13. Juni 2017

Die Denunzianten und der Streisand-Effekt

von Martin Lichtmesz / 39 Kommentare

Rekapitulieren wir nochmal den Ablauf der ganzen Causa Sieferle, damit sie in ihrer ganzen Erbärmlichkeit und Komik sichtbar werde und wir daraus etwas über den Zustand der Feuilletons und öffentlichen Debatten in Deutschland lernen mögen.

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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  • Da ist also vor einer Woche entgegen der üblichen Praxis des Totschweigens ein böses, kleines, grünes Buch aus einem vogelfreien Freibeuterverlag auf der Liste der monatlichen Sachbuchempfehlungen des NDR und der Süddeutschen Zeitung aufgetaucht (auf Platz 9, bis dato ist es immer noch dort). Der Jury gehören Mitarbeiter aus dem exklusiven Klub der üblichen Verdächtigen der etablierten Presse an, also FAZ, Die Welt, Der Spiegel, Die Zeit, Deutschlandfunk... Die Juroren vergeben unabhängig voneinander Punkte für Neuerscheinungen, die sie als empfehlenswert erachten. Offenbar hat sich zunächst kein Schwein für das Buch interessiert, weder die Jurymitglieder noch deren Vorsitzender Andreas Wang, noch wer auch immer im NDR die entsprechende Netzseite veantwortet.

    Als nächstes trat ein bekannter linksextremer Berufsdenunziant, der selbst nicht die geringste eigenständige geistige Leistung aufzuweisen hat, auf den Plan, witterte den Ketzerschwefel, hob kläffend sein Hinterbeinchen, worauf die Skandalisierungsmaschinerie in Gang geriet. Wenn es in der ganzen Geschichte einen "Skandal" zu melden gibt, dann die Tatsache, daß eine traurige Gestalt wie Andreas Speit überhaupt mitreden darf, was in Deutschland gelesen, besprochen und "geliket" werden darf und was nicht.

    Finis Germania, das düstere Testament Rolf Peter Sieferles, wurde wie ein Virus behandelt, der durch eine Systemlücke in das sich vor unkeuschen Gedanken pingelig abschirmende Klubzimmer der reinrassigen Meinungsarier geraten war und nun in die Quarantäne verbannt werden mußte. Um dies durchzuführen, bedurften unsere Freunde von der Wahrheitspresse zweier Voraussetzungen: als Druckmittel der Verbreitung der Angst, per Kontaktschuld selbst zum Aussätzigen erklärt zu werden, und als Anreiz der Chance, risikolos bei einem prestigeträchtigen Hetzkampagnenquickie mitmachen zu können. Wenn man schon sein Dasein als Leitmedienfedervieh unter ständigem Konformitätsdruck fristen muß, kann man sich seine Feigheit auch vergolden lassen.

    Es bot sich also das, was der Medienwissenschaftler Uwe Krüger eine "Niedrigkostensituation" nennt. In einer solchen kann der Journalist "offensiv agieren, ihm steht eine breite Palette etablierter Argumente und bekannter Phrasen zur Verfügung". Ellen Kositza schrieb dazu in der Sezession 72 (Juni 2016): 

    Standpunkte einer Gegenöffentlichkeit hingegen bewegen sich für den Journalisten in einer "Hochkostensituation": Argumente müssen besonders sorgsam und defensiv aufgebaut werden, und als Abweichler lauft man dabei Gefahr, sozial sanktioniert zu werden. Die Rolle als "schwarzes Schaf" innerhalb einer Redaktion muß man sich leisten wollen! Krüger geht davon aus, daß es sich hierbei um selbsttätige Mechanismen handelt, die den wenigsten Medienmenschen überhaupt bewußt seien: "Man kann sich und den Betrieb, in dem man steckt, schwer selbst beobachten." Daß in den Leitmedien (FAZ, Spiegel, SZ, Die ZEIT, Fernsehtalkshows) "auch mal eine andere Meinung" zu Wort kommt, ist für Krüger übrigens mitnichten ein Beleg für echte Pluralität, sondern ein Beweis dafur, daß die Ausnahme die Regel bestätigt und mithin systemstabilisierend wirke. Solcherart sieht er eine wichtige Funktion der Medien in die Binsen gehen: Indem nämlich die Rolle des "Aufpassers" zu der des "Anpassers" wird. 

    Doch zurück zum Ablauf des Skandälchens. Ich tippe darauf, daß die Reaktion von Andreas Wang vor allem von der Sorge motiviert war, nun rasch seine eigenen Allerwertesten von der Wand zu bekommen und auch die Jury vor Sperrfeuer zu schützen. Die von Speit zitierten Aussagen klingen jedenfalls verdächtig danach: 

    „Ich gebe zu“, sagt Andreas Wang der taz, „dass das Buch die Liste nicht gerade ziert“. (...) Er erklärt, in der Jury hätte es auch „allerlei Diskussion“ gegeben. Er überlege nun mit der Jury „grundsätzlich darüber“ zu sprechen, „ob einzelne Bücher/Titel bei uns ‚verboten‘ werden sollen, weil sie allzu rechts, links oder sonst wie ungeliebt sind“. 

    So redet einer, den eben ein Politkommissar besucht hat und der nun versucht, per sozialistische Selbstkritik seinen Hals zu retten. Es genügt, daß ein Antifant die Lippen spitzt, und schon windet er sich wie der Wurm an der Angel. Woher haben die selbsternannten Aufpasser diese Macht? Existenzen wie Speit gleichen dem Typus des grauen Funktionärs in totalitären Systemen: mittelmäßige, ressentimentgeladene, aber um so strammer linientreue Parteilinge, die auf den Schultern eines Apparates hocken, der seine Macht auf Angst und Verleumdung gründet. Dort können sie ihr kleines bißchen jammervolle Macht ausüben und sich an jenen rächen, die freier, intelligenter, kompetenter, wahrhaftiger und mutiger sind als sie.

    Wie Jörg Baberowski, der nun per Gerichtsurteil straflos als "Rassist" und Rechtsextremist" verleumdet werden darf (die Frankfurter Rundschau näßte sich darob vor Freude geradezu ein), in einem Interview mit der Welt sagte: "Linksextremisten" seien "nicht an Diskussionen interessiert":

    Sie wollen jeden, der nicht in ihr Weltbild passt, zum Schweigen bringen. Man nennt jemanden einen Rechtsextremisten, und schon ist der Stigmatisierte vom Gespräch ausgeschlossen. Alle anderen haben Angst, weil sie nicht auch in den Klub der Rechtsradikalen aufgenommen werden wollen. Auf diese Weise können Fanatiker, denen sonst niemand zuhört, ohne großen Aufwand einen Machtgewinn erzielen. Das funktioniert in Deutschland immer, und deshalb bedienen sich Linksextremisten dieser Waffe.

