse (hier Mitteldeutsche Zeitung MZ) verbreitet nämlich fast täglich genüßlich lediglich innerparteiliche Querelen aus der Fraktion des Landtages Sachsen Anhalt. Ich fände es prinzipiell äußerst wünschenswert, wenn sich die AfD mehr der alternativen Medien zur (unverfälschten) Informationsweitergabe bedient. Und das nicht nur mehr allgemein hin- und wieder, sondern regelmäßig und vor allem auch zu tagesaktuellen Themen (laufende Aufgaben, Innen- und Außenpolitik). Gut, dazu ist wohl SiN eher weniger geeignet, aber wie wär´s z.B. mit Compact online, Herr Jongen?

Monacensis

9. Juni 2017 14:34

Marc Jongen ist für mich einer der besten Köpfe der AfD, habe ihn neulich in München live erlebt. Wie das im Stile des "suaviter in modo, fortiter in re" gehaltene Interview zeigt, gelingt ihm der Brückenschlag zwischen der politischen und der intellektuellen Sphäre vorbildlich. 

Was das Christentum angeht, so ist leider nicht zu verkennen, dass es nicht nur eine unserer kulturellen Grundlagen darstellt, sondern mit seinem Glauben an den "neuen Menschen" und seinen ausgeprägt depressiven Zügen die aktuelle Politik der Selbstaufgabe geistesgeschichtlich mit fundiert. Nicht umsonst wäre eine refugees welcome Politik Merkel'scher Prägung für Chinesen, Japaner oder Araber schlicht nicht vorstellbar.

Monika L.

9. Juni 2017 18:52

@Cactatum non est pictum

Ja, ich habe noch ein paar Aufzeichnungen. Die müßte ich nochmals in Ruhe durchgehen. Ist ja schon länger her. Und ich habe nicht das phänomenale Gedächtnis  eines Pirmin Meier. Kann sie zur Verfügung stellen.

Was generell zur "Neuen Rechten der 80iger Jahre anzumerken ist: Sie hat sich, ebenso wie die Linke, nicht für das Schicksal der Menschen im real-existierenden Sozialismus interessiert. ( Mit ein paar Ausnahmen). Die Linke, um ihren Traum vom Sozialismus nicht zu gefährden, die Rechte teilweise aus ideologischen Gründen. Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ( Universalismus) ist, betrachtet den totalitären Ostblock nicht unter dem Aspekt der Menschenrechtsverletzung.( Der verweigerten  Freizügigkeit, usw. )  Eher unter dem Aspekt der verlorenen Ostgebiete. Daß Benoist Jongen jetzt fragt, warum die Menschen in Mitteldeutschland widerständiger sind als im Westen, erklärt sich aus dieser alten Ignoranz. Das gleiche gilt für die Linken. Die denken noch heute, Dresden sei immer noch das Tal der Ahnungslosen.  Der französische Andre Glucksman hat in die " Meisterdenker" auf diesen blinden Fleck der Linken hingewiesen.Gerd Klaus Kaltenbrunner war einer der wenigen, der Osteuropa und dessen geistige Elite im Blick hatte. Und das Geschehen dort verfolgte. Hier hätte die Rechte noch einigen Theorie-Nachholbedarf, was die osteuropäischen Dissidenten von damals betrifft. ( Etwa Kolakowski ' Falls es keinen Gott gibt' , Havel, Milosz u.a.) 

Festgehalten wurden die verschiedenen Strömungen etwa in dem Magazin "kontinent" ( Ost-West-Forum) , hrsg. von Cornelia Gerstenmeier oder in der Züricher Zeitschrift G2W Glaube in der zweiten Welt) . Auch die Zeitschrift MUT wird einigen noch ein Begriff sein. 

Von Kaltenbrunner kann ich immer wieder nur empfehlen sein dreibändiges Werk EUROPA, Seine geistigen Quellen in Porträts aus zwei Jahrtausenden.

Das Basiswissen für alle, die die Europäische Kultur lieben. Und bewahren wollen.

Ralf Kaiser

10. Juni 2017 14:51

@ Monika L.

"Daß Benoist Jongen jetzt fragt, warum die Menschen in Mitteldeutschland widerständiger sind als im Westen, erklärt sich aus dieser alten Ignoranz."

Halten Sie es für möglich, daß ein Interviewer, der sich als Stellvertreter einer zum Teil nicht so kundigen Leserschaft begreift, auch Fragen stellt, deren Antwort er persönlich schon kennt? Oder ist es für Sie denkbar, daß der Interviewer zu der Frage eine Meinung hat, aber nachprüfen will, ob der Interviewte dieselbe vertritt?

"EUROPA, Seine geistigen Quellen aus zwei Jahrtausenden. Das Basiswissen für alle, die die Europäische Kultur lieben."

Hier zeigt sich wieder die selektive Wahrnehmung. Namentlich bekannte Quellen der europäischen Kultur gibt es aus drei Jahrtausenden, also auch schon aus vorchristlicher Zeit. Benoist weiß das, Dominique Venner wußte das, und Marc Jongen weiß es ebenfalls, wenn er sich auf den Thymos bezieht.

  

Monika L.

10. Juni 2017 20:06

"Hier zeigt sich wieder die selektive Wahrnehmung. Namentlich bekannte Quellen der europäischen Kultur gibt es aus drei Jahrtausenden, also auch schon aus vorchristlicher Zeit. Benoist weiß das, Dominique Venner wußte das, und Marc Jongen weiß es ebenfalls, wenn er sich auf den Thymos bezieht."

@Ralf Kaiser 

Gerd Klaus Kaltenbrunner nennt in dem dreibändigen Werk "Europa" natürlich auch vorchristliche Quellen ( Sokrates, Sappho, Epikur u.v.a.) . Hier wird nicht selektiert. Auch Moeller  van den Bruck widmet er einen Beitrag . Seine drei Bände ergänzen die " Vordenker" der Edition Antaios ( dort wird ja auch Benoist entsprechend gewürdigt) . Auf dem zweiten Band steht:

"Dieses Werk will das notwendige, kräftige Gegengewicht gegen die Allmacht des Ökonomischen, des Technokratischen und des Militärischen bilden, die heute einseitig als die Instrumente des Neuen Europa vorgezeigt werden. Nur die Kenntnis der geistesgeschichtlichen Hintergründe, Zusammenhänge und Dimensionen, kurz: der wahren Wirkkräfte in der Geschichte - löst uns aus der Verkrampftheit, in die wir hineingeraten sind. " 

Das klingt doch recht unverkrampft - als Alternative zur EU ...

 

Ralf Kaiser

11. Juni 2017 00:53

@ Monika L.

Gut, in dieser Hinsicht können wir uns einigen.

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