28. Juni 2017

Politische Paradoxien II

Martin Sellner / 15 Kommentare

Es beschreibt die Notwendigkeit einer metapolitischen Bewegung, in der Provokation die Gesellschaft zu polarisieren und dabei manchmal auch ihre eigene Sympathisantenbasis vor den Kopf zu stoßen. Das Verständnis dieser Dialektik ist besonders wichtig, bedeutet es doch auch das Begreifen des Unterschieds von Partei und Bewegung.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Dazu erst einmal eine Metapher: Die Bewegung hat die Funktion der Axt, die Partei die des Pfluges. Die Bewegung erschließt metapolitisches Land und macht es urbar. Sie wühlt auf und ist disruptiv. Die Partei beackert und bearbeitet das erschlossene Gebiet. Während sie sich stets im Rahmen des Möglichen und Gangbaren bewegt und durch geschickte „Triangulation“ die anschlußfähigste Position sucht, muß die Bewegung den Rahmen selbst aufbrechen und erweitern.

Die primäre Aufgabe der Partei ist die Gewinnung realpolitischer Macht durch die Maximierung von Stimmen. (Es sei denn, sie ist eine „taktische Bewegungs-Partei“, die als radikale Flanke für die eigentlich entscheidende Partei dienen will.) Ihr Erfolg mißt sich zuletzt am Wahltag in einer quantitativ bemessbaren Stimmenzahl, für die sie ihre Forderungen so anschlußfähig wie möglich positionieren muß. Das Werkzeug der Provokation sollte von ihr, wenn, eher zur Gewinnung von Aufmerksamkeit angewandt werden.

Die metapolitische Bewegung – und deswegen ist sie für eine Partei unerläßlich – bearbeitet den Rahmen der „Normalität“, in welchem die Partei nach Anschlußfähigkeit sucht. Um ihn zu erweitern, muß sie regelmäßig, gezielt und kontrolliert die Grenze des Sagbaren überschreiten.

Ihr Element ist die Provokation. Doch diese ist nur wirksam, wenn sie eine Masse an Sympathisanten erreicht. Die Bewegung muß eine ausreichende Masse an Aktivisten und Sympathisanten sammeln, um langfristige Strategien des zivilen Ungehorsams und Kampagnen gegen die Pillars of support (Gene Sharp) der herrschenden Ideologie zu fahren.

In diesen Unternehmungen, und um den Rahmen zu erweitern, muß die Bewegung notwendig polarisieren und Aktionen vorlegen, die das Schweigen brechen. Auch wenn viele ihrer Meinung sind, gibt es in der Mitte der Gesellschaft und insbesondere rechts von ihr eine prinzipielle Gegnerschaft zu politischem Aktivismus. Das bedeutet, daß die Bewegung, je mehr sie provoziert und polarisiert, auch an Anschlußfähigkeit verliert und ihre Sympathiebasis verjüngt, die sie zur metapolitischen Wirksamkeit benötigt. Damit ist das Paradoxon auf den Punkt gebracht. In ihm zeichnen sich zwei verschiedene Aufgabenbereiche ab.

Es handelt sich dabei um das mittlerweile vielzitierte Overton window. Es ist der Raum des Sagbaren, an dessen Mitte sich seine betriebsblinden Insassen orientieren. In unserem hypermoralischen, totalitären Sozialstaat bedeutet die Kontrolle dieses Raums auch die Deutungshoheit über die zu „Grundwerten“ mutierten Grundrechte und damit die absolute Macht. Souverän ist heute, wer über den Rahmen der Political correctness bestimmt. Auch die rechtspopulistischen Parteien müssen sich in ihrer Aufgabe der Stimmenmaximierung diesem Souverän beugen.

Leider „naturalisieren“ viele diese pragmatische Notwendigkeit zur politischen Tugend. Sie verdrängen, daß das gesamte Bezugssystem seit Jahrzehnten nach links gerückt ist. Deswegen ist Lenins Kritik am „Opportunismus“ auch heute noch treffend: „Gegenwärtig machen wir Opposition, und NACH Eroberung der Macht werden wir weiter sehen. DIE REVOLUTION VERSCHWINDET! Das war gerade das, was die Opportunisten brauchten.“

Die Revolution, das ist in unserem metapolitischen Konflikt der Aufstand gegen die Political correctness und die Talfahrt in den links-universalistischen Wahnsinn, auf der sich das Overton window seit Jahrzehnten befindet. Jeder, der diese großen Zusammenhänge nicht sieht und sich „mittig“ orientieren und am „Massengeschmack“ anpassen will, OHNE diesen abzuholen, zu bilden und in die Gegenrichtung zu ziehen, macht sich zum Handlager der Gegner.

