Zum Gutsein verdammt?

„Erst unter Merkel und der Sozialdemokratisierung ihrer Partei begann die Gesinnungsethik, den Zeitgeist zu dominieren“, so Regina Sieferle im Gespräch mit Erik Lehnert.

 Gastbeitrag

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„Wie poli­tisch darf Kir­che sein?“ lau­tet der Titel auf dem Cover der Sep­tem­ber-Aus­ga­be des Cice­ro. Die­ses zeigt einen kopf­lo­sen Bischof, der die Hän­de zur Mer­kel­rau­te fal­tet. Sto­la und Pel­le­gri­na sind mit Bil­dern der als alter­na­tiv­los ver­mark­te­ten poli­ti­schen The­men ver­ziert: Schwu­len­ehe, Wind­rä­der, Moscheen, ein Kreuz, ein Herz. Chef­re­dak­teur Chris­toph Schwen­ni­cke schreibt vorweg:

Die bei­den hie­si­gen Kir­chen­obe­ren, Kar­di­nal Rein­hard Marx für die Katho­li­ken und Hein­rich Bed­ford-Strohm für die Pro­tes­tan­ten, gerie­ren sich als groß­ko­ali­tio­när-öku­me­ni­sches Paar, das den Kurs der Kanz­le­rin bedin­gungs­los unter­stützt und Kri­ti­ker in den eige­nen Rei­hen nicht duldet.

Nun ist über die Anbie­de­rung der Kir­chen­obe­ren an Mer­kels Poli­tik der offe­nen Gren­zen und Mas­sen­ein­wan­de­rung schon eini­ges geschrie­ben wor­den. Von der Asyl­in­dus­trie, die den bei­den christ­li­chen Kir­chen neu­en Auf­schwung und Arbeits­plät­ze ver­schafft über die „Käß­man­ni­sie­rung der Poli­tik“ (Klaus Schroe­der) bis hin zu Unerträglichkeiten.

Hier toppt Kar­di­nal Rai­ner Maria Woel­ki auf der nach allen Sei­ten offe­nen Dich­ter­ska­la jeden Gut­men­schen. Selbst Bischofs­kol­le­gen sind über Woel­kis Flücht­lings­aus­sa­gen „not amu­sed“. Amü­sant sind sei­ne Aus­sa­gen aller­dings schon. Zuletzt mein­te Woel­ki zum Flücht­lings­pakt zwi­schen der EU und der Tür­kei, es sei

eine Schan­de für Euro­pa, dass wir mit einem sol­chen Land sol­che Abkom­men schlie­ßen, damit wir hier augen­schein­lich wei­ter in einer geschlos­se­nen Gesell­schaft unse­rem Wohl­stand frö­nen kön­nen. Eine Poli­tik zu loben, die die Zah­len der Migran­ten senkt um den Preis, dass die­se in Lagern an der afri­ka­ni­schen Küs­te in Hot­spots unter unmensch­li­chen Bedin­gun­gen fest­ge­hal­ten wer­den, kann nur als zynisch bezeich­net werden.

Nun müs­sen die deut­schen Bischö­fe nicht in ihren geschlos­se­nen Gesell­schaf­ten dem Wohl­stand frö­nen, sie könn­ten ihre fürst­li­chen Blei­ben jeder­zeit den Aus­ge­grenz­ten aller Län­der öff­nen. Der soge­nann­te klei­ne Mann wird wahr­schein­lich sei­nen hart erar­bei­te­ten Wohl­stand lie­ber mit der eige­nen Sip­pe tei­len und dar­über bestim­men wol­len, wer und wie vie­le dar­an teil­ha­ben. Denn er spürt in des Wor­tes wahrs­tem Sin­ne: Die direk­te Umset­zung der „Wohl­stands­frö­ne­rei“ in eine welt­wei­te Poli­tik dürf­te bald an ihre Gren­zen sto­ßen.

Wo spi­ri­tu­ell aus­ge­zehr­te und finan­zi­ell gesät­tig­te Kir­chen­obe­re zu Poli­tak­teu­ren wer­den, haben auch der nie­de­re Kle­rus und der bra­ve Kirch­gän­ger nicht mehr viel zu lachen. Nicht nur hin­ter­läßt ein ver­irr­ter Hir­te hun­der­te ver­wirr­te Scha­fe; wo Gebet, Glau­bens­be­kennt­nis und Got­tes­dienst (Tran­szen­denz) ver­lo­ren­ge­hen, da geschieht das Gute nicht mehr aus christ­li­cher Frei­heit, geschwei­ge denn aus Freu­de, son­dern aus Zwang und Verbissenheit.

Wie es sich anfühlt, wenn die Indi­vi­du­al­ethik Jesu kurz­schlüs­sig in die Sozi­al­ethik eines Staa­tes über­führt wird, hat Sophie Dan­nen­berg in ihrem Leit­ar­ti­kel „BYE BYE Tran­szen­denz“ im genann­ten Sep­tem­ber-Cice­ro auf beklem­men­de Wei­se beschrieben.

Sie schreibt von Chris­ten, die sich ver­pflich­tet füh­len, den „Geflüch­te­ten“ zu hel­fen. Vom Reich Got­tes, das in der „kirch­li­chen Flücht­lings­hil­fe“ aus­ge­bro­chen ist. Von begeis­ter­ten Frau­en, die Ange­la Mer­kels Grenz­öff­nung vom Sep­tem­ber 2015 groß­ar­tig fin­den. Die „wie ver­liebt in ihre Flücht­lin­ge sind. Nicht in Ein­zel­per­so­nen, eher in das Gesamtphänomen“.

