06. November 2017

»Im Innersten des bundesdeutschen Elends«

von Nils Wegner / 31 Kommentare

Mit "Die entfesselte Freiheit" fordert Thor v. Waldstein nach "Metapolitik" erneut realpolitisches Denken und Handeln ein – wir sprachen über das Buch!

Sezession: Sehr geehrter Herr Dr. Dr. v. Waldstein, Ihr Sammelband Die entfesselte Freiheit ist ausweislich des Untertitels »wider die liberalistische Lagevergessenheit« gerichtet.

Die Berufung auf »die Lage« als Fundament politischen Denkens und Handelns findet sich bei Gottfried Benn, findet sich auch in der Arbeit des Politologen Hans-Joachim Arndt, der sich um eine Rückbesinnung der Deutschen auf ihre Eigeninteressen bemühte und dem Sie ein Porträt gewidmet haben, schlußendlich findet er sich ausdrücklich in Ihrem kaplaken-Band Metapolitik.

Worin unterscheidet sich diese »politische Lageanalyse« vom Pragmatismus, der Handeln und Ziele je nach Tagesform wechselt, um das Risiko eines Mißerfolgs zu minimieren?

v. Waldstein: Die Deutschen werden in der Sphäre des Politischen nur bestehen können, wenn es ihnen gelingt, ihre vielfach beschädigte Identität als Volk zurückzugewinnen.

Eine politische Lageanalyse, die nicht nur an den Symptomen herumdoktert, sondern Roß und Reiter benennen will, wird nicht umhin kommen, sich mit den tieferliegenden Ursachen der deutschen Tragimisere zu befassen. Umgekehrt kennzeichnet es die seit 1949 etablierten politischen Kräfte, daß sie das Wahlvolk ebenso planmäßig wie erfolgreich davon abgehalten haben, sich über die Lage der Nation im klaren zu werden.

Diese Verhältnisse scheinen aufgrund der historischen Umbrüche, deren Zeuge wir sind, derzeit ins Rutschen zu geraten, was man nur begrüßen kann. Gleichwohl stehen wir erst am Anfang einer ehrlichen Diagnose.

Wie es im Innersten des mit konsumistischem Flittergold nur mühsam bedeckten, bundesdeutschen Elends tatsächlich aussieht, entzieht sich nach wie vor dem Vorstellungsvermögen der meisten Akteure, leider auch vieler widerständiger Kräfte. Für diese nun anstehenden, wenig erbaulichen, aber unumgänglichen Detailanalysen versucht mein Buch einen ersten Orientierungsrahmen zu geben.

Daß in der Tagespolitik pragmatische Schachzüge vonnöten sein können, die entsprechend den wechselnden Gegebenheiten der Situation variieren (müssen), ist unstreitig. Über „die Kunst, aus Gelegenheiten Ereignisse zu machen“ (Politikdefinition von Helmuth Plessner), verfügt aber nur derjenige, der genau weiß, wohin er will.

Es gehört zu dem Schicksal Deutschlands, daß seit dem Abgang Bismarcks – mit wenigen Ausnahmen – Politiker die Szene bestimmen, denen solche Ziele fehlen, an denen sich der vorzitierte Pragmatismus ausrichten könnte.

Wer diese Dinge permanent durcheinander bringt, endet in dem Muddling-Through, von dem der BRD-Politikbetrieb, dem Treiben in einem Hühnerstall nicht unähnlich, unverändert gekennzeichnet ist.

Nils Wegner ist studierter Historiker und arbeitet als Übersetzer und Lektor.

Kommentare (31)

Heinrich Brück
06. November 2017 12:33

Die AfD sollte aufhören in Sachen Einwanderungsgesetz die Wähler zu veräppeln. Wir brauchen keine Einwanderung.

S.J.
06. November 2017 14:38

Hier kann man es kurz halten: Ich habe diesen Band regelrecht verschlungen. Sprachlich voller Finessen, inhaltlich eine Pflichtlektüre.

Dieter Rose
06. November 2017 14:58

Betriftt auch das Schicksal eines Landes, Plutatarch zitiert: "Lykurg wies alle, die aus keinem triftigen Grund ins Land kamen, wieder aus, damit sie nicht als Lehrmeister des Schlechteren wirken konnten. Denn mit fremden Menschen kommen notwendig fremde Gedanken herein. Fremde Gedanken führen zu neuen Werturteilen, aus denen neue Begierden und neue Zielsetzungen entspringen, die nicht im Einklang sind mit dem bestehenden Staate." Das sollten mal die Verfechter der griechischen Ursprünge Europas verinnerlichen!

Coriolan
06. November 2017 15:41

Daß ein Mann wie Dr. Dr. Thor v. Waldstein in der Bundesrepublik Deutschland von jeder ehrlichen politischen Teilhabe ausgeschlossen und gesellschaftlich geächtet ist, sagt alles über die Verfassung unseres Staates aus.

Selbstdenker
06. November 2017 16:58

Dieses grandiose Buch muss man gelesen haben, kann es nur empfehlen. Solche Leute gehören normal an die Spitze unseres Landes. In der BRD leider nicht möglich, noch nicht!

