Sezession
15. September 2017

Zum Gutsein verdammt?

Gastbeitrag / 22 Kommentare

„Erst unter Merkel und der Sozialdemokratisierung ihrer Partei begann die Gesinnungsethik, den Zeitgeist zu dominieren“, so Regina Sieferle im Gespräch mit Erik Lehnert. „Wie politisch darf Kirche sein?“ lautet der Titel auf dem Cover der September-Ausgabe des Cicero. Dieses zeigt einen kopflosen Bischof, der die Hände zur Merkelraute faltet. Stola und Pellegrina sind mit Bildern der als alternativlos vermarkteten politischen Themen verziert: Schwulenehe, Windräder, Moscheen, ein Kreuz, ein Herz. Chefredakteur Christoph Schwennicke schreibt vorweg:

Die beiden hiesigen Kirchenoberen, Kardinal Reinhard Marx für die Katholiken und Heinrich Bedford-Strohm für die Protestanten, gerieren sich als großkoalitionär-ökumenisches Paar, das den Kurs der Kanzlerin bedingungslos unterstützt und Kritiker in den eigenen Reihen nicht duldet.

Nun ist über die Anbiederung der Kirchenoberen an Merkels Politik der offenen Grenzen und Masseneinwanderung schon einiges geschrieben worden. Von der Asylindustrie, die den beiden christlichen Kirchen neuen Aufschwung und Arbeitsplätze verschafft über die „Käßmannisierung der Politik“ (Klaus Schroeder) bis hin zu Unerträglichkeiten.

Hier toppt Kardinal Rainer Maria Woelki auf der nach allen Seiten offenen Dichterskala jeden Gutmenschen. Selbst Bischofskollegen sind über Woelkis Flüchtlingsaussagen „not amused“. Amüsant sind seine Aussagen allerdings schon. Zuletzt meinte Woelki zum Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei, es sei

eine Schande für Europa, dass wir mit einem solchen Land solche Abkommen schließen, damit wir hier augenscheinlich weiter in einer geschlossenen Gesellschaft unserem Wohlstand frönen können. Eine Politik zu loben, die die Zahlen der Migranten senkt um den Preis, dass diese in Lagern an der afrikanischen Küste in Hotspots unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten werden, kann nur als zynisch bezeichnet werden.

Nun müssen die deutschen Bischöfe nicht in ihren geschlossenen Gesellschaften dem Wohlstand frönen, sie könnten ihre fürstlichen Bleiben jederzeit den Ausgegrenzten aller Länder öffnen. Der sogenannte kleine Mann wird wahrscheinlich seinen hart erarbeiteten Wohlstand lieber mit der eigenen Sippe teilen und darüber bestimmen wollen, wer und wie viele daran teilhaben. Denn er spürt in des Wortes wahrstem Sinne: Die direkte Umsetzung der „Wohlstandsfrönerei“ in eine weltweite Politik dürfte bald an ihre Grenzen stoßen.

Wo spirituell ausgezehrte und finanziell gesättigte Kirchenobere zu Politakteuren werden, haben auch der niedere Klerus und der brave Kirchgänger nicht mehr viel zu lachen. Nicht nur hinterläßt ein verirrter Hirte hunderte verwirrte Schafe; wo Gebet, Glaubensbekenntnis und Gottesdienst (Transzendenz) verlorengehen, da geschieht das Gute nicht mehr aus christlicher Freiheit, geschweige denn aus Freude, sondern aus Zwang und Verbissenheit.

Wie es sich anfühlt, wenn die Individualethik Jesu kurzschlüssig in die Sozialethik eines Staates überführt wird, hat Sophie Dannenberg in ihrem Leitartikel „BYE BYE Transzendenz“ im genannten September-Cicero auf beklemmende Weise beschrieben.

Sie schreibt von Christen, die sich verpflichtet fühlen, den „Geflüchteten“ zu helfen. Vom Reich Gottes, das in der „kirchlichen Flüchtlingshilfe“ ausgebrochen ist. Von begeisterten Frauen, die Angela Merkels Grenzöffnung vom September 2015 großartig finden. Die „wie verliebt in ihre Flüchtlinge sind. Nicht in Einzelpersonen, eher in das Gesamtphänomen“.

Von Helferinnen, die fühlen, wie  „eine Welle der Dankbarkeit warm auf sie zurauscht“. Und die nicht wollen, dass das je wieder aufhört“. Und daß „Skepsis tabu sei“. Umwerfend Dannenbergs  Beschreibung einer ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin in der evangelischen Kirche Heilig Kreuz-Passion in Berlin-Kreuzberg:

Die Ehrenamtliche, die mit dabeisitzt, heißt Marita Leßny, 63, kurzhaarig, mit einem Mund, der von selber lächelt. Sie hat sieben erwachsene Kinder. Im Gemeindeblatt wird sie als „Die große Mutter“ vorgestellt. Sie hat in den letzten zweieinhalb Monaten 31 Termine beim Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten begleitet: mindestens vier Stunden, eher sechs: Sie nennt die Flüchtlinge „meine Jungs“. Ohne Begleitung würden sie oft weggeschickt, erklärt sie. „Jeder braucht mal ein bisschen Familie. Und ich kann das bieten. Wenn jeder mit den Flüchtlingen so umgehen würde wie ich, gäbe es viel weniger Probleme. Ich glaube nicht, dass ein Anis Amri solche Kontakte hatte.

