Antideutsche Netzwerke und ihre Ideologie

Als die Wochenzeitung Jungle World im Juni 2015 die Ausgabe zu ihrem 18. Jubiläum veröffentlichte, gab sich nicht nur ein buntes Sammelsurium des linksradikalen Spektrums zur Gratulation die Klinke in die Hand. Vielmehr ergab sich mit den durchaus herzlichen Glückwünschen von Robin Alexander (Welt) über David Harnasch (Magazin liberal der Friedrich Naumann Stiftung) bis zu dem österreichischen Journalisten jüdischer Abstammung Karl Pfeifer ein stimmiges Bild aus neokonservativen bis extrem linken Gratulanten, die sich wohlwollend in eine gemeinsame Glückwunschfront einreihten.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Als die Wochen­zei­tung Jung­le World im Juni 2015 die Aus­ga­be zu ihrem 18. Jubi­lä­um ver­öf­fent­lich­te, gab sich nicht nur ein bun­tes Sam­mel­su­ri­um des links­ra­di­ka­len Spek­trums zur Gra­tu­la­ti­on die Klin­ke in die Hand. Viel­mehr ergab sich mit den durch­aus herz­li­chen Glück­wün­schen von Robin Alex­an­der (Welt) über David Har­nasch (Maga­zin libe­ral der Fried­rich Nau­mann Stif­tung) bis zu dem öster­rei­chi­schen Jour­na­lis­ten jüdi­scher Abstam­mung Karl Pfei­fer ein stim­mi­ges Bild aus neo­kon­ser­va­ti­ven bis extrem lin­ken Gra­tu­lan­ten, die sich wohl­wol­lend in eine gemein­sa­me Glück­wunsch­front einreihten.

Ver­wun­dern kann die­ser Umstand nur den­je­ni­gen, der das »links­li­be­ra­le Stüh­le­rü­cken« (Bene­dikt Kai­ser) der letz­ten Mona­te und Jah­re nicht zur Kennt­nis genom­men hat. Aus­gangs­punkt und Avant­gar­de des neo­kon­ser­va­tiv-links­ex­tre­men Bünd­nis­ses in den Gazet­ten ist ein Spek­trum, das mit dem Geburts­schrei »Nie wie­der Deutsch­land« im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung das Licht der Welt erblick­te und bis heu­te man­nig­fa­che Wand­lun­gen voll­zo­gen hat – das Spek­trum der Anti­deut­schen. Wer ver­ste­hen will, wie eine links­ex­trem aus­ge­rich­te­te Sze­ne zum Bünd­nis­part­ner der hie­si­gen neo­kon­ser­va­ti­ven Trans­at­lan­ti­ker des Estab­lish­ments wer­den konn­te, muß sich die anti­deut­sche Theo­rie­ge­schich­te ver­ge­gen­wär­ti­gen, die vor allem eine Geschich­te des Bruchs war – eines Bruchs mit den ehe­dem eiser­nen, »alt­lin­ken« Dog­men von Anti­im­pe­ria­lis­mus und Antizionismus.

Wur­de die Isra­el­so­li­da­ri­tät unter Anti­deut­schen anfäng­lich eher affek­tiv auf der Schi­mä­re einer »Vier­tes-Reich-Rhe­to­rik« begrün­det, in der die Kon­stel­la­ti­on des Zwei­ten Welt­kriegs eins zu eins auf die hie­si­gen Ver­hält­nis­se über­tra­gen wur­de und teil­wei­se bis heu­te über­tra­gen wird, ent­wi­ckel­ten sich Ende der 1990er Jah­re unter der Obhut der »Initia­ti­ve Sozia­lis­ti­sches Forum« (ISF) aus Frei­burg und der Ber­li­ner Zeit­schrift Baha­mas nach und nach zwei neue Argu­men­ta­ti­ons­strän­ge. So bemüht sich die ISF seit Anfang der 1990er Jah­re, eine anti­deut­sche Isra­el­so­li­da­ri­tät zu begrün­den, die mit dem post­mar­xis­ti­schen Ansatz der Wert­theo­rie Isra­el als leben­den Beweis für den Kom­mu­nis­mus prä­sen­tiert. Aus wert­kri­ti­scher Sicht sei jede kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schafts­for­ma­ti­on in »kri­sen­haf­ter Not­wen­dig­keit« dazu getrie­ben, den Anti­se­mi­tis­mus aus­zu­brü­ten, »wie die Rau­pe den Faden spinnt«. Daß der Anti­se­mi­tis­mus im Holo­caust zur fleisch­ge­wor­de­nen »Ideo­lo­gie der Bar­ba­rei« wur­de, weist die Staats­grün­dung Isra­els ganz unfrei­wil­lig als Vor­hut des Kom­mu­nis­mus aus. Durch Isra­el schim­me­re unter nega­ti­ven Vor­zei­chen ein Schein der Eman­zi­pa­ti­on, der dem Staat der Holo­caust­über­le­ben­den so lan­ge bedin­gungs­lo­se Soli­da­ri­tät zusi­chert, bis die Vor­aus­set­zun­gen des Anti­se­mi­tis­mus – die Zwangs­im­pe­ra­ti­ve von Staat und Kapi­tal – im Kom­mu­nis­mus auf­ge­ho­ben sind, und mit ihnen auch der Staat Israel.

