19. September 2017

Herkunft, unverhandelbar

Nils Wegner / 19 Kommentare

Bekanntlich hat die Desintegrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, im Mai dieses Jahres "festgestellt" es sei »eine spezifisch deutsche Kultur, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar«. Soso.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Des Pudels Kern findet sich jedoch in Wahrheit erst im auf diese vielzitierte und -kritisierte Passage folgenden Satz, der nichts weniger als das Selbstverständnis der Deutschen als Volk selbst in Frage stellt:

Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt.

Soll heißen: Die sich da als "wir Deutsche" verstehen, klammern sich an das Konstrukt eines Volks, das so nie interessiert hat, sondern in Wahrheit immer nur eine – postmodern-aktuell mit Negri und Hardt gesprochen – Multitude, eine "Vielheit" zweck- und interessengebunden gemeinsam handelnder Individuen bzw. Stämme und Gruppen war.

Daß Özoğuz in ihrem Debattenbeitrag für Tagesspiegel Causa den Begriff des deutschen Volks derart ins Reich des Surrealen abzuschieben suchte, kommt nicht von ungefähr: Anläßlich der zaghaften und schnell erloschenen Neuauflage der Leitkulturdebatte konstatiert die studierte Anglistin ein verkommenes »Klischee des Deutschseins«. Nota bene: kein klischeehaftes Deutschsein oder Klischee vom Deutschen, nein – das Deutschsein an sich wird ihr zum Klischee, das abzuräumen ist.

Diese zeitgeistige Scheindebatte um Gemeinschaft, Tradition und Geschichte wird, wie gewohnt, nahtlos in die Vergangenheit zurückprojiziert. Da eine gemeinsame volkliche Geschichte den sich zufällig auf deutschem Boden vorfindenden Haufen an Konsummonaden und global beweglichen Arbeitsdrohnen nur verunsichern würde, bedarf es einer gründlichen Dekonstruktion. Die fällt bis zurück zu Martin Luther unter Verweis auf mythische zwölf Jahre denkbar leicht.

Und mit dem gleichen Mechanismus soll es auch der Vor- und Frühgeschichte an den Kragen gehen. Vorschub leistet dabei die im Fach selbst seit Anfang der 1960er Jahre virulente Tendenz zur Revision des Volksbegriffs "Germanen", die sich samt ihrer heutigen Epigonen nahtlos in das große Mantra der globalen Menschenverschiebung einreiht: daß es selbstverständlich keine Völker gebe, ohnehin nichts als substantielle Einheit gegeben sei.

»Die Germanen haben in Wirklichkeit nie existiert. Sie sind ein Mythos«, und den hätten maßgeblich »die Nazis« kreiert, hieß es etwa von Frauke von der Haar. Ihr hatte die Stadt Bremen 2013 die Ausstellung »Graben für Germanien – Archäologie unter dem Hakenkreuz« zu verdanken. "Völkisch" ist also auch derjenige, der selbstverständlich die Germanen als Urväter eines deutschen Volks annimmt.

Dieser zeitgeistig-politisch kontaminierten Selektion wissenschaftlicher Befunde und Diskurse tritt nun der bewährte Anthropologe und Historiker Andreas Vonderach entgegen. Sein druckfrisches Werk Gab es Germanen? Eine Spurensuche widmet sich der Debatte um Existenz und Charakter der Germanen von den Anfängen bis zum heutigen Stand. Der "moderne" Germanenbegriff – daß sie eben kein eigenes Volk gewesen seien – wird dabei aus dem Blick der drei für diese Frage maßgeblichen Wissenschaften durchgemustert: Völkerkunde, Archäologie und Linguistik.

Zu guter Letzt widmet sich ein eigenes Kapitel der Frage, ob die zeitgenössischen Germanen denn auch ein eigenes Bewußtsein ihres Volkscharakters gehabt hätten. Es kann wohl so viel verraten werden: Die Autoren der antiken und klassischen Quellen haben nicht bloß spekuliert und voneinander abgeschrieben; die "Germanisierung" weiter Teile des germanischen Stammesgebiets vollzog sich nicht erst im Rahmen der Völkerwanderung; und, ja, es gab die Germanen als selbstbewußtes Volk diverser Stämme wirklich, ebenso wie es heute ein deutsches Volk gibt.

