Sezession
18. August 2017

Sind wir „Die Angstmacher“?

Ellen Kositza / 20 Kommentare

Es geht um „uns“, die Neue Rechte. Zentral stellt Wagner die Frage, ob wir – als Außenseiter, die in die Mitte drängen, als Rebellen und Widerborste – gerade dabei seien, die 68er zu beerben. Interessante Frage, die übrigens auch das Gespräch prägt, das der Freitag-Redakteur Michael Angele mit mir führte und heute hier veröffentlichte.
 
Man kann die Rezeption der „Neuen Rechten“, wie sie seit drei Jahren sich darstellt, grob unterteilen:
  • Es gibt die, die nichts wissen, nichts gelesen haben und dennoch laut plärren; Heiko Maas, Ralf Stegner und Konsorten. Dergleichen sollte man wohl auch nicht unter „Rezeption“ subsummieren.
  • Dann haben wir die, die sehr wenig lesen, Fundstücke aus dem Internet zusammensammeln und daraus ein Alarmtütchen basteln; Liane Bednarz‘ Gefährliche Bürger wäre so ein Fall.
  • Des weiteren haben wir solche, die aufmerksam zuhören und in Austausch treten, um daraus eine komplette Agenda zu stricken, die jedoch in einem einzigen Satz gebündelt wird, der dann als Essenz auf allen Kanälen, vor allem denen der öffentlich-rechtlichen, vorgetragen wird: „Diese Rechten haben einfache Antworten auf komplexe Fragen“; Armin Nassehis Die letzte Stunde der Wahrheit.
  • Dann kommen die, die viel lesen, wenig fragen, ihr Weltbildchen eh schon fertigzusammengezimmert haben und sich schreibend nur noch um ein paar furchterregende Adjektive bemühen müssen: Bürgerliche Scharfmacher. (Allein dem Scharfmacher Speit, das sei erinnert, haben wir den Bestsellerstatus von Rolf Peter Sieferles Finis Germania zu verdanken.)
  • Zuletzt hatten wir einen, der nicht fragte (also auch nicht zuhören mochte), aber dies & das las, viel las, aber eben mit Kantenscherebrille, die alle Kontraste möglichst scharf stellen sollte. Da überwog die denunziatorische Absicht; der stramm linke Publizist Volker Weiß (Die autoritäre Revolte) war derart vorgegangen.
  • Und nun eben Thomas Wagner, der unglaublich viel gelesen hat (bereits auf S. 57 zähle ich Fußnote 157) und mit sehr vielen Leuten (hier: Martin Sellner, Frank Böckelmann, Benedikt Kaiser, Alain de Benoist, Henning Eichberg und eben „uns“, Kubitschek und Kositza) gesprochen hat.
Man wird also begutachtet, beäugt, vorgeführt, so oder so, ungefragt oder angefragt. Ich bin gelegentlich Gast bei Zuchtfohlenschauen, daher ist mir das Prozedere vertraut. Einer schaut und wertet, der andere wird bewertet. Es ist unüblich, das Fohlen sich zusammentun und die Juroren benoten. (Es wäre auch komisch, die Juroren sind ja irrelevant.)
 
Ich selbst tät ja prinzipiell fast jeden einlassen, der Fragen hat. Wieso auch nicht, wir haben nichts zu verbergen. Wenn einer dann hauptsächlich über die Edda schreibt (die er in unseren Regalen „entdeckt“ hat) oder darüber, daß vier unserer Kinder „germanische Namen“ (Wahnsinn!) tragen, auch gut. Gute Leser/Hörer/Zuschauer wissen mit „Lückenpresse“ mittlerweile gut umzugehen.
 
Kubitschek ist skeptischer – zumal solche Gespräche immer Zeit kosten (bzw. den sogenannten letzten Nerv, wenn ich an den DLF-Mann Christoph Richter denke).
 
Unser Lektor Benedikt Kaiser, unser linker Rechter im Verlag, war jedoch bereits Thomas-Wagner-Fan. Er kannte und mochte seine Bücher über Robokratie und „digitalen Kapitalismus“ und las Wagners Stücke in der jungen Welt.
 