Maiordomus
06. November 2017 18:26

Im Wikipiediaartikel zur "Vorstellung" der Person Thor von Waldstein kommt der Begriff "rechtsextrem" 14mal vor, in Worten vierzehn, ausserdem einmal rechtsradikal und noch ein rundes halbes Dutzend Mal die Qualifikation "neue Rechte". Meines Erachtens, wenn ich mich nicht täusche, für die Charakterisierung eines einzigen Autors wohl annähernd ein Rekord. Selbstverständlich geht natürlich die Erwähnung von Carl Schmitt bei Thor von Waldstein im Wikipedia-Artikel über den Autor bei Sezession, als der er übrigens ausdrücklich genannt ist,  nicht ohne das Attribut "Kronjurist des Dritten Reiches" ab. Würde indes den oben stehenden Artikel des in der Tat maximal ausgegrenzten politischen Autors Dr.Dr. Thor von Waldstein  nicht überschätzen, hoffe gern, dass sein von @Selbstdenker als "grandios" bezeichnetes Buch noch mehr in die Tiefe geht. Gewiss muss indes der Aussage von Thor von Waldstein recht gegeben werden, dass wohl nicht mehr als 40% der heutigen Hochschulstudenten als hochschulreif eingeschätzt werden könnten. Dies bestätigte sich mir dieser Tage bei der Lektüre von drei neueren Masterarbeiten über Katalonien, durchwegs von Deutschmuttersprachlichen, die bereits formal völlig ungenügend waren. Zum Beispiel wurde bei einer sprachpädagogischen Arbeit die Sprachbezeichnung "kastillisch" statt "kastilisch" um die die drei Dutzend Mal falsch geschrieben, zu schweigen davon, dass auch selbst in einer sehr umfangreichen Arbeit über den Spanischen Bürgerkrieg in Katalonien das Buch von George Orwell zu diesem Thema, ohne das man schlicht uninformiert ist, nie auch nur erwähnt wurde, im Gegensatz zu teils drittklassiger Tendenzliteratur. Selbst noch in einer fast tausendseitigen neueren Dissertation über den Sozialismus und Anarchismus in Katalonien wird Orwell nicht erwähnt, obwohl er immerhin als Linker dortselbst am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm und mit "Mein Katalonien" das wohl bis heute analytisch beste Buch über jenen Krieg geschrieben hat, an Tiefenschärfe wohl auch Carl Schmitt überlegen. Keiner hat besser nachgewiesen, am Ende ohne Parteiabsicht, dass es beim Spanischen Bürgerkrieg nie um die Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur gegangen ist, sondern um die Konkurrenz von zwei beziehungsweise dreier Konzepte der Diktatur, nämlich der autoritär-faschistischen, der kommunistischen und der anarchistischen Diktatur. Meines Erachtens ist übrigens Juan Donoso Cortes, der Theoretiker der Diktatur der Regierung contra Diktatur der Empörung, nebst Thomas Hobbes der wohl bedeutendste Vorläufer von Carl Schmitt, als Schriftsteller dem letzteren wohl noch überlegen.

PS. Betr. Thor von Waldstein und Wikipedia. Es wäre noch interessant zu untersuchen, ob bei Artikeln im weiland "Stürmer" auf je einer Seite einer polemischen Hetzdarstellung einer Person das Attribut "jüdisch" vergleichbar häufig wiederholt wird wie bei Wikipedia "rechtsextrem" oder ob vielleicht nicht doch der als Hetze gemeinte Wertungskoeffizient der schlimmstmöglichen gesellschaftspolitischen Positionierung bei Wikipedia die entsprechende Abqualififizierung als Feind der Menschheit die Sprachintensität bei Julius Streicher ev. sogar noch übertrifft. Wenn aber nun mal nicht weniger als vierzehnmal "rechtsextrem" steht, wird nun aber hoffentlich niemand mehr annehmen, dass gemäss Wikipedia-Regeln politische Neutralität oder gar Objektivität angestrebt ist. Wie bei "pädophil" hätte eigentlich bei "rechtsextrem" im Prinzip schon eine einmalige Abqualifizierung mit dieser Wertung den gewünschten Effekt in Richtung Rufmord sowie geistig-gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Wahrheitssucher
06. November 2017 19:37

@ Maiordomus

Hätten Sie es geschafft, in dem zur Verfügung gestellten Rahmen "noch mehr in die Tiefe" zu gehen? Wäre doch einen Versuch wert...