Wir sind mit Deutschland »ein Lebewesen, das 2000 Jahre alt ist«, wie es Alexander Kluge so schön beschrieb. Dieses Erbe und diese Geschichte gilt es, zu verteidigen – und vor allem zu kennen. Wer der polit-wissenschaftlichen Demontage unseres Volksbewußtseins widerstehen und entgegentreten will, der hat mit Vonderachs bündigem Werk eine zuverlässige Quelle zur Hand, die darüber hinaus allgemeinverständlich geschrieben ist und einleuchtend argumentiert.

--

Andreas Vonderach: Gab es Germanen? Eine Spurensuche, Schnellroda 2017. 208 S., 19 € – hier einsehen und bestellen!


Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.


Kommentare (19)

Der Starost
19. September 2017 17:15

Nach dem üblichen "Betroffenheitsgetue" und anschließendem Rückzieher bei "Maischberger"

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168405164/Oezoguz-zeigt-sich-schwer-schockiert-von-Gauland-Aeusserungen.html

kann man sich des Eindrucks schlecht erwehren, dass Alexander Gauland doch nicht sehr neben der Sache gelegen hat.

Nautilus
19. September 2017 18:52

Das diese Globalisten jeden Versuch unternehmen alles zu zerstückeln liegt auf der Hand. Was es nicht gibt, kann auch nicht verteidigt werden. Das gilt ja auch für die Gender Ideologen. Mann und Frau sind nur eine Konstruktion. Was da folgt ist die Ehe für alle. Ob diese Özoguz auch in der Türkei gesagt hätte, dass es keine türkische Kultur gibt? In der BRD ist aber inzwischen alles möglich.

nom de guerre
19. September 2017 19:23

Ich verstehe die ganze Diskussion schon in ihrem Ansatz nicht. Weder die Aussage von Frau Özoguz noch die jetzt offenbar stattfindende Erweiterung auf die Antike. Muss es denn Germanen im Sinne eines sich als Einheit verstehenden Volkes gegeben haben, damit wir uns heute als Deutsche verstehen können? Ich meine mich dunkel aus meinem Lateinunterricht daran zu erinnern, dass es auch keine Gallier als Volk gegeben hat, sondern Stämme, die keltische Sprachen/Dialekte sprachen, eine ähnliche Lebensweise hatten und in Gallien lebten. Trotzdem stellt sich doch in Frankreich niemand hin und sagt, es gebe keine Franzosen. Wer meint, es gäbe keine deutsche Kultur jenseits der Sprache, sondern nur eine Art immerwährende, austauschbare Vielfalt, kann aus meiner Sicht nicht von „unserer Geschichte“ sprechen, da sie von dieser nichts begriffen hat. Es sei denn, sie meint die Geschichte der Türkei, in diesem Fall wäre die 1. Person Plural vermutlich angebracht.

Spengler
19. September 2017 19:46

Es gibt eben in unserer orwellschen Neusprechzeit keine Geschichte, zumindest keine deutsche Geschichte. Und der Mythos Germanen ist wohl ein Mythos, den ein gewisser edler Römer Tacitus in die helle römische Welt gesetzt hat. Folglich gab es dann Jahrunderte  keine germanischen,  gotischen , allemannischen fränkischen usw, Völker , sondern immer nur Gruppen von Menschen, die hin und her gezogen sind.  Das erinnert an die gewisse Stelle im Rühmannfilm Feuerzangenbowle, den aber unsere Desintegrationsministerin garantiert nicht kennt, weil er in der kulturlosesten aller kulturlosen Zeiten gedreht wurde. Wenn es keine germanischen Völker gab, dann gab es auch keine invasiven  Westfeldzüge der   Awaren, Hunnen  und byzanzzerstörerischen Turk- Menschen-Gruppen. Man sollte Geschiche und Kulturgeschichte der Germanen und anderen Westeuropäer  mal einfach verbieten oder deren Relikte schleifen, wie es  die Menschen- Gruppen des IS bereits erfolgreich begonnen haben

Herr K.
19. September 2017 20:29

Wieso gibt es ein Buch über das offensichtlich Klare? Wieso soll eine Beweisführung für etwas Erwiesenes geführt werden. Klingt wie eine Rechtfertigung. Vielmehr würde mich "...wie werden wir germanischer?" als Buchtitel locken...

