Das war‘s. Diesmal mit Kanitverstan, Carl Aderhold und einem krassen Bekenntnis

27. September 2017 -- Die Frage nach „Bekennermut“ hat sich mir nie gestellt. Irgendwie stehe ich ja seit je „vorn dran“.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Schon in mei­ner Abi­zei­tung ging es in mei­nem (frem­der­stell­ten) Pro­fil unter mei­nem Pho­to im wesent­li­chen um mei­ne „Gesin­nung“:

Ellen ver­birgt ihre rech­ten Ansich­ten nie. Ihre Pro­vo­ka­tio­nen ner­ven zwar [u.a. hat­te mir mei­ne Jeans­ja­cke mit Sprü­chen in Edding bemalt: wider­lich! EK], aber sie ist immer bereit zu inten­si­ven Gesprä­chen über Bücher, Fil­me, Poli­tik. Manch­mal lernt man sogar etwas.

Die Jeans­ja­cken­zeit ist Jahr­tau­sen­de vor­bei. Längst drän­ge ich mei­ne Mei­nung nie­man­dem mehr auf, sehe auch wenig Sinn dar­in, sie her­aus­zu­po­sau­nen. Es gibt bei uns kei­nen ein­schlä­gi­gen Auf­kle­ber auf dem Auto, kei­ne Mot­to-T-Shirts oder ähnliches.

Heu­te war es so: Am Vor­tag hat­te ich ein vlog gedreht. Dazu hat­te ich mir (wie ver­spro­chen, zwin­ker!) einen vom lie­ben Herr S. geschenk­ten But­ton ange­steckt in Deutsch­land­far­ben. Auf­schrift: PACK.

Weil ich vor­mit­tags wie immer ver­ges­sen hat­te, bei den häus­li­chen Tätig­kei­ten eine Kit­tel­schür­ze anzu­le­gen (über­zeu­gungs­mä­ßig hän­ge ich an aus­ster­ben­den Gebräu­chen; in der Pra­xis sieht es mau aus), muß­te ich mich für mei­ne Nach­mit­tags­tour in die Stadt (Turn­stun­de der Kin­der etc.) rasch umzie­hen. Ich wähl­te prag­ma­tisch das Ober­teil von ges­tern, das mit dem „Pack“. Erst, als ich das Auto ver­ließ, bemerk­te ich den Anste­cker. Ent­fern­te ihn.  Dach­te kurz: wie­so eigent­lich? – Na, weil´s nicht wirk­lich zu mir paßt.

In der Ein­kauf­wa­gen­hal­le vor dem Lidl tum­mel­ten sich drei soge­nann­te Kids, einer trug ein T‑Shirt mit einem wahn­sin­nig coo­len Auf­druck: # fun  #like # yolo.  Mich nerv­te das kolos­sal. Ich bin lei­der meis­tens genervt, wenn ich „Kids“ sehe.

Bin dann noch­mal zurück zum Auto und hab mir den Pack-Anste­cker wie­der dran gemacht;  Gott weiß, war­um. Die nächs­ten zwei Stun­den habe ich mich ein biß­chen als Nicht-Ich gefühlt, es war direkt aufregend.

Der But­ton ist ziem­lich klein, und doch hat JEDER geglotzt. Ich nahm an mir ein leicht mas­ken­haf­tes Lächeln wahr, ich ver­such­te, beson­ders gra­de zu gehen. Hin­ter mir tuschel­ten Mut­ter &Tochter, Kas­sie­re­rin mit Kol­le­gin, Turn­mut­ter mit Turn­va­ter. Gesagt hat, logisch, kei­ner was. Nie sagt jemand was, ich ken­ne das, nur war das Schwei­gen heu­te beson­ders laut.