Er glaubt, zur Mitte und zur „Normalität“ zu streben, geht aber objektiv in Richtung des linken Extrems, das uns heute als „neue Mitte“ verkauft wird. Die Beispiele sind Legion. Daß es auf einmal „völkisch und rassistisch“ ist, ein ethnisch und kulturell homogenes Land zu wollen, daß Geburtenförderung automatisch unter „Lebensborn“-Verdacht steht, daß wir den Bevölkerungsaustausch und den Status als „Einwanderungsland“ als Normalität hinnehmen müssen, daß Kriegerdenkmäler entfernt und die Genderideologie im Lehrplan immer früher angesetzt wird – all das ist Ergebnis der linken Verschiebung des Overton windows.

Wie können Partei und Bewegung dagegenhalten? Wie verschiebt man dieses Fenster, wenn man keine Deutungshoheit innehat? Das Mittel ist die planmäßige, anschlußfähige Provokation. Die Normalitäten, die derzeit noch als „zu extrem“ gelten, müssen regelmäßig, sichtbar und provokant im Diskurs platziert werden. Der Grenzgang über den Rand des Fensters muß von einer Avantgarde regelmäßig durchgeführt, wiederholt und etabliert werden, bis sie kleine metapolitische Außenposten errichtet. Diese Aktionen schleifen sich in den Diskurs ein und verändern ihn.

Sofern sie die zentralen Ressourcen Aufmerksamkeit und Zuspruch der Masse erhält, führt diese Wiederholung zu Normalisierung und Etablierung. Das, was als „zu extrem“ gilt, wird neu verhandelt, und das politische Fenster rückt in die Gegenrichtung. Drei Schritte vor und zwei zurück – das war die Taktik der linksradikalen Fundis und linksmoderaten Realos. Zwischen gezielten Schocks und konzilianter Gemütlichkeit zwangen sie die metapolitische Landschaft Deutschlands nach links. Die notwendige und überfällige Antwort kann und muß sich derselben Mittel bedienen.

Forderungen nach Grenzschließung und Remigration, dem Erhalt unserer ethnokulturellen Identität und einem Ende der Zensur müssen so lange wiederholt werden, bis das Overton window wieder in eine gesunde Mitte gerückt ist. Dabei gilt: Die vielen kleinen Stiche und Vorstöße über seine gut bewachte Grenze sind nur effektiv, wenn sie eine große Gruppe aus dem oppositionellen Lager „mitreißen“. Wenn sie keine Sympathisanten mit über die Grenze ziehen, sind sie sinnlos. Sie „bespielen“ nur das Bestehende, was zwar einen Mann (oder eine ganze Redaktion) ernähren, aber nicht die notwendige Lageänderung herbeiführen kann.

Die „anschlußfähige Provokation“ ist der Weg aus dem Polarisierungs-Paradox. Sie erfordert zum ersten eine provokante Gelassenheit der aktivistischen Bewegung. Unser Ziel kann gar nicht sein, allen und jedem zu gefallen. Frances Fox Pivon schreibt in ihrem Buch Challenging Authority: „Konflikt ist der Herzschlag sozialer Bewegungen.“ Die Polarisierung „zwingt die Menschen, sich zu fragen, wo sie in bezug zu Themen stehen“. „Protestbewegungen drohen, die Mehrheitskoalitionen, die Politiker emsig zusammenhalten wollen, zu spalten. Um die folgenden Abgänger zu verhindern oder die Abgänger aufzuhalten, initiieren Politiker neue öffentliche Standpunkte.“ Genau so ist die Übernahme der AfD- und FPÖ-Forderungen durch CDU und ÖVP zu verstehen. Sie ist kein Grund zur Verzweiflung, aber auch kein Grund zum Feiern, sondern zum gestärkten Vorstoß gegen das linkslastige Overton window.

Dieser gerät notwendig in Konflikt mit der habituellen Bequemlichkeit und Feigheit der „subjektiven Mitte“, die ungern an den Veränderungsbedarf der objektiven Lage erinnert wird. Das Phänomen, daß das oppositionelle Lager zwar mit den Ideen der Bewegung, weniger aber mit ihren Aktionsformen sympathisiert, ist so alt wie politischer Widerstand selbst. Man darf keine Angst davor haben, auch aus den eigenen Reihen Kritik zu ernten. Viele Aktionen der IB (wie etwa die Audimax-Störung) wurden von gemäßigten Fans bereits als „zu radikal“ bekrittelt.