    Im diesem Falle waren es antifantische Studenten, die an der Berliner Humboldt-Universität eine wahre Hexenjagd auf Baberowski veranstalteten, ihn physisch bedrängten, permanent wie einen Verbrecher photographierten und auf dem Campus Flyer und Steckbriefe verteilten, auf denen er als „Hetzer“, „Rassist“ und „Rechtsradikaler“ bezeichnet wurde. Inkriminiert wurde dabei vor allem folgender böser Satz, der eindeutig von mindestens nationalsozialistischem Gedankenschlecht zeugt:

    Überall da, wo viele Menschen aus fremden Kontexten kommen und die Bevölkerung nicht eingebunden wird in die Regelung all dieser Probleme, da kommt es natürlich zu Aggression.

    Im Grunde ist auch in der Causa Sieferle nichts anderes passiert. Die Gewalt hat sich lediglich auf eine andere Ebene verlagert. Speit mußte verhindern, daß das böse Büchlein durch unbeanstandete Erwähnung in den heil'gen Hallen des Mainstreams eine mediale Billigung oder Aufwertung erfährt. "Das Sag- und Wählbare hat sich in der Bundesrepublik nach weit rechts verschoben", schrieb er zu Beginn seines Artikels (die Tatsachen auf den Kopf stellend; die Abschiebung des Sag- und Wählbaren ins rechte Eck wird von links betrieben), gefolgt von einem performativen Widerspruch: denn wenn dem wirklich so wäre, dann hätte sich keine müde Socke um sein Alarmgebimmel gekümmert.

    Wang sprang jedenfalls flugs über Speits Stöckchen und bot submissest an, in Zukunft mehr ideologische Zensur walten zu lassen. Um sich einen letzten Rest Gesicht zu wahren, sprach er allerdings von Büchern, die "allzu rechts, links oder sonst wie ungeliebt sind“ (das gilt offenbar nicht für das Buch, das die Empfehlungsliste anführt, das jüngste Pamphlet – hier ist das Wort im Gegensatz zu Sieferle angebracht – der Systemideologin Ulrike Guérot, die darin mehr oder weniger den "Bürgerkrieg" gegen alle "Feinde" des angeblich "offenen Europa" ausruft, also gegen jene, die sich dem Elitenprojekt der Auflösung der Nationalstaaten widersetzen, und denen,  wenn es nach Speit und Konsorten geht, das Maul gestopft werden soll). Das schmeckte dem hellhörigen Herrn Kommissar natürlich gar nicht: denn als strammer Bürgerkriegsparteiler möchte er natürlich nur die "rechten" Bücher verbr-, äh, verboten sehen.

    Der Dreiklang nivelliert die Differenzen – eine unglückliche Diskussionsbasis.

    Zum Diskussionwillen von Linksextremisten siehe Baberowskis Bemerkung oben.

    Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

    Kommentare (39)

    Wahrheitssucher
    13. Juni 2017 15:59

    Herr Lichtmesz, das war und ist eine journalistische, besser schriftstellerische Breitseite, die ihr Ziel nicht verfehlen kann und wird!

    Der_Jürgen
    13. Juni 2017 16:31

    Grosses Kino, Herr Lichtmesz. Wo andere angesichts dieses bodenlosen Abgrunds an Feigheit und Niedertracht notgedrungen zu Kraftausdrücken greifen, weil ihnen sonst die Worte fehlen würden, liefert Lichtmesz ein rhetorisches Feuerwerk der Extraklasse ab.

    Ein paar Gedanken zu den Beweggründen der Schmierfinken, auch wenn diese zwangsläufig spekulativ bleiben müssen, weil mir die Gabe des Hellsehens bedauerlicherweise fehlt. Die "Entrüstung" und "Betroffenheit" angesichts "rechten Ungeistes" nimmt man diesen Leuten nicht so recht ab. Sie sind Lohnschreiber niedrigsten Niveaus, gewissermassen Wachthunde, die, um ihre tägliche Büchse Schappi zu bekommen, kläffen müssen, sobald sich irgendwo ein Gedanke regt, der diesen Namen verdient.

    In einem normalen Staat kämen diese Kerle nicht einmal in die Nähe irgendeiner Zeitungsredaktion oder eines Fernsehstudios. Doch ein Staatswesen, in dem die Lüge oberstes Gesetz ist, in der jeder Wert zum Unwert und jeder Unwert zum Wert umgelogen wird, bietet den idealen Nährboden für solche "Kerbtiere", um Lichtmesz' drastische Formulierung aufzugreifen.

    Wen selbst der schauerlichste Dracula-Streifen nicht mehr zum Frösteln bringt, der möge sich, um das Gruseln neu zu erlernen, einmal die gesammelten Weisheiten des Herrn Andreas Speit bei der TAZ zu Gemüte führen. Er ist einer der primitivsten unter den Hetzern, aber weiss Gott nicht der einzige. Solange der "freiste Staat der deutschen Geschichte" besteht, ist der Schoss fruchtbar noch, aus dem DAS kroch.