Wagner war also im vergangenen Dezember Gast bei uns. Freundlich, fast zurückhaltend und sehr genau fragend und nachhakend. Das war eine ziemlich neue Erfahrung. Vieles, was wir berichten/antworten konnten, war rasch abzuhaken: Kannte Wagner schon, hatte er bereits gelesen; ja, manches aus den „Urgründen“ der Neuen Rechten kannte Wagner besser als wir!
 
Mir war eigentlich klar, daß das kein schlechtes Buch werden könnte. Als ich vor ein paar Wochen den Titel hörte, kam es zunächst zum Kummerseufzen: »Die Angstmacher«. Wir? Wir, die Mutmacher? Man sollte es (das weiß ich nach der Lektüre) wohl anders auffassen als eine Warnung vor den unbotmäßigen Dunkeldeutschen, die „diffuse Ängste schüren“. Eher geht die Intention wohl nach dem Linke-Aufkleber-Motto: „Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben.“
 
Eine Kernfrage von Wagner lautet: Wer und was ist heute eigentlich links, wer oder was rechts? Und wer sind diejenigen, die das Establishment heute herausfordern?
 
Wagners Eingangsszene ist beredt:

Die Straße Unter den Linden ist gesperrt. Demonstranten verteilen Blumen. Ergraute Langhaarige sind darunter, Rentner-Ehepaare, Männer in Motorradkluft, auch ein paar St.-Pauli-Fans. ≫Keine Gewalt≪, tönt es von der Rednertribüne. Die Demokratie sei gefährdet, hört man hier und da. Die Frau werde im Islam unterdruckt. Und immer wieder: Merkel muss weg. Hinter der Polizeiabsperrung eine in Schwarz gekleidete Menge, junge Gesichter, manche vermummt. Drohgebarden in Richtung der Blumenkinder in fortgeschrittenem Alter. Die setzen sich zur Wehr, bilden Sprechchore. ≫Nazis raus! Nazis raus!≪, rufen sie den Gegendemonstranten zu. Aber wer sind hier eigentlich die Nazis?

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Wer die Guten, wer die Bösen? Die Touristen vor der Filiale der Coffee-to-go-Kette, in der ich gerade mein Frühstück verzehrt habe, sind irritiert. Man klärt sie auf: Die militanten Jungen sind von der Antifa, also Linke. Die Alten mit den Blumen von der AfD, also Rechte.

Die Verwirrung hat einen Grund: Die politische Rechte greift auf Sprüche und Aktionsformen zurück, die man seit den Tagen der Achtundsechziger-Studentenrevolte vor allem mit der Linken in Verbindung bringt.

Wagner kennt diese Irritationen schon länger, er weiß um solche Verblendungszusammenhänge, er weiß auch: Vieles im sterilen Rechts-Links-Schema der Leitmedien (Motto: „Pack“ gegen „engagierte junge Menschen“) ist keineswegs so, wie es scheint.

Wagner: „Dabei stellte ich mir die Frage, ob es tatsächlich eine gute Idee sei, rechte Intellektuelle vom politischen Diskurs auszuschließen, wie es immer wieder geschieht. Ist der offen geführte Streit nicht der viel bessere Weg, mit ihnen umzugehen? Diejenigen, die eine solche Auseinandersetzung in der Vergangenheit suchten, wurden dafür von links meist scharf kritisiert.“

Wagner jedenfalls nimmt hier alles sehr gründlich und redlich auseinander. Die 21 Großkapitel tragen Überschriften wie: „Die Zornbatterie wird aufgeladen“, „Antiimperalismus von rechts“, „Die Neunundachtziger: Rechter Aufbruch im Wende-Deutschland“ und „Nationale Graswurzelbewegung: Die Junge Freiheit.“ Die JF-Männer Dieter Stein und Karlheinz Weißmann übrigens haben ein Gespräch mit Wagner abgelehnt.

