Sezession
23. Oktober 2017

Blinde Flecken? Antwort auf Ijoma Mangold

Martin Lichtmesz / 12 Kommentare

Ijoma Mangold hat in der ZEIT unser Buch "Mit Linken leben" besprochen und mit seinem ungleichen Buchmessenzwilling "Mit Rechten reden" verglichen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Dabei ist ersteres, ich wiederhole es zigmal, keine "Reaktion" auf letzteres, wie Mangold behauptet, sondern hat eine völlig unabhängige Genese.

Er attestiert Sommerfeld und mir "einen scharfen Blick für die blinden Flecken der linksliberalen Öffentlichkeit", meint aber, daß auch unser Buch viele dieser blinden Flecken habe. Er nennt zwei davon, und ich möchte im folgenden darauf antworten.

Mangold schreibt:

Dass Sommerfeld und Lichtmesz allerdings allen, die ihre Positionen zurückweisen und bekämpfen, das Etikett "links" anhängen, ist der Punkt, an dem sie es sich am entschiedensten zu einfach machen.

Das ist in dieser Form schlichtweg unzutreffend und wirft die Frage auf, wie sorgfältig Mangold denn unser Buch tatsächlich gelesen hat. Er bringt hier einen Einwand, den wir von Anfang an vorausgesehen und berücksichtigt haben.

In der Tat muß er hier mit einem Handschlag das komplette erste Kapitel überblättert haben, in dem wir uns ausführlich der Frage widmen, wer nun "die Linken" und die "Rechten" eigentlich seien, worauf wir nicht nur eine, sondern – je nach Perspektive oder Kontext – mehrere Antworten geben.

Unter anderem betonen wir, daß niemand gänzlich "links" oder "rechts" sei, daß wir alle mehr oder weniger eine "mixed economy" von Überzeugungen und Interessen sind.

Wir haben die These aufgestellt, daß die Bruchlinie der "Polarisierung" weniger zwischen "Rechten" und "Linken" als zwischen "Realisten" und "Utopisten" verläuft; hinzu kommen die Punkte "Vertrauen/Mißtrauen" in die Massenmedien und politischen Eliten sowie die Präferenz des Nationalstaats oder anderer "identitärer" politischer Einheiten gegenüber supranationalen Strukturen, dem Globalismus und dem damit eng verbundenen Multikulturalismus.

Vor allem beschreiben wir "die Linke" als ein Syndrom aus Vorstellungen, Sentiments und Begriffen, das in unserer Gesellschaft selbst die Köpfe und die Sprache (nicht immer das Leben und konkrete Verhalten) jener bestimmt, die sich selbst nicht als bewußt als "links" verorten.

Armin Nassehi schrieb: "Links oder wenigstens linksliberal zu sein, ist durchaus erwartbar – womöglich gar ein Normalfall des Argumentierens". Unser Buch könnte also auch heißen: "Leben mit der linken Ideologie", die wir im wesentlichen mit dem identifizieren, was Rolf Peter Sieferle als „humanitären Universalismus“ bezeichnete.

Wir schreiben dazu unter anderem:

Alle Welt argumentiert heute links oder linksliberal; dies ist der »Normalfall«. Wie oft sind uns Leute begegnet, die sich für mittig hielten und de facto knall-linke Überzeugungen vorbrachten! Darunter manche, die es allen Ernstes für abwegig hielten, die ZEIT als »linkes« Blatt zu bezeichnen.

Wenn sich etwa der scharf »gegen Rechts« engagierte Jurist Maximilian Steinbeis herausnimmt, zu sagen: »Wen ich für rechtsradikal halte, den darf ich auch rechtsradikal nennen« (verfassungsblog.de, 13. November 2012), dann sind wir so frei, den Spieß umzudrehen: »Links« ist für uns dann einfach jemand, der wie ein Linker redet, denkt, argumentiert, handelt, egal, wie er sich selbst bezeichnen mag.

