Nazis, französische Moral und ein bißchen jüdischer Humor

Über die Tumulte um den Verlag Antaios schrieb Carsten Drees:

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

Es ist schon fast eine iro­ni­sche Fuß­no­te, dass das meist geteil­te Bild zu die­sen Vor­fäl­len einen glatz­köp­fi­gen Mann zeigt, der in der Bericht­erstat­tung zumeist als einer die­ser üblen Nazis wahr­ge­nom­men wur­de, tat­säch­lich aber auf der Sei­te der Anti­fa steht und somit zu den lin­ken Demons­tran­ten gehört.

Irri­tiert zeigt sich auch Alex Rüh­le in der Süd­deut­schen Zei­tung, weil „sich zwei ver­fein­de­te Grup­pen mit genau den­sel­ben Wor­ten, in ein und dem­sel­ben Rhyth­mus, anschreien:

Der bun­te Hau­fen der Lin­ken und die stramm rech­ten Iden­ti­tä­ren, sie skan­die­ren im Hass ver­eint auf­ein­an­der ein: „Nazis raus! Nazis raus!”

Auch in Leip­zig wur­den eine Woche spä­ter Lin­ke als “Nazis” wahr­ge­nom­men – und von ande­ren Lin­ken verprügelt.

Haß ist nun die stärks­te Form von Abnei­gung und zeigt vor allem eines: eine ungu­te Abhän­gig­keit. Die Rech­te ist abhän­gig von der Lin­ken und umge­kehrt. Die nicht nur die Lin­ken irri­tie­ren­de Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen lechts und rinks wur­de für mich auf die­ser Buch­mes­se zum Sato­ri-Erleb­nis. Ich stand wäh­rend des laut­star­ken Gesche­hens im „Forum Wis­sen­schaft und Bil­dung“ als stil­ler Beob­ach­ter am Ran­de; zwecks Außen­wahr­neh­mung und weil schril­le Wei­ber­schreie mei­nen Ohren wehtaten.

Ein tiefen­ent­spann­ter Dau­er­läch­ler namens Dirk am Saha­ja-Yoga-Stand um die Ecke amü­sier­te sich über den Tumult und emp­fahl mir zur Ent­span­nung Medi­ta­ti­on. Er wür­de sich erst weh­ren, wenn er „eines in die Fres­se“ bekä­me, ant­wor­te­te er auf mei­ne Fra­ge, war­um er so ruhig sei und ob ihn die­se aggres­si­ve Ver­an­stal­tung nicht auf­re­gen wür­de. Im übri­gen wür­den sich die ver­schie­de­nen Pole ergän­zen, so wie Yin und Yang, sin­nier­te er weiter.

Bekann­ter­ma­ßen ist Yin und Yang das Kon­zept der Dua­li­tät, das gemein­sam ein Gan­zes formt: Sozu­sa­gen die Ver­bin­dung des hel­len mit dem dunk­len Deutsch­land. Daß die­se Ver­bin­dung irgend­wie nicht zustan­de kam, schmerz­te schon.

Das wur­de mir noch kla­rer, als ein attrak­ti­ves Moslem­pär­chen voll Hei­ter­keit das Gebrüll kom­men­tier­te. Ich hör­te nicht, was die bei­den sag­ten. Aber pein­lich war mir das Gan­ze schon.

Daß da Men­schen, die „im sel­ben Land leben, die­sel­be Spra­che spre­chen, die­sel­be Her­kunft haben, die­sel­ben Zei­tun­gen lesen, die­sel­ben Din­ge kon­su­mie­ren, ihre Kin­der auf die­sel­ben Schu­len schi­cken, ein his­to­ri­sches Schick­sal tei­len“ (Licht­mesz und Som­mer­feld im Vor­wort zu Mit Lin­ken leben) sich so unver­söhn­lich und zer­ris­sen gegen­über­ste­hen, das tut weh.

Die Uner­bitt­lich­keit rührt m.E. vom letzt­ge­nann­ten Punkt der Auf­zäh­lung her: Die „Bio­deut­schen“, oder „die, die schon län­ger hier leben“, tei­len ein his­to­ri­sches Schick­sal. Alle, die die­ses Schick­sal tei­len, sind Nazis. Rech­te wie lin­ke Deut­sche. Sie wird ver­schwin­den, je weni­ger aut­chtho­ne Deut­sche es geben wird. Der Rap­per Bushi­do soll gesagt haben, daß er aus dem Grund der ewi­gen Ankla­ge gegen die Deut­schen und deren Dau­er­schuld wohl AfD-Wäh­ler wür­de, wäre er ein gebür­ti­ger Deutscher.