Doch hier befinden wir uns in guter Gesellschaft. Auch die erfolgreichen Polarisierungsstrategien von Martin Luther King und Mahatma Gandhi wurden von befreundeten Zeitgenossen als kontraproduktiv betrachtet. So ging es King nach dem bekannten „Projekt C“, der gezielten Konfrontationstaktik in einer der Hochburgen der Apartheid, nämlich Birmingham. Massive Polizeigewalt und Festnahmen waren provoziert worden, und auch King selbst war in Haft, da er sich einem Versammlungsverbot widersetzt hatte.

Als er seinen bekannten „Gefängnisbrief“ schrieb, hagelte es Kritik von Seiten der liberalen, weißen Unterstützer. „Wir verstehen die Ungeduld der Menschen, die das Gefühl haben, daß ihre Hoffnungen nur langsam realisiert werden“, schrieb eine Gruppe von acht bekannten, liberalen Bürgerrechtlern aus Alabama, „aber wir sind überzeugt davon, daß diese Demonstrationen unklug und nicht zeitgerecht sind.“ Damit würde King die gesamte „Mitte der Gesellschaft“ verschrecken.

Auch Gandhis Widerstand wurde von den Opportunisten seiner Zeit als kontraproduktiv betrachtet. Doch er ist ebenso „kontraproduktiv“, wie der Konter im Fußball die eigene Abwehr schwächt – also kontraproduktiv aus den Augen des Tormanns. Der Blick des Trainers muß allerdings das Ganze im Auge behalten und erkennen, wo und wann Polarisierung und anschlußfähige Grenzüberschreitung geboten ist.

In ihrem Buch This Is an Uprising fassen das Mark und Paul Engler gut zusammen. Die politische Bewegung

benutzt Disruption, Opferbreitschaft und Eskalation, um Spannung aufzubauen und übersehene Themen ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu bringen. An ihrem Zenit will sie 'Moments of the whirlwind' erzeugen, in denen Ausbrüche dezentraler Aktionen weit über die institutionellen Grenzen ihrer Organisation hinausgehen. Sie ist bereit, die öffentliche Meinung zu polarisieren und die Kontroversen zu riskieren, aber behält eine gewaltlose Disziplin bei, um sicherzustellen, daß die breite Basis der Unterstützung nicht unterminiert wird. Und sie ist sich bewußt, daß sie mit anderen Organisationsformen zusammenarbeiten muß, um Erfolge zu institutionalisieren und eine Gegenkultur aufzubauen, die Widerstand über eine lange Zeit aufrechterhalten kann.

Das Paradox der politischen Identität und der Polarisierung zu verstehen und zu meistern, ist eine tägliche Aufgabe, mit der die „Köpfe“ der neuen patriotischen Bewegung meist recht alleine dastehen. In diesem Text wollte ich sie erstmals darlegen, um möglichst viele Mitglieder dieser Bewegung zum Mitdenken anzuregen. Zwischen allen Überlegungen und Abwägungen kristallisiert sich ein einziges, klares Gebot heraus: Struktur, Ordnung und Disziplin. Die verschiedenen Teile des Lagers können am besten funktionieren und zusammenwirken, wenn sie ihre verschiedenen Aufgaben im Ganzen verstehen und damit die Notwendigkeit einer klaren Trennung erkennen.

Insbesondere das Polarisierungs-Paradoxon ist eigentlich keines, sondern stellt aus einer höheren, strategischen Position verschiedene Aufgabenbereiche dar. Man kann nicht gleichzeitig Parteipolitiker und Aktivist einer Bewegung sein, ebensowenig wie man gleichzeitig Tormann und Stürmer sein kann. Die Provokation durch Überschreitung des Overton window und die Gewinnung der mittigen Masse schließen sich aus, müssen aber zusammenwirken. Keiner wird dem Tormann vorwerfen, daß er den Ball in die Hand nimmt, oder dem Stürmer vorhalten, daß er den Strafraum verläßt. Ebenso kann keiner der Bewegung vorwerfen, daß sie polarisiert, eine exklusive politische Identität und provokante Gegenkultur aufbaut, während die Partei die Aufgabe hat, in der so gelockerten politischen Landschaft neue Mehrheiten zu bilden und realpolitische Erfolge zu erzielen, was, wie Lenin ebenso weiß, nicht geht, ohne zu „lavieren, zu paktieren, im Zickzack vorzugehen, Rückzüge anzutreten und ähnliches mehr“.

Die Aufgabe der Parteien und mittig orientierten Zeitungen und Thinktanks ist es, bei ihrem notwendigen Abholen der Mitte nicht den Zielort zu vergessen. Sie müssen erkennen, wo und wann der Rahmen sich erweitert und das von der Bewegung erschlossene Gebiet rasch gesichert und „besiedelt“ werden muß. Je weniger sie institutionell mit dieser Bewegung vernetzt sind, desto erfolgreicher ist das möglich. Die klare Trennung und Arbeitsteilung ermöglicht erst ein metapolitisches Zusammenwirken und eine effektive Solidarität im Fall der Dämonisierung und Repression.