Corvusacerbus
19. September 2017 23:56

Daß beim großen Dekonstruieren des Eigenen ein Großteil der etablierten Historiker willige Täter, ideologische Vollstrecker und feige Stillhalter sind, wissen wir lange. Am Ende wird uns Deutsche mehr schaden, daß so viele von uns keine Volkszugehörigkeit mehr empfinden, die alten Lieder nicht mehr kennen und singen, den Stolz auf die Größe dieses Volkes und dieser Nation nicht empfinden, generell: keine kollektive Identität haben. Plastikdeutsche wohin man schaut, auch unter den Autochthonen. Es ist bitter, aber es ist so. Die Kenntnisse über das Eigene, über Geschichte und Kultur, Kunst und Künstler, Religion und Herkunft sind erbärmlich. Die liberale Individualisierung feiert Triumphe, Deutschland ist weder wehrwillig, noch wehrfähig und nährt die 5. Kolonnen, die zum Bürgerkrieg rüsten. Hoffnung? Zurzeit kaum. 

Medardus
20. September 2017 01:18

Oder kurz zusammengefaßt: Eine deutsche Kultur jenseits der amerikanischen ist schlichtweg nicht mehr feststellbar.

Kahlenberg
20. September 2017 01:43

@nom de guerre: Auch in Frankreich stellt sich jemand hin, und sagt: "Die französische Kultur gibt es nicht.": Emmanuel Macron, der hat das jedenfalls gesagt.

Cacatum non est pictum
20. September 2017 05:08

@Spengler

Es gibt eben in unserer orwellschen Neusprechzeit keine Geschichte, zumindest keine deutsche Geschichte. Und der Mythos Germanen ist wohl ein Mythos, den ein gewisser edler Römer Tacitus in die helle römische Welt gesetzt hat.

Genau. Der bis auf den heutigen Tag wichtigste Zeitzeuge des Germanentums - Tacitus - hat zwar die Germanen als Volk beschrieben und exakt so genannt. Aber 2000 Jahre später wissen es die geistreichen Absolventen der deutschen Hochleistungsuniversitäten besser und glauben, ihn mit ihrer Sittenspiegeltheorie widerlegen zu können.

@Nautilus

Ob diese Özoguz auch in der Türkei gesagt hätte, dass es keine türkische Kultur gibt? In der BRD ist aber inzwischen alles möglich.

Was interessiert es uns, was diese Frau zur deutschen Geschichte und Kultur zu sagen hat? Sie ist Türkin und wird das auch bis an ihr Lebensende bleiben. Und durch besondere Sachkenntnis ist sie mir noch nie aufgefallen - auf keinem Gebiet.

@Corvuscaberus

Am Ende wird uns Deutsche mehr schaden, daß so viele von uns keine Volkszugehörigkeit mehr empfinden, die alten Lieder nicht mehr kennen und singen, den Stolz auf die Größe dieses Volkes und dieser Nation nicht empfinden, generell: keine kollektive Identität haben. Plastikdeutsche wohin man schaut, auch unter den Autochthonen. Es ist bitter, aber es ist so. Die Kenntnisse über das Eigene, über Geschichte und Kultur, Kunst und Künstler, Religion und Herkunft sind erbärmlich.

Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Der Faden der traditionellen Überlieferung ist seit den Sechzigerjahren komplett abgeschnitten worden. In den Schulen, in unseren Medien und sonstwo wird nichts mehr vermittelt, was mit deutschen Traditionen zu tun hat. Wir halten unsere heute gelebte Kultur für deutsch, obwohl sie mittlerweile fast ausschließlich amerikanisch geprägt ist, wie Norbert Borrmann in seinem ausgezeichneten kaplanken-Band "Die große Gleichschaltung" zutreffend festgestellt hat. Das alles bedarf dringend einer Revitalisierung. Ich vermute, dass einige germanophile Ausländer mehr über deutsche Traditionen wissen als viele Deutsche selbst.

M. M.
20. September 2017 08:29

Auch in Schweden hat der ehemalige PM erklärt, schwedische Kultur sei bestenfalls Barbarei und die Grenzen fiktiv. Alle korrupten Migrationsprofiteure erzählen das in westlichen Ländern, spätestems seit ihre Vordenkerin Susan Sontag bereits 67 erklärte, die weiße Rasse sei das Krebsübel der Menschheit. Özoğuz ist eine von vielen, Deutschland ein Fall von vielen.

https://www.dailymail.co.uk/debate/article-4524218/Book-claims-elites-UK-encouraging-mass-immigration.html

Caroline Sommerfeld
20. September 2017 10:01

@ Tuonawa: "Dabei ist völlig klar, dass derartige Abgrenzungsprobleme grundsätzlich auftreten, sobald ein Kontinuum (hier: Kulturen, Völker) diskret zerlegt werden soll. Zu behaupten, es habe keine Germanen gegeben, weil sie und ihre Kultur sich nicht hundertprozentig von anderen abgrenzen lassen, ist dasselbe, wie zu sagen, einen roten Abendhimmel könne es nicht geben, da auch dieser fliessend in den blauen Himmel übergeht."

