Sezession
23. Juli 2017

Sonntagsheld (21) – ZEIT für einen Sündenfall, oder…

Till-Lucas Wessels / 16 Kommentare

Wer Wert auf seine intellektuelle Integrität legte, sprach von Lückenpresse oder Pinocchiopresse, gemeint war jedenfalls stets das gleiche Meinungskartell aus Tages- und Wochenzeitschriften, gebührenfinanzierten Fernsehsendern und einer in steter Fluktuation befindlichen Blase aus Prominenten und "Internetpersönlichkeiten".

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Eine Studie, die sich mit der Berichterstattung dieses Kartells zur Einwanderungskrise befasst, brachte nun Skandalöses an Licht:

Es ist das Migrationsjahr 2015, und die wichtigsten Tageszeitungen Deutschlands verwandeln sich in Volkserziehungsbroschüren. Die Journalisten kontrollieren nicht mehr das Handeln der Politik, sie kontrollieren das Denken der Bürger. Und weil die Lebenswirklichkeit ebenjener Bürger die Redakteure nur beim Beifallklatschen für die Regierung irritieren könnte, kommt sie in den Blättern gar nicht erst vor.

So beginnt dieser zerknirschte ZEIT-Artikel, welcher die Studie vorstellt, die am kommenden Montag erscheinen wird. Daß man sich anscheinend für die Flucht nach vorne entschieden hat, wird mehrere Gründe haben:

  1. Da die Studie noch nicht erschienen ist, kann die ZEIT auf diese Art und Weise beeinflussen, wie sie von ihren Lesern wahrgenommen wird; kaum jemand wird sich die vollen 200 Seiten einverleiben. Entsprechend kritisch ist der Unterton des Artikels, in welchem Jochen Bittner zwar lakonisch die Ergebnisse der Untersuchung vorträgt, aber mit verschiedenen Seitenstichen regelmäßig Mißtrauen sät. Das klingt dann zum Beispiel so:

    Unstimmig werden die Darlegungen dort, wo die Autoren der FAZ zugestehen, dass sie in "vielen" Kommentaren gegen eine unbegrenzte Aufnahme von Flüchtlingen plädierte, das Blatt aber trotzdem als Rufer in der großen, eintönigen Echokammer einsortieren. Sicher, Leitartikel sind etwas anderes als Berichte – aber zum Meinungsklima tragen sie wohl mindestens ebenso bei.

  2. Selbstkritik ist im Moment ohnehin voll im Trend. Es ist wie damals, als mitten in das Lauffeuer, welches zu werden sich die Dresdner PEGIDA-Bewegung anschickte, plötzlich der weise Werner Patzelt stieß und väterlich aus wohlüberlegter wissenschaftlicher Distanz seine verständnisvollen Löckchen über die Boshaftigkeit des Feuilletons schüttelte, das so ungeziem auf das eigene Volk einschrieb. Jetzt ist halt mal die ZEIT mit Buße dran, wenn man sich anschaut, wer inzwischen was und worüber auf dem zeitungseigenen Denunziationsblog "Störungsmelder" schreibt, war das auch höchste Eisenbahn.
  3. Unter dem Artikel stehen zu dieser Stunde 1.035 Kommentare. Ich habe sie nicht alle gelesen, aber mein Tipp ist, daß sich neben hämischen Keifern (das sind die dümmsten), dankbaren Dauerkommentatoren (die sind auch nicht viel besser) und klugen Erklärbären, die nochmal einen eigenen Artikel drunterklatschen, auch diejenigen finden werden, die jetzt eine neue Ära des Journalismus heraufdämmern sehen, in der die Medien endlich, endlich, endlich! zur Vernunft gekommen sind und dem mündigsten aller mündigen Souveräne (also dem Reichsbürger) ausschließlich neutrale Fakten präsentieren.

Diese drei genannten Gründe haben vor allem eines gemeinsam: Sie sind eine Sehnsucht nach einer Beruhigung der Lage, nach Versöhnung, Zivilisation und Kaltem Krieg. Mitten aus der Unruhestimmung der letzten Jahre schält sich nämlich unerbittlich – und ich erlebe das täglich in Gesprächen mit Studenten und anderen Altersgenossen – eine neue bürgerliche Mitte, welche die Verwertungslogik ihrer Eltern- und Großelterngenerationen mit der Muttermilch aufgesogen hat und täglich reproduziert.