Lassen sich Partei und Co jedoch von dem Polarisierungs-Paradox ins Boxhorn jagen und nutzen die abschreckende Wirkung der Provokation als Grund, um sich rasch bei der Mitte anzubiedern, sind sie zu Agenten des Linksrucks geworden. Für die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel ist ein zumindest indirekter, intellektueller Austausch notwendig. Meine Überzeugung ist, daß dieser um so besser funktioniert, je klarer sich jeder seiner Aufgabe und Funktion bewußt ist, kurz: je mehr der Tormann Tormann und der Stürmer Stürmer ist.

Die metapolitische Katastrophe wäre eine in ihrer eigenen sektiererischen Hyperidentität verschlossene, versprengte Bewegung, die sich weitab des Overton window als „Avantgarde“ wähnt, während sie längst den Kontakt zum Haupttroß verloren hat. Dieser wird indes von einem stil- und visionslosen Opportunistenklub namens „Partei“ unter vorauseilendem Distanzieren „zur Mitte“ geleitet. Beides sind Fluchtbewegungen ins Extrem, die sich einstellen, wenn ein strategisch-geistiges Zentrum fehlt.

Der Anarchismus war nicht selten eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung. Beide Auswüchse ergänzten einander. (Lenin)

Diese Katastrophe kann nur verhindert werden, wenn die kurzsichtigen Egoisten in beiden Lagern, die nur ihre Rolle, nicht aber das Spiel verstehen, nichts zu melden haben. Ordnung und Struktur müssen einkehren, um die neue patriotische Bewegung durch die Meerenge der politischen Paradoxien zu schiffen. Nur wenn sich in allen Gruppen, Parteien und Bewegungen eine neue, metapolitische Elite durchsetzt und jeweils die Opportunisten und Extremisten, Visionslosen und Anarchisten entmachtet, kann das große Werk gelingen.

PS: Um diesem Artikel zu höherer Aufmerksamkeit und der Sezession zu Klicks zu verhelfen, benenne ich als Vertreter der „mittig orientierten Zeitungen“ unter anderem Rainer Meyer aka Don Alphonso, Roger Köppel, Henrik Broder, Jan Fleischhauer, Christian Ortner, Michael Fleischhacker, Rüdiger Safranski, Robin Alexander und Alice Schwarzer. Mögen sie erkennen, daß ihre subjektive Mitte objektiv linksextrem und für die Herren des Diskurses die neurechte Bewegung letztlich nur ein Epiphänomen des liberalen, begrenzten Rechtsstaats und der Eigentumsfreiheit ist.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (15)

Abdiel
28. Juni 2017 19:09

Der rechte Mann zur rechten Zeit. Sans pareil. DANKE!

Gotlandfahrer
28. Juni 2017 19:32

Ich verneige mich. Nur zum Schlußsatz: Die erkennen nix, Menschen erfühlen nur, selbst / gerade die smartesten. Ich persönlich fühle mich diesbezüglich von diesem Vortrag erhellt:

https://www.ted.com/talks/jonathan_haidt_on_the_moral_mind?language=de#t-1096319

Alles Gute und Danke!

Der_Jürgen
28. Juni 2017 21:30

Eine Analyse, die man nur in höchsten Tönen loben kann. Ich möchte auf einen besonders wichtige Aspekt eingehen. Sellner schreibt:

"Die Normalitäten, die derzeit noch als 'zu extrem' gelten, müssen regelmässig, sichtbar und provokant im Diskurs plaziert werden."

Die - sehr heike - Aufgabe einer Bewegung wie der identitären, die, um Sellners schönen Vergleich aufzugreifen, als Axt fungiert und damit das Land rodet, damit eine politische Partei es dann als Pflug beackern kann, besteht darin, die Grenzen des Sagbaren so behutsam zu erweitern, dass sofortige staatliche Repressionen vermieden und die gehirngewaschene Öffentlichkeit nicht vor den Kopf gestossen wird.

Wenn die "Axt" mit dem "Pflug" kooperiert und zumindest eine inoffizielle Allianz zwischen beiden besteht, muss die Bewegung ausserdem darauf achten, dass sie der Partei mit ihren Aktivitäten nicht schadet. Letzteres ist natürlich vor allem dann schwierig, wenn die Partei, wie heute die AFD, von unzuverlässigen Elementen geführt wird, denen man es nicht abnimmt, dass sie einen wirklichen Wandel anstreben. Die IB darf sich ihr Handeln nicht von der AFD vorschreiben lassen, schon gar nicht von falschen Fuffzgern wie Petry und Pretzell.