Perfektes Argument! Hinzu kommt noch der ewigwährende Reduktionismus: nur weil sich x aus (1,2,3 ....) zusammensetzt, ist es nicht weniger xy. Wenn sich der Begriff "die Germanen" auf eine mannigfaltige Schar von Stämmen, oder, noch eine Ebene darunter, auf Genotypen, die, anders als etwa Klone, selbstverständlich "durchmischt" sind, rückbeziehen läßt, bedeutet das nicht, daß es entweder den Begriff "nicht gibt", nicht mehr geben darf oder daß er keinen Inhalt hat. Menschliche Eigenschaften kann man zu einem Gutteil auf menschliche Gene reduzieren, es wäre aber unsinnig zu sagen, daß es deshalb diese Eigenschaften "nicht gibt". Im übrigen ist unsere Aufgabe, wie mir immer wieder deutlich wird, offensichtlich Reparatur des erodierten kulturellen Gedächtnisses. Zumindest geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Forschung hat sich nämlich komplett der Entstrukturierung, Entmythifizierung und Auflösung verschrieben. Ausnahmslos alle Forschungsarbeiten sind damit beschäftigt zu erklären, warum unsere bisheriges Verständnis von / Vertrauen in / Voraussetzen von xy ganz falsch ist, egal ob es das Geschlechterbild, die Urahnen, die Schlacht am soundso oder Mittel zur Kindererziehung ist.

Ein gebürtiger Hesse
20. September 2017 10:47

Sehr schön, daß Vonderach sich die Arbeit gemacht hat, unsere Herkunft im Längstvergangenen aufzuzeigen. Das wird innere Bilder aufleben lassen und das Rückgrat stärken. Hoffe allerdings, daß im historischen Bericht auch romantischer Dünger für's Heute steckt.

Gerrit
20. September 2017 11:15

Ein kleiner Einwurf: Die Idee eines Volkes hat auch eine starke subjektive Komponente. Mann will ein Volk, ein "wir" sein, oder eben nicht. Das Mittel zur Volksbildung, die Volksmythen, moderner die "nationale Erzählung", muss dabei gar nicht zwingend auf historischen Fakten beruhen. Gerade die Rechte hat es dabei tatsächlich zuweilen etwas bunt getrieben. Ob wir jetzt Indo-Europäer, Nachfolger der antiken Griechen, oder doch eher die Erben Arminius' sind (oder alles zusammen), ist letztlich aber völlig egal. Entscheidend ist, was wir heute daraus machen. Es ist deshalb auch völlig gleichgültig, in welchem Ausmaß benachbarte Völker unsere Kultur beeinflusst haben. Entscheidend ist, ob wir Deutschen das Ergebnis als unsere Kultur verstehen und annehmen. Und mir fehlt schlicht die Fantasie, wie dies mit der islamischen Kultur geschehen soll. Die Gleichsetzung griechisch-römischer, polnischer, skandinavischer, französischer Einflüsse mit den Einflüssen des Morgenlandes gleichzusetzen ist grotesk.

Corvusacerbus
20. September 2017 11:55

Wir hatten hier schon häufiger Bezüge zur Schweizer Eidgenossenschaft . Sie versteht sich als Willensnation. Vielleicht müssen wir Deutsche über das jus sanguinis und die gemeinsame Vergangenheit hinaus dieses Konzept der Willensnation als dazu tretendes Konstitutionselement neu bzw. wieder entdecken. Wer dazu gehören will, muß sich zu Deutschland bekennen und natürlich gibt es eine Leitkultur.

Valjean72
20. September 2017 13:54

@Corvusacerbus:

Als Willensnation begreift sich auch das republikanische Frankreich. Jeder kann Franzose werden, der sich zur Republik bekennt und französisch spricht. Es liegen darin gerade jene Missstände begründet die wir heute aus patriotischer Sicht beklagen (im Sinne eines ethnisch-kulturellen oder meinethalben eines identitären Patriotismus). Und die Diskussion über eine "Leitkultur" ist mE auch vergiftet. Der Begriff impliziert ja, dass es hier bei uns mehrere Kulturen, Kulturentwürfe gibt - am Ende sogar gleichberechtigt - und dass es einer davon lediglich zugestanden wird, eine leitende Rolle auszuüben quasi  als "primus inter pares".

Curt Sachs
20. September 2017 20:18

Danke schön, Valjean, dass Sie die Problematik der "Willensnation" aufzeigen. Ich bin doch nicht dadurch deutsch, dass ich das sein will oder nicht. Ich bin’s einfach.

