Die Denunzianten und der Streisand-Effekt

Da ist also vor einer Woche entgegen der üblichen Praxis des Totschweigens ein böses, kleines, grünes Buch aus einem vogelfreien Freibeuterverlag auf der Liste...

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

der monat­li­chen Sach­buch­emp­feh­lun­gen des NDR und der Süd­deut­schen Zei­tung auf­ge­taucht (auf Platz 9, bis dato ist es immer noch dort). Der Jury gehö­ren Mit­ar­bei­ter aus dem exklu­si­ven Klub der übli­chen Ver­däch­ti­gen der eta­blier­ten Pres­se an, also FAZ, Die Welt, Der Spie­gel, Die Zeit, Deutsch­land­funk… Die Juro­ren ver­ge­ben unab­hän­gig von­ein­an­der Punk­te für Neu­erschei­nun­gen, die sie als emp­feh­lens­wert erach­ten. Offen­bar hat sich zunächst kein Schwein für das Buch inter­es­siert, weder die Jury­mit­glie­der noch deren Vor­sit­zen­der Andre­as Wang, noch wer auch immer im NDR die ent­spre­chen­de Netz­sei­te veantwortet.

Als nächs­tes trat ein bekann­ter links­ex­tre­mer Berufs­de­nun­zi­ant, der selbst nicht die gerings­te eigen­stän­di­ge geis­ti­ge Leis­tung auf­zu­wei­sen hat, auf den Plan, wit­ter­te den Ket­zer­schwe­fel, hob kläf­fend sein Hin­ter­bein­chen, wor­auf die Skan­da­li­sie­rungs­ma­schi­ne­rie in Gang geriet. Wenn es in der gan­zen Geschich­te einen “Skan­dal” zu mel­den gibt, dann die Tat­sa­che, daß eine trau­ri­ge Gestalt wie Andre­as Speit über­haupt mit­re­den darf, was in Deutsch­land gele­sen, bespro­chen und “geli­ket” wer­den darf und was nicht.

Finis Ger­ma­nia, das düs­te­re Tes­ta­ment Rolf Peter Sie­fer­les, wur­de wie ein Virus behan­delt, der durch eine Sys­tem­lü­cke in das sich vor unkeu­schen Gedan­ken pin­ge­lig abschir­men­de Klub­zim­mer der rein­ras­si­gen Mei­nungs­ari­er gera­ten war und nun in die Qua­ran­tä­ne ver­bannt wer­den muß­te. Um dies durch­zu­füh­ren, bedurf­ten unse­re Freun­de von der Wahr­heits­pres­se zwei­er Vor­aus­set­zun­gen: als Druck­mit­tel der Ver­brei­tung der Angst, per Kon­takt­schuld selbst zum Aus­sät­zi­gen erklärt zu wer­den, und als Anreiz der Chan­ce, risi­ko­los bei einem pres­ti­ge­träch­ti­gen Hetz­kam­pa­gnen­qui­ckie mit­ma­chen zu kön­nen. Wenn man schon sein Dasein als Leit­me­di­en­fe­der­vieh unter stän­di­gem Kon­for­mi­täts­druck fris­ten muß, kann man sich sei­ne Feig­heit auch ver­gol­den lassen.

Es bot sich also das, was der Medi­en­wis­sen­schaft­ler Uwe Krü­ger eine “Nied­rig­kos­ten­si­tua­ti­on” nennt. In einer sol­chen kann der Jour­na­list “offen­siv agie­ren, ihm steht eine brei­te Palet­te eta­blier­ter Argu­men­te und bekann­ter Phra­sen zur Ver­fü­gung”. Ellen Kositza schrieb dazu in der Sezes­si­on 72 (Juni 2016):

Stand­punk­te einer Gegen­öf­fent­lich­keit hin­ge­gen bewe­gen sich für den Jour­na­lis­ten in einer “Hoch­kos­ten­si­tua­ti­on”: Argu­men­te müs­sen beson­ders sorg­sam und defen­siv auf­ge­baut wer­den, und als Abweich­ler lauft man dabei Gefahr, sozi­al sank­tio­niert zu wer­den. Die Rol­le als “schwar­zes Schaf” inner­halb einer Redak­ti­on muß man sich leis­ten wol­len! Krü­ger geht davon aus, daß es sich hier­bei um selbst­tä­ti­ge Mecha­nis­men han­delt, die den wenigs­ten Medi­en­men­schen über­haupt bewußt sei­en: “Man kann sich und den Betrieb, in dem man steckt, schwer selbst beob­ach­ten.” Daß in den Leit­me­di­en (FAZ, Spie­gel, SZ, Die ZEIT, Fern­seh­talk­shows) “auch mal eine ande­re Mei­nung” zu Wort kommt, ist für Krü­ger übri­gens mit­nich­ten ein Beleg für ech­te Plu­ra­li­tät, son­dern ein Beweis daf­ur, daß die Aus­nah­me die Regel bestä­tigt und mit­hin sys­tem­sta­bi­li­sie­rend wir­ke. Sol­cher­art sieht er eine wich­ti­ge Funk­ti­on der Medi­en in die Bin­sen gehen: Indem näm­lich die Rol­le des “Auf­pas­sers” zu der des “Anpas­sers” wird.

Doch zurück zum Ablauf des Skan­däl­chens. Ich tip­pe dar­auf, daß die Reak­ti­on von Andre­as Wang vor allem von der Sor­ge moti­viert war, nun rasch sei­ne eige­nen Aller­wer­tes­ten von der Wand zu bekom­men und auch die Jury vor Sperr­feu­er zu schüt­zen. Die von Speit zitier­ten Aus­sa­gen klin­gen jeden­falls ver­däch­tig danach:

„Ich gebe zu“, sagt Andre­as Wang der taz, „dass das Buch die Lis­te nicht gera­de ziert“. (…) Er erklärt, in der Jury hät­te es auch „aller­lei Dis­kus­si­on“ gege­ben. Er über­le­ge nun mit der Jury „grund­sätz­lich dar­über“ zu spre­chen, „ob ein­zel­ne Bücher/Titel bei uns ‚ver­bo­ten‘ wer­den sol­len, weil sie all­zu rechts, links oder sonst wie unge­liebt sind“.

So redet einer, den eben ein Polit­kom­mis­sar besucht hat und der nun ver­sucht, per sozia­lis­ti­sche Selbst­kri­tik sei­nen Hals zu ret­ten. Es genügt, daß ein Anti­fant die Lip­pen spitzt, und schon win­det er sich wie der Wurm an der Angel. Woher haben die selbst­er­nann­ten Auf­pas­ser die­se Macht? Exis­ten­zen wie Speit glei­chen dem Typus des grau­en Funk­tio­närs in tota­li­tä­ren Sys­te­men: mit­tel­mä­ßi­ge, res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne, aber um so stram­mer lini­en­treue Par­tei­lin­ge, die auf den Schul­tern eines Appa­ra­tes hocken, der sei­ne Macht auf Angst und Ver­leum­dung grün­det. Dort kön­nen sie ihr klei­nes biß­chen jam­mer­vol­le Macht aus­üben und sich an jenen rächen, die frei­er, intel­li­gen­ter, kom­pe­ten­ter, wahr­haf­ti­ger und muti­ger sind als sie.

Wie Jörg Babe­row­ski, der nun per Gerichts­ur­teil straf­los als “Ras­sist” und Rechts­ex­tre­mist” ver­leum­det wer­den darf (die Frank­fur­ter Rund­schau näß­te sich dar­ob vor Freu­de gera­de­zu ein), in einem Inter­view mit der Welt sag­te: “Links­ex­tre­mis­ten” sei­en “nicht an Dis­kus­sio­nen interessiert”:

Sie wol­len jeden, der nicht in ihr Welt­bild passt, zum Schwei­gen brin­gen. Man nennt jeman­den einen Rechts­ex­tre­mis­ten, und schon ist der Stig­ma­ti­sier­te vom Gespräch aus­ge­schlos­sen. Alle ande­ren haben Angst, weil sie nicht auch in den Klub der Rechts­ra­di­ka­len auf­ge­nom­men wer­den wol­len. Auf die­se Wei­se kön­nen Fana­ti­ker, denen sonst nie­mand zuhört, ohne gro­ßen Auf­wand einen Macht­ge­winn erzie­len. Das funk­tio­niert in Deutsch­land immer, und des­halb bedie­nen sich Links­ex­tre­mis­ten die­ser Waffe.

