Die Moschee Notre-Dame – Gespräch mit der russischen Schriftstellerin Jelena Tschudinowa

Tschudinowa widmet ihr Interesse der Geschichte und Politik und begann bereits in jungen Jahren, Gedichte über die Historie Rußlands zu schreiben. Ihren ersten Roman The Sign Holder, der sich mit den Ereignissen des russischen Bürgerkriegs befaßt, schrieb die Moskauerin im Alter von 22 Jahren. Sie vertrat bereits zu diesem Zeitpunkt eine antikommunistische Position.

 Gastbeitrag

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Tschu­di­no­wa wid­met ihr Inter­es­se der Geschich­te und Poli­tik und begann bereits in jun­gen Jah­ren, Gedich­te über die His­to­rie Ruß­lands zu schrei­ben. Ihren ers­ten Roman The Sign Hol­der, der sich mit den Ereig­nis­sen des rus­si­schen Bür­ger­kriegs befaßt, schrieb die Mos­kaue­rin im Alter von 22 Jah­ren. Sie ver­trat bereits zu die­sem Zeit­punkt eine anti­kom­mu­nis­ti­sche Position. 

Den Durch­bruch bescher­te ihr der 2005 in Ruß­land erschie­ne­ne Roman Die Moschee Not­re-Dame. Anno 2048, der rasch zum Best­sel­ler avan­cier­te. Der Roman spielt in Frank­reich und por­trä­tiert ein tota­li­tä­res isla­mi­sches Regime, das wei­te Tei­le Euro­pas unter­jocht. Christ­li­che Kathe­dra­len wer­den in Moscheen ver­wan­delt und wer sich wei­gert, sich zum Islam zu bekeh­ren, wird in Ghet­tos deportiert. 

Der Roman wur­de Mit­tel­punkt einer Kon­tro­ver­se, da ihm einer­seits die Affir­ma­ti­on von Ras­sis­mus, Isla­mo­pho­bie und katho­li­schen Fun­da­men­ta­lis­mus nach­ge­sagt wird, er ande­rer­seits für sei­nen Mut gelobt wird, das aus­zu­spre­chen, was vie­le Men­schen nur zu den­ken wagen. Seit sei­ner Ver­öf­fent­li­chung wur­de der Roman ins Fran­zö­si­sche, Ser­bi­sche, Bul­ga­ri­sche, Tür­ki­sche (nicht auto­ri­siert), Eng­li­sche und Nor­we­gi­sche über­setzt. Im Sep­tem­ber 2017 erschien die deut­sche Aus­ga­be der war­nen­den Euro­pa­dys­to­pie im Reno­va­men-Ver­lag. Beim Ver­lag Antai­os ist der Titel sofort lie­fer­bar (hier bestel­len). Jas­min Wald­ner traf die Schrift­stel­le­rin nahe Moskau.

Wald­ner: Ihr Roman wur­de sehr kon­tro­vers rezi­piert. Wie haben Sie die unter­schied­li­chen Stim­men in den Medi­en wahrgenommen?

Tschu­di­no­wa: Wir leben in einer Welt der tri­um­phie­ren­den Tole­ranz. „Tole­ranz“ ist ein neu­es Wort in der rus­si­schen Spra­che. Wir haben immer ande­re ver­nünf­ti­ge Begrif­fe ver­wen­det. Woher kommt der Begriff? Er wur­de wahr­schein­lich aus der medi­zi­ni­schen Ter­mi­no­lo­gie abge­lei­tet. Aber was bedeu­tet die­ses Wort in der Medi­zin? Es bedeu­tet „Sen­kung der Immu­ni­tät“. Wir leben in einer Welt, in der Euro­pa sei­ne sozia­le Immu­ni­tät ver­lo­ren hat und sich nicht schüt­zen kann. Mein Buch wur­de von einem libe­ra­len Lager bru­tal ange­grif­fen, das, wie all­ge­mein bekannt ist, von den Regeln der Tole­ranz gelei­tet wird und in allen Län­dern die mus­li­mi­sche Expan­si­on nach Euro­pa unterstützt.

Nach der Ver­öf­fent­li­chung des Buches schrieb Ser­gei Mitrok­hin, einer der Front­män­ner der libe­ra­len Par­tei Yab­lo­ko, eine öffent­li­che Ver­leum­dung gegen mich. Die Kon­se­quen­zen konn­ten für mich sehr schwer­wie­gend sein. Zugleich gab Herr Mitrok­hin beim Radio­sen­der Ekho Moskvy jedoch zu, daß er das Buch nicht gele­sen hat­te. Das ist typisch für unse­re Libe­ra­len. Der­zeit bekommt die Yab­lo­ko-Par­tei eine gro­ße Anzahl Stim­men bei den Stadt­rats­wah­len in Mos­kau. Es ist wahr­schein­lich, daß dies für mich wei­te­re Schi­ka­nen zufol­ge haben wird.