Von Hel­fe­rin­nen, die füh­len, wie  „eine Wel­le der Dank­bar­keit warm auf sie zurauscht“. Und die nicht wol­len, dass das je wie­der auf­hört“. Und daß „Skep­sis tabu sei“. Umwer­fend Dan­nen­bergs  Beschrei­bung einer ehren­amt­li­chen Flücht­lings­hel­fe­rin in der evan­ge­li­schen Kir­che Hei­lig Kreuz-Pas­si­on in Berlin-Kreuzberg:

Die Ehren­amt­li­che, die mit dabei­sitzt, heißt Mari­ta Leß­ny, 63, kurz­haa­rig, mit einem Mund, der von sel­ber lächelt. Sie hat sie­ben erwach­se­ne Kin­der. Im Gemein­de­blatt wird sie als „Die gro­ße Mut­ter“ vor­ge­stellt. Sie hat in den letz­ten zwei­ein­halb Mona­ten 31 Ter­mi­ne beim Lan­des­amt für Flücht­lings­an­ge­le­gen­hei­ten beglei­tet: min­des­tens vier Stun­den, eher sechs: Sie nennt die Flücht­lin­ge „mei­ne Jungs“. Ohne Beglei­tung wür­den sie oft weg­ge­schickt, erklärt sie. „Jeder braucht mal ein biss­chen Fami­lie. Und ich kann das bie­ten. Wenn jeder mit den Flücht­lin­gen so umge­hen wür­de wie ich, gäbe es viel weni­ger Pro­ble­me. Ich glau­be nicht, dass ein Anis Amri sol­che Kon­tak­te hatte.

Bei einem sol­chen „Blitz­krieg der Mit­mensch­lich­keit“ (Mat­thi­as Matu­s­sek) und so viel „selbst­lo­ser Zudring­lich­keit“ (Franz Wer­fel) bleibt man sprach­los zurück. Das ist gna­den­los! Ganz vor­sich­tig sei  dar­an erin­nert, daß der Mör­der von Maria Laden­bur­ger, der „Bub“ Hus­sein K., „sol­che Kon­tak­te“ hat­te und ihm das gebo­ten wur­de, was die „gro­ße Mut­ter“ ein „ein biss­chen Fami­lie“ nennt.

Wie paßt das zusam­men? Und nennt man eine sol­che gut­mensch­li­che Selbst­ge­rech­tig­keit nicht bes­ser Ver­mes­sen­heit, Hoch­mut? Wun­der­bar beschrie­ben im Neu­en Tes­ta­ment, etwa am Bei­spiel vom Pha­ri­sä­er und vom Zöll­ner. „Gott, ich dan­ke dir, daß ich nicht wie die ande­ren Men­schen bin.“ (Lk 18,9ff.)

Für Sophie Dan­nen­berg klingt das Schwär­men der Hel­fer über „ihre Flücht­lin­ge“, als sei es deren „onto­lo­gi­sche Funk­ti­on, uns alle eksta­tisch zu erlö­sen, von unse­rer eige­nen blö­den Kul­tur. Und dem Chris­ten­tum irgend­ei­nen Sinn zurück­zu­ge­ben“. Als kon­ser­va­ti­ver Christ kann man nur ver­zwei­feln. Wo fin­det man Antworten?

Einer Gesin­nungs­ethik wird die soge­nann­te Ver­ant­wor­tungs­ethik gegen­über­ge­stellt. Hier sei – mal wie­der – ganz ein­dring­lich auf die aus­ge­zeich­ne­te Tugend­ethik von Josef Pie­per hin­ge­wie­sen. Die­se sei nicht nur den Her­ren Woel­ki, Marx und Bed­ford-Strohm zum gründ­li­chen Stu­di­um anemp­foh­len, son­dern auch jedem Gut­men­schen und allen, die am Gut­men­schen­tum lei­den. Den letz­ten als See­l­en­trost. In ver­ständ­li­cher Spra­che und lebens­er­fah­ren schreibt der Phi­lo­soph über die vier Kar­di­nal­tu­gen­den Klug­heit, Gerech­tig­keit, Tap­fer­keit und Maß.

So fin­det man z.B. in dem Büch­lein Zucht und Maß im Kapi­tel über die Demut Tröst­li­ches. Wir sind nicht zum Gut­sein ver­dammt – wenn wir das rech­te Maß fin­den. Der Mensch sucht nach Über­le­gen­heit, Vor­rang und Gel­tung auch im mora­li­schen Bereich. Dazu schreibt Pie­per: “Die Tugend der Zucht und des Maßes, sofern sie die­sen natur­haf­ten Drang an die Ord­nung der Ver­nunft bin­det, heißt Demut. Demut grün­det dar­in, daß der Mensch sich so ein­schätzt, wie es der Wahr­heit ent­spricht. Damit ist fast schon alles gesagt“. Und weiter:

Demut ist […] eine inne­re Hal­tung, gebo­ren aus der Ent­schei­dung des Wil­lens. Sie ist, hin­bli­ckend auf Gott und die eige­ne Krea­tür­lich­keit, die Hal­tung der rest­lo­sen Aner­ken­nung des­sen, was, kraft gött­li­chen Wil­lens, wirk­lich ist; sie ist ein­fäl­ti­ge Hin­nah­me vor allem die­ses Einen: daß der Mensch und die Mensch­heit nicht Gott ist und nicht „wie Gott“. […] Demut aber im stren­gen Sinn besagt die Ehr­furcht, kraft deren der Mensch sich Gott unterwirft.

Sich Gott unter­wer­fen. Damit kön­nen selbst vie­le Chris­ten nichts mehr anfan­gen. Der „tran­szen­den­ta­le Bezugs­rah­men“ ist ver­lo­ren­ge­gan­gen. Das Reich Got­tes erschöpft sich in der Visi­on eines uni­ver­sa­len Polit­pa­ra­die­ses. Aber wie erstre­bens­wert ist ein sol­ches irdi­sches Para­dies überhaupt?

Wer nur davon ange­wi­dert ist, daß „wir in einer geschlos­se­nen Gesell­schaft unse­rem Wohl­stand frö­nen“ und nicht in einer offe­nen, der frönt eben immer noch dem Wohl­stand. Das Reich Got­tes ist von einer ande­ren Qua­li­tät, als die Ver­hei­ßung einer welt­wei­ten Kon­sum­ge­mein­schaft sug­ge­riert. Es ist eben „nicht von die­ser Welt“. Es ist nicht von einem ande­ren, bes­se­ren Reich im zeit­lich-räum­li­chen Sin­ne die Rede, son­dern von der Ver­ge­gen­wär­ti­gung des Ewigen.