Ich rate sehr zur Lektüre dieses Buches. Es geht doch: Eine faire Auseinandersetzung, ohne dabei Sympathisant zu sein. (Wenn überhaupt sympathisiert Wagner übrigens mit der alten Tante Henning Eichberg – der nun, Gott hab ihn selig, „uns“ schon Jahrzehnte nichts mehr zu sagen hatte.)

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Thomas Wagner: Die Angsmacher. 1968 und die Neue Rechte. 352 Seiten, Klappenbroschur, hier bestellen


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (20)

Solution
19. August 2017 00:41

Die Barrikade hat nur zwei Seiten.

Der Gehenkte
19. August 2017 02:11

Trotz Empfehlung macht es mich eher skeptisch. Ein Satz wie dieser: „Dabei stellte ich mir die Frage, ob es tatsächlich eine gute Idee sei, rechte Intellektuelle vom politischen Diskurs auszuschließen, wie es immer wieder geschieht. Ist der offen geführte Streit nicht der viel bessere Weg, mit ihnen umzugehen?" deutet die Crux derartiger Versuche an.

Es gibt ein apriorisches Urteil, es gibt Verständnis nur, um "damit umzugehen", sprich, um es zu bekämpfen und zu besiegen. Noch nie habe ich genuines Interesse gefunden, Interesse im Sinne der Bereitschaft eines existentiellen Einlassens, des Risikos, so verunsichert oder vielleicht sogar überzeugt zu werden, daß man die eigene, die linke Position, letztendlich aufgibt. Am Anfang steht immer nur das Widerlegen-Wollen - mit mehr oder weniger Anstand und Seriosität.

Ich kenne die "Robokratie". Ein fleißiges Buch, viel gesammelt und zusammengelesen aber schwerlich originell oder selbst denkend. Wichtig, weil es ein wenig beachtetes Problem in dramatischem Ton thematisiert, Bewußtsein weckt ... mehr nicht. Da ist mir Nassehi als Adorno-Redivivus fast noch lieber - der hat hier und da ganz originelle Gedankengänge.

Gustav Grambauer
19. August 2017 13:27

E. K.: "Ich selbst tät ja prinzipiell fast jeden einlassen, der Fragen hat."

Pflege schon lange eine insgeheime Kategorisierung von Menschen: (a) die, die potentiell auf alles eine druckreife Antwort haben (ich nenne sie für mich "die Endaufgeklärten") - (b) die, die noch fragend an das Leben herangehen. Irgendwann hat es 'Klick' gemacht, und mir war klar, daß ich damit ein vorzügliches - wenn auch nicht 1:1 anwendbares - Links-Rechts-Schema habe, sozusagen ein Meta-Links-Rechts-Schema.

("Es irrt der Mensch / solang` er strebt"  - ... für mich war insofern Faust auch nie der Prototyp des Linksemanzipatorikers, was wir ja heute in Zeiten der Ausrottungssucht gegen "alte, weiße, noch dazu deutsche Männer" pikanterweise auch nicht mehr zu hören bekommen; warte nur noch darauf, daß demnächst der (alt-)linke Lieblings-Popanz "Kritisch-Hinterfragen" als rechts gilt.)

Der Gehenkte

... und ich kenne unzählige Ur-Linke, die heute rechts sind. Teilweise sind es die Besten. Vielleicht sind am Rand auch ein paar Opportunisten dabei, aber im Kern müssen es die gewesen sein, deren Fragen drängender als alles andere waren. Nehmen Sie nur Sieferle. (Aber ich verstehe Ihren Vorstoß, vielen anderen merkt man leider die doktrinäre Selbstgefälligkeit an, und mit denen sollte man auch seine Zeit nicht verschwenden.)

Wagner: "'1968' ist nicht nur die Geburtsstunde einer neuen Linken jenseits der Sozialdemokratie ..."