Natür­lich sind die meis­ten rech­ten oder lin­ken Deut­schen kei­ne Nazis. Aber bei­de zusam­men sind der ewi­ge Nazi. Bei­de sind in eine unauf­lös­li­che Schuld ver­strickt, die jeder auf sei­ne Wei­se gut­ma­chen möchte.

Die Wie­der­gut­ma­chungs­the­ma­tik wur­de durch die soge­nann­te Flücht­lings­kri­se noch ein­mal viru­lent. Der lin­ken Wei­se der Wie­der­gut­ma­chung ent­spricht die „Will­kom­mens­kul­tur“. Der His­to­ri­ker Hein­rich August Wink­ler warnt aller­dings vor einer „deut­schen Über­heb­lich­keit im Zei­chen der Will­kom­mens­kul­tur“, vor die­sem „neu­en deut­schen Grö­ßen­wahn“. Er schreibt:

Es gibt eine Rei­he von Zeug­nis­sen aus dem Jah­re 2015, die deut­lich machen, dass Poli­ti­ker, Publi­zis­ten, Ver­tre­ter der Kir­chen und der Zivil­ge­sell­schaft das Gefühl ver­mit­telt haben, als bestehe jetzt end­lich eine Mög­lich­keit, sich vom Ruf der Schre­ckens­na­ti­on des 20. Jahr­hun­derts zu befrei­en. Der Tenor war: Wir kön­nen unser schlech­tes Image los­wer­den, indem wir mora­lisch han­deln und andern sagen, sie soll­ten sich gefäl­ligst an uns ein Bei­spiel neh­men. Das ist eine neue Form von deut­scher Arro­ganz. Sie hat bei unse­ren Nach­barn zu Recht sar­kas­ti­sche Reak­tio­nen her­vor­ge­ru­fen. Ich kann vor die­sem neu­en deut­schen Grö­ßen­wahn nur war­nen. So ein­fach wer­den wir mit unse­rer Ver­gan­gen­heit nicht fer­tig. Deutsch­land taugt auf­grund sei­ner Geschich­te nicht zur mora­li­schen Leit­na­ti­on Europas.

Die rech­te Wei­se der Wie­der­gut­ma­chung ist aller­dings kaum über­zeu­gen­der. Im schlimms­ten Fal­le schafft Deutsch­land sich ab. Weil es kein Ent­rin­nen gibt. Finis Ger­ma­nia. Bei­des ist depri­mie­rend. Auch des­halb emp­fand ich es als etwas unbe­frie­di­gend, als Mes­se­be­su­cher nur um „einen Klein­ver­lag aus Schnell­ro­da zu rotie­ren“ (Tichy).

Viel­leicht muß man nicht nur „den ein­di­men­sio­na­len Dis­kurs um den feh­len­den Part ergän­zen und die links­las­ti­ge Wip­pe in die Balan­ce brin­gen“ (Götz Kubit­schek), viel­leicht soll­te man end­lich mal schau­keln. Beschwingt und befreit, wie es die Fran­zo­sen kön­nen, weil sie nicht so eine gro­ße Last zu tra­gen haben.

In  der Lite­ra­tur­aus­ga­be der ZEIT zur Frank­fur­ter Buch­mes­se lesen wir in einer Bespre­chung von Eli­sa­beth Rae­ther zu Phil­ip­pe Pujols Die Erschaf­fung des Mons­ters, einem Buch über die düs­te­re Par­al­lel­welt von Marseille:

In der deut­schen Vor­stel­lung sind die  Fran­zo­sen ein­fach här­ter drauf als die Deut­schen. Die Kon­flik­te erschei­nen kras­ser, die Poli­zei wirkt bru­ta­ler. Das Mili­tär kann noch rich­tig zulan­gen. Die Pan­zer­pa­ra­den, der Natio­na­lis­mus, all der Hoch­mut gegen­über der Außen­welt, den die Deut­schen nicht kön­nen oder nicht wol­len. In Frank­reich ist ja selbst die Rela­ti­vie­rung his­to­ri­scher Schuld durch­aus üblich, weil die fran­zö­si­sche Schuld viel­leicht groß ist, zumal in Afri­ka, aber die deut­sche eben doch größer.

Soll­ten wir die Moral also nicht bes­ser den Fran­zo­sen über­las­sen? Taugt viel­leicht Frank­reich zur mora­li­schen Leit­na­ti­on Euro­pas? Da sei­ne Schuld klei­ner ist? Steht die Anzahl der auf­ge­nom­men Flücht­lin­ge und Migran­ten gar im direk­ten Ver­hält­nis zur natio­na­len Schuld?