Links ist, »Binnen-I«s zu benutzen, egal ob sich diese ideologische Sprachvergewaltigung bis ins hinterletzte Provinznest durchgesetzt hat. Links ist die Parteinahme für die »Homo-Ehe«, egal was für sexualmoralische Ansichten man sonst noch hegt. Links argumentiert jeder, der Deutschland für ein Einwanderungsland hält und den Multikulturalismus unterstützt– egal, ob er nun Mitglied der Grünen oder der CDU ist.

Zwar sprechen wir von "Linken" aus Gründen der Griffigkeit oft verknappt und polemisch, aber unser Begriff der Linken ist durchaus ein analytischer. Vereinfacht gesagt: Daß wir, die Autoren, Rechte sind, ist allen klar, und wir machen es der "linksliberalen Öffentlichkeit" auch einfach, weil wir uns selbst so nennen (obwohl wir uns darunter oft etwas anderes vorstellen als diese Öffentlichkeit).

Aber daß Millionen von Menschen, die sich für sonstwas halten, de facto linken Denkmustern, Klischees, Deutungsrahmen, Prämissen, Reflexen folgen, das muß man erst herausarbeiten, und das haben wir versucht. Wir zeigen auf, was genau die Denkmuster/Dispositive der Macht/Ideologeme sind, die für ein bestimmtes Denken, Sprechen und Handeln wesentlich sind (z.B. eben Gleichheit, Utopismus, Radikaluniversalismus, "Antifaschismus", NS-Fixierung, Vertrauen in die Massenmedien, Globalismus).

Und diese nennen wir "links", nicht nur aufgrund einer ideengeschichtlichen Herleitung, sondern weil sie oppositionell (binärer Code) zu unseren genau gegenteiligen Denkmustern usw. sind. Das hat notabene auch damit zu tun, daß wir auf der anderen Seite den Begriff "rechts" (positiv) erweitern und ihm dieselbe Spannweite geben wollen, wie sie heute dem Begriff "links" zugedacht wird.

Es verhält sich eben nicht so, wie Mangold unterstellt: daß wir die Welt in Freund und Feind einteilen, ohne das große und vielfältige Mittelfeld und all die anderen Positionen quer dazu (z.B. Liberale, Libertäre, Querfrontler, Linksnationalisten, Unpolitische) erkennen zu können.

Es gibt aber, wenn man so analysiert wie wir, in der heutigen politischen Welt allenthalben (also eben auch in diesem "Mittelfeld" und den vielen Liberalismusspielarten) deutlich erkennbare und dominante Elemente von linker Ideologie. Auch westlich-kulturelle Werte wie »Egalitarismus, Grundrechte, Sozialstaat«  (Slavoj Žižek) oder die Ideologie der Menschenrechte
sind vorwiegend linker Herkunft (und wir lehnen wohlgemerkt nicht pauschal alles ab, was von "links" kommt, sondern akzeptieren vieles davon als legitim).

Dadurch hat die Linke innerhalb unseres politischen Wert- und Koordinatensystems einen starken Feldvorteil. (Heute erleben wir jedoch, wie sich der Universalismus dieser Werte in ungebundener und radikalisierter Form gegen den Westen selbst wendet und seine Substanz aufzehrt.)

Linke z.B. wollen keine Globalisten sein, und Globalisten keine Linken – aber sie sind es nun mal und ziehen an ein und demselben Strang (S. 71–74)! Und da liegt das Ärgerliche, vielleicht Provozierende, aber durchaus Präzise, unserer Idee.

Wir stellen außerdem fest, daß die Begriffe "links" und "rechts" im herrschenden Diskurs nicht paritätisch verwendet werden, sondern meistens in einer wertenden/abwertenden Weise. Was "rechts" ist, wird im herrschenden Diskurs nicht von den Rechten (also jenen, die sich auch selbst so nennen) selbst definiert, sondern in der Regel von weit links.