Björn Höckes Dresdener Rede gegen den Schuldkult, obgleich inhaltlich sehr gut, war für die AFD parteipolitisch und wahltaktisch schädlich. Sie bot den Lügenmedien willkommenen Anlass zu einer Hetzkampagne und veranlasste die Führungsspitze, auf Distanz zu Höcke zu gehen.

Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl wäre es das Klügste gewesen, sich ganz auf das Problem Nummer eins, die Umvolkung, zu konzentrieren und Fragen wie den Schuldkult erst nach September zur Sprache zu bringen, am besten gleich im Bundestag. Darum wäre es eigentlich wünschenswert gewesen, dass sich die IB sich dieses Themas angenommen hätte und nicht ein AFD-Mann.

Unter gar keinen Umständen darf die IB aus taktischen Gründen einen Bückling vor dem Gesslerhut vollziehen, denn damit würde sie ihre Seele verkaufen. Dies traue ich Sellner und seinen Kameradinnen und Kameraden aber nicht zu.

Solution
28. Juni 2017 22:54

Mit das Beste, was Herr Sellner geschrieben hat. Diese theoretischen Überlegungen sind äußerst wertvoll und hilfreich. 

Die Frage ist aber, ob uns nicht vor allem humanwissenschaftliche Erkenntnisse die fehlenden Bausteine liefern können, um z.,B. zu erklären, warum es bei der Umsetzung dieser theoretisch zutreffenden Überlegungen dennoch nicht vorangeht, sondern stagniert.

Wie wäre die Einbeziehung der r/K-Theorie, wie sie z,B. der "Anonymous Conservative" in seinem Buch "The Revolutionary Psychology Behind Politics" dargelegt hat. 

Dies würde bedeuten, daß der r-Typ in Westen nur solange im Vorteil ist, wie die Ressourcen ausreichend vorhanden sind. Bei deren Verknappung würde dann der K-Typus seine Stärke ausspielen und sich durchsetzen können. Vielleicht würde dies auch bedeuten, daß wir uns abstrampeln können, wie wir wollen, ein erfolgreiches Voranschreiten aber tatsächlich erst nach einem bestimmten Grad an Verknappung möglich wäre. Dann allerdings mit einer gewissen Zwangsläufigkeit?

Franz Bettinger
29. Juni 2017 01:02

Das Polarisierungs-Paradoxon beschreibt die Notwendigkeit der Provokation und riskiert dabei, die eigene Sympathisanten-Basis vor den Kopf zu stoßen. So schreibt Martin Sellner sinngemäß. Eine meta-politische Bewegung (wie die Identitären) müsse aber gezielt und kontrolliert die Grenze des Sagbaren überschreiten.

Stimmt, und ich möchte dies am Beispiel eines beim Laien sehr negativ besetzten Begriffes verdeutlichen. Man könnte wie M. Klonovsky in seinem Jahrbuch "Schilda wird täglich bunter" zugespitzt behaupten:

Rassismus ist ein Menschenrecht. Diese Provokation würde die meisten Adressaten zunächst vor den Kopf stoßen, und die Journaille würde sich wütend darauf stürzen. Aber nur um festzustellen, dass ein solcher Satz wohl begründet sein kann. Nämlich so:

Das Bevorzugen des Eigenen (Familie, Stamm, Volk, Rasse) dient der Art-Erhaltung. Der Schutz des Eigenen und die Liebe zu dem, was einem nahe ist, ist ein weltweites, in der Evolution verankertes Prinzip. Die Grünen aber nennen dieses Naturgesetz Rassismus, wenn auf die Ethnie bezogen; Chauvinismus oder Nationalismus, wenn auf die eigene Gruppe oder das eigene Volk bezogen; oder einfach Egoismus.

Die defensiven Vorbehalte Fremden und Fremdem gegenüber sind aber so alt wie die Menschheit selbst. An der Bevorzugung des ethnisch und kulturell Ähnlichen und auch an der Abneigung von Andersartigem können nur Heuchler etwas aussetzen. Ein arterhaltender defensive Rassismus ist biologisch so tief in uns angelegt, dass wir häufig nicht nur Angst, sondern geradezu einen Ekel verspüren, wenn wir Dinge mit ansehen oder tun müssen, die uns fremd sind. In seinem Innern ist der Mensch rassistisch. Die entrückten Schlägertrupps der Linken, die am lautesten das Gegenteil brüllen, bestätigen diesen Sachverhalt eindrücklich.

Wer für sich bleiben will, sollte sich deshalb nicht entschuldigen müssen. Und wer die Verschiedenheit liebt, sollte dafür sorgen, dass es auch morgen noch verschiedene Menschen, Völker und Rassen gibt in all ihrer Exotik und Eigentümlichkeit.