Nur Kubit­schek dann, als ich nach Hau­se kam und den But­ton längst ver­ges­sen hat­te: „Mei­ne Güte, sind Sie krass.“

– – –

28. Sep­tem­ber 2017 – Manch­mal nervt es mich, wenn mich Leu­te fra­gen, wie ich die Per­so­nal­po­li­tik in die­ser Par­tei beur­tei­le und ob ich den­ke, daß ein vehe­men­ter Schul­ter­schluß zwi­schen X und Y nicht gewinn­brin­gend wäre. Ob nicht mit einer Stim­men­mehr­heit … usw.

Manch­mal nervt es mich an mir selbst, daß mich das alles nicht inter­es­siert. Es läßt mich kalt, ob A im Hin­ter­zim­mer zu B dies gesagt hat, aber dann jenes ver­laut­bar­te. Ich muß gäh­nen, aber mein Gäh­nen beschämt mich auch. Ist es nicht ein MUSS in Zei­ten wie die­sen, irgend­wie mit der Tages­po­li­tik abzuhängen?

Man kann halt nicht aus sei­ner Haut. Und so kommt es immer wie­der zu sol­chen Gesprä­chen: Ich sage V., daß Fried­rich Sieburg dazu alles gesagt habe, näm­lich (…). Oder G., daß Jonas Lüscher genau die­sen Ziel­kon­flikt mus­ter­gül­tig beschrei­ben habe. Zu J., daß Hein­rich Mann doch die per­fek­te Typo­lo­gie gelie­fert habe!

Häu­fi­ge Ant­wort: „Was für ein Luxus­le­ben, heu­te noch in Roma­nen zu schwel­gen! Ich hab über­haupt nie Zeit, irgend­was zu lesen [außer Twit­ter, EK]!“

Ich sehe ja täg­lich, was unse­re Kun­den bestel­len. Jeden Mit­tag lie­gen die geor­der­ten Buch­pa­ke­te sta­pel­wei­se im Regal. Es ist fast aus­schließ­lich anspruchs­vol­le Sach­li­te­ra­tur; vie­le Lek­tü­re- und Rezen­si­ons­tips habe ich daher. Bel­le­tris­tik macht deut­lich unter 10% aus. Und wenn, dann dys­to­pi­sche Roma­ne. Natür­lich läuft Die Moschee Not­re Dame. Anno 2048 gera­de wie geschnit­ten Brot, ähn­lich wie unser Long­sel­ler Das Heer­la­ger der Hei­li­gen. Unse­re Leu­te lie­ben sol­che Lek­tü­ren: Zukunfts­hor­ror­vi­sio­nen von einem durch­is­la­mi­sier­ten Europa.

Dane­ben: pff. In der ver­gan­ge­nen Woche war ein­mal der Radetz­ky­marsch und ein­mal Simon Strauß darunter.

Ich will wer­bend noch ein­mal auf Carl Ader­holts Die Roten zurück­kom­men, Mot­to: „Wer Sophie Dan­nen­bergs Das blei­che Herz der Revo­lu­ti­on moch­te, dem wird Die Roten gefal­len!“  Ader­holds (groß­ar­tig über­setz­ter) Roman ist wie der von Dan­nen­berg lite­ra­risch von aller­ers­ter Güte, und auch das The­ma eint bei­de: Wie ist es für ein Kind, einen Her­an­wach­sen­den, durch-und-durch­inde­o­li­gi­siert unter der Dik­ta­tur stramm­lin­ker Eltern aufzuwachsen?

Ader­holds Fami­li­en­sa­ga hat es der­ma­ßen in sich: Der Uropa (gebür­tig in Koblenz) war zunächst ein from­mer, arti­ger Katho­lik, dann ist er nach einem schlim­men Vor­fall deser­tiert und nach Frank­reich geflo­hen. Von sei­ner Her­kunft soll­te nichts übrig­blei­ben. Fort­an wer­den über die nächs­ten hun­dert Jah­re in der Fami­lie Ader­hold Deut­schen­haß und  Kom­mu­nis­mus  geprie­sen und gepflegt.