Ihr Feindbild sind Extremisten – die linken ein bißchen mehr als die rechten, Antikommunismus liegt nämlich gerade im Trend – ihr Traum ist immernoch das Einfamilienhaus mit zwei Autos und 40-Stunden-Woche, und weil sie alle studiert haben, halten sie sich für kritisch, wenn sie die taz scheiße finden. Wer diese Entwicklung gern illustriert haben möchte, der sei freundlichst auf diese Artikelreihe hingewiesen. Helden kann man da zwar keine ausmachen, aber weil diese studierten Neocons eh alle gleich sind, streue ich zum Sonntag einfach mal eine verächtliche Hand zerbröselter Lorbeerblätter in den Abendwind Richtung Hamburg.

Hat man diese Entwicklung im Hinterkopf, liest sich der Artikel von Jochen Bittner dann auch nicht mehr wie das Ende der Party; vielmehr hat der DJ ein ruhigeres Stück aufgelegt und die Lautstärke etwas runtergedreht, weil sich die Nachbarn beschwert haben – es ist schließlich schon fünf vor 10.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (16)

calculus
23. Juli 2017 11:04

Herr Wessels, machen wir uns doch nichts vor und nennen das Kind beim Namen: Zusammenbruch.

Harald
23. Juli 2017 11:26

Es ist nicht vor 10,es ist schon weit nach 11 und Maas läuft Amok !

Franz Bettinger
23. Juli 2017 12:17

Sarazin, Pirincci und nun Sieferle, Merkelanien ist auf dem besten Weg zu Bücherverbrennungen. Mir gruselt vor diesem Spitzel-, Zensur- und Gesinnungs-Staat und all seinen Helfershelfern, weil die Möglichkeiten des Macht-Missbrauchs durch die Technik heute viel größer sind als 1933. Die Tageszeitungen haben sich fürwahr in Volks-Erziehungs-Broschüren verwandelt, der Bundestag in eine Klatschbude und die deutschen Richter in Clowns, wenn es Linke und Fremde betrifft, und in Henker, wenn es um Rechts geht und darum, das Recht auszuradieren. Egal, wie weit die MSM nun oder später in Richtung Realität zurückrudern, bei mir haben sie final verschissen. Lebenslänglich! Sie haben grausam versagt, als es darauf ankam. Versagt? Ach, sie haben ja mitgemacht. Nein, nicht nur mitgemacht, sie waren die Anstifter. Etwas erbärmlicheres als diese Lügenpresse kenne ich nicht. Ganz anders die mutigen Bürger von PEGIDA, die Woche für Woche ihren Mann stehen und das bisschen leisten, was man in diesem verhunzten Staat legal noch leisten kann. Der Osten Deutschlands gibt mir im fernen Saarland Hoffnung. Das werde ich denen nie vergessen.

Nemo Obligatur
23. Juli 2017 12:34

Was haben Sie eigentlich gegen Einfamilienhäuser, Herr Wessels? Einer alten Untersuchung zufolge kümmern sich die Leute umso mehr um ihre Mitmenschen und ihre unmittelbare Nachbarschaft, je schneller sie um das Haus herumlaufen können, in dem sie wohnen. Den Plattenbau jedenfalls halte ich nicht für erstrebenswert. Aber der Schluss, der Schluss mit dem DJ - der ist wirklich gut.

Monika L.
23. Juli 2017 13:36

Im Migrationsjahr 2015 erschien ein Schlüsseltext des " Qualitätsjournalisten" Mathias Müller-Blumencron in der FAZ: "Unsere tägliche Desinformation" vom 12.1.15. Bei der Netzdurchsuchung nach diesem Text stieß ich auf einen guten Text, der nach dem Netzdg Gesetz da nicht mehr stehen dürfte:

https://aktion-widerstand.de/?p=10447

Vom " bösen" Internet bis zur Durchsuchung desselben ist es ein kurzer Weg.

Selbstkritik ist gut. Aber die Lage wird sich nicht beruhigen. Die Party ist zu Ende.  Auch wenn in Berlin beim CSD das letzte durchgegenderte Aufgebot tanzt: Es ist ein Totentanz !

Herr Wessels, ich weiß nicht, was für Studenten Sie kennen. Ich kann allen Studenten heute nur abraten, von Einfamilienhaus, zwei Autos und 40 Stunden-Woche zu träumen. Und das sage ich als konservative Mutter. Meine Kinder jedenfalls ziehen die Wohngemejnschaft mit max. einem Auto vor. Und höchstens 20 Stunden pro Woche für diesen Staat arbeiten. Den Rest für die Wohngemejnschaft. Die ideologische Ausrichtung ist für meine Begriffe noch etwas unausgegoren. Aber die Lebenserfahrung wird es schon noch richten.

Frage: Wer ist heute eigentlich der Sonntagsheld ? Doch nicht Martin Schulz, der in der BILD vor einer Wiederholung der Flüchtlingskrise warnt ? 

