Sezession
29. Oktober 2017

Sonntagsheld (35) – Unbekannte Soldaten

Till-Lucas Wessels / 12 Kommentare

Ihr sitzt in Anwaltskanzleien, Professorenbüros und Autowerkstätten, geht mal aufrecht, mal gebückt durchs Leben, steht im Fokus der Öffentlichkeit oder lebt seit Jahrzehnten in irgendeinem Dorf in der Provinz, ohne daß es irgend jemanden interessiert.

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Wie viele es von Euch gibt? Keine Ahnung, fest steht nur, daß Ihr mehr werdet.

Es gibt viele Namen für Euch: U-Boote, schweigende Mehrheit, Unterstützer, Halbe – keiner dieser Begriffe ist umfassend genug, und doch treffen sie alle irgendwie zu. Wir Aktivisten können das, was wir machen, nicht ohne Euch tun.

Manche von Euch verfluchen wir, weil wir uns wünschen, daß sie endlich aus dem Schatten treten, den vollen Einsatz wagen, weil sie eigentlich viel zu jung sind, um nur aus dem Hintergrund zu helfen. Um andere von Euch machen wir uns Sorgen, mahnen zu Vorsicht und Zurückhaltung, schicken Familienväter in die zweite oder dritte Reihe zurück, weil wir nicht wollen, daß sie die Zukunft ihrer Kinder verbrennen.

Was habt Ihr in den vergangenen Jahren nicht alles geschafft? Wie umfassend und unerwartet ist unser Erfolg, und wieviel mehr wäre möglich gewesen, wenn der eine oder andere ein paar Monate früher über seinen Schatten gesprungen wäre?

Ihr seid an mancher Stelle an Eure Grenzen gegangen, habt aus der 40-Stunden-Woche eine 50-Stunden-Woche gemacht, um unsere Autos für lau zu reparieren, nachdem sie vor unseren Wohnungen angezündet wurden, habt Eure Urlaubstage geopfert, um für ein paar Wochen an vorderster Front auszuhelfen, wenn es eng wurde.

Jede Hilfe ein Akt des Widerstands: Den einen von Euch mag es im Sommer 2015 überkommen haben, seitdem fließt der Dauerauftrag, längst vergessen, Monat für Monat vom Konto in unsere Reihen, der zweite hat sich nach langer Lektüre, langem Forschen und Beobachten zu einer Grundsatzentscheidung durchgerungen und eine brachliegende Immobilie oder ein Auto gespendet, die dritte hat eigentlich nichts abzugeben, weder Zeit noch Geld, und zwackt doch von beidem einen Notgroschen ab, weil sie nicht anders kann.

Mit Eurer Hilfe haben wir mit "Defend Europe" die bisher größte patriotische Mission der jüngeren Vergangenheit realisieren können, Ihr habt Eure Kinder dafür begeistert, Aktivisten zu werden, Ihr habt Eure Eltern dafür begeistert, Unterstützer zu werden.

Dabei entwickelt sich parallel eine ganz neue Form des Miteinanderarbeitens: Viele von uns konnten in Euren Firmen unterkommen, genießen die Freiheit, für eine Großaktion ganz unbürokratisch Urlaub zu bekommen, und sind ihrerseits bereit, viel umfassender Rechenschaft für ihre Leistungen abzulegen, als ein normaler Arbeitnehmer das jemals machen würde.

Jetzt haben sie uns in Halle also das Haus angegriffen, und von überall, auch aus den unwahrscheinlichsten Ecken, kommen Hilfsangebote und Spenden. Es gibt inzwischen einen ganzen Stab an Handwerkern, der die anfallenden Reparaturarbeiten zum Selbstkostenpreis erledigt, mich erreichte vor ein paar Tagen ein Paket mit einer umfassenden Buchspende, die unter anderem auch unserem Zentrum zugute kommen wird. Heute dann: Ein Paket mit Marienmedaillen und ein rührender Brief, man betet also für uns und unsere Sache.