Bei einem solchen „Blitzkrieg der Mitmenschlichkeit“ (Matthias Matussek) und so viel „selbstloser Zudringlichkeit“ (Franz Werfel) bleibt man sprachlos zurück. Das ist gnadenlos! Ganz vorsichtig sei  daran erinnert, daß der Mörder von Maria Ladenburger, der „Bub“ Hussein K., „solche Kontakte“ hatte und ihm das geboten wurde, was die „große Mutter“ ein „ein bisschen Familie“ nennt.

Wie paßt das zusammen? Und nennt man eine solche gutmenschliche Selbstgerechtigkeit nicht besser Vermessenheit, Hochmut? Wunderbar beschrieben im Neuen Testament, etwa am Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner. „Gott, ich danke dir, daß ich nicht wie die anderen Menschen bin.“ (Lk 18,9ff.)

Für Sophie Dannenberg klingt das Schwärmen der Helfer über „ihre Flüchtlinge“, als sei es deren „ontologische Funktion, uns alle ekstatisch zu erlösen, von unserer eigenen blöden Kultur. Und dem Christentum irgendeinen Sinn zurückzugeben“. Als konservativer Christ kann man nur verzweifeln. Wo findet man Antworten?

Einer Gesinnungsethik wird die sogenannte Verantwortungsethik gegenübergestellt. Hier sei – mal wieder – ganz eindringlich auf die ausgezeichnete Tugendethik von Josef Pieper hingewiesen. Diese sei nicht nur den Herren Woelki, Marx und Bedford-Strohm zum gründlichen Studium anempfohlen, sondern auch jedem Gutmenschen und allen, die am Gutmenschentum leiden. Den letzten als Seelentrost. In verständlicher Sprache und lebenserfahren schreibt der Philosoph über die vier Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

So findet man z.B. in dem Büchlein Zucht und Maß im Kapitel über die Demut Tröstliches. Wir sind nicht zum Gutsein verdammt – wenn wir das rechte Maß finden. Der Mensch sucht nach Überlegenheit, Vorrang und Geltung auch im moralischen Bereich. Dazu schreibt Pieper: “Die Tugend der Zucht und des Maßes, sofern sie diesen naturhaften Drang an die Ordnung der Vernunft bindet, heißt Demut. Demut gründet darin, daß der Mensch sich so einschätzt, wie es der Wahrheit entspricht. Damit ist fast schon alles gesagt“. Und weiter:

Demut ist [...] eine innere Haltung, geboren aus der Entscheidung des Willens. Sie ist, hinblickend auf Gott und die eigene Kreatürlichkeit, die Haltung der restlosen Anerkennung dessen, was, kraft göttlichen Willens, wirklich ist; sie ist einfältige Hinnahme vor allem dieses Einen: daß der Mensch und die Menschheit nicht Gott ist und nicht „wie Gott“. [...] Demut aber im strengen Sinn besagt die Ehrfurcht, kraft deren der Mensch sich Gott unterwirft.

Sich Gott unterwerfen. Damit können selbst viele Christen nichts mehr anfangen. Der „transzendentale Bezugsrahmen“ ist verlorengegangen. Das Reich Gottes erschöpft sich in der Vision eines universalen Politparadieses. Aber wie erstrebenswert ist ein solches irdisches Paradies überhaupt?

Wer nur davon angewidert ist, daß „wir in einer geschlossenen Gesellschaft unserem Wohlstand frönen“ und nicht in einer offenen, der frönt eben immer noch dem Wohlstand. Das Reich Gottes ist von einer anderen Qualität, als die Verheißung einer weltweiten Konsumgemeinschaft suggeriert. Es ist eben „nicht von dieser Welt“. Es ist nicht von einem anderen, besseren Reich im zeitlich-räumlichen Sinne die Rede, sondern von der Vergegenwärtigung des Ewigen.

„Wenn wir in uns selbst ein Bedürfnis entdecken, das durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann, dann können wir daraus schließen, daß wir für eine andere Welt erschaffen sind.“ So drückt das in weltlicher Sprache C.S. Lewis aus. Ob die „große Mutter“ unsere spirituellen Bedürfnisse stillen kann, darf bezweifelt werden.

Wenn Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt in Rosenheim zur Vergewaltigung einer Joggerin proklamiert: „Solche Verbrechen dürfen nicht mehr stattfinden“, dann ist das nicht einmal  eine armselige Verheißung. Es ist Ignoranz pur. Empathielosigkeit pur. Suicide pact.

Ich werde deshalb am Wahlabend mit einer Flasche Cremant d‘Alsace etwas dem Wohlstand frönen und zu erbaulicher Lektüre greifen, etwa zu Thomas von Kempens Nachfolge Christi, und werde lesen:

Nichts sei dir groß, nichts erhaben, nichts angenehm und willkommen als Gott allein und was von Gott kommt. Erachte alles für eitel, was ein Geschöpf dir an Trost bietet. Eine Seele, die Gott liebt, verschmäht alles, was weniger ist als Gott. Gott allein, der Ewige, Unermeßliche, der alles erfüllt, ist der Seele Trost und des Herzens wahre Freude.


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Kommentare (22)

Maiordomus
15. September 2017 13:21

Monika Leiser ist für mich die Ida Friederik Görres unserer Tage. Ihre Themenpalette ist übrigens noch breiter als hier durchaus verdienstvoll und kirchenkritisch formuliert. Dass die gläubige Katholikin jedoch aus der staatlich grundierten Kirche ausgetreten ist, spricht Bände.

Der_Jürgen
15. September 2017 13:56

Woelki: "... damit wir weiterhin in einer geschlossenen Gesellschaft unserem Wohlstand frönen können".