Dar­über hin­aus hat sich aller­dings ein Teil der Sze­ne durch die Ereig­nis­se nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 einem Poli­tik­stil zuge­wandt, der mit dem mate­ria­lis­ti­schen Ver­ständ­nis von »Kri­tik« der ISF nur noch wenig gemein hat. Aus­gangs­punkt hier­für sind Para­dig­men, die vor allem von der Zeit­schrift Baha­mas vor­ge­ge­ben wur­den. In dem Wis­sen, daß es etwas Schlim­me­res als die bür­ger­lich-kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schafts­form geben kann, for­dert das Organ um Jus­tus Wert­mül­ler, das Eman­zi­pa­ti­ons­po­ten­ti­al des Libe­ra­lis­mus in Form der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on vor dem Ein­schlag des glo­ba­len »Islam­fa­schis­mus« zu verteidigen.

Auf dem Nähr­bo­den der zwang­lo­sen Indi­vi­dua­li­tät der »frei­en Welt« wür­de die kom­mu­nis­ti­sche Idee auf­kei­men und schließ­lich in der »frei­en Asso­zia­ti­on« ihre Voll­endung fin­den, wenn die viel­be­schwo­re­ne anti­deut­sche Kri­tik auch den letz­ten aus den orga­ni­sier­ten Zwangs­im­pe­ra­ti­ven von Staat und Wert her­aus­reißt. Mit Blick auf die kom­mu­nis­ti­sche Voll­endung ver­tei­di­gen die Anti­deut­schen damit nicht nur den Staat Isra­el, son­dern im glei­chen Atem­zug die uni­la­te­ra­le Poli­tik der USA und ihrer euro­päi­schen Hel­fer, die vor dem Hin­ter­grund einer zutiefst nega­ti­ven Dia­lek­tik den aber­ma­li­gen Umschlag in die Bar­ba­rei unter nun­mehr isla­mi­schen Vor­zei­chen ver­hin­dern soll.

Im Wind­schat­ten von Baha­mas und ISF hat sich der­wei­len ein Netz­werk eta­bliert, das wei­test­ge­hend auf anti­deut­sche Zuspit­zung ver­zich­tet und dafür ein – auch mate­ri­ell ver­stan­de­nes – Aus­kom­men in eta­blier­ten isra­el­so­li­da­ri­schen Krei­sen sucht. Berei­nigt von den mate­ria­lis­ti­schen Ein­schlä­gen der Kri­ti­schen Theo­rie wur­den die Para­dig­men der Soli­da­ri­tät mit Isra­el und der Ver­tei­di­gung des Wes­tens zur Ein­tritts­kar­te in die trans­at­lan­ti­sche Rie­ge der Medi­en, Poli­tik und Lob­by­bünd­nis­se. Zu deren Vor­zei­ge­per­so­nen gehört unbe­strit­ten der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Mat­thi­as Künt­zel, der sich aus einem ori­gi­nä­ren Anti­deut­schen zu einem gefrag­ten »Exper­ten« für Anti­se­mi­tis­mus- und Nah­ost­fra­gen mau­sern konn­te. War Künt­zel bis 1991 noch Mit­glied im dahin­schei­den­den links­ex­tre­mis­ti­schen Kom­mu­nis­ti­schen Bund, gehör­te er anschlie­ßend als Redak­ti­ons­mit­glied der Baha­mas zu den Anti­deut­schen der ers­ten Stun­de und sti­li­sier­te die Bewer­tung eines Sir Arthur »Bom­ber« Har­ris zum Lack­mus­test der extre­men Lin­ken. Nach­dem er bis 2001 auch regel­mä­ßig als Autor für das Monats­heft kon­kret tätig war, nutz­te er die Ter­ror­an­schlä­ge vom 11. Sep­tem­ber 2001 dazu, die all­zu osten­ta­tiv anti­deut­schen Wur­zeln Schritt für Schritt abzu­tren­nen und sich ein seriö­ses Auf­tre­ten als Wis­sen­schaft­ler anzu­eig­nen, wie die Selbst­dar­stel­lung auf sei­ner haus­ei­ge­nen Netz­sei­te pein­lich genau doku­men­tiert (vgl. matthiaskuentzel.de).

