Transatlantische Netzwerke

Führende bundesdeutsche Journalisten sind eng verzahnt mit transatlantisch ausgerichteten Politik- und Wirtschaftseliten. Sie zählen gleichermaßen zu den Profiteuren wie zu den Motoren von Netzwerken, die alle gesellschaftlich relevanten Bereiche mit US-affinen Positionen durchdringen möchten. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger hat letzte Zweifel in seiner beachtenswerten Abhandlung Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten (Köln 2013), die zur Pflichtlektüre an Universitäten und in der politischen Bildung zählen sollte, abgeräumt. Grenzen von »links« und »rechts« verschwimmen einmal mehr. Es spielt für die Agenda der Transatlantiker keine Rolle, ob ein Journalist oder ein Politiker ein schwarzes, grünes, rotes oder dunkelrotes Parteibuch besitzt. Entscheidend ist letztlich der Ton des Leitartikels, das Abstimmungsverhalten im Bundestag. Mag der Begriff der »Verschwörung« für viele auch einen lächerlichen Klang aufweisen, bedeuten die »Bilderberger« oder die »Atlantik-Brücke« de facto doch verschwörerische Zirkel. Daß man weiß, wer (offiziell) mitmischt, ist hierbei nur das eine. Klandestin agieren diese Kreise dennoch: Es gibt keine Reportagen über die Treffen (aus erster Hand), es werden keine Protokolle veröffentlicht, und nebulös, mithin geheimnisumwittert ist dieser Komplex allemal.

 Gastbeitrag

Gastbeitrag

Füh­ren­de bun­des­deut­sche Jour­na­lis­ten sind eng ver­zahnt mit trans­at­lan­tisch aus­ge­rich­te­ten Poli­tik- und Wirt­schafts­eli­ten. Sie zäh­len glei­cher­ma­ßen zu den Pro­fi­teu­ren wie zu den Moto­ren von Netz­wer­ken, die alle gesell­schaft­lich rele­van­ten Berei­che mit US-affi­nen Posi­tio­nen durch­drin­gen möch­ten. Der Leip­zi­ger Medi­en­wis­sen­schaft­ler Uwe Krü­ger hat letz­te Zwei­fel in sei­ner beach­tens­wer­ten Abhand­lung Mei­nungs­macht. Der Ein­fluss von Eli­ten auf Leit­me­di­en und Alpha-Jour­na­lis­ten (Köln 2013), die zur Pflicht­lek­tü­re an Uni­ver­si­tä­ten und in der poli­ti­schen Bil­dung zäh­len soll­te, abge­räumt. Gren­zen von »links« und »rechts« ver­schwim­men ein­mal mehr. Es spielt für die Agen­da der Trans­at­lan­ti­ker kei­ne Rol­le, ob ein Jour­na­list oder ein Poli­ti­ker ein schwar­zes, grü­nes, rotes oder dun­kel­ro­tes Par­tei­buch besitzt. Ent­schei­dend ist letzt­lich der Ton des Leit­ar­ti­kels, das Abstim­mungs­ver­hal­ten im Bun­des­tag. Mag der Begriff der »Ver­schwö­rung« für vie­le auch einen lächer­li­chen Klang auf­wei­sen, bedeu­ten die »Bil­der­ber­ger« oder die »Atlan­tik-Brü­cke« de fac­to doch ver­schwö­re­ri­sche Zir­kel. Daß man weiß, wer (offi­zi­ell) mit­mischt, ist hier­bei nur das eine. Klan­des­tin agie­ren die­se Krei­se den­noch: Es gibt kei­ne Repor­ta­gen über die Tref­fen (aus ers­ter Hand), es wer­den kei­ne Pro­to­kol­le ver­öf­fent­licht, und nebu­lös, mit­hin geheim­nis­um­wit­tert ist die­ser Kom­plex allemal.