„Wenn wir in uns selbst ein Bedürf­nis ent­de­cken, das durch nichts in die­ser Welt gestillt wer­den kann, dann kön­nen wir dar­aus schlie­ßen, daß wir für eine ande­re Welt erschaf­fen sind.“ So drückt das in welt­li­cher Spra­che C.S. Lewis aus. Ob die „gro­ße Mut­ter“ unse­re spi­ri­tu­el­len Bedürf­nis­se stil­len kann, darf bezwei­felt werden.

Wenn Ange­la Mer­kel bei einem Wahl­kampf­auf­tritt in Rosen­heim zur Ver­ge­wal­ti­gung einer Jog­ge­rin pro­kla­miert: „Sol­che Ver­bre­chen dür­fen nicht mehr statt­fin­den“, dann ist das nicht ein­mal  eine arm­se­li­ge Ver­hei­ßung. Es ist Igno­ranz pur. Empa­thie­lo­sig­keit pur. Sui­ci­de pact.

Ich wer­de des­halb am Wahl­abend mit einer Fla­sche Cremant d‘Alsace etwas dem Wohl­stand frö­nen und zu erbau­li­cher Lek­tü­re grei­fen, etwa zu Tho­mas von Kem­pens Nach­fol­ge Chris­ti, und wer­de lesen:

Nichts sei dir groß, nichts erha­ben, nichts ange­nehm und will­kom­men als Gott allein und was von Gott kommt. Erach­te alles für eitel, was ein Geschöpf dir an Trost bie­tet. Eine See­le, die Gott liebt, ver­schmäht alles, was weni­ger ist als Gott. Gott allein, der Ewi­ge, Uner­meß­li­che, der alles erfüllt, ist der See­le Trost und des Her­zens wah­re Freude.

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Kommentare (22)

Maiordomus

15. September 2017 13:21

Monika Leiser ist für mich die Ida Friederik Görres unserer Tage. Ihre Themenpalette ist übrigens noch breiter als hier durchaus verdienstvoll und kirchenkritisch formuliert. Dass die gläubige Katholikin jedoch aus der staatlich grundierten Kirche ausgetreten ist, spricht Bände.

Der_Jürgen

15. September 2017 13:56

Woelki: "... damit wir weiterhin in einer geschlossenen Gesellschaft unserem Wohlstand frönen können".

Dass Woelki dem Wohlstand frönt, glaube ich gerne, denn der wird ja bestimmt gut bezahlt. Aber frönt die 80-jährige Deutsche, die noch putzen gehen muss, weil ihre Rente nicht ausreicht, dem Wohlstand? Oder die alleinstehende Mutter dreier Kinder?

Angesichts dieser bodenlosen Heuchelei überkommt einen der Ekel. Leute wie Woelki, Kässmann und Konsorten "spucken Christus ins Gesicht", wie der französische Dissident und Katholik Vincent Reynouard es treffend ausgedrückt hat. Da ist mir, der ich Christ bin, jeder ehrliche Atheist noch hundertmal lieber.

@Maiordomus

Die von Ihnen zitierte Schriftstellerin Ida Görres (von der ich bisher noch kein Buch gelesen habe, aber das kann sich ja ändern) war die Schwester des berühmt-berüchtigten Gründers der Paneuropa-Union und Vordenkers der Völkervermischung, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi. Faszinierend, welche Überraschungen uns die Geschichte immer wieder bereitet!

 

 

Maiordomus

15. September 2017 14:29

Ergänzung. Die wohl bedeutendste deutsche Katholikin der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre hiess Ida Friederike Görres, war die Schwester von Paneuropa-Gründer Graf Richard Coudenhove-Kalergi, jedoch vom Geist eher vom grossen Görres, Gründer des Rheinischen Merkur, geprägt als von ihrem Bruder.  Sie schrieb noch in den Siebzigerjahren in den von Otto B. Roegele, Paul Wilhelm Wenger und Herwig Gückelhorn erneuerten Rheinischen Merkur, auch in Hefte wie "Epoche" und "Zeitbühne". Ida Friederike Görres stand in den Jahren vor 1945 Karl Ludwig von Guttenberg und dessen epochal unabhängiger Zeitschrift "Weisse Blätter" nahe, in welche auch Jochen Klepper, Lieblingsromancier von Kubitschek, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen und der konservativ-monarchisch gesinnte Vater des späteren Terroristen Andreas Baader schrieben. In den fünziger Jahren nahm Görres Reinhold Schneider gegen den Vorwurf in Schutz, wegen Kirchenkritik, Kritik an der Bundesrepublik ("Restdeutschland") und wegen Glaubenszweifeln von der Kirche abgefallen zu sein, wiewohl auch Schneider das öffentlich-rechtliche Kirchenwesen mit seinen Vereinen und Verbänden radikal ablehnte. Katholisch sein hiess für Görres wie auch Schneider, in England Chesterton, zumal Emigration aus dem liberalistischen Zeitgeist und Orientierung nach Massstäben, die eher als zweitausendjährig denn als tausendjährig einzuschätzen sind, eben für einen christlichen Humanismus jenseits schaler Aufklärerei und der aufdämmernden politischen Korrektheit. Letztere Haltung schloss sogar einen christlichen Pazifismus nicht aus. An Monika Leiser beeindruckt mich, dass sie u.a. über gründlichste Kenntnisse der katholischen Soziallehre verfügt, einem Konzept jenseits sowohl dem herkömmlichen Liberalismus als auch dem Sozialismus. Darüber wurde vor Wochenfrist in Aarau an der Versammlung der in der Schweiz lebenden Sezession-Leser diskutiert, mit einem Grundsatzvortrag eines nach wie vor in seiner Gemeinde praktizierenden Pfarrers, von dem aber im Gegensatz zu weiland Wawerka nicht bekannt ist, dass er Sezession nahe steht. Auch unter den in der Schweiz lebenden Deutschen zumal aus den neuen Bundesländern gibt es offenbar qualifizierte und engagierte Leser von Sezession. Am meisten freute mich in Aarau, dass die an Sezession interessierten Tagungsteilnehmer, darunter zwar nur eine Frau, durchwegs jünger waren als ich selber, der ich mich zwar nie zu den Altrechten, aber zu den Altkonservativen und in gewissem Sinn auch zu den Altliberalen gezählt habe.  

