Sezession
24. Oktober 2017

Meine beiden Linken, oder: Wir können nicht allen helfen

Gastbeitrag / 17 Kommentare

Den einen Linken holten wir in Freiburg ab. Dort ging es vorbei an den neu erbauten „Flüchtlingshäusern“. An schicken, holzverkleideten Apartments mit Terrassen, auf denen sich im Spätsommersonnenschein Verschleierte mit ihren Kindern tummelten. Das gab mir einen kleinen Stich, und ich dachte: „Das ist nicht gerecht“.

Ich sagte nichts zu meinem linken Beifahrer, der Weihnachten 2015 die „Geflüchteten“ in der Erstaufnahme mit Plätzchen freudig bebacken hatte. Ich mußte an die kinderreichen Familien in der Nähe meines Wohnortes denken, die seit Jahrzehnten in sogenannten Schlichtwohnungen leben, ohne Bad, ohne Dusche und ohne Balkon. Bis sich 2015 ein VOX-Fernsehteam ihrer annahm, was einigen Wirbel verursachte.

Den zweiten Linken holten wir in Offenburg am Bahnhof ab. Dort tummelten sich massenhaft junge Männer mit verschiedensten Migrationshintergründen. Die neu Dazukommenden wurden abgeklatscht. Sie fühlten sich stark in der Gruppe. Ich überlegte, wie es wohl sein würde, wenn aus dieser Gruppe plötzlich ein wütender Mob würde.

Stark fühlte sich auch unser zweiter Linker. Er schlenderte ungerührt an dieser Gruppe vorbei. Er hatte gegen den G20-Gipfel in Hamburg demonstriert, gegen die „Kapitalisten und Globalisten“. Auf der Fahrt erzählte ich ihm von dem großen Merkel-Wahlplakat, welches ein Scherzkeks mit einem Knastgitter übermalt und SCHULDIG druntergeschrieben hatte.

Der Junge lachte und sagte: „In Tübingen trägt ein Mitbewohner meiner WG ein T-Shirt mit Boris Palmer, über diesem ein Stempel, auf dem steht: Kriminell.“ Ich sagte nichts und dachte: „Wieso soll  Boris Palmer kriminell sein?“ Weil er sich zu Merkels Flüchtlingspolitik kritisch geäußert hat? Weil er in einem Gastbeitrag für den Focus eingesteht, „daß es eine rein moralische Flüchtlingspolitik nicht geben kann“, denn:

Wir können nicht allen helfen, sondern nur sehr wenigen. Unsere Freiheit und unseren Wohlstand können wir nur erhalten, wenn wir sie einer sehr großen Zahl von Menschen, die danach streben und in unser Land kommen wollen, vorenthalten. Es lohnt sich, dies auf Dauer zu ändern. Es gibt keine Entschuldigung dafür, es als gegeben hinzunehmen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir diese elementare Ungerechtigkeit nicht schnell aus der Welt schaffen können. Das moralische Dilemma der Flüchtlingspolitik ist nicht auflösbar.

Nicht nur die Linke light kommt bei der Frage nach der sozialen Gerechtigkeit ins Schleudern, auch für die orthodoxe Linke wird die Masseneinwanderung zum Lackmustest. Oskar Lafontaine schreibt auf Facebook: „Die Linke und alle bisher im Bundestag vertretenen Parteien haben bei ihren Antworten auf die weltweite Flüchtlingsproblematik das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt.“

Der Wahlabend verlief ruhig. Kurz haben wir die Ergebnisse der einzelnen Parteien angeschaut. Es kam keine Freude bei uns Rechten auf, keine Entrüstung bei den Linken. Der Crémant d‘alsace blieb im Kühlschrank. Jegliche Diskussion vermeidend, wurde das Kaminfeuer entzündet, obwohl es gar nicht kalt war.

Der Schlagabtausch erfolgte am nächsten Tag. Man kann es nicht vermeiden. Ich meinte vorsichtig: “Na ja, den Ausgang der Wahl kann man ja auch als Chance sehen, eine in vielerlei Hinsicht verfehlte Politik, vor allem Asyl- und Migrationspolitik, zu korrigieren und zu ändern.“ Es kam zu keinem vernünftigen Gespräch. Eher zu einem emotionsgeladenen Hin und Her:

„Man kann nicht die ganze Welt retten!“ – „Aber irgendwo muß man mal anfangen!“ – „Aber warum plötzlich jetzt, warum nicht schon früher, etwa bei den Abgehängten vom Asternweg in Kaiserslautern?" – „Und warum unterschiedslos helfen und nicht speziell Frauen, Kindern oder verfolgten Christen?“ – „Es können nicht alle Menschen auf dem westeuropäischen Wohlstandslevel leben, ohne daß der Laden zusammenbricht.“ – „Dann müssen die reichen Länder eben abgeben.“ – „Und wer bestimmt, wieviel und was abgegeben wird? Und was ist mit denen, die nichts abgeben wollen? Und dienen offene Grenzen nicht zuallererst den Kapitalisten?“ Und so weiter.