Im die­sem Fal­le waren es anti­fan­ti­sche Stu­den­ten, die an der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät eine wah­re Hexen­jagd auf Babe­row­ski ver­an­stal­te­ten, ihn phy­sisch bedräng­ten, per­ma­nent wie einen Ver­bre­cher pho­to­gra­phier­ten und auf dem Cam­pus Fly­er und Steck­brie­fe ver­teil­ten, auf denen er als „Het­zer“, „Ras­sist“ und „Rechts­ra­di­ka­ler“ bezeich­net wur­de. Inkri­mi­niert wur­de dabei vor allem fol­gen­der böser Satz, der ein­deu­tig von min­des­tens natio­nal­so­zia­lis­ti­schem Gedan­ken­schlecht zeugt:

Über­all da, wo vie­le Men­schen aus frem­den Kon­tex­ten kom­men und die Bevöl­ke­rung nicht ein­ge­bun­den wird in die Rege­lung all die­ser Pro­ble­me, da kommt es natür­lich zu Aggression.

Im Grun­de ist auch in der Cau­sa Sie­fer­le nichts ande­res pas­siert. Die Gewalt hat sich ledig­lich auf eine ande­re Ebe­ne ver­la­gert. Speit muß­te ver­hin­dern, daß das böse Büch­lein durch unbe­an­stan­de­te Erwäh­nung in den heil’­gen Hal­len des Main­streams eine media­le Bil­li­gung oder Auf­wer­tung erfährt. “Das Sag- und Wähl­ba­re hat sich in der Bun­des­re­pu­blik nach weit rechts ver­scho­ben”, schrieb er zu Beginn sei­nes Arti­kels (die Tat­sa­chen auf den Kopf stel­lend; die Abschie­bung des Sag- und Wähl­ba­ren ins rech­te Eck wird von links betrie­ben), gefolgt von einem per­for­ma­ti­ven Wider­spruch: denn wenn dem wirk­lich so wäre, dann hät­te sich kei­ne müde Socke um sein Alarm­ge­bim­mel gekümmert.

Wang sprang jeden­falls flugs über Speits Stöck­chen und bot sub­mis­sest an, in Zukunft mehr ideo­lo­gi­sche Zen­sur wal­ten zu las­sen. Um sich einen letz­ten Rest Gesicht zu wah­ren, sprach er aller­dings von Büchern, die “all­zu rechts, links oder sonst wie unge­liebt sind“ (das gilt offen­bar nicht für das Buch, das die Emp­feh­lungs­lis­te anführt, das jüngs­te Pam­phlet – hier ist das Wort im Gegen­satz zu Sie­fer­le ange­bracht – der Sys­tem­ideo­lo­gin Ulri­ke Gué­rot, die dar­in mehr oder weni­ger den “Bür­ger­krieg” gegen alle “Fein­de” des angeb­lich “offe­nen Euro­pa” aus­ruft, also gegen jene, die sich dem Eli­ten­pro­jekt der Auf­lö­sung der Natio­nal­staa­ten wider­set­zen, und denen,  wenn es nach Speit und Kon­sor­ten geht, das Maul gestopft wer­den soll). Das schmeck­te dem hell­hö­ri­gen Herrn Kom­mis­sar natür­lich gar nicht: denn als stram­mer Bür­ger­kriegs­par­tei­ler möch­te er natür­lich nur die “rech­ten” Bücher verbr‑, äh, ver­bo­ten sehen.

Der Drei­klang nivel­liert die Dif­fe­ren­zen – eine unglück­li­che Diskussionsbasis.

Zum Dis­kus­si­onwil­len von Links­ex­tre­mis­ten sie­he Babe­row­skis Bemer­kung oben.

Gera­de­zu bizarr wur­de es im nächs­ten Akt. Die Süd­deut­sche Zei­tung schäum­te vor Wut über die kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Sabo­ta­ge. Um den Infek­ti­ons­trä­ger aus­fin­dig zu machen, wur­de eine Ver­däch­ti­gen­lis­te wie in einem Aga­tha-Chris­tie-Kri­mi veröffentlicht:

Wer inner­halb der NDR/SZ-Jury für “Finis Ger­ma­nia” votiert hat, ist unklar. Die Mit­glie­der der Jury ent­stam­men zu gro­ßen Tei­len über­re­gio­na­len Rund­funk- und Zei­tungs­re­dak­tio­nen: von René Agu­i­gah (Deutsch­land­ra­dio) über Jens Bis­ky (SZ), Rai­ner Bla­si­us (FAZ), Dani­el Hau­fer (Ber­li­ner Zei­tung), Jörg-Die­ter Kogel (Radio Bre­men), Wolf­gang Rit­schl (ORF), Johan­nes Saltz­we­del (Der Spie­gel), Jac­ques Schus­ter (Die Welt) und Eli­sa­beth von Thad­den (Die Zeit) bis zu Uwe Jus­tus Wen­zel (NZZ). Auch der Poli­to­lo­ge Her­fried Münk­ler (Hum­boldt Uni­ver­si­tät) und freie Autoren wie Otto Kall­scheu­er und Lud­ger Lüt­ke­haus gehö­ren der Jury an.

Wang ließ nun durch­bli­cken, daß es sich um einen Ein­zel­tä­ter gehan­delt habe, der vom Rest der Jury als schwar­zes Schaf betrach­tet wer­de (die damit rein­ge­wa­schen wäre):

“Die Jury der Sach­buch­bes­ten­lis­te ist ganz und gar nicht glück­lich über die Plat­zie­rung des Buches von Sie­fer­le auf unse­rer Lis­te. Sie ist durch die Akku­mu­la­ti­on von Punk­ten eines Mit­glieds der Jury zustan­de gekom­men. Die öffent­li­che Dis­kus­si­on hat selbst­ver­ständ­lich auch inner­halb der Jury zu einem hef­ti­gen Aus­tausch geführt.”

Auch der Rest sei­ner Aus­füh­run­gen klingt, als krö­che er gera­de auf allen Vie­ren vor dem Zen­tral­ko­mi­tee der SED:

“Ein­stim­mig­keit herrscht dar­über, dass jedes Jury­mit­glied frei ist, sei­ne Mei­nung durch die Ver­ga­be von Punk­ten kund­zu­tun, und nie­mand ist bereit, einen Ein­griff hin­zu­neh­men. Wir akzep­tie­ren jedoch kei­ne Instru­men­ta­li­sie­rung die­ser Lis­te durch geziel­te Plat­zie­rung. In die­sem Fall füh­len wir uns ver­pflich­tet, den Juror oder die Juro­rin, von dem die Plat­zie­rung stammt, zum Rück­tritt auf­zu­for­dern bezie­hungs­wei­se ihm sei­ne wei­te­re Mit­ar­beit zu ver­sa­gen. Im Übri­gen wer­den wir das Ver­fah­ren der lis­ten­mä­ßi­gen Plat­zie­rung der­art erneu­ern, dass kei­ne Plat­zie­rung eines ein­zel­nen Mit­glieds der Jury mög­lich ist.”

Hal­ten wir fest: 1. Jedes Jury­mit­glied ist frei, sei­ne Mei­nung durch die Ver­ga­be von Punk­ten kund­zu­tun, und nie­mand hat die Absicht, einen Ein­griff vor­zu­neh­men; 2. Wer sei­ne Mei­nung durch die Ver­ga­be von Punk­ten kund­tut, “instru­men­ta­li­siert” die Lis­te “durch geziel­te Plat­zie­rung”, sofern die­se Mei­nung der Jury nicht genehm ist; 3. Dies “ver­pflich­tet” die Jury, einen Ein­griff vor­zu­neh­men und die­ses Mit­glied von der Mit­ar­beit aus­zu­schlie­ßen. So etwas kann man nicht erfin­den. Dop­pel­sprech vom Feins­ten. Ich hof­fe, Herr Wang kann noch in den Spie­gel schau­en, ohne ein gewal­ti­ges Kerb­tier zu erblicken.

 

Den nächs­ten Akt kön­nen wir schnell abhan­deln. Jan Gross­arth goß in der FAZ am Sonn­tag mit gewohn­ter Nobles­se einen Schmut­zei­mer aus der unters­ten Jau­che­gru­be über Sie­fer­les Buch aus (Kubit­schek berich­te­te dar­über). Das sub­ti­le Pro­sa­stück beginnt übri­gens mit fol­gen­dem belei­dig­ten Lebergewurstel:

Wer rech­tes Gedan­ken­gut nicht gut fin­det, wird von Rech­ten als Gut­mensch verspottet.

Ein Sti­list von Rang! Wer das nicht drei­mal gut fin­det, ist rechtsextrem!

Wer rechts­ex­tre­mes Gedan­ken­gut nicht oder “ver­kürzt” abdruckt, wird von Rechts­ex­tre­men in den Bereich der “Lügen­pres­se” aus­ge­kehrt. Wer rechts­ra­di­ka­le Ideen beim Namen nennt – auch wenn der Fall so klar ist wie der Him­mel blau -, der hört aus dem Reso­nanz­raum der völ­ki­schen Bewe­gung, er schwin­ge die Nazikeule.