 

PS. Natürlich war Frau Leiser nicht in Aarau, aber man würde sie gewiss gerne mal persönlich kennenlernen!

Heinrich Brück

15. September 2017 15:40

Die Demokratisierung der Hierarchie, zumindest in den Vorstellungen der Demokraten. Die Verachtung des Volkes, des Demokraten also. Was müssen die Politiker noch alles zulassen, damit diese Verachtung verstanden werden kann? Nach der Demokratisierung das Illusionstheater. Die Definitionen stimmen nicht. Für einen Demokraten ist die Demokratie keine Diktatur, nein, sie ist das Gegenteil davon. Deshalb wird die Demokratie verteidigt, weil Diktatur ist böse. In meinem Weltbild ist jede Herrschaftsform Diktatur, auch die Demokratie.

Merkel Macht zu unterstellen, nur weil sie Bundeskanzlerin ist, wird nicht dadurch richtig; zumal Völkerwanderungen keine spontanen Erlebnisveranstaltungen sind, sondern sorgfältig geplante Ziele verfolgen. Zu einem gewissen Zeitpunkt müssen dann schon die richtigen Personen Kanzler sein. Gilt auch für die Repräsentanten der Kirchen. Wer bei Gestalten wie Marietta Slomka landet, kann keine Macht haben! Und hier schließt sich eine Frage an: Welche Macht möchte das Volk haben, zu welchem Zweck sie einsetzen? Wohlstand zuerst, alles andere nachrangig, kann es nicht sein.

Die Steuerungsprozesse der Mächtigen, die sich hinter den Strukturen verstecken, die es nicht nötig haben der Naivität zu frönen, sind nicht nur in den Gesetzen der menschlichen Natur bewandert, sie besitzen auch das Kleingeld dazu. Dagegen sind unsere Politiker arme Kirchenmäuse. Das Wahlverhalten ist nichts weiter als die freiwillige Bestätigung dieses Sachverhalts. Das Ritual muß freiwillig erfolgen, sonst hätte die Lüge keinen Bestand.

Wie war es denn vor der Demokratisierung? Der Deutsche kannte seinen Wert und seine Identität. Jetzt muß er nur noch die Illusion zerstören, er hätte durch Wahlen Macht.

 

Franz Bettinger

15. September 2017 16:29

Die wichtigsten Tugenden sind für mich: Intuition, Gemeinsinn, Mut und Demut. Demut ist mMn nicht die "Unterwerfung unter Gott" (=Islam), denn an einen solchen glaube ich nicht, sondern das Einsehen in die eigene Begrenztheit (in allen Bereichen), man könnte auch sagen, in die eigene Kleinheit und Schwäche vor einem Größeren, Unverständlichen. Letzteres kann man Natur oder Schicksal nennen. Neben der Demut aber steht stolz der Mut. - Es gehört Mut dazu, sein Schicksal nicht immer ergeben zu ertragen, sondern aufzubegehren gegen die Obrigkeit, auch gegen die Natur, ja sogar gegen Götter, die es zu züchtigen gilt, sollten sie zu vermessen werden und einen Abraham auffordern, seinen Sohn zu töten. Denn das ist keine göttliche, sondern eine teuflische Forderung, eine von vielen, die mich diesem Gott des Alten Testamentes ganz und gar entfremdet hat. Wir reden nicht mehr miteinander.

Der Gehenkte

15. September 2017 17:37

Das sollen die Christen unter sich ausmachen. Sie sollten dann aber auch so ehrlich sein, es radikal anzugehen, das Problem aus der Wurzelperspektive und nicht an ad-hominem Argumenten und Schwächen einzelner verirrter Schafe und Hirten festzumachen. Im Gegensatz zu Marx, können sie sich nicht auf den Menschen als Wurzel für den Menschen beziehen - ihre Wurzel wächst im Himmel, von pben nach unten. Die Gesinnungsethik ist ein Ergebnis und ein zwangsläufiges dazu aus dem Christentum und Frau Sieferle irrt, wenn sie glaubt, die Gesinnungsethik sei erst unter Merkel in der Sozialdemokratisierung staatstragend geworden.

Christentum und Gesinnungsethik sind Synonyme! So wie sich Säkularisation und Verantwortungsethik aufeinander reimen sollten.

Luthers "Rechtfertigung allein aus dem Glauben" ist ebenso wie Kants "guter Wille" nur Ausfluß der christlichen Gesinnungsethik und Max Weber hatte das anhand des Calvinismus und Lutherismus auch ökonomisch in der "Protestantischen Ethik" nachgewiesen.

Erleichterung für die Christen gibt es nur in eine Richtung, wenn man die Perspektive erweitert. Nicht nur Christen machen sich der Gesinnungsethik schuldig, sondern alle Religionen und eine besonders.

Nautilus

15. September 2017 19:02

Mich macht das immer wieder sprachlos, wenn ich Typen wie diesen Woelki auf einem Youtube Video höre und sehe. Ich frage mich immer, was ist mit diesen Menschen passiert. Selbst der naivste müsste doch sehen, dass all dieses Verhalten ins Chaos führt. Sind diese Leute masochistisch veranlagt? 

Wenn man das nicht selbst miterleben würde, könnte man all das nicht glauben.