Wald­ner: Ihr Roman spielt in Paris und es ist offen­sicht­lich, daß Sie grund­le­gen­de Kennt­nis­se von Frank­reich, Paris und sei­nen Men­schen haben. In einem frü­he­ren Inter­view sag­ten Sie, daß nicht Sie Frank­reich gewählt haben, aber daß Frank­reich sich für Sie ent­schie­den habe. Wür­de Frank­reich aber jeman­den wäh­len, der kei­ne Affi­ni­tät zu ihm hat und sein Schick­sal in die Hän­de die­ses Frem­den legen? War­um hat Frank­reich Sie gewählt? Wel­che Ver­bin­dung haben Sie zu Frankreich?

Tschu­di­no­wa: Wie könn­te ich das beant­wor­ten? In Frank­reich wer­den der­zeit vie­le Bücher über die zukünf­ti­ge Aus­brei­tung des radi­ka­len Islam ver­öf­fent­licht. Kei­ner die­ser Schrift­stel­ler, die auf Fran­zö­sisch schrei­ben, wür­de zuge­ben, daß er mit mei­nem Buch ver­traut ist. Mitt­ler­wei­le wie­der­ho­len Michel Hou­el­le­becq und Boua­lem San­sal mei­ne Metho­de, sie nen­nen das genaue Datum der Erwei­te­rung. Und ich habe gro­ßen Dank von den Fran­zo­sen erhal­ten. Fran­zö­si­sche Leser betrach­ten mich als „ihre“ Schrift­stel­le­rin, das ist eine Tatsache.

Wald­ner: Reli­giö­se, natio­na­le, kul­tu­rel­le und mora­li­sche Iden­ti­tät sind sehr wich­ti­ge The­men Ihres Romans, wie die kon­ti­nu­ier­li­che Bezug­nah­me auf und das Spiel mit Namen und dem äuße­ren Erschei­nungs­bild sug­ge­riert. Kön­nen Sie Stel­lung zu dem The­ma Iden­ti­tät in Ihrem Roman nehmen?

Tschu­di­no­wa: Mein Buch ist kein Buch des Has­ses gegen den Islam. Es ist ein Buch der Lie­be für die Euro­pä­er, das heißt für die christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on, deren Zukunft mich ängst­lich stimmt. Für mich ist der kul­tu­rel­le Code sehr wich­tig – der euro­pa­wei­te kul­tu­rel­le Code. Natür­lich spie­le ich mit Bedeu­tun­gen und Namen.

Wald­ner: Noch­mal zum The­ma der Iden­ti­tät: Ihr Roman spielt in einem brei­ten katho­li­schen Kon­text. Wie ist Ihre Sicht auf das Chris­ten­tum im wei­tes­ten Sinne?

Tschu­di­no­wa: Das wür­de ich so nicht sagen. In Ruß­land haben sich Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, Jour­na­lis­ten und Poli­ti­ker schon lan­ge auf mein Buch bezo­gen. Der ortho­do­xe Kle­rus nahm es wei­test­ge­hend posi­tiv auf. Und es ist kein Zufall, daß das Buch in zwei ande­ren ortho­do­xen Län­dern – Ser­bi­en und Bul­ga­ri­en – ver­öf­fent­licht wur­de. Was mich betrifft: Ich bin eine His­to­ri­ke­rin. Ich den­ke viel über die Zeit nach, als die Kir­che noch ver­ei­nigt war und mit zwei Flü­geln flog – dem Wes­ten und dem Osten. Heu­te behin­dern dog­ma­ti­sche Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten eine neue Ver­ei­ni­gung der Kir­chen. Aber für mich gehört die Zwie­tracht zwi­schen Katho­li­zis­mus und Ortho­do­xie unwi­der­ruf­lich der Ver­gan­gen­heit an. Die Zeit ist für uns gekom­men, sich ange­sichts einer gemein­sa­men Gefahr zu vereinen.

Wald­ner: Ihr Roman umfasst eine Rei­he von inter­tex­tu­el­len Refe­ren­zen und bezieht sich auf renom­mier­te Schrift­stel­ler und ihre Wer­ke. Eine der offen­sicht­lichs­ten Refe­ren­zen knüpft an den Roman Quat­re­vingt-trei­ze. La Guer­re civi­le [1793 – Das Jahr des Schre­ckens] vom fran­zö­si­schen Schrift­stel­ler Vic­tor Hugo an. Des­wei­te­ren wur­de ange­spro­chen, daß Geor­ge Orwells dys­to­pi­scher Roman 1984 als Prä­text für Ihren Roman ver­stan­den wer­den könn­te. Wel­che Bedeu­tung haben die­se Roma­ne und die erwähn­ten Jah­re (1793, 1984), beson­ders in Hin­blick auf das Jahr 2048, in dem Ihr Roman spielt?

