Szene-Kaleidoskop XIV: (Lese‑, Trage‑, Lausch-)Stoff und US-Werbung

Es muß ja nicht immer Sieferle sein: Auch über die Selbstdemontage des deutschen Feuilletons hinaus gibt es viel zu lesen und hören.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Ellen Kositza wid­met sich in ihrem neu­en Buch­vor­stel­lungs­film, dem 20. sei­ner Art, dem neu­en Buch von Akif Pirin­çci. Der Über­gang (hier ein­se­hen und bestel­len) ist aus einer etwas ande­ren War­te geschrie­ben, als man sie von Pirin­çci gewohnt ist: Der Schrift­stel­ler greift in sei­nen hier zusam­men­ge­stell­ten Stü­cken nicht mehr nur fron­tal an, son­dern arbei­tet sich säu­ber­lich an den Phä­no­me­nen ent­lang, die die heu­ti­ge Lage aus­ma­chen oder in sie hin­ein­ge­führt haben.

Der Über­gang hin zu einem frag­men­tier­ten, ent­stell­ten Fli­cken­tep­pich, der nur der Über­nah­me durch aggres­si­ve­re, selbst­be­wuß­te­re Land­neh­mer harrt – für Pirin­çci befin­det sich die Bun­des­re­pu­blik längst mit­ten in die­sem Vor­gang. Den­noch hat er sich bei aller Weh­mut doch kei­ne Beiß­hem­mung auf­er­legt: Wer sei­nen schnei­den­den Essay über “Die Evo­lu­ti­on des Spie­ßers” liest, ohne zwi­schen­durch pein­lich berührt zu sein, der wird sich wahr­lich völ­lig ahnungs­los in unse­rer heu­ti­gen Situa­ti­on wie­der­ge­fun­den haben mit der wei­ner­li­chen Fra­ge, wie das alles nur pas­sie­ren konnte.

Im übri­gen lohnt es sich nun um so mehr, direkt bei Antai­os zu bestel­len: Nach den Moti­ven “Es gibt Lek­tü­ren, die Imp­fun­gen glei­chen” (Ernst Jün­ger) und “Habe Man­gel an Ver­söh­nung” (Gott­fried Benn) ist nun wie­der Jün­ger dran, zumin­dest mit­tel­bar: “Meyn Geduld hat Ursach” war ursprüng­lich der Wap­pen­spruch derer von Jein­sen, des nie­der­säch­si­schen Uradels­ge­schlechts, dem Jün­gers ers­te Ehe­frau Gre­tha ent­stamm­te. Der Jahr­hun­dert­schrift­stel­ler über­nahm die­ses Mot­to für den Pater Lam­pros sei­ner Mar­mor­klip­pen, der ein Ver­trau­ter des namen­lo­sen Prot­ago­nis­ten ist und ins­be­son­de­re am kata­stro­phi­schen Ende des Buchs eine ful­mi­nan­te Rol­le spielt – dem­ge­mäß war er denn auch ein viel­dis­ku­tier­ter Cha­rak­ter auf der dies­jäh­ri­gen Tagung der Jün­ger-Gesell­schaft. Antai­os-Kun­den erhal­ten den Stoff­beu­tel ab einem Bestell­wert von 50 Euro gra­tis dazu!

Phil­ip und Alex wid­men sich bei “Laut Gedacht” dies­mal wie­der ihrem Bil­dungs­auf­trag (macht ja auch sonst kei­ner). Also, auf­ge­merkt: Wie man ver­nünf­ti­ge Miet­in­ter­es­sen abbe­kommt, die SPD noch gera­de eben so ret­tet, den Rechts­staat end­lich rest­los abträgt und alles mit jedem ver­hei­ra­tet – das sehen Sie hier!

Das grund­sätz­lich zu den US-Demo­kra­ten hin­nei­gen­de, tra­di­ti­ons­rei­che Kul­tur­ma­ga­zin The Atlan­tic berich­tet seit der hei­ßen Pha­se des Wahl­kampfs zwi­schen Hil­la­ry Clin­ton und Donald Trump viel­fach über die schein­bar neue rech­te Gefahr. Für Furo­re sorg­te Ende letz­ten Jah­res ins­be­son­de­re der Bericht über die Alt­Right, nach­dem dem Kame­ra­team auf einer Kon­fe­renz des Natio­nal Poli­cy Insti­tu­te in Washing­ton, D.C. eini­ge ungüns­ti­ge Auf­nah­men gelun­gen waren. Die war­nend-mah­nen­de Bericht­erstat­tung der (mitt­ler­wei­le) Washing­to­ner Redak­ti­on beschränkt sich jedoch nicht auf die Ver­ei­nig­ten Staa­ten: Auch in Schnell­ro­da war eine Autorin zu Gast, Sumi Soma­skan­da vom zum trans­at­lan­ti­schen Netz­werk “Deut­sche Gesell­schaft für Aus­wär­ti­ge Poli­tik” gehö­ren­den Ber­lin Poli­cy Jour­nal, deren aus­führ­li­cher Bei­trag eine »neue Neue Rech­te« in Deutsch­land auf­zie­hen sieht. Durch­aus eine Lek­tü­re wert!

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

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Kommentare (4)

silberzunge

30. Juni 2017 21:22

Kriegt man die Taschen so auch zu kaufen?

Nein, natürlich nicht. So etwas kann man nicht kaufen, so was ist eine Dreingabe.

Monacensis

1. Juli 2017 14:55

Schon bezeichnend, dass selbst ein "linksliberales" US-amerikanisches Magazin über die "Neue Rechte" weit objektiver (Komparativ !) berichtet, als dies einem deutschen Mainstream-Medium möglich wäre. Das gilt gerade auch für die FAZ, deren Linksruck der letzten 20 Jahre das Umkippen der politisch-medialen Klasse "in diesem unserem Lande" grell beleuchtet wie wenig sonst.

nom de guerre

1. Juli 2017 19:15

Sinnreiches Foto, das mit dem Stoffbeutel und der Axt. Was ist das da auf dem Holzhaufen? Eine Mütze? Eine Jacke?

niekisch

4. Juli 2017 18:19

"mit der weinerlichen Frage, wie das alles nur passieren konnte"

Es konnte passieren, weil unser natürlicher Abwehrinstinkt durch das wirksamste Narkosemittel anästhäsiert wurde, das es gibt - complexus culpae -

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