Dass Woelki dem Wohlstand frönt, glaube ich gerne, denn der wird ja bestimmt gut bezahlt. Aber frönt die 80-jährige Deutsche, die noch putzen gehen muss, weil ihre Rente nicht ausreicht, dem Wohlstand? Oder die alleinstehende Mutter dreier Kinder?

Angesichts dieser bodenlosen Heuchelei überkommt einen der Ekel. Leute wie Woelki, Kässmann und Konsorten "spucken Christus ins Gesicht", wie der französische Dissident und Katholik Vincent Reynouard es treffend ausgedrückt hat. Da ist mir, der ich Christ bin, jeder ehrliche Atheist noch hundertmal lieber.

@Maiordomus

Die von Ihnen zitierte Schriftstellerin Ida Görres (von der ich bisher noch kein Buch gelesen habe, aber das kann sich ja ändern) war die Schwester des berühmt-berüchtigten Gründers der Paneuropa-Union und Vordenkers der Völkervermischung, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi. Faszinierend, welche Überraschungen uns die Geschichte immer wieder bereitet!

 

 

Maiordomus
15. September 2017 14:29

Ergänzung. Die wohl bedeutendste deutsche Katholikin der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre hiess Ida Friederike Görres, war die Schwester von Paneuropa-Gründer Graf Richard Coudenhove-Kalergi, jedoch vom Geist eher vom grossen Görres, Gründer des Rheinischen Merkur, geprägt als von ihrem Bruder.  Sie schrieb noch in den Siebzigerjahren in den von Otto B. Roegele, Paul Wilhelm Wenger und Herwig Gückelhorn erneuerten Rheinischen Merkur, auch in Hefte wie "Epoche" und "Zeitbühne". Ida Friederike Görres stand in den Jahren vor 1945 Karl Ludwig von Guttenberg und dessen epochal unabhängiger Zeitschrift "Weisse Blätter" nahe, in welche auch Jochen Klepper, Lieblingsromancier von Kubitschek, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen und der konservativ-monarchisch gesinnte Vater des späteren Terroristen Andreas Baader schrieben. In den fünziger Jahren nahm Görres Reinhold Schneider gegen den Vorwurf in Schutz, wegen Kirchenkritik, Kritik an der Bundesrepublik ("Restdeutschland") und wegen Glaubenszweifeln von der Kirche abgefallen zu sein, wiewohl auch Schneider das öffentlich-rechtliche Kirchenwesen mit seinen Vereinen und Verbänden radikal ablehnte. Katholisch sein hiess für Görres wie auch Schneider, in England Chesterton, zumal Emigration aus dem liberalistischen Zeitgeist und Orientierung nach Massstäben, die eher als zweitausendjährig denn als tausendjährig einzuschätzen sind, eben für einen christlichen Humanismus jenseits schaler Aufklärerei und der aufdämmernden politischen Korrektheit. Letztere Haltung schloss sogar einen christlichen Pazifismus nicht aus. An Monika Leiser beeindruckt mich, dass sie u.a. über gründlichste Kenntnisse der katholischen Soziallehre verfügt, einem Konzept jenseits sowohl dem herkömmlichen Liberalismus als auch dem Sozialismus. Darüber wurde vor Wochenfrist in Aarau an der Versammlung der in der Schweiz lebenden Sezession-Leser diskutiert, mit einem Grundsatzvortrag eines nach wie vor in seiner Gemeinde praktizierenden Pfarrers, von dem aber im Gegensatz zu weiland Wawerka nicht bekannt ist, dass er Sezession nahe steht. Auch unter den in der Schweiz lebenden Deutschen zumal aus den neuen Bundesländern gibt es offenbar qualifizierte und engagierte Leser von Sezession. Am meisten freute mich in Aarau, dass die an Sezession interessierten Tagungsteilnehmer, darunter zwar nur eine Frau, durchwegs jünger waren als ich selber, der ich mich zwar nie zu den Altrechten, aber zu den Altkonservativen und in gewissem Sinn auch zu den Altliberalen gezählt habe.  

 

PS. Natürlich war Frau Leiser nicht in Aarau, aber man würde sie gewiss gerne mal persönlich kennenlernen!

Heinrich Brück
15. September 2017 15:40

Die Demokratisierung der Hierarchie, zumindest in den Vorstellungen der Demokraten. Die Verachtung des Volkes, des Demokraten also. Was müssen die Politiker noch alles zulassen, damit diese Verachtung verstanden werden kann? Nach der Demokratisierung das Illusionstheater. Die Definitionen stimmen nicht. Für einen Demokraten ist die Demokratie keine Diktatur, nein, sie ist das Gegenteil davon. Deshalb wird die Demokratie verteidigt, weil Diktatur ist böse. In meinem Weltbild ist jede Herrschaftsform Diktatur, auch die Demokratie.

Merkel Macht zu unterstellen, nur weil sie Bundeskanzlerin ist, wird nicht dadurch richtig; zumal Völkerwanderungen keine spontanen Erlebnisveranstaltungen sind, sondern sorgfältig geplante Ziele verfolgen. Zu einem gewissen Zeitpunkt müssen dann schon die richtigen Personen Kanzler sein. Gilt auch für die Repräsentanten der Kirchen. Wer bei Gestalten wie Marietta Slomka landet, kann keine Macht haben! Und hier schließt sich eine Frage an: Welche Macht möchte das Volk haben, zu welchem Zweck sie einsetzen? Wohlstand zuerst, alles andere nachrangig, kann es nicht sein.