Dabei tra­gen sei­ne Mühen in den letz­ten Jah­ren durch­aus Früch­te. So ist Künt­zel Mit­glied im »Vidal Sas­so­on Inter­na­tio­nal Cen­ter for the Stu­dy of Anti­se­mi­tism« und schreibt dank guter per­sön­li­cher Kon­tak­te in die Redak­tio­nen mitt­ler­wei­le in genu­in bür­ger­li­chen Medi­en wie Die Welt, Die Zeit und Cice­ro. In unge­zähl­ten Vor­trä­gen beschäf­tigt sich Künt­zel mit Anti­se­mi­tis­mus und Isla­mis­mus sowie mit dem Iran und Isra­el. Als Anti­se­mi­tis­mus- und Nah­ost­ex­per­te ist er in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men, obschon sei­ne The­sen nach wie vor die anti­deut­sche Melo­die sum­men: So gerei­che der natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Anti­se­mi­tis­mus der ara­bi­schen Welt bis heu­te zum Vor­bild, und eine ira­ni­sche Atom­bom­be sei schlicht­weg der erneu­te Ver­such, einen Groß­teil der Juden nun­mehr in ihrem Hei­mat­land Isra­el aus­zu­rot­ten und jenes Werk der Natio­nal­so­zia­lis­ten zu einem Ende zu brin­gen, das durch die Alli­ier­ten 1945 unter­bro­chen wurde.

