Sezession
26. Juli 2017

Das war’s. Diesmal mit: Vokalisationismus, Affenliebe und Akif im Keller

Ellen Kositza / 13 Kommentare

Denn, mal ehrlich: Es gibt tausend schlechtere Lebensentwürfe, als dreieinhalb Jahre damit zu verbringen, nur mit einem Rucksack (und ohne Flugzeug) durch die Welt zu gondeln, dabei gelegentlich Arbeit gegen Brot einzutauschen und nebenbei ein Kind zur Welt zur bringen. „Gwen“ und Patrick, zwei junge Leute aus dem Schwarzwald, haben sich bei ihrer knapp 100.000 km langen Tour gefilmt.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Hat Spaß gemacht, es anzusehen. Nur, dies sei dann doch erwähnt, würde man manchmal gern auf die Tonspur verzichten. Muß alles Fremde, Erstaunliche, Erhebende immer in exakt diesen vier Kategorien bewertet werden? „Kraß!“ „Cool!“ „Geil!“ „Spannend!“ Gemäß öffentlich-rechtlicher Filmkritik soll diese Dokumentation „in dieser Zeit genau die richtige Antwort auf Misstrauen, Angst und Fremdenhass“ sein.

Ja? Da ich solche Gefühle nicht gut kenne, bin ich unsicher. Ich hätte jetzt gesagt, der Film sei ein Beleg dafür, daß das identitäre Konzept des Ethnopluralismus goldrichtig ist.

Der Kinosaal ist voll bis auf den letzten Platz. Typische Kino-Klientel einer Studentenstadt, weiß, akademisch, linksliberaler Habitus. Mindestens drei Leute fallen raus; wir und ein MoC (Man of Colour).

Ich später zu Kubitschek: „Das war wohl übrigens der Karamba. Das haben die Leute jedenfalls geraunt: 'Karamba, Karamba…'“ – „Karamba wer?“ – „Na, der SPD-Bundestagsabgeordnete Herr Dr. Diaby.“ – „Ah, und?“ – "Nichts und. Wir wollten gleichzeitig zu Toilette, Dr. Diaby hat mich mit zwei flotten Sprüngen überholt und mir die Tür zu den Räumen zugehalten.“ – „Glaub ich jetzt nicht?!“ – „Wieso? Ich fand’s höflich.“ – „Zugehalten?!“ – „Hab ich doch gar nicht gesagt. Ich hab 'aufgehalten' gesagt!“ – „Ham Sie nicht!“ – „Hab ich doch!“ usw.

Was mir noch aufgefallen ist: Manche Völker (oder „Völker“?) kommen extrem gut weg in diesem hübschen Film. Besondere Sympathien werden den Georgiern und den Pakistanern zuteil. Die Chinesen hingegen werden nicht ganz ernst genommen. Die können ja nicht mal richtig (nach-)sprechen! Paderik! Gewen! An diesen Stellen hat das Publikum am lautesten gelacht. Wir nicht. Als Ethnopluralisten lehnen wir derartigen Vokalisationismus als Vorform des Rassismus ab.

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21.7.2017 -- Fundstück in der FAZ, Überschrift „Kennenlernen mit Gewalt“:

Sexuelle Gewalt ist unter sozial lebenden Säugetieren weit verbreitet. […] Männliche Bärenpaviane allerdings schüchtern die Weibchen schon vor der eigentlichen Paarung durch aggressives Verhalten ein und kontrollieren die Weibchen damit nicht erst bei der Kopulation, sondern lange im Voraus. […] Die Weibchen bezahlten die sexuellen Einschüchterungen mit einem hohen Preis, denn 78 Prozent ihrer Verletzungen wurden durch das aggressive Verhalten der Männchen verursacht.

Die zitierte Forscherin Alice Baniel und ihre Kollegen vermuten aber auch, „dass einige Weibchen sogar zufriedener mit den Männchen sind, die sie einschüchtern.“

Sich zum Affen machen, kennt man die Redewendung noch?

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22.7.2017 -- Seit einiger Zeit fallen mir vermehrt farbige Kennzeichenhalter auf. Ich rede von diesen Plastikteilen, die ein Autonummernschild umrahmen. Standardmäßig sind sie schwarz. Einen regenbogenfarbigen Kennzeichenhalter habe ich (klar: Landei) noch nie gesehen, eigentlich sind sie immer rosa. Linse ich beim Überholen rüber: logisch – ein Weibchen.