Na, in der Hinsicht hat ja Frau Wawzyniak von der Linkspartei diese Woche unter den Vorzeichen der zunehmend-bunten Ambivalenz der Berliner Mauer kräftig den Cuck-Hühnerstall von Müller-Vogg bis Spahn aufgescheucht:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article167648972/Linke-Abgeordnete-erklaert-SED-zur-rechten-Partei.html

Mich durchzuckt es immer, wenn sich z. B. im Rotfuchs,

https://www.rotfuchs.net/wofuer-stehen-wir.html

https://www.rotfuchs.net/pdf-archiv.html

der schon ohnedies psychopathologisch 'etwas' neben der Spur läuft, gediegene, ehemals staatstragende blasse ältere Herren, die alle mal Lenins "Der linke Radikalismus - die Kinderkrankheit ..." gelesen haben, mit der Selbstzuschreibung "Linke" versehen. (Wobei, - um den Kreis zu schließen -, die einem schon gern "wissenschaftlich" die "objektive Realität" erklären, immerhin auf der Ebene war die SED doch sehr links.)

- G. G.

Ein gebürtiger Hesse
19. August 2017 16:25

Es ist gut, daß EK das Buch tatsächlich lesenswert findet - und ich zweifele nicht daran, daß Sie damit recht hat. Der Titel allerdings gibt bereits eine klare ungute Richtung vor. "Die Angstmacher" ist eine wertende Feststellung, die besagt, hier geht es um Leute, die Ängste schüren, die ohne sie gar nicht oder kaum da wären. Stünde ein Fragezeichen hinter dem Titel, wäre es bereits was anderes. So aber stelle ich mir vor, daß Leute das Buch bei Thalia oder Hugendubel liegen sehen, und ob des Titels sogleich in dem von der Lügenpresse propagierten Klischee bestätigt werden: Ja freilich, da geht's um die bösen Rechten, die finstere Ammenmärchen erzählen. Und selbst wenn die Lektüre des Buches schließlich ein weitaus differenzierteres Bild ergibt, bleibt die Insinuation des Titels doch dennoch bestehen. Oder?

Ferner: ein feines Interview beim grausligen "Freitag". Einmal mehr das Beste rausgeholt, Bravo!

niekisch
19. August 2017 18:17

"sympathisiert Wagner übrigens mit der alten Tante Henning Eichberg – der nun, Gott hab ihn selig, „uns“ schon Jahrzehnte nichts mehr zu sagen hatte."

@ Frau Kositza: uns, die wir in den 60iger Jahren zwischen "links" und "rechts" hergerissen waren, hatte er sehr viel zu sagen und sein Einfluß wirkt noch heute. Ich habe auch noch den Satz vor "Die Möglichkeiten, Mensch zu sein..." im Kopf: "Identität ist stets kollektive Identität, Gemeinsames und Wiedererkanntes. Identität konstituiert sich zugleich aufgrund von Unterscheidung, von Einsicht in das andere, das fremde und seine Eigentümlichkeit. Was aber ist "das andere"? Welchen Gesetzenen folgt unser Verhalten, uns kollektiv zu unterscheidenund in dieser Unterscheidung - allen Prophezeiungen über den Weg zur Einen Welt" zum Trotz - ein Gegengewicht zu erleben? Die Möglichkeiten..." Eichbergs damalige Fragen sind auch heute aktuell und in die Zukunft reichend. "Nationale Identität" S. 13: "...Wort des Cherokee - Indianers Jimmi Durham: "Ich existiere nicht als menschliches Wesen, das ziellos in der Luft umherschwebt - meine einzige Möglichkeit, mich als Mensch zu  verwirklichen, liegt darin, Cherokee - Indianer zu sein." Damit ist die Grunderfahrung nationaler Identität formuliert. Sie ist nicht "links"; sie ist nicht "rechts"; sie hat - gerade deswegen - revolutionäre Konsequenzen...Wer von den Völkern nicht reden will, soll von den Menschen schweigen."

Um mit "Solution" zu sprechen: die Barrikade hat nur zwei Seiten, aber wir standen in den 60igern furchtlos obendrauf und einige, wenn auch wenige, starben damals auf der Barrikade, wurden schwer verwundet oder wurden ihrer Existenz beraubt. Wir säten, wenn wir auch nicht ernten durften.

destijl
19. August 2017 18:55

Erquickende Lektüre, das Interview im Freitag. Jetzt kann aber auch mal langsam die Opferrolle auf der Rechten verlassen, von wegen, man unterhält sich nicht mit uns. Ganz im Gegenteil, man ist allseits neugierig und saugt auf. Nur muß man dann eben auch eloquent liefern. Frau Kositza macht's vor. 

