Politische Paradoxien II

Es beschreibt die Notwendigkeit einer metapolitischen Bewegung, in der Provokation die Gesellschaft zu polarisieren...

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

und dabei manch­mal auch ihre eige­ne Sym­pa­thi­san­ten­ba­sis vor den Kopf zu sto­ßen. Das Ver­ständ­nis die­ser Dia­lek­tik ist beson­ders wich­tig, bedeu­tet es doch auch das Begrei­fen des Unter­schieds von Par­tei und Bewegung.

Dazu erst ein­mal eine Meta­pher: Die Bewe­gung hat die Funk­ti­on der Axt, die Par­tei die des Pflu­ges. Die Bewe­gung erschließt meta­po­li­ti­sches Land und macht es urbar. Sie wühlt auf und ist dis­rup­tiv. Die Par­tei beackert und bear­bei­tet das erschlos­se­ne Gebiet. Wäh­rend sie sich stets im Rah­men des Mög­li­chen und Gang­ba­ren bewegt und durch geschick­te „Tri­an­gu­la­ti­on“ die anschluß­fä­higs­te Posi­ti­on sucht, muß die Bewe­gung den Rah­men selbst auf­bre­chen und erweitern.

Die pri­mä­re Auf­ga­be der Par­tei ist die Gewin­nung real­po­li­ti­scher Macht durch die Maxi­mie­rung von Stim­men. (Es sei denn, sie ist eine „tak­ti­sche Bewe­gungs-Par­tei“, die als radi­ka­le Flan­ke für die eigent­lich ent­schei­den­de Par­tei die­nen will.) Ihr Erfolg mißt sich zuletzt am Wahl­tag in einer quan­ti­ta­tiv bemess­ba­ren Stim­men­zahl, für die sie ihre For­de­run­gen so anschluß­fä­hig wie mög­lich posi­tio­nie­ren muß. Das Werk­zeug der Pro­vo­ka­ti­on soll­te von ihr, wenn, eher zur Gewin­nung von Auf­merk­sam­keit ange­wandt werden.

Die meta­po­li­ti­sche Bewe­gung – und des­we­gen ist sie für eine Par­tei uner­läß­lich – bear­bei­tet den Rah­men der „Nor­ma­li­tät“, in wel­chem die Par­tei nach Anschluß­fä­hig­keit sucht. Um ihn zu erwei­tern, muß sie regel­mä­ßig, gezielt und kon­trol­liert die Gren­ze des Sag­ba­ren überschreiten.

Ihr Ele­ment ist die Pro­vo­ka­ti­on. Doch die­se ist nur wirk­sam, wenn sie eine Mas­se an Sym­pa­thi­san­ten erreicht. Die Bewe­gung muß eine aus­rei­chen­de Mas­se an Akti­vis­ten und Sym­pa­thi­san­ten sam­meln, um lang­fris­ti­ge Stra­te­gien des zivi­len Unge­hor­sams und Kam­pa­gnen gegen die Pil­lars of sup­port (Gene Sharp) der herr­schen­den Ideo­lo­gie zu fahren.

In die­sen Unter­neh­mun­gen, und um den Rah­men zu erwei­tern, muß die Bewe­gung not­wen­dig pola­ri­sie­ren und Aktio­nen vor­le­gen, die das Schwei­gen bre­chen. Auch wenn vie­le ihrer Mei­nung sind, gibt es in der Mit­te der Gesell­schaft und ins­be­son­de­re rechts von ihr eine prin­zi­pi­el­le Geg­ner­schaft zu poli­ti­schem Akti­vis­mus. Das bedeu­tet, daß die Bewe­gung, je mehr sie pro­vo­ziert und pola­ri­siert, auch an Anschluß­fä­hig­keit ver­liert und ihre Sym­pa­thie­ba­sis ver­jüngt, die sie zur meta­po­li­ti­schen Wirk­sam­keit benö­tigt. Damit ist das Para­do­xon auf den Punkt gebracht. In ihm zeich­nen sich zwei ver­schie­de­ne Auf­ga­ben­be­rei­che ab.

Es han­delt sich dabei um das mitt­ler­wei­le viel­zi­tier­te Over­ton win­dow. Es ist der Raum des Sag­ba­ren, an des­sen Mit­te sich sei­ne betriebs­blin­den Insas­sen ori­en­tie­ren. In unse­rem hyper­mo­ra­li­schen, tota­li­tä­ren Sozi­al­staat bedeu­tet die Kon­trol­le die­ses Raums auch die Deu­tungs­ho­heit über die zu „Grund­wer­ten“ mutier­ten Grund­rech­te und damit die abso­lu­te Macht. Sou­ve­rän ist heu­te, wer über den Rah­men der Poli­ti­cal cor­rect­ness bestimmt. Auch die rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en müs­sen sich in ihrer Auf­ga­be der Stim­men­ma­xi­mie­rung die­sem Sou­ve­rän beugen.