Ich kam leider noch nie dazu, mit der Halterin eines Kraftfahrzeugs mit rosa Kennzeichenhalterung zu sprechen, dabei würden mich die Beweggründe für die Wahl dieses Unterscheidungsmerkmals interessieren.

Heute auf der A 5 vor uns: PKW mit Wohnanhänger. Nummernschild pink gerahmt. Und: Auf dem Heck des Anhängers ein lebensgroßer Scherenschnitt eines Motocross-Fahrers samt wild sich aufbäumenden Zweirads. Coole Mischung! Kann man das gendersensibel nenne, oder vergreif' ich mich da?

Auftrag an den mitfahrenden Zögling beim Überholen: „Guck mal rein! Was sind das für Typen?“ Auskunft des Sohnes: „Also. Am Steuer ein Mann mit Bart. Beifahrer weiblich, ähnlich alt wie der Mann. Hinten ein Kind.“ Und, sonst? „Naja, normal. Wirken glücklich. Lachen grad.“

Na also, geht doch, Jede/r/m das Seine/Ihre. Und zack, volle Zufriedenheit.

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24. Juli 2017 -- Ach je. Ein Herr Raether vom Süddeutsche Zeitung Magazin hat ein geschlagenes halbes Jahr auf der Lauer gelegen, um bei „den Rechten“ ein bisserl Humor zu finden. So sad, er fand ihn nicht, nicht mal bei den Konservativen! „Bei der Jungen Freiheit scheint die Vermeidung jedes Humors im Redaktionsstatut verankert.“

Der arme Herrn Raether, der also recht eifrig in diesen trüben Gewässern am Trauerrand fischte, ist voll verzweifelt:

Jeder Depp und jede Deppin schreibt ins Online-Profil, die wichtigste Eigenschaft beim Partner sei Humor. Es ist Minimalkonsens: Humor ist sympathisch. Wollen die Rechten nicht sympathisch sein? Wäre es nicht in ihrem eigenen Interesse, weniger menschenfeindlich und ein bisschen wählbarer rüberzukommen? Nach einem halben Jahr im rechten Internet bleibt die Erkenntnis: Selbst wenn sie wollten – Rechte können keinen Humor.

Nur: Bei uns im Keller (wohin es uns zieht, wenn wir mal lachen wollen) war der arme Tropf halt noch nicht. Was wird da geulkt, gescherzt und gelacht! Gestern war Akif via Facebook Gast:

Geil, FINIS GERMANIA Ist immer noch auf Platz 1 bei Amazon, obwohl die Berufswichser und Drecksarschlöcher vom SPIEGEL es aus ihrer geheiligten Bestsellerliste getilgt haben. Das ist historisch. Kubitschek, jetzt ficken wir den Feind richtig durch.

Was haben unsere Schenkel geglüht, im Keller!

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Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (13)

Harm Wulf
26. Juli 2017 17:20

Mit seiner Aussage "Rechte können keinen Humor"  erweist sich Till Raether schonmal nicht als profunder Kenner der deutschen Sprache.

Was qualifiziert ihn denn dann als Humorkritiker?

Caroline Sommerfeld
26. Juli 2017 18:59

@ Harm Wulf: Das soll lustig sein, verstehen Sie das nicht? Jugendsprache! Flapsigkeit! Humor!

Es ist wirklich selten dämlich, die "Junge Freiheit" zu lesen, wenn man nach Hochformen neuer deutscher Lustigkeit fahndet, auch "Tumult" ist kein Witzblatt, und "Compact" ist mitunter drastisch, aber nicht humorvoll, und den sezessionseigenen Humor zu beurteilen bin ich nicht befugt, da befangen.

Nur - schaue er sich doch bitte im Netz um. Die gesamte Mem-Kultur lebt von unkorrektem "rechtem" Humor. Twitter! Facebook! Google Bildersuche! YouTube! Oida ...

Das Genre der politischen Satire jenseits der eines Jan "Oktoberklub" Böhmermann und der völlig auf den korrekten und damit gähnend langweiligen Hund gekommen "Titanic", ist gegenwärtig rechts und nicht links.

Kein Wunder, Staatsdienerei und Dispositivismus "können" einfach strukturell keinen Humor, weil Lachen subversiv ist. Das könnten Linke noch wissen, die sich damals über Michail Bachtins Theorie des Lachens einen Ast gefreut haben ...