Da stellt sich die Fra­ge nach der poli­ti­schen Erpreß­bar­keit und der mora­li­schen Glaub­wür­dig­keit. In einem Inter­view von  Clau­di­us Sei­del mit Dani­el Cohn-Ben­dit äußert dieser:

Ange­la Mer­kel beein­druckt die Fran­zo­sen. Sie wird nicht immer ver­stan­den, aber sie regiert ein Land, das gut funk­tio­niert. Wie die Deut­schen 800 000 Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men hat, wie, vor allem in Bay­ern, die Orga­ni­sa­ti­on per­fekt lief, das beein­druckt die Fran­zo­sen. Auch wenn es manch­mal gehäs­si­ge Unter­tö­ne gibt, mit Ver­wei­sen auf die deut­sche Geschich­te: Sie haben immer gut funk­tio­niert, die Deutschen.

Gehäs­si­ge Töne waren auch in Maxim Bil­lers „sati­ri­scher“ Kolum­ne „Mora­li­sche Geschich­ten“ in der Druck­aus­ga­be der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung zu lesen. In die­ser Kolum­ne dis­pu­tiert Dudek Kohn, ein erfolg­lo­ser jüdi­scher Schrift­stel­ler, mit sei­ner sie­ben­jäh­ri­ge Toch­ter Rosa, die immer bes­se­re Ideen hat als er.

Am Sonn­tag, dem 15. Okto­ber 2017, ging es um die Neue Rech­te. Maxim Bil­ler macht sich zunächst mit sei­nem schrä­gen jüdi­schen Humor über die Neu­en Rech­ten lus­tig, etwa auch über Götz Kubit­schek und Ellen Kositza, die „erzäh­len, wie die alten Ger­ma­nen Brot geba­cken haben“. Gegen Ende der Kolum­ne liest man die Fra­ge von Toch­ter Rosa:

“Und war­um hörst du dir dann trotz­dem schon seit einer hal­ben Stun­de an, wie lin­ke Deut­sche rei­hen­wei­se rech­te Deut­sche inter­view­en und ihnen dabei so auf­merk­sam zuhö­ren, als wären sie beim Arzt oder vor Gericht?“ „Na, was glaubst du wohl, Rosa­le?“, sag­te Kohn. „Weil ich mir eben wahn­sin­nig gern anschaue, wie sich die Gojim mal wie­der gegen­sei­tig lang­sam zer­flei­schen und dabei gemein­sam unter­ge­hen.“ „Aber was wird dann aus uns, wenn sie unter­ge­gan­gen sind, Papa?“, sag­te Rosa erschro­cken. „Ach, Rosa­le“, sag­te Kohn. „Wir sind hier sowie­so nicht zu Hau­se, habe ich dir das noch nie gesagt? Und dar­um hau­en wir spä­tes­tens nach der nächs­ten Bun­des­tags­wahl nach Isra­el ab. Okay?“

Zwi­schen lin­kem Grö­ßen­wahn und rech­ter Welt­un­ter­gangs­stim­mung gibt es also doch noch einen klei­nen Spiel­raum, wenn man denn wei­te­re Krei­se um den Stand des klei­nen Ver­la­ges aus Schnell­ro­da zieht. Etwas mehr fran­zö­si­sche Moral und ein biß­chen jüdi­scher Humor.

Das wär‘s doch, Herr Bil­ler: Ich schaue es mir nicht wahn­sin­nig ger­ne an, wenn wir Gojim uns gegen­sei­tig zer­flei­schen und dabei gemein­sam unter­ge­hen. Auch ich füh­le mich hier nicht mehr wie zu Hau­se. Und wäre am liebs­ten schon vor die­ser Bun­des­tags­wahl abge­hau­en. Weiß aber nicht, wohin! Ich habe nur die­ses eine Land.

 Gastbeitrag

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Kommentare (16)

Coriolan

30. Oktober 2017 23:46

Die Schuld der Deutschen ist, das sie zu faul sind, sich unabhängig zu informieren. In Zeiten des Internets ein unverzeihlicher Fehler, der sich noch bitter rächen wird. Die tiefgläubigen Gedanken, die hier von Frau Leiser geäußert wurden, lässt man in der Bundesrepublik besser unberührt, auch bei SiN. Revisionismus ist eben verboten. Nur eine Sache:

*Maxim Biller macht sich zunächst mit seinem schrägen jüdischen Humor über die Neuen Rechten lustig, etwa auch über Götz Kubitschek und Ellen Kositza, die „erzählen, wie die alten Germanen Brot gebacken haben“.*

Das erinnert mich sofort an Bernhard Henri-Levy:

„Selbstverständlich sind wir entschieden kosmopolitisch. Selbstverständlich ist uns alles Bodenständige, die Bourrée [Anm. d. Ü.: frz. Tanz], der bretonische Dudelsack, kurz gesagt alles typisch Französische oder Fahnenschwenkende, fremd und sogar zuwider. Vaterländer aller Art und der ganze altmodische Plunder in ihrem Gefolge“ widern ihn in höchstem Maße an: „All das ist nichts weiter als ein furchtsamer und verklemmter Rückzug auf die armseligste Identität. (…) Patois zu sprechen, im Takt der Bourrée zu tanzen und zum Klang von bretonischen Dudelsäcken zu marschieren (…) so grenzenlose Dummheit ist widerwärtig.“

Darauf kann es nur eine Reaktion geben, und ich vermisse sie noch immer. Der Rückzug auf die Identität würde die Vorherrschaft der Globalisten brechen. Als Anregung dazu, deutsche Tänze von Ludwig van Beethoven: https://youtu.be/asCa0Ipkyxk

quarz

31. Oktober 2017 09:12

Die deutschspezifische NS-Vergangenheit greift als Erklärungsmuster zu kurz. Die ganze westliche Zivilisation ist in patholgischem Ausmaß von Selbstzweifeln befallen. Und diese Selbstzweifel lähmen den Widerstand gegen die expansive Dynamik jener, welche - selbst von keinerlei Selbstzweifel geplagt - unsere Schwäche als Chance wahrnehmen.

Dietrich Stahl

31. Oktober 2017 10:17

Ein bisschen Abstand tut ganz gut, wie die Beschreibung des Falls Buchmesse von Ihnen, liebe Frau Leiser, beweist. Kubitschek sieht sich ja vorrangig auch als Beobachter. Zwei Bemerkungen:

1. Vairag – das ist das Sanskrit-Wort für Losgelöstheit. Das Gegenstück dazu ist Moha, die Bindung. Eine der „tödlichen Leidenschaften des Verstandes“. Losgelöstheit dagegen ist eine Tugend  und ein Bewußtseinszustand der Klarheit und Handlungsfähigkeit im Einklang mit dem Göttlichen Gesetz. Eine weitere Leidenschaft ist Krodha, der Ärger. Die entsprechende Tugend ist Kshama, Vergebung oder Toleranz.

Vairag und Kshama schließen aber Empörung und Furor nicht aus. Lösgelöste Empörung [bis hin zu losgelöstem Furor] ist eine mächtige Angelegenheit.

2. Die innere Zerrissenheit. Ein deutsches Wesensmerkmal, das der Gegner seit [mindestens] Jahrhunderten nutzt. Ärger und Zerrissenheit spiegeln sich auch in anderen Foren. Für den  Saker-Blog habe ich vor vielleicht zwei Monaten ein Gedicht geschrieben:

Der Deibel spuckt sich in die Hände

Rechts gegen Links
Genau das bringts.
Laßt sie sich schlagen
Und niemals vertragen!

Da geb ich beiden gern mein Gold,
Wenn sie nur stehn in meinem Sold.
Dies Schlachtfeld bringt mir reiche Ernte.

Das soll kein Aufruf zur Aktion „Nimm einen Antifa in den Arm“ sein. Bewusstheit ist hier das Schlüsselwort.

t.gygax

31. Oktober 2017 10:38

Maxim Biller: "weil ich eben mir wahnsinnig gern anschaue, wie sich die Goijim mal gegenseitig wieder langsam zerfleischen".

Sehr interessant,  an welchen Bildern sich Herr Biller ergötzt. Dazu  am Reformationstag passend eine Passage aus Johannes 8, 44 ff.

Jesus sprach zu ihnen : warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm . Wenn er die Lüge redet, redet er von seinem Eigenen: denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.

Und da man zur Zeit  sich an Luther erinnert, hier noch eine Strophe des großen Liederschreibers: "der alt böse Feind/ mit Ernst er ´ s jetzt meint/ groß Macht und List/ sein grausam Rüstung ist/ auf Erd ist nicht seinsgleichen."

Wohl wahr.

Raskolnikow

31. Oktober 2017 11:44

Liebe Gemeinde!