    Maiordomus
    13. Juni 2017 17:24

    Dass die hier  Schreibenden, wiewohl längst nicht alle vom gleichen Lager, mit Ihnen einverstanden sind, Herr Lichtmesz, ändert nichts daran, dass etwa die von _derjürgen formulierte zornige Empörung auf etwa 1 Prozent der heutigen Leser herkömmlicher Bücher und Feuilletongläubigen beschränkt bleibt, da darf man sich keine Illusionen machen, wiewohl diese Panne der Duldung eines Orwellschen Gedankenverbrechens das Lager, aus dessen  Sicht Leute wie Sieferle schlimmer sind als islamische Fundamentalisten, in eine deutliche und spürbare Verlegenheit bringt. Es hilft in diesem unserem Blog wenig, diesmal flächendeckend gleicher Meinung zu sein. Zu denken gibt mir, dass der einzige grosse Geist in dieser Jury, den ich im Verdacht hatte, der Querschläger zu sein, der Philosoph und Schopenhauer-Kenner sowie Hebbel-Kenner und Verfasser eines Buches über Nihilismus, Ludiger Lütkehaus, sich weiterhin in einer solchen Jury mit stalinistisch anmutenden  Meinungsvorschriften geistig korrumpieren lässt. Auch Uwe Justus Wenzel vom Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung, welche Leserbriefe mit Kritik am Feuilleton so gut wie nie zu drücken pflegt, wäre noch ein kluger Kopf, würde sich aber mutmasslich nie auf eine Diskussion um Sieferle einlassen.  Als ich vor 12 Jahren zum letzten Mal ins Feuilleton der NZZ schrieb, verschlimmbesserte er den von mir zitierten Grundgesetzmitautor Carlo Schmid in den Namen Carl Schmitt, weil er mich wohl als "rechten" Autor verdächtigte. Der momentane Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung ist aber der ehemalige Chefredakteur des Schweizer Monats, René Scheu, Stellvertreter von Peter Sloterdijk in der Schweiz, der permanent des Rechtsliberalismus verdächtigt wird, im übrigen aber über seine eigenen Beiträge hinaus keinen wegleitenden Einfluss auf die Zeitung hat, wohl sogar kaum auf das von ihm geleitete Feuilleton mit seinen Herzogtümern.  Um es zusammenzufassen: die  bei Lichtmesz aufgezählten Feuilletonisten, so weit sie sich so tief herunterlassen und sich nicht klar vom Vorgehen distanzieren, sollten wir bis auf weiteres nicht mehr lesen.

    Isarpreiß
    13. Juni 2017 17:43

    Meiner Meinung nach fehlt, soweit ich das überblicken konnte, bei den Analysen Weißmanns und Klonovskys und jetzt auch hier ein wichtiger Aspekt: Das böse Buch ist bei Antaios erschienen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Veröffentlichung in einem anderen Verlag und die Platzierung auf der Nummer 9 der Rangliste keinen Skandal bewirkt hätte, weil dann der direkte Kontakt zur bösen Rechten gefehlt hätte.

    Hartwig aus LG8
    13. Juni 2017 17:52

    Was muss man sich unter Platz Eins bei Amazon vorstellen? Hintergrund meiner Frage ist die Breitenwirkung dieser Posse.

    Denn, wenn auch von der Charakteristik völlig anders geartet, erinnert mich dieser Vorgang an das Sputnik-Verbot 1988 (Wessis: Suchmaschine: Sputnik Verbot). Das Sputnik-Verbot war ein Verzweiflungsakt; die Mauer sollte nun nicht nur nach Westen dicht sein, sondern auch nach Osten (Gorbatschows Russland) hochgezogen werden. Ein Aufbäumen. 

    Nicht, dass ich erwarten würde, unser System gäbe bald den Geist auf. Aber der Schritt zur offenen Diktatur rückt näher.

    Andrenio
    13. Juni 2017 17:56

    Zur Jury:

    René Aguigah ist beim Deutschlandradio lediglich als Mitinterviewer von Simon Wiesenthal aufgefallen.

    Ob Jens Bisky nun Unterleutnant oder Leutnant der NVA war, spielt hinsichtlich der Fähigkeit zum vorauseilenden Gehorsam keine so große Rolle. Aufgrund der Position des Vaters in der oberen Parteipyramide stand ihm in der DDR eine gute bis glänzende Karriere bevor. Dass dieser Vater bei der Linken was zu sagen hat, schadete sicher nicht bei der SZ-Karriere.

    Daniel Haufler von der BZ ist von Beruf Trump-Basher, ausgewiesen diesbezüglich durch Hellsichtigkeit 05.10.16 "Wie Trump seine Chance auf den Wahlsieg furios verspielt".

    Rainer Blasius ist ein anderes Kaliber. Er war beim Unterlegenen des Historikerstreits Hillgruber tätig, der von Augstein als "konstitutioneller Nazi" bezeichnet wurde. Außerdem arbeitete er wissenschaftlich gegen den Persilschein der Familie von Weizsäcker. Schließlich war er im Außenministerium ein Widerständler gegen Joschka Fischers Versuch der Renazifizierung des gesamten Auswärtigen Amts. Kurios, dass er  in der FAZ alle Säuberungen überstanden hat.

    Jörg Dieter Kogel müsste eher ein Verteidiger verfolgter Literaten sein, publizierte er dich über "Schriftsteller vor Gericht, verfolgte Literatur in vier Jahrhunderten" als Mitbegründer der Günter-Grass-Stiftung Bremen weiß er auch um die echten (Waffen-)SS-Nöte von verehrten Literaten. Radio Bremen ist ein sicherer Ort zur Bewahrung solcher Erfahrungen.

    Wolfgang Ritschl wird auch Mister Sachbuch beim ORF genannt. Besondere Ausflüge in die Welt der PC konnten auf die schnelle nicht entdeckt werden.

    Johannes Saltzwedel vom Spiegel ist mit seinen Schriften als Kenner der Antike ausgewiesen. Mit echt kulturrevisionistischen Schriften ist er nicht in Erscheinung getreten. Seltsam, dass seine Arbeitgeber sich einen solch gebildeten Mann leisten. Seine Halbwertszeit in der Kulturredaktion dürfte allerdings kurz sein.

    Jaques Schuster hat sich am 22.04.16 mit seinem Artikel in der Welt "Nehmt die AfD ernst und beleidigt nicht den Wähler" sehr weit aus dem Fenster gelehnt.

    Elusabeth von Thadden bei der SZ  ist 100% stromlinienförmig: "Sind Wähler zu dumm für die Demokratie? Ja, aber" 

    Uwe Justus Wenzel von der NZZ ist Philosoph und Kantspezialist. Ob ihm der Medienpreis Goldene Brille zu mehr oder weniger Weitsicht verholfen hat?

    Herfried Münkler ist Machiavellispezialist und publiziert über asymmetrische Kriege. Außerdem kennt er sich bei Hobbes aus. Er lehrt an der Humboldtuniversität.

    Otto Kallscheuer kann man als Urgestein der 68er bezeichnen, der im Rotbuchverlag seine Lektorensporen verdiente.

    Luther Lütgehaus könnte mit seinen Kenntnissen über Schopenhauer und Heidegger sicher auch mal in der Sezession veröffentlichen, wenn er pensioniert und vorher aus der Jury ausgetreten ist.