Eine Per­son, die Künt­zel in die­ser Ein­schät­zung in nichts nach­steht, ist der Publi­zist und Geschäfts­füh­rer der ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on WADI e.V. Tho­mas von der Osten-Sacken. Im Gegen­satz zu Künt­zel ist Osten-Sacken weni­ger um Serio­si­tät bemüht; sei­ne Welt­an­schau­ung beruht auf einem radi­kal west­le­ri­schen Uni­ver­sa­lis­mus. Dabei ist es schon bei­na­he ein Trep­pen­witz der Geschich­te, daß Osten-Sacken aus­ge­rech­net aus Krei­sen des »infor­ma­ti­ons­zen­trums 3. welt« (iz3w) in das anti­deutsch­trans­at­lan­ti­sche Gefil­de fand, geht es der gleich­na­mi­gen Zeit­schrift doch dar­um, die Wider­sprü­che zwi­schen Gewin­nern und Ver­lie­rern des glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus nicht unter den Schlag­wör­tern der Zivil­ge­sell­schaft oder Uni­ver­sa­li­tät von Demo­kra­tie und Men­schen­rech­ten ver­schwin­den zu las­sen. Nun ist Osten-Sacken genau jenes anti­deut­sche Sturm­ge­schütz, das gar nicht deut­lich genug die uni­ver­sa­lis­ti­schen Wer­te des Wes­tens wie eine Mons­tranz vor sich her­tra­gen kann. So feu­ert er sei­ne Sal­ven seit 2001 unre­gel­mä­ßig in Baha­mas und kon­kret, seit 1998 durch­ge­hend in der Jung­le World ab und betreibt auf deren Inter­net­prä­senz seit 2011 den Inter­net­blog »Von Tunis nach Tehe­ran«, in dem er aus einer maß­lo­sen Apo­lo­gie des Wes­tens her­aus die Ereig­nis­se im Nahen und Mitt­le­ren Osten kom­men­tiert. Tat­säch­lich steht Osten-Sacken für die neue Aus­rich­tung der Anti­deut­schen seit der Jahr­tau­send­wen­de. Mit den sprich­wört­lich anti­deut­schen The­men der frü­hen Jah­re hat er nur noch wenig gemein, wes­halb er in aller­lei bür­ger­li­chen Medi­en als Nah­ost-Exper­te vor­ge­stellt wer­den kann, ohne daß der anti­deut­sche Hin­ter­grund zum Hin­der­nis wür­de. So befaßt er sich haupt­säch­lich mit außen­po­li­ti­schen Kate­go­rien und nimmt dabei in sei­nen Arti­keln eine wenig dif­fe­ren­zier­te, bis­wei­len ideo­lo­gisch indok­tri­nier­te Hal­tung ein, die all jene Gege­ben­hei­ten bewußt aus­blen­det, die sich nicht in das dicho­to­me Welt­bild aus heils­brin­gen­dem Wes­ten einer­seits und »islam-faschis­ti­scher« Welt ande­rer­seits ein­pas­sen. Vor allem auf die Dämo­ni­sie­rung des Iran hat er sich den letz­ten Jah­ren ein­ge­schos­sen, den er – wie Künt­zel, wie aber auch die trans­at­lan­ti­schen Leit­me­di­en um Welt und Bild – als die größ­te Bedro­hung für Isra­el und damit gar den welt­wei­ten Frie­den sieht. Dar­über hin­aus ist es Osten-Sackens Spe­zia­li­tät, auch vor unver­blüm­ten For­de­run­gen nach einer mili­tä­ri­schen Inter­ven­ti­on »des Wes­tens« nicht zurück­zu­schre­cken, solan­ge die­se unter dem Zei­chen eines Glücks­ver­spre­chens der bür­ger­li­chen Revo­lu­ti­on gegen die »regres­si­ven« Ten­den­zen »des« Islam steht – wobei sei­ne pau­scha­li­sie­ren­de Islam­kri­tik meist den schii­ti­schen Islam trifft, wäh­rend er zu den Schand­ta­ten etwa des sun­ni­tisch-waha­bi­ti­schen Sau­di-Ara­bi­en wenig zu sagen hat, da die­se Dik­ta­tur ein posi­ti­ves Ver­hält­nis zu den USA und Isra­el pflegt. Daß Osten-Sacken über gute Kon­tak­te zu Jour­na­lis­ten aus dem Hau­se Axel Sprin­ger ver­fügt, ver­wun­dert ange­sichts solch west­le­ri­scher Dra­ma­tik kaum.

Ein wei­te­rer Prot­ago­nist anti­deut­scher Pro­ve­ni­enz mit Ver­net­zung ins bür­ger­li­che Lager hin­ein ist der Publi­zist und gelern­te Buch­händ­ler Alex­an­der Feuer­herdt. Mit sei­nem Blog »Lizas Welt« ist er seit 2006 ange­tre­ten, in einer Mischung aus Pole­mik und Auf­klä­rung eine Art »kri­ti­sche Gegen­öf­fent­lich­keit« zu schaf­fen, die sich neben typisch anti­deut­schen Gebie­ten wie Anti­se­mi­tis­mus, dem Nah­ost­konflikt und Isla­mis­mus auch auf Fuß­ball­the­men kon­zen­triert. So sieht er etwa im Unmut, der Fuß­ball­ver­ei­nen wie dem FC Bay­ern Mün­chen oder dem RB Leip­zig ent­ge­gen­weht, nichts weni­ger als anti­se­mi­ti­sche Res­sen­ti­ments, die einer ver­kürz­ten Kapi­ta­lis­mus­kri­tik ent­sprin­gen wür­den. Trotz des eigen­wil­li­gen Ansat­zes erfreut sich der Blog zuneh­men­der Beliebt­heit, so daß Feuer­herdt sei­ne kri­ti­sche Inter­ven­ti­on zusätz­lich nicht nur in szenein­ter­nen Blät­tern wie kon­kret oder Jung­le World pla­zie­ren kann, son­dern dar­über hin­aus – man kennt und schätzt sich schließ­lich – in der Jüdi­schen All­ge­mei­nen, dem Tages­spie­gel und seit 2015 auch noch als Stam­m­au­tor der Bro­der­schen »Ach­se des Guten«.