Die Steuerungsprozesse der Mächtigen, die sich hinter den Strukturen verstecken, die es nicht nötig haben der Naivität zu frönen, sind nicht nur in den Gesetzen der menschlichen Natur bewandert, sie besitzen auch das Kleingeld dazu. Dagegen sind unsere Politiker arme Kirchenmäuse. Das Wahlverhalten ist nichts weiter als die freiwillige Bestätigung dieses Sachverhalts. Das Ritual muß freiwillig erfolgen, sonst hätte die Lüge keinen Bestand.

Wie war es denn vor der Demokratisierung? Der Deutsche kannte seinen Wert und seine Identität. Jetzt muß er nur noch die Illusion zerstören, er hätte durch Wahlen Macht.

 

Franz Bettinger
15. September 2017 16:29

Die wichtigsten Tugenden sind für mich: Intuition, Gemeinsinn, Mut und Demut. Demut ist mMn nicht die "Unterwerfung unter Gott" (=Islam), denn an einen solchen glaube ich nicht, sondern das Einsehen in die eigene Begrenztheit (in allen Bereichen), man könnte auch sagen, in die eigene Kleinheit und Schwäche vor einem Größeren, Unverständlichen. Letzteres kann man Natur oder Schicksal nennen. Neben der Demut aber steht stolz der Mut. - Es gehört Mut dazu, sein Schicksal nicht immer ergeben zu ertragen, sondern aufzubegehren gegen die Obrigkeit, auch gegen die Natur, ja sogar gegen Götter, die es zu züchtigen gilt, sollten sie zu vermessen werden und einen Abraham auffordern, seinen Sohn zu töten. Denn das ist keine göttliche, sondern eine teuflische Forderung, eine von vielen, die mich diesem Gott des Alten Testamentes ganz und gar entfremdet hat. Wir reden nicht mehr miteinander.

Der Gehenkte
15. September 2017 17:37

Das sollen die Christen unter sich ausmachen. Sie sollten dann aber auch so ehrlich sein, es radikal anzugehen, das Problem aus der Wurzelperspektive und nicht an ad-hominem Argumenten und Schwächen einzelner verirrter Schafe und Hirten festzumachen. Im Gegensatz zu Marx, können sie sich nicht auf den Menschen als Wurzel für den Menschen beziehen - ihre Wurzel wächst im Himmel, von pben nach unten. Die Gesinnungsethik ist ein Ergebnis und ein zwangsläufiges dazu aus dem Christentum und Frau Sieferle irrt, wenn sie glaubt, die Gesinnungsethik sei erst unter Merkel in der Sozialdemokratisierung staatstragend geworden.

Christentum und Gesinnungsethik sind Synonyme! So wie sich Säkularisation und Verantwortungsethik aufeinander reimen sollten.

Luthers "Rechtfertigung allein aus dem Glauben" ist ebenso wie Kants "guter Wille" nur Ausfluß der christlichen Gesinnungsethik und Max Weber hatte das anhand des Calvinismus und Lutherismus auch ökonomisch in der "Protestantischen Ethik" nachgewiesen.

Erleichterung für die Christen gibt es nur in eine Richtung, wenn man die Perspektive erweitert. Nicht nur Christen machen sich der Gesinnungsethik schuldig, sondern alle Religionen und eine besonders.

Nautilus
15. September 2017 19:02

Mich macht das immer wieder sprachlos, wenn ich Typen wie diesen Woelki auf einem Youtube Video höre und sehe. Ich frage mich immer, was ist mit diesen Menschen passiert. Selbst der naivste müsste doch sehen, dass all dieses Verhalten ins Chaos führt. Sind diese Leute masochistisch veranlagt? 

Wenn man das nicht selbst miterleben würde, könnte man all das nicht glauben.

 

quarz
15. September 2017 23:07

Die gängigen Kategorisierungen "Gesinnungsethik" vs. "Verantwortungsethik" beruhen auf einem Denkfeher. In Wahrheit gibt es gar keine reine, von allen Folgen einer Handlung absehende Gesinnungsethik. Denn "von den Handlungsfolgen absehen kann man überhaupt nicht, wenn man handelt. Handeln heißt ja: bestimmte Wirkungen hervorbringen. Man kann Handlungen nicht einmal als Handlungen beschreiben, ohne ihren teleologischen Charakter in die Beschreibung aufzunehmen" (Spaemann).

Man bezieht also notwendigerweise zumindest diejenigen Folgen einer Handlung in deren Bewertung ein, die ihr per definitionem zukommen. Der Unterschied in den konkurrierenden Bewertungsmodellen liegt nur in der jeweiligen Auswahl und Reichweite der Folgen, für die der Handelnde die Verantwortung trägt. Sind es nur die begrifflich notwendigen Folgen oder auch noch andere. Und falls Letzteres, welche anderen?

Merkel ist demnach nicht als gesinnungsethisch handelnde Politikerin zu kritisieren, sondern als Politikerin, die nicht jene Folgen zum Maßstab ihres Handelns macht, für die sie die Verantwortung trägt, sondern jene Folgen, für die sie nicht die Verantwortung trägt.

Findling
15. September 2017 23:15

Jüngste Zeitungssplitter:

Sehen wir doch auf unsere Kirchenfürsten: Kreuz kriecht zu Halbmond!
1683 zog die Kirche noch voran in die Schlacht, heute kennt sie nur noch „submission statt mission“.
Dieses Salz
ist schal.