Obi Wan Kenobi
19. August 2017 20:38

Wow, was für ein tolles Interview von Ellen Kositza im "Freitag"! Und immer der feine Blick auf die Wirklichkeiten, von den Ringelblumen zwischen den Zuccinis bis zu den Gewerkschaftsprotestlern mit ihren Trillerpfeifen und Plastiküberzügen. Na, wenn das mal kein verlockendes Angebot zur geistigen Entrümpelung ist...

Der_Jürgen
19. August 2017 21:03

@Der Gehenkte

Ellen Kositzas Artikel nach zu schliessen, gehört Thomas Wagner zu den anständigeren unter unseren Gegnern, was aber nichts daran ändert, dass wir uns gegenseitig im Grunde nichts zu sagen haben. Wir Rechte, die wir die Eigenart der Nationen bewahren wollen, sind von der Richtigkeit unserer Positionen überzeugt, zumal die Entwicklung diese Tag für Tag bestätigt, und sehen keinen Anlass, den Globalisten und Liberalen irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Wenn diese ins patriotische Lager übergehen, werden wir sie willkommen heissen, so wie wir Jürgen Elsässer, Lutz Meyer, Peter Feist und andere willkommen geheissen haben.

Im Grunde ist hüben und drüben schon gesagt. Wir kennen die Argumente der Gegenseite im Schlaf; jene Vertreter der Gegenseite, die - wie Thomas Wagner - unsere Schriften lesen, kennen die unseren. Worüber sollen wir eigentlich noch diskutieren?

deutscheridentitärer
20. August 2017 01:21

Als ich gerade das sehr schöne Interview mit Frau Kositza im Freitag gelesen habe, habe ich mich an folgende Begebenheit erinnert:

Als ich ca. 18 Jahre alt war und vor nicht allzulanger Zeit von K&K erfahren hatte (über einen Artikel mit dem fetzigen Titel "Der Salonfaschist vom Rittergut"), wollte ich meinen Eltern meine Begeisterung für dieses Milieu, dessen Denkwelt sich mir damals eröffnete, begreiflich machen.

Ich bat meine Mutter also, einen Artikel von Kositza zu lesen, in dem unter anderem auf Camille Paglia Bezug genommen wurde,  wie sie den Unterschied zwischen den Geschlechtern durch die jeweilige Art des Wasserlassens verdeutlichte: hier gewissermaßen der raumgreifende Strahl, dort das diffuse Plätschern nach unten (oder so ähnlich).

Auf meine Frage, ob der Artikel denn Gefallen gefunden hätte, wurde mir dann nur beschieden, so einen vulgären und perversen Kram hielte man jeder Kritik für unwürdig.

Naja. 

Der Feinsinnige
20. August 2017 04:11

 

Danke für diesen Artikel und das fulminante Interview im „Freitag“, sehr geehrte Frau Kositza!

Wenn ich mir das empfohlene Buch kaufe, dann selbstverständlich im Versand von Schnellroda, damit das Buch auch einen nützlichen (finanziellen) Nebeneffekt hat. Das grundsätzliche Interesse ist jedenfalls durch den Artikel geweckt.

Das Interview gehört meines Erachtens zu dem Spannendsten, was ich von Ihnen seit dem Gesprächsband „Tristesse Droite“ gelesen habe, weil es wieder eindrucksvolle Einblicke in Ihre Lebens- und Gedankenwelt gibt, welche die Grundlage für Ihre zahllosen lesenswerten Texte bildet.