Maiordomus
06. November 2017 20:55

@ Wahrheitssucher. Ich gestehe, dass ich die Artikel von SiN auch schon im Vergleich zu dem von mir abonnierten Heft Sezession in nicht wenigen Fällen weniger überzeugend finde als was in der gedruckten Ausgabe steht, zu schweigen von den Aussagen in Buchform, etwa "Tristesse droite", oder von den Publikationen Sieferles, von denen ich das bloss vermeintliche Skandalbuch "Finis Germania" eher weniger gut finde als die Bücher, die sich direkt mit der Migrationsfrage beschäftigen. Kolumnen sind und bleiben nun mal eher Kurzfutter. Ob Waldstein so bedeutend ist, wie er von seinen Hassern in der veröffentlichten Meinung, wozu natürlich Wikipedia gehört, konnte ich bis jetzt noch nicht durch die Lektüre eines seiner Bücher überprüfen. Vorher nehme ich mir aber noch einen ganz dicken Schunken von einem unserer aktivsten Foristen vor, wo im Zusammenhang mit dem sog. Volkstod und seinen Hintergründen ein absoluter Hauptkriegsschauplatz betreten wird. Es wäre auch in diesem Fall schrecklich, sich nur über das Netz über den Autor zu erkundigen, in diesem Fall würde nicht einmal ich ein solches Buch lesen. Im Allgemeinen diskutieren wir hier fast allzu sehr auf Informationsebenen, die allzu sehr nach Informationen aus dem Netz orientiert scheinen. Dies genügt nun mal nicht, was man im Sinne der von Ihnen ebenfalls angesprochenen Vertiefung als Argument für fleissigere Buchlektüre, auch vom Antaios-Verlag, nehmen sollte. Nicht zu vergessen auch die Klassiker-Lektüre, warum nicht Denker, die noch rechts von den Rechten stehen, wie Donoso Cortes, Joseph de Maistre, Louis de Bonald, Edmund Burke und noch andere. Von denjenigen, die unsere Situation noch selber miterlebt haben, finde ich Sieferle in der Tat als einen der Besten.  Für die Wahrheit, falls man sie wirklich sucht, muss man tiefer bohren.

Selbstdenker
06. November 2017 21:12

@Maiordomus

ich empfehle Ihnen das Buch zu lesen.

Wahrheitssucher
06. November 2017 23:38

@ Maiordomus

"Für die Wahrheit, falls man sie wirklich sucht, muss man tiefer bohren."

Diesem Satz kann man kaum widersprechen. Aber "tiefer" ist ein Komparativ. Tiefer als was? Geht es immer einher mit länger? Habe häufig die Erfahrung gemacht, sei es bei Wortbeiträgen oder bei Schriften: Wesentliche Dinge lassen sich eigentlich auch oder vielleicht sogar nur kurz sagen... (Kürze statt "Kurzfutter"!)

Linkerhand
06. November 2017 23:59

Die deutsche Teilung wurde in beiden deutschen Staaten als "Garant des Friedens in Europa" abgefeiert. Beide Siegermächte haben wohl auch in Europa ihre zweite rechtmäßige Beute gesehen. Wie ein solches Unrecht zu einem dauerhaften und vor allem ehrlichen Frieden in Europa führen soll, war schon damals mehr als schleierhaft. Im Übrigen wird heute der Euro als "Garant des Friedens in Europa" ( "Scheitert der Euro, scheitert Europa" A. Merkel ) gehandelt. Möchte mich mal als Kassandra betätigen: Wie Teilung Deutschlands und die Spaltung Europas überwunden wurde, wird auch der Euro verschwinden. Und wie Talleyrand zu Napoleon schon zu sagen pflegte: Das ist schlimmer als ein Verbrechen, Majestät, das ist eine Dummheit!

Solution
07. November 2017 06:54

Das Buch gehört zu den besten von Antaios, genau wie der Verfasser einer unserer besten Denker ist, besonders im Bereich der Verknüpfung von Praxis und Theorie. Ich lernte ihn bereits Anfang/Mitte der 80er kennen und schätzen, als er noch ein ganz junger Mann war.

@ Heinrich Brück

Genau. Leider ist die AfD immer noch eine Partei der Befürwortung von Einwanderung nach Kriterien, die die Einwanderer etweder als tatsächliche Asylanten, usw. oder aber unter wirtschaftlichen Aspekten hereinlassen will. Wenn ein Schwarzafrikaner oder ein Chinese ins Schema passt, wird auch der genommen. Damit wird die Auflösung unseres Volkes lediglich verzögert. 

Andrenio
07. November 2017 08:24

@ maiordomus

Das Bessere ist des Guten Feind und oft kann das Aktuelle dem Überlieferten nicht das Wasser reichen. Sie erwähnen geistige Titanen aus der Vergangenheit, denen gegenüber sich ein Autorwie Thor von Waldstein ohne Probleme in Demut gegenüber verneigt. Warum man allerdings einen hervorragenden Analytiker wie von Waldstein mit einer Invektive herabsetzen muss, das ist wenig verständlich. Fehlt es hier an der Bescheidenheit, die eigentlich immer die großen Geister auszeichnet? Spontan fällt mir Caspar Freiherr von Schrenck-Notzing ein, der diesbezüglich ein Musterbeispiel war.