>Sanchez Sorondo (rechte Hand des Papstes) versicherte, daß die Menschheit derzeit „einen magischen Moment“ erlebt, weil „zum ersten Mal das Lehramt des Papstes, das dem Evangelium folgt, mit dem Lehramt der Vereinten Nationen übereinstimmt“.<
Quelle:
https://www.katholisches.info/2017/07/politikberater-des-papstes-menschheit-erlebt-magischen-moment-erstmals-stimmen-lehramt-des-papstes-und-lehramt-der-uno-ueberein/
Außerdem wissen wir nun, dass die UNO ein weltweites Lehramt gleich dem des Stellvertreters Gottes auf Erden besitzt. Das Staunen der Lämmer wird grenzenlos!
Gott und der Fürst der Welt fallen sich um den Hals.

Der Wahlspruch des Papstes „arm ist geil“ ist wie das Echo zu Wowereits Spruch "arm aber sexy". Hallo, ist Bürgerkrieg geil? Nur für die Antifa und nur die erste Woche (bis die Supermärkte geplündert sind)!

Nun, seine größte Sorge war es, nicht als islamophob dazustehen. Eine solche Dornenkrone könnte er auf seinem Haupte nie ertragen! Ihr seid alle desertiert!
(Der Bischof von Rouen sprach von 3 Opfern nach der Ermordung seines Priesters Hamel 2016. So liegen sich also im Himmel Mörder und Ermorderter sogleich in den Armen!)

Hindus zogen mit einer Statue der Elefantengottheit Ganesha in Ceutas katholische Kirche Hl. Maria von Afrika ein. Der Bischof zeigte sich danach über die Religionsvermischung bestürzt, die Hinduprozession habe unter den Christen für Verwirrung gesorgt.“ https://kath.net/news/60751
Ich sah es kommen. Ich fragte bereits 2010 beim Heiligen Stuhl an, warum der Papst dem mächtigen Affengott Hanuman nicht einen kleinen Seitenaltar widmen möchte. Und wenn nicht, ob er denn „Religionsfeind“ sei, so wie ich ein „Fremdenfeind“? Babylon statt Deutschland, so auch Pantheon statt Petersdom, warum nicht? Ein jeder zerstöre erst sich selbst, bevor er beginne andere zu zerstören. Diese Maxime machte die Welt friedlich!

Die drei Versuchungen, denen die westlichen Bischöfe erliegen:
- Sie verführen ihr Volk mit dem Versprechen, dass es auf den weichen Boden von Gottes Liebe fiele, so es sich von den Spitzen der Zinnen seiner Stadt stürzte (sprich seine Schutzmauern einrisse)!
- Sie laden die nackte Armut (sprich den Bürgerkrieg) ins Land in der Erwartung, dass Gott dann die Steine in Brot verwandeln werde!
- Sie lassen in ihren heiligen Gärten satanische Verse rezitieren!

Hätte der Papst in Bezug auf die Abtreibung nicht allen Grund von den "Soldaten des Herodes", von "Kain" zu reden und "Schaaande" ins Mikrofon zu rufen, so wie er es auf Lampedusa 2013 tat? (Marsch für das Leben in Berlin).
Es ist doch beschämend, wie wenige Kleriker hier Gesicht zeigen! Sie alle wollen es mit dem Staat sprich mit ihren Privilegien nicht verderben.
Ein Politiker sagte vor Jahrzehnten, Korruption beginne dort, wo der Arzt den Patienten frage, wie lange er krank geschrieben werden wolle. Irgendwie muss ich verwirrt sein. Wie komme ich bloß auf "Korruption"?

niekisch
16. September 2017 17:16

"Nichts sei dir groß, nichts erhaben, nichts angenehm und willkommen als Gott allein und was von Gott kommt. Erachte alles für eitel, was ein Geschöpf dir an Trost bietet. Eine Seele, die Gott liebt, verschmäht alles, was weniger ist als Gott."

Nein, so nicht, sondern wenn schon, dann so:

Das deutsche Werde

Packe du das täglich Kleine, und das Größre wird gelingen.

Nur durch Stetigkeit kann deine Arbeit auch das Schwere zwingen.

Fest verwurzelt sollst du schalten aus den Tiefen deiner Kraft.

So nur wirst du schicksalshaft Zeit und Glaube dir gestalten.

Letztes Suchen, heißes Fragen führt uns an des Wirkens Thron.

In uns schaffen wir und tragen Gott als Seele der Nation.

Blühend aus der dunklen Erde in das helle, klare Licht,

ist uns Gott das deutsche Werde, Kampf um Ehre, Sinn und Pflicht.

(Wolfgang Jünemann)

Monika L.
16. September 2017 19:22

"Christentum und Gesinnungsethik sind Synonyme ! So wie sich Säkularisation und Verantwortungsethik aufeinander reimen sollte".

@Der Gehenkte

Christentum und Gesinnungsethik sind keine Synonyme ! Säkularisatin und Verantwortungsethik reimen sich nicht zwangsläufig aufeinander ! Man unterscheidet nicht nur Gesinnungs- und Verantwortungsethik, sondern auch normative ( Sollensethik) nd nicht-normative Ethiken ( Könnensethik). Normative Ethiken sind z.B. Kants " kategorischer Imperativ" oder Gesetzesvorschriften, etwa im AT, die 10 Gebote ( Du sollst..) Zu den nicht-normativen Ethiken zählt die Tugendethik und auch die  sog. narrative Ethik, d.i. etwa die Entfaltung der jesuanischen Ethik in Gleichnissen. Jesus erzählt vor allem in Gleichnissen über das richtige Handeln. Während die Sollensethik vor allem fragt, wie der Mensch handeln soll, ohne das menschliche Vermögen im Blick zu haben, entfaltet die Tugendethik das Ethos auch vom Vermögen her. Sie fragt, wie der Mensch das Gesollte tun kann. Man kann das auch Lebenskunst nennen. Es gibt die christliche Ethik als Lebenskunst entfaltet ( so bei Meister Eckhart). Christliche Ethik nicht als Gesinnungsethik, sondern als Lebenskunst entfaltet im aufgeklärten Sinne findet man vor allem bei Erich Fromm. " Haben oder Sein". Hier bezieht sich Fromm auf Meister Eckhart. Hier wird Verantwortungsethik säkular entfaltet.