Johannes Konstantin Poensgen
23. Juli 2017 14:07

Die bürgerliche Mitte ist keine eigenständige Macht, sondern ein Trägheitsmoment.

Da sie letztlich immer den Weg des geringsten Widerstandes geht, lautet die entschiedende Frage, wer sie vor sich hertreibt. In den letzten Jahrzehnten waren das eben die Linken.

Der_Jürgen
23. Juli 2017 14:10

@Franz Bettinger

"Merkelanien ist auf dem besten Weg zu Bücherverbrennungen..."

Missliebige Bücher werden in der BRD nicht verbrannt, sondern eingestampft. Und zwar schon seit Jahrzehnten, lange bevor die grause Rauten-Trulla Kanzlerin wurde. Machen Sie sich kundig!

Desprecio
23. Juli 2017 15:28

@ "Harald" / 23.Juli 2017, 09:26

"..................und Maas läuft Amok !"

Dieser Bundesjustizminister-Darsteller hat es gar nicht nötig, Amok zu laufen.               Mit Billigung seiner Partei, des Parlamen- tes und vor allem der BRD-Justiz begeht er ununterbrochen Rechtsverstösse gegen (noch) geltendes Recht, ohne irgendwelche politischen oder gar juristischen Folgen.(z.B. das Gesetz gegen die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit)

 

Er befindet dabei in bester Gesellschaft "unserer" Kanzlerin!

 

Wer oder was sollte ihn daher zu einem Amoklauf veranlassen?

 

Wer oder was sollte ihn nun noch daran hindern, täglich neue Verstösse gegen die (noch) geltende Rechtsordnung in dieser BRD zu begehen. Nicht zu vergessen: diese Person ist de jure und de facto Bundesjustizminister !

 

Desprecio
23. Juli 2017 15:28

@ "Harald" / 23.Juli 2017, 09:26

"..................und Maas läuft Amok !"

Dieser Bundesjustizminister-Darsteller hat es gar nicht nötig, Amok zu laufen. Mit Billigung seiner Partei, des Parlamen- tes und vor allem der BRD-Justiz begeht er ununterbrochen Rechtsverstösse gegen (noch) geltendes Recht, ohne irgendwelche politischen oder gar juristischen Folgen.(z.B. das Gesetz gegen die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit) Er befindet dabei in bester Gesellschaft "unserer" Kanzlerin! Wer oder was sollte ihn daher zu einem Amoklauf veranlassen? Wer oder was sollte ihn nun noch daran hindern, täglich neue Verstösse gegen die (noch) geltende Rechtsordnung in dieser BRD zu begehen. Nicht zu vergessen: diese Person ist de jure und de facto Bundesjustizminister !

Desprecio
23. Juli 2017 15:58

 @ "Franz Bettinger" / 23.Juli 2017, 10:17

Vielen Dank für Ihre klaren, unmissverständlichen Worte! 

Solange sich noch Foristen wie Sie hier beteiligen, ist noch nicht alles verloren (ich spreche damit nicht nur Ihren heutigen Kommentar an).

Auch einige andere Kommentatoren in diesem Forum, die sich immer wider dadurch auszeichnen, ihre Frontstellung durch klare Stellungnahmen unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen, kann ich vor dem Hintergrund der Zensur in diesem Lande nur ermuntern, im Sinne eines (noch) erlaubten Widerstands entsprechend fortzufahren.

Meinen, zugegebenermaßen etwas bescheideneren, Beitrag werde ich, sofern der Hausherr es zulässt, dazu beitragen.

Klaus D.
23. Juli 2017 17:20

"... 2015 und die wichtigsten Tageszeitungen Deutschlands verwandeln sich in Volkserziehungsbroschüren. Die Journalisten kontrollieren nicht mehr das Handeln der Politik, sie kontrollieren das Denken der Bürger. ..."

So ganz bewußt wurde mir die Gleichschaltung und zentrale Steuerung der Mainstreammedien bereits ein Jahr früher. Und zwar im Zuge des durch die USA inszenierten Putsches der gewählten Regierung in der Ukraine im Februar 2014 sowie des sich anschließenden militärischen Vorgehens der Ukrainischen Armee gegen die Separatisten im Donbass. Die Berichterstattungen darüber waren auffallend einheitlich und entsprachen in keinster Weise den tatsächlichen Vorgängen und Hintergründen.

"... Traum ist immernoch das Einfamilienhaus mit zwei Autos   ..."

Einfamilienhaus? Schön wär´s, das bedeutete ja Seßhaftigkeit. Ob die allerdings im Zuge der Umwälzungen der vierten industriellen Revolution (s.a. Sezession 78 S. 40 "Plädoyer für eine konservative Zukunftsvision") immer wie gewünscht realisiert werden kann, ist zumindest zweifelhaft.