    Ich habe mir nach Analyse die Frage gestellt, wer wohl am ehesten in Frage gekommen wäre Sieferles Buch hinterhältig zu platzieren.

    Offen gesagt wäre ich auf Saltzwedel nicht gekommen. Am ehesten hätte ich auf Blasius getippt. Dessen Reaktionen zeigen, dass ihm die Arbeit in den MSM den letzten Rest Mark aus den Knochen gezogen hat.

    Dass keiner der nicht-offensichtlich-linken Mitglieder aus Protest gegen diese Hexenjagd zurückgetreten ist, besonders Kogel, ist erbärmlich und schäbig.

    Henrik Linkerhand
    13. Juni 2017 18:48

    Man muss dem Berufdenunzianten von der TAZ fast schon dankbar sein, den Stein ins Rollen gebracht zu haben und so ein Theaterstück par excellence als Lawinenabgang zu inszenieren. Auf der anderen Seite steht ein allzu aufmüpfiger Spiegeljournalist, der wahrscheinlich etwas Schwung in den sonst so drögen Kulturbetrieb bringen wollte und der nun einer ungewissen Zukunft entgegen sieht. Als Statisten fungieren die ewig gleichen Schreihälse und Wichtigmacher, die dann umfallen oder sich sogar lautstark und mit großem Knall distanzieren, wenn ein leichter Gegenwind spürbar wird. Gelesen wird, wenn überhaupt, der Klappeneinband vom Werk, welches dann mit innhaltsleeren Floskeln und austauschbaren Worthülsen beworben oder eben vernichtet wird. Mißtrauisch beäugen diese Kulturaffen alles, was ihrem Status als Hohepriester gefährlich werden könnte; sie sind immer und allzeit bereit einen der ihren zu opfern, um sich vom Vorwurf der Linienuntreue reinzuwaschen. Sieferles Thesen von der Verkommenheit des politisch-kulturellen Establishment wurden mit dieser Komödie glänzend bewiesen.

    Starhemberg
    13. Juni 2017 20:27

    Was für ein Massaker. Was für eine Komödie. Was für ein elender Haufen. Daraus könnte man ein Theaterstück schmieden.

    Der Feinsinnige
    13. Juni 2017 20:47

    @ Isarpreiß:

    Ja, Ihr Gedanke ist bereits von René Aguigah (DR-Kultur) im "Büchermarkt" des DLF vom 12.6.2017 explizit ausgesprochen worden:

    http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=4

    „Der Verlag weckt eigentlich schon den Anfangsverdacht, daß es sich um einen Titel handelt, das“ (sic!) „man guten Gewissens nicht auf eine Sachbuch-Qualitätsbestenliste stellen möchte. ...“ usw. usf (ab Minute 2.40 im oben verlinkten Audio). Der Verlag spielt also nur wegen seiner politischen Verortung (nicht überraschend) selbstverständlich eine entscheidende Rolle für den öffentlichen Aufschrei, ganz ohne Ansehung des einzelnen Buches oder Textes – eine intellektuell armselige Haltung. Da liegt der Gedanke nahe, daß die gesamte Treibjagd gegen „rechts“, die im hier diskutierten Fall wieder einmal exemplarisch öffentlich vorgeführt wird, auch die Kompensation von Minderwertigkeitskomplexen ist. Offenbar wissen die etablierten Journalisten, Feuilletonisten, Autoren, Juroren ganz genau (oder fühlen es zumindest diffus), daß sie Autoren bzw. Denkern wie Rolf Peter Sieferle oder auch Martin Lichtmesz (exemplarisch für wohl alle Autoren der Sezession) intellektuell deutlich unterlegen sind. Ob irgendjemand der im Artikel genannten Personen oder der von @ Andrenio dankenswerterweise vorgestellten Juroren der Jury die grandiose Analyse von Martin Lichtmesz zur Kenntnis nimmt? Geschweige denn darüber nachdenklich wird?

    Der Feinsinnige
    13. Juni 2017 20:54

    Kurzer Zusatz zu meinem soeben übersandten Beitrag: Der von mir verwendete Link führt nur allgemein zur DLF-Mediathek. Zum Audio mit Aguigah (12.6.2017, 16.20 h) muß man sich darin selbst durchklicken.

    Polybios
    13. Juni 2017 21:13

    https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article165468083/So-landete-rechtes-Gedankengut-auf-der-Bestenliste.html

    "Es ist Johannes Saltzwedel vom „Spiegel“, der auch schon Bücher über die Germanen veröffentlicht hat." 

    Alleine dieser subtile Unterton entlarvt die herrschende Journaille als das, was sie letztlich sind: Feinde des Volkes. Nach dieser Lesart müsste auch jede germanistische Forschung verdächtig machen und eingestellt werden. Bei ihrer desolaten Lage zurzeit wäre es sicher das beste.

    Der Gehenkte
    13. Juni 2017 21:24

    Es war wohl Uwe Steimle, der Dresdner Kabarettist -  übrigens einer der weinigen "Promis", der den Mut hatte vor der Kamera den Mund aufzumachen: sehenswert! -, der mal gesagt hat: "Nu, meene Damen, wenn isch nischt sache, dann hats geschmeckt". In diesem Sinne ist jedes Wort zu Lichtmesz' feiner Analyse überflüssig. 

    Dringend diskutiert werden müßte allerdings noch die Dialektik des Geschehens. Sicher, die "Affäre" hat Buch, Autor und Verlag und wohl auch dieses Forum in die Schlagzeilen gehievt. Das ist die Viertelstunde Ruhm.

    Trotzdem habe ich ein sehr schlechtes Gefühl, denn die Tiefenkonditionierung, die derartige Strafexpeditionen zur Folge haben müssen, sind nicht abzusehen. Man muß einen Menschen nur ein Mal auspeitschen - beim zweiten Mal genügt das bloße Zeigen der Peitsche um ihn gefügig zu machen.

    Die Folgen für die Meinungsfreiheit könnten auf der Negativseite den kurzzeitigen befreienden Effekt locker aufwiegen. Die Vehemenz, das Vokabular, die vollkommene Angstlosigkeit, beim Lügen und Verdrehen  erwischt zu werden - gerade hat Gustav Seibt eine neue Nummer hingelegt - wirken auf mich wie eine Zäsur; in dieser Direktheit scheint mir das neu zu sein.

    Wenn dem so ist, dann müßte eine Lageanalyse her ...