Immer wieder wird der Traum der alten und neuen Linken geträumt, der Traum von einer sozial gerechten Welt, die nur der Mensch erschaffen kann und soll. Ein „Reich Gottes auf Erden“, in dem alle Menschen gleiche Chancen haben auf Wohlstand, Bildung, Selbstverwirklichung.

Der Weg dorthin ist mit Millionen Leichen gepflastert. Das wird immer wieder ausgeblendet. Denn irgendwo muß man ja anfangen. Jetzt halt mit den „Geflüchteten“. Und wenn es doch nicht so gewaltfrei voran geht, muß man eben intervenieren.

Natürlich kann man dieser idealistischen Jugend von Kleine-Hartlage Warum ich kein Linker mehr bin oder von Sieferle Das Migrationsproblem zum Lesen geben. Das habe ich auch getan. Meine Erfahrung ist diese: Die jungen Linken weisen diese Bücher eher angewidert zurück. Wie ein neugieriges, aber braves Mädel, dem die Mutter verklemmt ein Aufklärungsbuch zustecken will mit den Worten: „Du bist jetzt alt genug, lies das mal.“

Das Mädel sucht unbewußt ja das Abenteuer und will keine Moralpredigt, schon bevor es die Unschuld verloren hat. Und diese wohlstandsverwöhnte westeuropäische Jugend hat ihre Unschuld noch nicht verloren. Sie will Abenteuer, Herausforderung, keine Langeweile. Nicht umsonst ist eine Lieblingsserie dieser Generation The Walking Dead. Man träumt vom Überlebenskampf, spielt Widerstandskämpfer gegen fiktive Nazis oder kämpft gegen den bösen Staat. Alles ist besser als Langeweile.

Wie seltsam muß den jungen Männern mit Migrations- und teilweise Kriegserfahrung diese weiche, westliche, naive, hilfsbereite Jugend vorkommen. Die ersten Bücher von „Flüchtlingen“ zur linken Naivität gibt es bereits. So schreibt Kacem El Ghazzali, ein 27jähriger Marokkaner, anerkannter Flüchtling, bekennender Atheist, zur „humanitären“ Vereinnahmung durch Linke: “Wenn ein Flüchtling ihre Meinung nicht teilt, verstehen sie die Welt nicht mehr. Aber ich bin nicht so, wie sie mich haben wollen – ein Opfer, das nicht selber denkt, für nichts Verantwortung trägt und ihre Hilfe braucht.“

Nun, nach dem Schlagabtausch kam es dann immerhin noch zu einigen konstruktiven Gesprächen, gar zu Übereinstimmungen in der Analyse. Aber nicht in den Lösungsansätzen. Nation, Kultur, Tradition, das Eigene, Religion sind für die Linke light kein Thema.

Mit Linken leben heißt das neue Buch von Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld. Ich lese es gerade. Aber eigentlich will ich nicht mit Linken leben. Nur mit meinen eigenen, die ich liebe. Ein paar Tage im Jahr. Und da hilft mir mal wieder die Lektüre von Josef Piepers Über die Liebe:

Liebe ist nicht dasselbe wie die unterschiedslose Billigung all dessen, was der geliebte Mensch empirisch-faktisch denkt und tut. [...] Die bloße Gutherzigkeit, die alles duldet, nur nicht, daß der Geliebte leidet, hat mit wirklicher Liebe nichts zu tun. Augustinus hat das in vielerlei Variationen formuliert: “Die Liebe schlägt zu, Übelwollen redet nach dem Munde“; “der Freund gerät in Zorn und liebt, der getarnte Feind schmeichelt und haßt“. – Kein Liebender kann sich damit abfinden, daß der, den er liebt, dem Guten das Bequeme vorzieht. Wer die jungen Leute liebt, ist außerstande, die Freude zu teilen, die sie dabei zu empfinden scheinen, ihr Marschgepäck sozusagen zu erleichtern und die eiserne Ration wegzuwerfen, die sie einmal brauchen werden, wenn es kritisch wird.