Es sind jeden­falls her­vor­ra­gend funk­tio­nie­ren­de Netz­werk­struk­tu­ren, denen es tat­säch­lich gelingt, Wirt­schaft, Kul­tur, Poli­tik und Publi­zis­tik zu durch­drin­gen und ent­spre­chen­de Schlüs­sel­stel­lun­gen mit eige­nem Per­so­nal aus­zu­stat­ten. Eini­ge der rele­van­tes­ten die­ser Netz­wer­ke wer­den im fol­gen­den kur­so­risch vorgestellt.

Atlan­tik-Brü­cke
Die Atlan­tik-Brü­cke wur­de bereits 1952 als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein von
US-ame­ri­ka­ni­schen Ban­kiers gegrün­det. Ziel, so zitiert Uwe Krü­ger das Ver­eins­selbst­ver­ständ­nis, war es, »eine Brü­cke zwi­schen dem Nach­kriegs­deutsch­land und der Sie­ger­macht USA zu schla­gen«. Die Mut­ter­or­ga­ni­sa­ti­on ist dabei gewis­ser­ma­ßen die US-ame­ri­ka­ni­sche Denk­fa­brik Ame­ri­can Coun­cil on Ger­ma­ny. Bis heu­te ver­an­stal­tet die Brü­cke Semi­na­re und »Begeg­nun­gen im klei­nen Kreis« – Anlie­gen ist wei­ter­hin die »För­de­rung des gegen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis­ses«; anders gesagt: Abglei­chung der Stand­punk­te nach US-affi­ner Les­art. Heu­te zählt die Atlan­tik-Brü­cke cir­ca 500 Mit­glie­der, dar­un­ter etwa 100 »Mei­nungs­ma­cher« aus Chef­re­dak­tio­nen (von Welt bis ZEIT) und TV-Sen­dern. Die wei­te­ren 400 Mit­glie­der kom­men aus dem wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen und wis­sen­schaft­li­chen Leben. Die Lob­by­grup­pe umfaßt daher alle rele­van­ten Berei­che gesell­schaft­li­cher Prä­gung, wobei – laut Web­site – die meis­ten Mit­glie­der der Wirt­schaft und der eta­blier­ten Poli­tik ent­stam­men. Vor­stand des Ver­eins war bei­spiels­wei­se Kai Diek­mann (Bild), wei­te­re pro­mi­nen­te Mit­glie­der stam­men aus Uni­ons­krei­sen, aber auch aus den Vor­stands­eta­gen eini­ger Groß­kon­zer­ne (RWE, Ber­tels­mann, Bay­er Sche­ring Phar­ma etc.) oder Ban­ken (Gold­man Sachs, Deut­sche Bank). Diek­mann durch­lief wie bei­spiels­wei­se Cem Özde­mir (Grü­ne), Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU), Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) oder Chris­ti­an Wul­ff die Kader­schu­le des »Young-Leaders«-Programms der Atlan­tik-Brü­cke. Die Spann­brei­te der Atlan­tik-Brü­cke reicht dabei bis zum Links­par­tei-Spit­zen­po­li­ti­ker Ste­fan Lie­bich, der für sei­ne Par­tei im Aus­wär­ti­gen Aus­schuß des Bun­des­ta­ges sitzt.

1997 fand sich auf der Mit­glie­der­lis­te auch Ange­la Mer­kel (damals frisch Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin); ob sie heu­te Mit­glied ist, ist nicht bekannt. Immer­hin erhielt sie die Atlan­tik-Brü­cken-Aus­zeich­nung (»Eric‑M.-Wartburg-Preis«) ver­lie­hen, für ihren »uner­müd­li­chen Ein­satz zur Stär­kung der trans­at­lan­ti­schen Beziehungen«.