Tschu­di­no­wa: Das Spiel mit dem Titel des Romans von Vic­tor Hugo ist nur ein Appell an den kul­tu­rel­len Code, über den ich gespro­chen habe. Die Wor­te „(Kathe­dra­le) Not­re-Dame“ sind für einen Euro­pä­er jeder Natio­na­li­tät bedeut­sam, in gewis­sem Sin­ne ist dies unser gemein­sa­mes Erbe, das durch Geschich­te und Lite­ra­tur zu einem Teil unse­res Bewußt­seins gewor­den ist. Im Titel gebe ich einen direk­ten Hin­weis auf das Buch von Orwell. Ich möch­te damit sagen: Die Gefahr des Kom­mu­nis­mus ist vor­bei, aber sie wur­de durch eine neue Gefahr für unse­re Zivi­li­sa­ti­on ersetzt.

Wald­ner: Das Ende des Romans ist sehr dra­ma­tisch. Die Anfüh­re­rin des Mar­quis Sophia Sévazmious und der Pries­ter Lotaire ent­schei­den sich dazu, zusam­men mit der Kathe­dra­le Not­re-Dame zu ster­ben, um die­se vor einer zwei­ten isla­mi­schen Beset­zung zu bewah­ren. Der Tod wird zum hel­den­haf­ten Sym­bol für das ewi­ge Leben und der Leser des Romans erlebt eine Kathar­sis. Aller­dings bleibt eine gro­ße Fra­ge offen: Was pas­siert danach? Nach­dem ich Ihr Buch gele­sen hat­te, ver­spür­te ich den Drang zu erfah­ren, was mit den über­le­ben­den Haupt­fi­gu­ren pas­siert und ob – und wenn ja wie – sich ihr Wider­stand fort­setzt. Kön­nen Ihre Leser eine Fort­set­zung der Moschee Not­re-Dame erwar­ten?

Tschu­di­no­wa: Ver­la­ge haben mich vie­le Male gebe­ten, eine Fort­set­zung des Romans zu schrei­ben. Aber es soll­te für jeden, der die Lite­ra­tur ver­steht, voll­kom­men klar sein, daß das Buch auf einer so hohen Note endet, da jede Fort­set­zung unmög­lich ist. Wir soll­ten etwas Unbe­stimmt­heit zulas­sen. Las­sen Sie den Leser über die Zukunft der Figu­ren entscheiden.

Wald­ner: Wie wich­tig ist es Ihnen als poli­ti­sche Schrift­stel­le­rin, Lösun­gen für aktu­el­le poli­ti­sche Pro­ble­me – wie bspw. die dro­hen­de Isla­mi­sie­rung west­eu­ro­päi­scher Län­der – zu bieten?

Tschu­di­no­wa: Über­las­sen Sie das poli­ti­sche Den­ken den Poli­ti­kern. Ich bin eine Schrift­stel­le­rin. Mei­ne Mis­si­on war es zu war­nen. Ich kann ledig­lich sagen: Das letz­te hal­be Jahr­hun­dert hat gezeigt, daß eine nicht­re­li­giö­se Gesell­schaft nicht lebens­fä­hig ist. Es gibt ein Sprich­wort: Wer sei­ne Armee nicht füt­tern will, wird die Armee eines ande­ren füt­tern. Ich wür­de dar­auf­hin sagen: Die­je­ni­gen, die sich nicht an ihre Reli­gi­on hal­ten, wer­den sich einer merk­wür­di­gen ergeben.

Wald­ner: Glau­ben Sie, ein Schrift­stel­ler hat eine sozio­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung beim Schrei­ben? Wie weit geht die­se Ver­ant­wor­tung und ver­langt sie zusätz­lich zum Schrei­ben auch ein Handeln?

Tschu­di­no­wa: Für mich ist die Lite­ra­tur eine Hand­lung. Und die Fra­ge nach der Ver­ant­wor­tung des Schrift­stel­lers ist natür­lich sehr wich­tig. Aber mei­nes Erach­tens ist es zunächst nicht die poli­ti­sche, son­dern die mora­li­sche Ver­ant­wor­tung, die wich­tig ist. Der gro­ße rus­si­sche Schrift­stel­ler Alex­an­der Sol­sche­ni­zyn gab mei­ner Genera­ti­on eine Maxi­me: nicht von Lügen zu leben. Für mich ist das das Wichtigste.

Wald­ner: Was sind Ihre Pro­gno­sen und Hoff­nun­gen bezüg­lich der Rezep­ti­on der deut­schen Aus­ga­be Ihres Romans in Deutschland?

Tschu­di­no­wa: Ich hof­fe, daß mein Buch gehört wird. Aber ich bin mir nicht sicher. Nie­mand mag ängst­li­che Warnungen.

________________________

Jele­na Tschu­di­no­wa: Die Moschee Not­re-Dame. Anno 2048, Bad Schmie­de­berg: Reno­va­men Ver­lag 2017, 434 Sei­ten, gebun­den mit Lese­bänd­chen, mit einem Nach­wort der Autorin.

