Sezession
22. Oktober 2017

Sonntagsheld (34) – Presente!

Till-Lucas Wessels / 6 Kommentare

Eigentlich sollen sich Sonntagshelden nicht wiederholen. Aber eigentlich sollen Kriegshelden, die nach drei Jahren Belagerung den Sieg errungen haben, auch nicht kurz danach von einer Landmine zerfetzt werden. Weil das eine aber passiert ist, kann das andere nicht ausbleiben.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Brigadegeneral Issam Zahreddine war 56 Jahre alt, als er im Rahmen einer Sonderoperation der syrischen Armee nahe Deir-ez-Zor getötet wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er – neben Kämpfen in Damaskus und Homs – vor allem die dreijährige Belagerung der Stadt Deir-ez-Zor im Osten Syriens hinter sich, die erst im September mit der Befreiung durch die Regierungstruppen endete. Daß der IS in Deir-ez-Zor letzten Endes eine so bittere Niederlage erfahren hat, ist maßgeblich – ich habe es hier ausführlicher dargelegt – Zahreddine zu verdanken.

Nun hat den Löwen das Schicksal des Kriegers ereilt. Was bleibt, ist eine große Lücke im Befehlsstab von Bashar al-Assad und unzählige Legenden, die sich um den Mann mit dem Schnauzbart ranken. Schon jetzt tauchen im Netz allerhand Sinnsprüche und Zitate des Generals auf, die im Nachhinein fast wie Prophezeiungen wirken:

Wer nicht durch das Schwert stirbt, stirbt auf eine andere Weisen. Es gibt verschiedene Arten zu sterben, aber der Tod bleibt der gleiche. [...] Fürchtet den Tod nicht, jagt dem Tod nach, und er wird vor euch fliehen, flieht vor dem Tod, und er wird euch jagen.

Die Jagd nach dem Tod, sie scheint die Lebensphilosophie Zahreddines gewesen zu sein, der Angehöriger der kleinen Religionsgemeinschaft der Drusen war.

Dazu: immer ein Lachen auf den Lippen, sei es wenn er einen religiösen Führer der Drusen, der behauptete, daß er gegen sein eigenens Volk kämpfe, als "Bastard" bezeichnete, oder wenn er nach langer Abwesenheit seine Heimatstadt besuchte.

Es war das Lachen der "Drusischen Bestie" – so nannten ihn seine Feinde –, das seine Männer in den schwersten Stunden der Belagerung zusammenhielt und sie bis zum Sieg begleitete.

Hör' nicht auf das, was die anderen sagen. Denn am Anfang, als du geboren wurdest, hast du geweint, und alle standen um dich herum und haben gelacht. Also stirb lachend, und sie werden um dich herumstehen und weinen.

So zitierte Zahrredine den Imam Ali in dem Video, mit dem ich das letzte Mal meinen Sonntagsheld geschlossen habe.

Seine Philosophie scheint Zahrredine weitergegeben zu haben: Auf seiner Beerdigung in seiner Heimatstadt, die von Tausenden besucht wurde, sagte sein Sohn Yaroub, der selbst in der syrischen Armee kämpft:

Wir akzeptieren keine Kondolenzbekundungen. Nur Glückwünsche.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (6)

TPWMR
22. Oktober 2017 12:23

Ein gutes Leben.

Starhemberg
22. Oktober 2017 14:41

"Sei fröhlich und frei, wenn du willst.

Sei bescheiden und ruhig, wenn du kannst.

Sei tapfer und stark, wenn du musst."

Beeindruckend. Ehre und Respekt diesem Mann und Kämpfer. Die Seinen werden ihn niemals vergessen.

 

Neander vom Thal
22. Oktober 2017 16:21

 Für diesen orientalischen General ist selbst in Walhall ein Platz. Ich hoffe, die Miene ließ ihm genug Zeit, um den Tod auszulachen.

Coriolan
22. Oktober 2017 17:05

Wir beherbergen in der BRD noch immer unzählige Syrer, denen anzuraten wäre, schnellstmöglich und dauerhaft in ihre Heimat zurückzukehren. Die Gunst der Stunde könnte man Nutzen, um den Angehörigen und Kämpfern von General Zahrredine zu kondolieren, und dem Märtyrer seine Aufwartung zu machen.

Der_Jürgen
23. Oktober 2017 01:43

Friede seiner Asche. Sein Opfertod wird nicht umsonst sein.

Nur Ali Qalandar
23. Oktober 2017 02:16

Innaa lillahi wa innaa ilaihi raji'un.

( Siehe, von Gott kommen wir und zu ihm kehren wir zurück. )

Habe wiederum erst hier davon erfahren. Auch, daß er Druse war, wußte ich nicht. (Sicherlich eine der seltsamsten und mysteriösesten unter den der Schia entsprungenen Kleinsekten im Vorderen Orient)

Möge Gott ihn in Frieden und Vergebung aufnehmen und ihm die Gesellschaft und Fürsprache Imam Alis gewähren, dessen berühmte Worte hier dankenswerterweise noch einmal zitiert wurden.

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