Her­vor­zu­he­ben ist abschlie­ßend eine ver­blüf­fen­de Anzei­ge in der Welt vom 17. April 2002. Die Unter­zeich­ner räum­ten damals frei­mü­tig ein, dem Netz­werk Atlan­tik-Brü­cke ihre Stel­lun­gen zu ver­dan­ken. Dazu zähl­ten Redak­teu­re und Kor­re­spon­den­ten des Stern (Kat­ja Glo­ger), der FAZ (Niko­laus Bus­se), des Tages­spie­gel (Mal­te Leh­ming), der ZEIT (Mat­thi­as Naß), der Süd­deut­schen Zei­tung (Chris­ti­an Wer­ni­cke), des Baye­ri­schen Rund­funks (Rüdi­ger Löwe), des WDR (Anke Plätt­ner), des ZDF (Theo Koll) sowie der Pri­vat­sen­der N24/SAT1 (Sabi­ne Ulb­rich). (BK)

Atlan­ti­sche Initia­ti­ve
Auch die Atlan­ti­sche Initia­ti­ve gilt als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein, wur­de aller­dings erst 2004 in Ber­lin als Part­ner der ame­ri­ka­ni­schen Atlan­tic Initia­ti­ve
U.S. gegrün­det. Ziel ist das Strei­ten für »eine star­ke Part­ner­schaft zwi­schen Ame­ri­ka und Euro­pa«, um »unse­re gemein­sa­men Inter­es­sen und Wer­te zu ver­tei­di­gen« (Web­site, zit. n. Krü­ger). Es wird auch hier ein brei­tes poli­ti­sches Feld abge­steckt, um US-affi­ne Posi­tio­nen weit­läufg zu streu­en. Bei­rats­mit­glie­der der Lob­by­grup­pe waren bis dato u.a. Klaus-Die­ter Fran­ken­ber­ger (Res­sort­lei­ter Außen­po­li­tik der FAZ), Ruprecht Polenz (Vor­sit­zen­der des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses des Bun­des­ta­ges, 2005–2013), Cem Özde­mir (Grü­ne) sowie Alex­an­der Graf Lambs­dorff (FDP) und Avi Pri­mor (Bot­schaf­ter a.D. Isra­els in Ber­lin). Eben­falls par­ti­zi­pie­ren Wirt­schafts­krei­se, so sand­ten etwa die Daim­ler AG und die Metro AG Ver­tre­ter. Die Atlan­ti­sche Initia­ti­ve wirkt als Ver­net­zungs­platt­form und als Dienst­leis­ter: Umfra­gen wer­den etwa für die NATO erho­ben, mit der Bild führ­te man eine Feld­post-Akti­on für Bun­des­wehr­sol­da­ten in deren Aus­lands­ein­sät­zen durch. (BK)

Open Socie­ty Foun­da­ti­ons
Kurz
OSF; seit 1993 glo­ba­le Dach­or­ga­ni­sa­ti­on ver­schie­de­ner Stif­tun­gen des US-Mil­li­ar­därs Geor­ge Soros, die zivil­ge­sell­schaft­li­che, meist oppo­si­tio­nel­le Grup­pen und Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen finan­zie­ren. Der Name lei­tet sich von der theo­re­ti­schen »Offe­nen Gesell­schaft« des libe­ra­len Phi­lo­so­phen Karl Pop­per ab, bei dem Soros in Lon­don stu­dier­te. Dar­in wird etwa der Natio­nal­staat als vor­über­ge­hen­des, zu über­win­den­des Übel ange­se­hen und eine ega­li­tä­re Gesell­schafts­struk­tur pro­pa­giert. Die auto­no­men, welt­weit ver­netz­ten Stif­tun­gen sind in über 50 Län­dern gezielt in unmit­tel­ba­rer Nähe zu staat­li­chen Ein­rich­tun­gen und unter ähn­li­chen Namen ein­ge­rich­tet, um so einen Vor­sprung bei der Erken­nung gesell­schaft­li­cher Ten­den­zen zu erhal­ten sowie mög­lichst unmit­tel­ba­ren Ein­fluß auf natio­na­le Medi­en und Aka­de­mi­ker aus­zu­üben. Aus dem OSF-Netz­werk erhielt ins­be­son­de­re die »Inter­na­tio­nal Renais­sance Foun­da­ti­on« im Zusam­men­hang mit den gewalt­tä­ti­gen Bür­ger­pro­tes­ten in der Ukrai­ne 2013/14 inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit. Ungarns Pre­mier­mi­nis­ter Orbán bezich­tig­te Soros 2015, über die Finan­zie­rung von Flücht­lings­in­itia­ti­ven die europäi­sche Flücht­lings­kri­se maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben zu haben. (NW)