Das ist tröstlich. Auch wenn wir nicht allen helfen können und irgendwo anfangen müssen. Vielleicht fängt man ja am besten bei sich selbst an.

–––––

Nachtrag: Nach dem jährlichen Familientreffen schickte mir mein großer Linker einen Lesetipp: „Dachte vllt. interessiert dich das Thema“. Ich lese dort:

Im Rahmen der globalen Produktion ist die Kritik an den traditionellen Religionen, genau wie die Rechts-Links-Dichotomie oder der  Antifaschismus in Abwesenheit von Faschismus, ein Ausdruck des Marktmonotheismus und enthüllt noch einmal die vollständige Integration der weltlichen und antifaschistischen Linken in den götzendienerischen Monotheismus des Marktes.

Wow, ich liebe solche Sätze. Dieser Mailänder Philosoph Diego Fusaro scheint mir ein interessanter Denker zu sein.


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Kommentare (17)

Stresemann
24. Oktober 2017 12:31

Es kommt durchaus Bewegung in die Parteienlandschaft nach der Bundestagswahl. Jüngst wird die AfD nicht mehr reflexhaft mit den bekannten Rubrizierungen attribuiert. Hier wird die Alternative für Deutschland schlicht als nationalkonservativ adressiert - was ja weniger pejorative Fremdbezeichnung als ggf. bereits affirmative Selbstbeschreibung der AfD sein dürfte. Die Diskurse - wie ja auch von Frau Leiser im Hinblick auf die implizit/explizit genannten anderen Parteien beschrieben - verlagern sich. Man könnte das auch bereits einen metapolitischen Umbruch nennen...

Hesperiolus
24. Oktober 2017 12:40

Wenige Tage vorm "compleanno di Pound" geben Sie da im Nachtrag eine wahre Satzperle. Wie jede Wahrheit ist so ein Satz zu lieben, auch und besonders ohne "Wow".

Dazu auch dieses: https://www.ilfattoquotidiano.it/2015/11/08/la-religione-sotto-scacco/2199697/

Fritz
24. Oktober 2017 15:16

Man lernt nur durch Erfahrung, nicht aus Büchern. ich habe auch geglaubt, dass die armen Menschen der III. Welt Opfer des westlichen Kapitalismus sind, der ein Interesse daran hat, sie niederzuhalten.

Erst als ich dann selber gereist bin (in Südamerika) und die Verhältnisse mit eigenen Augen gesehen habe, änderte ich meine Meinung. Nach meiner Erfahrung bessern sich die Verhältnisse in der III. Welt nicht, weil niemand der dort lebenden Menschen ein Interesse daran hat. Alle interessieren sich nur für ihr eigenes Wohl und das ihrer Familie, vom Präsidenten, der seine Cousins zu Ministern macht, bis zum Bootsflüchtling, der seine Familie nach Deutschland holen will. Von sowas wie Nation oder Gemeinwohl haben die meisten Menschen keine Vorstellung (oder höchstens bei Fußballspielen).

Wenn ein Posten zu vergeben ist, bekommt ihn nicht der beste Bewerber, sondern der Cousin des Chefs, oder jemand aus seinem Dorf. Alle sind extrem misstrauisch und erwarten ständig, von den anderen übers Ohr gehauen zu werden.

Ich wünsche mir manchmal, man könnte jungen Deutschen (beider Geschlechter) ermöglichen, ein halbes Jahr in einem Land der III. Welt zu leben und dort Erfahrungen zu sammeln. Das würde vielleicht Lernprozesse in gang bringen.

nom de guerre
24. Oktober 2017 17:02

 

>>Nation, Kultur, Tradition, das Eigene, Religion sind für die Linke light kein Thema.<<

Ja, aber nur solange all das noch selbstverständlich vorhanden ist. Wie hier schon mehrfach angemerkt wurde, fehlt es Linken oft an Realitätssinn. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die vielen weltoffenen, flüchtlingsunterstützenden Menschen (ob nun richtige Erwachsene oder halbe Kinder, die Boris Palmer wegen seiner abweichenden Ansichten als „kriminell“ überschreiben; auf so eine Idee muss man erstmal kommen!) irgendetwas mit den neu Zugewanderten gemeinsam haben, nur sind sie offenbar nicht in der Lage, das und die Auswirkungen, die die Masseneinwanderung auf ihr eigenes Leben haben wird, zu erkennen.