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Kommentare (20)

Franz Bettinger

4. Oktober 2017 10:40

"Toleranz" heißt das neue Modewort. Wehrlosigkeit ist gemeint. Nicht aufmucken. Auch die andere Wange hinhalten, wenn ins Gesicht geschlagen wird. Mediziner sprechen von Toleranz, wenn sie eine Senkung der Immunität diagnostizieren. Nichts Gutes. Wir leben in einem Europa, welches das Eigene nicht mehr gegen Fremdes schützen kann. Tolerare (lat.) bedeutet "ertragen". Ich will aber nicht ertragen, dass 7400 Polizisten einen Politiker in Mainz beschützen müssen, damit er zum Tag der Einheit eine Rede vor dem protestierenden (und vielleicht mordbereiten) Volk halten kann. Ich will nicht, dass Wildfremde ohne Pass ins Land kommen, aber nie wieder hinaus geworfen werden können, weil wir unsere Gesetze nicht mehr durchsetzen können oder wollen. Weil wir zu human-dusselig geworden sind, zu weich in der Birne. Ich will diesen grün-versifften Staat nicht mehr, dessen Protagonisten uns auf eine Sklavenzeit vorbereiten. - Wo ist der Mut, der uns treibt, all den Scheiß nicht mehr ertragen zu wollen? 732, 1453, 1529, 1683, Karl Martell, Tours + Poitiers, Wien und nochmals Wien. Das waren Helden, die wussten, wofür sie kämpften. Und wir? Wir sind feige geworden. Die Deutschen von heute verhalten sich zu jenen von 1870 wie die heutigen Griechen zu denen der Antike. Wir kuschen vor Heiko, dem UJuDaZ (Unfähigster Justiz-Darsteller aller Zeiten) und seiner sprach-gestörten Gouvernante. Die GröKatz (Größte Kanzlerin aller Zeiten) denkt immer alles vom Arsch her. Oder wie war das? Vom Ende her? Na, bei ihr läuft es auf das Gleiche raus. Verzeiht die Derbheit. Sie ist angebracht. Nein, Pardon wird nicht gegeben. Ich will diese Typen nicht mehr tolerieren.

Franz Bettinger

4. Oktober 2017 11:22

Den Ausweg zu einer eigenen "Religion" zu weisen, finde ich allerdings befremdlich. Wer Gott einmal begraben hat, wird ihn nicht mehr aus der Erde holen, oder, wenn er es doch könnte, nur unbrauchbare Knochen vorfinden. Nein, ich komme gut ohne Gott aus. Die Welt bietet mir Sinn genug. 

RMH

4. Oktober 2017 12:42

Nur als Ergänzung, damit das im Interview Gesagte vom unvoreingenommenen Leser besser eingeordnet werden kann:

Wenn ich richtig informiert bin, wurde das Buch der Dame bereits 2005 geschrieben bzw. zum ersten Mal veröffentlicht (sind meine Infos richtig?).
 

Hinweis d. Redaktion:
Beide Informationen finden sich direkt in der Einleitung!

Den Durchbruch bescherte ihr der 2005 in Rußland erschienene Roman Die Moschee Notre-Dame. Anno 2048, der rasch zum Bestseller avancierte.

Und:

Im September 2017 erschien die deutsche Ausgabe der warnenden Europadystopie im Renovamen-Verlag.

Martin Lichtmesz

4. Oktober 2017 15:56

@Franz Bettinger

Das haben die Jünger am Karfreitag auch gedacht.

 

Nautilus

4. Oktober 2017 21:22

zu diesen Buch möchte ich hier noch ein Video dringend empfehlen.

Titel...Perspektiven der Islamkritik. Martin Renner (AFD) und Michael Höhne- Pattberg ( ex Ggrünerhttps://www.youtube.com/watch?v=b9VxqsFkiRI&t=318s

Corvusacerbus

5. Oktober 2017 01:45

@ Franz Bettinger. Rechte ohne Gott, Götter, Göttliches, Ewiges, Wahres, Eigentliches sind, um nicht drum herum zu reden, Liberale, Selbstverwirklicher, Wellenreiter. So wie Philosophen ohne transzendente Rückbindung und eschatologische Vorausschau und -ahnung nur Sozialwissenschaftler sind, mit dem Hang zur positivistischen Sozialklempnerei und zum leeren Gerede: sie erfassen kaum, verstehen nicht und erklären nichts. Rechts sein, heißt unbedingt zum Göttlichen, Ewigen hin ausgerichtet sein. Heißt, in allem Zweifel und über alles Weltverstehen hinaus, zu glauben. Und als europäischer Rechter muß das bedeuten, um in der Welt mehr zu sein als ihr Zuschauer, Christ zu sein und sein zu wollen und als Westeuropäer die Gemeinschaft mit den orthodoxen Geschwistern im Glauben herbei zu sehnen und sie verwirklichen zu wollen (bevor Istanbul wieder Byzanz werden kann, muß diese Ur-Spaltung der europäischen Seele geheilt werden. Und Istanbul muß wieder Byzanz werden!). Und noch: Diese wahre, tiefe, alte Gemeinschaft aller Europäer verwirklicht sich eben nicht im Gerede und Geschreibe, in Willensbekundungen, sondern in der sakramentalen Abendmahlsgemeinschaft. Da gibt es keine Toleranz, kein geplaudertes Wollen, keine Meinung, kein Vielleicht, keine Ausflucht und keine Alternative. Gemeinsames sakramentales Feiern des Abendmahls ist wahrhaftige Seins-Gemeinschaft. Identität Selbstbehauptung ist in Europa christlich oder sie ist nicht. Und damit sie wehrhaft sein kann, muß das westöstliche Schisma überwunden werden.