Auch eher bürgerlich-liberale Intellektuelle wie Mangold übernehmen häufig blind und unbesehen, was ihnen von interessierter linksextremer Seite vorgekaut wird (wie ich hier dargestellt habe; ein Übermaß an moralisierender politischer Korrektheit ging allerdings auch ihm auf den Keks).

Das Wort "rechts" wird als Stigma oder Bannwort verwendet, sobald man bestimmte Meinungen vertritt, Sprachregelungen verletzt oder auch nur Teile des dominanten linksliberal-globalistischen Narrativs in Frage stellt. Die "politische Korrektheit" als Bannzone und Herrschaftsinstrument existiert realiter mit oft erheblichen Folgen für alle, die gegen sie verstoßen; sie entstammt allerdings der linken Ideologiekiste, und man muß sich fragen, warum gerade sie so eine Macht in unserer Gesellschaft erlangt hat.

"Rechte" (oder gar "Nazis") werden von ihr am laufenden Band per Fremddefinition erzeugt, was eine knallharte Machtfrage ist: Wer "rechts" genannt wird, soll moralisch diskreditiert und in letzter Instanz vom Diskurs ausgeschlossen werden.

Auf den Seiten 47–50 unseres Buches haben wir einen ausführlichen Katalog von Positionen angelegt, die heute als »rechts« gelten, die mithin auch dann so eingeordnet werden, wenn diejenigen, die sie vertreten, sich selbst durchaus nicht als Rechte sehen.

Es geht hier also keineswegs um das Sonderinteresse von, sagen wir, "Neuen Rechten" im Verhältnis zu ihren Gegnern, sondern um einen viel fundamentaleren Dissens um die Wirklichkeit und Zukunft unserer Nationen, ja letzten Endes der gesamten westlichen Zivilisation überhaupt.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (12)

Wahrheitssucher
23. Oktober 2017 15:09

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

Sie bezeichnen ihr hervorragendes Werk als "unser einsames rechtes Gegenbuch". In diesem Zusammenhang sei auf den verstorbenen Norbert Borrmann verwiesen: "Warum Rechts? Vom Wagnis rechts zu sein. Eine Streitschrift".

ML: Ja, wir erwähnen es in MLL bei unseren Literaturverweisen.

Monika L.
23. Oktober 2017 15:54

Zu den blinden Flecken. Mely Kiyak hat ja bereits erwähnt, dass es zwar " Befürworter einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Rechten gibt", dass es aber " wenige Personen gibt, die kenntnisreich mit den Chefdenkern der Neuen Rechten reden können." Da gibt es sicher einen großen Nachhilfebedarf !

Was aber ist mit den rechten Denkern, die vermeinen, bei rechten Denken blinde Flecke zu entdecken ? Konkrekt, ich habe Probleme, wenn negativ von der "Menschenrechtsideologie" gesprochen wird. Warum ? Weil für die Dissidenten des damaligen Ostblocks die Berufung auf die Menschenrechte ein zentrales Argument im Kampf gegen ein totalitäres System war. Hier fehlt mir die Rezeption. Auf linker und auf rechter Seite. Vaclav Havel schreibt in seinem Buch ' Versuch in der Wahrheit zu leben': " Die historische Erfahrung lehrt uns, dass in der Regel nur jener Ausweg für den Menschen wirklich sinnvoll ist, der ein Element einer gewissen Universalität enthält, der also nicht nur einen partiellen, nur einer bestimmten Gruppe zugänglichen und auf andere nicht übertragbaren Ausweg bildet..."

Konkret: Worin könnte zum Beispiel die Universalierbarkeit einer Idee wie des Ethnopluralismus bestehen ? Die es durchaus gibt. Es sei denn, man hielte Universalismen generell für eine europäische Idee.