Lei­der „natu­ra­li­sie­ren“ vie­le die­se prag­ma­ti­sche Not­wen­dig­keit zur poli­ti­schen Tugend. Sie ver­drän­gen, daß das gesam­te Bezugs­sys­tem seit Jahr­zehn­ten nach links gerückt ist. Des­we­gen ist Lenins Kri­tik am „Oppor­tu­nis­mus“ auch heu­te noch tref­fend: „Gegen­wär­tig machen wir Oppo­si­ti­on, und NACH Erobe­rung der Macht wer­den wir wei­ter sehen. DIE REVOLUTION VERSCHWINDET! Das war gera­de das, was die Oppor­tu­nis­ten brauchten.“

Die Revo­lu­ti­on, das ist in unse­rem meta­po­li­ti­schen Kon­flikt der Auf­stand gegen die Poli­ti­cal cor­rect­ness und die Tal­fahrt in den links-uni­ver­sa­lis­ti­schen Wahn­sinn, auf der sich das Over­ton win­dow seit Jahr­zehn­ten befin­det. Jeder, der die­se gro­ßen Zusam­men­hän­ge nicht sieht und sich „mit­tig“ ori­en­tie­ren und am „Mas­sen­ge­schmack“ anpas­sen will, OHNE die­sen abzu­ho­len, zu bil­den und in die Gegen­rich­tung zu zie­hen, macht sich zum Hand­la­ger der Gegner.

Er glaubt, zur Mit­te und zur „Nor­ma­li­tät“ zu stre­ben, geht aber objek­tiv in Rich­tung des lin­ken Extrems, das uns heu­te als „neue Mit­te“ ver­kauft wird. Die Bei­spie­le sind Legi­on. Daß es auf ein­mal „völ­kisch und ras­sis­tisch“ ist, ein eth­nisch und kul­tu­rell homo­ge­nes Land zu wol­len, daß Gebur­ten­för­de­rung auto­ma­tisch unter „Lebensborn“-Verdacht steht, daß wir den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch und den Sta­tus als „Ein­wan­de­rungs­land“ als Nor­ma­li­tät hin­neh­men müs­sen, daß Krie­ger­denk­mä­ler ent­fernt und die Gen­der­ideo­lo­gie im Lehr­plan immer frü­her ange­setzt wird – all das ist Ergeb­nis der lin­ken Ver­schie­bung des Over­ton win­dows.

Wie kön­nen Par­tei und Bewe­gung dage­gen­hal­ten? Wie ver­schiebt man die­ses Fens­ter, wenn man kei­ne Deu­tungs­ho­heit inne­hat? Das Mit­tel ist die plan­mä­ßi­ge, anschluß­fä­hi­ge Pro­vo­ka­ti­on. Die Nor­ma­li­tä­ten, die der­zeit noch als „zu extrem“ gel­ten, müs­sen regel­mä­ßig, sicht­bar und pro­vo­kant im Dis­kurs plat­ziert wer­den. Der Grenz­gang über den Rand des Fens­ters muß von einer Avant­gar­de regel­mä­ßig durch­ge­führt, wie­der­holt und eta­bliert wer­den, bis sie klei­ne meta­po­li­ti­sche Außen­pos­ten errich­tet. Die­se Aktio­nen schlei­fen sich in den Dis­kurs ein und ver­än­dern ihn.

Sofern sie die zen­tra­len Res­sour­cen Auf­merk­sam­keit und Zuspruch der Mas­se erhält, führt die­se Wie­der­ho­lung zu Nor­ma­li­sie­rung und Eta­blie­rung. Das, was als „zu extrem“ gilt, wird neu ver­han­delt, und das poli­ti­sche Fens­ter rückt in die Gegen­rich­tung. Drei Schrit­te vor und zwei zurück – das war die Tak­tik der links­ra­di­ka­len Fun­dis und links­mo­de­ra­ten Rea­los. Zwi­schen geziel­ten Schocks und kon­zi­li­an­ter Gemüt­lich­keit zwan­gen sie die meta­po­li­ti­sche Land­schaft Deutsch­lands nach links. Die not­wen­di­ge und über­fäl­li­ge Ant­wort kann und muß sich der­sel­ben Mit­tel bedienen.

For­de­run­gen nach Grenz­schlie­ßung und Remi­gra­ti­on, dem Erhalt unse­rer eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät und einem Ende der Zen­sur müs­sen so lan­ge wie­der­holt wer­den, bis das Over­ton win­dow wie­der in eine gesun­de Mit­te gerückt ist. Dabei gilt: Die vie­len klei­nen Sti­che und Vor­stö­ße über sei­ne gut bewach­te Gren­ze sind nur effek­tiv, wenn sie eine gro­ße Grup­pe aus dem oppo­si­tio­nel­len Lager „mit­rei­ßen“. Wenn sie kei­ne Sym­pa­thi­san­ten mit über die Gren­ze zie­hen, sind sie sinn­los. Sie „bespie­len“ nur das Bestehen­de, was zwar einen Mann (oder eine gan­ze Redak­ti­on) ernäh­ren, aber nicht die not­wen­di­ge Lage­än­de­rung her­bei­füh­ren kann.

Die „anschluß­fä­hi­ge Pro­vo­ka­ti­on“ ist der Weg aus dem Pola­ri­sie­rungs-Para­dox. Sie erfor­dert zum ers­ten eine pro­vo­kan­te Gelas­sen­heit der akti­vis­ti­schen Bewe­gung. Unser Ziel kann gar nicht sein, allen und jedem zu gefal­len. Fran­ces Fox Pivon schreibt in ihrem Buch Chal­len­ging Aut­ho­ri­ty: „Kon­flikt ist der Herz­schlag sozia­ler Bewe­gun­gen.“ Die Pola­ri­sie­rung „zwingt die Men­schen, sich zu fra­gen, wo sie in bezug zu The­men ste­hen“. „Pro­test­be­we­gun­gen dro­hen, die Mehr­heits­ko­ali­tio­nen, die Poli­ti­ker emsig zusam­men­hal­ten wol­len, zu spal­ten. Um die fol­gen­den Abgän­ger zu ver­hin­dern oder die Abgän­ger auf­zu­hal­ten, initi­ie­ren Poli­ti­ker neue öffent­li­che Stand­punk­te.“ Genau so ist die Über­nah­me der AfD- und FPÖ-For­de­run­gen durch CDU und ÖVP zu ver­ste­hen. Sie ist kein Grund zur Ver­zweif­lung, aber auch kein Grund zum Fei­ern, son­dern zum gestärk­ten Vor­stoß gegen das links­las­ti­ge Over­ton win­dow.