Carl, der Uren­kel, ist wie sei­ne Schwes­ter unter den Por­traits von Marx und Lenin gezeugt wor­den. Als Kin­der dach­ten sie, es han­de­le sich bei den Bil­dern um ent­fern­te Ver­wand­te. Der Vater, ein Schau­spie­ler, wird ein biß­chen auf­ge­rie­ben zwi­schen inten­sivs­tem poli­ti­schem Enga­ge­ment, Suff, Jäh­zorn (die Hand sitzt ver­dammt locker) und außer­ehe­li­chen Affä­ren. Genug Zeit für die aus­weg­lo­se Poli­ti­sie­rung der Kin­der bleibt immer.

Der jun­ge Carl liebt den Vater (so sehr, wie er post­hum abrech­net mit ihm); er weiß, daß er bei sei­nen Kin­der­spie­len nie­mals die Rol­le der Cow­boys ein­neh­men darf (obwohl sei­ne heim­li­chen Sym­pa­thien auf der Sei­te der ame­ri­ka­ni­schen Kaval­le­rie lie­gen), daß Tim & Strup­pi-Lek­tü­re unver­zeih­lich ist (er liest’s unter der Bett­de­cke mit schwe­ren Gewis­sens­bis­sen) und daß er die „anti­spieß­bür­ger­li­che“ (de fac­to extrem über­grif­fi­ge) Sexu­al­auf­klä­rung hin­zu­neh­men hat.

Spä­ter ver­faßt er als Geschenk für den Vater ein ange­streng­tes „Mani­fest eines jun­gen Kom­mu­nis­ten“.  Erst Jahr­zehn­te spä­ter, da lie­gen Psy­cho­the­ra­pien hin­ter ihm, begreift er, was für einer gigan­ti­schen Lebens­lü­ge er auf­ge­ses­sen ist.

Für mich: die Lek­tü­re im Zeit­al­ter des kol­lek­ti­ven Lebenslügen!

– – –

29. Sep­tem­ber 2017 – Vor Jah­ren hat­te ich mit mei­ner Toch­ter einen OP-Ter­min im ört­li­chen Kran­ken­haus. Es ging um die Ent­fer­nung eines Mut­ter­mals am Kopf. Der Chir­urg, ein Ara­ber, sprach nur mar­gi­nal deutsch.

Ich hat­te noch zwei, drei wich­ti­ge Fra­gen. Er ver­stand nicht. Die OP-Schwes­ter ver­such­te in „leich­tes Deutsch“ zu über­set­zen, es miß­lang. Wir sind dann ein­fach gegangen.

Als ich irgend­wo davon erzähl­te, mein­te einer augen­zwin­kernd: … naja, ein klit­ze­klei­nes biß­chen Ras­sis­mus sei von mei­ner Sei­te sicher dabei­ge­we­sen. Da konn­te ich mich gleich noch mal empören!

Heu­te hat­te ich einen ortho­pä­di­schen „Not­fall“ und muß­te im glei­chen Kran­ken­haus vor­stel­lig wer­den. „Guten Tag“ ging noch so, der Rest war extrem schwie­rig. Auf mei­ne zwei, drei Fra­gen ant­wor­te­te der jun­ge Dr. nach mehr­ma­li­ger Wie­der­ho­lung schüch­tern „ja“, wor­auf die Schwes­tern mir nach­her sag­ten, daß er „nein“ gemeint habe, mich nur nicht ver­stan­den habe.

Mir wur­de eine Orthe­se ans Knie angepaßt und ein Rezept in die Hand gedrückt: Säu­reblo­cker, wie ich in der Apo­the­ke fest­stell­te. Ich ver­si­che­re, die­ser Herr Dok­tor hat­te schnee­wei­ße Haut. Ich has­se nie­man­den; ich has­se die­se Zustände!

– – –

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Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

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Kommentare (13)

Franz Bettinger

1. Oktober 2017 14:02

Liebe Frau Kositza, ich will unbedingt auch so einen Sticker ("Pack" unterlegt mit den Farben Deutschlands). Wo kann man ihn kaufen? Zehn Stück bitte!