 

quarz

15. September 2017 23:07

Die gängigen Kategorisierungen "Gesinnungsethik" vs. "Verantwortungsethik" beruhen auf einem Denkfeher. In Wahrheit gibt es gar keine reine, von allen Folgen einer Handlung absehende Gesinnungsethik. Denn "von den Handlungsfolgen absehen kann man überhaupt nicht, wenn man handelt. Handeln heißt ja: bestimmte Wirkungen hervorbringen. Man kann Handlungen nicht einmal als Handlungen beschreiben, ohne ihren teleologischen Charakter in die Beschreibung aufzunehmen" (Spaemann).

Man bezieht also notwendigerweise zumindest diejenigen Folgen einer Handlung in deren Bewertung ein, die ihr per definitionem zukommen. Der Unterschied in den konkurrierenden Bewertungsmodellen liegt nur in der jeweiligen Auswahl und Reichweite der Folgen, für die der Handelnde die Verantwortung trägt. Sind es nur die begrifflich notwendigen Folgen oder auch noch andere. Und falls Letzteres, welche anderen?

Merkel ist demnach nicht als gesinnungsethisch handelnde Politikerin zu kritisieren, sondern als Politikerin, die nicht jene Folgen zum Maßstab ihres Handelns macht, für die sie die Verantwortung trägt, sondern jene Folgen, für die sie nicht die Verantwortung trägt.

Findling

15. September 2017 23:15

Jüngste Zeitungssplitter:

Sehen wir doch auf unsere Kirchenfürsten: Kreuz kriecht zu Halbmond!
1683 zog die Kirche noch voran in die Schlacht, heute kennt sie nur noch „submission statt mission“.
Dieses Salz
ist schal.

>Sanchez Sorondo (rechte Hand des Papstes) versicherte, daß die Menschheit derzeit „einen magischen Moment“ erlebt, weil „zum ersten Mal das Lehramt des Papstes, das dem Evangelium folgt, mit dem Lehramt der Vereinten Nationen übereinstimmt“.<
Quelle:
https://www.katholisches.info/2017/07/politikberater-des-papstes-menschheit-erlebt-magischen-moment-erstmals-stimmen-lehramt-des-papstes-und-lehramt-der-uno-ueberein/
Außerdem wissen wir nun, dass die UNO ein weltweites Lehramt gleich dem des Stellvertreters Gottes auf Erden besitzt. Das Staunen der Lämmer wird grenzenlos!
Gott und der Fürst der Welt fallen sich um den Hals.

Der Wahlspruch des Papstes „arm ist geil“ ist wie das Echo zu Wowereits Spruch "arm aber sexy". Hallo, ist Bürgerkrieg geil? Nur für die Antifa und nur die erste Woche (bis die Supermärkte geplündert sind)!

Nun, seine größte Sorge war es, nicht als islamophob dazustehen. Eine solche Dornenkrone könnte er auf seinem Haupte nie ertragen! Ihr seid alle desertiert!
(Der Bischof von Rouen sprach von 3 Opfern nach der Ermordung seines Priesters Hamel 2016. So liegen sich also im Himmel Mörder und Ermorderter sogleich in den Armen!)

Hindus zogen mit einer Statue der Elefantengottheit Ganesha in Ceutas katholische Kirche Hl. Maria von Afrika ein. Der Bischof zeigte sich danach über die Religionsvermischung bestürzt, die Hinduprozession habe unter den Christen für Verwirrung gesorgt.“ https://kath.net/news/60751
Ich sah es kommen. Ich fragte bereits 2010 beim Heiligen Stuhl an, warum der Papst dem mächtigen Affengott Hanuman nicht einen kleinen Seitenaltar widmen möchte. Und wenn nicht, ob er denn „Religionsfeind“ sei, so wie ich ein „Fremdenfeind“? Babylon statt Deutschland, so auch Pantheon statt Petersdom, warum nicht? Ein jeder zerstöre erst sich selbst, bevor er beginne andere zu zerstören. Diese Maxime machte die Welt friedlich!

Die drei Versuchungen, denen die westlichen Bischöfe erliegen:
- Sie verführen ihr Volk mit dem Versprechen, dass es auf den weichen Boden von Gottes Liebe fiele, so es sich von den Spitzen der Zinnen seiner Stadt stürzte (sprich seine Schutzmauern einrisse)!
- Sie laden die nackte Armut (sprich den Bürgerkrieg) ins Land in der Erwartung, dass Gott dann die Steine in Brot verwandeln werde!
- Sie lassen in ihren heiligen Gärten satanische Verse rezitieren!

Hätte der Papst in Bezug auf die Abtreibung nicht allen Grund von den "Soldaten des Herodes", von "Kain" zu reden und "Schaaande" ins Mikrofon zu rufen, so wie er es auf Lampedusa 2013 tat? (Marsch für das Leben in Berlin).
Es ist doch beschämend, wie wenige Kleriker hier Gesicht zeigen! Sie alle wollen es mit dem Staat sprich mit ihren Privilegien nicht verderben.
Ein Politiker sagte vor Jahrzehnten, Korruption beginne dort, wo der Arzt den Patienten frage, wie lange er krank geschrieben werden wolle. Irgendwie muss ich verwirrt sein. Wie komme ich bloß auf "Korruption"?

niekisch

16. September 2017 17:16

"Nichts sei dir groß, nichts erhaben, nichts angenehm und willkommen als Gott allein und was von Gott kommt. Erachte alles für eitel, was ein Geschöpf dir an Trost bietet. Eine Seele, die Gott liebt, verschmäht alles, was weniger ist als Gott."

Nein, so nicht, sondern wenn schon, dann so:

Das deutsche Werde

Packe du das täglich Kleine, und das Größre wird gelingen.

Nur durch Stetigkeit kann deine Arbeit auch das Schwere zwingen.

Fest verwurzelt sollst du schalten aus den Tiefen deiner Kraft.

So nur wirst du schicksalshaft Zeit und Glaube dir gestalten.

Letztes Suchen, heißes Fragen führt uns an des Wirkens Thron.