So sehr ich den pauschalierenden Rassismus, der keinem Fremden eine Chance gibt, auch verurteile, so sehr begrüße ich den distinktiven und den defensiven Rassismus. Die Linken, die ich kenne, sind zu solchen Unterscheidungen weder intuitiv noch intellektuell in der Lage. Der Weg vom Vorurteil über die vage Meinung und das Urteil in Richtung Wahrheit ist mit Argumenten gepflastert, mit nichts anderem.

Zu welch einem verrotteten, vergewaltigten Gesinnungs-Staat ist dieses Land verkommen, das wir vor 22 Monaten noch ohne Erklärung oder Entschuldigung unsere Heimat nennen durften. Heute sind wir einer claudiarothesken Propaganda unterworfen. Viele, die ich früher für klug hielt, wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen juristischem und gewachsenem Deutsch-Sein. Der Unterschied besteht in der DNS, nicht in einem Stück Papier, genannt Reisepass.

Im übrigen - ich zitiere hier wieder Klonovsky sinngemäß: 'Wer rund um die Uhr mit Allah und sonst nichts im Kopf herumrennt, seine Frauen in Stoffkäfige sperrt, als wären es Kanarienvögel; wer Wein und Musik für Sünde hält und unsere Grenzen und Gesetze gering schätzt; wer glaubt, unser Land mit Ideen aus dem Mittelalter missionieren zu müssen - der ist kein Deutscher, auch wenn seine Oma hier geboren sein sollte. Er bleibt ein Fremder, dem man auch in der 3. Generation seine gepflegte Fremdheit und Feindseligkeit ansieht. Es bleibt eine tiefe ethnische, soziale und psychische Fremdartigkeit. Was für ein Unsinn, an jeden Dahergelaufenen unser Deutschtum zum Nulltarif verteilen zu wollen. Heute Deutscher, morgen Inder und übermorgen wieder der alte Nigerianer'.

Wie ist es mit den Juden, die im Laufe der Jahrhunderte nach Europa eingewandert sind, sind sie Europäer geworden? Ja. Ja, man kann es werden. Man kann sogar zu einem Heine, oder Einstein werden. Aber man wird es nicht einfach durch Orts- und Pass-Wechsel, nicht quasi automatisch, sondern durch Leistung, Bewährung und Assimilation. Letztere braucht keinesfalls genetischer Natur zu sein.

Was man ist, erschließt sich einem selbst des Nachts aus den Träumen, in denen man sich seinem wahren Volk, seinen wirklichen Ahnen verpflichtet fühlt'. DAS wäre die Nagelprobe.

In Neuseeland gibt es viele Gemischt-Rassige: Ureinwohner, Asiaten, Chilenen, usw., und sie sagen mit größter Selbstverständlichkeit: Ich bin halb Maori und halb Pakeha. (Das sind alle Europäer, Weise - Kaukasier). Das Wort Rasse hat im Ausland keinen schalen Beigeschmack - nur im hirngewaschenen Deutschland. Soweit das provokative Beispiel Rassismus. Ich denke, man kann das Wort von viel negativem Ballast 'befreien', wenn man, ja - wenn man den Stier bei den Hörnern packt. 

Und damit wäre wieder Land gewonnen, ein weiteres Wort der Verunglimpfung entrissen. Man muss sie zurückholen, die verbrannten Begriffe. Wort für Wort. - Freilich ist dises Unterfangen riskant. An der Front wird scharf geschossen. Wer die besseren Argumente hat, sollte aber am Ende obsiegen. Privat halte ich es so wie Martin Sellner: Ich provoziere und mache damit keine schlechten Erfahrungen.

Es herrscht nämlich über uns eine Diktatur der Worte, die es zu brechen gilt. Möglicherweise braucht man Jahre. Ich sehe indessen keinen anderen Weg, als die ersten Schritte dahin zu tun.