Gross­arth glaubt wohl ein­fäl­ti­ger­wei­se, man müs­se die Schock­vo­ka­bel “rechts” mit­samt Varia­tio­nen nur oft genug wie­der­ho­len, um argu­men­ta­tiv zu punk­ten oder eine Sache zu wider­le­gen. Nach­dem er sich über den Vor­wurf der “Naz­i­keu­le” beschwert hat, bringt unser tap­fe­rer Aus­keh­rer übri­gens die dicke Ber­tha der “Ausch­witz­lü­ge” in Stel­lung. Der per­for­ma­ti­ve Wider­spruch scheint unter unse­ren Freun­den ein belieb­ter Sport zu sein.

Nun: Das Ego die­ses armen Men­schen hat es schein­bar noch immer nicht ver­kraf­tet, schon vor Wochen von Micha­el Klo­n­ovs­ky bloß­ge­stellt wor­den zu sein, indem er tro­cken Sie­fer­les Ori­gi­nal­zi­ta­te Gross­arths Ein­plät­tun­gen gegen­über­stell­te. Das kom­men­tiert sich qua­si von selbst. Der Fall ist sozu­sa­gen so klar wie der Him­mel blau. Jeden­falls hat Gross­arth das Sie­fer­le­ga­te des NDR offen­bar genutzt, um sich für die erlit­te­ne Bla­ma­ge zu rächen und sei­ne letz­te Ruf­mord­num­mer mit einem Sequel zu über­bie­ten (unse­re hoch­ge­schätz­te Edel­laus ver­gaß dabei übri­gens auch nicht, den “alten, kran­ken Mann” Sie­fer­le in alt­be­währ­ter Pro­jek­ti­ons­ma­nier als “anti­frei­heit­lich und res­sen­ti­men­ter­füllt” zu charakterisieren).

Es muß sich bei ihm offen­bar um einen ein­ge­fleisch­ten Maso­chis­ten han­deln, denn wie zu erwar­ten hat Klo­n­ovs­ky ihn (oder viel­mehr uns) mit einer Repri­se beglückt. Ist nun Gross­arth, stellt Klo­n­ovs­ky fra­gend in den Raum, dumm oder nie­der­träch­tig? Oder war hier – in des Meis­ters eige­nen Wor­ten –“Schlam­pe­rei im Spiel? Ein Ver­fah­rens­feh­ler?” Er mag sich trös­ten: Wem Talent, Kom­pe­tenz und Anstand feh­len, der kann sich immer noch an sei­ne stram­me, nicht­rech­te Gesin­nung klammern.

Kom­men wir zum letz­ten Akt des Dra­mas. Das schwar­ze Schaf der Jury mach­te dem Who­d­u­nit-Spuk ein Ende und oute­te sich selbst: Der Übel­tä­ter, der ein fal­sches Buch “geli­ket” hat­te, war der Spie­gel-Redak­teur Johan­nes Saltz­we­del, der fol­gen­de Erklä­rung abgab:

Mit der Emp­feh­lung des Buches ‘Finis Ger­ma­nia’ von Rolf Peter Sie­fer­le habe ich bewusst ein sehr pro­vo­kan­tes Buch der Geschichts- und Gegen­warts­deu­tung zur Dis­kus­si­on brin­gen wol­len. Sie­fer­les Auf­zeich­nun­gen sind die eines final Erbit­ter­ten, gewollt ris­kant for­mu­liert in apho­ris­ti­scher Zuspit­zung. Man möch­te über jeden Satz mit dem Autor dis­ku­tie­ren, so dicht und wütend schreibt er. Ich woll­te durch mei­nen Vor­schlag auf kei­nen Fall das Renom­mee der Sach­buch-Bes­ten­lis­te beschä­di­gen und bedau­re sehr die Ver­wer­fun­gen, die sich dar­aus erge­ben haben. Des­halb habe ich mich ent­schie­den, aus der Jury auszutreten.

Wie zu erwar­ten war, hat die­se Begrün­dung Saltz­we­del nichts genützt. Ers­tens darf ein sol­cher Ver­rat an der “Mei­nungs­kon­so­nanz” (Uwe Krü­ger) nicht unge­sühnt blei­ben; nicht das kleins­te “rech­te” Staub­körn­chen darf durch die Rit­zen drin­gen; ein Exem­pel muß sta­tu­iert wer­den, damit kein Klub­mit­glied mehr auf die Idee kommt, der­art frech aus­zu­sche­ren. Zwei­tens bie­tet sich hier erneut eine pri­ma Gele­gen­heit zu pro­fi­lie­ren­dem Nied­rig­kos­ten­ba­shing, Skan­dal­hu­be­rei und Prot­zen mit der eige­nen wei­ßen Wes­te und Linientreue.

Was um Him­mels wil­len hat Saltz­we­del “gerit­ten, rech­tes Gedan­ken­gut so zu pro­pa­gie­ren?”, ent­rüs­tet sich etwa Han­nes Hin­ter­mei­er in der FAZ. Finis Ger­ma­nia (das Hin­ter­mei­er, jede Wet­te, nicht gele­sen hat) wird in den greu­lichs­ten Far­ben gezeich­net: Es sei “anti­se­mi­tisch”, “extrem rechts”, eine “eben­so ekel­haf­te wie stel­len­wei­se unver­ständ­li­che End­zeit­dia­gnos­tik, die nicht wei­ter erwäh­nens­wert wäre”. Der Schur­ke wird aus­gie­big für sei­ne Gedan­ken­ver­bre­chen gezüchtigt:

Johan­nes Saltz­we­del vom „Spie­gel“ war es, der alles auf die­sen rechts­ra­di­ka­len Hun­dert­sei­ter gesetzt hat­te. Ein Ver­fah­rens­feh­ler? Hat der Jury-Vor­sit­zen­de geschla­fen? In den Moda­li­tä­ten ist vor­ge­se­hen, die zwan­zig Punk­te, die jedem Jury-Mit­glied monat­lich zur Ver­fü­gung ste­hen, auf drei bis vier Bücher zu ver­tei­len, nicht auf eines. Saltz­we­del gab zwan­zig Punk­te. Für ein Buch, das behaup­tet: „Der ewi­ge Nazi wird als Wie­der­gän­ger sei­ner Ver­bre­chen noch lan­ge die Tri­vi­al­my­tho­lo­gie einer post­re­li­giö­sen Welt zie­ren. Die Erde aber wird von die­sem Schand­fleck erst dann gerei­nigt wer­den, wenn die Deut­schen voll­stän­dig ver­schwun­den […] sind.“ Was hat Saltz­we­del, der seit mehr als einem Vier­tel­jahr­hun­dert beim „Spie­gel“ arbei­tet, gerit­ten, Sie­fer­le zu empfehlen?

Es dau­er­te nicht lan­ge, bis das eige­ne Blatt sei­nem lang­ge­dien­ten Mit­ar­bei­ter in den Rücken fiel. Der Spie­gel rühr­te die noch feh­len­de Back­zu­tat “rechts­las­ti­ge Ver­schwö­rungs­theo­rien” in den Kuchen und distan­zier­te sich von Saltz­we­del, der sich in eine wah­re “Hoch­kos­ten­si­tua­ti­on” manö­vriert hatte:

“Ich habe nach der Lek­tü­re der wesent­li­chen Kapi­tel kein Ver­ständ­nis dafür, dass der Kol­le­ge Saltz­we­del die­ses Buch emp­foh­len hat”, so SPIE­GEL-Chef­re­dak­teur Klaus Brink­bäu­mer, “und wegen des ent­stan­de­nen Scha­dens begrü­ße ich sei­nen Rück­tritt aus der Jury.”

Das ist also die Lage in Deutsch­land: Die “fal­sche”, neur­al­gi­sche Punk­te berüh­ren­de Mei­nung stößt nicht ein­fach auf Wider­spruch oder Dis­sens, son­dern wird mit allen Mit­teln – Lüge, Ver­zer­rung, Dif­fa­mie­rung – nie­der­ge­prü­gelt. Wer sie äußert oder wie Johan­nes Saltz­we­del auch nur zur Dis­kus­si­on brin­gen will, wird gna­den­los iso­liert, an den Pran­ger gestellt, zum Aus­sät­zi­gen erklärt.

Bezeich­nend ist, daß sich fast das gesam­te Spek­trum der Leit­me­di­en an die­ser Virus­be­kämp­fung betei­ligt hat: Von der lin­ken taz über die libe­ra­le Süd­deut­sche Zei­tung bis zur einst „kon­ser­va­ti­ven“ FAZ  erklang ein und die­sel­be Stim­me. Ihre Autoren han­del­ten wie ein ein­zi­ge ver­schwo­re­ne Kas­te, wie eine Ein­heits­par­tei, die immer recht hat und die kei­ne Abweich­ler dul­det, die ohne­hin nur dumm und schlecht sein können.