Der Gehenkte
26. Juli 2017 22:39

@ Caroline Sommerfeld

... und wenn man sich mal die relevante philosophische Literatur über das Phänomen Lachen/Humor/Komik/Witz/Ironie anschaut, dann wird man sehen, daß das meiste aus der konservativen Ecke kommt:

Das fängt bei Carl Julius Webers "Demokritos" (1882) an und endet, bis auf weiteres bei Frank Lissons "Humor" (2014). Dazwischen liegen Namen wie Nietzsche, Baudelaire, Freud, Bergson, Kuno Fischer, Lipps, Höffding, Plessner, J. Ritter, Blumenberg, Marquard, Onfray, Kamper, Sloterdijk ...

Was hat die philosophische Linke zu bieten? Umberto Eco vielleicht, wenn man ihn denn links verorten will. Mehr fällt mir ad hoc nicht ein.

Nein, gelacht wird rechts - links wird fast nur gefeixt. Links ist Zynismus, mehr in der Regel nicht.

Raskolnikow
27. Juli 2017 00:00

Lieber Herr Raether,

wie stellen Sie sich denn das Leben eines Rechten vor? Da bleibt gar kein Platz für Humor. Wir müssen schon morgens gleich nach dem Aufstehen die Reichkriegsflagge hissen (mit Trompetensignal), Hass-Yoga nach der Shamballa-Hohlwelt-Lehre absolvieren und unsere Ehefrau vermöbeln, bevor sie beginnt, die Frühstückswürste zuzubereiten. Die zahllosen Kinder wollen auch gründlich geschuhriegelt werden. Die Presse hat die Liste mit den Minoritäten, die wir hassen in den letzten Jahren auf fast alle Lebewesen ausgeweitet; das ist schwere Arbeit. Finden Sie mal einen Juden in der Uckermark! Dann fahren wir den ganzen Tag die Kaufhallen der Gegend ab, trinken Bier, hetzen mit den Kameraden gegen Flüchtlinge und fackeln Immobilien ab. Und bei all dem müssen die Schnürsenkel in unseren Stiefeln weiß bleiben... So vergeht der ganze Tag. Abends schlägt dann die Stunde der pseudo-intellektuellen Lektüre (Sezession, Landser, Kraut&Rüben) bis das Abendbrot fertig ist (Bratneger mit Sauerkraut; ja, wir essen Menschen, das findet Ihr bestimmt bald raus...). Dann noch zwei Stunden Führerreden hören und Gute Nacht! Was haben wir schon zu Lachen?

Ihr Linken dagegen seid erfolgreiche, schöne Menschen, weitgereist, gebildet und cultiviert. Ein geistreicher Bonmot jagt den nächsten und, hahaha, zur rechten Zeit genehmigt Ihr Euch auch mal eine fein angedeutete Anzüglichkeit. Nicht ohne augenzwinkernd das Weinglas zwischen den Fingern zu drehen, smooth Jazz dämpft eventuell aufkommende Dissonanzen und eigentlich könnt Ihr gar nicht anders: Ihr seid einfach der kluge, der gute, der humorvolle Teil der Menschheit, Ihr seid die Linken...

Bewundernd,

R.

Ernst-Fr. Siebert
27. Juli 2017 00:09

Liebe Frau von Kubitschek,

im rittergütlichen Keller scheint ja gelegentlich toll oder doll? was loszusein. So lese ich den Letzten Satz und Pirincci kann die Heiterkeit nicht ausgelöst haben, denn da sehe ich den Herrn Verleger die Augenbraue heben. Heitere Grüße aus der Pilzgemeinde (beim Ernten ist jetzt die Sense mitzunehmen)

Ihr Ernst-Fr. Siebert

Monika L.
27. Juli 2017 13:23

Nach der Lektüre von Sieferles " Migrationsproblem" und Lichtmesz' " Die Hierarchie der Opfer " ( besprochen bei Klonovsky, acta, 25.7.17 kann einem das Lachen nur vergehen. 

Ein Foto vom Spätsommer 2015 wird für Lichtmesz zum Emblem ' infantiler Regression' . Das Foto zeigt drei hübsche, junge Frauen am Frankfurter Hauptbahnhof, die mit strahlendem. arglosen Lächeln ein handbemaltes Schild präsentieren: Refugees Welcome. Das Schild ist mit Herzchen und Blümchen bemalt. Klonovsky überlegt, wie ' die jungen Mödchen wohl von den arabischen, jungen Männern wahrgenommen wurden'. 

Zwei Jahre später, nach zahlreichen Übergriffen auf und Vergewaltigungen von Frauen und dem Ende des Feminismus ( eingegangen an infantiler, dämlicher Regression) verbleibt.....nur der Humor eines Wilhelm Busch !