    Solution
    13. Juni 2017 21:45

    Es ist gut, hier etwas zu schreiben. Genauso wichtig ist es bei Amazon.de eine Rezension zu verfassen und die dortigen 5-Sterne-Rezensenten mit Likes zu unterstützen. Wir sind da schon relativ stark vertreten, es könnte aber noch viel besser werden. Errichten wir bei Amazon unsere geistige Hegemonie!

    Reinhard L.
    13. Juni 2017 21:53

    Herrliche Schmierenkomödie im linksgrünen Meinungskartell. Der arme Herr Saltzwedel. Wenn der Typ nicht vom SPIEGEL wäre, könnte man fast Mitleid bekommen...

    Leo
    13. Juni 2017 22:02

    Ein Lichtmesz-Abriß der Sonderklasse: Vielen Dank dafür! Vor 90 Jahren wurden, ähnlich sprachmächtig, die Klingen so oder ähnlich wöchentlich in der "Weltbühne" gekreuzt - damals, in der ersten Republik, als es noch tatsächlich landesweite Debatten gab [Nehmen Sie das Lob an!]. Heute, nahezu täglich, in der "Sezession". Tja, der Geist weht, wo er will... (Ich glaube, DAS wurmt all die Anti-Rechts-Kritiker am meisten.)

    @Isarpreiß

    Natürlich wird letztlich (auch) der Verlag den letzten Ausschlag zur Skandalisierung durch Speit gegeben haben! [Auch dieser sprechende Name - nomen est omen - ist ja realsatirisch kaum ausdenkbar: Andreas Speit Gift & Galle, as usual: selbsternannter Rechtsextremismus-Experte, saupreißiger---!] Aber auch Sarrazin hat man schnellstmöglichst in die rechtest-wo-mögliche Ecke abzuschieben versucht - und wo sind seine vier Bücher erschienen? Getarntermaßen nicht in einem rechten Kleinstverlag. Was erstaunt: daß auch das neue Buch von Egon Flaig wieder bei Zu Klampen erscheinen konnte - wenngleich mit erheblicher Verspätung!

    @Hartwig aus LG8

    Tja, Merkel hat sich noch nicht diesbezüglich geäußert, daß Sieferles Buch "nicht hilfreich" sei... Und der Bundespräsident hat sich auch noch nicht eingeschaltet. Da ist noch Luft in der Tüte, Genossen! Die Parallele zum Sputnik-Verbot 1988 erfolgte ja denn auch nicht durch den damaligen ostdeutschen Staatschef, sondern im Namen des zuständigen Post-Ministers ("... leistet keinen Beitrag zur deutsch-sowjetischen Freundschaft"), der von seinem Verbot aus der Zeitung erfuhr. Wer immer in den letzten Monaten angemerkelt hat, daß der MERKELMUSSWEG kein Weg zurück ist in die bessere Welt von Gestern - diese Schmierenkomödie unter Intellektuellen ist der Beweis, daß da ganz, ganz viele zu gehen hätten. Merkel repräsentiert ein System mit verdammt vielen Sytemverlierern von morgen. Oder übermorgen. Okay, überübermorgen - dann aber!! (Let's hope. (I have a dream. ('Verdammt' sagt man nicht.)))

    @Andrenio

    Danke für die Interna-Einblicke! Man kann ja nicht ständig alles googlen... (Fühlen Sie sich von mir, obwohl nicht bei FB seiend, "geliked"!)

    E.
    13. Juni 2017 22:30

    @ Polybios (13.06., 21:13 h):

    Danke für den Link zu einem weiteren Artikel der herrschenden Schreiberzunft:

    "Verleger ist der in der Szene der Neuen Rechten einschlägig bekannte Götz Kubitschek."

    Mal ganz schnell und mit grobem Korn (reicht ja für den dummen Michel) einen Andersdenkenden mit drei Wörtern ("Szene", "einschlägig bekannt") stigmatisiert und kriminalisiert (mit dem Wort "rechts" sogar vier Wörter). Kenne ich ansonsten aus anderen Zusammenhängen. Lebte ein Victor Klemperer noch, würde er solcherlei zum Gegenstand seiner "Lingua Tertii Imperii" machen. 

    sven31699
    13. Juni 2017 22:41

    Die schönste Reaktion auf den Platz 9 in der Empfehlungsliste fand ich in der NOZ ...

    https://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/908559/jury-skandal-um-sachbuecher-des-monats

    und mein persönlicher Hit daraus ist:

    "Punkt eins: Juroren setzen sich nicht zusammen, um ihre Voten noch einmal kritisch zu diskutieren. Die Mitglieder der Sachbuch-Jury haben einzeln abgestimmt. Die Ergebnisse gingen dann ohne weitere Sichtung an die Öffentlichkeit. Das ist ein Unding. Der aktuelle Fall der Empfehlung Sieferles eines als „rechtslastig“ offenbar vorsichtig umschriebenen Buches entzieht der Jury-Arbeit jede Legitimation."

    einfach herrlich :-)

    Isarpreiß
    13. Juni 2017 22:50

    Besonders idiotisch ist ein Artikel bei chip.de: Zuerst wird kurz der Fall geschildert, der angebliche Inhalt zusammengefasst ("Völkisch, Rechtsextrem, Antisemitisch"), nur um danach einen Werbe-Link zu amazon zu platzieren ("Hier das Buch "Finis Germania" bei Amazon"). Vielleicht kann man ja zumindest ein bisschen mitverdienen am Erfolg des bösen Buches.

    Aber halt, Kommando zurück:

    "CHIP meint: Auf keinen Fall sollten Sie diese wirren rechten Thesen unterstützen! Empfehlen können wir Ihnen daher auf keinen Fall, das Buch zu kaufen und damit den rechtsextremen Verlag Antaios letztlich finanziell zu unterstützen.

    Allgemein gibt es sicherlich schönere und erhellendere Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen als mit vollkommen überzogenen, teils offen menschenfeindlichen Verschwörungstheorien, die nur darauf ausgelegt sind, Angst zu machen und Hass gegen alles und jeden "Nicht-Deutschen" zu erzeugen. Unsere Empfehlung: Lesen Sie etwas anderes."

    Dieser Schwachsinn geht noch ein paar Absätze weiter, wer gerade ein Kopfschüttelbedürfnis verspürt, dem sei die Lektüre empfohlen.

    quarz
    13. Juni 2017 22:52

    Diese Medienposse wird vielleicht einmal zu den klassischen Referenzereignissen des historischen Rückblicks gehören.