Wer weiß, wie vie­len U‑Booten und Dis­si­den­ten in den Redak­tio­nen hier die Fol­ter­werk­zeu­ge gezeigt wur­den. Bes­ser kann man die poli­ti­sche Selbst­gleich­schal­tung der deut­schen Pres­se kaum demons­trie­ren. Und wer sich über die­ses Uni­so­no beklagt oder es auch nur kon­sta­tiert, wird heu­te zum „anti­plu­ra­lis­ti­schen“, „anti­de­mo­kra­ti­schen“, “anti­frei­heit­li­chen”, “rechts­ra­di­ka­len” Schuft erklärt, der wohl am liebs­ten die Pres­se­frei­heit abschaf­fen will (von der unse­re herr­schen­de Jour­na­lis­ten­kas­te indes nur mäßi­gen Gebrauch macht).

Immer­hin hat der Alar­mis­mus der Mei­nungs­wäch­ter eine schö­ne Poin­te mit sich gebracht. Hät­ten sie geschwie­gen, hät­te sich wahr­schein­lich kaum jemand für das ket­ze­ri­sche Buch inter­es­siert; so aber wur­de es via Strei­sand-Effekt auf Ama­zon zum Best­sel­ler (Ver­kaufs­rang 1 unter “Bücher”) hoch­ka­ta­pul­tiert – obwohl es wegen eines poli­tisch moti­vier­ten Boy­kotts des Online­händ­lers nur über Zweit­an­bie­ter erhält­lich ist.

Sie­fer­les letz­te Bücher wer­den in Wahr­heit aus einem ein­zi­gen Grund so geh­aßt und bekämpft: sie sind scho­nungs­lo­se, scharf­sin­ni­ge Lage­ana­ly­sen, die genau jene Illu­sio­nen und Lügen zer­schla­gen, deren Fabri­ka­ti­on sich die nun so hys­te­ri­sche agie­ren­de Pres­se ver­schrie­ben hat. Sie­fer­le hat den Pati­en­ten Deutsch­land unter­sucht und eine töd­li­che Krank­heit dia­gnos­ti­ziert; doch die­ser schreit laut auf und ver­flucht den Dia­gnos­ti­ker, weil er der Wirk­lich­keit nicht ins Auge sehen will.

Finis Ger­ma­nia hier bestel­len, Das Migra­ti­ons­pro­blem (eben­falls aus dem Nach­laß) hier gleich mit.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (42)

Wahrheitssucher

13. Juni 2017 17:59

Herr Lichtmesz, das war und ist eine journalistische, besser schriftstellerische Breitseite, die ihr Ziel nicht verfehlen kann und wird!

Der_Jürgen

13. Juni 2017 18:31

Grosses Kino, Herr Lichtmesz. Wo andere angesichts dieses bodenlosen Abgrunds an Feigheit und Niedertracht notgedrungen zu Kraftausdrücken greifen, weil ihnen sonst die Worte fehlen würden, liefert Lichtmesz ein rhetorisches Feuerwerk der Extraklasse ab.

Ein paar Gedanken zu den Beweggründen der Schmierfinken, auch wenn diese zwangsläufig spekulativ bleiben müssen, weil mir die Gabe des Hellsehens bedauerlicherweise fehlt. Die "Entrüstung" und "Betroffenheit" angesichts "rechten Ungeistes" nimmt man diesen Leuten nicht so recht ab. Sie sind Lohnschreiber niedrigsten Niveaus, gewissermassen Wachthunde, die, um ihre tägliche Büchse Schappi zu bekommen, kläffen müssen, sobald sich irgendwo ein Gedanke regt, der diesen Namen verdient.

In einem normalen Staat kämen diese Kerle nicht einmal in die Nähe irgendeiner Zeitungsredaktion oder eines Fernsehstudios. Doch ein Staatswesen, in dem die Lüge oberstes Gesetz ist, in der jeder Wert zum Unwert und jeder Unwert zum Wert umgelogen wird, bietet den idealen Nährboden für solche "Kerbtiere", um Lichtmesz' drastische Formulierung aufzugreifen.

Wen selbst der schauerlichste Dracula-Streifen nicht mehr zum Frösteln bringt, der möge sich, um das Gruseln neu zu erlernen, einmal die gesammelten Weisheiten des Herrn Andreas Speit bei der TAZ zu Gemüte führen. Er ist einer der primitivsten unter den Hetzern, aber weiss Gott nicht der einzige. Solange der "freiste Staat der deutschen Geschichte" besteht, ist der Schoss fruchtbar noch, aus dem DAS kroch.

Maiordomus

13. Juni 2017 19:24

Dass die hier  Schreibenden, wiewohl längst nicht alle vom gleichen Lager, mit Ihnen einverstanden sind, Herr Lichtmesz, ändert nichts daran, dass etwa die von _derjürgen formulierte zornige Empörung auf etwa 1 Prozent der heutigen Leser herkömmlicher Bücher und Feuilletongläubigen beschränkt bleibt, da darf man sich keine Illusionen machen, wiewohl diese Panne der Duldung eines Orwellschen Gedankenverbrechens das Lager, aus dessen  Sicht Leute wie Sieferle schlimmer sind als islamische Fundamentalisten, in eine deutliche und spürbare Verlegenheit bringt. Es hilft in diesem unserem Blog wenig, diesmal flächendeckend gleicher Meinung zu sein. Zu denken gibt mir, dass der einzige grosse Geist in dieser Jury, den ich im Verdacht hatte, der Querschläger zu sein, der Philosoph und Schopenhauer-Kenner sowie Hebbel-Kenner und Verfasser eines Buches über Nihilismus, Ludiger Lütkehaus, sich weiterhin in einer solchen Jury mit stalinistisch anmutenden  Meinungsvorschriften geistig korrumpieren lässt. Auch Uwe Justus Wenzel vom Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung, welche Leserbriefe mit Kritik am Feuilleton so gut wie nie zu drücken pflegt, wäre noch ein kluger Kopf, würde sich aber mutmasslich nie auf eine Diskussion um Sieferle einlassen.  Als ich vor 12 Jahren zum letzten Mal ins Feuilleton der NZZ schrieb, verschlimmbesserte er den von mir zitierten Grundgesetzmitautor Carlo Schmid in den Namen Carl Schmitt, weil er mich wohl als "rechten" Autor verdächtigte. Der momentane Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung ist aber der ehemalige Chefredakteur des Schweizer Monats, René Scheu, Stellvertreter von Peter Sloterdijk in der Schweiz, der permanent des Rechtsliberalismus verdächtigt wird, im übrigen aber über seine eigenen Beiträge hinaus keinen wegleitenden Einfluss auf die Zeitung hat, wohl sogar kaum auf das von ihm geleitete Feuilleton mit seinen Herzogtümern.  Um es zusammenzufassen: die  bei Lichtmesz aufgezählten Feuilletonisten, so weit sie sich so tief herunterlassen und sich nicht klar vom Vorgehen distanzieren, sollten wir bis auf weiteres nicht mehr lesen.

Isarpreiß

13. Juni 2017 19:43

Meiner Meinung nach fehlt, soweit ich das überblicken konnte, bei den Analysen Weißmanns und Klonovskys und jetzt auch hier ein wichtiger Aspekt: Das böse Buch ist bei Antaios erschienen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Veröffentlichung in einem anderen Verlag und die Platzierung auf der Nummer 9 der Rangliste keinen Skandal bewirkt hätte, weil dann der direkte Kontakt zur bösen Rechten gefehlt hätte.

Hartwig aus LG8

13. Juni 2017 19:52

Was muss man sich unter Platz Eins bei Amazon vorstellen? Hintergrund meiner Frage ist die Breitenwirkung dieser Posse.

Denn, wenn auch von der Charakteristik völlig anders geartet, erinnert mich dieser Vorgang an das Sputnik-Verbot 1988 (Wessis: Suchmaschine: Sputnik Verbot). Das Sputnik-Verbot war ein Verzweiflungsakt; die Mauer sollte nun nicht nur nach Westen dicht sein, sondern auch nach Osten (Gorbatschows Russland) hochgezogen werden. Ein Aufbäumen. 

Nicht, dass ich erwarten würde, unser System gäbe bald den Geist auf. Aber der Schritt zur offenen Diktatur rückt näher.

Andrenio

13. Juni 2017 19:56

Zur Jury:

René Aguigah ist beim Deutschlandradio lediglich als Mitinterviewer von Simon Wiesenthal aufgefallen.

Ob Jens Bisky nun Unterleutnant oder Leutnant der NVA war, spielt hinsichtlich der Fähigkeit zum vorauseilenden Gehorsam keine so große Rolle. Aufgrund der Position des Vaters in der oberen Parteipyramide stand ihm in der DDR eine gute bis glänzende Karriere bevor. Dass dieser Vater bei der Linken was zu sagen hat, schadete sicher nicht bei der SZ-Karriere.

Daniel Haufler von der BZ ist von Beruf Trump-Basher, ausgewiesen diesbezüglich durch Hellsichtigkeit 05.10.16 "Wie Trump seine Chance auf den Wahlsieg furios verspielt".