Da neuerdings alle mit allen reden wollen, und sich einig sind, miteinander leben zu müssen, darf wohl auch ich als politisch unbegabter Famulus, mir mal wieder die Freimüthigkeit einer blöden Absonderung erlauben. Eigentlich plante ich meine Sentenzen ja mit einem äußerst originellen Scherzwort einzuleiten, aber ich memorierte gerade noch rechtzeitig, daß ebenjener Bonmot schon damals vom "Sindelfinger Landwirtschaftskurier" zur Einleitung einer 16-zügigen Artikelserie über meinen Wanderurlaub mit Martin Heidegger publiziert wurde. Da somit nun also die komödienhafte Einleitung unmöglich gemacht wurde, und mir seit der Herausgabe meines 6-bändigen Werkes über "Das Weltall als Verschränkung electromagnetistischer Gravitationsserotik am Exempel der SVR-HF-Sendestation G06 ´German Lady´" ohnehin jeder Humor verloren ging, nun also unvermittelt in medias res…

Mir gefällt dieser ausgleichende, ruhige Artikel unserer Frau Monika, denn mein Eindruck, daß es der siechen Linken in letzter Zeit gut gelingt, uns zu beschäftigen, nimmt mit der Buchmesse und den überzahlreichen Reflexionen nicht ab. Was will dieser fiese Lichtmesz denn eigentlich noch von der am Boden liegenden halbthoten, linken Theorie im schäbigen Kleide ihrer Argumentation, vorgetragen von Irren oder Deppen, deren aufgeblasenen Dünkel kein Quantor fassen kann (Ditfurth, Zorn)? Ich finde es herzlos und der Idee, miteinander leben zu müssen, widerstrebend, dem Opfer wieder und wieder an den hohlen Kopf zu treten und ihm am Ende, mit dem letzten Artikel, auch noch das Geld zu klauen. Ich verstehe das ja alles, diese Sache mit der Diskurshoheit, der Herrschaft über Begriffe und so fort…, aber es ist manchmal auch ein wenig langweilig. Seit mindestens A.D. 2015 (eigentlich ja schon mit de Maistre) stehen diese Nutten im transparenten Negligeé vor uns und wir können den ganzen abgeschmackten Haufen in Ruhe taxieren, die falschen Brüste, die botoxierten Lippen, die überschminkten Visagen… Die ganze Creatur eine einzige Lüge!

Vielleicht geht mein Gekritzel ja als Rat eines wohlwollenden Bewunderers aus der Ferne durch, immerhin kann ich völlig ohne Linke leben, denn sie begegnen mir ja nicht an der Wolga, im Kaukasus  oder der Niniveh-Ebene, sondern nur in Geräten, die ich abschalten kann. Möglicherweise verstehe ich aber auch alles falsch, weil ich zu weit weg bin. Ihr könnt es mir bestimmt sagen…

Jedenfalls befielen mich beim Betrachten der Filme von der Buchmesse sehr wechselhafte Empfindungen; ich musste herzlich schmunzeln bei den charmant-boshaften Bloßstellungen mit denen Frau Kositza die Amadeo-Stifte anschmierte, konnte zustimmend Nicken bei Kubitscheks Worten und hatte meine Freude an Frau Sommerfelds sowie Lichtmeszens Buchvorstellung.

Das Brüllschlacht im Kessel von Frankfurt rief in mir jedoch, ähnlich wie bei Frau Monika, ein peinlich verschämtes Unbehagen hervor, derart mir schon seit Jahren nicht mehr widerfuhr. (Zuletzt schüttelte es mich in ähnlich peinvoller Weise, als ich vor Jahren einmal einer kichernden, englischen Weibermeute in Berlin erklärte, wie sie zum Savigny-Platz gelangen könnten. Ich führte in englischer Sprache aus, daß sie nur die Kant-Straße hinaufspazieren müßten … Erst Stunden später wurde mir klar, warum diese ungehobelten Personen so lauthals lachten.)

Und liebe Monika, glauben Sie mir, diese prominenten bundesdeutschen Juden sind nichts als langweilige, selbstverliebte Heulsusen, die schon das Flennen beginnen, wenn sie im öffentlichen Nahverkehr in Gespräche mit einfach gestrickten Leuten verwickelt werden, aber natürlich nicht alle, sondern nur deutsche Pöbler bejammern.

Und Biller hat eben nicht jenen, sich gnadenlos selbst veralbernden, jüdischen Humor, er lacht auf andere Kosten. Mein alter Spezi Y. von der Schajetet13 macht eigentlich ununterbrochen diese bösartigen Witze und findet das Schlimmste an Harvey Weinstein sei, daß er aussieht, als wäre er eben aus dem "Giftpilz" gesprungen. (Wer ihm dieses Buch einst vermachte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben…) Den habe ich noch nie jammernd erlebt und er hat dank gefährlicherer Antisemiten als dem deutschen Regionalbahnfahrer einen Arm verloren. Als ich ihn das letzte Mal besuchte und er im stark bevölkerten Flughafen euphorisch seinen "Lieblingsnazi" begrüßte, musste ich leider mein Bedauern darüber ausdrücken, daß ihm der linke Arm abgerissen wurde…

Also liebe Monika; Nazis sind wir eh´ alle, also was soll´s? Französische Moral ist besser als amerikanisches Fastfood. Jüdischer Witz kann sehr lustig sein, wenn es nicht der, wie eine exotische Speise für den bundesdeutschen Gaumen entschärfte, Humor des ZDF-SPON-WELT-Shapira-Biller-Wohlfühljudentums der Rotweintrinker von der Binnenalster oder dem Kollwitzplatz ist.