Aspen Insti­tu­te
Das deut­sche Aspen Insti­tu­te, gegrün­det 1974, ist einer von vie­len glo­ba­len Able­gern des Washing­to­ner Aspen Insti­tu­te. Es bezeich­net sich als »inter­na­tio­na­le, über­par­tei­li­che und gemein­nüt­zi­ge Insti­tu­ti­on, die sich der För­de­rung mora­li­scher Ent­schei­dungs­grund­la­gen in der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik ver­pflich­tet hat« (Web­site, zit. n. Krü­ger). Das Insti­tut orga­ni­siert Tref­fen von Ent­schei­dungs­trä­gern aus Poli­tik, Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Kul­tur. Mora­li­sie­ren­de Bericht
erstat­tung in bezug auf west­li­che Inter­ven­ti­ons­krie­ge kennt man aus dem bun­des­deut­schen Öffent­lich-Recht­li­chen; es ver­wun­dert daher kaum, daß Claus Kle­ber – Redak­ti­ons­lei­ter im heu­te-jour­nal, ZDF – Mit­glied im Kura­to­ri­um des Aspen-Insti­tuts Deutsch­land war. Er traf dort auf Ver­tre­ter der Sie­mens AG und Thys­sen­Krupp AG, aber auch auf Klaus Wowe­reit (SPD), Kars­ten Voigt (CDU) oder Rein­hard Büti­ko­fer (Grü­ne). Auch hier geht es um die Aus­rich­tung bun­des­deut­scher Ent­schei­der in Rich­tung eines nor­ma­ti­ven, inter­ven­tio­nis­ti­schen Außen­po­li­tik­ver­ständ­nis­ses. Die Netz­sei­te des Insti­tuts weist ent­spre­chend auf diver­se Pro­gram­me hin, die als Regime-chan­ge-Initia­ti­ven bezeich­net wer­den kön­nen. Dar­un­ter befin­den sich das Aspen-Pro­gramm für den Dia­log mit der Zivil­ge­sell­schaft des Iran sowie das Aspen-Pro­gramm für den Dia­log mit der Zivil­ge­sell­schaft Syri­ens. (BK)

Ame­ri­can Isra­el Public Affairs Com­mit­tee
Kurz
AIPAC; 1953 als »Ame­ri­can Zio­nist Com­mit­tee for Public Affairs« gegrün­det und mit über 100000 Mit­glie­dern eine der mäch­tigs­ten US-Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen. AIPAC betreibt ins­be­son­de­re die Ver­net­zung zwi­schen den ame­ri­ka­ni­schen Repu­bli­ka­nern und der rechts­kon­ser­va­ti­ven Likud in Isra­el, wobei eine kon­kre­te poli­ti­sche Nei­gung abge­strit­ten wird. Gleich­wohl füh­len sich libe­ra­le Juden viel­fach über­gan­gen und haben 2008 die Gegen­lob­by »J Street« gegrün­det. AIPAC nimmt kei­ne offe­ne Finan­zie­rung poli­ti­scher Vor­ha­ben vor, »berät« sei­ne Mit­glie­der jedoch bei der För­de­rung aus­sichts­rei­cher Poli­ti­ker und kon­trol­lier­te damit in den 80er und 90er Jah­ren bis zu 15 Pro­zent der durch­schnitt­li­chen Kam­pa­gnen­bud­gets. Zu den erklär­ten Zie­len der Orga­ni­sa­ti­on gehört die Druck­aus­übung auf die Paläs­ti­nen­si­sche Auto­no­mie­be­hör­de zur Durch­set­zung der Zwei­staa­ten­lö­sung. Mit­glie­der müs­sen nicht zwangs­läu­fig Juden sein; so gehör­ten etli­che Mit­glie­der des Kabi­netts von Geor­ge Bush jun. (etwa Vize­prä­si­dent Che­ney und Natio­na­le Sicherheitsberaterin/Außenministerin Rice) wie auch der Prä­si­dent selbst AIPAC an. 2005 gestand ein Pen­ta­gon-Bediens­te­ter, US-Staats­ge­heim­nis­se an die Orga­ni­sa­ti­on wei­ter­ge­ge­ben zu haben. Pro­mi­nen­ter Bun­des­bür­ger mit AIPAC-Ver­bin­dung ist Alan Pose­ner, »Kor­re­spon­dent für Poli­tik und Gesell­schaft« der Welt. (NW)