Rainer Blasius ist ein anderes Kaliber. Er war beim Unterlegenen des Historikerstreits Hillgruber tätig, der von Augstein als "konstitutioneller Nazi" bezeichnet wurde. Außerdem arbeitete er wissenschaftlich gegen den Persilschein der Familie von Weizsäcker. Schließlich war er im Außenministerium ein Widerständler gegen Joschka Fischers Versuch der Renazifizierung des gesamten Auswärtigen Amts. Kurios, dass er  in der FAZ alle Säuberungen überstanden hat.

Jörg Dieter Kogel müsste eher ein Verteidiger verfolgter Literaten sein, publizierte er dich über "Schriftsteller vor Gericht, verfolgte Literatur in vier Jahrhunderten" als Mitbegründer der Günter-Grass-Stiftung Bremen weiß er auch um die echten (Waffen-)SS-Nöte von verehrten Literaten. Radio Bremen ist ein sicherer Ort zur Bewahrung solcher Erfahrungen.

Wolfgang Ritschl wird auch Mister Sachbuch beim ORF genannt. Besondere Ausflüge in die Welt der PC konnten auf die schnelle nicht entdeckt werden.

Johannes Saltzwedel vom Spiegel ist mit seinen Schriften als Kenner der Antike ausgewiesen. Mit echt kulturrevisionistischen Schriften ist er nicht in Erscheinung getreten. Seltsam, dass seine Arbeitgeber sich einen solch gebildeten Mann leisten. Seine Halbwertszeit in der Kulturredaktion dürfte allerdings kurz sein.

Jaques Schuster hat sich am 22.04.16 mit seinem Artikel in der Welt "Nehmt die AfD ernst und beleidigt nicht den Wähler" sehr weit aus dem Fenster gelehnt.

Elusabeth von Thadden bei der SZ  ist 100% stromlinienförmig: "Sind Wähler zu dumm für die Demokratie? Ja, aber" 

Uwe Justus Wenzel von der NZZ ist Philosoph und Kantspezialist. Ob ihm der Medienpreis Goldene Brille zu mehr oder weniger Weitsicht verholfen hat?

Herfried Münkler ist Machiavellispezialist und publiziert über asymmetrische Kriege. Außerdem kennt er sich bei Hobbes aus. Er lehrt an der Humboldtuniversität.

Otto Kallscheuer kann man als Urgestein der 68er bezeichnen, der im Rotbuchverlag seine Lektorensporen verdiente.

Luther Lütgehaus könnte mit seinen Kenntnissen über Schopenhauer und Heidegger sicher auch mal in der Sezession veröffentlichen, wenn er pensioniert und vorher aus der Jury ausgetreten ist.

Ich habe mir nach Analyse die Frage gestellt, wer wohl am ehesten in Frage gekommen wäre Sieferles Buch hinterhältig zu platzieren.

Offen gesagt wäre ich auf Saltzwedel nicht gekommen. Am ehesten hätte ich auf Blasius getippt. Dessen Reaktionen zeigen, dass ihm die Arbeit in den MSM den letzten Rest Mark aus den Knochen gezogen hat.

Dass keiner der nicht-offensichtlich-linken Mitglieder aus Protest gegen diese Hexenjagd zurückgetreten ist, besonders Kogel, ist erbärmlich und schäbig.

Henrik Linkerhand

13. Juni 2017 20:48

Man muss dem Berufdenunzianten von der TAZ fast schon dankbar sein, den Stein ins Rollen gebracht zu haben und so ein Theaterstück par excellence als Lawinenabgang zu inszenieren. Auf der anderen Seite steht ein allzu aufmüpfiger Spiegeljournalist, der wahrscheinlich etwas Schwung in den sonst so drögen Kulturbetrieb bringen wollte und der nun einer ungewissen Zukunft entgegen sieht. Als Statisten fungieren die ewig gleichen Schreihälse und Wichtigmacher, die dann umfallen oder sich sogar lautstark und mit großem Knall distanzieren, wenn ein leichter Gegenwind spürbar wird. Gelesen wird, wenn überhaupt, der Klappeneinband vom Werk, welches dann mit innhaltsleeren Floskeln und austauschbaren Worthülsen beworben oder eben vernichtet wird. Mißtrauisch beäugen diese Kulturaffen alles, was ihrem Status als Hohepriester gefährlich werden könnte; sie sind immer und allzeit bereit einen der ihren zu opfern, um sich vom Vorwurf der Linienuntreue reinzuwaschen. Sieferles Thesen von der Verkommenheit des politisch-kulturellen Establishment wurden mit dieser Komödie glänzend bewiesen.

Starhemberg

13. Juni 2017 22:27

Was für ein Massaker. Was für eine Komödie. Was für ein elender Haufen. Daraus könnte man ein Theaterstück schmieden.

Der Feinsinnige

13. Juni 2017 22:47

@ Isarpreiß:

Ja, Ihr Gedanke ist bereits von René Aguigah (DR-Kultur) im "Büchermarkt" des DLF vom 12.6.2017 explizit ausgesprochen worden:

https://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=2&audioID=4

„Der Verlag weckt eigentlich schon den Anfangsverdacht, daß es sich um einen Titel handelt, das“ (sic!) „man guten Gewissens nicht auf eine Sachbuch-Qualitätsbestenliste stellen möchte. ...“ usw. usf (ab Minute 2.40 im oben verlinkten Audio). Der Verlag spielt also nur wegen seiner politischen Verortung (nicht überraschend) selbstverständlich eine entscheidende Rolle für den öffentlichen Aufschrei, ganz ohne Ansehung des einzelnen Buches oder Textes – eine intellektuell armselige Haltung. Da liegt der Gedanke nahe, daß die gesamte Treibjagd gegen „rechts“, die im hier diskutierten Fall wieder einmal exemplarisch öffentlich vorgeführt wird, auch die Kompensation von Minderwertigkeitskomplexen ist. Offenbar wissen die etablierten Journalisten, Feuilletonisten, Autoren, Juroren ganz genau (oder fühlen es zumindest diffus), daß sie Autoren bzw. Denkern wie Rolf Peter Sieferle oder auch Martin Lichtmesz (exemplarisch für wohl alle Autoren der Sezession) intellektuell deutlich unterlegen sind. Ob irgendjemand der im Artikel genannten Personen oder der von @ Andrenio dankenswerterweise vorgestellten Juroren der Jury die grandiose Analyse von Martin Lichtmesz zur Kenntnis nimmt? Geschweige denn darüber nachdenklich wird?

Der Feinsinnige

13. Juni 2017 22:54

Kurzer Zusatz zu meinem soeben übersandten Beitrag: Der von mir verwendete Link führt nur allgemein zur DLF-Mediathek. Zum Audio mit Aguigah (12.6.2017, 16.20 h) muß man sich darin selbst durchklicken.

Polybios

13. Juni 2017 23:13

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article165468083/So-landete-rechtes-Gedankengut-auf-der-Bestenliste.html

"Es ist Johannes Saltzwedel vom „Spiegel“, der auch schon Bücher über die Germanen veröffentlicht hat." 

Alleine dieser subtile Unterton entlarvt die herrschende Journaille als das, was sie letztlich sind: Feinde des Volkes. Nach dieser Lesart müsste auch jede germanistische Forschung verdächtig machen und eingestellt werden. Bei ihrer desolaten Lage zurzeit wäre es sicher das beste.

Der Gehenkte

13. Juni 2017 23:24

Es war wohl Uwe Steimle, der Dresdner Kabarettist -  übrigens einer der weinigen "Promis", der den Mut hatte vor der Kamera den Mund aufzumachen: sehenswert! -, der mal gesagt hat: "Nu, meene Damen, wenn isch nischt sache, dann hats geschmeckt". In diesem Sinne ist jedes Wort zu Lichtmesz' feiner Analyse überflüssig. 

Dringend diskutiert werden müßte allerdings noch die Dialektik des Geschehens. Sicher, die "Affäre" hat Buch, Autor und Verlag und wohl auch dieses Forum in die Schlagzeilen gehievt. Das ist die Viertelstunde Ruhm.

Trotzdem habe ich ein sehr schlechtes Gefühl, denn die Tiefenkonditionierung, die derartige Strafexpeditionen zur Folge haben müssen, sind nicht abzusehen. Man muß einen Menschen nur ein Mal auspeitschen - beim zweiten Mal genügt das bloße Zeigen der Peitsche um ihn gefügig zu machen.

Die Folgen für die Meinungsfreiheit könnten auf der Negativseite den kurzzeitigen befreienden Effekt locker aufwiegen. Die Vehemenz, das Vokabular, die vollkommene Angstlosigkeit, beim Lügen und Verdrehen  erwischt zu werden - gerade hat Gustav Seibt eine neue Nummer hingelegt - wirken auf mich wie eine Zäsur; in dieser Direktheit scheint mir das neu zu sein.