In einem Aufsatz von 1987 ( !) setzt sich der polnische Philosoph Leszek Kolakowsky ( Der Götzendienst der Politik) mit diesem Problem auseinander. Er schreibt etwa:" Wenn wir unsere Großzügigkeit in der Anerkennung kultureller Vielfalt so weit ausdehnen, dass sie alle Normen von Gut und Böse einschließt, wenn wie zum Beispiel behaupten, dass die Idee der Menschenrechte ein europäischer Begriff sei - ungeeignet und unverständlich für Gesellschaften mit anderen Traditionen - , wollen wir dann darauf hinaus, dass es Amerikanern stark mißfalle, gefoltert und in ein Konzentrationslager verfrachtet zu werden, während es Vietnamesen, Iranern und Albanern nichts ausmache oder ihnen sogar gefalle ? .....Oder, um es ganz vereinfacht auszudrücken: sollen wir erklären, daß der Unterschied zwischen einem Vegetarier und einem Kannibalen nur eine Geschmackssache sei ?" Es gibt " Realien", die einen ethischen Universalismus begründen. Die Umsetzung in eine konkrete Politik stellt sich im Zeitalter weltweiter Wanderunsströme und Masseneinwanderung ( heftiger Kulturzusammenprall) natürlich unter völlig neuen Prämissen. Hier geht es vor allen um Gerechtigkeit.  Wer und was darüber entscheidet, wer ins Wohlstandsparadies hineindarf. Und ob es sich überhaupt um das Paradies handelt. 

Starhemberg
23. Oktober 2017 15:56

Bester Wahrheitssucher, vielen Dank für Ihre Erinnerung an das hervorragende Buch des leider viel zu früh verstorbenene Bormann! Siehe dazu auch den Kommentar von Manfred Kleine-Hartlage vom 27. 2. 2012 hier auf dieser Seite.

Aber wie auch immer - jedes gelungene Buch über unsere Gedankenwelt ist zu begrüssen....

Wahrheitssucher
23. Oktober 2017 16:40

@ Monika L.

Zu den "Menschenrechten":

Kann es sein, daß das Problem darin besteht, daß sie letztlich nicht einklagbar sind? Vor wem oder was? Und von daher zur Durchsetzung ganz anderer Interessen postuliert werden? Nicht von ungefähr heißt es in der Rechtssprechung: "Im Namen des Volkes..." Also: Wo kein Volk, da keine Möglichkeit zur Durchsetzung dieser Rechte?

Dazu Zitat Raskalnikow: "Kein Mensch wird frei geboren! Allein aus der Geburt folgen keine Rechte! Alles, was wir sind, kommt aus der Gnade. Wir sind also nicht mehr, aber auch nicht weniger als Teil der Perseität (will heißen: das Durch-sich-selbst sein, das nur von sich abhängt) des Ganzen.  (Aus: "Mit Linken leben, Unser Tugendkatalog, Punkt 1,  S. 318)

Der_Jürgen
23. Oktober 2017 16:47

@Monika L.

Sie schneiden eine kapitale Frage an, auf die ich ebenso wenig eine befriedigende Antwort finde wie viele andere, nämlich die, ob es objektive Kriterien zur Beurteilung kulturspezifischer Bräuche gibt und ob die "Menschenrechte" ein ideologisches Konstrukt europäischer Aufklärer sind.

Haben die Hindus ein Recht, ihre Witwen zu verbrennen? Alexander Dugin als radikaler Relativist bejaht die Frage in seinem Buch "Internationale Beziehungen" ausdrücklich. Vermutlich würde auch Alain de Benoist sie mit ja beantworten. Haben die Afrikaner das Recht, ihre Mädchen der bestialischen Prozedur der Beschneidung auszusetzen? Dürfen die Mauretanier, bei denen heute noch ca. 20% der Bevölkerung Sklaven sind,, an der Sklaverei festhalten; ist jede Kritik an dieser eine eurozentrische Einmischung?