In uns schaffen wir und tragen Gott als Seele der Nation.

Blühend aus der dunklen Erde in das helle, klare Licht,

ist uns Gott das deutsche Werde, Kampf um Ehre, Sinn und Pflicht.

(Wolfgang Jünemann)

Monika L.

16. September 2017 19:22

"Christentum und Gesinnungsethik sind Synonyme ! So wie sich Säkularisation und Verantwortungsethik aufeinander reimen sollte".

@Der Gehenkte

Christentum und Gesinnungsethik sind keine Synonyme ! Säkularisatin und Verantwortungsethik reimen sich nicht zwangsläufig aufeinander ! Man unterscheidet nicht nur Gesinnungs- und Verantwortungsethik, sondern auch normative ( Sollensethik) nd nicht-normative Ethiken ( Könnensethik). Normative Ethiken sind z.B. Kants " kategorischer Imperativ" oder Gesetzesvorschriften, etwa im AT, die 10 Gebote ( Du sollst..) Zu den nicht-normativen Ethiken zählt die Tugendethik und auch die  sog. narrative Ethik, d.i. etwa die Entfaltung der jesuanischen Ethik in Gleichnissen. Jesus erzählt vor allem in Gleichnissen über das richtige Handeln. Während die Sollensethik vor allem fragt, wie der Mensch handeln soll, ohne das menschliche Vermögen im Blick zu haben, entfaltet die Tugendethik das Ethos auch vom Vermögen her. Sie fragt, wie der Mensch das Gesollte tun kann. Man kann das auch Lebenskunst nennen. Es gibt die christliche Ethik als Lebenskunst entfaltet ( so bei Meister Eckhart). Christliche Ethik nicht als Gesinnungsethik, sondern als Lebenskunst entfaltet im aufgeklärten Sinne findet man vor allem bei Erich Fromm. " Haben oder Sein". Hier bezieht sich Fromm auf Meister Eckhart. Hier wird Verantwortungsethik säkular entfaltet.

H. M. Richter

16. September 2017 20:54

^ @ niekisch

_____________

Mag sein, daß Ihnen, niekisch, die Worte Jünemanns etwas zu sagen haben, aber glauben Sie bitte nicht, daß Sie mit seinem "[...] heißes Fragen führt uns an des Wirkens Thron. In uns schaffen wir und tragen Gott als Seele der Nation"  Thomae Kempensis de imitatio Christi mit einem geradezu vermessenen "so nicht" überzeugend gegenübertreten können.

Der Gehenkte

17. September 2017 01:34

@ Monika

Ich gestehe Ihnen gern zu, daß meine beiden Ausrufesätze polemisch und provokativ vereinfachend waren. Ich hatte sie in der Hoffnung geschrieben, damit das „eigentliche“ Problem sichtbar zu machen: daß wir diese Auswüchse in der Kirche, die wir derzeit beobachten, von den Individuen trennen müssen und schauen sollten, wo die systemischen Ursachen liegen.

Man kann sich über die Kardinäle erregen, aber wozu? Ist es nicht wichtiger, sich zu fragen, warum wir gerade jetzt Bergoglio, Marx, Bedford-Strohm, Käßmann etc. haben? Es war auch kein Zufall, daß Luther 1510 in Rom ausgerechnet auf Leo X. stieß und ihn zum Antichristen erklären konnte. Aber genauso wie sich Leo X. nur aus der Geschichte der Kirche und diese sich nur aus der Geschichte des Christentums und dieses sich vor allem auch aus der Geschichte Christi erklären läßt, so sollte unser Blick, wenn wir Mißstände beschreiben, auf die historischen, sprich ökonomischen und sozialpsychologischen Ursachen fallen. Nichts wäre anders, wenn der kleine Marx weniger aufgedunsen wäre.
Daher gebe ich Ihnen in allem recht, was sie über Sollens- und Könnensethik schreiben – wenngleich wir hier auf einer anderen Ebene als bei der Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik agieren. Normative und deskriptive Ethiken sind Verfahrensethiken, mithin der Gesinnungs- oder Verantwortungsethik (als Verfassungsethiken) subsumiert. Ihre Antwort betrifft mein Argument daher nicht, sondern versucht, es durch neue Begrifflichkeit zu umschiffen.

Das zeigt sich auch bei Meister Eckhart, für den exemplarisch gilt, was Heidegger sagte: „Die tragenden Gedanken der Metaphysik bleiben uns fremd, solange wir diese Gedanken nicht denken, sondern immer nur darüber berichten.“ Eckhart ist immer schwierig, weil er das Mitdenken einfordert und ich gehe davon aus, daß die meisten Leute, die etwas über Eckhart sagen, meist nicht mitgedacht haben – dann würden sie in der Regel nämlich schweigen. Insofern hat Eckhart auch gar keine Ethik: sein Denken versucht die Aufhebung von "Ethik", denn Gelassenheit und Abgeschiedenheit als letzte Handlungsanweisung, das Fallenlassen von allem Wollen, Begehren, Haben …, soll ja das Handeln (auch das Können und Sollen) beenden.

In den wunderbaren Worten Angelus Silesius‘:
Verlacht / Verlassen stehn / viel leyden in der Zeit /
Nichts haben / können / seyn / ist meine Herrlichkeit.

Erich Fromm war an Eckhart allein wegen des Begriffes „Sein“ interessiert. Vergessen wir nicht, daß er ihn just mit dem Marx der „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ verknüpfte. Ihm ging es um das „Ausbrechen aus der Existenzweise des Habens als Voraussetzung jeder echten Aktivität“, antikapitalistisch gedacht. Aber auch Fromm stand in einer langen Geschichte, der jüdischen vornehmlich. Sein Eckhart-Verständnis stammt aus der frühen Auseinandersetzung mit dem Sabbat. ("Säkular entfaltete Verantwortungsethik" paßt viel eher auf Hans Jonas: "Das Prinzip Verantwortung")
Aber egal, das führt hier alles zu weit: Worum es mir ging: Wurzelbehandlung, nach bekanntem Vorbild: „Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ (Mt. 3.10) Und da bleibe ich bei meiner Aussage: Gesinnungsethik ist Ergebnis christlichen (oder religiösen) Denkens, weil Glaube Gesinnung einschließt oder zur Folge hat.