Deut­sche Gesell­schaft für Aus­wär­ti­ge Poli­tik
Die
DGAP ist eine der ältes­ten pri­va­ten Denk­fa­bri­ken in der BRD. Sie ver­knüpft, so Uwe Krü­ger, im außen­po­li­ti­schen Bereich Eli­ten­ver­net­zung mit For­schung; ihr Vor­bild ist dabei der Coun­cil on For­eign Rela­ti­ons (New York). Ziel des ein­ge­tra­ge­nen Ver­eins ist die För­de­rung außen­po­li­ti­scher Mei­nungs­bil­dung in Deutsch­land. Ihre Mit­glie­der­zahl beträgt cir­ca 2300, dar­un­ter – wie­der­um – Füh­rungs­kräf­te aus Poli­tik, Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Kul­tur. Köp­fe der DGAP sind – u.a. – Arend Oetker (Oetker Hol­ding GmbH, Vize­prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der deut­schen Indus­trie, BDI), Hans-Ulrich Klo­se (SPD), Ant­je Voll­mer (Grü­ne), Wolf­gang Schäub­le (CDU), fer­ner die Mei­nungs­ma­cher Gün­ther Non­nen­ma­cher (FAZ) und Theo Som­mer (ZEIT).

Die DGAP gibt die trans­at­lan­tisch aus­ge­rich­te­te Zwei­mo­nats­schrift Inter­na­tio­na­le Poli­tik her­aus, die sich selbst als »füh­ren­de außen­po­li­ti­sche Zeit­schrift« der BRD betrach­tet und zur Ein­stiegs­pflicht­lek­tü­re her­an­ge­hen­der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler an deut­schen Uni­ver­si­tä­ten zählt. Dort agiert zudem die »Jun­ge DGAP«, ein Zusam­men­schluß außen­po­li­tisch Inter­es­sier­ter bis 35 Jah­re, die am »Men­to­ren­pro­gramm« der DGAP teil­neh­men dür­fen und für Kar­rie­ren im außen­po­li­ti­schen Bereich – ob Publi­zis­tik oder Poli­tik – vor­be­rei­tet wer­den. (BK)

Welt­wirt­schafts­fo­rum & Davos
Das 1971 gegrün­de­te Welt­wirt­schafts­fo­rum bzw. World Eco­no­mic Forum
(WEF) ist in der Nähe von Genf ansäs­sig. Schöp­fer des WEF war der deut­sche Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Klaus Schwab. Da man davon aus­geht, daß in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung nicht län­ger Staa­ten und deren Regie­run­gen allei­ne han­deln kön­nen, will das WEF »lea­ding glo­bal com­mu­nities« in allen Berei­chen schaf­fen und ver­net­zen, Ziel ist nicht weni­ger als »den Zustand der Welt ver­bes­sern«. Finan­ziert wird die­ses gigan­ti­sche Pro­jekt, so Uwe Krü­ger, von sei­nen ein­tau­send Mit­glieds­un­ter­neh­men, die in der Regel aus dem Kreis der Glo­bal Play­er stam­men, d.h. über einen Jah­res­um­satz von min­des­tens fünf Mil­li­ar­den Dol­lar ver­fü­gen. Das bedeu­tends­te WEF-Ereig­nis ist das jähr­li­che Tref­fen in Davos. Im schwei­ze­ri­schen Win­ter­sport-Dorf tagt man für fünf Tage. »Man«, das umfaßt Füh­rungs­per­so­nen aus  Wirt­schaft, Publi­zis­tik, Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und Poli­tik­be­trieb. Bis zu 3000 Men­schen aus allen Kon­ti­nen­ten kom­men zusam­men. Wer hier Zugang hat, ver­fügt über ein glo­ba­les Netz­werk, das sei­nes­glei­chen sucht. Aus Deutsch­land neh­men regel­mä­ßig Spit­zen­po­li­ti­ker und Meinungs­ma­cher der eta­blier­ten Medi­en­land­schaft teil, dar­un­ter nicht nur die übli­chen Ver­däch­ti­gen wie Axel-Sprin­ger-Jour­na­lis­ten, son­dern u.a. auch Jür­gen Trit­tin (Grü­ne). Das WEF-nahe »Forum of Young Glo­bal Lea­ders« ver­sucht sich an der Schaf­fung eines welt­wei­ten Netz­wer­kes von glo­ba­li­sie­rungs­freund­li­chen Eli­ten; ein 30köpfiges Aus­wahl­ko­mi­tee sucht sich die jun­gen Nach­wuchs­kräf­te aus. Zu die­sem Komi­tee zähl­ten die Deut­schen Gio­van­ni Di Loren­zo (ZEIT), Sprin­ger-Chef Mathi­as Döpf­ner sowie Ver­le­ger Hubert Burda.