Bei aller Einsicht in die Unmöglichkeit, Kulturen objektiv zu werten (ein Wertender legt zwangsläufig die Massstäbe seiner eigenen Kultur an, die natürlich subjektiv sind) kann ich diese Fragen nicht bejahen. Mein Herz sträubt sich ebenso hiergegen wie mein Verstand. 

Insofern habe ich genau wie SIe Probleme mit dem pauschal herablassenden Begriff der "Menschenrechtsideologie". Doch unter "Menschenrechten" verstehen die Liberalen und Linken ja nicht, oder nicht in erster Linie, den Schutz indischer Witwen vor Verbrennung oder afrikanischer Mädchen vor Beschneidung oder mauretanischer Schwarzer vor Versklavung, sondern den Verzicht der weissen Menschheit auf die Wahrung ihrer EIgenart, ja ihrer Existenz. Unter "Menschenrechten" verstehen sie das Recht des aussereuropäischen Immigranten, sich bei uns niederzulassen, von uns durchgefüttert zu werden und selbst dann nicht abgeschoben zu werden, wenn er mit Drogen dealt.

Nicht zu den Menschenrechten gehören für die Liberalen und Linken beispielsweise das Recht unserer eigenen Völker auf SIcherheit und Geborgenhei oder das Recht unserer Kinder, in Schulen zu gehen, wo man vernünftig unterrichten kann, weil jeder Schüler und jede Schülerin die Unterrichtssprache versteht.

Es dreht sich also alles um die Frage, wie man die "Menschenrechte" definiert. Und hier gibt es keine Brücke zwischen uns und unseren Gegnern

Jedenfalls kann es, wie Sie richtig festhalten, nichts schaden, wenn wir unsere Überzeugungen gelegentlich kritisch überprüfen und nach Schwachstellen abklopfen. Auch der von mir hoch geschätzte Raskolnikow, der so gerne über die Menschenrechtsodeologie spöttelt, wäre, geriete er im Donbass in ukrainische Gefangenschaft, sicherlich heilfroh, wenn er nach der Genfer Konvention behandelt würde und seine Wächter davon Abstand nähmen, ihm die Knochen zu brechen oder ihn verhungern zu lassen.

Hartwig aus LG8
23. Oktober 2017 16:51

Alles, was sich gegeneinander aufbringen lässt, sperren Marxisten am liebsten eng zusammen und treiben es gegeneinander. Klassen, Rassen, Geschlechter, Religionen. Eine entsprechende, auf jedenfall "triggernde" Antwort der Rechten könnte heißen: "Mehr Apartheid wagen".

Wenn Sie mich fragen, so sollten wir versuchen, viele der verbrannten Begriffe zu reaktivieren, durchaus neu und mit etwas Ironie und Witz. Vielleicht gibt es das ja schon in Ihrem Buch, was ich bislang noch nicht gelesen habe.

RMH
23. Oktober 2017 17:57

Wenn man die ganze Entwicklung sich jetzt schon ein paar Jahre angeschaut hat, denn stellt man für sich selber fest, dass alles, was von den sog. Quality Papers (oder auch MSM) oberflächlich abgebügelt wird, vermutlich höchst interessant sein muss, da es eben zum einen ausnahmsweise einmal nicht totgeschwiegen wurde und zum anderen eben pflichtgemäß vom Lohnschreiber abgebügelt wurde. Ebenso erkennt man dann mit der Zeit auch die entsprechenden Autoren und Verlage und wird damit inspiriert, sich näher mit diesen und den entsprechenden Programmen zu befassen.

Das ist übrigens auch so eine Regel, wie man mit "Linken" lebt. Vermutlich findet sich sinngemäßes in dem Buch, welches ich noch nicht lesen konnte. Zusammengefasst daher: Die Zeit liefert Erwartbares und die für den ernsthaft alternativen Leser wichtigen Gütekriterien wie Durchbrechung des Totschweigebanns mit anschließendem oberflächlichen Abbügeln des Werkes wurden erfüllt = Kaufempfehlung!