Maiordomus
07. November 2017 09:06

@ Ich gebe Ihnen grundsätzlich recht, Wahrheitssucher, aber die Textsorte Kolumne, besonders Online-Kolumne, hat nun mal ihre Einschränkung und Beschränktheit. Ehrlich gesagt lese ich die Kolumnen zwar gerne und nicht selten mit Zustimmung, aber ich lese sie eigentlich eher wegen der anschliessenden Foristendebatte, bin vielleicht in dieser Haltung und Einschätzung nicht mal der einzige. Ich bestelle die wichtigeren Bücher des Antaiosverlages regelmässig und gebe auch zum gedruckten Heft "Sezession" immer wieder mal Rückmeldungen. Was die Kürze betrifft, so erreichen wenige das Niveau von Lichtenberg, und zumal gibt es Kolumnenbeiträge, nicht nur im Spiegel, die nicht viel mehr sind als Lagerbekenntnisse. Bei Lichtmesz, Kubitschek und Kositza zum Beispiel geht es regelmässig darüber hinaus, zumal auch, weil sie immer wieder auch die Psychologie des Gegners nicht unklug in die Perspektive bringen. "Mit Linken leben" scheint mir tatsächlich eine echte Herausforderung auch zur Selbstorientierung zu sein. Dabei möchte ich auch wieder nicht sagen, dass die Buchlektüre es immer bringe. Zum Beispiel vermochten die von mir bestellten drei Bände Lisson den darin gestellten hohen philosophischen Ansprüchen nicht zu genügen. Und Sellner würde aus meiner Sicht statt ständig Videos abzusondern wohl besser mal drei Jahre schweigen und grundlegend bis zum Abschluss studieren, um am Ende endlich kraft Begabung, Temperament und Sensibilität als Rechtsintellektueller durchgehen zu können.

Maiordomus
07. November 2017 10:39

@Andrenio. Habe das Buch "Die entfesselte Freiheit", auf dessen Lektüre ich als täglicher Bücherleser neugierig bin, heute früh umgehend bestellt. Was wollen Sie mehr? Die höchste kollegiale Achtung vor einem Autor besteht darin, dass man sein Buch zum Ladenpreis einkauft.

Maiordomus
07. November 2017 11:39

@Brück/Solution. Mit fundamentalistischem Nullprozent bei der Einwanderung bestätigten Sie die Dummeinschätzung seitens der Gegnerschaft, bei welchen man den Unterschied zwischen Bewässerung und Überschwemmung nicht mehr realisiert. Natürlich weiss man, was zum Beispiel die George und Fontane und Chamisso samt den Heines und Rudolf Borchardts zur deutschen Kultur beigetragen haben, was kein vernünftiger Mensch mit Merkels verantwortungsfreier Politik von 2015 verwechseln wird. Auch hat Antaios an der Buchmesse einen Autor auch mit physischer Präsenz vorgestellt, den ich hier beim besten Willen nicht nennen will, weil ich weder seinen Vornamen noch seinen Familiennamen auswendig korrekt schreiben kann, lese ihn auch bis auf weiteres nicht, weil er nun mal das Niveau der oben genannten Migrationshintergründler wohl noch nicht ganz erreicht hat und weil ich als Leser bis Ende Jahr wirklich ausgebucht bin.   

Solution
07. November 2017 12:31

@ Maiordomus

Erzählen Sie das mal den Japanern.

Wahrheitssucher
07. November 2017 13:23

@ Maiordomus

Noch einmal zur Bekräftigung meines Standpunktes: Warum schätzen wir zum Beispiel eigentlich die Aphorismen des Nicolas Gomez Davila so sehr? (zumindest mit Herrn Lichtmesz weiß ich mich darin einig) Weil in einem seiner Sätze oft mehr Wahrheit liegt als in ellenlangen Abhandlungen anderer... Und zur Einwanderung: Sind wir denn nun lediglich bewässert oder doch schon überschwemmt? Ziemlich feucht ist es auf jeden Fall... Und ist Herr von Waldstein nicht eigentlich einfach nur brillant? Selbst wer seinen Ausführungen nicht zu folgen vermag, muß doch allein schon seinem Sprachvermögen Hochachtung zollen!

P.S. Im übrigen gehöre zu denjenigen, die Ihnen zustimmen ich in der häufigen Bevorzugung der Foristenbeiträge gegenüber den Hauptbeiträgen!