T. de Ahumada

17. September 2017 02:49

@ Der Gehenkte

Ich möchte Frau Monika L. unterstützen:

Wir kommen um eine Renaissance der "Tugendethik" nicht herum. Ein religiös völlig unverdächtiger Lektüretipp sind die Bücher von Alasdair McIntyre. Zumindestens sein Hauptwerk "After Virtue" gibts auch auf Deutsch ("Verlust der Tugend"?) 

Die "Tugendethik" ist zutiefst im Christentum verankert, ihrer ersten Risse bekam sie aber mit Luther. Luther hat das christliche Menschenbild ins Negative übertrieben, aus einer durch die Sünde Adams "verletzte" Natur wurde im Protestantismus eine durch und durch "verdorbene" Natur. Weil der protestantische Mensch - im Gegensatz zum katholischen Menschen -, aufgrund der Verdunkelung seines Verstandes Gott gar nicht mehr erkennen kann, gibt es in unserer Kultur zwischen Vernunft und Glaube keine Korrelation mehr. Nun ist der durch seine philosophischen Geburtsfehler schon immer nach Säkularisierunge strebende Protestantismus  in den letzten 500 Jahren mehr und mehr zur übermächtigen Leitkultur geworden. Wenn wir in den ethischen Aporien unserer modernen Gesellschaft gelandet sind, dann weil sich die katholische Kirche unter dem Druck der immer stärker werdenen säkularen Kultur leider ideologisch immer mehr zurückgenommen hat. Das galt auch für den von allen konservativen fälschlich als 'rechtgläubig' verehrten Papst Benedikt XVI.  Der ist zwar hochgebildet aber wie jeder deutsche Theologe eben doch aufklärerisch "idealistisch" angekränkelt.

Ich würde inzwischen soweit gehen und sogar behaupten, dass wir jetzt definitiv einen Krypto-Protestanten auf dem Stuhl Petri sitzen haben. Deswegen schafft der es ja auch den Globalismus und das Programm der UNO mit dem Evangelium zu "versöhnen". Auch das ist der Vorherrschaft der deutschen Theologen innerhalb der katholischen Kirche und ihrem weltweiten Einfluss in den letzten achtzig Jahren geschuldet.

Das Gutmenschentum der katholischen Bischöfe Deutschlands und die von ihnen unterstützte Gesinnungsethik hat nichts mit dem katholischen Dogma zu tun, ganz im Gegenteil: Es steht ihm diametral entgegen.

 

Monika L.

17. September 2017 13:00

@ Franz Bettinger 

Der von Pieper verwendete Begriff ' Unterwerfung' ist heute, wo ' der Islam zu Deutschland gehören soll', eher ungeeignet. Unterwerfung  im Islam meint etwas völlig anders als im Christlichen. ( siehe etwa soumission/ Houellebecq) . Statt Unterwerfung ( die die Einsicht in die eigene Begrenztheit zur Voraussetzung hat) würde Guardini von 'Anbetung'sprechen. Demut als Einsicht in die eigene Begrenzheit kann natürlich auch ohne eine der großen Religionen eine Lebenshaltung sein. Hier Unterschiede rauszuarbeiten sprengt den Rahmen.

.......

Der Koran enthält im Unterschied zum Neuen Testament vor allem strikte Anweisungen , Normen und Regeln, denen man sich zu unterwefen hat. Man lese dagegen mal die Stelle in Mt 11,30: " Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht". Die Kritik am Islam durch sog. liberale Muslime ( Seyran Ates) richtet sich m.E. gegen diese starren Regeln und ist ein Versuch, diesen zu entkommen. Ein Versuch, den  nicht-normativen Teil des Islam zu kultivieren ( deshalb wohl Ibn-Rushd-Goethe Moschee) . Ob das gelingen kann, ist eine ander Frage.

Da gibt es inzwischen eigenartige Synchretismen. Siehe in der NZZ den Beitrag " Viele Männer scheinen genau zu wissen, was für sie muslimische Frau das Richtige ist". ( Islamzentrum in Freiburg CH mit Doppelspitze Amir Dziri und Hansjörg Schmid) . Da gilt es etwa als "Fortschritt" , wenn statt fünfmal am Tag nur noch dreimal gebetet werden muß. Dagegen Jesus:" Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen) .

Das Neue Testament ist keine Gesetzesethik und auch im alten Testament findet man neben normativen Texten die Bücher der Lebensweisheit und der Psalmen. Hier scheint mir der Islam als Religon eher defizitär. 

........

Zur " Merkelreligion"

Merkel verbindet protestantisches  Arbeitsethos ( wir schaffen das!) mit dem Gutmenschentum ( d.i. eine universelle christliche Moral, die den Bezug zur Transzendenz verloren hat, eine sozialistische Moral eher) . Diese brisante Mischung wird zur modernen Moral der globalen Märkte und des  entwurzelten Einzelmenschen. Der " Flüchtling" im Wahltalk liebt die "große Mutter"Merkel. Reist ihr zu den Wahlauftritten  nach...will auch  gut und gerne in Deutschland leben...So long, Angie...dein Joch wird hart und Deine Last immer schwerer..

niekisch

17. September 2017 21:27

"überzeugend gegenübertreten"