Wenn dem so ist, dann müßte eine Lageanalyse her ...

RMH

13. Juni 2017 23:43

@Polybios,

ob beim Kommentar in der JF jetzt jeder Ironie in der Formulierung "Denn das beanstandete Werk aus dem Giftschrank Antaois" findet (auch noch falsch geschrieben, damit man keine unfreiwillige SE0 für die liebe Konkurrenz betreibt), erscheint mir auch eher fraglich. Die rechte Journaille ist offenbar nicht gleich automatisch besser. Hier der link zum JF Artikel:

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/der-speit-effekt/

 

Solution

13. Juni 2017 23:45

Es ist gut, hier etwas zu schreiben. Genauso wichtig ist es bei Amazon.de eine Rezension zu verfassen und die dortigen 5-Sterne-Rezensenten mit Likes zu unterstützen. Wir sind da schon relativ stark vertreten, es könnte aber noch viel besser werden. Errichten wir bei Amazon unsere geistige Hegemonie!

Reinhard L.

13. Juni 2017 23:53

Herrliche Schmierenkomödie im linksgrünen Meinungskartell. Der arme Herr Saltzwedel. Wenn der Typ nicht vom SPIEGEL wäre, könnte man fast Mitleid bekommen...

Leo

14. Juni 2017 00:02

Ein Lichtmesz-Abriß der Sonderklasse: Vielen Dank dafür! Vor 90 Jahren wurden, ähnlich sprachmächtig, die Klingen so oder ähnlich wöchentlich in der "Weltbühne" gekreuzt - damals, in der ersten Republik, als es noch tatsächlich landesweite Debatten gab [Nehmen Sie das Lob an!]. Heute, nahezu täglich, in der "Sezession". Tja, der Geist weht, wo er will... (Ich glaube, DAS wurmt all die Anti-Rechts-Kritiker am meisten.)

@Isarpreiß

Natürlich wird letztlich (auch) der Verlag den letzten Ausschlag zur Skandalisierung durch Speit gegeben haben! [Auch dieser sprechende Name - nomen est omen - ist ja realsatirisch kaum ausdenkbar: Andreas Speit Gift & Galle, as usual: selbsternannter Rechtsextremismus-Experte, saupreißiger---!] Aber auch Sarrazin hat man schnellstmöglichst in die rechtest-wo-mögliche Ecke abzuschieben versucht - und wo sind seine vier Bücher erschienen? Getarntermaßen nicht in einem rechten Kleinstverlag. Was erstaunt: daß auch das neue Buch von Egon Flaig wieder bei Zu Klampen erscheinen konnte - wenngleich mit erheblicher Verspätung!

@Hartwig aus LG8

Tja, Merkel hat sich noch nicht diesbezüglich geäußert, daß Sieferles Buch "nicht hilfreich" sei... Und der Bundespräsident hat sich auch noch nicht eingeschaltet. Da ist noch Luft in der Tüte, Genossen! Die Parallele zum Sputnik-Verbot 1988 erfolgte ja denn auch nicht durch den damaligen ostdeutschen Staatschef, sondern im Namen des zuständigen Post-Ministers ("... leistet keinen Beitrag zur deutsch-sowjetischen Freundschaft"), der von seinem Verbot aus der Zeitung erfuhr. Wer immer in den letzten Monaten angemerkelt hat, daß der MERKELMUSSWEG kein Weg zurück ist in die bessere Welt von Gestern - diese Schmierenkomödie unter Intellektuellen ist der Beweis, daß da ganz, ganz viele zu gehen hätten. Merkel repräsentiert ein System mit verdammt vielen Sytemverlierern von morgen. Oder übermorgen. Okay, überübermorgen - dann aber!! (Let's hope. (I have a dream. ('Verdammt' sagt man nicht.)))

@Andrenio

Danke für die Interna-Einblicke! Man kann ja nicht ständig alles googlen... (Fühlen Sie sich von mir, obwohl nicht bei FB seiend, "geliked"!)

E.

14. Juni 2017 00:30

@ Polybios (13.06., 21:13 h):

Danke für den Link zu einem weiteren Artikel der herrschenden Schreiberzunft:

"Verleger ist der in der Szene der Neuen Rechten einschlägig bekannte Götz Kubitschek."

Mal ganz schnell und mit grobem Korn (reicht ja für den dummen Michel) einen Andersdenkenden mit drei Wörtern ("Szene", "einschlägig bekannt") stigmatisiert und kriminalisiert (mit dem Wort "rechts" sogar vier Wörter). Kenne ich ansonsten aus anderen Zusammenhängen. Lebte ein Victor Klemperer noch, würde er solcherlei zum Gegenstand seiner "Lingua Tertii Imperii" machen. 

sven31699

14. Juni 2017 00:41

Die schönste Reaktion auf den Platz 9 in der Empfehlungsliste fand ich in der NOZ ...

https://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/908559/jury-skandal-um-sachbuecher-des-monats

und mein persönlicher Hit daraus ist:

"Punkt eins: Juroren setzen sich nicht zusammen, um ihre Voten noch einmal kritisch zu diskutieren. Die Mitglieder der Sachbuch-Jury haben einzeln abgestimmt. Die Ergebnisse gingen dann ohne weitere Sichtung an die Öffentlichkeit. Das ist ein Unding. Der aktuelle Fall der Empfehlung Sieferles eines als „rechtslastig“ offenbar vorsichtig umschriebenen Buches entzieht der Jury-Arbeit jede Legitimation."

einfach herrlich :-)

Isarpreiß

14. Juni 2017 00:50

Besonders idiotisch ist ein Artikel bei chip.de: Zuerst wird kurz der Fall geschildert, der angebliche Inhalt zusammengefasst ("Völkisch, Rechtsextrem, Antisemitisch"), nur um danach einen Werbe-Link zu amazon zu platzieren ("Hier das Buch "Finis Germania" bei Amazon"). Vielleicht kann man ja zumindest ein bisschen mitverdienen am Erfolg des bösen Buches.

Aber halt, Kommando zurück:

"CHIP meint: Auf keinen Fall sollten Sie diese wirren rechten Thesen unterstützen! Empfehlen können wir Ihnen daher auf keinen Fall, das Buch zu kaufen und damit den rechtsextremen Verlag Antaios letztlich finanziell zu unterstützen.

Allgemein gibt es sicherlich schönere und erhellendere Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen als mit vollkommen überzogenen, teils offen menschenfeindlichen Verschwörungstheorien, die nur darauf ausgelegt sind, Angst zu machen und Hass gegen alles und jeden "Nicht-Deutschen" zu erzeugen. Unsere Empfehlung: Lesen Sie etwas anderes."

Dieser Schwachsinn geht noch ein paar Absätze weiter, wer gerade ein Kopfschüttelbedürfnis verspürt, dem sei die Lektüre empfohlen.

quarz

14. Juni 2017 00:52

Diese Medienposse wird vielleicht einmal zu den klassischen Referenzereignissen des historischen Rückblicks gehören.

Simplicius Teutsch

14. Juni 2017 01:25

Großartig, dieser Martin‘sche Fehdehandschuh ins Gesicht der „reinrassigen Meinungsarier“ und „Berufsdenunzianten“ und entschiedenen Berufsdistanzierer. Am „Finis Germania“ haben sie sich selbst bis zur Kenntlichkeit entlarvt in ihrer „Erbärmlichkeit“ und unfreiwilligen „Komik“. - Und das ist die intellektuelle Elite Deutschlands!? Kein Rückgrat. Kein Eigensinn. Null.

 Alleine die bußfertige Mea Culpa-Nostra Culpa-Selbstbeschuldigung des Jury-Vorsitzenden Andreas Wang – angesichts der Lappalie, dass da einmal eine „falsche“ Meinung bei der Nominierung durchgerutscht ist – ist so krass und unglaublich, dass man sie sich wohl gar nicht erfinden kann. Das kann nur die Realität schreiben:

 „Mit der Empfehlung von „Finis Germania“ von Rolf Peter Sieferle in der Juni-Liste hat die Jury eine gravierende Fehlentscheidung getroffen, die für NDR Kultur nicht tragbar ist. …rechtslastige Verschwörungstheorien, von denen sich die Redaktion entschieden distanziert. Auch die Jury distanziert sich von diesem Buch und Verlag und bedauert dessen Nominierung.“ (12.06.2017, NDR.de)

 Auch Götz Kubitschek und Karlheinz Weißmann (in JF: „die dumme Linke“) haben zurecht deftig und treffend kommentiert. Und das Beste, das Buch ist als „Bestseller“ immer noch auf Platz 1 der amazon-Verkaufsliste. Endlich mal eine gute Nachricht.

Cacatum non est pictum

14. Juni 2017 02:07

@Isarpreiß

Dieser Schwachsinn geht noch ein paar Absätze weiter, wer gerade ein Kopfschüttelbedürfnis verspürt, dem sei die Lektüre empfohlen.