Peter Schmitz
23. Oktober 2017 18:33

Ich würde die Frage nach der ethischen Beurteilung fremder Kulturen folgendermaßen beantworten:

Die Menschheit teilt sich in viele verschiedene Rassen und Völker, die alle ihre eigene Entstehungsgeschichte haben. Daraus ergibt sich eine Verschiedenheit an Mentalitäten, Weltanschauungen und traditionellen Problemlösungsstrategien, in Verbindung mit volkspsychologischen und volkscharakterlichen Eigenarten, die sich entsprechend in der Lebensweise bemerkbar machen. So sind manche Völker korrupter als andere, manche grausamer, alle haben unterschiedliche kriminelle Energie und sind unterschiedlich leistungsfähig (auf allen vorhandenen Gebieten).

Ich denke, was das Treiben auf diesem Erdball angeht, steht hier jedem nur eine beobachtende Position zu. Werten und regulieren muß und kann jedes Volk nur im eigenen Territorium. Alles andere ist schon aufgrund der mangelnden Machbarkeit müßig. Wir wären sehr viel weiter, wenn wir akzeptieren würden, daß alle ihre eigenen Maßstäbe haben und wir da mittendrin unser eigenes - Lebensraum wie Lebensweise - verteidigen müssen.

Hier bei uns zählen unsere Maßstäbe, zuhause soll jeder auf seine Weise unglücklich sein. Wir können die Welt nicht retten, nicht einmal verbessern. Wir können nicht einmal wissen, ob unsere Sichtweise die "korrekte" ist. Wir können im besten Falle über uns selbst bestimmen und uns selbst behaupten.

Gegenwärtig läuft aber das genaue Gegenteil: Wir wollen alle anderen überall auf der Welt zum Guten erziehen (oder tun wenigstens so) und lassen im eigenen Erdenwinkel jeden tun und lassen was er will. Gesunde Bescheidenheit bei gesundem Selbstbewußtsein ist hier wohl der Schlüssel.

Coriolan
23. Oktober 2017 18:46

@Wahrheitssucher

"Kann es sein, daß das Problem darin besteht, daß sie letztlich nicht einklagbar sind? Vor wem oder was?

Und von daher zur Durchsetzung ganz anderer Interessen postuliert werden?"

Dazu kann es unter Vernunftbegabten keine zwei Meinungen geben. Die Genese der Menschenrechte ist zu verräterisch. Immerhin wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von Eleanor Roosevelt verkündet. 

@Monika L.

Ganz einfach formuliert: Die Menschenrechte sind ein Herrschaftsinstrument, um Kriegsverbrechen und Militarismus legitim erscheinen zu lassen.

Exempel:

Die Serben begehen im jugoslawischen Bürgerkrieg angeblich "Menschenrechtsverletzungen". In der BRD will die Regierungspartei Bündnis90/Die Grünen die "Menschenrechte" geachtet sehen, und stimmt für den Krieg, um die "Menschenrechtsverletzer" und ihre Unterstützer mit Bomben in die Luft zu sprengen.

"Konkrekt, ich habe Probleme, wenn negativ von der "Menschenrechtsideologie" gesprochen wird. Warum ? Weil für die Dissidenten des damaligen Ostblocks die Berufung auf die Menschenrechte ein zentrales Argument im Kampf gegen ein totalitäres System war."

Betrachtet man dieses Argument im rechten Licht, stärkt es nur jene, die Teufelswerk in den Menschenrechten erkennen. Dissidenten, die sich gegenüber totalitären Regimen auf Menschenrechte berufen, genießen dadurch keinen besonderen Schutz, im Zweifel erfahren sie noch mehr Unterdrückung.

Meine Anregung wäre es, endlich komplett von der englisch-amerikanischen Denkweise wegzukommen, und sich entweder genauer mit den Ursprüngen der Menschenrechte zu beschäftigen, oder aber besser noch mit einem Rechtswesen, das diesen Namen verdient.