Mehr als einmal verlieh ich bereits meiner Überzeugung Ausdruck, daß ich mit Linken nicht reden will. Ich will nicht mit ihnen reden, nicht mit ihnen leben und nicht mit ihnen gut Kumpel sein. Ich will besser aussehen, stärker und schlauer sein, mehr und Besseres lesen, will schneller und präziser schießen können und weniger Urlaub brauchen … (Zu vervollständigen!) … als die!

Shalom und fette Beute!

R.

nom de guerre

31. Oktober 2017 12:49

Müssen einem die Vorfälle auf der Buchmesse wirklich ausgerechnet vor Muslimen peinlich sein? Im arabischen Raum und der Türkei nimmt die Unfähigkeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, miteinander zu reden, bekanntlich noch ganz andere Ausmaße an als bloßes, im Ergebnis (noch) harmloses Geschrei.

Maxim Biller, den ich nur als Romanautor kenne (und furchtbar finde), hätte ich allerdings für scharfsinniger gehalten. Eine naheliegende Frage, die das Rosale stellen könnte, wäre doch, wie lange Israel sich in seiner feindlichen arabischen Umwelt eigentlich noch wird halten können, wenn die Gojim in Europa und den USA sich erstmal gegenseitig fertiggemacht haben, denn diese selbstzerstörerischen Spannungen sind ja nicht nur ein deutsches Phänomen. Von daher erstaunt mich die Gelassenheit an der zitierten Stelle etwas. 

PS: Aufgrund welcher Inhalte wurde mein letzter Kommentar eigentlich nicht freigeschaltet? Selbstverständlich respektiere ich Ihr Hausrecht, aber nachdem Sie einen Kommentar veröffentlicht haben, in dem die aus einer Vergewaltigung entstandene Leibesfrucht als Zombiegeschöpf bezeichnet wurde, bin ich über Ihre Kriterien verwirrt. Da ich hier noch nicht so lange lese und kommentiere, kann ich es mir nicht erklären.

Gustav Grambauer

31. Oktober 2017 13:00

Auf Jouwatch gibt es ja gerade eine Äußerung des Entsetzens darüber, daß die Pionierleiterin Petra Pau am Edelmenschen  Albrecht Glaser vorbei politisch aufgestiegen ist.

https://www.journalistenwatch.com/2017/10/30/immer-noch-baustelle-nicht-veroeffentlichenbundestagsvize-petra-pau-linke-ueber-albrecht-glaser-afd/

Diese wird man mit etwas Verstand als das Geheule in den bräsigen Rotweingürteln an Rhein, Main, Mosel und Neckar über den rapiden kulturellen Niedergang der romanisch-lateinisch orientierten (und damit pseudo-deutschen) Welt gegenüber dem Erstarken des Ostens an Selbstbewußtsein lesen. (An diesem Niedergang kann auch das letzte bißchen welsches Gockel-Gehabe am 14. Juli (!) auf den Champs-Élysées nichts mehr retten.) Es ist eine nationale Tragödie, auch ist mir die Frau Pau zuwider, und trotzdem kommt bei mir Häme darüber auf, wie die kulturhegemoniale Arroganz und Eingebildetheit der einstigen Rh.-Merkur-Leser-Klientel

https://de.wikipedia.org/wiki/Mercurius

im äußersten Südwesten der Repube

https://de.wikipedia.org/wiki/Älteste_Städte_Deutschlands

jetzt von der Wirklichkeit zerschmettert wird.

Bin mir nach mehrmaligem Lesen nicht ganz sicher, ob Sie es so gemeint haben, liebe Frau Leiser. Aber ich ginge nicht mit, falls Sie mir nun hier bei SiN, wo immer so viel von "Blasen" und "Echokammern" die Rede ist, immer noch wie saures Bier das ausgeleierte Mantra anpreisen würden, wie gut es mir tun würde, als Deutscher doch endlich mal "einen Schuß französischer" zu werden, noch dazu mit Verweis auf deren Moral und dies nach mehr als siebzigjähriger Umerziehung mit dieser Dauerformel, deren Folgen man sich nur in den fast endfranzösischen Fußgängerzonen der Städte auf obiger Karte anzuschauen braucht (wenn man den Blick für mehr als nur die Rudimente des savoir-vivre hat). Falls ich Sie nicht mißverstanden habe - steht dahinter vielleicht wieder mal: Deutschland sei mit jeder Faser ein westliches, letztlich zum Atlantik hingeneigtes Land und solle sich kulturell freudig auf seine einstige Knechtung durch die Römer besinnen (in deren Kontinuität z. B. die erwähnten Pariser Paraden, allein schon der Triumphbogen, ja nur stehen)?