Cacatum non est pictum

5. Oktober 2017 03:30

@Franz Bettinger

Den Ausweg zu einer eigenen "Religion" zu weisen, finde ich allerdings befremdlich. Wer Gott einmal begraben hat, wird ihn nicht mehr aus der Erde holen, oder, wenn er es doch könnte, nur unbrauchbare Knochen vorfinden. Nein, ich komme gut ohne Gott aus. Die Welt bietet mir Sinn genug.

Ich meine hingegen, dass eine Revitalisierung des Glaubens unerlässliche Voraussetzung dafür ist, dass wir das Ruder noch einmal herumreißen können. Es wird nicht reichen, die Satanisten an den Schalthebeln der Macht gegen andere gleichen Typs auszutauschen, die eben nur andere Namen tragen. Unsere Probleme heißen nicht Merkel und Maas - sie sind nicht personengebunden, sondern gründen viel tiefer.

Unsere heutige Volksgemeinschaft wird das alles mit ihrer permissiven, schwächlichen Haltung nicht stemmen können. Es bedarf schon einer stärkeren Hinwendung zum Transzendenten, zum Metaphysischen, um wieder Kraft zu schöpfen für die Rettung des Abendlandes. Dessen bin ich mir einigermaßen sicher. Vielleicht gibt es eine Wiedererstarkung des christlichen Glaubens. Ausschließen wollte ich es nicht. Allerdings muss wohl eine Krise größeren Ausmaßes daherkommen, bevor ein solcher Wandel einsetzt. Und natürlich werden wir so oder so nicht hinter die Aufklärung zurückgehen können.

Fritz

5. Oktober 2017 14:21

Das ist eben das Ergebnis der Aufklärung, dass Gott tot ist. Und dabei wird es auch bleiben.

Hesperiolus

5. Oktober 2017 15:04

Seltsam, wie der Begriff einer sog. "Aufklärung" als unhintergehbares Phaseologem (einer säkularen Hybris) hier übernommen wird. Mehr als ein Kampfbegriff ist das aber nicht; die sog. "Werte der Aufklärung", die der Systemsprech jetzt immer penetranter und ideologischer einfordert. Metapolitische Arbeit bedeutet doch wohl grade unentwegt Gegen-Aufklärung; das giftige Blendlicht von den Soffitten der platonischen Höhle herunterzureißen, um vielleicht den Rückweg zur legitimen Tradition zu finden.

Corvusacerbus

5. Oktober 2017 16:53

Die Vernunft ist keine Überwindung des Glaubens. Der Glauben ist kein Dementi und keine Relativierung der Vernunft. Die Dinge des Lebens, das Sein und das Seiende verlieren nichts durch Transzendenz, sie erklären sich auch und gerade daraus. Die Zeit wird in ihrer Bedeutung für uns nicht relativiert durch die Ewigkeit. Wer sich mit Politik beschäftigt, sollte das Hauptaxiom der Religionspolitologie berücksichtigen: Wer Religion verkennt, erkennt Politik nicht! Wer sich mit der Frage beschäftigt, was vor dem Urknall war, was nach dem großen Kollaps der Galaxien sein wird und was das Nichts ist, kommt ohne Gott kaum gut zurecht. Und der Friede Gottes, der höher ist (nicht mehr wert, wichtiger, großartiger), als all' unsere Vernunft (die ist nicht nicht wichtig, weniger wert oder redundant), bewahre unsere Herzen und Sinne, in Christus Jesus, amen. 

Franz Bettinger

5. Oktober 2017 21:38

@ Corvusacerbus und @ Cacatum: 

Tut mir leid, dass ich mich nicht füge, aber hier wird Sinn aus einem Teppich geklopft, in dem nur Staub steckt. Es dreht sich nicht um Gott. Das ist nur ein Wort, ein Wunder, ein GAW: das größte anzunehmende Wunder überhaupt. Und warum? Um die vielen anderen kleinen Wunder des Lebens und dieser Welt erklären zu können. Was mir bei allen (!) Religionen von Anfang an sehr verdächtig vorkam, ist, dass keine ohne das Versprechen von ewigem Leben auskommt. Keine! Als ob das eine (ein allmächtiger Gott) mit dem anderen (das ewige Leben) etwas zu tun haben müsste. Aber nette Verknüpfung! Man kriegt, was man sich sehnlichst erwünscht. Nee, nicht mit mir! Zu billig. Es dreht sich alles um die verdammte Sinn-Suche. - Okay, dann stellt euch mal vor, ein Hühnchen oder ein Ei könnte die Sinnfrage stellen. Was würde es für einen Sinn machen, wenn das Frühstücksei den Sinn und Zweck seiner Existenz erfahren würde und sich die Frage beantworten könnte: "Wo komm ich her, wo geh ich hin?" Es ist vielleicht eine Gnade, den Sinn unseres Daseins NICHT zu kennen.

deutscheridentitärer

5. Oktober 2017 23:16

Ich bin mir völlig sicher, dass wir nur auf Grundlage einer religiösen Erneuerung siegen können. Neben den religiösen Kräften, die den Menschen bewegen ist alles andere Kindergarten.