    Simplicius Teutsch
    13. Juni 2017 23:25

    Großartig, dieser Martin‘sche Fehdehandschuh ins Gesicht der „reinrassigen Meinungsarier“ und „Berufsdenunzianten“ und entschiedenen Berufsdistanzierer. Am „Finis Germania“ haben sie sich selbst bis zur Kenntlichkeit entlarvt in ihrer „Erbärmlichkeit“ und unfreiwilligen „Komik“. - Und das ist die intellektuelle Elite Deutschlands!? Kein Rückgrat. Kein Eigensinn. Null.

     Alleine die bußfertige Mea Culpa-Nostra Culpa-Selbstbeschuldigung des Jury-Vorsitzenden Andreas Wang – angesichts der Lappalie, dass da einmal eine „falsche“ Meinung bei der Nominierung durchgerutscht ist – ist so krass und unglaublich, dass man sie sich wohl gar nicht erfinden kann. Das kann nur die Realität schreiben:

     „Mit der Empfehlung von „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle in der Juni-Liste hat die Jury eine gravierende Fehlentscheidung getroffen, die für NDR Kultur nicht tragbar ist. …rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich die Redaktion entschieden distanziert. Auch die Jury distanziert sich von diesem Buch und Verlag und bedauert dessen Nominierung.“ (12.06.2017, NDR.de)

     Auch Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann (in JF: „die dumme Linke“) haben zurecht deftig und treffend kommentiert. Und das Beste, das Buch ist als „Bestseller“ immer noch auf Platz 1 der amazon-Verkaufsliste. Endlich mal eine gute Nachricht.

    Cacatum non est pictum
    14. Juni 2017 00:07

    @Isarpreiß

    Dieser Schwachsinn geht noch ein paar Absätze weiter, wer gerade ein Kopfschüttelbedürfnis verspürt, dem sei die Lektüre empfohlen.

    Ich konnte den Artikel auf chip.de leider nicht mehr finden. Dafür stachen mir auf der Internetseite dieses seriösen (Computer-)Technikmagazins andere Beiträge ins Auge, zum Beispiel: "Schleifen, sägen, schrauben: Lidl haut ab 14.6. Billig-Werkzeug raus" und "Unter der Dusche pinkeln: Deshalb sollten Sie das tun". Den Sieferle-Artikel sollten wir genau dort einreihen.

    Caroline Sommerfeld
    14. Juni 2017 07:42

    "Wenn Prävention gegen Radikalität zum alleinigen Maßstab wird, ist die Wurzel unserer liberalen Demokratie bedroht" konstatiert Christian Geyer in der faz, auf derselben Seite, wo Sieferles Buch vom Kollegen als "ekelhaft" verschrieen wird. Das wäre wohl sehr wahr, wenn er nicht im selben Text schriebe:

    "Der Rechtspopulismus ist die Pest unserer Zeit, weil er das öffentliche Bewußtsein auf Verteidigung und Vorsorge und Sauberkeit und Verantwortung fixiert".

    Erstens: was dagegen? Das ist doch keine Pest, sondern ein Segen. Zweitens: die "Sauberkeit" ist Geyers eigenes Problem. Denn er trennt fein säuberlich zwischen "auf die Wurzel bedachtem Außenseitertum", Radikalität, und der "Pest des Rechtspopulismus", die erstere abtöte.

    Die sozial erwünschte Radikalität findet er bei Rüdiger Safranski und der romantischen "Revolution als seelisches Großereignis". Die sozial unerwünschte Radikalität, das Pestvirus, wäre dann wohl Sieferle (pars pro toto). Gewisse unsaubere Überschneidungen habe ich hier angedeutet.

    Radikalität ist gegenwärtig keinesfalls ohne das "rechte Virus" zu haben - der "Lebenshunger", den auch Christian Geyer verspürt, der liegt bei uns! Sieferle hat ihn auch verspürt, zu sehr.

    Monika L.
    14. Juni 2017 09:10

    Dem Streisand-Effekt folgt meist der Verknappungseffekt. Als FINIS GERMANIA  erschien, habe ich gleich fünf Exemlare geordert. Eines habe ich meiner Freundin geschenkt ( bis jetzt kam keine Reaktion). Eines hat mein Mann versaubeutelt, d.h. es ist irgendwie verlorengegangen. Eines habe ich mit zarten Bleistiftpünktchen durchgearbeitet. Jetzt habe ich noch zwei jungfräuliche Erstausgaben. Gerade frug mein Mann: "Hast Du noch so ein Buch von Sieferle ?Ich will es H. mitbringen". Ich: " Nein, nichts da ! Die zwei verbliebenen Erstausgaben bleiben hier". Schon aus Ehrfurcht vor dem Verfasser. Die haben jetzt schon einen besonderen Wert. Die kommen in die Kiste für meine beiden Söhne: Besondere Erbstücke und Vermächtnisse. Dort liegen auch vier original verpackte Playmobil Figuren . Zweimal Luther, zweimal Goethe. Einst erstanden in Gotha. Auf dem Weg nach Schnellroda.

    Dieter Rose
    14. Juni 2017 09:34

    Wang: "sonstwie ungeliebte Bücher...", das kann ein "Weites Feld" sein. die müssen Angst in der Büx haben! interessant auch der FAZ-blog von Don Alphonso von heute. Mit Erwähnung von Kubitschek und andeutungsweise des Verlages mit "spitzen Fingern" (ich weiß...) und dass die Besteller dort irgendwie festgehalten/notiert werden... danke liebes Vaterland, hätte ich nie von Dir so erwartet!

    Utz
    14. Juni 2017 09:42

     Also, da muß man doch was TUN! Das geht doch so nicht. Schließlich hat man damals gegen die Pest auch was getan.

    Also als erstes sollte man diese Empfehlungen absprechen. Es kann doch nicht sein, daß da ein einzelner so viel Schaden anrichtet. Gut, er ist ja nun weg. Aber man muß ja auch für die Zukunft vorbauen. Bevor die Empfehlungsliste rausgeht, muß da einfach noch jemand drüberschauen.

    Und diese Geschichte hat doch gezeigt, daß man bei der Auswahl der Juroren einfach noch besser aufpassen muß.