Tritt Feuer­herdt auch für die Ver­tei­di­gung Isra­els ein und wird so im bür­ger­li­chen, pro­ame­ri­ka­ni­schen Milieu anschluß­fä­hig, geschieht dies den­noch aus einem radi­kal anti­deut­schen Blick­win­kel. Danach beschul­digt Feuer­herdt die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eines sub­ver­si­ven Feld­zugs gegen Isra­el, der sich im Rah­men von NGOs und der UN des Anti­se­mi­tis­mus’ der ara­bi­schen Welt und allen vor­an einer bevor­ste­hen­den Atom­bom­be des Iran bedie­nen wür­de. Als wah­ren End­kampf haben die Anti­deut­schen dahin­ge­hend den Konflikt zwi­schen Tehe­ran und Tel Aviv im Streit um die ira­ni­sche Atom­bom­be ausgelotet.

Ein Bünd­nis, das sich ganz im Geis­te anti­deut­scher Kri­tik dem Kon­flikt zwi­schen Isra­el und dem Iran ver­schrie­ben hat und weit über das links­ex­tre­me Milieu hin­aus als repu­ta­bel gewer­tet wird, ist die öster­rei­chi­sche Initia­ti­ve »Stop the Bomb« (STB). Haupt­in­itia­tor ist der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Ste­phan Gri­gat, der sich neben sei­nen Tätig­kei­ten als Mit­be­grün­der und wis­sen­schaft­li­cher Direk­tor bei STB mit einer Lehr­tä­tig­keit an der Uni­ver­si­tät Wien sowie Gast­pro­fes­su­ren an den Uni­ver­si­tä­ten Gie­ßen und aktu­ell Pots­dam beschäf­tigt. Neben Öster­reich ist die Initia­ti­ve beson­ders in Deutsch­land aktiv und muß als eine Art Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on für die Belan­ge der poli­ti­schen Rech­ten Isra­els gese­hen wer­den, die gezielt Druck auf Poli­tik und Wirt­schaft aus­übt, um den Iran bis zum Sturz des Regimes durch Sank­tio­nen zu iso­lie­ren. Sind in dem Bünd­nis auch eine Viel­zahl Prot­ago­nis­ten aus den unter­schied­lichs­ten poli­ti­schen Lagern orga­ni­siert, gilt es doch, den ambi­va­len­ten Cha­rak­ter her­vor­zuheben, der Hand in Hand mit der sich ändern­den Hal­tung der Anti­deut­schen als Gan­zes geht. So ist der Ein­schät­zung Rudi Bigal­kes zu wider­spre­chen, wenn er in einem Arti­kel für das renom­mier­te Jahr­buch Extre­mis­mus & Demo­kra­tie zwar den öster­rei­chi­schen, nicht aber den deut­schen Able­ger von STB im links­ex­trem-anti­deut­schen Spek­trum ver­or­tet; ja die­sen viel­mehr auf dem Weg in das »demo­kra­ti­sche Gefl­de« sieht – ohne letz­te­res Feld näher zu bestim­men. Nur weil sich der gespiel­te Ton bei den Anti­deut­schen bis­wei­len ver­än­dert, bleibt doch die Melo­die auch bei STB die­sel­be. Nur weil sich die »Mit­te« für Links­ex­tre­me öff­net, ver­lie­ren letz­te­re nicht ihre Standpunkte.

Wäh­rend mit Gri­gat in Öster­reich klar wird, wie­viel anti­deut­sche Theo­rie noch immer in dem Bünd­nis steckt, schafft der bun­des­deut­sche Able­ger Struk­tu­ren, die den anti­deut­schen Einfluß bis weit über die eige­nen Krei­se hin­aus sichern sol­len. So orga­ni­siert die Initia­ti­ve Demons­tra­tio­nen, Kon­fe­ren­zen und Vor­trä­ge, bei denen all jenen Prot­ago­nis­ten ein seriö­ser Touch ver­schafft wer­den soll, die doch nur Fleisch vom Flei­sche extrem lin­ker anti­deut­scher Züch­tung sind: Jörg Rens­mann, Andre­as Benl, Ulri­ke Becker, Jona­than Wecker­le, Simo­ne Dinah Hart­mann usw. Sie alle suchen ein Aus­kom­men im isra­el­so­li­da­ri­schen Zir­kus, bis sie zeit­nah doch nur von einem bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei­sol­dat ohne links­ex­tre­me Ver­gan­gen­heit ersetzt wer­den und als ehe­mals seriö­se Aus­hän­ge­schil­der der anti­deut­schen Isra­el­so­li­da­ri­tät wie­der in den Spal­ten von kon­kret und Jung­le World ver­schwin­den wer­den – oder aber eine gut­do­tier­te Stel­le im aka­de­mi­schen Betrieb erlangen.