Findling
20. September 2017 22:24

Der Nihilismus arbeitet z.B. auch in der Theologie nach folgender Methode: „So, Sie sagen dass sei eine Hose. Wollen mal sehen.“ Dann trennt der Exeget die Nähte auf. Schon weniger Hose. Dann wird das ganze Gewebe in einzelne Fäden zerlegt. Jetzt sieht mich der Meister höhnisch an: „Wo ist dann da Ihre Hose

>“Die Juden (den Mohammed usw.) haben in Wirklichkeit nie existiert. Sie sind ein Mythos«, und den hätten maßgeblich »die Nazis« kreiert, ...< So herum würde das nicht gerne gehört.

Cäsar starb 44 v. Chr.. Zuvor hatte er sich schon in meinem Land mit Alemannen herumgeschlagen. Jetzt löst sich der Stamm auf: Berufliche Mobilität, Kultur geprägt von Hollywood, Zuwanderung, … Es scheint, die Zeit der Völker ginge zu Ende. Mit und ohne uns.

Ein gebürtiger Hesse
20. September 2017 23:44

@  Findling

Ihr Bild mit dem Auftrennen der Hose bringt die nihilistische Dekonstruktion auf den Punkt. Brilliant. Sollten wir uns merken.

Konservativer
22. September 2017 00:54

Ich habe das Buch von Andrea Vonderach heute erhalten und freue mich auf die Lektüre.

"Es kann wohl so viel verraten werden: Die Autoren der antiken und klassischen Quellen haben nicht bloß spekuliert und voneinander abgeschrieben; die "Germanisierung" weiter Teile des germanischen Stammesgebiets vollzog sich nicht erst im Rahmen der Völkerwanderung; und, ja, es gab die Germanen als selbstbewußtes Volk diverser Stämme wirklich, ebenso wie es heute ein deutsches Volk gibt."

Zu deser Schlußfolgerung kommt auch Herbert Kramer:

"Bis zur Varusschlacht, im August des Jahres 9, war der germanische Widerstand für den Raum {West-phalian} noch nicht in der Gestalt organisiert, wie wir es in der Folgezeit ablesen können. Erst nach Varus wurde die militärische Organisationsstruktur entwickelt, die sich bis dahin einzig auf die minder zählenden regionalen Kräfte des westphälischen Raumes bezog, die von der römischen Militärwalze überrollt wurden. [...] In zwei Fluchtwellen in den Jahren 10 und 11 n. Chr. mußten alle im „Westphälischen Münsterland“, der „ostwestphälischen Tiefebene“ vor Paderborn und jene in der „Soester Börde“ Lebenden ins Hinterland ausweichen, um nicht den Römern in die Hände zu fallen. Bis weit ins nächste Jahrhundert drängten sich darum die Menschen in den Gebieten hinter dem „Germanischen Limes“, der für die Römer als Beispiel ihrer eigenen ca. 70 Jahre später nötig werdenden Abwehr (nun der Germanen) diente. Darum ist der Limes nicht nur eine sächsische Idee, sondern auch {-} benannt! In diese von Rom geschaffene Enge und Dichte von Menschen gedachte Tiberius vorzustoßen und Hunger wie Winterkälte, durch Zerstörung der zivilen Strukturen, zu seinem Verbündeten zu machen, um mittelfristig in den Raum um Hannover und zur Elbe vorzustoßen. [...] Es herrschten also für die Verteidiger Bedingungen, die schlimmer nicht sein konnten! So wurde die gesamte Heimat zum langjährigen Kriegsgebiet, das den Namen {Westphalian} zunächst von {palian} {fenian} (siehe unten: Anhang) = Schutzgeist, abgeleitet und gebildet fand. [...] Nach der Niederlage der Römer unter Varus kam es zur Umorganisation der germanischen Einheiten und Räume. In einer alle freien Stämme umfassenden Bündnisstruktur wurde und konnte nur dem römischen Reich die Stirn geboten werden. Diese Struktur war bereits im „immensum bellum“ praktiziert, doch offenbar noch nicht dauerorganisiert worden. [...] Das alles bedeutete eine ungeheure logistische Leistung, die offenbar erbracht wurde. [...] Einzig die Macht der vereinigten germanischen Stämme vermochte einen derartigen Kraftakt im Überlebenskampf zu leisten und wurde darum zum nachhaltigen Schrecken Roms."

Quelle: https://2000jahre-varusschlacht.de/Varusschlacht.htm

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