Ich habe meine politische Laufbahn als Faschist gestartet, genauer gesagt als Anhänger eines nihilistischen Heroismus, wie ihn die italienischen Futuristen gepredigt haben.

Und auch heute noch ist mir diese Weltanschauung, die versucht den Tod Gottes mit allem was dazu gehört anzunehmen, sehr sympathisch.

Aber es ist eine dysfunktionale Haltung, die vielleicht bei einzelnen herausragenden Gestalten fruchtbar ist (und selbst diese wurden im Laufe ihres Lebens früher oder später Katholiken), aber keinesfalls einer Masse als Sinn dienen kann.

Maschke brachte die Problematik auf den Punkt, als er formulierte, dass der Faschist das Leben aus einem Mangel an Vitalität heraus feiert.

Demgegenüber ist der christliche Märtyrer die in meinen Augen vielfach stärkere Figur.

Ich habe kürzlich nachgedacht, anlässlich des verstörenden Films "Unter dem Sand" über junge deutsche Kriegsgefangene, die am dänischen Strand zum Minenräumen gezwungen werden.

In so einer Situation hilft einem der Glaube mehr als der Nihilismus, denn der Heroismus, den der Mensch aus sich selbst hervorbringen kann, ist begrenzt, auch wenn er im Einzelfall beeindruckende Höhen erreichen kann.

Cacatum non est pictum

6. Oktober 2017 03:30

@Franz

So tief wollte ich gar nicht schürfen. Was Sie thematisieren, ist ja ein uferloser Komplex an Fragen und Antworten. Ich habe lediglich gemeint, dass die momentan vorherrschende - nihilistische - Geisteshaltung in Westeuropa keinen Widerstandsgeist hervorbringen wird. Sie ist ganz auf das Diesseits fixiert und auf die Gegenwart. Wenn es hart auf hart kommt, werden die Leute ihr Leben nicht aufs Spiel setzen. Sie werden sich eher fügen und danach trachten, ihren materiellen Status quo zu erhalten.

Valjean72

6. Oktober 2017 11:04

Eine interessante Diskussion, die sich hier entwickelt hat.

Auszug aus Corvusacerbus' Kommentar:

"Rechts sein, heißt unbedingt zum Göttlichen, Ewigen hin ausgerichtet sein. Heißt, in allem Zweifel und über alles Weltverstehen hinaus, zu glauben. Und als europäischer Rechter muß das bedeuten, um in der Welt mehr zu sein als ihr Zuschauer, Christ zu sein und sein zu wollen und als Westeuropäer die Gemeinschaft mit den orthodoxen Geschwistern im Glauben herbei zu sehnen und sie verwirklichen zu wollen"

Dem ersten Teil dieser Aussage bin ich geneigt zuzustimmen, dem zweiten allerdings nicht. Die vereinahmende Verortung Deutschlands als einem blossen Teil Westeuropas ist hierbei nebensächlich (für mich bleibt der deutsche Kulturraum dennoch mitteleuropäisch), aber die Behauptung, dass ein zum Göttlichen hin ausgerichteter Europäer unbedingt Christ sein müsse, erschliesst sich mir nicht.

Das Christentum hat seinen Ursprung nicht in Europa, sondern - wie die beiden anderen grossen Buchreligionen - in der nahöstlichen Wüste.

Der fremde christliche Glaube wurde den Europäern (unseren Vorfahren, unseren Ahnen) mit Feuer und Schwert - mit unerbittlicher Gewalt - übergestülpt. Das Christentum wurde schliesslich über die Jahrhunderte durch die Aufnahme heidnischer, europäischer Riten und Feste "europäisiert".

Nur ein Gedankenspiel: man stelle sich vor das fränkische Heer unter Karl Martell hätte die entscheidenden Schlachten bei Tours und Poitiers verloren und die Mauren hätten sodann das gesamte fränkische Reich bis hin zur Elbe "kassiert" und die Menschen zum Islam bekehrt.

Und nun provokativ gefrragt: Würden wir dann heute sagen, ein europäischer Patriot müsse Muslim sein?

Schliesslich der Verweis auf Ostrom, auf Konstaninopel. Gewiss wurde es von den Osmannen überrannt, mitentscheidend waren aber die feindseligen Handlungen der Westkirche und des christlichen Venedigs, die das "Zweite Rom" zunehmend schwächten (Stichwort: "Vierter Kreuzzug und Plünderung Konstantinopels")

Abschliessend noch ein bereits hier veröffentlichtes Zitat von Eva Esche, einer evangelischen Pfafferin in Köln:

"Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können"

(Quelle: ZEIT.de; 17.09.2017)

Dieses Christentum, mindestens in seiner hierarchischen Spitze, ist Teil des Problems des "Grossen Austausches" und nicht Teil der Lösung. Das ist zumindest zunehmend meine Auffassung.