Beim Thema Angst möchte ich jedoch einhaken: In dem Interview sagen Sie: „Angst ist immer ein schlechter Ratgeber...“ - und das im direkten Zusammenhang mit dem Begriff „Großer Austausch“, also mit der Masseneinwanderung. Dies fordert meines Erachtens doch zu vorsichtigem Widerspruch heraus. Daß Angst ein schlechter Ratgeber sei, ist ein populärer Ausspruch, der so richtig wie falsch ist. Sicher kommt es beim Thema Angst – wie bei vielem anderen auch – auf den konkreten Zusammenhang und das richtige Maß an. Angst ist bekanntlich ein Urinstinkt (nicht allein) des Menschen und hat als solcher eigentlich eine wichtige Schutzfunktion gegenüber Gefahren. Ich stimme zu, daß der Buchtitel „Die Angstmacher. ...“ sicher in einschlägig abqualifizierender Absicht formuliert ist. Der Vorwurf des Angstmachens ist in der politischen Diskussion nicht neu und er richtet sich beileibe nicht allein gegen „Rechte“. Wer vor Gefahren warnt, gilt schnell als „Angstmacher“. Dabei ist immer wieder festzustellen, daß die angeblichen Angstmacher entgegen dem Vorwurf Ängste nicht erzeugen oder schüren, sondern lediglich aufnehmen und öffentlich formulieren – ein wichtiger Vorgang in einer Demokratie. Ich bekenne mich dazu, Angst davor zu haben, daß unser Land schon in einigen Jahren oder wenigen Jahrzehnten, jedenfalls noch zu meinen Lebzeiten (und sowieso der meiner Kinder), regelrecht überrannt werden und bald nicht mehr wiederzuerkennen sein wird. Diese Angst ist in mir in den letzten zwei bis drei Jahren erst richtig aufgeflammt, seit ich begriffen habe, daß die derzeitigen Machthaber tatsächlich die Zielvorstellung haben, die demographische Entwicklung durch Einwanderung zu korrigieren (und die entsprechenden schon seit vielen Jahren formulierten Bekenntnisse nicht nur leere Worte sind, wie vieles andere, was Politiker sagen, auch), und daß die Regierenden ihre Humanitätsduselei, allen Armen und Verfolgten der Welt könne und müsse in Deutschland bzw. Europa geholfen werden, tatsächlich ernst meinen. Diese Situation ist geeignet, vielen und immer mehr „Menschen, die schon länger hier leben“, Angst zu machen. Diese sich ausbreitende Angst zu kanalisieren, gehört meines Erachtens (neben Mut, Intelligenz, Tatkraft und Gottvertrauen) zu einer erfolgversprechenden Strategie zur Veränderung der Machtverhältnisse und zum Ergreifen unserer vielleicht letzten Chance, die Entwicklung noch aufzuhalten, dazu. Daher halte ich es für fragwürdig, Angst pauschal als „schlechten Ratgeber“ zu bezeichnen. Sie könnte in diesem Zusammenhang ein wesentlicher Beitrag zur Abwehr der drohenden Gefahr sein.

 

Gustav Grambauer
20. August 2017 11:10

deutscheridentitärer

"hier gewissermaßen der raumgreifende Strahl, dort das diffuse Plätschern nach unten (oder so ähnlich)"

Frau Paglia ist nicht auf dem neuesten Stand des Berliner Senats:

https://www.cersaie.it/en/k_adi_prodotto.php?ID=40

https://www.bento.de/today/toilettenkonzept-fuer-berlin-oeffentliche-toiletten-bekommen-urinale-auch-fuer-frauen-1576079/

https://www.daseigenehaus.de/entdecken-sie-den-punkt-c/

Spengler spricht ja von den "künftigen Gewaltmenschen". Er hat womöglich nicht mal geahnt, wie rabiat die den Sexus aufknacken würden. Nie wieder soll ein junges Mädchen vor Scham erröten und Liebesgeheimnisse nur ihrem Tagebuch anvertrauen dürfen, das Balg soll gefälligst lernen, seine Bedürfnisse eindeutig und offen zu kommunizieren sowie teamfähig in Einklang mit den "gesellschaftlichen Bedürfnissen" durchzusetzen, und da hat das BIP für Schmus keine Zeit. Die jetzige Gender-Kampagne ist noch mit zusätzlichen Rachemotiven aufgeladen, weil vor vierzig, fünfzig Jahren kaum einer freiwillig in die Gruppentherapien der damaligen Gewaltnaturen kam. Deshalb wird auch aus der Verhöhnung der Frauen kein Hehl gemacht: das Ding heißt "Girly Urinal", ganz im Gegensatz zu der Muscle-Porn-Virago auf dem obigen Foto.