Die­ser gerät not­wen­dig in Kon­flikt mit der habi­tu­el­len Bequem­lich­keit und Feig­heit der „sub­jek­ti­ven Mit­te“, die ungern an den Ver­än­de­rungs­be­darf der objek­ti­ven Lage erin­nert wird. Das Phä­no­men, daß das oppo­si­tio­nel­le Lager zwar mit den Ideen der Bewe­gung, weni­ger aber mit ihren Akti­ons­for­men sym­pa­thi­siert, ist so alt wie poli­ti­scher Wider­stand selbst. Man darf kei­ne Angst davor haben, auch aus den eige­nen Rei­hen Kri­tik zu ern­ten. Vie­le Aktio­nen der IB (wie etwa die Audi­max-Stö­rung) wur­den von gemä­ßig­ten Fans bereits als „zu radi­kal“ bekrittelt.

Doch hier befin­den wir uns in guter Gesell­schaft. Auch die erfolg­rei­chen Pola­ri­sie­rungs­stra­te­gien von Mar­tin Luther King und Mahat­ma Gan­dhi wur­den von befreun­de­ten Zeit­ge­nos­sen als kon­tra­pro­duk­tiv betrach­tet. So ging es King nach dem bekann­ten „Pro­jekt C“, der geziel­ten Kon­fron­ta­ti­ons­tak­tik in einer der Hoch­bur­gen der Apart­heid, näm­lich Bir­ming­ham. Mas­si­ve Poli­zei­ge­walt und Fest­nah­men waren pro­vo­ziert wor­den, und auch King selbst war in Haft, da er sich einem Ver­samm­lungs­ver­bot wider­setzt hatte.

Als er sei­nen bekann­ten „Gefäng­nis­brief“ schrieb, hagel­te es Kri­tik von Sei­ten der libe­ra­len, wei­ßen Unter­stüt­zer. „Wir ver­ste­hen die Unge­duld der Men­schen, die das Gefühl haben, daß ihre Hoff­nun­gen nur lang­sam rea­li­siert wer­den“, schrieb eine Grup­pe von acht bekann­ten, libe­ra­len Bür­ger­recht­lern aus Ala­ba­ma, „aber wir sind über­zeugt davon, daß die­se Demons­tra­tio­nen unklug und nicht zeit­ge­recht sind.“ Damit wür­de King die gesam­te „Mit­te der Gesell­schaft“ verschrecken.

Auch Gan­dhis Wider­stand wur­de von den Oppor­tu­nis­ten sei­ner Zeit als kon­tra­pro­duk­tiv betrach­tet. Doch er ist eben­so „kon­tra­pro­duk­tiv“, wie der Kon­ter im Fuß­ball die eige­ne Abwehr schwächt – also kon­tra­pro­duk­tiv aus den Augen des Tor­manns. Der Blick des Trai­ners muß aller­dings das Gan­ze im Auge behal­ten und erken­nen, wo und wann Pola­ri­sie­rung und anschluß­fä­hi­ge Grenz­über­schrei­tung gebo­ten ist.

In ihrem Buch This Is an Upri­sing fas­sen das Mark und Paul Eng­ler gut zusam­men. Die poli­ti­sche Bewegung

benutzt Dis­rup­ti­on, Opfer­breit­schaft und Eska­la­ti­on, um Span­nung auf­zu­bau­en und über­se­he­ne The­men ins Schein­wer­fer­licht der Öffent­lich­keit zu brin­gen. An ihrem Zenit will sie ‘Moments of the whirl­wind’ erzeu­gen, in denen Aus­brü­che dezen­tra­ler Aktio­nen weit über die insti­tu­tio­nel­len Gren­zen ihrer Orga­ni­sa­ti­on hin­aus­ge­hen. Sie ist bereit, die öffent­li­che Mei­nung zu pola­ri­sie­ren und die Kon­tro­ver­sen zu ris­kie­ren, aber behält eine gewalt­lo­se Dis­zi­plin bei, um sicher­zu­stel­len, daß die brei­te Basis der Unter­stüt­zung nicht unter­mi­niert wird. Und sie ist sich bewußt, daß sie mit ande­ren Orga­ni­sa­ti­ons­for­men zusam­men­ar­bei­ten muß, um Erfol­ge zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren und eine Gegen­kul­tur auf­zu­bau­en, die Wider­stand über eine lan­ge Zeit auf­recht­erhal­ten kann.