Denn eini­ge Anti­deut­sche konn­ten durch­aus im wis­sen­schaft­li­chen Betrieb Fuß fas­sen, wie etwa die Autoren der Baha­mas Jan Ger­ber und Magnus Klaue am Simon-Dub­now-Insti­tut in Leip­zig oder der bereits genann­te Ste­phan Gri­gat bewei­sen. Ein regel­rech­tes Glanz­stück hat dem­ge­gen­über Samu­el Salz­born fer­tig­ge­bracht. Als Pro­fes­sor für die Grund­la­gen der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten am Insti­tut für Poli­tik­wis­sen­schaft der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen konn­te Salz­born sei­ne wis­sen­schaft­li­che Lauf­bahn krö­nen, die noch in den Spal­ten der übli­chen anti­deutsch-links­ra­di­ka­len Peri­odi­ka wie kon­kret, Jung­le World und Baha­mas begann. Der wis­sen­schaft­li­che Kar­rie­re­er­folg kommt dabei nicht von unge­fähr, erreich­te Salz­born doch mit Wort­mel­dun­gen, Gast­bei­trä­gen und Inter­views in regio­na­len und über­re­gio­na­len Tages- und Wochen­zei­tun­gen sowie einer Rei­he wis­sen­schaft­li­cher Auf­sät­ze, Mono­gra­phien und Her­aus­ge­ber­schaf­ten eine brei­te Öffent­lich­keit. Dazu weist ihn die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung seit 2016 als Exper­ten für Rechts­ex­tre­mis­mus aus. Mit wem wir es bei Samu­el Salz­born zu tun haben, zei­gen dage­gen erst Bei­trä­ge aus einer Zeit, bevor er sich an Pos­ten der auf­blü­hen­den »Staats­an­ti­fa« unter der Kanz­ler­schaft Schrö­ders anbie­der­te. So befaß­te er sich in einer Mehr­zahl sei­ner Arti­kel mit dem Bund der Ver­trie­be­nen (BdV), dem er in klas­sisch links­ex­tre­mis­ti­scher Dik­ti­on vor­wirft, eine »Reger­ma­ni­sie­rung Ost­eu­ro­pas« vor­an­zu­trei­ben. Eine Kri­tik des BdV kön­ne daher nur mit einer »voll­stän­di­gen Absa­ge an das natio­na­le Kol­lek­tiv« einhergehen.

Was die Deut­schen im Inners­ten zusam­men­hal­te, sei, so Salz­borns Den­ke, schon immer der unaus­ge­spro­che­ne Wil­len gewe­sen, in Zei­ten der Kri­se auch die letz­ten Über­bleib­sel des Frem­den durch Wie­der­ho­lung der Unta­ten von damals aus­zu­lö­schen. Salz­born bringt dies auf die bün­di­ge For­mel: »Sozia­le Fra­ge in Deutsch­land ist not­wen­dig Pogrom­auf­ruf.« Wenn Salz­born heu­te auch eher »alters­mil­de« daher­kommt und weni­ger deut­li­che Tex­te in renom­mier­ten Orga­nen ver­faßt, so zeigt dies, wie anschluß­fä­hig das anti­deut­sche Spek­trum dank zwi­schen­mensch­li­cher Kon­tak­te in der deut­schen Publi­zis­tik gewor­den ist. So nimmt gera­de die Kri­tik eines Anti­se­mi­tis­mus, der sich in allen Facet­ten der Gesell­schaft zei­ge, einen maß­geb­li­chen Platz in Salz­borns Schrif­ten ein. Daß der Anti­se­mi­tis­mus­vor­wurf dann aus­ge­rech­net mit Ver­ve die Par­tei Die Lin­ke erwi­schen soll­te, kann nur den­je­ni­gen ver­wun­dern, der Salz­born als einen Wis­sen­schaft­ler mit genu­in anti­deut­scher Ver­gan­gen­heit ver­kennt. Zusam­men mit Sebas­ti­an Voigt ver­öf­fent­lich­te er im Jahr 2011 einen Bei­trag, der der Links­par­tei nicht weni­ger vor­wirft, als unter dem Ban­ner eines »anti­zio­nis­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus« an einer »links-jiha­dis­ti­schen Quer­front« gegen Isra­el zu arbei­ten, und der Par­tei damit eine kaum zu bän­di­gen­de Anti­se­mi­tis­mus­de­bat­te in allen bür­ger­li­chen Medi­en einbrachte.