Franz Bettinger

6. Oktober 2017 11:23

@ Cacatum: Die Haltung West-Europas? Wer kennt die schon? Was mich betrifft, ist es nicht Nihilismus und nicht Hedonismus, obwohl ich ihm gelegentlich fröne, im Grunde aber, denke ich, ist es wahre Demut vor der Natur, dem Leben, meinetwegen vor der Schöpfung, denn die Evolutions-Lehre scheint mir auch auf sehr wackligen Beinen daherzukommen, jedenfalls Demut, die nichts auf das Jenseits schielt.

@ Deutschidentitärer: Interessant, was Sie schreibend gestehen: "Ich habe meine politische Laufbahn als Faschist gestartet, als Anhänger eines nihilistischen Heroismus, wie ihn die italienischen Futuristen gepredigt haben." Es gibt ihn also doch, den Heroismus, der ohne Gott auskommt. Na klar, es gibt ihn ja in jedem Tier. Wir können gut ohne Gott. Ich halte die Idee "Gott" für extrem gefährlich. Auf "ihn" haben sich nahezu alle berufen, wenn sie Schlimmstes planten und durchzogen. "Er" ist auch nur eine Metapher für "das höhere Gut". Immer muss das "Gute" ran, um das Böse zu rechtfertigen. Nein danke, meine Herren.

deutscheridentitärer

6. Oktober 2017 13:26

"Der fremde christliche Glaube wurde den Europäern (unseren Vorfahren, unseren Ahnen) mit Feuer und Schwert - mit unerbittlicher Gewalt - übergestülpt."

Ich bin hier alles andere als ein Experte, aber soweit ich weiß ist das Christentum keineswegs ausschließlich gewaltsam nach Europa gekommen, im Gegenteil waren die wesentlichen Missionierungserfolge völlig gewaltlos. Die Sachsenkriege Karl des Großen sind meines Wissens nach nicht die Norm gewesen.

"Das Christentum wurde schliesslich über die Jahrhunderte durch die Aufnahme heidnischer, europäischer Riten und Feste "europäisiert"."

Ganz genau - und damit ist die Sache doch im Grunde schon geklärt.

"Und nun provokativ gefragt: Würden wir dann heute sagen, ein europäischer Patriot müsse Muslim sein?"

Wenn der Islam genauso europäisiert worden wäre wie eben das Christentum, warum nicht?

"Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können"

Ja, das ist natürlich eine ungeheuere, perverse Aussage. Aber ich finde es schön, dass diese Frau nicht um den heißen Brei herumredet, sondern konsequent sagt, was viele andere Linke nur denken und ansonsten mit Pseudoargumenten über Flucht etc. daherkommen. Es ist nach unserem Rechtsverständnis finde ich recht einfach zu widerlegen, ein Stück Land wie jedes andere materielle Gut, dient eben nicht nur dazu eine bestimmte Funktion auszuüben, sondern steht auch im Eigentum eines Individuums oder einer Gruppe. Im Falle Deutschlands gehört das eben den Deutschen, damit diese es bewirtschaften können, damit sie (also die Deutschen, nicht irgendwer) leben können. Wie immer tritt die Absurdität solcher Aussagen spätestens dann offen zu Tage, wenn man sie analog auf die Verhältnisse des menschlichen Mikrokosmos bezieht: wer sagt denn, dass das Haus dieser Frau ihr gehört? Es ist eben ein Haus und es muss bewohnt werden, damit Leute Obdach haben. 

"Es gibt ihn also doch, den Heroismus, der ohne Gott auskommt. Na klar, es gibt ihn ja in jedem Tier. Wir können gut ohne Gott."

Den gibt es ohne Frage, wobei das bloße Bekenntnis zum Heroismus leider nicht unmittelbar in heroischen Taten mündet. Ob wir aber wirklich gut ohne gott können ... ich weiß nicht. Ein atheistischer Heroismus hat eine gewisse kalte Größe, die dem religiös verankerten Helden, der auf ein Leben nach dem Tode usw. vertraut, fehlt. Das legt aber ja schon nahe dass die Hemmschwelle zum Heroismus in einer atheistischen Umgebung deutlich angehoben wurde. Zudem viele Heldentaten durch Ideologien als Religionsersatz ermöglicht wurden; wir werden sehen wie viele Helden die Grundgesetzideologie unserer Tage noch hervorbringen wird. Der unmittelbare Schutz von Familie und Freunden mag auch viele zum Heldentum motivieren, aber das ist wirkungslos gegen solche abstrakten Gefährdungen, wie wir sie heute haben.