Das Para­dox der poli­ti­schen Iden­ti­tät und der Pola­ri­sie­rung zu ver­ste­hen und zu meis­tern, ist eine täg­li­che Auf­ga­be, mit der die „Köp­fe“ der neu­en patrio­ti­schen Bewe­gung meist recht allei­ne daste­hen. In die­sem Text woll­te ich sie erst­mals dar­le­gen, um mög­lichst vie­le Mit­glie­der die­ser Bewe­gung zum Mit­den­ken anzu­re­gen. Zwi­schen allen Über­le­gun­gen und Abwä­gun­gen kris­tal­li­siert sich ein ein­zi­ges, kla­res Gebot her­aus: Struk­tur, Ord­nung und Dis­zi­plin. Die ver­schie­de­nen Tei­le des Lagers kön­nen am bes­ten funk­tio­nie­ren und zusam­men­wir­ken, wenn sie ihre ver­schie­de­nen Auf­ga­ben im Gan­zen ver­ste­hen und damit die Not­wen­dig­keit einer kla­ren Tren­nung erkennen.

Ins­be­son­de­re das Pola­ri­sie­rungs-Para­do­xon ist eigent­lich kei­nes, son­dern stellt aus einer höhe­ren, stra­te­gi­schen Posi­ti­on ver­schie­de­ne Auf­ga­ben­be­rei­che dar. Man kann nicht gleich­zei­tig Par­tei­po­li­ti­ker und Akti­vist einer Bewe­gung sein, eben­so­we­nig wie man gleich­zei­tig Tor­mann und Stür­mer sein kann. Die Pro­vo­ka­ti­on durch Über­schrei­tung des Over­ton win­dow und die Gewin­nung der mit­ti­gen Mas­se schlie­ßen sich aus, müs­sen aber zusam­men­wir­ken. Kei­ner wird dem Tor­mann vor­wer­fen, daß er den Ball in die Hand nimmt, oder dem Stür­mer vor­hal­ten, daß er den Straf­raum ver­läßt. Eben­so kann kei­ner der Bewe­gung vor­wer­fen, daß sie pola­ri­siert, eine exklu­si­ve poli­ti­sche Iden­ti­tät und pro­vo­kan­te Gegen­kul­tur auf­baut, wäh­rend die Par­tei die Auf­ga­be hat, in der so gelo­cker­ten poli­ti­schen Land­schaft neue Mehr­hei­ten zu bil­den und real­po­li­ti­sche Erfol­ge zu erzie­len, was, wie Lenin eben­so weiß, nicht geht, ohne zu „lavie­ren, zu pak­tie­ren, im Zick­zack vor­zu­ge­hen, Rück­zü­ge anzu­tre­ten und ähn­li­ches mehr“.

Die Auf­ga­be der Par­tei­en und mit­tig ori­en­tier­ten Zei­tun­gen und Think­tanks ist es, bei ihrem not­wen­di­gen Abho­len der Mit­te nicht den Ziel­ort zu ver­ges­sen. Sie müs­sen erken­nen, wo und wann der Rah­men sich erwei­tert und das von der Bewe­gung erschlos­se­ne Gebiet rasch gesi­chert und „besie­delt“ wer­den muß. Je weni­ger sie insti­tu­tio­nell mit die­ser Bewe­gung ver­netzt sind, des­to erfolg­rei­cher ist das mög­lich. Die kla­re Tren­nung und Arbeits­tei­lung ermög­licht erst ein meta­po­li­ti­sches Zusam­men­wir­ken und eine effek­ti­ve Soli­da­ri­tät im Fall der Dämo­ni­sie­rung und Repression.

Las­sen sich Par­tei und Co jedoch von dem Pola­ri­sie­rungs-Para­dox ins Box­horn jagen und nut­zen die abschre­cken­de Wir­kung der Pro­vo­ka­ti­on als Grund, um sich rasch bei der Mit­te anzu­bie­dern, sind sie zu Agen­ten des Links­rucks gewor­den. Für die Arbeit an einem gemein­sa­men Ziel ist ein zumin­dest indi­rek­ter, intel­lek­tu­el­ler Aus­tausch not­wen­dig. Mei­ne Über­zeu­gung ist, daß die­ser um so bes­ser funk­tio­niert, je kla­rer sich jeder sei­ner Auf­ga­be und Funk­ti­on bewußt ist, kurz: je mehr der Tor­mann Tor­mann und der Stür­mer Stür­mer ist.

Die meta­po­li­ti­sche Kata­stro­phe wäre eine in ihrer eige­nen sek­tie­re­ri­schen Hyperiden­ti­tät ver­schlos­se­ne, ver­spreng­te Bewe­gung, die sich weit­ab des Over­ton win­dow als „Avant­gar­de“ wähnt, wäh­rend sie längst den Kon­takt zum Haupt­troß ver­lo­ren hat. Die­ser wird indes von einem stil- und visi­ons­lo­sen Oppor­tu­nis­ten­klub namens „Par­tei“ unter vor­aus­ei­len­dem Distan­zie­ren „zur Mit­te“ gelei­tet. Bei­des sind Flucht­be­we­gun­gen ins Extrem, die sich ein­stel­len, wenn ein stra­te­gisch-geis­ti­ges Zen­trum fehlt.

Der Anar­chis­mus war nicht sel­ten eine Art Stra­fe für die oppor­tu­nis­ti­schen Sün­den der Arbei­ter­be­we­gung. Bei­de Aus­wüch­se ergänz­ten ein­an­der. (Lenin)

Die­se Kata­stro­phe kann nur ver­hin­dert wer­den, wenn die kurz­sich­ti­gen Ego­is­ten in bei­den Lagern, die nur ihre Rol­le, nicht aber das Spiel ver­ste­hen, nichts zu mel­den haben. Ord­nung und Struk­tur müs­sen ein­keh­ren, um die neue patrio­ti­sche Bewe­gung durch die Meer­enge der poli­ti­schen Para­do­xien zu schif­fen. Nur wenn sich in allen Grup­pen, Par­tei­en und Bewe­gun­gen eine neue, meta­po­li­ti­sche Eli­te durch­setzt und jeweils die Oppor­tu­nis­ten und Extre­mis­ten, Visi­ons­lo­sen und Anar­chis­ten ent­mach­tet, kann das gro­ße Werk gelingen.