"Auch wenn es manchmal gehässige Untertöne gibt, mit Verweisen auf die deutsche Geschichte: Sie haben immer gut funktioniert, die Deutschen."

Dieser letzte Satz von Cohn-Bendit, ich höre ihn im Angesichte des Cheruskers, sagt alles, und Sie attestieren ihm ja auch Gehässigkeit. Ich sehe eher Krieg, er wäre nicht der erste, und auch nicht der erste, der von Frankreich ausgegangen wäre; nicht daß ich ihn begrüßen würde - aber ich sehe jedenfalls kein Vorbild in Frankreich und noch lange keine Basis für eine nationale Freundschaft.

---

"Die Rechte ist abhängig von der Linken und umgekehrt."

Na, dieses Argumentationsmuster hat ja M. L. gerade auf allen erdenklichen Ebenen auseinandergenommen.

- G. G.

Dietrich Stahl

31. Oktober 2017 15:01

Werte Redaktion. Ob einer meiner Beiträge freigeschaltet wird oder nicht, überlasse ich Ihrer Entscheidung.

Kositza: Klar, bleibt Ihnen auch nichts anderes übrig.

Doch bei meinem letzten Beitrag von heute Vormittag würde ich zumindest gern wissen, warum er noch nicht freigeschaltet ist.

Meinungeen, die nicht dem Blog-Mainstream entsprechen, einfach zu ignorieren, ist zumindest nicht souverän.

Kositza: Exakt das ist es eben doch. An einem schulfreien Tag eh.

Coriolan

31. Oktober 2017 17:45

@quarz

"Die deutschspezifische NS-Vergangenheit greift als Erklärungsmuster zu kurz."

Bedaure es, Ihnen das sagen zu müssen, aber Sie irren.

Zunächst einmal gibt es nicht nur die "deutschspezifische" NS-Vergangenheit, sondern z.B. auch dir "französischspezifische" NS-Vergangenheit, darüberhinaus die "italienischspezifische" Faschismus-Vergangenheit.  

Bösewicht Goebbels notierte 1942 in sein Tagebuch:

"Schweden hat mehr für die deutsche Kriegsführung getan, als man gewöhnlich annimmt. ... Sie betonen ihre Neutralität, aber auf eine Weise, die zu unserem Vorteil ist."

https://www.sueddeutsche.de/panorama/schweden-das-geographische-erbe-der-nazis-1.657011-2

Zweitens greift dieses Erklärungsmuster nicht zu kurz, im Gegenteil stellt sich die Frage, ob es einem Einzelnen überhaupt möglich ist, soweit zu greifen, um das Muster in vollem Umfang zu umfassen und zu verstehen.

Das Protokoll des IMT wäre ein guter Anfang, seine eigenen Kenntnisse über die "deutschspezifische NS-Vergangenheit" auf den Prüfstand zu stellen. Reicht jedoch nicht, sich damit kurz zu befasssen.

 

Dietrich Stahl

31. Oktober 2017 19:54

Danke, liebe Ellen Kositza. Den Feiertag hatte ich nicht berücksichtigt.

Alles Gute für Sie und Ihre Familie.

destijl

31. Oktober 2017 22:40

Biller war zuletzt relevant, als er für die TEMPO geschrieben hat, damals, vor einem Vierteljahrhundert. Ich mag es auch, wenn er das kompromisslose Ekel bei Literatursendungen gibt. Jedenfalls war seine jüdische Identität und seine latente Hassliebe zu Deustchland immer sein (einziges) Thema. 

Schöner Text, Frau Leiser. Ich wünschte, Leser der "Zeit" und der "FAZ" wüssten davon. Aber was rede ich da, klar tun sie das (Antaios und SiN kennt ja mittlerweile jeder). Dass die versöhnlichen und reflektierten und zur Einigkeit aufrufenden Töne gerade von Rechts kommen wird hoffentlich genau jenen zu denken geben, deren Denken wertvoll ist für Deutschland. 

quarz

31. Oktober 2017 23:10

@Coriolan

Ich bleibe bei meinem Urteil. Die einschlägigen Symptome der Selbstverleugnung westlicher Zivilisation finden wir auch in den USA oder in Australien. Da kann man keinen NS-Konnex als zentrale Ursachenlinie herbeiziehen, auch nicht an den Haaren.