Danke an die, die nie genannt werden wollen.


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

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Kommentare (12)

Der_Jürgen
29. Oktober 2017 21:11

Ja, diese stillen Mitstreiter verdienen allerhöchste Anerkennung und Dank. Sollten wir scheitern, und sollte der Untergang Deutschlands und des Abendlandes nicht abzuwenden sein, so können sich alle, die noch Widerstand geleistet haben, ob offen oder hinter den Kulissen, Ulrich von Huttens "Ich hab's gewagt" auf den Grabstein meisseln lassen. Aber bleiben wir Optimisten und glauben wir an den Sieg.

Leser
29. Oktober 2017 21:50

Zeitweise Unterstützung, oder meinetwegen Solidarität, muß nicht gleiche (langfristige) politische Grundvorstellungen bedeuten. Ein Liberaler (im klassischen Sinne) wird beispielsweise der Machtzunahme von Nationalstaaten im Grundsatz skeptisch gegenüberstehen; doch das Leben geht oft "krumme" Wege.

Selbstdenker
29. Oktober 2017 21:56

Björn Höcke hat auf einer Demonstration einmal folgendes gesagt das mich sehr beeindruckt hat. ( Gedächnisprotokoll ) Nicht jeder ist ein Märtyrer, aber jeder macht das, was für ihn möglich ist, den wir sind hier um unsere Pflicht zu tun. Ja der Titel -unbekannter Soldat- ist völlig zutreffend.

Roland von Tronje
29. Oktober 2017 22:25

Vielen Dank, Herr Wessels, ich fühle mich angesprochen. Und gleichzeitig beschämt, denn man denkt sich in stillen Momenten immer, daß man eigentlich noch viel mehr leisten könnte und müßte. Schließlich geht es nicht um ein bißchen mehr oder weniger Urlaub oder Geld auf dem Konto, sondern um unsere Heimat und unsere Wurzeln. Alles steht zur Disposition, unsere gesamte kulturelle Existenz droht zu enden.

Gestern erst mußte ich einen Freund bremsen, völlig "Amok" zu laufen: Der Mann ist im CDU-Kreisvorstand hier in einem Kreis in Dunkeldeutschland, hat einen Vorstandsposten und ist finanziell gepolstert. Ich konnte ihn überzeugen, daß er aus dem "Verborgenen" besser wirken kann, als in einem Einmann-Torpedo ohne Rückfahrschein. Auch wenn einige Foristen es garantiert anders sehen werden (wer Recht hat, wird sich so bald nicht klären lassen): Eine Armee gewinnt Schlachten durch das Wagnis und die Tapferkeit der Einzelnen in der Angriffsspitze. Aber der Krieg wird durch das Funktionieren der Logistik gewonnen (kommt mir als "Frontschwein" nur sehr schwer in die Tastatur). Und dazu braucht es eben auch die Etappe. Daher bin ich Ihnen wirklich dankbar, daß bei SiN neben den Ulanen auch einmal die Stallknechte und Sattelmeister gewürdigt werden.

Franz Bettinger
29. Oktober 2017 22:37

Das freut mich ungemein, und es wäre schön, wenn es immer so käme, dass der Angriff auf einen von uns oder ein Haus, Auto oder sonst etwas zum Bumerang wird, der den Linken schmerzhaft in die Kniekehlen fährt. Ich hoffe, dass man wenigstens die materiellen Schäden, die einzelne Aktivisten erleiden oder riskieren, durch Crowd Funding kompensieren und wenn möglich sogar über-kompensieren kann, auch wenn wir alle keine "Soros'se" sind. Dank euch allen! Ich jedenfalls bin dabei. Jeder auf seinem Posten, jeder mit seinen Mitteln, wo und wie er kann. 

Solution
30. Oktober 2017 00:03

Wir können alle mehr tun.

Herr K.
30. Oktober 2017 00:25

Also deine Worte sind mir sehr unter die Haut gegangen. Vielen Dank für all das, was ihr für uns verwirklicht. Gemeinsam können wir das hin kriegen, manchmal brauchts halt mal ein bisschen Mut.