Gerrit

1. Oktober 2017 14:14

Echt? Tim und Struppi ging auch nicht? Da haben meine Eltern nicht aufgepasst. Was ist der Grund dafür? Dass Haddock im Schloss lebt? Immerhin sieht Prof. Bienlein dafür wie Trotzki in alt aus. Oder die Frisur von Tim? Dass Struppi weiß ist? Ich würde mich über Aufklärung freuen, oder steht das in dem angepriesenen Roman?

Martin Himstedt

1. Oktober 2017 14:51

Auf die Gefahr hin, mich hier lächerlich zu machen: Peggy, aus der letzten Sezession, war keine real existierende Person, richtig?

antwort kositza:

Nein, so einen Heidenspaß denke ich mir natürlich aus. Was für eine Frage!

Caroline Sommerfeld

1. Oktober 2017 15:56

Ist es nicht doch ein Portiönchen sensitiver Beziehungswahn? Ich nenne einen kleinen Lambda-Button mein eigen, den mache ich nie ab (gut, einmal, nach einer Demo, schien es mir klüger). Stets überlege ich mir in der U-Bahn, beim Kinderabholen, in der Kirche oder am Markt, daß doch jetzt bitte jeder extrem alarmiert draufstarren muß und mich gleich zivilcouragiert angeht.

Bisher - nix dergleichen. Auch nicht von Existenzen mit "Stop Homophobia"-Buttons (viel bunter, viel größer) in der Bahn, auch den Kaffeehaus-(Gastronomie gegen Rassismus)- Leuten von gegenüber fiel an meiner (nicht aus demonstrativem Bekenntniszwang, sondern aus Zerstreutheit) eine Woche dort hängengelassener Jacke nichts unangenehm auf. 

Sind die alle so tolerant? Kennt keiner das Identitären-Lambda in Wien? Ist der Button so winzig, daß die den alle nicht entdecken?

Denke ich mir so, in meinen sensitiven Beziehungswahn vertieft, und merke, daß es wohl zum Paradox des Rechten dazugehören muß, sich immer in den Blicken der Linken zu spiegeln, und zugleich total innengeleitet zu sein. Mir doch egal, was die jetzt denken!

Isarpreiß

1. Oktober 2017 21:34

Zumindest bei mir ist es so, dass ich viel mehr Romane lese als Sachbücher. Die Romane kaufe ich aber irgendwo gebraucht oder manchmal als E-Book. Die Sachbücher, das sind meist aktuelle Antaios-Erscheinungen, bestelle ich dann bei Antaios, weil es sie sonst eigentlich nirgends günstiger gibt. Vielleicht ist das eine Erklärung. 

t.gygax

2. Oktober 2017 12:38

@gerrit

Mann, Ihnen fehlt eindeutig das richtige Bewußtsein. Wissen Sie nicht,dass "Tim und Struppi" ein antisemitisches ("Die Kristallkugel")  rassistisches ("Tim im Kongo") und neofaschistisches ("Tim und die Picarors")  Machwerk übelster Art ist?

Ab  zur Aufklärung bei Madame Kahane etc.. und zur Erheiterung: hören Sie mal " je vous emmerde"  von "les brigandes " bei youtube an, da  tauchen Herge und sein Heft auch unversehens unter all den faschistischen Hetzschriften auf.....

Herr S.

2. Oktober 2017 15:45

Diesmal schreibe ich als Herr S., sonst immer mit Klarnamen.

Also, die Sache mit dem Anstecker ging so:

Als der einstige Arbeiterführer S.G. ein Ansammlung von meist arbeitenden Patrioten als "Pack" bezeichnete, war ich so aufgebracht, daß ich ursprünglich 5.000 Stück davon bestellen wollte, um die dann in Dresden zu verteilen. Meine Frau, deren Hilfe ich dabei bedurfte, bestellte zunächst 200 Stück zur Probe, um mir dann mein Vorhaben, nun ja ... zu verbieten zu sagen, verbietet mir der Respekt vor meiner Frau, also, auszureden. Sie hätte einfach Angst um meine körperliche Unversehrtheit.