Irgendwo muss man mal anfangen, ja, das sehe ich ausdrücklich auch so. Viele Ungerechtigkeiten auf der Welt, auch die Umweltzerstörung, über die derzeit eher selten gesprochen wird, müssten nicht sein. Allerdings kann dieses „anfangen“ nicht nur von der sogenannten Ersten Welt ausgehen, es sei denn, man befürwortet einen wohlmeinenden Neokolonialismus. Alle, denen es schlecht geht, nach Deutschland/Europa zu lassen, ist jedenfalls für niemanden eine Lösung, aber dafür im Ergebnis für jeden ein Problem, auch für die Eingewanderten selbst, denn ich denke nicht, dass in Offenburg oder anderswo am Bahnhof rumzulungern wirklich das Ziel der großen Reise ins Gelobte Land gewesen ist.

@ Fritz

Für diese Erkenntnis muss man aber eigentlich nicht mal nach Südamerika fahren, die kann man billiger haben. Ich habe über viele Jahre Bücher von Mario Vargas Llosa und ab und zu auch von anderen lateinamerikanischen Autoren gelesen. Dort steht genau das drin, was Sie beschreiben (wenn auch sicherlich nicht so anschaulich, wie wenn man vor Ort ist). Gesellschaftlichen Zusammenhalt scheint es nicht zu geben, da sich jeder nur mit der eigenen sozialen Gruppe identifiziert.

RMH
24. Oktober 2017 17:14

@Fritz,

meiner Meinung nach eine richtige Beobachtung. In anderen Ländern gilt die Reihenfolge engste Familie, Sippe, Clan und dann kommt mehr oder weniger nichts mehr, maximal noch Folklore. In den meisten westlichen Ländern und insbesondere Deutschland hingegen gilt der Spruch, das Blut dicker als Wasser ist, schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, der Deutsche verklagt am liebsten Seinesgleichen und seine Verwandtschaft und die Redewendung von der "buckligen Verwandtschaft" ist geflügelt. Man erkennt es ja auch daran, dass sich Familien wegen solch letztendlichen Lappalien (in Bezug auf die wirklich letzten und entscheidenden Dinge im Leben sind es solche) wie links oder rechts oder Politik überhaupt ernsthaft zerstreiten können. Aber Schulmeistern und Beckmessern ist Volkssport und um dem anderen etwas nicht gönnen zu müssen, sollte es dann lieber der große, amorphe Staat ihm wegnehmen, auch wenn dann am Ende kaum einer etwas davon hat. Wie auch immer, ein Land, welches nur noch Einwohner hat und kein Volk mehr, welches Gott und Familie nicht mehr kennt, hat nur kleine Individuen, wo jeder für sich alleine kämpft (und dann auch alleine stirbt).

Stil-Blüte
24. Oktober 2017 18:19

Liebe Monika Leiser, Ihre lebendige Schilderung ist mir nicht unvertraut. 

Was ich heutzutage zutiefst bedaure, daß wir uns innerhalb von Familie und Freundeskreis über lange Distsnzen verstellen müssen, um dann mal was Überlegtes, Durchdachtes anzubringen. Ich weiß inzwischen - diese Angestrengtheit bringt nichts. Denn das Athmosphärische bleibt dann gestört; man steht weder auf derselben noch auf der Gegenseite

Ich für meinen Teil bevorzuge die rein familiären freundschaftlichen Themen und fühle mich dabei wohl. Niemand beäugt mich argwöhnisch. Die Zeiten des politischen Streitgesprächs innerhalb der Freunde, weniger der Familie, sind einfach nicht mehr zu schaffen. Manchmal kann ich es aber nicht lassen, wenn der Kontrast zwischen Anliegen und Heuchelei allzu groß ist, sie zu beschämen. Eine Frage: Warum haben Sie Ihr Familientreffen ausgerrechnet in diese heikle Zeit gelegt. Sind reine Familienfeiern, Geburtstage, christliche Feiertage nicht besser geeignet?

Und noch etwas - wir waren ja die wichtigsten Erzieher und Bilder unserer Ndachkommen. Haben wir nicht selbst Anteil an der Gegensätzlicherkeit unserer Kinder? Daher - Nachsicht. Um die Sache abzurunden, Sie konnten nichts Besseres tun, als uns offenherzig Ihre Situation vorzustellen. Gibt es Worte, die diesen Kontrast auflösen können? Ja, Geduld und nochmals Geduld. Liebe ohnehin.

Curt Sachs
24. Oktober 2017 18:25

»Den Wahlsonntag und die Tage danach verbrachte ich unter Linken. Irgendwo am Ende der Welt. Ich wußte, es würde hart und schmerzhaft werden.«

Oh jeminechen! Auf welcher Insel der Seligen hält sich Frau Leiser denn sonst so auf?