PS: Um die­sem Arti­kel zu höhe­rer Auf­merk­sam­keit und der Sezes­si­on zu Klicks zu ver­hel­fen, benen­ne ich als Ver­tre­ter der „mit­tig ori­en­tier­ten Zei­tun­gen“ unter ande­rem Rai­ner Mey­er aka Don Alp­hon­so, Roger Köp­pel, Hen­rik Bro­der, Jan Fleisch­hau­er, Chris­ti­an Ort­ner, Micha­el Fleisch­ha­cker, Rüdi­ger Safran­ski, Robin Alex­an­der und Ali­ce Schwar­zer. Mögen sie erken­nen, daß ihre sub­jek­ti­ve Mit­te objek­tiv links­ex­trem und für die Her­ren des Dis­kur­ses die neu­rech­te Bewe­gung letzt­lich nur ein Epi­phä­no­men des libe­ra­len, begrenz­ten Rechts­staats und der Eigen­tums­frei­heit ist.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (15)

Abdiel

28. Juni 2017 19:09

Der rechte Mann zur rechten Zeit. Sans pareil. DANKE!

Gotlandfahrer

28. Juni 2017 19:32

Ich verneige mich. Nur zum Schlußsatz: Die erkennen nix, Menschen erfühlen nur, selbst / gerade die smartesten. Ich persönlich fühle mich diesbezüglich von diesem Vortrag erhellt:

https://www.ted.com/talks/jonathan_haidt_on_the_moral_mind?language=de#t-1096319

Alles Gute und Danke!

Der_Jürgen

28. Juni 2017 21:30

Eine Analyse, die man nur in höchsten Tönen loben kann. Ich möchte auf einen besonders wichtige Aspekt eingehen. Sellner schreibt:

"Die Normalitäten, die derzeit noch als 'zu extrem' gelten, müssen regelmässig, sichtbar und provokant im Diskurs plaziert werden."

Die - sehr heike - Aufgabe einer Bewegung wie der identitären, die, um Sellners schönen Vergleich aufzugreifen, als Axt fungiert und damit das Land rodet, damit eine politische Partei es dann als Pflug beackern kann, besteht darin, die Grenzen des Sagbaren so behutsam zu erweitern, dass sofortige staatliche Repressionen vermieden und die gehirngewaschene Öffentlichkeit nicht vor den Kopf gestossen wird.

Wenn die "Axt" mit dem "Pflug" kooperiert und zumindest eine inoffizielle Allianz zwischen beiden besteht, muss die Bewegung ausserdem darauf achten, dass sie der Partei mit ihren Aktivitäten nicht schadet. Letzteres ist natürlich vor allem dann schwierig, wenn die Partei, wie heute die AFD, von unzuverlässigen Elementen geführt wird, denen man es nicht abnimmt, dass sie einen wirklichen Wandel anstreben. Die IB darf sich ihr Handeln nicht von der AFD vorschreiben lassen, schon gar nicht von falschen Fuffzgern wie Petry und Pretzell.

Björn Höckes Dresdener Rede gegen den Schuldkult, obgleich inhaltlich sehr gut, war für die AFD parteipolitisch und wahltaktisch schädlich. Sie bot den Lügenmedien willkommenen Anlass zu einer Hetzkampagne und veranlasste die Führungsspitze, auf Distanz zu Höcke zu gehen.

Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl wäre es das Klügste gewesen, sich ganz auf das Problem Nummer eins, die Umvolkung, zu konzentrieren und Fragen wie den Schuldkult erst nach September zur Sprache zu bringen, am besten gleich im Bundestag. Darum wäre es eigentlich wünschenswert gewesen, dass sich die IB sich dieses Themas angenommen hätte und nicht ein AFD-Mann.

Unter gar keinen Umständen darf die IB aus taktischen Gründen einen Bückling vor dem Gesslerhut vollziehen, denn damit würde sie ihre Seele verkaufen. Dies traue ich Sellner und seinen Kameradinnen und Kameraden aber nicht zu.

Solution

28. Juni 2017 22:54

Mit das Beste, was Herr Sellner geschrieben hat. Diese theoretischen Überlegungen sind äußerst wertvoll und hilfreich. 

Die Frage ist aber, ob uns nicht vor allem humanwissenschaftliche Erkenntnisse die fehlenden Bausteine liefern können, um z.,B. zu erklären, warum es bei der Umsetzung dieser theoretisch zutreffenden Überlegungen dennoch nicht vorangeht, sondern stagniert.

Wie wäre die Einbeziehung der r/K-Theorie, wie sie z,B. der "Anonymous Conservative" in seinem Buch "The Revolutionary Psychology Behind Politics" dargelegt hat. 

Dies würde bedeuten, daß der r-Typ in Westen nur solange im Vorteil ist, wie die Ressourcen ausreichend vorhanden sind. Bei deren Verknappung würde dann der K-Typus seine Stärke ausspielen und sich durchsetzen können. Vielleicht würde dies auch bedeuten, daß wir uns abstrampeln können, wie wir wollen, ein erfolgreiches Voranschreiten aber tatsächlich erst nach einem bestimmten Grad an Verknappung möglich wäre. Dann allerdings mit einer gewissen Zwangsläufigkeit?