2 Autos? Also meines Wissens kommt das eigene Auto bei jungen Leuten immer mehr aus der Mode, Carsharing oder Teile Auto heißt die Zukunft (zumindest in  Ballungsräumen).

Cacatum non est pictum
23. Juli 2017 23:18

Unter dem Artikel stehen zu dieser Stunde 1.035 Kommentare. Ich habe sie nicht alle gelesen, aber mein Tipp ist, daß sich neben hämischen Keifern (das sind die dümmsten), dankbaren Dauerkommentatoren (die sind auch nicht viel besser) und klugen Erklärbären, die nochmal einen eigenen Artikel drunterklatschen, auch diejenigen finden werden, die jetzt eine neue Ära des Journalismus heraufdämmern sehen, in der die Medien endlich, endlich, endlich! zur Vernunft gekommen sind und dem mündigsten aller mündigen Souveräne (also dem Reichsbürger) ausschließlich neutrale Fakten präsentieren.

Meinen Sie die Leute, die auch irgendwann wieder ihre geliebte CDU wählen würden - aber erst, wenn sich Merkel verabschiedet hat und hoffnungsvolle Konservative wie Spahn das Ruder übernommen haben? Die immer noch dafür beten, dass der Weichspüler Seehofer seine knallharte Obergrenze (= Volkstod auf Raten) durchsetzt? Die sagen, dass sie den Großen Austausch nicht wollen - ihn aber hinzunehmen bereit sind, wenn er sich erst nach ihrem Tod voll entfaltet (denn darauf läuft ihr halbgarer Widerstand hinaus)? Ja, diese Leute glauben sicher wahrhaftig daran, dass die Massenmedien nicht das sind, was sie immer und ausschließlich waren: ein Machtinstrument der Herrschenden; sondern meinen, dass das internationale Fernseh- und Presseoligopol dem mündigen Demokraten ungefilterte Fakten anbietet, damit jener sich unabhängig informieren kann.

Nun ja, Herrschaftskritik ist nicht die Stärke der Rechten. An der Stelle lobe ich mir doch eher das widerborstige Misstrauen traditioneller Linker.

Franz Bettinger
24. Juli 2017 17:46

Vielleicht passt folgender Kommentar nicht exakt zum Thema. - Dann retten Sie mich bitte vor mir selbst und meiner Eitelkeit und löschen ihn. Ansonsten:

Zensur darf ja sein, ohne Frage, aber wenn man's nur begreifen könnte, wann sie gerechtfertig ist und wann nicht. Folgender Kommentar wurde auf Tichys Einblick gelöscht: 

"Gut, dass Sie, Herr Wallasch, das in Richtung Otto- Brenner-Stiftung mal klar gestellt haben. Aber wo die letzten Reste guten Journalismus geblieben sind, das braucht man kritischen Lesern nicht zu sagen. Das haben wir längst herausgefunden: Bei Tichy, Achgut, Cicero, Sezession, EpochTimes, Junge Freiheit und anderen. Diese mutigen Medien waren für uns eine Arche Noah und sind es immer noch. Sie werden es auch bleiben." - Warum wird so etwas gelöscht?

Fachkraft für Betroffenheit
24. Juli 2017 19:40

@ Franz Bettinger : Tichy möchte eben nicht mit der Sezession in einem Atemzug genannt werden, und auch nicht der EpochTimes. Distanzeritis scheint hier also das vergleichsweise übersichtliches Zensurprinzip, wobei die faktenschaffende Kraft des spontanen (Ab-)Urteils durchaus bemerkenswert ist. Der Graben zwischen den liberal-konservativen und den rechts-konservativen Kräften wird dadurch wesentlich tiefer gezogen als die Einmütigkeit zur Migrationskrise vorgaukelt.

deutscheridentitärer
24. Juli 2017 20:08

Tichys Einblick ist eben noch nicht vollständig uncucked. 

Lotta Vorbeck
24. Juli 2017 23:46

@Franz Bettinger, Sie bezogen sich auf einen unter einem Wallasch-Eintrag hinterlassenen Kommentar

@Fachkraft für Betroffenheit

@deutscheridentitärer

Der Alexander Wallasch schreibt recht gut. Allerdings scheint der wohl eher ein 'Cuckservativer' zu sein - ähnlich wie der im Januar 2017 verstorbene Udo Ulfkotte - nicht wirklich ein Bundesgenosse der Sezessionisten. Wenn der Herr Wallasch etwas Richtiges schreibt, bleibt es natürlich trotzdem richtig.

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