- G. G.

Der_Jürgen
20. August 2017 16:48

@Ellen Kositza

Aufrichtige Gratulation zu Ihrem Interview im "Freitag". Ihre Antworten zeugen von Sachkenntnis, Schlagfertigkeit und Humor. Da verspürt man direkt das Bedürfnis, sich einen Hut zu kaufen, damit man ihn vor Ihnen ziehen kann.

@Der Feinsinnige

Manchmal sind mir Ihre Wortmeldungen zu leisetreterisch, zu wenig radikal, aber diesmal finde ich Ihren Kommentar ganz hervorragend. Da kann man jedes Wort unterschreiben.

Simplicius Teutsch
20. August 2017 20:49

@ Der Feinsinnige. - Sehe ich auch so. Das „Freitag“-Interview von Frau Kositza ist im Übrigen sehr überzeugend; solche Frauen brauchen wir; ich vergesse auch nicht ihre pointierte, klare Kampfansage an die linken Deutschlandabschaffer in einem schon länger zurückliegenden Fernseh-Interview: „Klar, wir sind rechts. Ich bin rechts.“  Ich wünsche und hoffe, Frau Kositza bleibt weiterhin so stark und aufrecht, wie wir sie kennen.

 Wer hat nicht schon überlegt, den Weg von „Peggy, Ophelia“ zu wählen? – Ein betroffen machender, feinsinniger Nachruf von Frau Kositza auf die starke und aufrechte Kämpferin „Peggy“, die aber schließlich „nicht mehr arbeiten (konnte) vor lauter Sorgen und Schlaflosigkeit“ angesichts der heillosen Zustände, in die unser Land von der eigenen Macht-Elite ganz bewusst gesteuert und getrieben wird, und die sich daher das Leben nahm.

- Fast hätte ich den Artikel überblättert in der jüngsten Ausgabe 79 der Sezession; mit "Blood Oath", "Philipp Glass" und dem Film "Mishima" kann ich nämlich nichts anfangen. Aber im zweiten Absatz hieß es dann: „Wenn ich an Peggy denke, sehe ich Ophelia.“

 „…und nieder fielen

Die rankenden Trophäen und sie selbst

Ins weinende Gewässer. Ihre Kleider

Verbreiteten sich weit und trugen sie

Sirenen gleich ein Weilchen noch empor,

Indes sie Stellen alter Weisen sang,

Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,

Wie ein Geschöpf, geboren und begabt

Für dieses Element. Doch lange währt’ es nicht,

Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,

Das arme Kind von ihren Melodien

Hinunterzogen in den schlamm’gen Tod."

Nautilus
21. August 2017 03:43

Ein grandioses Gespräch Frau Kositza, hat mir sehr gut gefallen. Ihre Art ist einfach einmalig.

quarz
21. August 2017 12:16

@Feinsinniger

"Dabei ist immer wieder festzustellen, daß die angeblichen Angstmacher entgegen dem Vorwurf Ängste nicht erzeugen oder schüren, sondern lediglich aufnehmen und öffentlich formulieren"

Und selbst das Schüren von Ängsten ist entgegen der notorischen Unterstellung nicht per se verwerflich, sondern kann auch moralisch geboten sein. Dann nämlich, wenn Leute an einer Dysfunktion dieses wichtigen Alarmsignals leiden. Unpolemisch spricht man dann schlicht von einer Warnung.