»Es kam zu keinem vernünftigen Gespräch. Eher zu einem emotionsgeladenen Hin und Her:«

Oh, welche Überraschung! – Was denn dann so »hart und schmerzhaft« wurde, teilt uns Frau Leiser leider nicht mehr mit.

Ich schließe zwar nicht mit Pieper, aber immerhin mit Kardinal Newman:

»Jungen Leuten, die niemals Leid oder Ängste gekannt haben noch die Opfer, die die Gewissenhaftigkeit einschließt, fehlen gewöhnlich jene Tiefe und jene Ernsthaftigkeit des Charakters, die nur Leid und Angst und Selbsthingabe geben können. Wir werden real in unseren Ansichten über das, was geistlich ist, durch die Berührung mit den zeitlichen und irdischen Dingen.«

Der_Jürgen
24. Oktober 2017 20:41

@RMH

"Ein Land, welches nur noch Einwohner hat und kein Volk mehr, welches Gott und Familie nicht mehr kennt, hat nur noch Individuen, die alleine kämpfen und alleine  sterben."

Hierzu zwei Zitate. Das erste stammt aus dem 2006 erschienenen Buch "Une breve histoire de l'avenir" (Eine kurze Geschichte der Zukunft) und lautet so:

"Jede Zeit, die für etwas anderes verwendet wird, als zu konsumieren oder Konsumgüter zu scheffeln, wird als vergeudet gelten. (...) Je einsamer der Mensch sein wird, desto mehr wird er konsumieren, und desto mehr wird er sich vergnügen, um seine Einsamkeit zu übertünchen. (...) Der Mensch wird den anderen nur noch als Werkzeug seines eigenen Glücks sehen, als Mittel, um sich Vergnügen oder Geld oder beides zugleich zu verschaffen. Niemand wird noch auf den Gedanken kommen, sich um andere zu kümmern. Warum soll man etwas mit dem anderen unternehmen, wenn dieser doch Konkurrent ist? (...) Jede kollektive Aktion, und daher auch jede politische Veränderung, wird aus diesem Grund undenkbar scheinen. Die Einsamkeit beginnt schon in der Kindheit. Niemand wird Eltern, seien es nun biologische Eltern oder Adoptiveltern, noch dazu zwingen können, ihre Kinder lange genug zu achten und zu lieben, um sie aufzuziehen."

Hier spricht kein besorgter Mahner, sondern ein Chefideologe der Neuen Weltordnung, Jacques Attali, der seine erstaunliche Schaffenskraft seit Jahrzehnten einsetzt, um diese Vision zu verwirklichen. Unter anderem fordert er von Frankreich die Aufnahme von 93 Millionen Immigranten.

Heuchelei kann man Leuten wie Attali nicht vorwerfen. SIe schreiben ja schwarz auf weiss, was sie wollen. Aber wir glauben das Unfassbare nicht und ziehen es vor, "Verschwörungstheorien, Verschwörungstheorien" zu plärren, wenn uns ein Warner die Augen zu öffnen versucht.

Das zweite Zitat ist älter (aus dem Jahre 1996) und stammt von einem Mann unserer Denkrichtung:

"Einst wusste man, dass das Individuum nichts anderes ist als ein Glied in einer langen Kette. (...) Der Einzelmensch schöpfte aus dem Bewusstsein, Teil eines Ganzen zu bilden, geistige Stärke, aber auch einen machtvollen Impuls zur Schaffung von Werken, die ihn überdauern würden. Im Angesicht des Todes war er sich bewusst, dass das Leben nicht mit ihm zu Ende ging. Weder starb seine Sippe mit ihm, noch starben die Gemeinschaft, das Volk und die Kultur, deren Angehöriger er war. Der übersteigerte Individualismus unserer Epoche hat den Menschen entwurzelt, seiner Heimat beraubt und dazu verdammt, wirklich z u sterben.   (...) Wenn der Mensch die Glitzerwelt der Konsumgesellschaft verlässt und nach dem Sinn seiner Existenz fragt, entdeckt er die Ungeheuerlichkeit der Leere, die ihn umgibt. Dann überwältigen ihn Trostlosigkeit, Angst und Verzweiflung."

(Mario Consoli, "Nessun cambiamento senza vero pluralismo", in: "L'Uomo LIbero", Nr. 41/1996.

 

Solution
24. Oktober 2017 21:14

Man sollte in der Familie möglichst nur mit denen über Politik sprechen, die dafür offen sind oder die gleichen Ansichten haben, jedoch einmal klipp und klar gegenüber jedem seine Position im politischen Spektrum offenbaren, damit auch jeder darüber im Bilde ist.