Das Welt­wirt­schafts­fo­rum ist in sei­ner Gesamt­heit kei­ne aus­schließ­lich trans­at­lan­ti­sche Ein­rich­tung, es ist viel­mehr das Jah­res­tref­fen der ein­fluß­reichs­ten Glo­ba­li­sie­rungs­be­für­wor­ter der Welt. Kri­ti­ker von links und rechts sehen im Zusam­men­kom­men von Davos gar die Jah­res­ta­gung der »Neu­en Welt­ord­nung« (NWO). (BK)

Deut­sche Atlan­ti­sche Gesell­schaft
1956 von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten gegrün­det, ist die Deut­sche Atlan­ti­sche Gesell­schaft heu­te ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein mit Sitz in Ber­lin, der Öffent­lich­keits- und Lob­by­ar­beit für die
NATO betreibt. Ziel ist dabei laut Sat­zung die »Gestal­tung einer umfas­sen­den, gerech­ten und dau­er­haf­ten Frie­dens­ord­nung […] unter enger part­ner­schaft­li­cher Mit­wir­kung der bei­den nord­ame­ri­ka­ni­schen Demo­kra­tien«. Die Gesell­schaft ist deut­scher Zweig der »Atlan­tic Trea­ty Asso­cia­ti­on«, des von 2008 bis 2014 deutsch geführ­ten Dach­ver­bands Natio­na­ler Atlan­ti­scher Gesell­schaf­ten, und ver­fügt seit 2006 mit »YATA Ger­ma­ny« über einen Jugend­aus­schuß, des­sen Mit­glie­der Zugang zu NATO-Sicher­heits­kon­fe­ren­zen erhal­ten. In lei­ten­den Funk­tio­nen fin­den sich zahl­rei­che Bun­des­tags­mit­glie­der; der­zei­ti­ger Prä­si­dent ist der umtrie­bi­ge Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU), zum Zeit­punkt sei­ner Ernen­nung Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär beim Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter. Vize­prä­si­den­ten sind u.a. der ehe­ma­li­ge Wehr­be­auf­trag­te Rein­hold Rob­be, Inspek­teur der Luft­waf­fe Karl Müll­ner und Bir­git­ta Wolff, Prä­si­den­tin der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt; der FDP-Vor­sit­zen­de Chris­ti­an Lind­ner ist Bei­sit­zer des Vor­stan­des. (NW)

Bil­der­berg-Kon­fe­ren­zen
Über weni­ge Ver­an­stal­tun­gen der inter­na­tio­na­len Poli­tik wird so viel geraunt und spe­ku­liert wie über die 1954 ein­ge­führ­ten Bil­der­berg-Kon­fe­ren­zen. Dabei ist die Suche nach einem mög­lichst ver­schwö­re­risch klin­gen­den Super­la­tiv über­flüs­sig: Die Fak­ten spre­chen auch ohne Über­trei­bun­gen für sich.