H. M. Richter
16. September 2017 20:54

^ @ niekisch

_____________

Mag sein, daß Ihnen, niekisch, die Worte Jünemanns etwas zu sagen haben, aber glauben Sie bitte nicht, daß Sie mit seinem "[...] heißes Fragen führt uns an des Wirkens Thron. In uns schaffen wir und tragen Gott als Seele der Nation"  Thomae Kempensis de imitatio Christi mit einem geradezu vermessenen "so nicht" überzeugend gegenübertreten können.

Der Gehenkte
17. September 2017 01:34

@ Monika

Ich gestehe Ihnen gern zu, daß meine beiden Ausrufesätze polemisch und provokativ vereinfachend waren. Ich hatte sie in der Hoffnung geschrieben, damit das „eigentliche“ Problem sichtbar zu machen: daß wir diese Auswüchse in der Kirche, die wir derzeit beobachten, von den Individuen trennen müssen und schauen sollten, wo die systemischen Ursachen liegen.

Man kann sich über die Kardinäle erregen, aber wozu? Ist es nicht wichtiger, sich zu fragen, warum wir gerade jetzt Bergoglio, Marx, Bedford-Strohm, Käßmann etc. haben? Es war auch kein Zufall, daß Luther 1510 in Rom ausgerechnet auf Leo X. stieß und ihn zum Antichristen erklären konnte. Aber genauso wie sich Leo X. nur aus der Geschichte der Kirche und diese sich nur aus der Geschichte des Christentums und dieses sich vor allem auch aus der Geschichte Christi erklären läßt, so sollte unser Blick, wenn wir Mißstände beschreiben, auf die historischen, sprich ökonomischen und sozialpsychologischen Ursachen fallen. Nichts wäre anders, wenn der kleine Marx weniger aufgedunsen wäre.
Daher gebe ich Ihnen in allem recht, was sie über Sollens- und Könnensethik schreiben – wenngleich wir hier auf einer anderen Ebene als bei der Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik agieren. Normative und deskriptive Ethiken sind Verfahrensethiken, mithin der Gesinnungs- oder Verantwortungsethik (als Verfassungsethiken) subsumiert. Ihre Antwort betrifft mein Argument daher nicht, sondern versucht, es durch neue Begrifflichkeit zu umschiffen.

Das zeigt sich auch bei Meister Eckhart, für den exemplarisch gilt, was Heidegger sagte: „Die tragenden Gedanken der Metaphysik bleiben uns fremd, solange wir diese Gedanken nicht denken, sondern immer nur darüber berichten.“ Eckhart ist immer schwierig, weil er das Mitdenken einfordert und ich gehe davon aus, daß die meisten Leute, die etwas über Eckhart sagen, meist nicht mitgedacht haben – dann würden sie in der Regel nämlich schweigen. Insofern hat Eckhart auch gar keine Ethik: sein Denken versucht die Aufhebung von "Ethik", denn Gelassenheit und Abgeschiedenheit als letzte Handlungsanweisung, das Fallenlassen von allem Wollen, Begehren, Haben …, soll ja das Handeln (auch das Können und Sollen) beenden.

In den wunderbaren Worten Angelus Silesius‘:
Verlacht / Verlassen stehn / viel leyden in der Zeit /
Nichts haben / können / seyn / ist meine Herrlichkeit.

Erich Fromm war an Eckhart allein wegen des Begriffes „Sein“ interessiert. Vergessen wir nicht, daß er ihn just mit dem Marx der „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ verknüpfte. Ihm ging es um das „Ausbrechen aus der Existenzweise des Habens als Voraussetzung jeder echten Aktivität“, antikapitalistisch gedacht. Aber auch Fromm stand in einer langen Geschichte, der jüdischen vornehmlich. Sein Eckhart-Verständnis stammt aus der frühen Auseinandersetzung mit dem Sabbat. ("Säkular entfaltete Verantwortungsethik" paßt viel eher auf Hans Jonas: "Das Prinzip Verantwortung")
Aber egal, das führt hier alles zu weit: Worum es mir ging: Wurzelbehandlung, nach bekanntem Vorbild: „Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Mt. 3.10) Und da bleibe ich bei meiner Aussage: Gesinnungsethik ist Ergebnis christlichen (oder religiösen) Denkens, weil Glaube Gesinnung einschließt oder zur Folge hat.

T. de Ahumada
17. September 2017 02:49

@ Der Gehenkte

Ich möchte Frau Monika L. unterstützen:

Wir kommen um eine Renaissance der "Tugendethik" nicht herum. Ein religiös völlig unverdächtiger Lektüretipp sind die Bücher von Alasdair McIntyre. Zumindestens sein Hauptwerk "After Virtue" gibts auch auf Deutsch ("Verlust der Tugend"?) 