nom de guerre
07. November 2017 14:08

Von Thor von Waldstein habe ich bisher nichts gelesen (werde ich aber vielleicht nächstes Jahr machen), daher kann ich mich zu der Tiefe seiner Werke nicht äußern, allerdings finde ich seinen Vortragsstil sehr anstrengend, was ich an dieser Stelle als konstruktiv gemeinte Kritik einmal anmerken möchte. Eigentlich hatte ich den festen Vorsatz, mir das hier vor einigen Wochen eingestellte Video von seinem Vortrag zum Parteienstaat anzuschauen. Die gesamte Präsentation war jedoch dermaßen altväterlich und gerade auch aufgrund der für die gesprochene Sprache eher ungeeigneten zahlreichen Schachtelsätze ermüdend, dass ich es trotz echten Interesses nach ca. 10 Minuten aufgegeben habe. Meine eigene Studienzeit liegt nun schon einige Jahre zurück und selbst damals hat jeder einzelne meiner Professoren (an einer konservativen Uni in einem nicht gerade „neumodischen“ Fach), die z.T. über 20 Jahre älter gewesen sein dürften als Herr von Waldstein, lebendiger und gewinnender vorgetragen, als es bei dieser Veranstaltung der Fall war. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nur um meinen persönlichen Eindruck, dennoch wäre eine etwas zuhörerfreundlichere „Performance“ vielleicht eine gute Idee, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Ferner möchte ich aufgrund der obigen Diskussion @ Maiordomus eine Lanze für Akif Pirincci (schreibe ich jetzt auswendig, ist hoffentlich richtig) brechen. Sein Auftritt auf der Buchmesse hat mir sehr gut gefallen, wobei dieser auch den Vorteil hatte, dass er im Vergleich zu den übrigen Lesungen relativ störungsfrei verlief (seine Reaktion auf die Frau, die immer wieder „such dir einen Therapeuten!“ rief, fand ich nebenbei bemerkt sehr souverän). Zum Niveau seiner aktuellen Bücher (die man m.E. nicht mit Chamisso, Fontane oder den anderen genannten „Migrationshintergrund-Autoren“ vergleichen kann, das ist einfach etwas völlig anderes) nur Folgendes: Sein Stil ist in der Tat gewöhnungsbedürftig, allerdings kann (nicht muss) man das auch als ein künstlerisches Ausagieren der von ihm wahrgenommenen gegenwärtigen Lage interpretieren, als ggf. für den Autor die einzig passende Art, wie das, was derzeit in unserer Gesellschaft passiert, zum Ausdruck gebracht werden kann. Anders formuliert, wenn jemand dabei zuschauen muss, wie Deutschland, sein Deutschland, das er (ich glaube, das ist für das Verständnis Pirinccis von größter Bedeutung) als eingewanderter Türke als seine Heimat angenommen hat, vor die Hunde geht, weil es sich sehenden oder auch aus reiner Ignoranz nicht sehenden Auges in die Scheiße reitet (darf man das hier so schreiben? naja, ich wird’s merken), kann er durchaus der Ansicht sein, dass sich dies nur in einer genau an dieser hässlichen Zukunftsvision, also letztlich an Dreck orientierten Sprache ausdrücken lässt. Natürlich müssen einem seine Bücher trotzdem nicht gefallen (wobei ich sagen muss, dass ich Umvolkung und Übergang in wenigen Tagen verschlungen habe), jedoch erscheint es mir verfehlt, Pirincci für einen unintelligenten oder schlechten Autor zu halten.

Utz
07. November 2017 14:18

Und Sellner würde aus meiner Sicht statt ständig Videos abzusondern wohl besser mal drei Jahre schweigen und grundlegend bis zum Abschluss studieren, um am Ende endlich kraft Begabung, Temperament und Sensibilität als Rechtsintellektueller durchgehen zu können.

Oha! Muß er überhaupt als der Intellektuellste der Intellektuellen durchgehen? Ich glaube, viele können das gar nicht abschätzen, was Sellner dadurch bewirkt, daß er "Videos absondert". Diese Arbeit ist unermeßlich wichtig. Das verdient auch soviel Hochachtung (ich zumindest sehe das so), daß ich nicht auf die Idee käme, ihm Ratschläge geben zu wollen.

Heinrich Brück
07. November 2017 14:19

@ Maiordomus

Merkel ist eine schlechte Schauspielerin, zu ihren Gunsten ausgelegt, viel schlechter als Schröder. 2015 wäre auch ohne Merkel durchgezogen worden. Merkel Macht zu unterstellen, verantwortungsfreie Politik zu konstatieren, gibt dem vorgegebenen Rahmen der Gehirnwäsche ein Gesicht. Eine Manipulationstechnik aus der Matrix, den Deutschen die Bewässerung als Problemlösung gegen Überschwemmung zu verkaufen. Große Konzerne entscheiden dann, nicht irgendwelche Politiker. Diese dürfen verwaltungstechnisch die Gehirnwäsche bedienen. Die Menschen sind nicht rational.

Sie wollen ein Einwanderungsgesetz? Wollen die Grünen auch. Kommen dann weniger Asylanten? Regierungspartei und Oppositionspartei spielen mit verteilten Rollen, innerhalb der Rahmenhandlung auch eine rechte Oppositionspartei mitspielen darf. Fontane und Heine als Beruhigungspillen, auch nicht schlecht.

Akzeptiert die AfD den vorgegebenen Rahmen, wird sie noch einige transatlantische Lehrgänge absolvieren müssen, bis die angestrebte Regierungsverantwortung in Erfüllung gehen kann.

Maiordomus
07. November 2017 18:11

@ nom de guerre. Schön, dass Sie Akif Pirincci richtig schreiben können, dessen Auftritte gewiss unterhaltsam sind und der mit seiner ganzen Existenz indirekt beweist, dass die Bekämpfung der Überschwemmung nicht der Ablehnung des Wassertropfens gelten kann.

Cacatum non est pictum
07. November 2017 21:15

@Maiordomus

Vorher nehme ich mir aber noch einen ganz dicken Schunken von einem unserer aktivsten Foristen vor, wo im Zusammenhang mit dem sog. Volkstod und seinen Hintergründen ein absoluter Hauptkriegsschauplatz betreten wird.

Darf ich fragen, um welches Werk es sich dabei handelt?

@nom de guerre

Von Thor von Waldstein habe ich bisher nichts gelesen (werde ich aber vielleicht nächstes Jahr machen), daher kann ich mich zu der Tiefe seiner Werke nicht äußern, allerdings finde ich seinen Vortragsstil sehr anstrengend, was ich an dieser Stelle als konstruktiv gemeinte Kritik einmal anmerken möchte.