Die Kon­fe­ren­zen sind ein euro­pä­isch-ame­ri­ka­ni­sches Eli­ten­fo­rum, das jähr­lich für drei Tage an wech­seln­den Orten stattfndet. Eta­bliert wur­de und wird ein dich­tes zwi­schen­mensch­li­ches Netz­werk, for­ciert eine glo­ba­le trans­at­lan­ti­sche poli­ti­sche Kul­tur im Rah­men der Ord­nung des Kapi­ta­lis­mus, anvi­siert die Bewußt­s­eins­för­de­rung bei euro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Eli­ten zuguns­ten der Not­wen­dig­keit »west­li­cher Ein­heit« und ent­spre­chen­dem glo­ba­len Auf­tre­ten. Die rund 120 Teil­neh­mer set­zen sich aus Regie­run­gen, Indus­trie, Finanz­sek­tor, Mili­tär, Wis­sen­schaft und Medi­en zusam­men. Ein 35 Per­so­nen umfas­sen­der Aus­schuß (»stee­ring comit­tee«) gibt die Rich­tung vor und sucht die wei­te­ren Teil­neh­mer aus. Mit­glied die­ses Aus­schus­ses waren Theo Som­mer, gefolgt von Chris­toph Bert­ram und Mat­thi­as Naß (alle ZEIT). Aus Deutsch­land waren bis dato des wei­te­ren gela­den: Josef Jof­fe, der­zei­ti­ger Her­aus­ge­ber der ZEIT, sowie Mathi­as Döpf­ner, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Axel Sprin­ger SE. Wei­te­re deut­sche Teil­neh­mer waren Ban­kiers sowie pro­mi­nen­te Ver­tre­ter der Bun­des­po­li­tik: Josch­ka Fischer und Jür­gen Trit­tin (bei­de Grü­ne), Peer Stein­brück und Ger­hard Schrö­der (bei­de SPD), aber auch Wolf­gang Schäub­le und Ange­la Mer­kel (bei­de CDU). (BK)

Tri­la­te­ra­le Kom­mis­si­on
Ein Neben­pro­dukt der Bil­der­berg-Kon­fe­ren­zen: Auf der Kon­fe­renz in Salts­jö­ba­den 1973 ver­ab­re­de­ten die Teil­neh­mer auf Initia­ti­ve des Ban­kiers und Mil­li­ar­därs David Rocke­fel­ler – bis heu­te Ehren­vor­sit­zen­der – die Eröff­nung einer »Dis­kus­si­ons­run­de« zur Ver­tie­fung der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den drei gro­ßen wirt­schaft­li­chen Blö­cken: Nord­ame­ri­ka, (West-)Europa und Japan. Die Kom­mis­si­on nimmt »poli­tik­be­ra­ten­de« Auf­ga­ben wahr und finan­ziert sich off­zi­ell über Spen­den, Unter­neh­men sowie Stif­tun­gen ihrer rund 400 Mit­glie­der, deren poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Funk­tio­nen den Ein­fluß der Tri­la­te­ra­len Kom­mis­si­on begrün­den. Pro­mi­nen­tes Bei­spiel ist der Poli­to­lo­ge und Grün­dungs­di­rek­tor der Kom­mis­si­on Zbi­gniew Brze­zinski (
Die ein­zi­ge Welt­macht, 1997), der von 1977 bis 1981 als Natio­na­ler Sicher­heits­be­ra­ter im Kabi­nett Car­ter – wie Geor­ge Bush sen. und des­sen Nach­fol­ger Clin­ton eben­falls Mit­glied – dien­te und im Anschluß sei­ne Arbeit für die Kom­mis­si­on wie­der­auf­nahm. Zu den der­zei­ti­gen deut­schen Mit­glie­dern zäh­len etwa Fried­rich Merz (CDU), gleich­zei­tig Vor­stands­vor­sit­zen­der der Atlan­tik-Brü­cke, Klaus-Die­ter Fran­ken­ber­ger (FAZ) sowie Edel­gard Bul­mahn (SPD-Bun­des­mi­nis­te­rin a.D. und Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin). (NW)

Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz
Die Sicher­heits­kon­fe­renz (Mot­to: »Frie­den durch Dia­log«) ent­stand 1963 als »Münch­ner Wehr­kun­de­ta­gung« auf Initia­ti­ve des ehe­ma­li­gen Wider­stands­kämp­fers Ewald von Kleist-Schmen­zin. Seit 2009 liegt die Lei­tung bei Wolf­gang Ischin­ger, der Geschäfts­füh­rer der dazu­ge­hö­ri­gen Stif­tung sowie Mit­glied u.a. von Atlan­tik-Brü­cke und Tri­la­te­ra­ler Kom­mis­si­on ist. Die pri­vat orga­ni­sier­te Kon­fe­renz ver­sam­melt jähr­lich hoch­ran­gi­ge Poli­ti­ker und Mili­tärs vor
ran­gig aus NATO- und EU-Mit­glied­staa­ten zur Dis­kus­si­on aktu­el­ler sicher­heits­po­li­ti­scher The­men, wozu auch dis­kre­te Gesprä­che im klei­nen Kreis gehö­ren; der »inne­re Kreis« ver­an­stal­tet zusätz­lich jedes Jahr ein »Core Group Mee­ting«. Dem seit 2009 bestehen­den Bei­rat gehö­ren Vor­stands­mit­glie­der diver­ser Rüs­tungs­kon­zer­ne und Banken/Versicherungen, der ehe­ma­li­ge baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Edmund Stoi­ber sowie der US-Mil­li­ar­där Geor­ge Soros (Open Socie­ty Foun­da­ti­ons) an. Zusam­men mit der Kör­ber-Stif­tung wird zeit­gleich zur Sicher­heits­kon­fe­renz ein »Young Lea­ders Round Table« zur Bin­dung kom­men­der Ent­schei­dungs­trä­ger ver­an­stal­tet, der sich an Jour­na­lis­ten sowie inter­na­tio­na­le Außen- und Sicher­heits­po­li­ti­ker aus der »zwei­ten Rei­he« wen­det. (NW)

Bun­des­aka­de­mie für Sicher­heits­po­li­tik
Kurz
BAKS; als auto­no­me Dienst­stel­le im Geschäfts­be­reich des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums 1992 unter dem Prä­si­den­ten Admi­ral a.D. Die­ter Wel­lers­hoff (zuvor Gene­ral­inspek­teur der Bun­des­wehr) gegrün­det; der Prä­si­dent wird seither abwech­selnd von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um und Aus­wär­ti­gem Amt bestellt. Die BAKS ist nach US- und bri­ti­schem Vor­bild die natio­na­le Fort­bil­dungs­stät­te der BRD für sicher­heits­po­li­ti­sche The­men und publi­ziert jähr­li­che »Rah­men­kon­zep­te« sowie »Hand­lungs­emp­feh­lun­gen«. Ihr Lehr­an­ge­bot rich­tet sich an Mit­ar­bei­ter der Bun­des­mi­nis­te­ri­en sowie aus­ge­wähl­tes Lei­tungs­per­so­nal aus Wirt­schaft und Gesell­schaft; hin­zu tre­ten diver­se, auch inter­na­tio­na­le Ver­an­stal­tun­gen zur Ver­net­zung und zum ver­trau­li­chen Aus­tausch unter Fach­leu­ten. Im ver­trau­lich tagen­den Bei­rat sit­zen u.a. Eber­hard Sand­schnei­der (DGAP), Ste­fan Kor­ne­li­us (Süd­deut­sche), Wolf­gang Ischin­ger (Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz), Mari­on von Haa­ren (ARD), Kir­chen- und Wirt­schafts­ver­tre­ter sowie MdBs. Ehe­ma­li­ge Bei­rats­mit­glie­der sind etwa Klaus-Die­ter Fran­ken­ber­ger (FAZ) und Prof. Her­fried Münk­ler (Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Ber­lin). (NW)

 Gastbeitrag

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