Wer einen übermütigen Betrunkenen vor den Gefahren des Autofahrens in alkoholisiertem Zustand warnt, dem ist nicht das "Schüren von Ängsten" vor den Gefahren des Straßenverkehrs vorzuwerfen, sondern der ist für seine Warnung zu loben.

niekisch
21. August 2017 14:09

"die sich daher das Leben nahm"

@ Simplicius Teutsch:

Von einem, der den Schritt schon Jahrzehnte vor "Peggy" machte zum August:

Zyklamen

Langer Regen fällt / auf die Buchen her.

Von dem Moos auf riecht / schwarze Erde schwer;

und der Feuersalamander kriecht / unterm Lattichgezelt.

Aus der Finsternis bricht / ein geheimer Schein;

was die Furcht ersann, / will mir gnädig sein:

Und ein tiefes Auge schaut mich an / wie der Glaube ans Licht.

O du Todbewußt! / Nur ein leiser Schritt,

und uns reißt das Jahr / in sein Dunkel mit -

Hoch und fern der Stern geht unsichtbar / durch den weiten August.

Josef Weinheber

Simplicius Teutsch
22. August 2017 22:14

@ niekisch

Sie bringen Josef Weinheber! - … er wählte am 8. April 1945, als die Rote Armee bereits dabei war, Wien zu erobern, den Freitod. Aber das wissen Sie ja.

Maiordomus
22. August 2017 23:11

@Interview "Freitag" - das war wirklich etwas vom Erfreulichsten, was man in den letzten Jahren in dieser Sorte Presse lesen durfte. Am meisten freut mich der Rückbezug auf Pestalozzi, die sog. konzentrischen Kreise, womit eigentlich nur das schon von Althusius entwickelte Solidaritätsprinzip angesprochen ist. Dabei hat ausgerechnet die Neue Zürcher Zeitung in ihrem Separatmagazin Geschichte zwei ignorante Pseudohistoriker mit den sog. dunklen Seiten von Heinrich Pestalozzi abrechnen lassen, mit Lehrbuchbeispiel für Lügenpresse, wurde doch die Aussage von Johann Caspar Lavater zitiert, er würde Pestalozzi nicht mal einen Hühnerstall anvertrauen. Die zweite Hälfte der Aussage, er würde jedoch zum Bildungsminister machen, wurde unterdrückt, ein Beispiel wirklich für schäbigste Manipulation, wobei schon klar ist, dass die derzeitige Mainstream-Schul- und Pädagogikszene selbstverständlich das Gegenteil von Pestalozzi ist, weswegen er schlecht gemacht werden muss. Übrigens durchaus auf gleicher Linie wie Rousseau, von dem freilich auch die Rechten in der Regel fast nichts verstehen. Wie auch immer, Kositza hat mir gewaltig Freude gemacht, und es lohnt sich wirklich, in das Interview im "Freitag" reinzusehen, ich hätte es nicht beachtet, hätte _derjürgen nicht den Tipp oben gegeben.

Simplicius Teutsch
23. August 2017 01:06

@ Ellen Kositza – Erlauben Sie bitte, dass ich Sie als Literaturexpertin direkt anspreche: In dem eindrucksvollen „Freitag“-Interview sagen Sie u.a.: „Mein Herzensvorbild ist ganz klar Sophie Scholl, sie ist bei uns so etwas wie eine Hausheilige …“

Frage: Haben Sie für mich einen Literatur-Tipp zu dem Thema Sophie Scholl, als Geschenk für „brave“ deutsche Mädchen/Frauen, 12, 14 und 23 Jahre alt? - Ich verspreche: Was Sie mir empfehlen, werde ich umgehend bestellen.

Kositza: Gerne! Der 23jährigen würde ich Barbara Beuys Scholl-Biographie empfehlen. Dickes Buch, aber ganz mitreißend. Meine Töchter (und ich) mochten es sehr. (Daß es dennoch nicht perfekt ist, hab ich mal hier rezensiert https://sezession.de/15585/sophie-scholl-war-keine-tanzmaus.) Den Jüngeren die beiden Büchern von Barbara Leisner und von Hermann Vinke. Viele Grüße!

Simplicius Teutsch
24. August 2017 01:17

Sehr geehrte Frau Kositza,

herzlichen Dank!

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