Sie sollten ihn unbedingt lesen. Er ist ein messerscharfer Analytiker und sieht die Gegenwart und die Zukunft unseres Landes durch eine glasklare Brille. Von ihm kann man politisch einiges lernen.

Eigentlich hatte ich den festen Vorsatz, mir das hier vor einigen Wochen eingestellte Video von seinem Vortrag zum Parteienstaat anzuschauen. Die gesamte Präsentation war jedoch dermaßen altväterlich und gerade auch aufgrund der für die gesprochene Sprache eher ungeeigneten zahlreichen Schachtelsätze ermüdend, dass ich es trotz echten Interesses nach ca. 10 Minuten aufgegeben habe.

Herr von Waldstein kann eben den Juristen in ihm nicht ganz verbergen. Wenn Sie Fachliteratur der Rechtswissenschaft lesen, werden Sie feststellen, daß dieser gedrechselte Duktus dort gang und gäbe ist. Das hat sicher auch mit den vielen Abstraktionen zu tun, die Juristen in ihren Texten verwerten müssen. Und nicht jedem ist die Stilistik eines Poeten in die Wiege gelegt. Dennoch: Den roten Faden und den klaren Gedanken verliert Herr von Waldstein nie. Das ist immerhin ein Qualitätsmerkmal, denn längst nicht jede Koryphäe einer Disziplin - und sei sie ein klassicher Philosoph - kann das von sich behaupten.

Jürg_Jenatsch
07. November 2017 21:24

@ Maiordomus Mit fundamentalistischem Nullprozent bei der Einwanderung bestätigten Sie die Dummeinschätzung seitens der Gegnerschaft, bei welchen man den Unterschied zwischen Bewässerung und Überschwemmung nicht mehr realisiert.

Trotz Ihrer außerordentlichen Belesenheit, für die ich Ihnen uneingeschränkt und ohne Hintersinn Bewunderung zuteil werden lasse, so finde ich diese Aussage unpassend. Erstens ist es taktisch unklug, dem Gegner ohne dessen Konzessionen bereits vorab Zugeständnisse zu machen. Zweitens ist es nach Jahrzehnten ungehemmter Masseneinwanderung nicht der Augenblick weiterer Einwanderung das Wort zu reden. Jetzt müßte über Remigration gesprochen werden, nicht über ein Einwanderungsgesetz. Drehhofer wäre glaubwürdiger gewesen und hätte einen Pflock eingehauen, wenn er statt plus 200.000 über die Abschiebung von mindestens 200.000 Illegalen pro Jahr gesprochen hätte. Drittens ist es auch historisch falsch, die Masseneinwanderung der letzten Jahrzehnte mit der klugen Bevölkerungspolitik brandenburgisch/preußischer Kurfürsten zu vergleichen. Holländer, die damals besten Deichbauer Europas wurden zur Entwässerung und Melioration des Oderbruches angeworben, die hochqualifizierten Hugenotten für technische und akademische Berufe (plus Kapital) und die protestantischen Salzburger zur partiellen Neubesiedlung der durch Krieg und Seuchen teilweise entvölkerten Provinz Ostpreußen. Viertens wenn man Kinder hat, dann ist einen die Situation an den Schulen vielleicht geläufiger, als wenn man mit diesem Problem nicht konfrontiert wird. Selbst in vielen Mittelstädten sehen sich die Deutschen in der Grundschule mittlerweile einer soliden Mehrheit ausländischer Kinder gegenüber und an den Haupt/Mittelschulen schaut es eher noch düsterer aus. Dort sitzen mancherorts 2-3 deutsche Kinder mit 20 und mehr Ausländern in einer Klasse. Was soll hier noch bewässert werden? Mittlerweile ist bereits der Keller und das Untergeschoß überschwemmt und binnen Kürze wird auch der 1. Stock nicht mehr trocken bleiben. Sollen wir warten bis auch die Beletage überläuft, oder jetzt schon nach der Feuerwehr und den Pumpen rufen?

nom de guerre
07. November 2017 22:44

@ Cacatum non est pictum Wie gesagt, ich beziehe mich wirklich nur auf Herrn von Waldsteins Vortragsstil, die Schärfe seiner Gedankengänge bestreite ich nicht (kann ich gar nicht und ich sehe auch keinen Grund dafür). Wenn er in seinen Ausführungen den roten Faden nie verliert, ist das bei seiner Redeweise (ewig lange Sätze mit vielen eingeschobenen Zitaten) definitiv eine enorme Leistung, aber es ist aus meiner naturgemäß subjektiven Sicht eben auch sehr anstrengend, ihm zuzuhören. Seine Bücher können selbstverständlich ganz unabhängig davon brillant sein - momentan hat mein Stapel ungelesener Bücher allerdings einen bedenklichen Umfang erreicht, weshalb ich das hier besprochene Buch erstmal nicht guten Gewissens hinzufügen kann. Sie dürfen aber davon ausgehen, dass ich mich ein kleines bisschen mit juristischer Fachliteratur auskenne.