Franz Bettinger

29. Juni 2017 01:02

Das Polarisierungs-Paradoxon beschreibt die Notwendigkeit der Provokation und riskiert dabei, die eigene Sympathisanten-Basis vor den Kopf zu stoßen. So schreibt Martin Sellner sinngemäß. Eine meta-politische Bewegung (wie die Identitären) müsse aber gezielt und kontrolliert die Grenze des Sagbaren überschreiten.

Stimmt, und ich möchte dies am Beispiel eines beim Laien sehr negativ besetzten Begriffes verdeutlichen. Man könnte wie M. Klonovsky in seinem Jahrbuch "Schilda wird täglich bunter" zugespitzt behaupten:

Rassismus ist ein Menschenrecht. Diese Provokation würde die meisten Adressaten zunächst vor den Kopf stoßen, und die Journaille würde sich wütend darauf stürzen. Aber nur um festzustellen, dass ein solcher Satz wohl begründet sein kann. Nämlich so:

Das Bevorzugen des Eigenen (Familie, Stamm, Volk, Rasse) dient der Art-Erhaltung. Der Schutz des Eigenen und die Liebe zu dem, was einem nahe ist, ist ein weltweites, in der Evolution verankertes Prinzip. Die Grünen aber nennen dieses Naturgesetz Rassismus, wenn auf die Ethnie bezogen; Chauvinismus oder Nationalismus, wenn auf die eigene Gruppe oder das eigene Volk bezogen; oder einfach Egoismus.

Die defensiven Vorbehalte Fremden und Fremdem gegenüber sind aber so alt wie die Menschheit selbst. An der Bevorzugung des ethnisch und kulturell Ähnlichen und auch an der Abneigung von Andersartigem können nur Heuchler etwas aussetzen. Ein arterhaltender defensive Rassismus ist biologisch so tief in uns angelegt, dass wir häufig nicht nur Angst, sondern geradezu einen Ekel verspüren, wenn wir Dinge mit ansehen oder tun müssen, die uns fremd sind. In seinem Innern ist der Mensch rassistisch. Die entrückten Schlägertrupps der Linken, die am lautesten das Gegenteil brüllen, bestätigen diesen Sachverhalt eindrücklich.

Wer für sich bleiben will, sollte sich deshalb nicht entschuldigen müssen. Und wer die Verschiedenheit liebt, sollte dafür sorgen, dass es auch morgen noch verschiedene Menschen, Völker und Rassen gibt in all ihrer Exotik und Eigentümlichkeit.

So sehr ich den pauschalierenden Rassismus, der keinem Fremden eine Chance gibt, auch verurteile, so sehr begrüße ich den distinktiven und den defensiven Rassismus. Die Linken, die ich kenne, sind zu solchen Unterscheidungen weder intuitiv noch intellektuell in der Lage. Der Weg vom Vorurteil über die vage Meinung und das Urteil in Richtung Wahrheit ist mit Argumenten gepflastert, mit nichts anderem.

Zu welch einem verrotteten, vergewaltigten Gesinnungs-Staat ist dieses Land verkommen, das wir vor 22 Monaten noch ohne Erklärung oder Entschuldigung unsere Heimat nennen durften. Heute sind wir einer claudiarothesken Propaganda unterworfen. Viele, die ich früher für klug hielt, wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen juristischem und gewachsenem Deutsch-Sein. Der Unterschied besteht in der DNS, nicht in einem Stück Papier, genannt Reisepass.

Im übrigen - ich zitiere hier wieder Klonovsky sinngemäß: 'Wer rund um die Uhr mit Allah und sonst nichts im Kopf herumrennt, seine Frauen in Stoffkäfige sperrt, als wären es Kanarienvögel; wer Wein und Musik für Sünde hält und unsere Grenzen und Gesetze gering schätzt; wer glaubt, unser Land mit Ideen aus dem Mittelalter missionieren zu müssen - der ist kein Deutscher, auch wenn seine Oma hier geboren sein sollte. Er bleibt ein Fremder, dem man auch in der 3. Generation seine gepflegte Fremdheit und Feindseligkeit ansieht. Es bleibt eine tiefe ethnische, soziale und psychische Fremdartigkeit. Was für ein Unsinn, an jeden Dahergelaufenen unser Deutschtum zum Nulltarif verteilen zu wollen. Heute Deutscher, morgen Inder und übermorgen wieder der alte Nigerianer'.

Wie ist es mit den Juden, die im Laufe der Jahrhunderte nach Europa eingewandert sind, sind sie Europäer geworden? Ja. Ja, man kann es werden. Man kann sogar zu einem Heine, oder Einstein werden. Aber man wird es nicht einfach durch Orts- und Pass-Wechsel, nicht quasi automatisch, sondern durch Leistung, Bewährung und Assimilation. Letztere braucht keinesfalls genetischer Natur zu sein.

Was man ist, erschließt sich einem selbst des Nachts aus den Träumen, in denen man sich seinem wahren Volk, seinen wirklichen Ahnen verpflichtet fühlt'. DAS wäre die Nagelprobe.

In Neuseeland gibt es viele Gemischt-Rassige: Ureinwohner, Asiaten, Chilenen, usw., und sie sagen mit größter Selbstverständlichkeit: Ich bin halb Maori und halb Pakeha. (Das sind alle Europäer, Weise - Kaukasier). Das Wort Rasse hat im Ausland keinen schalen Beigeschmack - nur im hirngewaschenen Deutschland. Soweit das provokative Beispiel Rassismus. Ich denke, man kann das Wort von viel negativem Ballast 'befreien', wenn man, ja - wenn man den Stier bei den Hörnern packt. 