Salz­borns Weg­ge­fähr­te Voigt wie­der­um ist kein außen­ste­hen­der Kri­ti­ker, son­dern Mit­be­grün­der des »Bun­des­ar­beits­krei­ses Shalom« (BAK Shalom). Die­se orga­ni­sa­to­ri­sche Platt­form inner­halb der Par­tei Die Lin­ke hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, gegen Anti­se­mi­tis­mus, Anti­zio­nis­mus, Anti­ame­ri­ka­nis­mus und »regres­si­ven Anti­ka­pi­ta­lis­mus« in den eige­nen Rei­hen vor­zu­ge­hen. Hier­bei sol­len bewußt Par­tei­mit­glie­der an den Pran­ger gestellt wer­den und mit dem Vor­wurf des Anti­se­mi­tis­mus über­häuft wer­den, selbst wenn die eige­ne Par­tei davon Scha­den nimmt. Dazu wer­den Vor­trä­ge und Demons­tra­tio­nen ver­an­stal­tet, auf denen das anti­deut­sche Netz­werk aus Gri­gat, Osten-Sacken und Co. nicht feh­len darf.

Und damit schließt sich eine Ent­wick­lung, die spä­tes­tens in der 37. Aus­ga­be der Baha­mas begann und mit der Grün­dung eines anti­deut­schen Krei­ses in der als anti­im­pe­ria­lis­tisch geschmäh­ten Par­tei Die Lin­ke endet.

Daß aus­ge­rech­net das Abriß­un­ter­neh­men der deut­schen Lin­ken, die Baha­mas, die­sem Trei­ben mit Arg­wohn ent­ge­gen­tritt, ist viel­leicht der Wer­muts­trop­fen in der anti­deut­schen Geschich­te. Der Baha­mas sei es nie um eine neue »Volks­front« zwi­schen Deutsch­land und Isra­el gegan­gen, son­dern um Kri­tik der bestehen­den Ver­hält­nis­se. Daß die­se Kri­tik bis­wei­len eigen­ar­ti­ge Züge anneh­men konn­te, bewei­sen die Aus­wüch­se des anti­deut­schen Netz­werks mehr als deut­lich. Tat­säch­lich treibt die Kri­tik der Baha­mi­ten in Zei­ten der soge­nann­ten Flücht­lings­kri­se solch unge­wohn­te Blü­ten, die bei ihren Lands­leu­ten selbst dann nicht auf Zustim­mung tref­fen dürf­te, wenn sie auch zivi­li­sa­to­ri­sche Stan­dards hoch­le­ben lassen.

Mitt­ler­wei­le mahnt Jus­tus Wert­mül­ler aus­drück­lich, die deut­sche Sou­ve­rä­ni­tät gegen die Mer­kel­sche Poli­tik der offe­nen Gren­zen zu ver­tei­di­gen. In Zei­ten der »Faschi­sie­rung ohne Faschis­ten«, in Zei­ten der »Auf­he­bung des Staa­tes ohne Revo­lu­tio­nä­re« müs­se der schlich­te Vor­rang des Rechts gegen die im »Bünd­nis von Regie­rung und Hel­fers­deut­schen betrie­be­ne Abschaf­fung« bewahrt wer­den; in die­sen »vor­fa­schis­ti­schen« Zei­ten müs­se die anti­deut­sche Kri­tik alles dar­an set­zen, die »Funk­tio­nen des Staats und Aspek­te der Nati­on zu bewah­ren und zu stär­ken«. Wert­mül­ler als Ver­tei­di­ger des deut­schen Staats, Salz­born an der Uni, Künt­zel in der Welt – anti­deut­sche Situa­ti­ons­ko­mik im Jahr 2016.

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