Avanti ragazzi!

Gerhard Vierfuß
30. Oktober 2017 00:48

Das ist sehr schön und anständig von Ihnen, der Helden des Alltags zu gedenken, die nicht in vorderster Front kämpfen, aber den entscheidenden Schritt getan haben: aus der allgemeinen Lethargie des "Es wird schon nicht so schlimm werden" und "Auf mich kommt es sowieso nicht an" herauszutreten und sich zu positionieren im Kampf für die Zukunft unseres Volkes. Ihre Ehrung möge weite Verbreitung finden und viele weitere motivieren, sich einzureihen!

H. M. Richter
30. Oktober 2017 08:46

Vor wenigen Tagen schrieb die Foristin Sabine unter den SiN-Beitrag Sibylle Berg und ein Anschlag in Halle, daß sie inzwischen Geld gespendet habe, dies sei "leider nicht viel, aber" sie "habe es gestern mit 4 Stunden Putzen verdient".        Ihr Satz gehörte zum Schönsten und Bewegendsten, was ich in den letzten Wochen gelesen habe.

Auch Wessels obige Sätze bewegen einen. Von Ferne erinnerte ich mich beim Lesen, wie um 1980 in der DDR ein oppositioneller Liedermacher nicht nur für Kirchenkreise immer wichtiger wurde, - Gerhard Schöne. Man wundere sich heute als Jüngerer nicht über die ungewohnt sanfte Sprache, auch Herman van Veen sang zu dieser Zeit nicht viel anders. In einer bis an die Zähne hochgerüsteten wie schußbereiten Welt (und DDR) war dies vielleicht auch nicht falsch.

In einem von Schönes Liedern aus dieser Zeit heißt es u.a.:

Lieber Freund, komm zu Tisch,                                                                                    hier ist noch  Platz für dich.                                                                                            Was Du geben kannst, leg' in die Runde.                                                                    Sei es Wein, sei es Schmalz,                                                                                            es ist gut zu gegebener Stunde.

Füchsle
30. Oktober 2017 10:43

Wunderbar - Till Lucas Wessels, habe mich erkannt, entlarvt, gewürdigt gefühlt, halten wir zusammen, denken und  beten füreinander! 

Sehrohrtiefe
30. Oktober 2017 19:33

Herzlichen Dank, Herr Wessels, Ihre Worte berühren mich sehr. Sie sprechen den inneren Konflikt an, den viele in sich tragen: sofort noch mehr tun, was dann vielleicht einmalig bleibt, aber immerhin ein Zeichen setzt und sich gut anfühlt - oder verdeckt operieren, im Stillen schon ein wenig helfen, doch langfristig Strukturen aufbauen, die noch besser helfen, wenn sie tragfähig und nachhaltig genug sind? Das Letztere geht manchmal besser, wenn man dort ist, wo der Gegner uns nicht erwartet.

Niemand kann für andere beurteilen, was hier richtig ist. In der Summe aber werden wir jeden Tag stärker, weil die sichtbar Aktiven eine Einheit formen mit den unsichtbaren Unterstützern. Ist das nicht, was ein Volk sein sollte: jeder auf seinem Platz, zusammen stark, nicht zu trennen durch Mißgunst und Haß von außen? Jeder von uns verdient Respekt, und ich freue mich, daß so viele ihn nun durch Ihre Worte bekommen.

Hartwig aus LG8
1. November 2017 00:04

Mittlerweile wird dies meine Lieblingsrubrik auf SiN: Wessels Sonntagsheld. Immer lesenswert.

Sagt auch einiges über die Inflation der "Mit Linken und mit Rechten ... "- Beiträge, die mir gegen den Strich gehen. Dabei weiss ich es doch besser. Das Brechen der Diskurshoheit durch Leute wie Lichtmesz u.a. wird zum Schlüssel für den Sieg. Eine entscheidende Front. Und doch ein so fades und trockenes Brot.

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