Ich wünsche mir mehr Kühnheit von jungen Mädchen, von Lisa Müller & Co, etwa wie hier: 

https://m.youtube.com/watch?v=yiPtQRjxBsY

Hier bringt ein Mädchen drei Eindringlinge ins Malheur, nicht umgekehrt !

Audace. Mädels. Werdet kühn, dreist und unverfroren ! 

Franz Bettinger
27. Juli 2017 13:44

@ Raskolnikow:  Herrlich! Spaß beiseite: Mein Freund hisst auf seinem Berg - ja, in Golden Bay besitzen sie ganze Berge! - also er hisst, wenn er schlecht gelaunt ist, die Reichskriegsflagge, und die Bayrische, wenn er gut drauf ist. Wir erkennen also schon zwei Kilometer, bevor wir bei ihm oben ankommen, was uns erwartet.

Monika L.
27. Juli 2017 15:59

Sich zum Affen machen , diese Redewendung kenne ich schon. Aber, wer kennt schon " aufpudeln " ? ...in Rolf Peter Sieferles Büchlein, in " dem sich Ressentiments der fatalen Art zur tiefsinnig daherkommenden Diagnose deutscher Zukunft aufpudeln "... Das schreibt Helmut Mayer in der FAZ zum " kontraproduktiven Eiertanz" der Spiegelredakteure, da guck: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/finis-germania-eine-absolute-ausnahmeliste-15123407.html

Da kann man nur noch lachen. Es geht ja gerade nicht um eine Diagnose deutscher Zukunft, sondern um das Ende einer solchen: Finis Germania ! Insofern hat das Büchlein natürlich einen " Skandalwert". Alle, denen die Abschaffung Deutschlands nicht schnell genug gehen kann,  könnten eher gelassen in die Zukunft ( haha)  blicken. Finis Germania ! Weshalb also ein " geschichtsrevisionistisches" Buch von der Liste nehmen ? Wo keine Geschichte ,  da auch kein Revisionismus . Eben: Finis Germania. Ein paar überforderte Redakteure pudeln wohl auf. Statt "Markenproblemen" kriegen sie demnächst Magenprobleme. Nach der Lektüre von Herrn Sieferles Buch "Das Migrationsproblem" ganz bestimmt. Ich wünschte, dieses Buch wäre " aufgepudelt".  Fürchte aber: Es ist des Pudels Kern.

Harald
27. Juli 2017 16:37

Humor wird meines Erachtens überbewertet. Ernsthaftigkeit,Verläßlichkeit und Vertrauen sind für mich die Grundlagen jeder menschlichen Gemeinschaft,ob Ehe oder Arbeitslollektiv. Aber wahrscheinlich bin ich altmodisch. Gold gab ich für Eisen.

Franz Bettinger
27. Juli 2017 18:30

Ich überlege, ob unser AfD-Wahlkampf-Stand ein Banner zieren soll mit der Aufschrift: "Nicht nähern! Ansteckungs-Gefahr!" Es ist fraglich, ob solche Ironie verstanden wird. In jedem Fall würde man herschauen! Und ja, ich glaube, die wackeren Leute in meinem Dorf würden die Ironie begreifen und sympathisch finden.

Johann Sebastian
28. Juli 2017 11:55

Liebe Frau Sommerfeld,

eine Hochform "neuer deutscher Lustigkeit" bzw. echten Humors konnte man in der JF z.B. am 5. Mai 2017 genießen ("Ralle, der rote Rabauke", Klonovsky). JF-TV 19/17 thematisiert dies ab ca. 5:23. Freilich legt Dieter Steins Mimik nahe, dass die Keller in Berlin weitaus tiefer als im Rittergut sind (glühende Schenkel nach einem Akif-Text... ;-)). Das gar nicht mal so schlechte Niveau deutscher Mainstream-Lustigkeit beim Verwenden vermeintlich passender, gemeiner Fotos erreicht die JF z.B. aktuell hier: https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2017/macron-fordert-asylzentren-in-nordafrika/ Sie sehen: Der Heitere wird auch in der zwerchfellschonenden Wüste fündig.

Martin Himstedt
28. Juli 2017 13:16

An Raskolnikow führt einfach kein Weg vorbei: Er sollte sich noch viel öfter hier äußern!

Braunschweiger
28. Juli 2017 22:30

Kennt denn der Herr Raether das gute alte Sprichwort "Humor ist, wenn man doch nicht lacht" nicht?

So ging das doch? Oder sitze ich einem Irrtum auf? Muhahahaha...

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