Die "Tugendethik" ist zutiefst im Christentum verankert, ihrer ersten Risse bekam sie aber mit Luther. Luther hat das christliche Menschenbild ins Negative übertrieben, aus einer durch die Sünde Adams "verletzte" Natur wurde im Protestantismus eine durch und durch "verdorbene" Natur. Weil der protestantische Mensch - im Gegensatz zum katholischen Menschen -, aufgrund der Verdunkelung seines Verstandes Gott gar nicht mehr erkennen kann, gibt es in unserer Kultur zwischen Vernunft und Glaube keine Korrelation mehr. Nun ist der durch seine philosophischen Geburtsfehler schon immer nach Säkularisierunge strebende Protestantismus  in den letzten 500 Jahren mehr und mehr zur übermächtigen Leitkultur geworden. Wenn wir in den ethischen Aporien unserer modernen Gesellschaft gelandet sind, dann weil sich die katholische Kirche unter dem Druck der immer stärker werdenen säkularen Kultur leider ideologisch immer mehr zurückgenommen hat. Das galt auch für den von allen konservativen fälschlich als 'rechtgläubig' verehrten Papst Benedikt XVI.  Der ist zwar hochgebildet aber wie jeder deutsche Theologe eben doch aufklärerisch "idealistisch" angekränkelt.

Ich würde inzwischen soweit gehen und sogar behaupten, dass wir jetzt definitiv einen Krypto-Protestanten auf dem Stuhl Petri sitzen haben. Deswegen schafft der es ja auch den Globalismus und das Programm der UNO mit dem Evangelium zu "versöhnen". Auch das ist der Vorherrschaft der deutschen Theologen innerhalb der katholischen Kirche und ihrem weltweiten Einfluss in den letzten achtzig Jahren geschuldet.

Das Gutmenschentum der katholischen Bischöfe Deutschlands und die von ihnen unterstützte Gesinnungsethik hat nichts mit dem katholischen Dogma zu tun, ganz im Gegenteil: Es steht ihm diametral entgegen.

 

Monika L.
17. September 2017 13:00

@ Franz Bettinger 

Der von Pieper verwendete Begriff ' Unterwerfung' ist heute, wo ' der Islam zu Deutschland gehören soll', eher ungeeignet. Unterwerfung  im Islam meint etwas völlig anders als im Christlichen. ( siehe etwa soumission/ Houellebecq) . Statt Unterwerfung ( die die Einsicht in die eigene Begrenztheit zur Voraussetzung hat) würde Guardini von 'Anbetung'sprechen. Demut als Einsicht in die eigene Begrenzheit kann natürlich auch ohne eine der großen Religionen eine Lebenshaltung sein. Hier Unterschiede rauszuarbeiten sprengt den Rahmen.

.......

Der Koran enthält im Unterschied zum Neuen Testament vor allem strikte Anweisungen , Normen und Regeln, denen man sich zu unterwefen hat. Man lese dagegen mal die Stelle in Mt 11,30: " Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht". Die Kritik am Islam durch sog. liberale Muslime ( Seyran Ates) richtet sich m.E. gegen diese starren Regeln und ist ein Versuch, diesen zu entkommen. Ein Versuch, den  nicht-normativen Teil des Islam zu kultivieren ( deshalb wohl Ibn-Rushd-Goethe Moschee) . Ob das gelingen kann, ist eine ander Frage.

Da gibt es inzwischen eigenartige Synchretismen. Siehe in der NZZ den Beitrag " Viele Männer scheinen genau zu wissen, was für sie muslimische Frau das Richtige ist". ( Islamzentrum in Freiburg CH mit Doppelspitze Amir Dziri und Hansjörg Schmid) . Da gilt es etwa als "Fortschritt" , wenn statt fünfmal am Tag nur noch dreimal gebetet werden muß. Dagegen Jesus:" Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen) .

Das Neue Testament ist keine Gesetzesethik und auch im alten Testament findet man neben normativen Texten die Bücher der Lebensweisheit und der Psalmen. Hier scheint mir der Islam als Religon eher defizitär. 

........

Zur " Merkelreligion"

Merkel verbindet protestantisches  Arbeitsethos ( wir schaffen das!) mit dem Gutmenschentum ( d.i. eine universelle christliche Moral, die den Bezug zur Transzendenz verloren hat, eine sozialistische Moral eher) . Diese brisante Mischung wird zur modernen Moral der globalen Märkte und des  entwurzelten Einzelmenschen. Der " Flüchtling" im Wahltalk liebt die "große Mutter"Merkel. Reist ihr zu den Wahlauftritten  nach...will auch  gut und gerne in Deutschland leben...So long, Angie...dein Joch wird hart und Deine Last immer schwerer..

niekisch
17. September 2017 21:27

"überzeugend gegenübertreten"

@ H.M.Richter: eine solche Vermessenheit maße ich mir nicht an, meine nur für mich ganz allein aussagen zu dürfen, daß ein Gott nicht ex nihilo, sondern infolge evolutionärer Entwicklung des Menschen als Bild aus eigener Vorstellung in Anbindung an die ihn umgebende Natur entstanden ist und sich aus unerklärlichen Naturgewalten bis zum reinen Gedanken entwickelt hat. Der Geist nun ist nicht nur aus philosophischer Sicht, sondern auch naturwissenschaftlich belegbar nicht ohne die Ortsanbindung des Menschen als unverwechselbar, ja autonom zu denken und was ist ein Volk mehr als die Lebensgemeinschaft seiner Geisteswesen. "Gott in uns" und "Gott mit uns" haben als ihren uns wesensgemäßen Sinn und finden m.E. in den Worten Wolfgang Jünemanns Ausdruck.

quarz
18. September 2017 10:16

@Ahumada

"Weil der protestantische Mensch - im Gegensatz zum katholischen Menschen -, aufgrund der Verdunkelung seines Verstandes Gott gar nicht mehr erkennen kann"

Eine vergleichbare, aber noch wesentlich deutlichere Kluft entwickelte sich im Islam, als dieser versuchte, den Tugendethiker Aristoteles zu verdauen. Als Abstoßungsreaktion entstand die bis heute bestimmende asch'aritische Theologie, die einen rational völlig unzugänglichen Gott predigt und den Menschen (insbesondere in ethischer Hinsicht) zum intellektuell impotenten Befehlsempfänger degradiert.