Wir sind in einem politischen Krieg, wo es um das schiere Überleben unseres Volkes geht. Da muß man auch "Verluste" in der Familie, bei Arbeitskollegen und Freunden akzeptieren. Tarnen und Täuschen ist das Falscheste was man hier machen kann. 

Vergessen wir nicht: Wir werden immer mehr.

Monika L.
24. Oktober 2017 21:38

@Stil-Blüte

Das Familientreffen findet meist in dieser Zeit statt. Daß die Wahl in diese Zeit fällt, war in diesem Falle halt so. Aber nicht beabsichtigt. War also nicht zu vermeiden. Ich kenne auch Familien, wo die Kinder ihre Eltern nicht besuchen.

Das finde ich traurig.

@ Curt Sachs

Ich weiß nicht, ob Sie  Kinder haben. Und man muß nicht alles mitteilen. Meine Jungs sind auch keine Laber-Idealisten. Sondern haben durchaus sehr harte und  karge Zeiten im fernen  Ausland hinter sich. Vor denen ich Respekt habe. Ein bequemes bürgerliches Leben ist nicht ihr Ding. Da sind sie schon konsequent. Und Tiefe und Ernsthaftigkeit haben sie. Ich wünsche als Mutter einzig, dass ihr Idealismus nicht enttäuscht und ernüchtert wird. Sondern auch in harten Zeiten bestehen kann. Und reifen. 

Die studierte Jugend hat heute Kontakt in alle Welt. Und denkt über nationale Grenzen hinaus. Und ich kenne eigentlich keine Eltern, die nicht stolz auf diese übernationale Orientierung der Jugend wäre. 

sven h.
24. Oktober 2017 22:55

@Fr. Monika L.: Vielen Dank für Ihren Beitrag. Habe ihn gern gelesen. Ein paar Sachen möchte ich anmerken. Nahe Verwandte von mir (Cousine meiner Mutter) sind reiche alte Leute (er Anwaltskanzlei, sie Übersetzerin). Mit ihren drei Kindern wurde das ganze Leben nur angegeben, angegeben, angegeben (der älteste ist Arzt und der mittlere Sohn ist in der dt. Bank kurz davor die Vorstandsetage zu erklimmen). Seit der "Flüchtlingskrise" ist mit den alten Herrschaften keine vernünftiges Reden mehr möglich, die haben ihre "eigene" "Flüchtlingsfamilie" und geben ihre Zeit und ihr Geld für die her und meinen noch damit angeben zu können. Nach den ersten Gesprächen mit mir wurde es sehr schwierig und ich muss sagen, dass diese Thematik uns zumindest von diesem Ast der Familie komplett abgeschnitten hat. Begründet werden diese ganzen "Flüchtlingshilfsaktionen" mit evangelisch-christlichen Argumenten. Merkel hat es aus meiner Sicht tatsächlich geschafft uns zu spalten. Meine Frau ist Ukrainerin und vor 3 Jahren wäre ich noch streng dageben gewesen, dass sie unseren Sohn Russisch beibringt. Mittlerweile denke ich, na gut, in irgendeiner Sprache muss man ihm notfalls ja noch die Wahrheit sagen können. Solche Gedanken...unvorstellbar noch vor 3 Jahren.

Martin S.
24. Oktober 2017 23:52

Die studierte Jugend hat heute Kontakt in alle Welt. Und denkt über nationale Grenzen hinaus. Und ich kenne eigentlich keine Eltern, die nicht stolz auf diese übernationale Orientierung der Jugend wäre. 

Jaja, die waren schon in allen Flughäfen dieser Welt und den angesagten Clubs in den Hauptstädten. Sie glauben, dass die "hippe" studentische Clubjugend mit dem Rest des Landes identisch ist. Aber sie KENNEN weder ihre eigene Heimat, geschweige denn sich selbst. Wie sagte eine mir bekannte Reiseführerin: "Ja, reisen bildet. Vorurteile."

 

 

Cacatum non est pictum
25. Oktober 2017 06:22

Die studierte Jugend hat heute Kontakt in alle Welt. Und denkt über nationale Grenzen hinaus. Und ich kenne eigentlich keine Eltern, die nicht stolz auf diese übernationale Orientierung der Jugend wäre.