    Was auch nicht nachzuvollziehen ist, daß Amazon dieses Buch ja doch noch irgendwie verkauft. Ich meine, dieser Konzern darf hier in Deutschland anbieten und macht da gute Geschäfte, da muß er schon auch uns ein bißchen entgegenkommen. Er darf solche Bücher einfach gar nicht mehr anbieten.

    Und was ist das denn mit dieser Amazonliste? Das kann doch nicht sein, daß dieses gefährliche Buch da auf Platz 1 draufbleibt. Die ganzen gefährlichen Folgen, die da zu befürchten sind! Wenn Amazon schon nicht zu bewegen ist, das Buch komplett rauszunehmen muß Amazon wenigstens darauf verpflichtet werden, es aus der Bestsellerliste zu nehmen. Schließlich geht es hier um die nationale Sicherheit!!!

    (Ironiemodus aus)

    Schneekette
    14. Juni 2017 10:04

    Sehr geehrte Frau Sommerfeld,

    was sagt H. hierzu? Was sagt er zu Ihrem Berufsverbot? Was sagt er zu dem alltäglichen Mobbing? Was sagt er zur alltäglichen Sprache des Unmenschens? Was sagt er zu den alltäglichen körperlichen Angriffen, Bedrohungen, Mobbing von Familienangehörigen, zu der Sprache des Unmenschen. Ganz erhlich, was sagt er zu der alltäglichen Sprache des es ist wieder ,soweit'? 

    Ist es nicht gerade der Anspruch der ,linken' ,das nächste mal' aufzustehen? Ganz ehrlich, ich würde von meiner Charakterdisposition bei umgekehrten Vorzeichen sogar zu den Kommunisten gehen. Wie hält es er? Nun, da es wieder ,soweit' ist?

    Utz
    14. Juni 2017 11:33

    Gustv Seibt sagt auch über Finis Germania:

    "Es gibt nicht mal ein Nachwort, es gibt nicht mal eine biografische Erläuterung, es gibt gar nichts dazu. Das heißt, das Buch wird nicht einmal irgendwie eingeordnet, und schon das macht es hoch problematisch, es wird eigentlich behandelt wie eine Verkündigung oder wie ein heiliger Text und wird geadelt durch den Suizid dieses Autors."

    Da hätte ich doch mal einen passenden Vorschlag: Wir wechseln zum betreuten Lesen, so wie man das bei Hitlers "Mein Kampf" auch gemacht hat: eine Seite Sieferle, daneben eine Seite "Einordnung". Das würde diesem gefährlichen Buch doch einiges an Bedrohlichkeit nehmen. Nicht daß allein durchs Lesen ein neuer Hitler entsteht.

    M.L.: Besonders hirnrissiger Einwand, den er sich besonders krampfhaft aus den Fingern gezuzelt hat. 1. gibt es ja ein Nachwort von R. Th. Kolb, 2. die wenigsten Kaplakenbände haben aus Platzgründen Nachworte und "Einordnungen" (und wenn, dann nur kurze), und das bedeutet nicht, daß der Verlag darin "Vekündigungen" oder "heilige Texte" sieht (wie kommen diese Leute immer auf solche Ideen?) 3. das Büchlein war in erster Linie für ein gebildetes Publikum gedacht, das ohnehin weiß, wer Sieferle war 4. wenn nun jedes Buch als "hoch problematisch" gilt, weil darin keine "Einordnungen" abgedruckt sind, dann Gute Nacht, geistige Freiheit und Eigenständigkeit, die man dem Leser zumuten darf, 5. Gegen Bücher, die Probleme schaffen, ist ohnehin nichts einzuwenden, es gibt heutzutage eh zuwenige davon.

    Gedankenverbrecher M.
    14. Juni 2017 11:59

    Vielen Dank @ Isarpreiß!

    Ich habe wirklich selten so gelacht. Der Link kommt als Ermunterungspille als Lesezeichen in die Browserleiste. Dieser hilflose Versuch, den Nutzern Sieferles Buch als die satanischen Verse schlechthin zu verkaufen ist einfach nur köstlich. CHIP-Autor Thomas Mossburger haut dem Fass mit seiner Buchempfehlung noch den Boden aus.

    "KAUFEN SIE DIESES BUCH AUF KEINEN FALL!"

    Gustav Grambauer
    14. Juni 2017 13:58

    Mache mich mit dem Folgenden bei den Katholiken sicher nicht beliebt, und auch Sieferle dürfte sich dort eigentlich nicht beliebt gemacht haben:

    Habe seinen Tod zum Anlaß genommen, einmal "Freitod" zu googeln. Ich wollte abgleichen, ob meine Definition davon von der Allgemeinheit geteilt wird: der Weg in den Tod als Setzung eines Fanals oder als Ausweg aus einem Umfeld, in dem es nicht (mehr) möglich ist, gemäß den eigenen Ehransprüchen zu leben. Auch der Forscher im eigenen Laboratorium sollte, schon um sich vom trockenen Schleicher abzugrenzen, mal in einer Situation mit der Faustschen Phiole an den Lippen gewesen sein. Für mich liegt der Freitod ethisch (und ästhetisch) auf der Ebene des Duells, er ist nur etwas für wahre Aristokraten, er ist mithin eine Pride-Parade der Souveränität. Bin ja gegen die UNESCO, aber wenn es sie schon gibt, so sollte man den Freitod gefälligst in deren Weltkulturerbe-Liste aufnehmen.

    Es ist erschreckend, was bei meiner Recherche von den Leibeigenen, die ihre Leibeigenschaft nicht einmal bemerken, zum Vorschein kam, die Verhausschweinung ist so weit fortgeschritten, daß heute nicht einmal mehr ein Unterschied zum Suizid des Neurotikers gesehen wird:

    http://www.bestattungen-fritz.de/gibt-es-einen-unterschied-zwischen-suizid-selbstmord-und-freitod/

    https://www.gutefrage.net/frage/gibt-es-einen-unterschied-zwischen-selbstmord-oder-freitod

    - G. G.

    Gustav Grambauer
    14. Juni 2017 14:24

    Utz

    "Also, da muß man doch was TUN!"

    Hihihi, am besten gibt es keine Autoren mehr sondern nur noch "Schriftsteller", die i. A. der Partei Schriften erstellen. Die Partei kann die erstellten Schriften mit deren Namen autorisieren oder die Autorisierung wie auch immer auflaufen lassen, wobei von Zensur schon aus formaljuristischen Gründen selbstverständlich keine Rede sein kann ...