Der Feinsinnige
29. Juni 2017 03:45

Sehr geehrter Herr Sellner,

zunächst spreche ich Ihnen – und bekräftige damit vorherige Äußerungen meinerseits auf diesem Block - meine Hochachtung für Ihre Arbeit, für Ihr Engagement, für Ihre Gedanken und Äußerungen aus, die ich oben und in den letzten Monaten zur Kenntnis nehmen konnte. Sie und die IB insgesamt sind wirkliche Hoffnungsträger für unser Land und unseren Kontinent. Trotzdem möchte ich Ihren obigen Artikel zum Anlaß nehmen, auf die Gefahr hin, OT zu geraten, einen Sachverhalt aufzugreifen, der mich persönlich seit einiger Zeit bedrückt, und zwar anknüpfend an Ihre obige Formulierung: „Viele Aktionen der IB ... wurden von gemäßigten Fans bereits als ,zu radikal´ bekrittelt.“ Da ich mich persönlich mit der Einordnung eines „gemäßigten Fans“ der IB genau richtig charakterisiert fühle, bitte ich um Verständnis, die Aktion vor dem Bundesjustizministerium in Berlin anzusprechen. Unabhängig davon, ob die symbolische „Besetzung“ (oder zumindest Erklimmung) eines Regierungsgebäudes, wie sie nach Medienberichten offenbar geplant war und wohl scheiterte, zu weit geht oder nicht (sog. „Regelverletzungen“ zählen, soweit sie gewaltfrei ablaufen, seit den „68ern“ durchaus zum legitimen politischen und demokratisch zulässigen Kampf; die Teilnehmer müssen sodann jedoch gegebenenfalls juristische Konsequenzen mit einkalkulieren und hinnehmen, gegebenenfalls auf finanzielle Abpolsterung durch Spenden vertrauend) – abgesehen davon ist in Berlin doch etwas gehörig schiefgelaufen, vgl. nur (mit weiterführenden Links):

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/gefaehrliche-koerperverletzung-ex-schatzmeister-der-afd-jugendorganisation-verhaftet-27020572

Dieser Vorfall war angesichts des gerade auch von Ihnen auf Ihrem Vortrag vor einigen Monaten in Schnellroda so überzeugend formulierten gewaltfreien Anspruchs der IB sicher weder geplant noch gewollt. Und: Ein Beschuldigter bzw. Angeklagter hat bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig zu gelten. Aber: In diesem speziellen Fall vermisse ich bisher (bitte korrigieren Sie mich, falls ich etwas nicht mitbekommen habe) eine öffentliche Stellungnahme von Verantwortlichen der IB, zumindest ein Bedauern gegenüber der Polizei – ggf. unter Ablehnung einer Anerkennung eines strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens, dessen Feststellung oder Verneinung ohnehin Sache der Justiz ist. Ein solcher Vorfall wirkt in der breiten Öffentlichkeit fatal und darf einfach nicht (wieder) passieren. Vielleicht war der Grundfehler, ein Regierungsgebäude als Ziel der Aktion zu nehmen, weil der besondere und wohl ständige Schutz eines solchen Gebäudes  durch die Polizei doch wohl zu der unnötigen und bedauerlichen Konfrontation des Herrn Brämer mit dem Polizeibeamten entscheidend beigetragen haben dürfte. Ich persönlich bin (bis zum Beweis des Gegenteils) zwar überzeugt davon, daß „im Eifer des Gefechts“ wirklich etwas schiefgelaufen ist und daß Herr Brämer den Polizeibeamten keineswegs gefährden oder gar verletzen wollte. Trotzdem bleibt das verheerende Bild, das in der Öffentlichkeit entstanden ist, und zwar auch und gerade durch die tagelange Fahndung mit Haftbefehl (warum hat Herr Brämer sich nicht umgehend gestellt?), der ja nun außer Vollzug gesetzt ist. Der gesamte Vorgang hat objektiv nichts damit zu tun, wie mehr oder weniger „radikal“ Aussagen und Aktionen der IB konzipiert sind, da es sich wohl nur um eine Art Unfall gehandelt haben dürfte; er ist aber geeignet, das auch für „gemäßigte Fans“ annehmbare Bild zu (zer)stören, welches die IB ansonsten durchweg mit ihren Aktionen abgibt. Daher wünsche ich mir zutiefst auch nach so relativ langer Zeit noch eine „offizielle“ Stellungnahme der IB zu diesem Vorfall. Auch wünsche ich mir ein noch intensiveres Nach- bzw. Vordenken bezüglich der auszuwählenden Ziele von Aktonen. Ich schreibe dies alles, gerade weil ich mit der IB sympathisiere und die Aktionen der IB und Sie persönlich und Ihre Arbeit mit Hochachtung verfolge.

Lotta Vorbeck
29. Juni 2017 04:22

@Der_Jürgen - 28. Juni 2017 - 07:30 PM

...

Unter gar keinen Umständen darf die IB aus taktischen Gründen einen Bückling vor dem Gesslerhut vollziehen, denn damit würde sie ihre Seele verkaufen. Dies traue ich Sellner und seinen Kameradinnen und Kameraden aber nicht zu.

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Kameradinnen und Kameraden?