Solche internationalen Kontakte können der Schlüssel zum Erkennen des Eigenen sein. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Während eines längeren Auslandsaufenthalts als Jugendlicher (Schüleraustausch), bei dem ich intensive Kontakte nicht nur zu Einheimischen, sondern auch zu zahlreichen anderen ausländischen Gästen hatte, ist mir das Wesen und der Wert meiner Herkunft erst richtig bewußt geworden. Wenn man sich selbst als Ausländer in einem solchen Umfeld bewegt, wird man ständig mit seinem Fremdsein konfrontiert. Man erkennt die Konturen der eigenen Kultur, seiner Sprache, seiner Traditionen. Man wird konfrontiert mit dem Bild seines Herkunftslandes - facettenreich und manchmal klischeehaft, aber es ist eine ausgesprochen interessante Erfahrung.

Aus einem zwar bürgerlich geprägten, aber linksliberal denkenden Elternhaus stammend, hatte ich gelernt, daß man sich in erster Linie kritisch mit seiner eigenen Nation auseinanderzusetzen hat. Meine Auslandszeit lehrte mich dann anderes. Ich war tief beeindruckt von der natürlichen Heimatliebe vor allem der anderen Ausländer. Es waren Jugendliche aus Nationen aller Kontinente. Ethnischen Selbsthass habe ich bei keinem von ihnen auch nur ansatzweise ausmachen können, eher das exakte Gegenteil. Damals habe ich auch erfahren, welche Hochachtung wir Deutschen im Ausland genießen. Für mich war das kaum zu glauben, denn von unseren ethnomasochistisch geprägten Medien war mir doch immer eingetrichtert worden, daß deutsche Geschichte vor allem auf Hitler zu reduzieren sei und daß unser Volk für dessen Missetaten im Ausland ewiglich verachtet werde.

Diese Zeit war die vielleicht prägendste meines Lebens. Damals sind tolle Freundschaften entstanden, die teilweise lange Bestand hatten. Ich habe den linken Habitus noch eine ganze Weile äußerlich gepflegt, aber in der Retrospektive meine ich sagen zu können, dass mit meiner Rückkehr in die Heimat das lange Rückzugsgefecht aus dieser politischen Ideologie begonnen hat. Heute bin ich ein dezidiert national denkender Mensch, und das ist auch gut so.

Der Schüleraustausch war übrigens von einer Organisation ins Leben gerufen worden, die den Freimaurern nahesteht. Damals war mir natürlich nicht bewußt, was das zu bedeuten hat: daß man damit vermutlich die Eine-Welt-Ideologie in den Köpfen der teilnehmenden Jugendlichen verankern wollte und will. In diesem Sinne bin ich stolz darauf, daß der intensive Kontakt zu den Altersgenossen anderer Nationen bei mir das Gegenteil bewirkt hat - einen tiefen Respekt vor den Eigenheiten anderer Kulturen und eine strikte Ablehnung von Völkervermischungsphantasien.

Cacatum non est pictum
25. Oktober 2017 06:34

@Der_Jürgen

Hier spricht kein besorgter Mahner, sondern ein Chefideologe der Neuen Weltordnung, Jacques Attali, der seine erstaunliche Schaffenskraft seit Jahrzehnten einsetzt, um diese Vision zu verwirklichen. Unter anderem fordert er von Frankreich die Aufnahme von 93 Millionen Immigranten.

Heuchelei kann man Leuten wie Attali nicht vorwerfen. SIe schreiben ja schwarz auf weiss, was sie wollen. Aber wir glauben das Unfassbare nicht und ziehen es vor, "Verschwörungstheorien, Verschwörungstheorien" zu plärren, wenn uns ein Warner die Augen zu öffnen versucht.

Wenn es eine Hölle gibt, dann wird Attali nach seinem Tode genauso darin schmoren, wie es sein unlängst verstorbener Logenbruder Brzezinski nun tut. Mögen diese Leute für ihre schweren Sünden büßen ...

Monika L.
25. Oktober 2017 11:04

@Sven @Martin

1. Die katastrophale Merkelpolitik hat sicher einen großen Keil in die Familien getrieben.. Der Einzug der AfD in den Bundestag ist  ein Schritt Richtung Normalisierung. Wobei es eigentlich ein Unding ist, dass die junge Generation parlamentarisch kaum vertreten ist. Sie hat aber eine verfehlte Politik auszubaden.