Heinrich Brück

6. Oktober 2017 17:28

Was heute Globalismus heißt, hieß früher Kommunismus. Der einzige Feind des Kommunismus war das Christentum. An dieser Feindschaft hat sich nichts geändert. Ein wahres Christentum könnte die Rahmenbedingungen des Globalismus nicht akzeptieren.

Solution

6. Oktober 2017 22:34

Was mich in dem Buch ein wenig verstört: Hier stehen sich zwei etnisch gemischte und vermischte Gruppen gegenüber, die sich nur dadurch unterscheiden, daß die einen islamisch und die anderen zu einem großen Teil fundamental katholisch sind. Bei den Guten gibt es alles: Vom mehrheitlich weißen Franzosen über den Halb-Araber bis zur "coolen" Schwarzafrikanerin. Eigentlich ist die nichtislamische Truppe auch nicht unbedingt das, was ich mir so vorgestellt habe.

Aber z.B. auch im Buch von Thomas Barthelemy "Von kommenden Stürmen" ist ja das rettende Jenseits bekanntlich multikulturell.

Da stehe ich eher auf die einschlägigen amerikanischen Romane.

Findling

6. Oktober 2017 23:30

Toleranz in der Medizin ist eine lebensnotwendige, selektive Duldung von Antigenen. Ansonsten würde sich der Organismus autoaggressiv selbst zerstören. Wir leiden vielmehr vor allem an einer Autoaggressionskrankheit. Wenn ich den Begriff „Rassismus“ in diesem Sinne verwende, so leiden wir an „Autorassismus“. Das ist pure Selbstzerstörung.

 

In der Schule erfuhr ich den Hellenismus als Licht der Geschichte. Die Juden erlebten durch ihn (in ihrer Verweigerung dem Dionysos zu opfern) eine brutale Verfolgung (Makkabäer).

Das katholische Christentum war mir die Krone des Guten. Wurde ein Papst gewählt, so öffnete sich der Himmel und eine Stimme sprach: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören“. Heute sehe ich einen byzanthinischen Intrigantenstadel im Vatikan. Außerdem beißt sich der christliche Pelikan sein Fleisch aus der Brust, füttert damit die Kuckuckskinder und verblutet. Es ist ihm eine Lust am Kreuz zu enden. Der Mann mit dem langen Messer kommt in den Himmel wie die Gemesserten. Dort liegen sie sich in den Armen! Genau so hat es der Bischof von Rouen gesehen, als sein Priester Hamel ermordet und seine Mörder erschossen worden waren: Es gebe 3 Opfer! Ein Christentum im Stadium der Dekadenz.

 

Valjean72

7. Oktober 2017 22:18

@deutscheridentitärer:

Was wir über die Christianisierung des mitteleuropäischen Raumes wissen, wissen wir ausschließlich über christliche Quellen. Das liegt in der Natur der Sache, da unsere heidnischen Vorfahren ihre Version der Geschichte nicht aufschrieben.

(Das Massaker an den Sachsen, die ihrem alten Glauben treu blieben, hattest du ja erwähnt)

Von der Missionierung des Baltikums und Finnlands ist allerdings auch in die offizielle Geschichtsschreibung eingedrungen, dass dies mit großer Gewalt durchgeführt wurde.

Blicken wir schließlich nach Süd- und Mittelamerika, so kann wohl niemand bestreiten, dass die Christianisierung mit einer dramatischen Dezimierung der Urbevölkerung einherging.

„Noch folgenreicher dürfte gewesen sein, dass der Kontinent vor der Ankunft Kolumbus’ insgesamt von bis zu 100 Millionen Menschen besiedelt war. Lange bevor etwa das Inkareich von den Spaniern vernichtet wurde, existierte in Flusstälern und an den Wüstenrändern im Norden und Süden Perus bereits eine Vielzahl unterschiedlicher, hoch entwickelter Kulturen mit reicher Bevölkerung …

Schätzungsweise zwischen zwei Drittel und bis zu 90 Prozent aller Ureinwohner in Nord-, Mittel- und Südamerika wurden dahingerafft. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden ganze Landstriche entvölkert.“

(Quelle: Tagesspiegel.de; 10.08.2017)

 

Nun, der offizielle Narrativ spricht von europäischen Viren, welche die Indios nicht vertragen hätten.

Dementsprechend wird in der offiziellen Geschichtsschreibung auch nicht der Begriff Völkermord verwendet. Die Christen haben es mit den heidnischen Wilden bestimmt gut gemeint und wollten nur deren bestes …

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„Ganz genau - und damit ist die Sache doch im Grunde schon geklärt.“

Na, wenn das so ist: was spricht dann dagegen sich islamisieren zu lassen? Wenn "wir" es geschafft haben, das Christentum zu europäisieren, müsste "uns" das doch auch mit dem Islam gelingen?

Von den alten Kelten, Germanen und Slawen ist meines Wissens nicht überliefert, dass sie ihren Glauben anderen Völkern aufdrängen wollten. Ein durchaus sympathischer Zug, wie ich finde.

Die Christen - in ihrem universellen Anspruch der Verkündung der Frohen Botschaft - waren in diesem Sinne die ersten Globalisten.

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