@ H.M.Richter: eine solche Vermessenheit maße ich mir nicht an, meine nur für mich ganz allein aussagen zu dürfen, daß ein Gott nicht ex nihilo, sondern infolge evolutionärer Entwicklung des Menschen als Bild aus eigener Vorstellung in Anbindung an die ihn umgebende Natur entstanden ist und sich aus unerklärlichen Naturgewalten bis zum reinen Gedanken entwickelt hat. Der Geist nun ist nicht nur aus philosophischer Sicht, sondern auch naturwissenschaftlich belegbar nicht ohne die Ortsanbindung des Menschen als unverwechselbar, ja autonom zu denken und was ist ein Volk mehr als die Lebensgemeinschaft seiner Geisteswesen. "Gott in uns" und "Gott mit uns" haben als ihren uns wesensgemäßen Sinn und finden m.E. in den Worten Wolfgang Jünemanns Ausdruck.

quarz

18. September 2017 10:16

@Ahumada

"Weil der protestantische Mensch - im Gegensatz zum katholischen Menschen -, aufgrund der Verdunkelung seines Verstandes Gott gar nicht mehr erkennen kann"

Eine vergleichbare, aber noch wesentlich deutlichere Kluft entwickelte sich im Islam, als dieser versuchte, den Tugendethiker Aristoteles zu verdauen. Als Abstoßungsreaktion entstand die bis heute bestimmende asch'aritische Theologie, die einen rational völlig unzugänglichen Gott predigt und den Menschen (insbesondere in ethischer Hinsicht) zum intellektuell impotenten Befehlsempfänger degradiert.

Valjean72

18. September 2017 10:58

Auf ZEIT-Online wurde heute ein Artikel über eine Pastorin veröffentlicht, die sich für „Flüchtlinge“ einsetzt:

 "Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört?"

„Es gibt in Deutschland wirkliche Mammutprobleme, auch durch die Flüchtlingskrise. Das wird sich nicht ändern. Wer in Afrika hungert oder keine Chance auf Frieden hat, kommt halt. Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können.“

 https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-09/bundestagswahl-waehler-eva-esche

Deutschland ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss PUNKT! Und ob es jene sind, die schon länger hier leben oder die "Neusiedler", das spielt für solche Christen - beseelt von der universellen Botschaft ihrers Glaubens - überhaupt keine Rolle. Ich habe Respekt vor vielen aufrechten Christen, die aus innerer Überzeugung und tiefen Glauben heraus Gutes bewirken wollen. In mir selbst reift allerdings zunehmend Erkenntnis (Wahrnehmung, Verständnis), dass das Christentum Teil des Problems ist und nicht die Lösung. Und ich möchte betonen, dass ich alles andere als ein Atheist bin.

Der Gehenkte

18. September 2017 11:28

@ T. de Ahumada

"Nun ist der durch seine philosophischen Geburtsfehler schon immer nach Säkularisierunge strebende Protestantismus ..."

Sie werden mittlerweile gesehen haben, daß wir (Monika inklusive), in der Frage der Tugendethik nicht weit voneinander zu sein scheinen. Allein auch die Frage der Säkularisierung sollte man weiter fassen, auch wenn der Protestantismus einerseits eine Beschleunigung darstellt, andererseits aber auch eine Verlangsamung. (Ich will nicht schon wieder von "Dialektik" reden.) Der geistige Kern - es gibt auch einen ökonomischen - der Säkularisierung liegt in der Theologie und die Theologie hat ihre Ursache im "Unglaublichen" oder Absurden der jeweiligen Religion. Das führt zum Zweifel. Der Christ ist von Anfang an gezwungen, die abstrusesten Dinge zu glauben, die aller Erfahrung und Logik widersprechen - es ist kein Wunder, das sich ausgerechnet Islam und Buddhismus der geistigen Säkularisation widersetzen (sie werden ökonomisch eingeholt). Buddhas Gebäude ist nahezu perfekt und in sich schlüssig, Mohammeds Genie bestand in der Verunmöglichung von Theologie. Das kann man sogar bei Alisdair MacIntyre bestätigt finden, der von "narrativer Ordnung" spricht, versucht, "das Selbst als narrative Form zu denken". Dies bedeutet zum einen: "die Einheit einer Tugend im Leben eines Menschen ist nur als eine Eigenart eines einheitlichen Lebens verständlich, eines Lebens, das als Ganzes begriffen und bewertet werden kann", zum anderen, die jeweilige narrative Einordnung einer Handlung in einen Sinn und Motivations- und Überzeugungszusammenhang. Und das gilt auch für die Über-Lebenszusammenhänge, für die komplexeren Selbste ...

Franz Bettinger

18. September 2017 12:18

Gott hat Humor!

@ Monika L.

"Tut mir leid, lieber Gott," so begann mein letztes Gespräch mit ihm, als ich 16 war, "aber es ist aus. Ich kann nicht mehr an dich glauben." Argumente brauchte ich keine; er kannte sie. "Macht nichts, lieber Franz," sagte Gott, "ich glaube an dich." In NZ, wo ich die meiste Zeit wohne, mögen mich die Zeugen Jehovas. Weil ich ihren Mut respektiere und meine Arbeit liegen lasse, wenn sie unangekündigt vor der Tür stehen, und weil ich sie immer zum Tee herein bitte. Sie kennen so ein Verhalten nicht. Aber wenn ich ihnen von meinem letzten Gespräch mit Gott erzähle, sitzen sie sprachlos (!) zwischen den Stühlen. Denn sie können meine kleine Anekdote nicht einordnen; sie hat ja paradoxer Weise beides: Blasphemisches und Gott Anerkennendes. Gott und ich aber, wir können beide gut damit leben.

Monika L.

18. September 2017 19:09

Passend zum Thema. Ein grundlegender Beitrag in tichys einblick: Jesus hat keine Willkommenskultur gepredigt:

https://www.tichyseinblick.de/meinungen/jesus-hat-keine-willkommens-kultur-gepredigt/

niekisch

18. September 2017 19:33

"Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können.“

Hat da nicht metapolitisch gesehen die Gegenaussage "Deutschland uns Deutschen" ihre Berechtigung. Afrikaner sollen deutsche Äcker bearbeiten?  Wer Afrika ein wenig kennt, der weiß, daß sie es nicht einmal in Afrika schaffen. Die Pastorin gehört in den Steinbruch statt an den Altar.

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