Und damit wäre wieder Land gewonnen, ein weiteres Wort der Verunglimpfung entrissen. Man muss sie zurückholen, die verbrannten Begriffe. Wort für Wort. - Freilich ist dises Unterfangen riskant. An der Front wird scharf geschossen. Wer die besseren Argumente hat, sollte aber am Ende obsiegen. Privat halte ich es so wie Martin Sellner: Ich provoziere und mache damit keine schlechten Erfahrungen.

Es herrscht nämlich über uns eine Diktatur der Worte, die es zu brechen gilt. Möglicherweise braucht man Jahre. Ich sehe indessen keinen anderen Weg, als die ersten Schritte dahin zu tun.

Der Feinsinnige

29. Juni 2017 03:45

Sehr geehrter Herr Sellner,

zunächst spreche ich Ihnen – und bekräftige damit vorherige Äußerungen meinerseits auf diesem Block - meine Hochachtung für Ihre Arbeit, für Ihr Engagement, für Ihre Gedanken und Äußerungen aus, die ich oben und in den letzten Monaten zur Kenntnis nehmen konnte. Sie und die IB insgesamt sind wirkliche Hoffnungsträger für unser Land und unseren Kontinent. Trotzdem möchte ich Ihren obigen Artikel zum Anlaß nehmen, auf die Gefahr hin, OT zu geraten, einen Sachverhalt aufzugreifen, der mich persönlich seit einiger Zeit bedrückt, und zwar anknüpfend an Ihre obige Formulierung: „Viele Aktionen der IB ... wurden von gemäßigten Fans bereits als ,zu radikal´ bekrittelt.“ Da ich mich persönlich mit der Einordnung eines „gemäßigten Fans“ der IB genau richtig charakterisiert fühle, bitte ich um Verständnis, die Aktion vor dem Bundesjustizministerium in Berlin anzusprechen. Unabhängig davon, ob die symbolische „Besetzung“ (oder zumindest Erklimmung) eines Regierungsgebäudes, wie sie nach Medienberichten offenbar geplant war und wohl scheiterte, zu weit geht oder nicht (sog. „Regelverletzungen“ zählen, soweit sie gewaltfrei ablaufen, seit den „68ern“ durchaus zum legitimen politischen und demokratisch zulässigen Kampf; die Teilnehmer müssen sodann jedoch gegebenenfalls juristische Konsequenzen mit einkalkulieren und hinnehmen, gegebenenfalls auf finanzielle Abpolsterung durch Spenden vertrauend) – abgesehen davon ist in Berlin doch etwas gehörig schiefgelaufen, vgl. nur (mit weiterführenden Links):

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/gefaehrliche-koerperverletzung-ex-schatzmeister-der-afd-jugendorganisation-verhaftet-27020572

Dieser Vorfall war angesichts des gerade auch von Ihnen auf Ihrem Vortrag vor einigen Monaten in Schnellroda so überzeugend formulierten gewaltfreien Anspruchs der IB sicher weder geplant noch gewollt. Und: Ein Beschuldigter bzw. Angeklagter hat bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig zu gelten. Aber: In diesem speziellen Fall vermisse ich bisher (bitte korrigieren Sie mich, falls ich etwas nicht mitbekommen habe) eine öffentliche Stellungnahme von Verantwortlichen der IB, zumindest ein Bedauern gegenüber der Polizei – ggf. unter Ablehnung einer Anerkennung eines strafrechtlich relevanten Fehlverhaltens, dessen Feststellung oder Verneinung ohnehin Sache der Justiz ist. Ein solcher Vorfall wirkt in der breiten Öffentlichkeit fatal und darf einfach nicht (wieder) passieren. Vielleicht war der Grundfehler, ein Regierungsgebäude als Ziel der Aktion zu nehmen, weil der besondere und wohl ständige Schutz eines solchen Gebäudes  durch die Polizei doch wohl zu der unnötigen und bedauerlichen Konfrontation des Herrn Brämer mit dem Polizeibeamten entscheidend beigetragen haben dürfte. Ich persönlich bin (bis zum Beweis des Gegenteils) zwar überzeugt davon, daß „im Eifer des Gefechts“ wirklich etwas schiefgelaufen ist und daß Herr Brämer den Polizeibeamten keineswegs gefährden oder gar verletzen wollte. Trotzdem bleibt das verheerende Bild, das in der Öffentlichkeit entstanden ist, und zwar auch und gerade durch die tagelange Fahndung mit Haftbefehl (warum hat Herr Brämer sich nicht umgehend gestellt?), der ja nun außer Vollzug gesetzt ist. Der gesamte Vorgang hat objektiv nichts damit zu tun, wie mehr oder weniger „radikal“ Aussagen und Aktionen der IB konzipiert sind, da es sich wohl nur um eine Art Unfall gehandelt haben dürfte; er ist aber geeignet, das auch für „gemäßigte Fans“ annehmbare Bild zu (zer)stören, welches die IB ansonsten durchweg mit ihren Aktionen abgibt. Daher wünsche ich mir zutiefst auch nach so relativ langer Zeit noch eine „offizielle“ Stellungnahme der IB zu diesem Vorfall. Auch wünsche ich mir ein noch intensiveres Nach- bzw. Vordenken bezüglich der auszuwählenden Ziele von Aktonen. Ich schreibe dies alles, gerade weil ich mit der IB sympathisiere und die Aktionen der IB und Sie persönlich und Ihre Arbeit mit Hochachtung verfolge.