Maiordomus

1. November 2017 11:40

@quarz/Coriolan. Man muss der These von Quarz recht geben. James Burnham bezeichnete schon vor mehr als 50 Jahren den "liberalism" angelsächsischer Spielart, also die dogmatische Basis der amerikanischen Linken, als die Ideologie des westlichen Selbstmords. Zur Erkennung dieser Ideologie gab es schon 1965 einen Fragenkatalog, zu dem u.a. auch die Einstellung zur Prügelstrafe und zum Wohlfahrtsstaat gehörten, aber auch die Ideologie des Antirassismus und des Antikolonialismus. Das Auschwitztrauma spielte aber bei Burnhams Analyse noch kaum eine Rolle. Burnham war übrigens Renegat des Kommunismus.

Der Gehenkte

1. November 2017 11:40

hier mal was zum lachen - Humor überwindet doch alle Grenzen:

https://www.fr.de/kultur/buchmesse-frankfurt/buchmesse-vor-ort/antaios-auf-der-buchmesse-wie-martin-f-zufaellig-beruehmt-wurde-a-1378624,0#artpager-1378624-1

Brettenbacher

1. November 2017 12:04

Aber, aber, meine Damen und Herren, das war doch ganz große Oper!

Angefangen von der "Markierung" (Kubitscheck) widerständiger Verlage durch die Obrigkeit, den Raub - und Zerstörungszügen im Schutz der Nacht (und der Obrigkeit), dem Auftritt des aalglatten OB (den keiner kannte) bis zu der wie ausgestopft wirkenden Figur, altväterisch mit Schirmmütze und Schulterklappenschmuck zum Polizeioffizier ausstaffiert, die irgendeinem auch wichtigen Oberen hätte Würde und Autorität hätte verleihen sollen.

Und dann der herrliche finale (wohl auch Schlacht-) Gesang - mit einem Solo von Kubitscheck!

Kann sein, daß das dann den ostentativ Überempfindsamen, den verbissen Friedfertigen zuviel war. Aber, abgesehen davon, daß Sezessions-Leser ohne Triggerwarnung auskommen sollten, auch hier galt: Il faut avoir l'esprit dure et le coeur tendre.

Und dann fällt auch die Unterscheidung leicht. Die Unterscheidung der Töne -  und vor allem die Unterscheidung der Gesichter.

Und wer das dem Brettenbacher nicht glaubt, der dabei gewesen, der lese den Bericht in der dieswöchigen P.A.Z. , Seite 12, von Günther Scholdt.

Der versteht noch mehr davon.

 

Peter Schmitz

1. November 2017 12:50

Ich sehe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem, was in Deutschland vor 1945 passiert ist, und der heutigen Linksgewandtheit der Mehrheit des Deutschen Volkes.

Im Grunde könnte man sagen, das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun.

Den erstens ist dem modernen Deutschen jede Verbindung zu seinem Volk vollständig aberzogen worden, und die Kenntnisse der Geschichte sind auf Comicniveau herabfrisiert. Und zweitens wäre ein traumatischer Nachhall etwaiger, als schuldhaft empfundener Ereignisse niemals von stärkerer Wirkung gewesen als unmittelbar nach der "Tat". Tatsächlich wird der Bewältigungseifer aber immer stärker, je weiter sich die Generationen zeitlich vom Geschehen entfernen - und innerlich von ihrer Identität lösen. Da außerdem, wie hier bereits bemerkt, auch andere weiße Völker diesen Wahn durchleben, ist die Ursache für diese allgemeine Irrsinnigkeit wohl anderswo zu suchen.

Die Herrschaft der präsenten linksirrsinnigen Hypermoral ist meiner Meinung nach nichts anderes als die Folge einer über Jahrzehnte hinweg planmäßig durch die Eliten durchgesetzte Programmierung, die nach den Gesetzen der Salamitaktik Generation für Generation weiter verstärkt wurde. Der Einzelne unterliegt hier nicht dem Bewußtsein großer Schuld oder der Erkenntnis notwendiger Bußeleistungen für etwas, das auf seinem persönlichen Gewissen lastet, sondern lediglich dem Wunsch, sich voll an den aktuellen Zeitgeist anzupassen, in der Absicht, es gesellschaftlich und wirtschaftlich so weit wie möglich zu bringen. Verbunden natürlich mit dem Fehlen jeglichen Interesses an allem Übergeordneten, daß nicht ihn ganz persönlich betrifft.

Daß die Bereitschaft zu solcher Haltung bei den Deutschen besonders ausgeprägt ist, kommt noch erschwerend hinzu.

 

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