*Aequat omnes cinis. Impares nascimur, pares morimur!* (Seneca)

GeS
23. Oktober 2017 19:05

Tatsächlich ist "linkes" Denken etwas historisch Neues. Es ist mir ein Rätsel, wie man auf die Idee kommen kann, dass "rechtes Denken ein linkes Feindbild braucht". Es ist wohl eher genau anders herum. Die Grundlage alles rechten Denkens kann problemlos schon der Ilias entnommen werden. Dafür braucht man keinen Marx, geschweige denn Maas. Die Linke hingegen ist historisch als "Anti-Bewegung" geboren. Als Kräfte der unbedingten Progression geht es ihr ja gerade um die Überwindung des Bestehenden. Allerdings bedeutet das, dass das "Links-Liberale" des Mainstreams nichts mit "Links" zu tun hat. Das was wir heutzutage erleben müssen, ist wohl eher die Verbindung von Feigheit und Mittelmäßigkeit mit geistiger Bequemlichkeit und Entscheidungsschwäche. Die meisten Leute, die heute dem Mainstream im "Kampf gegen Rechts" folgen, tun dies schlicht aus Herdentrieb und ohne jegliche Reflektion. Dies macht doch den Reiz der "Neuen Rechten" aus. Für eigenständige Denker, "rebellische Herzen und Rebellen aus Treue". Die auf der richtigen Seite stehen wollen, auch wenn dies nicht die Gewinnerseite sein sollte. Ich habe in letzter Zeit den Eindruck, dass dies viele linke Intellektuelle auch fühlen und dass dies eine der Gründe ist, weshalb sie sich insbesondere an "Schnellroda" und der "IB" abkämpfen. Und nicht an den ja durchaus auch noch vorhandenen "wirklichen" Nazis.  

Karlemann
24. Oktober 2017 01:00

Mangold schreibt: "Dass Sommerfeld und Lichtmesz allerdings allen, die ihre Positionen zurückweisen und bekämpfen, das Etikett "links" anhängen, ist der Punkt, an dem sie es sich am entschiedensten zu einfach machen."

Das ist in dieser Form schlichtweg unzutreffend[..]

-> Keine Argumente & Selbsthysterisierung. Es zeigt sich: Die realitätsfernen Linken in ihren hermetisch abgeschlossenen Gruppen kreisen nur noch erotischtisch um sich selber, und landen unvermeidlich im solipsistischen Nirwana.

Monika L.
24. Oktober 2017 10:34

Die geistige (die reale sowieso) Herausforderung besteht darin, wie Gleichheit und Gerechtigkeit zu vereinbaren sind. Und ob sie überhaupt zu vereinbaren sind. Auf dieser Erde.

"Wir sind alle Migranten", meint Mohsin Hamid, der Verfasser  des Buches " Exit West". Es ist so etwas wie der Anti-Raspail. Und genauso beklemmend.

https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-sind-alle-migranten-ld.1323576

Wir sind alle Migranten, aber: Es gibt privilegierte Migranten, die mit Yacht und Jetski den Ausgang West suchen und andere,, die sich beschweren , dass die verschiedenen Gruppen verschieden behandelt werden. Es gibt z.B. auch Syrer in Salzgitter, denen es zu viel wird mit den eigenen Landsleuten im Exil West. Weil es dann eben kein Exit mehr ist.

Das erinnert mich an den alten Witz zur Apartheid: In einem Bus in Südafrika stritten sich schwarze und weiße Kinder darum, wer wo sitzen darf. Genervt schickt der Busfahrer alle Kinder vor die Tür und sagt: Ruhe, ihr stellt euch jetzt vor, daß ihr alle grün seid. Und jetzt einsteigen. Die Dunkelgrünen nach hinten, die hellgrünen nach vorne". Will heißen: In der Praxis ist Gleichheit nicht einfach zu realisieren. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass wir alle bunt sind. Es gibt immer noch schöne Bunte und weniger schöne Bunte.

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