Lotta Vorbeck

29. Juni 2017 04:22

@Der_Jürgen - 28. Juni 2017 - 07:30 PM

...

Unter gar keinen Umständen darf die IB aus taktischen Gründen einen Bückling vor dem Gesslerhut vollziehen, denn damit würde sie ihre Seele verkaufen. Dies traue ich Sellner und seinen Kameradinnen und Kameraden aber nicht zu.

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Kameradinnen und Kameraden?

Herr K.

29. Juni 2017 12:40

Ich kann diese genannten Paradoxa verstehen und aus der eigenen Erfahrung unterschreiben. Es gibt auch innerhalb der IB die Herausforderung, neue Charaktere zu integrieren, die wiederum als Persönlichkeit nur schwer in bestimmte Raster passen, aufgrund ihres Auftretens Unverständnis provozieren. Es muss nicht alles eingeebnet werden, solange der gemeinsame Nenner stimmt: die Wiedererlangung unserer Souveränität als autochthone Bevölkerung!

Letztlich wird auch die Anschlussfähigkeit (und das im ganz pragmatischen Sinn) bestimmen, wie breit die IB ihren Erfolg feiern wird. 

Genug gequatscht, jetzt wird für das Boot gespendet....

Herr K.

29. Juni 2017 12:49

@ solution

Da brauchen Sie keine sozialwissenschaftliche Studien dafür. Den Leuten gehts schlichtweg viel zu gut. Wozu Aufstand??? Es gibt doch die Bundesliga, solange die Neger genügend Tore schießen ist doch alles prima. Solange man sich den Billigschrott aus China auch mit H4 leisten kann, wozu Aufstand? Kommen Sie jetzt nicht mit Moral. Moral und Deutschland der Masse 2017 ist ein schräger Ulk, sonst leider nix.

Und genau da muss die IB ein Gegenstück bilden, allerdings mit Ethik. Erst wenn es zu einer wirtschaftlichen REZESSION kommt können sich Dinge wieder grundlegend verändern. Denn erst dann ist der Veränderungsdruck  wieder da....leider!

calculus

29. Juni 2017 12:50

@Lotta Vorbeck

Kameradinnen und Kameraden?

Gestehen muß ich, daß ich ob dieser Formulierung ebenfalls ein wenig gestutzt habe. Soviel ich weiß, spricht die IB von Gefährten, und ich kann mir schlechterdings vorstellen, daß dort von Gefährtinnen und Gefährten die Rede ist. Ebensowenig allerdings kann ich mir vorstellen, daß der hochgeschätze Mitforist @Der_Jürgen bei seinem Beitrag diesen Geßlerhut im Sinn hatte.

Konstantin D.

29. Juni 2017 14:47

"Lassen sich Partei und Co jedoch von dem Polarisierungs-Paradox ins Boxhorn jagen und nutzen die abschreckende Wirkung der Provokation als Grund, um sich rasch bei der Mitte anzubiedern, sind sie zu Agenten des Linksrucks geworden." 

Was ich mich seit einiger Zeit frage, ist , wie ich ein gewisses konservatives Wochenblatt einzuordnen habe, das ich noch beziehe.

Lyrurus

29. Juni 2017 14:49

Ich empfinde das nicht als Paradoxon. Eher als Arbeitsteilung - alle Beteiligten müssen sich dessen nur bewusst sein.

Der_Jürgen

29. Juni 2017 19:10

@Lotta Vorbeck @Calculus

Ja, ich hätte statt "Kameradinnen und Kameraden" auch "Kameraden und Kameradinnen" oder "Gefährten und Gefährtinnen" schreiben oder mich auf die männliche Form beschränken können. Ich fühle mich keineswegs verpflichtet, die weibliche Form hinzuzufügen, tue es aber manchmal spontan.

Das war aber ganz gewiss nicht der "Gesslerhut", von dem ich sagte, dass sich die IB niemals vor ihm verneigen dürfe. Ich meinte den Grossen Gesslerhut, vor dem in Deutschland jeder einen untertänigen Bückling vollziehen muss, der an die Fleischtöpfe des Systems will.

Alles klar, geschätzter Calculus?

 

 

calculus

29. Juni 2017 19:56

@Der_Jürgen

Das war aber ganz gewiss nicht der "Gesslerhut", von dem ich sagte, dass sich die IB niemals vor ihm verneigen dürfe. Ich meinte den Grossen Gesslerhut, vor dem in Deutschland jeder einen untertänigen Bückling vollziehen muss, der an die Fleischtöpfe des Systems will.

Alles klar, geschätzter Calculus?

Es ist genau das, was ich, zugegebenermaßen etwas ironisierend, zum Ausdruck bringen wollte.

Daniel Fiß

29. Juni 2017 20:42

@ Der Feinsinnige

Pressemitteilung vom 25.05.2017, die auch am selben Tag über alle Social Media Kanäle der IBD verbreitet wurde.

https://www.identitaere-bewegung.de/presse/medial-inszenierte-hetzjagd-gegen-patrioten/

Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, ist es auch immer ein Balanceakt zwischen der öffentlichen Kommunikation und der juristisch-prozessualen Strategie. Demnach ist einerseits das Erkenntnisinteresse der eigenen Sympathisanten verständlich und andererseits geht es um den uneingeschränkten Rechtsschutz des Angeklagten.

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