    "Gustv Seibt sagt auch über Finis Germania:"

    Bei dieser hochkarätigen Mischung von Glanz und Elend versagt meine Menschenkenntnis.

    - G. G.

    Monika L.
    14. Juni 2017 14:42

    Im "gut katholischen" Medienbereich gibt es genau dieselben  Spielchen:

    http://www.kath.net/news/59933

    Cubist
    14. Juni 2017 14:44

    @Utz: Danke für den Hinweis auf Seibt, denn dieser "Herr" zeigt erneut schön, wie verkommen die Branche doch funktioniert, hat er doch Monate zuvor das Werk und die Person Sieferles doch ganz anders gesehen. Anlässlich der Veröffentlichung nachgelassener Texte in der (unverdächtigen?) Tumult schrieb er von der "kühl durchdachte Abhandlung des Zivilisationshistorikers Rolf-Peter Sieferle", er freute sich auf kommende Texte, auf eine "kühle, begrifflich leuchtende, welthistorisch vergleichende Darlegung". Ja, Sieferle war damals noch ein "großer Autor". (vgl. http://www.sueddeutsche.de/kultur/ein-aufsatz-am-abgrund-1.3285572)

    Im Deutschlandfunk wurde der "Zivilisationskritiker" Sieferle vom "Kritiker" Seibt dann zum Historiker mit "engem Fachgebiet" degradiert, der zufällig auch "gut schreiben" konnte. Über den man aber sonst am besten schweigen sollte, auch weil er postum mit dem Schmuddelkindern gespielt hat.

    Niederträchtig. Da fällt mir dann nur noch das vielleicht mehr so bekannte Wort eines verstorbenen Bundeskanzlers ein: "Da hört der Dichter auf, da fängt der ganz kleine Pinscher an!"

    Utz
    14. Juni 2017 16:06

     @ Cubist

    Den Hinweis auf Seibt hat Der Gehenkte gestern hier gegeben.

    @ Monika L.

    Mittlerweile bin ich bei der katholischen Kirche schon dankbar, wenn es überhaupt noch verschiedene Meinungen gibt.

    Martin S.
    14. Juni 2017 20:22

    "Also da muss man doch was tun!" Nur Autoren zu zensieren reicht nicht! Ein gewisser A.H. aus B.  schrieb an bekannter Stelle: "Ich las damals unendlich viel und zwar gründlich. In wenigen Jahren schuf ich mir damit die Grundlagen eines Wissens, von denen ich auch heute noch zehre." Fazit. Es hilft nichts: Das Lesen muss verboten werden!

    ede
    15. Juni 2017 01:47

    "Was haben wir denn an denen verloren, an jenen deutschen Professoren, die wirklich manches besser wüssten, wenn sie nicht täglich fressen müssten"

    Das ist eine Strophe aus Wolf Biermanns'"Die hab ich satt". Meister Lichtmesz schreibt, als ob er die DDR nicht nur kennen, sondern sie erlebt hätte. Respekt und großes Kompliment! Im Übrigen dürfen wir optimistisch sein, die Herde ist in der Zwickmühle. Das geschulte Auge würdigt den Anstand: Durch volle Punktzahl (Saltzwedel), durch Freischaltung der Kommentare (Focus) oder durch übertriebene Nichtempfehlung (chip).

    Im Zweifel für den Angeklagten. Das o.a. Lied im Ganzen, aktuell wie vor einem halben Jahrhundert:

    https://www.youtube.com/watch?v=WY5S9cBfh3s&sns=em

    Nemo Obligatur
    17. Juni 2017 23:52
    @ Leo
    Ich will nicht noch einmal ihren ganzen Kommmentar hier als Zitat hineinsetzen. Ich möchte Ihnen nur danken und sagen, daß mir Ihr Kommentar ebensoviel boshaft-geistiges Vergnügen bereitet hat wie der Beitrag von Herrn Lichtmesz selbst.
     
    Zu anderen Zeiten hätte man übrigens sicher sein können, daß Sieferle wegen "Papierknappheit" jetzt nicht mehr gedruckt werden könnte.
    Caroline Sommerfeld
    18. Juni 2017 19:42

    @ Schneekette:

    Was H dazu sagt? Er hält die ganze Sache für einen entsetzlichen Angriff auf die Meinungsfreiheit, fühlt sich an früher erinnert (sein eigenes Berufsverbot in den 70ern wegen Mitgliedschaft in einer maoistischen Partei), und sprach heute angewidert von den "Diskursethikern gegen die Vogelfreien". Wenn die Außenlinie des konsensuellen Diskurses nach rechts hin überschritten sei, wäre anscheinend heute alles erlaubt.

    Dem müsse man eben - das ist durchaus eine Pointe - Minimalbedingungen der Verständigung entgegenhalten. Und gab mir einen Zettel, auf dem er diese formulierte und meinte, ich solle sie Ihnen als sein statement ruhig hier in den Kommentar schreiben:

    Bedingungen für den Dialog mit Linken. Ich zitiere:

    1.) Teilen oder zumindest Verstehen des hellen Entsetzens, das die Untaten deutscher Frauen und Männer, begangen in Wehrmacht, Polizeieinheiten, Verwaltung, SS und anderen Organisationen der Nazis 1933-45, bis heute in meiner Generation auslöst.

    Die Bedingungen 2. bis 4. benennen Anerkenntnis des Holocausts, die Elitenkontinuität der Nazis bis in die 60er Jahre, die historisch notwendige Rolle der 68er als Aufklärer, zuguterletzt

    5.) „Abweisung aller Möglichkeiten von ethnischen Säuberungen oder Strategien, die darauf hinauslaufen. Eindeutige Distanz zum Rassismus.

    Je nun. So verhält er sich dazu.

    Jürg_Jenatsch
    18. Juni 2017 21:19

    Der ebenso treffende, wie boshafte Kommentar von Martin Lichtmesz hat mir fast ebensoviel Vergnügen bereitet, wie die Lektüre des kleinen Büchleins von Rolf Peter Sieferle. Köstlich die Schilderung, wie Andreas Wang selbst vor dem kleinsten linken Würstchen zu Kreuze gekrochen ist. Die innere Partei ist aber nur bedingt stolz auf so unaufmerksame Streiter wider der bösen rechten Versuchung. Solch eine Posse und Dekuvrierung der Charakterschwäche kann man eigentlich nicht erfinden, die ist nur im 72. Jahr der fortdauernden Charakterwäsche möglich.

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