Ich konnte den Artikel auf chip.de leider nicht mehr finden. Dafür stachen mir auf der Internetseite dieses seriösen (Computer-)Technikmagazins andere Beiträge ins Auge, zum Beispiel: "Schleifen, sägen, schrauben: Lidl haut ab 14.6. Billig-Werkzeug raus" und "Unter der Dusche pinkeln: Deshalb sollten Sie das tun". Den Sieferle-Artikel sollten wir genau dort einreihen.

Caroline Sommerfeld

14. Juni 2017 09:42

"Wenn Prävention gegen Radikalität zum alleinigen Maßstab wird, ist die Wurzel unserer liberalen Demokratie bedroht" konstatiert Christian Geyer in der faz, auf derselben Seite, wo Sieferles Buch vom Kollegen als "ekelhaft" verschrieen wird. Das wäre wohl sehr wahr, wenn er nicht im selben Text schriebe:

"Der Rechtspopulismus ist die Pest unserer Zeit, weil er das öffentliche Bewußtsein auf Verteidigung und Vorsorge und Sauberkeit und Verantwortung fixiert".

Erstens: was dagegen? Das ist doch keine Pest, sondern ein Segen. Zweitens: die "Sauberkeit" ist Geyers eigenes Problem. Denn er trennt fein säuberlich zwischen "auf die Wurzel bedachtem Außenseitertum", Radikalität, und der "Pest des Rechtspopulismus", die erstere abtöte.

Die sozial erwünschte Radikalität findet er bei Rüdiger Safranski und der romantischen "Revolution als seelisches Großereignis". Die sozial unerwünschte Radikalität, das Pestvirus, wäre dann wohl Sieferle (pars pro toto). Gewisse unsaubere Überschneidungen habe ich hier angedeutet.

Radikalität ist gegenwärtig keinesfalls ohne das "rechte Virus" zu haben - der "Lebenshunger", den auch Christian Geyer verspürt, der liegt bei uns! Sieferle hat ihn auch verspürt, zu sehr.

Monika L.

14. Juni 2017 11:10

Dem Streisand-Effekt folgt meist der Verknappungseffekt. Als FINIS GERMANIA  erschien, habe ich gleich fünf Exemlare geordert. Eines habe ich meiner Freundin geschenkt ( bis jetzt kam keine Reaktion). Eines hat mein Mann versaubeutelt, d.h. es ist irgendwie verlorengegangen. Eines habe ich mit zarten Bleistiftpünktchen durchgearbeitet. Jetzt habe ich noch zwei jungfräuliche Erstausgaben. Gerade frug mein Mann: "Hast Du noch so ein Buch von Sieferle ?Ich will es H. mitbringen". Ich: " Nein, nichts da ! Die zwei verbliebenen Erstausgaben bleiben hier". Schon aus Ehrfurcht vor dem Verfasser. Die haben jetzt schon einen besonderen Wert. Die kommen in die Kiste für meine beiden Söhne: Besondere Erbstücke und Vermächtnisse. Dort liegen auch vier original verpackte Playmobil Figuren . Zweimal Luther, zweimal Goethe. Einst erstanden in Gotha. Auf dem Weg nach Schnellroda.

Dieter Rose

14. Juni 2017 11:30

Wang: "sonstwie ungeliebte Bücher...",

das kann ein "Weites Feld" sein.

die müssen Angst in der Büx haben!

Dieter Rose

14. Juni 2017 11:34

Wang: "sonstwie ungeliebte Bücher...", das kann ein "Weites Feld" sein. die müssen Angst in der Büx haben! interessant auch der FAZ-blog von Don Alphonso von heute. Mit Erwähnung von Kubitschek und andeutungsweise des Verlages mit "spitzen Fingern" (ich weiß...) und dass die Besteller dort irgendwie festgehalten/notiert werden... danke liebes Vaterland, hätte ich nie von Dir so erwartet!

Utz

14. Juni 2017 11:42

 Also, da muß man doch was TUN! Das geht doch so nicht. Schließlich hat man damals gegen die Pest auch was getan.

Also als erstes sollte man diese Empfehlungen absprechen. Es kann doch nicht sein, daß da ein einzelner so viel Schaden anrichtet. Gut, er ist ja nun weg. Aber man muß ja auch für die Zukunft vorbauen. Bevor die Empfehlungsliste rausgeht, muß da einfach noch jemand drüberschauen.

Und diese Geschichte hat doch gezeigt, daß man bei der Auswahl der Juroren einfach noch besser aufpassen muß.

Was auch nicht nachzuvollziehen ist, daß Amazon dieses Buch ja doch noch irgendwie verkauft. Ich meine, dieser Konzern darf hier in Deutschland anbieten und macht da gute Geschäfte, da muß er schon auch uns ein bißchen entgegenkommen. Er darf solche Bücher einfach gar nicht mehr anbieten.

Und was ist das denn mit dieser Amazonliste? Das kann doch nicht sein, daß dieses gefährliche Buch da auf Platz 1 draufbleibt. Die ganzen gefährlichen Folgen, die da zu befürchten sind! Wenn Amazon schon nicht zu bewegen ist, das Buch komplett rauszunehmen muß Amazon wenigstens darauf verpflichtet werden, es aus der Bestsellerliste zu nehmen. Schließlich geht es hier um die nationale Sicherheit!!!

(Ironiemodus aus)

Schneekette

14. Juni 2017 12:04

Sehr geehrte Frau Sommerfeld,

was sagt H. hierzu? Was sagt er zu Ihrem Berufsverbot? Was sagt er zu dem alltäglichen Mobbing? Was sagt er zur alltäglichen Sprache des Unmenschens? Was sagt er zu den alltäglichen körperlichen Angriffen, Bedrohungen, Mobbing von Familienangehörigen, zu der Sprache des Unmenschen. Ganz erhlich, was sagt er zu der alltäglichen Sprache des es ist wieder ,soweit'? 

Ist es nicht gerade der Anspruch der ,linken' ,das nächste mal' aufzustehen? Ganz ehrlich, ich würde von meiner Charakterdisposition bei umgekehrten Vorzeichen sogar zu den Kommunisten gehen. Wie hält es er? Nun, da es wieder ,soweit' ist?

Utz

14. Juni 2017 13:33

Gustv Seibt sagt auch über Finis Germania:

"Es gibt nicht mal ein Nachwort, es gibt nicht mal eine biografische Erläuterung, es gibt gar nichts dazu. Das heißt, das Buch wird nicht einmal irgendwie eingeordnet, und schon das macht es hoch problematisch, es wird eigentlich behandelt wie eine Verkündigung oder wie ein heiliger Text und wird geadelt durch den Suizid dieses Autors."

Da hätte ich doch mal einen passenden Vorschlag: Wir wechseln zum betreuten Lesen, so wie man das bei Hitlers "Mein Kampf" auch gemacht hat: eine Seite Sieferle, daneben eine Seite "Einordnung". Das würde diesem gefährlichen Buch doch einiges an Bedrohlichkeit nehmen. Nicht daß allein durchs Lesen ein neuer Hitler entsteht.

M.L.: Besonders hirnrissiger Einwand, den er sich besonders krampfhaft aus den Fingern gezuzelt hat. 1. gibt es ja ein Nachwort von R. Th. Kolb, 2. die wenigsten Kaplakenbände haben aus Platzgründen Nachworte und "Einordnungen" (und wenn, dann nur kurze), und das bedeutet nicht, daß der Verlag darin "Vekündigungen" oder "heilige Texte" sieht (wie kommen diese Leute immer auf solche Ideen?) 3. das Büchlein war in erster Linie für ein gebildetes Publikum gedacht, das ohnehin weiß, wer Sieferle war 4. wenn nun jedes Buch als "hoch problematisch" gilt, weil darin keine "Einordnungen" abgedruckt sind, dann Gute Nacht, geistige Freiheit und Eigenständigkeit, die man dem Leser zumuten darf, 5. Gegen Bücher, die Probleme schaffen, ist ohnehin nichts einzuwenden, es gibt heutzutage eh zuwenige davon.

Gedankenverbrecher M.

14. Juni 2017 13:59

Vielen Dank @ Isarpreiß!

Ich habe wirklich selten so gelacht. Der Link kommt als Ermunterungspille als Lesezeichen in die Browserleiste. Dieser hilflose Versuch, den Nutzern Sieferles Buch als die satanischen Verse schlechthin zu verkaufen ist einfach nur köstlich. CHIP-Autor Thomas Mossburger haut dem Fass mit seiner Buchempfehlung noch den Boden aus.

"KAUFEN SIE DIESES BUCH AUF KEINEN FALL!"