2. Der zweite große Familienzerstörer ist die Globalisierung. Hänschen geht in die weite Welt hinein zwecks Erfahrungen. Er kehrt oft aber nicht mehr in die Heimat zurück:

https://www.google.de/search?q=faz+kinder+im+Ausland+aber+mutter+weinet+sehr&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de&client=safari

Die Auswirkungen sind überall zu sehen. Nur zwei Beispiele aus meiner Umgebung:

1. Die Tochter lebt in London, mit Mann und Kind, allerdings unverheiratet, der kleine Max ist auch nicht getauft. Die Eltern, bzw. Großeltern leben in einem schwäbischen Kaff.  Man skypt einmal die Woche. Die besorgte Oma:" Ob mich das Kind da am Bildschirm erkennt ? "

2. Nachbarin, 84 Jahre, Pflegefall, der Sohn ist Arzt, lebt aber 200 kam entfernt. Polnische Pflegekräfte wechseln sich alle 3 Monate ab. Die eine Polin, selbst Mutter und Oma skypt jeden Abend lautstark mit der Familie in Polen, was die alte bettlägerige Dame am Einschlafen hindert...usw.usw.

3. Die "Geflüchteten" dürfen ihre Familien nachholen, weil es schlimm ist, so alleine in der Fremde.

Mir würde zunächst eine Art geistiger, seelischer Familienzusammenführung ausreichen. Man hat ja ein Familienbild im Kopf, dass über die bunte happy ernstingsfamily der Konsumwelt hinausgeht. Aber immer mehr verschwindet. So erklört sich mir auch die Faszination durch eine Sympathische Familie in Schnellroda. Das nennt man wohl Vor- Bild. Wir wissen nicht, wie es da wirklich zugeht. Aber wir brauchen ein Vor-Bild, um überhaupt noch ein Bild zu bekommen.

4. die Identitären sind junge Menschen auf der Suche nach Bildern und Vorbildern. Aber auch verfremdet durch von klein auf erfahrene Multi-Kulti. Deutscher, Franzose, Italiener usw, ist auch noch mal was anderes  als deutscheridentitärer, französischer identitärer usw. Und ich bin sicher, Mama Sellner wünschte ihren Jungen lieber zuhause in Österreich beim Tanzen und Singen als auf Weltmeeren. ( Junge komm bald wieder):))

Zum Schluß: Vielleicht gibt es ja einen jungen Rechten, der mal vom Leben mit seinen linken Eltern berichtet ? Oder treiben die sich alle auf twitter und instagramm oder sonstigen Scheinorten rum?

Fritz
25. Oktober 2017 11:24

Es herrscht weithin die Auffassung vor, jeder Mensch sei allen anderen moralisch verpflichtet, und zwar allen in gleicher Weise. Ein armer Bangladeshi, den ich nicht kenne und mit dem ich nichts gemein habe, hat den gleichen Anspruch auf meine Hilfe wie meine Eltern oder Kinder oder Landsleute. Und dieser Anspruch gilt nur in eine Richtung, auch unabhängig davon, wie sich die anderen verhalten. Die in der Spieltheorie als erfolgreichste Strategie im Umgang mit Menschen erkannte "Tit for Tat"-Strategie, nach der man prinzipiell kooperativ ist und weiter kooperiert, wenn der andere dies auch tut (und die Kooperation abbricht, wenn er nicht kooperiert), wird außer Kraft gesetzt. Und auch das christliche Gebot, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, nicht bis zur Selbstaufgabe, gilt nicht mehr.

Eigentlich logisch, dass ein solches Verhalten nur zur Selbstzerstörung führen kann; mir völlig unverständlich, wie man das nicht sehen kann. Es sagt ja nie jemand, wieviele Flüchtlinge man maximal aufnehmen will, oder warum man nur die aufnimmt, die es bis nach Deutschland schaffen und sich über die anderen keine Gedanken macht, oder warum man das Asylrecht unverändert beibehält, das es sieben Milliarden Menschen ermöglicht, Asyl in Deutschland zu suchen und das gesamte juristische Verfahren in Anspruch zu nehmen.

Stil-Blüte
25. Oktober 2017 19:17

@ Cocatum non est pictum

Diese Weltläufigkeit in jungen Jahren reicht weit zurück. Die allermeisten großen Geister haben das 'Weite gesucht', um angereichert zurückzukehren. Manche sind versandet, manche in der Ferne geblieben. Aber viele sind in ihre Hemat bereichert zurückgekehrt. Die höheren Chargen haben sich immer schon ausgedehnt und sind keine 'Dorftrottel' geblieben. 

@ Monika L.

Sie sind eine Perle!! Wie Sie diese einfachen menschlichen Regungen so gut formulieren können.  Was muss man heutzutage nicht für einen Aufwand betreiben, um die Familie mal wieder zusammen zu bekommen! Aber der Prozess hat schn lange vor '45 begonnen. In alten Filmen und Biografien ist das abseh- und -lesbar.   

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