Valjean72
18. September 2017 10:58

Auf ZEIT-Online wurde heute ein Artikel über eine Pastorin veröffentlicht, die sich für „Flüchtlinge“ einsetzt:

 "Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört?"

„Es gibt in Deutschland wirkliche Mammutprobleme, auch durch die Flüchtlingskrise. Das wird sich nicht ändern. Wer in Afrika hungert oder keine Chance auf Frieden hat, kommt halt. Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können.“

 https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-09/bundestagswahl-waehler-eva-esche

Deutschland ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss PUNKT! Und ob es jene sind, die schon länger hier leben oder die "Neusiedler", das spielt für solche Christen - beseelt von der universellen Botschaft ihrers Glaubens - überhaupt keine Rolle. Ich habe Respekt vor vielen aufrechten Christen, die aus innerer Überzeugung und tiefen Glauben heraus Gutes bewirken wollen. In mir selbst reift allerdings zunehmend Erkenntnis (Wahrnehmung, Verständnis), dass das Christentum Teil des Problems ist und nicht die Lösung. Und ich möchte betonen, dass ich alles andere als ein Atheist bin.

Der Gehenkte
18. September 2017 11:28

@ T. de Ahumada

"Nun ist der durch seine philosophischen Geburtsfehler schon immer nach Säkularisierunge strebende Protestantismus ..."

Sie werden mittlerweile gesehen haben, daß wir (Monika inklusive), in der Frage der Tugendethik nicht weit voneinander zu sein scheinen. Allein auch die Frage der Säkularisierung sollte man weiter fassen, auch wenn der Protestantismus einerseits eine Beschleunigung darstellt, andererseits aber auch eine Verlangsamung. (Ich will nicht schon wieder von "Dialektik" reden.) Der geistige Kern - es gibt auch einen ökonomischen - der Säkularisierung liegt in der Theologie und die Theologie hat ihre Ursache im "Unglaublichen" oder Absurden der jeweiligen Religion. Das führt zum Zweifel. Der Christ ist von Anfang an gezwungen, die abstrusesten Dinge zu glauben, die aller Erfahrung und Logik widersprechen - es ist kein Wunder, das sich ausgerechnet Islam und Buddhismus der geistigen Säkularisation widersetzen (sie werden ökonomisch eingeholt). Buddhas Gebäude ist nahezu perfekt und in sich schlüssig, Mohammeds Genie bestand in der Verunmöglichung von Theologie. Das kann man sogar bei Alisdair MacIntyre bestätigt finden, der von "narrativer Ordnung" spricht, versucht, "das Selbst als narrative Form zu denken". Dies bedeutet zum einen: "die Einheit einer Tugend im Leben eines Menschen ist nur als eine Eigenart eines einheitlichen Lebens verständlich, eines Lebens, das als Ganzes begriffen und bewertet werden kann", zum anderen, die jeweilige narrative Einordnung einer Handlung in einen Sinn und Motivations- und Überzeugungszusammenhang. Und das gilt auch für die Über-Lebenszusammenhänge, für die komplexeren Selbste ...

Franz Bettinger
18. September 2017 12:18

Gott hat Humor!

@ Monika L.

"Tut mir leid, lieber Gott," so begann mein letztes Gespräch mit ihm, als ich 16 war, "aber es ist aus. Ich kann nicht mehr an dich glauben." Argumente brauchte ich keine; er kannte sie. "Macht nichts, lieber Franz," sagte Gott, "ich glaube an dich." In NZ, wo ich die meiste Zeit wohne, mögen mich die Zeugen Jehovas. Weil ich ihren Mut respektiere und meine Arbeit liegen lasse, wenn sie unangekündigt vor der Tür stehen, und weil ich sie immer zum Tee herein bitte. Sie kennen so ein Verhalten nicht. Aber wenn ich ihnen von meinem letzten Gespräch mit Gott erzähle, sitzen sie sprachlos (!) zwischen den Stühlen. Denn sie können meine kleine Anekdote nicht einordnen; sie hat ja paradoxer Weise beides: Blasphemisches und Gott Anerkennendes. Gott und ich aber, wir können beide gut damit leben.

Monika L.
18. September 2017 19:09

Passend zum Thema. Ein grundlegender Beitrag in tichys einblick: Jesus hat keine Willkommenskultur gepredigt:

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/jesus-hat-keine-willkommens-kultur-gepredigt/

niekisch
18. September 2017 19:33

"Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können.“

Hat da nicht metapolitisch gesehen die Gegenaussage "Deutschland uns Deutschen" ihre Berechtigung. Afrikaner sollen deutsche Äcker bearbeiten?  Wer Afrika ein wenig kennt, der weiß, daß sie es nicht einmal in Afrika schaffen. Die Pastorin gehört in den Steinbruch statt an den Altar.

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