@ Maiordomus >>[...] der mit seiner ganzen Existenz indirekt beweist, dass die Bekämpfung der Überschwemmung nicht der Ablehnung des Wassertropfens gelten kann.<< Das sehe ich auch so. Einwanderung komplett abzulehnen, halte ich für lebensfremd, aber ich kann diese Sichtweise in der derzeitigen Situation zumindest nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile.

Maiordomus
07. November 2017 23:27

@Cacatum non est pictum. Es ist hier weder üblich noch angemessen, dass Debattenteilnehmer mit Klarnamen geoutet werden, es sei denn, sie tun es selber. @Jürg Jenatsch. Ich schliesse nicht aus, dass sie von praktischer Politik wohl nichts oder wenigstens sehr wenig verstehen und sich selber nie konkret um Problemlösungen bemüht haben. Sage ich als jemand mit 50 Jahren Erfahrung mit der Einwanderungspolitik in meinem Land (auch der Heimat des historischen Jenatsch) einschliesslich direkter Kontakte mit fast allen bedeutenden Protagonisten auf diesem Gebiet, auch aus praktischen Erfahrungen mit Schulen und Schulsozialarbeit sowie Forschungen über die Hugenotteneinwanderung, über die ich meinerseits publiziert habe.  Sie müssen mir den Unterschied der Hugenotten im Vergleich zur afrikanischen Schleppereinwanderung nicht erklären, siehe das von mir 1999 in einem Buch publizierte Sonett eines Hugenotten von 1690, dass man lieber hungern wolle, als dem Gastland nicht alles auf Heller und Pfennig entschädigen. Ebenfalls habe ich schon 1985 über die Schweizer Einwanderung in die Mark Brandenburg publiziert, forschte und forsche ausserdem über die Besiedlung der Krim durch Schweizer und Schwaben im 19. Jahrhundert sowie über die Grundsätze der Asyltradition im 19. Jahrhundert. In diesem Sinn wäre zum Beispiel der Katalane Puidgemont, wie das auch ein Schweizer SVP-Nationalrat sieht, ein klassischer Asylbewerber (trotz der Schwierigkeiten, die man politisch mit ihm kriegen könnte), der kaum in den Verdacht mangelnden Heimkehrwillens geraten könnte, so wenig man Lenin den mangelnden Willen, nach Russland zurückzukehren, unterstellen konnte. Lenin wurde in der Schweiz natürlich nicht staatlich unterstützt, ärgerte sich aber darüber, dass die Schweizer Sozialisten ihm in den Lokalen der Stadt Zürich nicht mal die Zeche bezahlt haben.    

Cacatum non est pictum
08. November 2017 12:49

@nom de guerre

Sie dürfen aber davon ausgehen, dass ich mich ein kleines bisschen mit juristischer Fachliteratur auskenne.

Das ist gut. Dann wissen Sie ja, was ich meine. Obwohl es natürlich noch schlimmere Sünder gibt als die Juristen: Soziologen etwa, deren Deutsch bisweilen über die ästhetischen Schmerzgrenzen weit hinausgeht.

@Maiordomus

Es ist hier weder üblich noch angemessen, dass Debattenteilnehmer mit Klarnamen geoutet werden, es sei denn, sie tun es selber.

In Ordnung. Es hätte ja sein können, daß der Betreffende mit der Nennung seiner Publikation einverstanden ist. Ich frage mich allerdings, warum Sie das (nicht benannte) Werk dann überhaupt erwähnen. Immerhin deuten Sie ja an, worum es in dem Buch geht, und weisen darauf hin, daß sein Verfasser einer der aktivsten Forumsteilnehmer hier ist. Diese genannten Parameter erhöhen die Gefahr einer Enttarnung. Wozu also der Hinweis?

Thomas Hellmig
08. November 2017 17:40

Zitat: "Wie es im Innersten des mit konsumistischem Flittergold nur mühsam bedeckten, bundesdeutschen Elends tatsächlich aussieht, entzieht sich nach wie vor dem Vorstellungsvermögen der meisten Akteure, leider auch vieler widerständiger Kräfte."

Bei solchen Sätzen bekomme ich einfach nur eine Gänsehaut, weil sie wahr sind. Das Elend wird jetzt immer sichtbarer. Man kann praktisch live miterleben, wie ein Staat kapituliert.

Was mir persönlich zu denken gibt, ist die zunehmende Falschheit bzw. Feigheit, etwas dagegen bzw. dafür zu tun. Ach Deutschland, was sind wir  feige geworden. Danke an diesen digitalen und nicht menschenfeindlichen Ort, um wieder etwas zur Besinnung zu kommen. (einfach leben - erhaben denken)

Ulfilas
10. November 2017 05:00

Am Buch Waldstein ist vehement zu kritisieren, dass er im Buch den Islam total verharmlost.  Waldstein sollte sich einmal intensiv mit dem Koran und der Sunna und der Geschichte des Islam beschäftigen. Solange er die Gefahr des Islam für Deutschland nicht erkannt hat, müsste er hinsichtlich einer Kritik an der muslimischen Einwanderung zwangsläufig weitgehend ethnisch argumentieren - was er jedoch vermeidet - . Von daher ist kein Wunder, dass er das größte Problem - die muslimische Einwanderung - kaum behandelt.  Das islamisch-kulturelle Problem ist viel zu gross bzw. wahrlich gross genug. Sofern es daher wirklich ein ethnisches Problem gibt oder gäbe, ist oder wäre es zur heutigen Zeit (2017) zweit- oder drittrangig und der umerzogenen und der an Wissen mangelnden Bevölkerung nur sehr schwer zu vermitteln. Das Tabu Islam zu brechen, ist schon schwer genug! Ansonsten ist sein Buch lesenswert, sofern der Leser die Islam-Problematik und die politische Reaktion darauf ständig im Gehirn parat hat. Ein solcher Leser war bzw. bin ich.