So habe ich die 200 Stück teils bei der Demo gegen Pirincci in Halle an die verdutzten Rabauken verteilt, einen Teil in der Bibliothek des Konservatismus in Berlin und deren zwei hat E.K. bekommen. Den Zweiten, etwas größeren, für G.K.. Offensichtlich ist er noch nicht dort angekommen, jedenfalls nicht am Revers.

Ein paar habe ich noch, muß aber fragen, wo die versteckt sind. Eine beliebige Anzahl solcher oder anderer ließe sich binnen kurzer Zeit beschaffen, und da ICH die dann nicht in Dresden verteilen würde (?), entfiele ja das Argument der möglicherweise durch mich hinzunehmenden physischen Agitation durch die, die wissen was Gut ist.

Herr S.

2. Oktober 2017 15:54

P.S.: Wenn Kubitschek "Krass" sagt, oder sagt er "Kraß"?, ist das kraß, oder ist das eine Anerkennung im Sinne einer Ermunterung?

Ich traue ihm beides zu. ;-)

Franz Bettinger

2. Oktober 2017 23:27

Lieber Herr S. Wenn Sie mir 10 oder 20 dieser fantastischen "Pack"-Buttons gegen gutes Geld zukommen lassen wollen, wäre ich dankbar. Ich finde die darin enthaltene Ironie köstlich und hab keine Bedenken, so einen Button öffentlich zu tragen, obwohl ich wie die Kositza im Grunde eine Abneigung gegen alles Plakative habe. Ich hoffe, Sie kriegen meine Postanschrift via SiN.

tOm~!

2. Oktober 2017 23:30

"Ich hatte noch zwei, drei wichtige Fragen. Er verstand nicht. Die OP-Schwester versuchte in „leichtes Deutsch“ zu übersetzen, es mißlang. Wir sind dann einfach gegangen."

"Mich dünkt, in den jetzigen Zeiten allseitiger Völkerberührungen gewinnt von Außen ein Volk mehr durch Erleichterung seiner Sprache als durch Erschwerung derselben mit Ausnahmen; nur sonst mußten die Städte sich voll krummer Gassen bauen, um den Feinden den Kampf darin sauerer zu machen."

Zu dieser Feststellung kam Jean Paul vor gut 200 Jahren, bei der Untersuchung der deutschen Doppelwörter. Dieses kleine Werkchen ist so ungemein wertvoll, daß - wenn man es richtig verinnerlicht hat - man spielerisch den Zugang zu anderen europäischen Sprachen findet. Vielleicht knackt man dann sogar den Riegel des Janustempels, was einen die Welt eines Robert Schumanns erschließen lassen wird.

"Jean Paul Richter: Über die deutschen Doppelwörter" gehört jedem empfohlen, der gedenkt, die deutsche Sprache eines Tages beherrschen zu wollen. 

Freilich haben die Deutschen auf die Ratschläge Johann Paul Friedrich Richters ebenso gepfiffen, wie die deutschen Sprachschöpfer. Wenn man sich nur die unzähligen "ungs", die wie "unx" klingen, und von denen es in der Sprache der Römer nur insgesamt drei gab, ins Gedächtnis ruft, könnte man regelmäßig über die sprachliche Ungestalt im Deutschen kotzen. Ich verweise leutselig auf das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, das ja gestern in Kraft trat.

Der Feinsinnige

3. Oktober 2017 11:49

@ tOm~!

„Ich hatte noch zwei, drei wichtige Fragen. Er verstand nicht. Die OP-Schwester versuchte in „leichtes Deutsch“ zu übersetzen, es mißlang. Wir sind dann einfach gegangen.“ (Ellen Kositza)

"Mich dünkt, in den jetzigen Zeiten allseitiger Völkerberührungen gewinnt von Außen ein Volk mehr durch Erleichterung seiner Sprache als durch Erschwerung derselben mit Ausnahmen; nur sonst mußten die Städte sich voll krummer Gassen bauen, um den Feinden den Kampf darin sauerer zu machen." (Jean Paul)