Gustav Grambauer

14. Juni 2017 15:58

Mache mich mit dem Folgenden bei den Katholiken sicher nicht beliebt, und auch Sieferle dürfte sich dort eigentlich nicht beliebt gemacht haben:

Habe seinen Tod zum Anlaß genommen, einmal "Freitod" zu googeln. Ich wollte abgleichen, ob meine Definition davon von der Allgemeinheit geteilt wird: der Weg in den Tod als Setzung eines Fanals oder als Ausweg aus einem Umfeld, in dem es nicht (mehr) möglich ist, gemäß den eigenen Ehransprüchen zu leben. Auch der Forscher im eigenen Laboratorium sollte, schon um sich vom trockenen Schleicher abzugrenzen, mal in einer Situation mit der Faustschen Phiole an den Lippen gewesen sein. Für mich liegt der Freitod ethisch (und ästhetisch) auf der Ebene des Duells, er ist nur etwas für wahre Aristokraten, er ist mithin eine Pride-Parade der Souveränität. Bin ja gegen die UNESCO, aber wenn es sie schon gibt, so sollte man den Freitod gefälligst in deren Weltkulturerbe-Liste aufnehmen.

Es ist erschreckend, was bei meiner Recherche von den Leibeigenen, die ihre Leibeigenschaft nicht einmal bemerken, zum Vorschein kam, die Verhausschweinung ist so weit fortgeschritten, daß heute nicht einmal mehr ein Unterschied zum Suizid des Neurotikers gesehen wird:

https://www.bestattungen-fritz.de/gibt-es-einen-unterschied-zwischen-suizid-selbstmord-und-freitod/

https://www.gutefrage.net/frage/gibt-es-einen-unterschied-zwischen-selbstmord-oder-freitod

- G. G.

Gustav Grambauer

14. Juni 2017 16:24

Utz

"Also, da muß man doch was TUN!"

Hihihi, am besten gibt es keine Autoren mehr sondern nur noch "Schriftsteller", die i. A. der Partei Schriften erstellen. Die Partei kann die erstellten Schriften mit deren Namen autorisieren oder die Autorisierung wie auch immer auflaufen lassen, wobei von Zensur schon aus formaljuristischen Gründen selbstverständlich keine Rede sein kann ...

"Gustv Seibt sagt auch über Finis Germania:"

Bei dieser hochkarätigen Mischung von Glanz und Elend versagt meine Menschenkenntnis.

- G. G.

Monika L.

14. Juni 2017 16:42

Im "gut katholischen" Medienbereich gibt es genau dieselben  Spielchen:

https://www.kath.net/news/59933

Cubist

14. Juni 2017 16:44

@Utz: Danke für den Hinweis auf Seibt, denn dieser "Herr" zeigt erneut schön, wie verkommen die Branche doch funktioniert, hat er doch Monate zuvor das Werk und die Person Sieferles doch ganz anders gesehen. Anlässlich der Veröffentlichung nachgelassener Texte in der (unverdächtigen?) Tumult schrieb er von der "kühl durchdachte Abhandlung des Zivilisationshistorikers Rolf-Peter Sieferle", er freute sich auf kommende Texte, auf eine "kühle, begrifflich leuchtende, welthistorisch vergleichende Darlegung". Ja, Sieferle war damals noch ein "großer Autor". (vgl. https://www.sueddeutsche.de/kultur/ein-aufsatz-am-abgrund-1.3285572)

Im Deutschlandfunk wurde der "Zivilisationskritiker" Sieferle vom "Kritiker" Seibt dann zum Historiker mit "engem Fachgebiet" degradiert, der zufällig auch "gut schreiben" konnte. Über den man aber sonst am besten schweigen sollte, auch weil er postum mit dem Schmuddelkindern gespielt hat.

Niederträchtig. Da fällt mir dann nur noch das vielleicht mehr so bekannte Wort eines verstorbenen Bundeskanzlers ein: "Da hört der Dichter auf, da fängt der ganz kleine Pinscher an!"

Utz

14. Juni 2017 18:06

 @ Cubist

Den Hinweis auf Seibt hat Der Gehenkte gestern hier gegeben.

@ Monika L.

Mittlerweile bin ich bei der katholischen Kirche schon dankbar, wenn es überhaupt noch verschiedene Meinungen gibt.

Martin S.

14. Juni 2017 22:22

"Also da muss man doch was tun!" Nur Autoren zu zensieren reicht nicht! Ein gewisser A.H. aus B.  schrieb an bekannter Stelle: "Ich las damals unendlich viel und zwar gründlich. In wenigen Jahren schuf ich mir damit die Grundlagen eines Wissens, von denen ich auch heute noch zehre." Fazit. Es hilft nichts: Das Lesen muss verboten werden!

ede

15. Juni 2017 03:47

"Was haben wir denn an denen verloren, an jenen deutschen Professoren, die wirklich manches besser wüssten, wenn sie nicht täglich fressen müssten"

Das ist eine Strophe aus Wolf Biermanns'"Die hab ich satt". Meister Lichtmesz schreibt, als ob er die DDR nicht nur kennen, sondern sie erlebt hätte. Respekt und großes Kompliment! Im Übrigen dürfen wir optimistisch sein, die Herde ist in der Zwickmühle. Das geschulte Auge würdigt den Anstand: Durch volle Punktzahl (Saltzwedel), durch Freischaltung der Kommentare (Focus) oder durch übertriebene Nichtempfehlung (chip).

Im Zweifel für den Angeklagten. Das o.a. Lied im Ganzen, aktuell wie vor einem halben Jahrhundert:

https://www.youtube.com/watch?v=WY5S9cBfh3s&sns=em

Sara Tempel

15. Juni 2017 19:39

Die völlig übertriebene, dumme Reaktion der Vollstrecker an den Hebeln der Mainstreammedien zeigt nur ihre Angst, wie bei einem kläffenden Köter. - Andererseits macht die reißende Nachfrage nach "Finis Germania" (s.o. Kubitschek) mir Hoffnung, daß immer mehr Deutsche aus ihrer dumpfen Unmündigkeit erwachen, weil sie den Auschwitzmythos erkennen.

Nemo Obligatur

18. Juni 2017 01:52
@ Leo
Ich will nicht noch einmal ihren ganzen Kommmentar hier als Zitat hineinsetzen. Ich möchte Ihnen nur danken und sagen, daß mir Ihr Kommentar ebensoviel boshaft-geistiges Vergnügen bereitet hat wie der Beitrag von Herrn Lichtmesz selbst.
 
Zu anderen Zeiten hätte man übrigens sicher sein können, daß Sieferle wegen "Papierknappheit" jetzt nicht mehr gedruckt werden könnte.

Caroline Sommerfeld

18. Juni 2017 21:42

@ Schneekette:

Was H dazu sagt? Er hält die ganze Sache für einen entsetzlichen Angriff auf die Meinungsfreiheit, fühlt sich an früher erinnert (sein eigenes Berufsverbot in den 70ern wegen Mitgliedschaft in einer maoistischen Partei), und sprach heute angewidert von den "Diskursethikern gegen die Vogelfreien". Wenn die Außenlinie des konsensuellen Diskurses nach rechts hin überschritten sei, wäre anscheinend heute alles erlaubt.

Dem müsse man eben - das ist durchaus eine Pointe - Minimalbedingungen der Verständigung entgegenhalten. Und gab mir einen Zettel, auf dem er diese formulierte und meinte, ich solle sie Ihnen als sein statement ruhig hier in den Kommentar schreiben:

Bedingungen für den Dialog mit Linken. Ich zitiere:

1.) Teilen oder zumindest Verstehen des hellen Entsetzens, das die Untaten deutscher Frauen und Männer, begangen in Wehrmacht, Polizeieinheiten, Verwaltung, SS und anderen Organisationen der Nazis 1933-45, bis heute in meiner Generation auslöst.

Die Bedingungen 2. bis 4. benennen Anerkenntnis des Holocausts, die Elitenkontinuität der Nazis bis in die 60er Jahre, die historisch notwendige Rolle der 68er als Aufklärer, zuguterletzt

5.) „Abweisung aller Möglichkeiten von ethnischen Säuberungen oder Strategien, die darauf hinauslaufen. Eindeutige Distanz zum Rassismus.

Je nun. So verhält er sich dazu.

Jürg_Jenatsch

18. Juni 2017 23:19

Der ebenso treffende, wie boshafte Kommentar von Martin Lichtmesz hat mir fast ebensoviel Vergnügen bereitet, wie die Lektüre des kleinen Büchleins von Rolf Peter Sieferle. Köstlich die Schilderung, wie Andreas Wang selbst vor dem kleinsten linken Würstchen zu Kreuze gekrochen ist. Die innere Partei ist aber nur bedingt stolz auf so unaufmerksame Streiter wider der bösen rechten Versuchung. Solch eine Posse und Dekuvrierung der Charakterschwäche kann man eigentlich nicht erfinden, die ist nur im 72. Jahr der fortdauernden Charakterwäsche möglich.

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