Herr K.
29. Juni 2017 12:40

Ich kann diese genannten Paradoxa verstehen und aus der eigenen Erfahrung unterschreiben. Es gibt auch innerhalb der IB die Herausforderung, neue Charaktere zu integrieren, die wiederum als Persönlichkeit nur schwer in bestimmte Raster passen, aufgrund ihres Auftretens Unverständnis provozieren. Es muss nicht alles eingeebnet werden, solange der gemeinsame Nenner stimmt: die Wiedererlangung unserer Souveränität als autochthone Bevölkerung!

Letztlich wird auch die Anschlussfähigkeit (und das im ganz pragmatischen Sinn) bestimmen, wie breit die IB ihren Erfolg feiern wird. 

Genug gequatscht, jetzt wird für das Boot gespendet....

Herr K.
29. Juni 2017 12:49

@ solution

Da brauchen Sie keine sozialwissenschaftliche Studien dafür. Den Leuten gehts schlichtweg viel zu gut. Wozu Aufstand??? Es gibt doch die Bundesliga, solange die Neger genügend Tore schießen ist doch alles prima. Solange man sich den Billigschrott aus China auch mit H4 leisten kann, wozu Aufstand? Kommen Sie jetzt nicht mit Moral. Moral und Deutschland der Masse 2017 ist ein schräger Ulk, sonst leider nix.

Und genau da muss die IB ein Gegenstück bilden, allerdings mit Ethik. Erst wenn es zu einer wirtschaftlichen REZESSION kommt können sich Dinge wieder grundlegend verändern. Denn erst dann ist der Veränderungsdruck  wieder da....leider!

calculus
29. Juni 2017 12:50

@Lotta Vorbeck

Kameradinnen und Kameraden?

Gestehen muß ich, daß ich ob dieser Formulierung ebenfalls ein wenig gestutzt habe. Soviel ich weiß, spricht die IB von Gefährten, und ich kann mir schlechterdings vorstellen, daß dort von Gefährtinnen und Gefährten die Rede ist. Ebensowenig allerdings kann ich mir vorstellen, daß der hochgeschätze Mitforist @Der_Jürgen bei seinem Beitrag diesen Geßlerhut im Sinn hatte.

Konstantin D.
29. Juni 2017 14:47

"Lassen sich Partei und Co jedoch von dem Polarisierungs-Paradox ins Boxhorn jagen und nutzen die abschreckende Wirkung der Provokation als Grund, um sich rasch bei der Mitte anzubiedern, sind sie zu Agenten des Linksrucks geworden." 

Was ich mich seit einiger Zeit frage, ist , wie ich ein gewisses konservatives Wochenblatt einzuordnen habe, das ich noch beziehe.

Lyrurus
29. Juni 2017 14:49

Ich empfinde das nicht als Paradoxon. Eher als Arbeitsteilung - alle Beteiligten müssen sich dessen nur bewusst sein.

Der_Jürgen
29. Juni 2017 19:10

@Lotta Vorbeck @Calculus

Ja, ich hätte statt "Kameradinnen und Kameraden" auch "Kameraden und Kameradinnen" oder "Gefährten und Gefährtinnen" schreiben oder mich auf die männliche Form beschränken können. Ich fühle mich keineswegs verpflichtet, die weibliche Form hinzuzufügen, tue es aber manchmal spontan.

Das war aber ganz gewiss nicht der "Gesslerhut", von dem ich sagte, dass sich die IB niemals vor ihm verneigen dürfe. Ich meinte den Grossen Gesslerhut, vor dem in Deutschland jeder einen untertänigen Bückling vollziehen muss, der an die Fleischtöpfe des Systems will.

Alles klar, geschätzter Calculus?

 

 

calculus
29. Juni 2017 19:56

@Der_Jürgen

Das war aber ganz gewiss nicht der "Gesslerhut", von dem ich sagte, dass sich die IB niemals vor ihm verneigen dürfe. Ich meinte den Grossen Gesslerhut, vor dem in Deutschland jeder einen untertänigen Bückling vollziehen muss, der an die Fleischtöpfe des Systems will.

Alles klar, geschätzter Calculus?

Es ist genau das, was ich, zugegebenermaßen etwas ironisierend, zum Ausdruck bringen wollte.

Daniel Fiß
29. Juni 2017 20:42

@ Der Feinsinnige

Pressemitteilung vom 25.05.2017, die auch am selben Tag über alle Social Media Kanäle der IBD verbreitet wurde.

https://www.identitaere-bewegung.de/presse/medial-inszenierte-hetzjagd-gegen-patrioten/

Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, ist es auch immer ein Balanceakt zwischen der öffentlichen Kommunikation und der juristisch-prozessualen Strategie. Demnach ist einerseits das Erkenntnisinteresse der eigenen Sympathisanten verständlich und andererseits geht es um den uneingeschränkten Rechtsschutz des Angeklagten.

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