Eine interessante Aussage Jean Pauls – man kann es aber im Ergebnis auch anders sehen. Ich denke, die Idee, „Städte … voll krummer Gassen (zu) bauen, um den Feinden den Kampf darin sauerer zu machen“, hat auch bezüglich der Sprache durchaus ihr Gutes. Sie bietet eine subtile Chance, die sogenannte „Integration“ breiterer Schichten zu erschweren. Die Sprachbarriere kann für uns Deutsche durchaus ihr Gutes haben. Mit dem Stichwort „leichtes Deutsch“ sind wir übrigens auch bei einem Hauptantrieb der Macher der sog. „Rechtschreibreform“, die hoffentlich auch irgendwann fallen wird. Zum Artikel und den Arztgeschichten: Ähnliches kommt heutzutage vielfach vor. Gut, daß Sie, sehr geehrte Frau Kositza, dies hier einmal so eindrucksvoll aufgeschrieben haben. Bei genau diesem Thema (Verständnisprobleme mit radebrechenden Ärzten) hört übrigens selbst bei Leuten, die – trotz massiver Leiden an der Masseneinwanderung – ein unüberwindlich scheinendes Problem damit haben, eine Partei wie die AFD zu wählen, der Spaß so richtig auf, wie ich in meiner eigenen Verwandtschaft schon mehrfach hören durfte.

Sara Tempel

3. Oktober 2017 16:32

In meiner Jugend hatte ich es insofern einfacher, daß ich mich schon in der Schulzeit in die linken Reihen eingeordnet hatte und Kirche wie Familie ablehnte. - Heute danke ich Gott dafür, daß ich nicht vor die Entscheidung über eine Abtreibung gestellt wurde. Zum Glück habe ich immerhin gelernt meinen Verstand zu benutzen, so daß vor einigen Jahren die Seiten wechseln mußte. Der Anstoß für späte Erkenntnis kam vor allem als die Mainstream-Medien immer einseitger wurden und mein Protestpotential schürten! Als Merkels mit ihrer "Flüchtlingspolitik" Hochverrat beging, war mein nationaler Standpunkt schon längst klar. - Im aktuellen Wahlkampf nun hatte ich mich dagegen entschieden, mir ein AfD-Shirt zu besorgen, da ich Parteien grundsätzlich skeptisch betrachte. Statt dessen habe ich auf meiner Website und im Bekanntenkreis fleißig für die Wahl dieser - unter steten Vermeumdungen der Etablierten leidenden -  Partei geworben. In unserem Stammbistro kennt wohl nun jeder den rechten Standpunkt, den ich mit meinem Mann teile. - Einen "Pack"-Button würde ich wohl auch mal gerne anstecken, um die Reaktion zu beobachten. 

tOm~!

4. Oktober 2017 18:20

@Der_Feinsinnige

Das Problem ist, daß man nicht beides haben kann. Also eine weltoffene Gesellschaft, und eine in sich verschlossene Sprache, wo das Wort Krone in 12 verschiedenen Varianten mit anderen Wörtern verheiratet werden kann, oder muß.

Das geht nicht zusammen, wie wir in der BRD tagtäglich bewundern können. Selbst die Einfachheit der englischen Sprache hat nicht ausgereicht, um alle Zuwanderer in die gemeinsame Sprache ordentlich zu integrieren. Und die deutsche Sprache ist die Orgel der europäischen Sprachen, nicht die Bootsmannpfeife und nicht das Fagott. Das heißt also, man hat gleich doppelt versagt, da man zunächst eine schwer zu beherrschende Sprache ausgebildet hat, nur um dann plötzlich Millionen von Fremden in dieses hochkomplexe Sprachgebäude integrieren zu wollen. 

Bundestagsabgeordneter, statt Bundtagabgeordneter, damit fängt es ja bereits an. Aber wem erzähle ich's? Die Deutschen hören sowieso nicht mehr zu, haben das aufmerksame Zuhören genauso velernt und vergessen, wie die eigene Heimat, die sie unbewacht und ungepflegt lassen.

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