   

Cacatum non est pictum
10. November 2017 16:20

@Ulfilas

Am Buch Waldstein ist vehement zu kritisieren, dass er im Buch den Islam total verharmlost.  Waldstein sollte sich einmal intensiv mit dem Koran und der Sunna und der Geschichte des Islam beschäftigen.

Dieses Thema hat viele Facetten und wird hier bei SiN regelmäßig in der einen oder anderen Form diskutiert: liberale Islamkritik versus fundamentale Einwanderungskritik. Thor von Waldstein beurteilt das Phänomen der Masseneinwanderung - soweit ich ihn richtig verstehe - von innen heraus und sieht es als Symptom unseres erodierenden Gemeinwesens an, das sich nach und nach von jedem Konsens und von jeder Gewissheit losgesagt hat, das nun folgerichtig im schwerelosen Kosmos der Beliebigkeit dahingleitet und das keiner ernsthaften Erschütterung mehr standhält. Mit anderen Worten: Wären wir noch eine stolze Nation und ein Volk, das sich wenigstens darin einig ist, als Volk weiterexistieren zu wollen, dann hätte es diese beispiellose Masseneinwanderung nach Deutschland (und in viele unserer Nachbarstaaten) nie gegeben, auch keine solche islamischer Prägung. Wenn wir uns noch einmal behaupten und diese riesige Lawine stoppen wollen, dann müssen wir tiefer ansetzen als beim Islam - nämlich bei uns selbst. Alles weitere wird sich dann fügen.

Manfred Kleine-Hartlage, der ja eine profunde soziologische Analyse zum Islam erstellt hat (Das Dschihadsystem) und sich selbst als Islamkritiker tituliert, sagt zu unserem Thema folgendes (Quelle: Interview aus Heft 40 der Sezession, 2011):

Ich halte beide Positionen für gleichermaßen naiv: Es stimmt schon, daß Masseneinwanderung, auch wenn sie nicht muslimisch ist, auf die Dauer die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft auflöst – das muß man der liberalen Islamkritik entgegenhalten. Es ist aber – und das geht an die Adresse der Nur-Immigrationskritiker – ein großer Unterschied, ob man etwas in Wasser auflöst oder in Salzsäure. Der Islam ist die Salzsäure.

Kleine-Hartlage besitzt die Fähigkeit, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Auch diese Aussage bringt es auf den Punkt. Aber genau hier will ich einhaken und fragen, warum wir die Salzsäure so scheuen. Wenn wir unser Volk, unser Gemeinwesen, unsere Kultur und unser Erbe doch ohnehin aufgeben, wieso wollen wir all das langsam und seicht absterben lassen - und nicht in einem beschleunigten, schmerzhaften Prozeß, der uns unseren Untergang so richtig deutlich vor Augen führt? Nein, ich wünsche mir mehr Salzsäure herbei, damit niemand später sagen kann, er habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt; damit jeder, der an diesen Zuständen mitgewirkt hat, die wir heute beklagen, daran gemessen werden kann, ob er sich wenigstens in der finalen Phase auf die richtige Seite geschlagen und für die Zukunft seiner Nachkommen gekämpft hat. Wer die Salzsäure meidet, aber die Dinge ihren Lauf nehmen läßt, der ist bloß froh, daß die ganz schlimmen Folgen auf kommende Generationen abgewälzt werden. Das ist ein feiges Motiv.

Und zu guter Letzt bin ich beim Thema Islamkritik deshalb vorsichtig, weil ich den Eindruck habe, daß von interessierten Kreisen ganz bewußt der Konflikt zwischen Westen und Islam geschürt und herbeigeredet wird (siehe Samuel Huntington) - mit dem absehbaren Ergebnis, daß sich die vermeintlichen Kontrahenten gegenseitig bis ins Mark schwächen und Dritte profitieren werden. Diese Dritten sind es, die ich für wahrlich gefährlich halte - und die uns ja die islamische Masseneinwanderung zu einem guten Teil eingebrockt haben.

 

Ulfilas
14. November 2017 02:02

Bitte um Beantwortung der folgenden Frage: Warum wurde mein 2. Kommentar zu Waldstein und auch zu Cacatum hier nicht veröffentlicht Ich habe doch nur erwähnt, dass die jahrzehntelange mediale und politische Verharmlung des Islam und der Kriminalität muslimischer Migranten der These widerspricht, führende Eliten  würden bzw. wollten einen BÜRGERKrieg zwischen Deutschen und Muslimen provozieren. Gerade dieser Sachverhalt bedarf einer intensiven Diskussion!

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